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Kläranlage mit PV-Anlage: Dauerlast, Eigenverbrauch, KARL-Quote und Umsatzsteuer

Eine Kläranlage verbraucht rund um die Uhr Strom: 31,0 kWh je Einwohnerwert. Eigene PVGIS-Rechnung zur sinnvollen Anlagengröße, vier Praxisanlagen nachgerechnet, die KARL-Stufen bis 2045 und die Umsatzsteuer der hoheitlichen Abwasserbeseitigung.

⏱️ 13 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 13. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
  1. 1.Die Kläranlage als Stromverbraucher: 31,0 kWh je Einwohnerwert
  2. 2.Eigenverbrauch bei Dauerlast: eigene PVGIS-Rechnung für 10.000 EW
  3. 3.Klärgas-BHKW und PV: wer den Eigenverbrauch bekommt
  4. 4.Vier Kläranlagen im Vergleich: was die Meldungen tragen
  5. 5.Leusel: Warum ein Sommermonat keine Jahresdeckung ist
  6. 6.KARL: 20 bis 100 Prozent erneuerbare Energie für Abwasser-Anlagen ab 10.000 EW
  7. 7.Umsatzsteuer: Die Abwasserbeseitigung ist hoheitlich, die Einspeisung nicht
  8. 8.Nullsteuersatz und Stromsteuer auf dem Gelände der Kläranlage
  9. 9.Checkliste für Abwasserverband und Kommune
  10. 10.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  11. 11.Häufige Fragen zu PV auf der Kläranlage

Eine Kläranlage braucht Strom rund um die Uhr: Gebläse belüften die Belebungsbecken, Pumpen heben das Abwasser, auch um drei Uhr nachts und an Weihnachten. Kaum ein Verbraucher nimmt Solarstrom so zuverlässig ab. Das ist der Gegenfall zur Schule und zum Freibad, deren Verbrauch an Ferien und Badesaison hängt.

Dieser Ratgeber rechnet mit einer eigenen PVGIS-Stundenreihe nach, bis zu welcher Anlagengröße eine Kläranlage ihren Solarstrom selbst verbraucht, und prüft vier dokumentierte Anlagen gegen ihre Pressemeldungen. Danach geht es um die EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), die Umsatzsteuer der hoheitlichen Abwasserbeseitigung und den Nullsteuersatz auf dem Klärwerksgelände.

Kurz gesagt: Kommunale Kläranlagen verbrauchen nach dem DWA-Leistungsnachweis mit Daten aus 2024 im Mittel 31,0 kWh je Einwohnerwert im Jahr. Bei einer Anlage für 10.000 EW sind das rund 35,3 kW Dauerlast. Bis etwa 50 kWp liegt der Eigenverbrauch dann nach unserer Rechnung bei 98,5 bis 100 Prozent, bei 200 kWp nur noch bei 45,8 Prozent. Die KARL verlangt bis 2045 national 100 Prozent erneuerbare Energie für Anlagen ab 10.000 EW und zählt dabei auch eingespeisten Strom. Die Abwasserbeseitigung ist hoheitlich, der Stromverkauf ins Netz nach dem Wortlaut von § 2b UStG nicht.

Die Kläranlage als Stromverbraucher: 31,0 kWh je Einwohnerwert

Der Verbrauch einer Kläranlage wird je Einwohnerwert (EW) angegeben, also je Schmutzfracht eines Einwohners. Der 37. Leistungsnachweis der DWA weist für 4.882 Kläranlagen einen spezifischen Energieverbrauch von 31,0 kWh je EW im Jahr aus.

Die Landesverbände liegen dicht beieinander: Baden-Württemberg 34,6 kWh, Bayern und Nordrhein-Westfalen je 30,8 kWh, Nord-Ost 28,8 kWh. Die österreichischen Anlagen des ÖWAV kommen auf 27,1 kWh.

Ältere Zahlen liegen höher. Eine frühere DWA-Pressemitteilung nannte 34,0 kWh je Einwohner und etwa 4.000 GWh im Jahr.

Das Umweltbundesamt sprach 2009 von fast 4.400 GWh und von durchschnittlich 20 Prozent Anteil am Stromverbrauch aller kommunalen Einrichtungen. Kläranlagen seien damit in der Regel die größten Stromverbraucher einer Kommune, vor Schulen und Krankenhäusern.

