Solarliebhaber.de
Recht & Streitfälle

Klage gegen den Solarteur: Was das Verfahren wirklich kostet

Wer verliert, zahlt Gericht, eigenen und gegnerischen Anwalt. Bei 20.000 Euro Streitwert sind das nach unserer Rechnung aus § 34 GKG und § 13 RVG rund 5.575 Euro netto — der Mahnbescheid kostet davon 16,7 Prozent der Gerichtsgebühr.

⏱️ 11 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 08. September 2026

Die Frage, die vor jedem Schreiben kommt: Was kostet das, wenn es schiefgeht?

Ein typischer Fehler ist, diese Rechnung erst beim Anwalt aufzumachen. Der Solarteur zahlt nicht, oder er verlangt Geld, das du nicht schuldest. Irgendwann steht die Frage im Raum, ob man klagt. Und die erste ehrliche Antwort ist keine juristische, sondern eine kaufmännische.

§ 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO sagt, wer zahlt: Die unterliegende Partei trägt die Kosten des Rechtsstreits — und muss dem Gegner die Kosten erstatten, soweit sie zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendig waren. Absatz 2 Satz 1 stellt klar, dass die gesetzlichen Gebühren und Auslagen des gegnerischen Anwalts in allen Prozessen zu erstatten sind.

Wer verliert, zahlt also das Gericht, den eigenen Anwalt und den des Gegners. Diese drei Posten lassen sich vorher ausrechnen, und genau das machen wir hier.

💡 Worum es hier nicht geht. Nicht um die außergerichtlichen Verfahren, die dich nichts kosten — dazu Schlichtung nach dem VSBG und Clearingstelle EEG. Nicht um die Frage, was du zurückhalten darfst — dazu Restzahlung einbehalten. Und nicht um Gutachterkosten — dazu Was ein PV-Gutachter kostet.

PV-Angebote zu Hause vergleichen?

Ein Mal dein Vorhaben beschreiben, mehrere geprüfte Solarteure planen lassen.

✓ Bis zu 3 lokale Solarteure vergleichen ✓ Nur Fachbetriebe aus deiner Region

Die Gerichtsgebühr: 3,0 Gebühren nach einer Tabelle mit Stufen

Die Gerichtskosten hängen nicht am Aufwand, sondern am Streitwert. § 34 Abs. 1 GKG setzt die Gebühr bis 500 Euro Streitwert auf 40 Euro und erhöht sie dann in Stufen: je angefangene weitere 500 Euro um 21,00 Euro, ab 2.000 Euro je angefangene 1.000 Euro um 22,50 Euro, ab 10.000 Euro je angefangene 3.000 Euro um 30,50 Euro.

Das ist die einfache Gebühr. Wie oft sie anfällt, steht im Kostenverzeichnis: Nummer 1210 der Anlage 1 zum GKG nennt für das erstinstanzliche Verfahren im Allgemeinen 3,0 Gebühren.

Nummer 1211 senkt das auf 1,0, wenn das Verfahren durch Klagerücknahme, Anerkenntnis- oder Verzichtsurteil oder einen gerichtlichen Vergleich endet. Ein Vergleich spart also zwei Drittel der Gerichtsgebühr — das ist kein Verhandlungstrick, sondern steht im Gesetz.

Die Anwaltsgebühr: 1,3 plus 1,2 nach einer zweiten Tabelle

§ 13 Abs. 1 RVG hat denselben Aufbau, aber andere Zahlen: bis 500 Euro Gegenstandswert 51,50 Euro, dann je angefangene weitere 500 Euro um 41,50 Euro, ab 2.000 Euro je angefangene 1.000 Euro um 59,50 Euro, ab 10.000 Euro je angefangene 3.000 Euro um 55,00 Euro.

Im gerichtlichen Verfahren fallen davon zwei Sätze an: Nummer 3100 des Vergütungsverzeichnisses nennt eine Verfahrensgebühr von 1,3, Nummer 3104 eine Terminsgebühr von 1,2. Zusammen 2,5 Gebührensätze je Anwalt.

Zwei durchgerechnete Fälle

Die Grafik ist maßstäblich gezeichnet: 10 Euro je Bildpunkt, der Balken für 5.575,00 Euro also 558 Bildpunkte lang, der für 202,50 Euro 20 Bildpunkte. Die folgenden Beträge sind unsere eigene Rechnung aus den beiden Tabellen — netto, ohne Auslagenpauschale und ohne Umsatzsteuer. Vergleiche sie mit deinem eigenen Streitwert, die Stufen lassen sich Zeile für Zeile nachrechnen.

