Brauerei mit PV-Anlage: Sudhaus, Kühlung und der Lagerkeller als Speicher
Gärtanks und Lagerkeller brauchen Kälte rund um die Uhr. Kennzahlen des LfU Bayern, eine Brauerei mit 20.000 Hektolitern gegen PVGIS gerechnet und das Modell an der Dampfbier-Brauerei Zwiesel geprüft.
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
- 1.Wie viel Strom eine Brauerei je Hektoliter braucht
- 2.Wer braut in Deutschland: 58 Prozent der Braustätten unter 1.000 Hektolitern
- 3.Der Lastgang: Sudspitzen am Tag, Kälte rund um die Uhr
- 4.Nachgerechnet: eine Brauerei mit 20.000 Hektolitern
- 5.Der Lagerkeller als Speicher: das Beispiel Zwiesel
- 6.Passt das Modell zur Wirklichkeit?
- 7.Kältespeicher gegen Batteriespeicher
- 8.Erst Kälte sparen, dann Solarstrom erzeugen
- 9.Was ältere Berichte anders darstellen
- 10.So planst du die Solaranlage für die Brauerei
- 11.Checkliste für Brauereien
- 12.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 13.Häufige Fragen zu PV in der Brauerei
In einer Brauerei läuft die Kälte fast immer. Gärtanks und Lagerkeller müssen auch nachts und am Wochenende gekühlt werden, im Sommer mehr als im Winter. Das passt besser zur Solaranlage als in vielen anderen Betrieben: Der Bierabsatz steigt im Frühjahr und Sommer, wenn die Anlage am meisten liefert. Der Haken liegt in der Nacht, denn dann braucht die Kältemaschine weiter Strom.
Dieser Ratgeber stellt die Kennzahlen des Bayerischen Landesamts für Umwelt und einer Studie aus Oberösterreich nebeneinander, rechnet eine Brauerei mit 20.000 Hektolitern gegen eine PVGIS-Stundenreihe und prüft das Modell an einer realen Anlage: der Dampfbier-Brauerei in Zwiesel, die ihren Lagerkeller als Kältespeicher für Solarstrom nutzt.
Wie viel Strom eine Brauerei je Hektoliter braucht
Der Branchenleitfaden Brauerei des Bayerischen Landesamts für Umwelt von 2024 nennt für konventionelle Brauereien mit 20.000 Hektolitern im Jahr 13,6 kWh Strom je Hektoliter. Optimal wären 9,9 kWh. Brauereien mit 250.000 Hektolitern kommen auf 11,4 kWh, optimal wären 8,3 kWh. Die Werte stammen dort aus dem Fachbuch von Wolfgang Kunze (2023).
Eine ältere Kennzahlenstudie aus Oberösterreich vom Juli 2000, gerechnet mit Daten der Jahre 1997 und 1998, fand eine Spanne von 4,5 bis 35 kWh je Hektoliter. Als Richtwerte nennt sie bis 25 kWh für Betriebe bis 50.000 Hektoliter, bis 15 kWh bis 500.000 Hektoliter und bis 8 kWh darüber. Kleine Brauereien liegen also deutlich höher, weil Sudhaus, Kälte und Abfüllung schlechter ausgelastet sind.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Strom je hl, 20.000 hl im Jahr | 13,6 kWh (optimal 9,9 kWh) | LfU Bayern 2024 |
| Strom je hl, 250.000 hl im Jahr | 11,4 kWh (optimal 8,3 kWh) | LfU Bayern 2024 |
| Wärme je hl, 20.000 hl im Jahr | 63 kWh (optimal 36 kWh) | LfU Bayern 2024 |
| Anteil der Kälteanlagen am Strom | 40 bis 45 % | LfU Bayern 2024 |
| Strom je hl, Spanne | 4,5 bis 35 kWh | Oberösterreich 2000 |
| Anteil Abfüllung am Strom | 18 % | Oberösterreich 2000 |
Die Tabelle zeigt auch, wo Solarstrom nicht hilft: Für Würzekochen und Reinigung braucht eine Brauerei mit 20.000 Hektolitern rund 63 kWh Wärme je Hektoliter, mehr als das Vierfache des Stroms. Diese Wärme kommt meist aus Gas oder Öl. Eine Solaranlage auf dem Sudhausdach deckt nur den Stromteil.
