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Wirtschaftlichkeit

Milchviehbetrieb mit PV-Anlage: Lastprofil L1, Melkzeiten, Milchkühlung und Speicher

Gemolken wird morgens und abends, die Sonne liefert mittags. Das BDEW-Profil L1 gegen eine PVGIS-Stundenreihe gerechnet, mit LfL-Verbrauchswerten je Kuh und dem Eisspeicher-Versuch in Grub.

⏱️ 9 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 13. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 9 Abschnitte
  1. 1.Das Lastprofil L1: zwei Melkzeiten, Mittagstal
  2. 2.Wofür der Milchviehbetrieb Strom braucht
  3. 3.Nachgerechnet: So viel Solarstrom bleibt im Stall
  4. 4.Speicher: im Milchviehbetrieb besonders gut ausgelastet
  5. 5.Die Milchkühlung als Speicher: der Versuch in Grub
  6. 6.Steuer und Anschluss: was gilt
  7. 7.Checkliste für Milchviehhalter
  8. 8.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  9. 9.Häufige Fragen zu PV im Milchviehbetrieb

Im Milchviehbetrieb wird zweimal am Tag gemolken, morgens und abends. Vakuumpumpe, Milchkühlung und Warmwasser für die Reinigung ziehen dann die meiste Leistung. Die Solaranlage auf dem Stalldach liefert dazwischen, zur Mittagszeit. Das klingt nach einem schlechten Paar, und die Rechnung bestätigt das zum Teil.

Dieser Ratgeber legt das Standardlastprofil L1 des BDEW für Milchviehbetriebe gegen eine PVGIS-Stundenreihe. Dazu kommen Verbrauchswerte der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft aus über 6.000 Betrieben und ein Versuch in Grub, bei dem die Milchkühlung als Speicher für Solarstrom diente.

Kurz gesagt: Im Profil L1 fallen nur 32,8 Prozent des Stroms zwischen 9 und 17 Uhr an, weniger als in jedem anderen Standardprofil, das wir gerechnet haben. Je 100.000 kWh bleiben von 20 kWp 87,6 Prozent im Betrieb, von 50 kWp nur 53,1 Prozent. Dafür arbeitet ein Speicher hier besonders viel: 30 kWh schaffen an 30 kWp 184 volle Ladezyklen. Eine Eiswasserkühlung kann einen Teil dieser Aufgabe übernehmen.
Balkendiagramm: Im Milchviehprofil L1 fallen 32,8 Prozent des Stroms zwischen 9 und 17 Uhr an, im Profil L2 39,2 Prozent; 42,2 Prozent im Winterzeitraum.
Zwei Melkzeiten lassen die Mittagsstunden fast leer. · Foto: Eigene Grafik

Das Lastprofil L1: zwei Melkzeiten, Mittagstal

Nach der BDEW-Zuordnung M-24/2000 bekommen Betriebe mit Milchvieh das Profil L1, Rindermast, Schweine- und Geflügelhaltung dagegen L2. Die Profildatei des BDEW enthält 96 Viertelstundenwerte je Profiltag, normiert auf rund 1.000 kWh im Jahr. Wir haben sie zu Stundenmitteln zusammengefasst und auf 100.000 kWh hochgerechnet.

UhrzeitL1 je 1.000 kWhauf 100.000 kWh
04 bis 05 Uhr, Winter-Werktag56 W5,6 kW
08 bis 09 Uhr, Winter-Werktag275 W27,4 kW
13 bis 14 Uhr, Winter-Werktag95 W9,5 kW
19 bis 20 Uhr, Winter-Werktag273 W27,2 kW
13 bis 14 Uhr, Sommer-Werktag84 W8,4 kW
19 bis 20 Uhr, Sommer-Werktag215 W21,4 kW

Die Mittagslast liegt bei rund einem Drittel der Melkspitzen. Anders als im Gewerbe gibt es keinen freien Sonntag: Die Kühe werden jeden Tag gemolken, der Sonntag im Profil sieht fast aus wie ein Werktag. Über das Jahr verteilt sich der Strom so:

Profil9 bis 17 Uhr17 bis 24 Uhr0 bis 6 UhrWinterzeitraum
L1 Milchvieh32,8 %36,0 %12,2 %42,2 %
L2 übrige Tierhaltung39,2 %34,7 %13,1 %41,4 %
L0 Landwirtschaft allgemein37,3 %35,3 %12,7 %41,8 %

Der Winterzeitraum vom 01.11. bis 20.03. trägt 42,2 Prozent des Verbrauchs, weil Beleuchtung, Frostschutz und Warmwasser dann mehr brauchen. Genau dann liefert die Anlage wenig: Nach der Landwirtschaftskammer Niedersachsen kommen von November bis Februar nur etwa 10 Prozent des Jahresertrags.

Wofür der Milchviehbetrieb Strom braucht

Die LfL Bayern rechnet mit etwa 400 kWh Strom je Kuh und Jahr, rund 60 Prozent entfallen auf Milchgewinnung und -kühlung. Die Landwirtschaftskammer NRW nennt für Betriebe mit rund 100 Kühen denselben Wert, 5 kWh je 100 Liter Milch, und teilt auf: Milchgewinnung etwa 60 Prozent, Fütterung 35 Prozent, Beleuchtung und Entmistung 5 Prozent.