Die Größe macht den Unterschied. Anlagen für über 100.000 Einwohner brauchen nach der DWA je Einwohner nur etwa 60 Prozent des Stroms einer Anlage unter 1.000 Einwohnern. Wer rechnet, sollte deshalb den eigenen Zählerwert nehmen und den Mittelwert nur zur Plausibilitätsprüfung.

Balkendiagramm: Bei 10.000 Einwohnerwerten und 35,3 kW Dauerlast liegt die Eigenverbrauchsquote bis 50 kWp bei 98,5 bis 100 Prozent und fällt bei 200 kWp auf 45,8 Prozent; die Deckung steigt von 6,8 auf 31,1 Prozent.
Eigenverbrauch und Deckung je Anlagengröße. Eigene PVGIS-Rechnung, Last als Konstante. · Foto: Eigene Grafik

Eigenverbrauch bei Dauerlast: eigene PVGIS-Rechnung für 10.000 EW

Für eine Musteranlage mit 10.000 EW ergeben 31,0 kWh je EW einen Jahresverbrauch von 310.000 kWh, gleichmäßig verteilt 35,3 kW in jeder Stunde. Diese Last haben wir gegen eine Stundenreihe aus PVGIS 5.3 gelegt: Standort Gudensberg in Nordhessen, Südausrichtung, 30 Grad Neigung, 14 Prozent Systemverluste, Wetterjahr 2020. Ein Kilowatt Peak liefert dort 1.052 kWh im Jahr.

AnlagengrößeErtrag im JahrEigenverbrauchsquoteDeckung des Verbrauchsmit BHKW (halbe Last)
20 kWp21.033 kWh100 %6,8 %100 %
35 kWp36.808 kWh100 %11,9 %87,9 %
50 kWp52.583 kWh98,5 %16,7 %72,8 %
100 kWp105.165 kWh72,8 %24,7 %45,8 %
200 kWp210.331 kWh45,8 %31,1 %27,1 %

Das Ergebnis ist eindeutig: Solange die Spitzenleistung der Module unter der Dauerlast bleibt, geht kaum eine Kilowattstunde ins Netz. Erst oberhalb von etwa 50 kWp je 10.000 EW fällt die Quote schnell. Mehr als ein Drittel des Jahresverbrauchs deckt die Anlage ohne Speicher in keiner Variante, weil nachts nichts erzeugt wird.

Typischer Fehler: die Last als flach annehmen und das Ergebnis als Messwert lesen. Unsere Rechnung setzt eine konstante Last an. In der Praxis schwankt der Verbrauch mit dem Zulauf, bei Regen steigen Pumpenstrom und Belüftung. Prüfe deshalb die Viertelstundenwerte deines Zählers, bevor du die Anlagengröße festlegst.

Klärgas-BHKW und PV: wer den Eigenverbrauch bekommt

Viele größere Kläranlagen erzeugen schon Strom, und zwar aus dem Faulgas des Klärschlamms in einem Blockheizkraftwerk. Das BHKW läuft auch mittags. Jede Kilowattstunde, die es liefert, fehlt der PV-Anlage als Abnehmer.

Wir haben dafür eine zweite Rechnung angesetzt, in der ein BHKW die Hälfte der Dauerlast deckt. Die Zahlen stehen in der letzten Spalte der Tabelle: Bei 100 kWp sinkt die Eigenverbrauchsquote von 72,8 auf 45,8 Prozent, bei 200 kWp von 45,8 auf 27,1 Prozent. Der Nachteil einer Kläranlage mit Klärgas ist also, dass die sinnvolle PV-Größe kleiner wird oder ein Teil des Stroms ins Netz geht.

Wie stark das BHKW dominieren kann, zeigt Zweibrücken. Nach Treffpunkt Kommune vom 16.07.2026 erzeugt das Klärgas-BHKW dort etwa 800.000 kWh Strom im Jahr, die Solaranlage rund 100.000 kWh. Der Strom- und Wärmebedarf von rund 1,1 Millionen kWh werde zu 80 Prozent selbst gedeckt, ein Batteriespeicher mit 233 kWh gleicht Schwankungen aus.