PostenStreitwert 5.000 EuroStreitwert 20.000 Euro
einfache Gerichtsgebühr (§ 34 GKG)170,50 Euro405,00 Euro
Gericht, 3,0 Gebühren (KV 1210)511,50 Euro1.215,00 Euro
einfache Anwaltsgebühr (§ 13 RVG)354,50 Euro872,00 Euro
ein Anwalt, 2,5 Sätze (VV 3100 + 3104)886,25 Euro2.180,00 Euro
Gericht plus beide Anwälte2.284,00 Euro5.575,00 Euro

Das ist das Risiko, das du im Verlustfall trägst — bei einem Streitwert von 20.000 Euro also rund 28 Prozent der Streitsumme, bevor Auslagen und Steuer dazukommen. In der Praxis ist das die Zahl, die über den Weg entscheidet, nicht die Rechtslage.

⚠️ Diese Beträge sind Nettobeträge. Die Auslagenpauschale und die Umsatzsteuer auf die Anwaltsvergütung kommen hinzu. Wir beziffern sie hier bewusst nicht: Die betreffenden Nummern des Vergütungsverzeichnisses waren im Direktabruf vom 08.09.2026 nicht enthalten, und eine geschätzte Zahl wäre in einer Kostentabelle das Letzte, was hilft.

Der Mahnbescheid kostet 16,7 Prozent der Klage

Zwischen Mahnung und Klage liegt ein Verfahren, das viele überspringen. Nummer 1100 des Kostenverzeichnisses nennt für den Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids eine Gebühr von 0,5 — mindestens 38,00 Euro.

Gegen die 3,0 Gebühren der Klage sind das 16,7 Prozent, und zwar bei jedem Streitwert, weil beide Sätze auf derselben einfachen Gebühr beruhen. Bei 20.000 Euro Streitwert stehen 202,50 Euro gegen 1.215,00 Euro.

§ 690 Abs. 1 ZPO zählt auf, was im Antrag stehen muss: Parteien und Vertreter, das Gericht, die bestimmte Bezeichnung des Anspruchs mit getrennter Angabe von Haupt- und Nebenforderungen, das für ein streitiges Verfahren zuständige Gericht — und in Nummer 4 die Erklärung, dass der Anspruch nicht von einer Gegenleistung abhängt oder die Gegenleistung erbracht ist.

Diese Nummer 4 ist der Punkt, an dem PV-Fälle scheitern. Wer Geld zurückverlangt, weil die Anlage mangelhaft ist, hat einen Anspruch, über dessen Gegenleistung gestritten wird. Prüfe deshalb vorher, ob dein Anspruch wirklich unbedingt ist — sonst ist der Mahnbescheid der falsche Weg und der Widerspruch programmiert.

Absatz 2 der Vorschrift verlangt außerdem die handschriftliche Unterzeichnung des Antrags.

Einspeisevergütung: 7,70 ct/kWh nur noch bei Inbetriebnahme bis 31. Januar 2027 · danach sinkt der Satz erneut

PV-Angebote zu Hause vergleichen?

Eine Anfrage, mehrere geprüfte Solarteure planen für dich.

MarkenunabhängigKostenlosUnverbindlich

Welche Dachform hat dein Haus?


Kostenlos & unverbindlich · Antwort innerhalb 72 Stunden

WegGerichtsgebührFundstelle
Antrag auf Mahnbescheid0,5 — mindestens 38,00 EuroKV 1100
Klage, erstinstanzliches Verfahren3,0KV 1210
Klagerücknahme, Anerkenntnis, gerichtlicher Vergleich1,0KV 1211
Berufung4,0KV 1212
💡 Was das für den Preis deiner Anlage bedeutet. Ein Streit über 20.000 Euro kostet im Verlustfall rund 5.575 Euro netto — bei einer Anlage, deren Angebot vielleicht bei 25.000 Euro lag, sind das rund 22 Prozent der Investition. Prüfe deshalb vor jeder Eskalation, ob sich der Streitwert reduzieren lässt: Die Kosten folgen ihm in beiden Tabellen.

Prozesskostenhilfe: zwei Hürden, nicht eine

Wer die Kosten nicht tragen kann, hat einen Anspruch — aber unter zwei Bedingungen, die zusammen erfüllt sein müssen.

§ 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO: Prozesskostenhilfe erhält auf Antrag, wer nach seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann — wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint.