Genauer wird eine LfL-Auswertung von über 6.000 bayerischen Betrieben, über die top agrar am 06.04.2021 berichtete. Der Gesamtbetrieb mit Wohnhaus kam im Mittel auf 640 kWh je Kuh, der Stall ohne Melktechnik auf 125 kWh.

MelktechnikMelkstandMelkroboter (AMS)
Strom je Kuh und Jahr333 kWh366 kWh
Strom je 100 kg Milch3,9 kWh4,1 kWh
Kühlung Milchtank42 %33 %
Vakuumpumpe40 %24 %
Warmwasser Reinigung18 %15 %
Kompressor16 %
Melkroboter12 %

Für die Solaranlage ist der Unterschied wichtig. Ein Melkroboter melkt über den ganzen Tag verteilt, auch mittags. Das Profil L1 bildet dagegen den klassischen Betrieb mit zwei Melkzeiten ab. Mit Roboter liegt die Eigenverbrauchsquote deshalb eher über den Werten unten, mit Melkstand eher darauf.

Zur Einordnung der Musterrechnung: Bei 400 kWh je Kuh entsprechen 100.000 kWh rechnerisch rund 250 Kühen, bei 640 kWh mit Wohnhaus rund 156 Kühen. Ein Betrieb mit 100 Kühen und 40.000 kWh erreicht dieselben Quoten mit 40 Prozent der kWp-Werte.

Balkendiagramm: Eigenverbrauchsquote bei 100.000 kWh, L1 gegen L2: 20 kWp 87,6 zu 95,2 Prozent, 50 kWp 53,1 zu 61,0 Prozent.
Der Milchviehbetrieb verliert schon bei kleinen Anlagen Strom ans Netz. · Foto: Eigene Grafik

Nachgerechnet: So viel Solarstrom bleibt im Stall

Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3: Berlin, Süd, 30 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1.089,9 kWh je kWp. Last und Ertrag sind Stunde für Stunde verrechnet, der Jahresverbrauch beträgt 100.000 kWh.

AnlageL1 selbst genutztL1 AutarkieL2 selbst genutztL0 selbst genutzt
10 kWp100,0 %10,9 %100,0 %100,0 %
20 kWp87,6 %19,1 %95,2 %93,2 %
30 kWp71,8 %23,5 %81,8 %78,8 %
50 kWp53,1 %29,0 %61,0 %58,7 %
80 kWp39,2 %34,2 %44,2 %42,8 %

Schon bei 20 kWp je 100.000 kWh geht im Milchviehbetrieb Strom ins Netz, weil das Mittagstal so tief ist. Bei 50 kWp bleibt gut die Hälfte im Betrieb. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt für eine Anlage, die übers Jahr so viel erzeugt wie der Betrieb verbraucht, meist nur 30 bis 50 Prozent direkten Eigenverbrauch. Das passt zur Rechnung: Bei 80 kWp, also knapp 87 Prozent des Verbrauchs, sind es 39,2 Prozent.

Typischer Fehler: das ganze Stalldach belegen und mit Eigenverbrauch rechnen. Stalldächer sind groß, und viele Betriebe belegen sie vollständig. Das kann sich lohnen, aber dann über die Einspeisung. In der Praxis sollte das Angebot deshalb zwei Rechnungen enthalten: den Teil, der im Stall bleibt, und den eingespeisten Rest mit seiner eigenen Vergütung.
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Balkendiagramm: Ein Speicher mit 30 kWh an 30 kWp erreicht im Milchviehprofil 184 volle Ladezyklen, in der Bäckerei 160, in der übrigen Tierhaltung 144, im Laden 101.
Die Abendmelkzeit leert den Speicher jeden Tag. · Foto: Eigene Grafik

Speicher: im Milchviehbetrieb besonders gut ausgelastet

Was bei der Eigenverbrauchsquote ein Nachteil ist, hilft dem Batteriespeicher. Er lädt mittags und entlädt zur Abendmelkzeit, jeden Tag, auch am Wochenende. Wir haben mit 30 kWh gerechnet, ohne Verluste und mit voller Entladetiefe.

Anlage mit 30 kWhselbst genutztAutarkieaus dem Speichervolle Ladezyklen
L1, 30 kWp88,6 %29,0 %5.509 kWh184
L1, 50 kWp67,3 %36,7 %7.723 kWh257
L2, 30 kWp95,0 %31,1 %4.333 kWh144

184 Zyklen bei 30 kWp sind mehr als in der Bäckerei mit Backstube mit 160 und fast doppelt so viele wie im Laden mit 101. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beziffert den Effekt eines passenden Speichers auf 20 bis 35 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauch, auf über 50 bis 80 Prozent. Die Landwirtschaftskammer Steiermark hält je nach Sparte 50 bis 70 Prozent Autarkie für realistisch, ohne Speicher bis etwa 40 Prozent.