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Vier Kläranlagen im Vergleich: was die Meldungen tragen

Die folgenden Angaben stammen aus Meldungen der Betreiber oder der Lokalpresse. Keine davon nennt die Anlagengröße in EW und den Lastgang zugleich, deshalb haben wir nachgerechnet, was die Angaben voraussetzen.

KläranlagePV-AnlageAngabe des BetreibersWas unsere Rechnung dazu sagt
Gudensberg (Hessen)93 kWp auf DächernStrom wird vollständig verbrauchtsetzt rund 80 kW Dauerlast voraus
Wolfenbüttel (Niedersachsen)knapp 1 MWp, Speicherrund 850.000 kWh, Verbrauch 1,4 Millionen kWhohne Speicher 44,7 % Eigenverbrauch
Leusel (Hessen)65 kWpnur noch rund 2.000 kWh Zukauf im Monattrifft Sommermonate, nicht das Jahr
Leiwen (Rheinland-Pfalz)566 kWprund 600.000 kWh, mehr als der BedarfÜberschuss über Strombilanzkreis

Gudensberg: Das Stadtportal meldet 93 kWp, fertiggestellt im Juni 2026, gefördert von der WIBank mit knapp 100.000 Euro. Der Strom werde vollständig auf der Kläranlage verbraucht. Nach unserer Stundenreihe gilt das bei konstanter Last erst ab etwa 80 kW, das sind rund 700.000 kWh im Jahr oder bei 31,0 kWh je EW rund 22.600 EW. Bei 40 kW Dauerlast wären es 81,4 Prozent, bei 20 kW nur 52,8 Prozent. Die Ausbaugröße nennt die Meldung nicht.

Wolfenbüttel: Laut Schaufenster Wolfenbüttel vom 18.04.2026 kosteten PV-Anlage und neue Mittelspannungsstation zusammen 1,8 Millionen Euro. Bei 1,4 Millionen kWh Jahresverbrauch sind das 159,4 kW Dauerlast. Ohne Speicher ergibt unsere Reihe für 1.000 kWp eine Eigenverbrauchsquote von 44,7 Prozent. Der Speicher aus gebrauchten Fahrzeugbatterien soll einen Teil davon in die Nacht verschieben.

Säulendiagramm: Selbst genutzter Solarstrom einer 65-kWp-Anlage in Leusel je Monat, von 726 kWh im Dezember bis 2.373 kWh im Juli, gegen eine Linie bei 4.500 kWh Monatsverbrauch.
Leusel nachgerechnet: Im Sommer rund 2.300 kWh selbst genutzt, im Dezember 726 kWh. · Foto: Eigene Grafik

Leusel: Warum ein Sommermonat keine Jahresdeckung ist

Der Abwasserverband Antrifttal hat seine Kläranlage Leusel für rund 350.000 Euro modernisiert. Nach Oberhessen-Live vom 29.07.2026 sank der Verbrauch von rund 9.400 auf 4.500 kWh im Monat. Seit März läuft eine 65-kWp-Anlage, seitdem würden nur noch rund 2.000 kWh im Monat zugekauft. Im Juni habe die Anlage doppelt so viel erzeugt wie verbraucht.

Wir haben 65 kWp in Leusel mit 4.500 kWh je Monat als konstanter Last gerechnet, ohne Speicher:

Monatselbst genutztMonatselbst genutzt
Januar918 kWhJuli2.373 kWh
Februar1.237 kWhAugust2.131 kWh
März1.774 kWhSeptember1.893 kWh
April2.107 kWhOktober1.327 kWh
Mai2.318 kWhNovember1.088 kWh
Juni2.278 kWhDezember726 kWh

Von Mai bis Juli nutzt die Anlage rund 2.300 kWh selbst, der Zukauf von rund 2.000 kWh passt also zu den Sommermonaten. Im Dezember bleiben 726 kWh, zugekauft werden dann fast 3.800 kWh. Über das Jahr deckt die Anlage nach dieser Rechnung 37,4 Prozent des Verbrauchs, und 28,7 Prozent ihres Ertrags von 70.393 kWh werden selbst genutzt. Der Juni-Ertrag von 7.666 kWh ist das 1,7-Fache des Monatsverbrauchs, die Größenordnung der Meldung stimmt.

Genau dafür ist der geplante Speicher in Leusel gedacht: Der Überschuss des Mittags reicht im Sommer weit in die Nacht. Im Winter hilft der Speicher kaum, weil dann schon tagsüber alles verbraucht wird.