Die zweite Hürde wird unterschätzt. Absatz 2 definiert Mutwilligkeit ausdrücklich: mutwillig ist die Rechtsverfolgung, wenn eine Partei, die keine Prozesskostenhilfe beansprucht, bei verständiger Würdigung aller Umstände davon absehen würde — obwohl hinreichende Aussicht auf Erfolg besteht.

Übersetzt: Ein aussichtsreicher Anspruch reicht nicht, wenn ein Selbstzahler die Sache trotzdem nicht verfolgen würde, etwa weil der Aufwand außer Verhältnis steht.

Und die Freibeträge des § 115 ZPO nennen wir hier nicht: Sie werden durch Bekanntmachung fortgeschrieben, und wir haben die geltende Fassung für diesen Ratgeber nicht erhoben.

Die Falle mit dem Güteverfahren und der Jahresfrist

§ 91 Abs. 3 ZPO enthält eine Regel, die zu den außergerichtlichen Wegen passt und leicht übersehen wird.

Die Gebühren eines Güteverfahrens vor einer von der Landesjustizverwaltung eingerichteten oder anerkannten Gütestelle gehören zu den erstattungsfähigen Kosten des Rechtsstreits — aber nicht, wenn zwischen der Beendigung des Güteverfahrens und der Klageerhebung mehr als ein Jahr verstrichen ist.

Wer also erst schlichtet und dann lange wartet, verliert die Erstattungsfähigkeit dieser Kosten. Notiere dir das Datum, an dem das Güteverfahren endet.

Der Nachteil des Gerichtswegs — offen gesagt

Drei Punkte, die man vor der Entscheidung kennen sollte.

Erstens das volle Kostenrisiko: Bei 20.000 Euro Streitwert stehen rund 5.575 Euro netto im Raum, und im Verlustfall trägst du sie ganz. Ein Teilerfolg führt zu einer Quote, nicht zu null.

Zweitens die Dauer: Wie lange ein Bauprozess dauert, konnten wir mit keiner öffentlich lesbaren Erhebung belegen — wir nennen deshalb keine Monatszahl. Klar ist nur, dass die Anlage währenddessen läuft oder eben nicht läuft.

Drittens die Alternative: Die außergerichtlichen Verfahren kosten dich nichts oder fast nichts und hemmen die Verjährung. Der Gerichtsweg ist deshalb selten der erste, sondern der letzte Schritt. Wenn der Betrieb zahlungsunfähig ist, hilft ohnehin keine Klage — dazu Anbieter insolvent.

💡 Rechne mit der Rechnung, nicht mit dem Gefühl. Notiere die drei Zahlen vor dem ersten Anwaltstermin: Streitwert, 3,0 Gerichtsgebühren dazu und 2,5 Anwaltssätze je Seite. Wer mit diesen Werten ins Gespräch geht, diskutiert über den Weg und nicht über den Preis der Beratung.

Was wir nicht belegen konnten

  • Auslagenpauschale und Umsatzsteuer nicht beziffert. Die betreffenden Nummern des Vergütungsverzeichnisses waren im Direktabruf am 08.09.2026 nicht enthalten. Alle Beträge in diesem Ratgeber sind deshalb Nettobeträge.
  • Keine Einkommensgrenze für die Prozesskostenhilfe. § 115 ZPO arbeitet mit Freibeträgen, die fortgeschrieben werden; die geltende Fassung wurde nicht erhoben.
  • Keine Aussage zur Rechtsschutzversicherung. Ob und ab wann ein Baustein Bauleistungen abdeckt, ist Vertragsrecht des einzelnen Anbieters und keine Gesetzeslage. Eine neutrale, im Volltext lesbare Quelle dazu wurde nicht gefunden.
  • Keine Verfahrensdauer. Für Bauprozesse in Deutschland wurde keine öffentlich lesbare Erhebung gefunden.