Wer braut in Deutschland: 58 Prozent der Braustätten unter 1.000 Hektolitern
Nach Destatis (Statistisches Bundesamt) gab es 2025 in Deutschland 1.415 Brauereien, 53 weniger als im Vorjahr. Bayern liegt mit 588 vorn. Der Statistische Bericht Brauwirtschaft 2025 teilt sie nach Größe auf: 821 Braustätten erzeugen höchstens 1.000 Hektoliter im Jahr, weitere 171 bis 3.000 Hektoliter. Nur 8 liegen über 2 Millionen Hektolitern.
Die meisten Braustätten sind also kleine Betriebe. Wo eine Gaststätte angeschlossen ist, können Küche und Gaststube den Tagesgang stärker bestimmen als das Sudhaus. Für diese Betriebe ist der Ratgeber zur Gastronomie mit PV der bessere Ausgangspunkt. Der Bierabsatz insgesamt sank 2025 laut Pressemitteilung (Statistisches Bundesamt, Februar 2026) um 6,0 % auf rund 7,8 Milliarden Liter und folgte dem üblichen Muster: hoch im Frühjahr und Sommer, niedrig im Herbst und Winter.
Der Lastgang: Sudspitzen am Tag, Kälte rund um die Uhr
Die Studie aus Oberösterreich hat Lastgänge einzelner Verbraucher gemessen. In einer Großbrauerei entstanden Spitzen im Abstand von etwa zwei Stunden, jeweils mit einem Sud. Sie lagen rund 25 % über dem Grundbedarf. In einer kleinen Brauerei erreichte die Messung 39 kW, davon konnte die Kühlmaschine allein bis 25 kW ziehen.
Am Wochenende blieb ein beträchtlicher Grundbedarf: CO2-Rückgewinnung, Filter, Kühlung, Braugasthof und Druckluft. Die Studie beschreibt auch den Jahresgang. Die abgerufene Leistung ändert sich über das Jahr kaum, aber im Sommer wird wegen höherer Produktion und höheren Kühlbedarfs mehr Energie verbraucht.
Für unsere Rechnung haben wir die Last deshalb zweigeteilt. 40 % des Stroms, der Kälteanteil laut LfU, laufen gleichmäßig rund um die Uhr. Die übrigen 60 % folgen dem Gewerbeprofil G1 (werktags 8 bis 18 Uhr) aus der Profildatei des BDEW. Das ist eine Annahme, keine Messung. Mit ihr fallen 54,6 % des Verbrauchs zwischen 9 und 17 Uhr an.
Nachgerechnet: eine Brauerei mit 20.000 Hektolitern
20.000 Hektoliter mal 13,6 kWh ergeben 272.000 kWh im Jahr. Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Zwiesel im Bayerischen Wald, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020: 1.088,0 kWh je kWp. Die Stunden sind auf mitteleuropäische Zeit umgerechnet.
| Anlage | selbst genutzt | Autarkie | selbst genutzt mit Kälteverschiebung | Autarkie mit Kälteverschiebung |
|---|---|---|---|---|
| 50 kWp | 92,6 % | 18,5 % | 99,7 % | 19,9 % |
| 100 kWp | 81,2 % | 32,5 % | 91,9 % | 36,8 % |
| 150 kWp | 66,5 % | 39,9 % | 80,0 % | 48,0 % |
| 200 kWp | 55,1 % | 44,1 % | 67,5 % | 54,0 % |
Ohne Verschiebung bleibt von 50 kWp fast alles im Betrieb, weil die Grundlast nachts bei 15,3 kW und tagsüber deutlich darüber liegt. Ab 150 kWp wächst die Einspeisung schnell. Die rechten Spalten verschieben jeden Tag bis zu 113 kWh Kältestrom aus den Nachtstunden in die Stunden mit Überschuss. Woher dieser Wert kommt, zeigt das Beispiel aus Zwiesel.

