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Wirtschaftlichkeit

Weingut mit PV-Anlage: Gärkühlung, Kellerwirtschaft und Lesezeit im Lastgang

Im Weingut braucht der Herbst den meisten Strom, die Sonne liefert ihn im Sommer. Kennzahlen von BayWeinTEK und DLR, ein Gärkühlungsblock in der PVGIS-Stundenreihe und ein Weingut mit 1.000 Hektolitern nachgerechnet.

⏱️ 13 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 13. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
  1. 1.Wie viel Strom ein Weingut braucht: 4 bis 45 kWh je Hektoliter
  2. 2.Die Lesezeit ist nicht die Sonnenzeit
  3. 3.Die Kälteleistung: 20 Watt je Hektoliter gegen die Mittagssonne
  4. 4.Nachgerechnet: ein Weingut mit 1.000 Hektolitern
  5. 5.Mit Vinothek oder Straußwirtschaft: 28 kWh je Hektoliter
  6. 6.Batteriespeicher: 1 kWh je kWp und was er im Weingut leistet
  7. 7.Erst Kälte sparen: Berieselung, Kühlturm, Nachtlüftung
  8. 8.Was auf älteren Beratungsseiten nicht mehr stimmt
  9. 9.Agri-PV über den Reben: was Geisenheim testet
  10. 10.So planst du die Solaranlage für das Weingut
  11. 11.Checkliste für Winzer
  12. 12.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  13. 13.Häufige Fragen zu PV im Weingut

Im Weingut liegt die stromintensivste Zeit im Herbst. Während der Lesezeit laufen Presse, Pumpen und vor allem die Gärkühlung, die die Wärme aus den gärenden Tanks abführt. Wer eine Solaranlage auf das Kelterhaus setzen will, hofft oft, dass die Anlage genau diese Last trägt. Die Rechnung zeigt das Gegenteil: Im September und Oktober liefert die Anlage nur einen kleinen Teil ihres Jahresertrags, und die Kältemaschine läuft auch nachts.

Dieser Ratgeber stellt die veröffentlichten Kennzahlen zur Kellerwirtschaft nebeneinander, legt die Gärkühlung als Block in eine PVGIS-Stundenreihe für Würzburg und rechnet ein Weingut mit 1.000 Hektolitern durch, einmal ohne und einmal mit Vinothek.

Kurz gesagt: Ein Weingut ohne Vinothek braucht im Mittel 7,4 kWh Strom je Hektoliter, mit Vinothek 28 kWh. September und Oktober bringen in Würzburg nur 15,0 % des Solarertrags (Wetterjahr 2020). Legt man die Gärkühlung in diese Wochen, sinkt der Eigenverbrauch einer 10-kWp-Anlage von 28,1 auf 24,9 %. Wirtschaftlich wird die Anlage über die Grundlast des ganzen Jahres, nicht über den Herbst.

Wie viel Strom ein Weingut braucht: 4 bis 45 kWh je Hektoliter

Die bayerische Beratungsseite BayWeinTEK hat über 30 Weingüter in Franken befragt. Im Mittel kamen sie auf rund 19 kWh je Hektoliter erzeugtem Wein. Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz nennt dort 18,6 kWh. Die Spanne ist aber groß: zwischen 4 und 45 kWh je Hektoliter.

Den größten Unterschied macht der Verkauf ab Hof. Weingüter mit Vinothek oder Gastronomie lagen bei 28 kWh je Hektoliter, Betriebe ohne bei 7,4 kWh. Die untersuchte Genossenschaft kam auf 19 kWh. Wer seinen Verbrauch einordnen will, sollte also zuerst trennen, was auf Keller und was auf Probierstube, Küche und Gästehaus entfällt.