Balkendiagramm der KARL-Stufen: 20 Prozent bis 2030, 40 Prozent bis 2035, 70 Prozent bis 2040 und 100 Prozent bis 2045, mit Markierung der Pressemeldung, die 100 Prozent schon bis 2040 nannte.
Art. 11 Abs. 2 Richtlinie (EU) 2024/3019: bis 2040 sind es 70 Prozent, nicht 100. · Foto: Eigene Grafik

KARL: 20 bis 100 Prozent erneuerbare Energie für Abwasser-Anlagen ab 10.000 EW

Die Richtlinie (EU) 2024/3019 vom 27.11.2024 regelt in Art. 11 die Energieneutralität. Nach Absatz 2 muss die erneuerbare Energie, die Betreiber von Anlagen ab 10.000 EW erzeugen, auf nationaler Ebene einen Anteil am Gesamtenergieverbrauch dieser Anlagen erreichen: 20 Prozent bis Ende 2030, 40 Prozent bis Ende 2035, 70 Prozent bis Ende 2040 und 100 Prozent bis Ende 2045.

Zwei Halbsätze entscheiden über die Planung. Gezählt wird Energie, die auf dem Gelände oder außerhalb erzeugt wird, „unabhängig davon, ob diese Energie … genutzt wird“. Eingespeister PV-Strom zählt also mit, anders als bei der Wirtschaftlichkeit, die fast nur am Eigenverbrauch hängt. Und: Zugekaufte erneuerbare Energie zählt nicht, ein Ökostromtarif erfüllt die Quote nicht.

Art. 11 Abs. 1 verlangt alle vier Jahre ein Energieaudit, das erste bis 31.12.2028 für Anlagen ab 100.000 EW und bis 31.12.2032 für Anlagen ab 10.000 EW. Umsetzen muss Deutschland die Artikel 2 bis 11 nach Art. 33 bis 31.07.2027.

Vorsicht bei der Jahreszahl 2040. Die Wolfenbütteler Meldung vom 18.04.2026 schreibt, die KARL sehe eine Energieneutralität aller deutschen Kläranlagen bis 2040 vor. Der Wortlaut sagt etwas anderes: bis 2040 sind es 70 Prozent, 100 Prozent erst bis Ende 2045. Das Ziel gilt national, nicht je Anlage, und nur für Anlagen ab 10.000 EW. Der Erwägungsgrund der Richtlinie begründet das ausdrücklich mit den Besonderheiten jeder einzelnen Anlage.

Umsatzsteuer: Die Abwasserbeseitigung ist hoheitlich, die Einspeisung nicht

Nach § 2b Abs. 1 UStG gelten juristische Personen des öffentlichen Rechts nicht als Unternehmer, soweit sie Tätigkeiten ausüben, die ihnen im Rahmen der öffentlichen Gewalt obliegen, auch wenn sie dafür Gebühren erheben. Die Abwasserbeseitigung ist eine solche Pflichtaufgabe; in Bayern trifft sie nach Art. 34 Abs. 1 BayWG die Gemeinden.

Das Bayerische Landesamt für Steuern hat am 15.02.2023 ausgeführt, dass auch die Abwasserreinigung für Nachbarkommunen unter § 2b fallen kann, wenn sie auf einem öffentlich-rechtlichen Vertrag oder einer Zweckvereinbarung beruht. Private Konkurrenz müsse dafür real und nicht nur hypothetisch sein.

Die Einspeisung von Solarstrom ist dagegen keine Aufgabe der öffentlichen Gewalt. Dem Wortlaut nach greift § 2b für den Stromverkauf nicht; die Grenze von 17.500 Euro in Absatz 2 Nr. 1 betrifft nur die Frage größerer Wettbewerbsverzerrungen. Wie der kommunale Betrieb gewerblicher Art dann behandelt wird, steht ausführlich im Ratgeber zur kommunalen Kita.

Aus dem Entsorgungsbereich kommt ein Hinweis, der sich übertragen lässt. Ein BMF-Entwurf zur Entsorgungswirtschaft, zitiert in der Stellungnahme der Bundessteuerberaterkammer vom 27.05.2026, verneint den Vorsteuerabzug für den Betrieb einer Deponie: Ein nur mittelbar verfolgter Zweck, etwa mit Deponiegas Strom zu erzeugen, reiche nicht aus.