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Der Lagerkeller als Speicher: das Beispiel Zwiesel
Die Dampfbier-Brauerei in Zwiesel hat ihre Kühlung erneuert und eine Solaranlage gebaut. Das Fachmagazin DIE KÄLTE berichtete am 01.02.2022 über das Projekt. Die Lagerkeller wurden seit 1965 mit einer Ammoniakanlage gekühlt. Die neue Kälteanlage braucht trotz einem Drittel mehr Leistung 35,8 % weniger Strom. Die Einsparung schätzt der Bericht auf 32,8 MWh im Jahr.
Im Juni 2020 ging auf dem Hauptgebäude eine Anlage mit 84 kWp in Betrieb. Sie senkt den Netzbezug um 60 MWh im Jahr, 15 bis 20 MWh gehen ins Netz. Seit 2021 regelt die Kälteanlage nach dem Überschuss: Liefert die Anlage mehr, als der Betrieb braucht, kühlt sie die Lagerkeller tiefer. Die Raumluft sinkt dann für 5 bis 6 Stunden auf bis zu minus 1,5 °C. Das bringt weitere 15 MWh Eigenverbrauch. Der Netzbezug fiel insgesamt von 211.583 auf 103.783 kWh im Jahr, eine Halbierung.
Der Speicher ist das Bier selbst. 3.000 Hektoliter Lagervolumen nehmen 340 kWh Kälte auf, wenn das Bier um ein Grad tiefer gekühlt wird. Mit einer Leistungszahl von 3, wie sie BayWeinTEK für Kältemaschinen ansetzt, braucht das rund 113 kWh Strom. Das ist eine eigene Rechnung, und sie ergibt den Tageswert, den wir oben verschoben haben.
Passt das Modell zur Wirklichkeit?
Wir haben das Modell mit den Zahlen aus Zwiesel gefüttert. Verbrauch nach der Einsparung: 211.583 minus 32.800 kWh, also 178.783 kWh. Anlage: 84 kWp, Süd, 35 Grad.
| Größe | Bericht Zwiesel | unser Modell |
|---|---|---|
| Erzeugung im Jahr | rund 75 bis 80 MWh (60 MWh plus 15 bis 20 MWh) | 91,4 MWh |
| Eigenverbrauch ohne Überschussregelung | 60 MWh | 66,5 MWh |
| Einspeisung | 15 bis 20 MWh | 24,9 MWh |
| Zusätzlich durch Kälteverschiebung | 15 MWh | 13,9 MWh |
Die Verschiebung trifft den gemeldeten Wert gut: 13,9 MWh im Modell gegen 15 MWh im Bericht. Die Erzeugung überschätzt das Modell, weil es mit einer optimal ausgerichteten Südfläche rechnet; Ausrichtung und Neigung nennt der Bericht nicht. Die gemeldeten 75 bis 80 MWh entsprechen 82 bis 88 % des Südwerts. Der Eigenverbrauch liegt entsprechend höher als gemeldet. Die Größenordnung stimmt.
Kältespeicher gegen Batteriespeicher
Zum Vergleich haben wir die Brauerei mit 100 kWp und einem Batteriespeicher von 100 kWh gerechnet, ohne Lade- und Entladeverluste. Selbst genutzt werden dann 91,4 %, die Autarkie liegt bei 36,5 %. Aus dem Speicher kommen 11.077 kWh im Jahr, rechnerisch 111 volle Ladezyklen.
Die Kälteverschiebung erreicht mit 91,9 % und 36,8 % dasselbe. Sie braucht keinen Speicher, sondern eine Regelung und einen Lagerkeller, der Temperaturschwankungen verträgt. Ein Nachteil: Tiefere Kellertemperaturen erhöhen die Wärmeverluste über Wände und Leitungen, die Kältemaschine arbeitet bei tieferer Temperatur weniger effizient. Wie viel das kostet, nennt der Bericht aus Zwiesel nicht. Wie ein Batteriespeicher Lastspitzen kappt, beschreibt der Ratgeber zur Lastspitzenkappung im Gewerbe.