KennzahlWertQuelle
Strom je Hektoliter, Mittel Frankenrund 19 kWhBayWeinTEK, Befragung
Strom je Hektoliter, ohne Vinothek7,4 kWhBayWeinTEK
Strom je Hektoliter, mit Vinothek oder Gastronomie28 kWhBayWeinTEK
Gärtankkühlung je 1.000 Liter22 kWh, in einzelnen Herbsten 25,15 oder 27,68 kWhDLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Messung
Kühlung Flaschenlager je Hektoliter und Jahrrund 2,8 kWhDLR Rheinland-Pfalz, zitiert bei BayWeinTEK
Abfüllung je 1.000 Literbis 10 kWh (Faustwert) gegen 18,44 kWh (Messung)BayWeinTEK gegen DLR
Presse je 1.000 kg Lesegutrund 4 kWhBayWeinTEK

Die Zeile zur Abfüllung zeigt, wie weit Faustwerte und Messungen auseinanderliegen. BayWeinTEK nennt für Dämpfer, Filter, Pumpen, Füller, Etikettierung und Druckluft bis zu 10 kWh je 1.000 Liter. Das DLR hat in einem Betrieb über drei Tage 18,44 kWh je 1.000 Liter gemessen, fast das Doppelte. Über die Messreihe berichtete das Landwirtschaftliche Wochenblatt in Ausgabe 11/2013: Das DLR in Oppenheim misst seit 2011 in der Kellerwirtschaft, seit 2012 in vier Weingütern dauerhaft und in 14 fallweise.

Für die Gärtankkühlung ermittelte das DLR 22 kWh je 1.000 Liter. Je nach Herbst und Betrieb stiegen die Werte auf 25,15 oder 27,68 kWh. Ein warmer Herbst kostet also rund ein Viertel mehr Kühlstrom. Laut BayWeinTEK braucht die Gärkühlung den größten Teil des Stroms, fast gleich viel die Kühlung des Flaschenlagers. In Franken werden aber nur wenige Flaschenlager aktiv gekühlt.

Balkendiagramm: Mit Gärkühlung fallen 41,1 Prozent des Weingut-Verbrauchs in September und Oktober, ohne Gärblock 16,2 Prozent; der Solarertrag dieser Monate beträgt 15,0 Prozent, vom 15.09. bis 31.10. nur 9,6 Prozent.
Die Gärkühlung fällt in die ertragsarmen Herbstwochen. · Foto: Eigene Grafik

Die Lesezeit ist nicht die Sonnenzeit

Die Ertragswerte stammen aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Südausrichtung, 35 Grad Neigung, 14 Prozent Systemverluste. Im langjährigen Mittel liefert ein Kilowatt Peak dort 1.103 kWh im Jahr. Auf September entfallen 108,0 kWh, auf Oktober 75,5 kWh. Zusammen sind das 16,6 % des Jahresertrags.

In einzelnen Jahren schwankt der Wert. Die Stundenreihen der Jahre 2019 bis 2023 ergeben für September und Oktober zwischen 14,2 % (2022) und 18,0 % (2023). Für die Modellrechnung unten haben wir das Wetterjahr 2020 genommen: 1.127,9 kWh je kWp, davon 15,0 % im September und Oktober.

Enger wird es, wenn man nur die Wochen der Lese und Gärung betrachtet. Vom 15.09. bis 31.10.2020 lieferte ein kWp 108,1 kWh, das sind 9,6 % des Jahresertrags auf 13 Prozent der Tage. Der Zeitraum ist eine Annahme für ein durchschnittliches Weingut; frühe Rebsorten und späte Lesen verschieben ihn. Im Jahr 2025 verkürzte Regen im September die Lese in Rheinhessen und der Pfalz deutlich, meldet Destatis im März 2026.

Typischer Fehler: die Anlage nach dem Herbstverbrauch auslegen. Wer die Leistung so wählt, dass die Anlage im Oktober die Gärkühlung deckt, baut eine Anlage, die im Juni einen Großteil ins Netz schiebt. In der Praxis sollte die Grundlast der übrigen zehn Monate die Größe bestimmen.

Die Kälteleistung: 20 Watt je Hektoliter gegen die Mittagssonne

Nach BayWeinTEK lässt sich die elektrische Leistung der Kältemaschine für Weißwein grob mit 20 Watt je Hektoliter ansetzen. Für 200.000 Liter wären das rund 40 kW. Ein Weingut mit 1.000 Hektolitern kommt auf etwa 20 kW, wenn alle Tanks zugleich gären.