Für die Kläranlage heißt das: Die Stromerzeugung macht die hoheitliche Anlage nicht unternehmerisch. Getrennt zu betrachten ist die PV-Anlage selbst. Notiere deshalb von Anfang an, wie viel Strom die Kläranlage verbraucht und wie viel ins Netz geht, und kläre die Aufteilung mit der Steuerberatung, bevor das Finanzamt danach fragt. Der BMF-Text ist bisher nur ein Entwurf.

Nullsteuersatz und Stromsteuer auf dem Gelände der Kläranlage

§ 12 Abs. 3 Nr. 1 UStG stellt Module, wesentliche Komponenten und Speicher auf 0 Prozent, wenn die Anlage auf oder in der Nähe von öffentlichen und anderen Gebäuden installiert wird, die für dem Gemeinwohl dienende Tätigkeiten genutzt werden. Bis 30 kW (peak) laut Marktstammdatenregister gilt das als erfüllt.

Abschnitt 12.18 Abs. 3 Satz 5 UStAE zählt hoheitliche Tätigkeiten zu den Gemeinwohl-Tätigkeiten. Nähe bedeutet nach den Sätzen 7 und 8 dasselbe Grundstück oder dasselbe Areal. Die Betriebsgebäude einer Kläranlage passen dazu. Ob eine Aufständerung auf einer Freifläche des Klärwerksgeländes erfasst ist, entscheidet das Areal. Über 30 kW solltest du die Voraussetzungen belegen können, am besten mit einem Lageplan.

Stromsteuer: Nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG ist Strom aus Anlagen bis 2 Megawatt aus Sonnenenergie oder hocheffizienter KWK steuerfrei, wenn der Betreiber ihn als Eigenerzeuger im räumlichen Zusammenhang selbst verbraucht. Das deckt PV und Klärgas-BHKW gleichermaßen. Die Anzeigepflichten beschreibt der Ratgeber zur Stromsteuer beim Zoll.
1 So gehst du die Planung an
  1. Lastgang auslesen: Viertelstundenwerte eines Jahres beim Netzbetreiber anfordern.
  2. BHKW abziehen: Erzeugung des Klärgas-BHKW je Stunde von der Last abziehen.
  3. Anlage auslegen: Spitzenleistung der Module an der verbleibenden Mittagslast ausrichten.
  4. KARL-Beitrag rechnen: gesamte Erzeugung zählen, auch den eingespeisten Teil.
  5. Steuer klären: § 2b, Nullsteuersatz und Stromsteuer vor der Vergabe mit der Steuerberatung abstimmen.

Ab einer bestimmten Auftragshöhe muss eine Kommune europaweit ausschreiben; die Schwellen stehen im Ratgeber zum Vergaberecht für Kommunen.

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Checkliste für Abwasserverband und Kommune

Vor der Ausschreibung klären
  • Prüfe den Jahresverbrauch der Kläranlage in kWh und rechne ihn auf kWh je EW um.
  • Schau in den Viertelstundenwerten nach, wie tief die Last mittags an trockenen Sommertagen fällt.
  • Notiere die Stromerzeugung des Klärgas-BHKW je Monat.
  • Liegt die Anlage über 30 kW (peak), und steht sie auf demselben Areal wie die Betriebsgebäude?
  • Wird die Abwasserreinigung für andere Kommunen erbracht, und auf welcher Rechtsgrundlage?
  • Fotografiere Dachflächen und Beckenabdeckungen, bevor der Planer die Belegung vorschlägt.
  • Ab welcher Ausbaugröße in EW gilt für die Anlage das Energieaudit nach KARL?

Zum Vergleich mit anderen kommunalen Gebäuden helfen die Ratgeber zur Schule mit Sommerferien, zum Freibad und zum Krankenhaus. Wie sich Eigenverbrauch und Einspeisung allgemein gegeneinander rechnen, steht unter Eigenverbrauch oder Volleinspeisung.

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Unsere Rechnungen setzen eine konstante Last an. Echte Kläranlagen haben einen Tagesgang mit höherem Zulauf am Vormittag, dazu Regenereignisse. Einen öffentlich zugänglichen Lastgang einer deutschen Kläranlage haben wir nicht gefunden. Die Eigenverbrauchsquoten sind deshalb eine Näherung, keine Messung.