Erst Kälte sparen, dann Solarstrom erzeugen
Die Einsparung kommt vor der Anlage, weil jede Kilowattstunde weniger auch nachts wirkt. Das LfU nennt einfache Anpassungen an der Kälteanlage, die den Wirkungsgrad um 4 bis 5 % steigern, häufig auch um 15 bis 20 %. Eine davon: die Vorlauftemperatur im Kaltwassersystem um 1 °C anheben.
- Drehzahlregelung der Kältepumpen: Laut der Studie aus Oberösterreich sinkt der Stromverbrauch um bis zu 45 %.
- Eisbänke: Sie verschieben Kälteerzeugung zeitlich. Früher in die Nacht, um Lastspitzen zu senken; mit Solaranlage in den Mittag.
- Wärmerückgewinnung: Abwärme der Verflüssiger kann Brauchwasser vorwärmen, aber eine zu hohe Verflüssigungstemperatur kostet Strom.
- Glykol-Eisspeicher für die Würzekühlung: Zwiesel plante ihn für 2022. Ob er umgesetzt wurde, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Wie sich ein Eisspeicher in einem anderen Kühlbetrieb bewährt, zeigt der Ratgeber zum Milchviehbetrieb mit PV. Das Gegenbeispiel mit Kühllast im ertragsarmen Herbst steht im Ratgeber zum Weingut mit PV.
Was ältere Berichte anders darstellen
Der Bericht aus Zwiesel nennt die EEG-Umlage als Grund, den Eigenverbrauch zu maximieren. Das war 2022 so. Heute fallen Umlagen auf die Entnahme aus dem Netz an, nicht auf selbst verbrauchten Solarstrom; Einzelheiten stehen im Ratgeber zu Umlagen und Eigenverbrauch. Der Grund für hohen Eigenverbrauch ist heute der Abstand zwischen Bezugspreis und Einspeiseerlös. Zur Stromsteuer auf selbst erzeugten Strom lies den Ratgeber Stromsteuer und Zoll.

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So planst du die Solaranlage für die Brauerei
- Strom je Hektoliter bilden: Jahresverbrauch auf der Rechnung durch den Ausstoß teilen und mit 13,6 und 11,4 kWh vergleichen.
- Lastgang anfordern: Frag beim Netzbetreiber nach Viertelstundenwerten, sofern dein Zähler sie erfasst. Schau dir Nachtlast und Wochenende an.
- Kälte trennen: Einen Zwischenzähler für die Kältemaschine setzen, wenn es keinen gibt.
- Einsparung umsetzen: Pumpen, Vorlauftemperatur, Kältemaschine.
- Größe wählen: Nach der Tagesgrundlast, nicht nach dem Jahresverbrauch.
- Überschussregelung einplanen: Temperaturspanne mit dem Braumeister festlegen.
Checkliste für Brauereien
- Wie viele Hektoliter braut der Betrieb im Jahr?
- Wie hoch ist die Nachtlast, und wie viel davon ist Kälte?
- Wie viele Hektoliter liegen im Lagerkeller, und wie weit darf die Temperatur schwanken?
- Gehört ein Braugasthof mit eigenen Öffnungszeiten dazu?
- Kommt die Wärme aus Gas, Öl oder einem Blockheizkraftwerk?
- Welche Dächer sind frei, und tragen sie die Module?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Ein veröffentlichtes Standardlastprofil für Brauereien haben wir nicht gefunden. Die Aufteilung in 40 % Kälte rund um die Uhr und 60 % nach Profil G1 ist eine Annahme. Die gemessenen Lastgänge aus Oberösterreich sind über 25 Jahre alt. Die Leistungszahl 3 stammt aus einer Quelle zum Weinbau, nicht aus Zwiesel. Die Jahreszeiten der Kühllast sind nicht modelliert, obwohl der Sommer mehr braucht; mit mehr Sommerlast läge der Eigenverbrauch etwas höher. Monatswerte zum Bierabsatz enthält der Statistische Bericht nicht. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 13.09.2026.