Eine Anlage mit 10 kWp lieferte in der Stunde von 12 bis 13 Uhr zwischen dem 15.09. und 31.10.2020 im Mittel 3,5 kW. Der höchste Stundenwert dieser Wochen lag bei 7,7 kW. Die Gärung läuft aber rund um die Uhr, und die Spitze der Kälteleistung hängt davon ab, wie viele Tanks gleichzeitig arbeiten. Selbst am sonnigsten Mittag deckt eine 10-kWp-Anlage also nur einen Teil der installierten Kälteleistung.

Verteilt man die 2.200 kWh Gärkühlung aus dem nächsten Abschnitt gleichmäßig auf die 47 Tage, ergibt das eine mittlere Last von 1,95 kW. Die Maschine taktet: Sie läuft mal mit voller Leistung, mal gar nicht. Für den Eigenverbrauch zählt, wann sie läuft, und das lässt sich teilweise steuern.

Balkendiagramm: Die Gärkühlung von 1.000 Hektolitern braucht grob 20 kW; eine 10-kWp-Anlage liefert in der Lesezeit höchstens 7,7 kW und mittags im Mittel 3,5 kW; die mittlere Gärkühlungslast im Modell beträgt 1,95 kW.
Selbst die sonnigste Herbststunde deckt nur einen Teil der Kälteleistung. · Foto: Eigene Grafik
Kühlung in die Mittagsstunden legen: Prüfe mit dem Kältetechniker, ob die Solltemperatur des Kältekreises tagsüber ein bis zwei Grad tiefer liegen darf. Der Tank puffert dann die Kälte in die Nacht, ohne dass die Gärtemperatur aus dem Ruder läuft.

Nachgerechnet: ein Weingut mit 1.000 Hektolitern

Für das Beispiel nehmen wir ein Weingut mit 1.000 Hektolitern im Jahr. Bei einem Hektarertrag von rund 74 Hektolitern entspricht das etwa 13,5 Hektar. Die 74 Hektoliter sind eine eigene Rechnung aus zwei Destatis-Zahlen für 2025: 7,55 Millionen Hektoliter Wein und Most geteilt durch 101.965 Hektar Rebfläche.

Ohne Vinothek setzen wir 7,4 kWh je Hektoliter an, also 7.400 kWh im Jahr. Davon entfallen nach dem DLR-Wert 2.200 kWh auf die Gärkühlung. Diese Menge legen wir gleichmäßig rund um die Uhr in die Wochen vom 15.09. bis 31.10. Die übrigen 5.200 kWh folgen dem Standardlastprofil L0 für Landwirtschaftsbetriebe aus der Profildatei des BDEW. Zum Vergleich rechnen wir dieselben 7.400 kWh ganz nach L0, also ohne Herbstblock. Die Ertragsreihe ist PVGIS Würzburg 2020, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit.

Anlageselbst genutzt, mit GärblockAutarkie, mit Gärblockselbst genutzt, nur L0Deckung 15.09. bis 31.10.
3 kWp57,0 %26,1 %66,4 %11,3 %
5 kWp41,2 %31,4 %47,6 %17,3 %
10 kWp24,9 %38,0 %28,1 %25,1 %
20 kWp14,3 %43,5 %15,7 %33,1 %

Der Herbstblock senkt die Eigenverbrauchsquote bei jeder Anlagengröße, bei 3 kWp um 9,4 Prozentpunkte. Der Grund steht in den Lastanteilen: Mit Gärkühlung fallen 41,1 % des Jahresverbrauchs in den September und Oktober, ohne den Block nur 16,2 %. Die Anlage liefert in diesen Monaten 15,0 % ihres Ertrags. Mehr Last in einer ertragsarmen Zeit bedeutet mehr Netzbezug, nicht mehr Eigenverbrauch.

Schon 10 kWp sind für dieses Weingut groß: Drei Viertel des Stroms gehen ins Netz. Das muss kein Nachteil sein, wenn das Dach ohnehin frei ist und die Einspeisung die Anlage mitträgt. Mit Eigenverbrauch allein rechnet sich eine solche Größe hier nicht.