Die Reihenfolge, bevor du klagst

1 In fünf Schritten
  1. Streitwert bestimmen. Das ist die Summe, um die gestritten wird — nicht der Anlagenpreis. Alles Weitere hängt an dieser Zahl.
  2. Beide Tabellen anwenden. Rechne die einfache Gebühr nach § 34 GKG und nach § 13 RVG aus und multipliziere mit 3,0 beziehungsweise 2,5 je Anwalt.
  3. Prüfe, ob der Anspruch unbedingt ist. Nur dann trägt der Mahnbescheid — § 690 Abs. 1 Nr. 4 ZPO verlangt die Erklärung zur Gegenleistung.
  4. Den kostenlosen Weg zuerst gehen. Schlichtung oder Clearingstelle kosten dich nichts und hemmen die Verjährung; achte danach auf die Jahresfrist des § 91 Abs. 3 ZPO.
  5. Vergleichsbereitschaft einplanen. Nummer 1211 des Kostenverzeichnisses senkt die Gerichtsgebühr beim gerichtlichen Vergleich von 3,0 auf 1,0.
Vier Zahlen, die du vor dem ersten Anwaltstermin kennst
  • Dein Streitwert in Euro.
  • Die 3,0 Gerichtsgebühren dazu — nach § 34 GKG nachgerechnet.
  • Die 2,5 Anwaltsgebührensätze je Seite — nach § 13 RVG nachgerechnet.
  • Der Betrag, den ein Mahnbescheid stattdessen kostet: 0,5 Gebühren, mindestens 38,00 Euro.
⚠️ Der Streitwert ist nicht verhandelbar. Er wird vom Gericht festgesetzt, nicht zwischen den Parteien vereinbart. Wer die Forderung zu hoch ansetzt, um Druck zu machen, erhöht damit sein eigenes Kostenrisiko — nach § 91 Abs. 1 ZPO in genau demselben Verhältnis, in dem er unterliegt.

Häufige Fragen

Wer trägt die Kosten, wenn ich verliere? +
Du. Nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO trägt die unterliegende Partei die Kosten des Rechtsstreits und erstattet dem Gegner die notwendigen Kosten; Absatz 2 Satz 1 nennt dabei ausdrücklich die gesetzlichen Gebühren und Auslagen des gegnerischen Anwalts.
Was kostet eine Klage über 20.000 Euro? +
Nach unserer Rechnung aus § 34 GKG und § 13 RVG: 1.215,00 Euro Gerichtsgebühren (3,0) und je Anwalt 2.180,00 Euro (2,5 Sätze), zusammen 5.575,00 Euro netto — ohne Auslagenpauschale und ohne Umsatzsteuer.
Ist ein Mahnbescheid billiger als eine Klage? +
Deutlich. Nummer 1100 des Kostenverzeichnisses nennt 0,5 Gebühren, mindestens 38,00 Euro, gegenüber 3,0 Gebühren nach Nummer 1210. Das sind 16,7 Prozent, unabhängig vom Streitwert.
Kann ich einen Mahnbescheid wegen eines Baumangels beantragen? +
Meist nicht sinnvoll. § 690 Abs. 1 Nr. 4 ZPO verlangt die Erklärung, dass der Anspruch nicht von einer Gegenleistung abhängt oder die Gegenleistung erbracht ist. Bei einem streitigen Werklohn oder Mangelanspruch führt das regelmäßig zum Widerspruch.
Wann bekomme ich Prozesskostenhilfe? +
Wenn du die Kosten nach deinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht, nur teilweise oder nur in Raten aufbringen kannst und die Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig ist (§ 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Beide Voraussetzungen müssen zusammen vorliegen.
Was bedeutet „mutwillig" im Sinn des § 114 ZPO? +
§ 114 Abs. 2 ZPO definiert es: mutwillig ist die Rechtsverfolgung, wenn eine Partei ohne Prozesskostenhilfe bei verständiger Würdigung aller Umstände davon absehen würde, obwohl hinreichende Aussicht auf Erfolg besteht.
Spare ich Kosten durch einen Vergleich? +
Bei der Gerichtsgebühr ja. Nummer 1211 des Kostenverzeichnisses senkt die 3,0 Gebühren unter anderem beim gerichtlichen Vergleich, bei Klagerücknahme und beim Anerkenntnisurteil auf 1,0.
Werden die Kosten einer Schlichtung erstattet? +
Nach § 91 Abs. 3 ZPO gehören die Gebühren eines Güteverfahrens vor einer von der Landesjustizverwaltung eingerichteten oder anerkannten Gütestelle zu den Kosten des Rechtsstreits — nicht aber, wenn zwischen dem Ende des Güteverfahrens und der Klageerhebung mehr als ein Jahr liegt.
Zahlt meine Rechtsschutzversicherung? +
Das richtet sich nach deinem Vertrag, nicht nach dem Gesetz. Wir haben dazu keine neutrale, im Volltext lesbare Quelle gefunden und nennen deshalb weder Bausteine noch Wartezeiten. Die Antwort steht in deinen Versicherungsbedingungen.

Ein Angebot ist kein Vergleich.

Hol zwei weitere ein, dann weißt du, ob der Preis stimmt – von geprüften Solarteuren aus deiner Region.

3 lokale Solarteure vergleichenNur Fachbetriebe aus deiner RegionVerbindliche Festpreis-Angebote

Kostenlos & unverbindlich · Geprüfte Fachpartner