Die Ausbaugröße der Kläranlage Gudensberg nennt die Meldung nicht, die Aussage zum vollständigen Verbrauch ließ sich nur auf Plausibilität prüfen. Ob PV-Kosten in die Abwassergebühr eingerechnet werden dürfen, regeln die Kommunalabgabengesetze der Länder; einen Normtext dazu haben wir nicht per Direktabruf gelesen. Das BMF-Schreiben zur Entsorgungswirtschaft lag am 13.09.2026 nur als Entwurf vor, zitiert über die Bundessteuerberaterkammer. Eine Referenzanlage eines Planungsbüros nennt 15,6 kWp und 89,6 Prozent Eigenverbrauch, ohne Größe der Kläranlage.

Häufige Fragen zu PV auf der Kläranlage

Wie viel Strom verbraucht eine Kläranlage? +
Nach dem 37. DWA-Leistungsnachweis im Mittel 31,0 kWh je Einwohnerwert im Jahr. Eine Anlage für 10.000 EW braucht damit rund 310.000 kWh.
Wie groß darf die PV-Anlage sein, damit fast alles selbst verbraucht wird? +
Nach unserer PVGIS-Rechnung bei konstanter Last bis etwa 50 kWp je 10.000 EW. Dann liegt die Eigenverbrauchsquote bei 98,5 Prozent. Ein Klärgas-BHKW senkt diese Grenze.
Zählt eingespeister Strom für die KARL-Quote? +
Ja. Art. 11 Abs. 2 zählt erzeugte erneuerbare Energie unabhängig davon, ob sie genutzt wird. Zugekaufter Ökostrom zählt nicht.
Müssen Kläranlagen bis 2040 energieneutral sein? +
Nein. Bis Ende 2040 verlangt die Richtlinie national 70 Prozent, 100 Prozent erst bis Ende 2045, und nur für Anlagen ab 10.000 EW.
Ist die Kläranlage für die Umsatzsteuer ein Unternehmen? +
Die Abwasserbeseitigung als hoheitliche Aufgabe fällt unter § 2b Abs. 1 UStG. Der Verkauf von Solarstrom ins Netz ist keine hoheitliche Tätigkeit.
Gilt der Nullsteuersatz auf dem Klärwerksgelände? +
Bis 30 kW (peak) gilt er als erfüllt. Darüber kommt es darauf an, ob die Anlage auf oder nahe bei den Betriebsgebäuden auf demselben Areal steht.
Lohnt sich ein Speicher an der Kläranlage? +
Vor allem, wenn die Anlage größer ist als die Mittagslast. In der Leusel-Rechnung reicht der Sommerüberschuss weit in die Nacht, im Winter wird ohnehin alles tagsüber verbraucht.
Muss der selbst verbrauchte Strom versteuert werden? +
Strom aus PV oder hocheffizienter KWK bis 2 Megawatt ist nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG steuerfrei, wenn der Betreiber ihn im räumlichen Zusammenhang selbst verbraucht.

Wer über eine eigene Anlage für einen Betriebshof oder ein Pumpwerk nachdenkt, findet die Grundlagen zur Lastspitze im Ratgeber zur Lastspitzenkappung mit Speicher.

Quelle: DWA, 37. Leistungsnachweis kommunaler Kläranlagen (Daten 2024); DWA-Pressemitteilung zum Leistungsvergleich; Umweltbundesamt, Energieeffizienz kommunaler Kläranlagen (2009); Richtlinie (EU) 2024/3019, Art. 11, 33 und 34 (EUR-Lex); § 2b und § 12 UStG, § 9 StromStG (gesetze-im-internet.de); BayLfSt vom 15.02.2023, S 7107.1.1-30/4 St33; Bundessteuerberaterkammer, Stellungnahme vom 27.05.2026; Stadt Gudensberg, Meldung September 2026; Schaufenster Wolfenbüttel vom 18.04.2026; Oberhessen-Live vom 29.07.2026; Treffpunkt Kommune vom 16.07.2026; zeitgeist engineering, Referenz Kläranlage; PVGIS 5.3, eigene Stundenreihen. Abruf aller Quellen am 13.09.2026.