Balkendiagramm: Eigenverbrauchsquote bei 7.400 kWh mit und ohne Gärblock: 3 kWp 57,0 zu 66,4 Prozent, 10 kWp 24,9 zu 28,1 Prozent, 20 kWp 14,3 zu 15,7 Prozent.
Der Herbstblock senkt den Eigenverbrauch bei jeder Anlagengröße. · Foto: Eigene Grafik
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Mit Vinothek oder Straußwirtschaft: 28 kWh je Hektoliter

Mit Verkaufsraum, Probierstube oder Gastronomie steigt der Verbrauch auf 28 kWh je Hektoliter. Für das Beispielweingut sind das 28.000 kWh. Die zusätzlichen 20.600 kWh haben wir mit dem Gewerbeprofil G4 gerechnet, das der BDEW-Zuordnung M-24/2000 zufolge für Läden gilt. Das ist eine Annahme: Eine Straußwirtschaft mit Abendbetrieb passt eher zum Profil G2, das wir im Ratgeber zur Gastronomie mit PV gerechnet haben.

Anlage, 28.000 kWhselbst genutztAutarkieDeckung 15.09. bis 31.10.
10 kWp77,1 %31,1 %18,5 %
20 kWp49,7 %40,1 %27,5 %
30 kWp36,8 %44,5 %33,1 %
50 kWp24,6 %49,6 %39,9 %

Die Vinothek verschiebt die Last in den Tag: 44,7 % des Verbrauchs fallen zwischen 9 und 17 Uhr an, ohne Vinothek 36,1 %. Deshalb bleibt von 10 kWp mehr als drei Viertel im Betrieb. Für die Anlagengröße zählt also weniger der Keller als der Hofverkauf. Wie ein Ladenprofil sich mit Kühlung verhält, zeigt der Ratgeber zum Einzelhandel mit PV.

Verbrauch trennen: Lies den Zähler am 1. September und am 15. November ab und vergleiche die Differenz mit dem Jahresverbrauch auf der Rechnung. So siehst du, wie groß der Herbstanteil in deinem Betrieb wirklich ist.

Batteriespeicher: 1 kWh je kWp und was er im Weingut leistet

BayWeinTEK empfiehlt 1 kWh Speicherkapazität je kWp. Wir haben das ohne Lade- und Entladeverluste nachgerechnet. Der Batteriespeicher lädt mittags und entlädt abends und nachts, jeden Tag im Jahr. Im Herbst hilft er der Gärkühlung, die nachts weiterläuft.

Anlage mit Speicherselbst genutztAutarkieaus dem Speichervolle Ladezyklen
ohne Vinothek, 5 kWp, 5 kWh62,8 %47,9 %1.218 kWh244
ohne Vinothek, 10 kWp, 10 kWh42,6 %64,9 %1.995 kWh200
mit Vinothek, 20 kWp, 20 kWh70,9 %57,1 %4.765 kWh238
mit Vinothek, 30 kWp, 30 kWh58,0 %70,1 %7.183 kWh239

Die Ladezyklen liegen zwischen 200 und 244 im Jahr. Das ist mehr als im Milchviehbetrieb, wo ein Speicher mit 30 kWh an 30 kWp auf 184 Zyklen kommt (PV im Milchviehbetrieb). Beim kleinen Weingut ohne Vinothek hebt der Speicher die Autarkie von 38,0 auf 64,9 %. Ob sich das rechnet, hängt vom Speicherpreis ab; die Methode dazu steht im Ratgeber Speichergröße berechnen.

Vorsicht bei Speicherzahlen ohne Verluste: Unsere Rechnung setzt einen verlustfreien Speicher an. Ein Lithium-Speicher gibt je nach Wechselrichter und Kapazität spürbar weniger zurück, als er aufnimmt. Prüfe im Datenblatt den Systemwirkungsgrad und rechne die Ladezyklen damit nach.

Erst Kälte sparen: Berieselung, Kühlturm, Nachtlüftung

Jede Kilowattstunde, die die Kältemaschine nicht braucht, fällt genau in die Wochen, in denen die Anlage wenig liefert. BayWeinTEK beschreibt mehrere Wege.

  • Tankberieselung: Brunnen- oder Zisternenwasser kühlt dünnwandige Edelstahltanks über Verdunstung. Nötig sind etwa 0,5 bis 1,5 Liter Wasser je Liter Most und rund 5 Grad Abstand zur Solltemperatur.
  • Kühlturm: Ein Betrieb in Rheinland-Pfalz sparte damit fast 70 % der Energie. Er eignet sich für Weißweingärung um 20 Grad und das Rückkühlen erhitzter Rotmoste, nicht für tiefe Temperaturen.
  • Flaschenlager: Für die Kühlung setzt das DLR rund 2,8 kWh je Hektoliter im Jahr an. Eine zeitgesteuerte Lüftung bläst nachts kalte Luft ins Lager.
  • Trockeneis: Etwa 40 Mal so teuer wie eine Kältemaschine bei 25 Cent je kWh. Nur für Sonderfälle.
  • Druckluft: Durch Lecks können bis zu 80 % verloren gehen. Bis 20 Hektar reicht es, den Kompressor nur beim Pressen, Füllen und Etikettieren einzuschalten.

Die Lesegutkühlung ist kleiner, als viele denken: 1.000 kg Trauben in vier Stunden von 25 auf 10 Grad zu kühlen, braucht nach BayWeinTEK etwa 5 kW. Gärkühlung und Lesegutkühlung überschneiden sich meist nicht.

Was auf älteren Beratungsseiten nicht mehr stimmt

Viele Weinbau-Seiten zur Photovoltaik stammen aus einer Zeit mit anderen Regeln. Auch die BayWeinTEK-Seite schreibt noch, ab 30 kWp sei für den Eigenverbrauch EEG-Umlage zu zahlen. Das gilt nicht mehr. Seit dem Energiefinanzierungsgesetz werden Umlagen auf die Entnahme aus dem Netz erhoben, nicht auf selbst erzeugten und selbst verbrauchten Strom. Für Strom, der aus dem Netz in einen Speicher geladen wird, regelt § 21 EnFG eigene Verringerungen. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber zu Umlagen und Eigenverbrauch.

Ebenso veraltet sind dort genannte Preise von 1.200 bis 1.300 Euro je kWp und 1.000 Euro je kWh Speicher sowie ein Strompreis von 25 bis 30 Cent je kWh. Rechne mit aktuellen Angeboten, nicht mit diesen Werten. Zur Stromsteuer auf selbst genutzten Strom lies den Ratgeber Stromsteuer und Zoll. Wer als Winzer die Umsatzsteuer nach Durchschnittssätzen versteuert, findet die Folgen für die Anlage im Ratgeber zum pauschalierenden Landwirt.

Nicht die Heizung elektrifizieren, ohne zu rechnen: Ein Heizstab im Kelterhaus nutzt Solarstrom schlecht aus. Eine Wärmepumpe arbeitet deutlich effizienter, braucht aber im Winter Strom, wenn die Anlage wenig liefert.

Agri-PV über den Reben: was Geisenheim testet

Neben dem Dach gibt es die Fläche selbst. An der Hochschule Geisenheim läuft seit März 2023 die Anlage VitiVoltaic, hoch aufgeständert mit beweglichen, halbtransparenten Modulen. Seit Juni 2024 kommt VitiCULT dazu, eine mobile Anlage für Neupflanzungen, deren Module bei Sturm in ein Gehäuse fahren. Das berichtet der VDL über die Vorstellung der Anlagen. Die Beobachtungen: Reben unter den Modulen bilden größere Blattflächen, Jungreben wachsen besser an.

Für den Eigenverbrauch ändert eine Anlage im Weinberg wenig, sie liefert zur selben Zeit wie das Dach. Wichtiger sind die Folgen für die Förderung der Fläche, die im Ratgeber zu Agri-PV und Direktzahlungen stehen.

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So planst du die Solaranlage für das Weingut

1 Schritt für Schritt
  1. Verbrauch je Hektoliter bilden: Jahresstrom durch die erzeugte Menge teilen und mit 7,4 und 28 kWh vergleichen.
  2. Herbstanteil messen: Zählerstand vor der Lese und nach der Gärung notieren.
  3. Keller und Verkauf trennen: Hat die Vinothek einen eigenen Zähler, wird die Auslegung deutlich genauer.
  4. Kälte sparen: Berieselung, Kühlturm oder Nachtlüftung prüfen, bevor die Anlage dimensioniert wird.
  5. Größe nach der Grundlast wählen: Den Herbst nicht als Maßstab nehmen.
  6. Speicher gegenrechnen: Ladezyklen und Systemwirkungsgrad aus dem Angebot einsetzen.

Checkliste für Winzer

Vor der Anfrage klären
  • Wie viele Hektoliter erzeugt der Betrieb im Jahr?
  • Wie viel Strom steht auf der Rechnung, und wie viel davon fällt von September bis November an?
  • Wird das Flaschenlager aktiv gekühlt?
  • Gibt es Vinothek, Straußwirtschaft oder Gästehaus, und wann ist geöffnet?
  • Wie groß ist die Kälteleistung der Gärkühlung in kW?
  • Welche Dachflächen sind frei, und wie sind sie ausgerichtet?

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Eine veröffentlichte Lastgangmessung eines Weinguts über ein ganzes Jahr haben wir nicht gefunden. Der Gärblock ist deshalb ein Modell: 2.200 kWh, gleichmäßig verteilt auf 47 Tage. Die DLR-Werte stammen aus Messungen ab 2011 und wurden 2013 veröffentlicht; neuere Kältetechnik kann weniger brauchen. Das Profil L0 für den übrigen Verbrauch beruht auf Messungen von 1999. Die Tageswerte je Hektoliter aus Franken sind eine Befragung, keine Messung. Die Ergebnisse gelten für Würzburg und das Wetterjahr 2020; an der Mosel oder in Baden weicht der Ertrag ab.

Häufige Fragen zu PV im Weingut

Wie viel Strom braucht ein Weingut je Hektoliter? +
Nach einer Befragung von über 30 Betrieben in Franken im Mittel rund 19 kWh, ohne Vinothek 7,4 kWh, mit Vinothek oder Gastronomie 28 kWh. Die Spanne reicht von 4 bis 45 kWh.
Was braucht im Keller den meisten Strom? +
Die Gärkühlung, fast gleich viel die Kühlung des Flaschenlagers, wenn es aktiv gekühlt wird. Das DLR maß für die Gärtankkühlung 22 kWh je 1.000 Liter.
Deckt die Solaranlage die Gärkühlung im Herbst? +
Nur zum Teil. In unserer Rechnung deckt eine 10-kWp-Anlage vom 15.09. bis 31.10. 25,1 % des Verbrauchs. Die Kältemaschine läuft auch nachts, und September und Oktober liefern nur 15,0 % des Jahresertrags.
Welche Anlagengröße passt zu einem Weingut mit 1.000 Hektolitern? +
Ohne Vinothek bleibt schon bei 5 kWp nur 41,2 % im Betrieb. Mit Vinothek sind 10 bis 20 kWp sinnvoll, bei 10 kWp werden 77,1 % selbst genutzt. Größere Anlagen rechnen sich über die Einspeisung.
Lohnt sich ein Batteriespeicher im Weingut? +
Er wird gut ausgelastet, mit 200 bis 244 vollen Ladezyklen im Jahr in unserer Rechnung. Ob er sich bezahlt macht, hängt vom Preis und vom Systemwirkungsgrad ab.
Wie groß ist die Kälteleistung für die Gärung? +
BayWeinTEK nennt als groben Wert 20 Watt elektrisch je Hektoliter, für 200.000 Liter also rund 40 kW. Die genaue Auslegung sollte ein Kältetechniker machen.
Muss ich auf selbst genutzten Solarstrom Umlagen zahlen? +
Nein. Umlagen nach dem Energiefinanzierungsgesetz fallen auf die Netzentnahme an. Die ältere Aussage, ab 30 kWp werde EEG-Umlage fällig, ist überholt.
Kann ich Solarmodule über den Reben bauen? +
Die Hochschule Geisenheim testet seit März 2023 eine hoch aufgeständerte Agri-PV-Anlage über Reben. Vor dem Bau solltest du klären, wie sich die Anlage auf die Direktzahlungen für die Fläche auswirkt.