Die Milchkühlung als Speicher: der Versuch in Grub

Es geht auch ohne Batterie. Die LfL hat an der Versuchsstation Grub die Milchkühlung mit einer 44-kWp-Anlage auf dem Stalldach untersucht. Die Idee: Eine Eiswasserkühlung baut in einem separaten Eisspeicher Kälte auf, wenn die Sonne scheint, und kühlt damit die Milch nach dem Melken. Die Abkühlung dauert ohnehin 6 bis 7 Stunden ab Melkbeginn.

Nach der Erneuerung auf eine kombinierte Vor-, Eiswasser- und Direktkühlung brauchte die Kühlung nur noch 5.495 kWh im Jahr, 99,9 kWh je Kuh. Gegenüber vorher waren das 10.114 kWh oder 65 Prozent weniger. Weil zugleich die Eiswasserproduktion in die Solarstunden verlagert wurde, stieg die Deckung der Milchkühlung mit eigenem Solarstrom von 42,2 auf 57,1 Prozent.

Einen Nachteil nennt die LfL-Information zur Milchgewinnung selbst: Eiswasserkühlung braucht mit etwa 24 Wh je kg Milch rund 20 Prozent mehr Energie als Direktkühlung, hat aber einen geringeren Anschlusswert. Eine Vorkühlung über Rohr- oder Plattenkühler senkt den Kühlstrom um bis zu 50 Prozent, eine drehzahlgesteuerte Vakuumpumpe spart 40 bis 50 Prozent.

Erst sparen, dann erzeugen: Prüfe vor der Solaranlage Vorkühler und Vakuumpumpe. Jede eingesparte Kilowattstunde senkt die Last in den Melkzeiten, in denen die Anlage ohnehin wenig liefert.
Vorsicht bei der Eisspeicher-Rechnung: Der Versuch in Grub kombiniert neue Kühltechnik und Lastverschiebung. Welcher Teil der höheren Deckung auf die Verschiebung allein entfällt, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht trennen.

Steuer und Anschluss: was gilt

Selbst verbrauchter Solarstrom aus Anlagen bis 2 MW ist nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG stromsteuerfrei. Für landwirtschaftliche Betriebe kommen umsatzsteuerliche Besonderheiten dazu, die der Ratgeber zur Durchschnittssatzbesteuerung erklärt. Wie Ammoniak aus dem Stall die Module belastet, steht im Ratgeber Module im Stall und an der Küste.

Die Grundrechnung zu Einspeisung und Eigenverbrauch steht unter Eigenverbrauch oder Volleinspeisung, die Senkung von Lastspitzen mit Speicher unter Lastspitzenkappung.

Melkzeiten anpassen: Vergleiche die Uhrzeiten von Reinigung, Warmwasserbereitung und Futtermischen mit dem Solarertrag. Warmwasser für die Tankreinigung lässt sich oft mittags vorheizen, ohne die Melkzeiten zu verschieben.
1 So gehst du die Planung an
  1. Verbrauch je Kuh bilden: Strom der letzten 12 Monate durch die Herdengröße teilen.
  2. Einsparung zuerst: Vorkühler, Vakuumpumpe, Wärmerückgewinnung prüfen.
  3. Melktechnik berücksichtigen: Melkstand mit zwei Melkzeiten oder Roboter.
  4. Größe ableiten: Eigenverbrauch und Einspeisung getrennt rechnen lassen.
  5. Speicher prüfen: Batterie oder Eisspeicher gegen die Abendmelkzeit rechnen.
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Checkliste für Milchviehhalter

Vor der Anfrage klären
  • Prüfe die Netzrechnung auf das Lastprofil L1.
  • Wie viele kWh Strom braucht der Betrieb je Kuh im Jahr?
  • Melkstand mit zwei Melkzeiten oder Melkroboter?
  • Hat die Milchkühlung einen Vorkühler, und ist es Direkt- oder Eiswasserkühlung?
  • Ist die Vakuumpumpe drehzahlgesteuert?
  • Hängt das Wohnhaus am selben Zähler?
  • Welche Dächer sind statisch geeignet und nicht zu stark Ammoniak ausgesetzt?
  • Fotografiere Stalldach und Zählerschrank, bevor der Planer kommt.

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

L1 beruht auf Messungen von 1999 und bildet einen Betrieb mit zwei Melkzeiten ab. Betriebe mit Melkroboter, Futterroboter oder Wärmepumpe haben einen anderen Tagesgang. Feiertage sind wie Wochentage gerechnet, die Speicherrechnung ist verlustfrei.

Einen veröffentlichten Jahreslastgang eines deutschen Milchviehbetriebs mit Roboter haben wir nicht gefunden. Die Grub-Zahlen gelten nur für die Milchkühlung, nicht für den ganzen Betrieb. Die Steiermark-Werte stammen aus Österreich; der dort gerechnete Jahresverbrauch ist in dem Beitrag nicht so angegeben, dass wir ihn übertragen könnten.

Häufige Fragen zu PV im Milchviehbetrieb

Welches Lastprofil hat ein Milchviehbetrieb? +
Nach der BDEW-Zuordnung L1. Andere Tierhaltung wie Rindermast oder Schweinehaltung bekommt L2.
Wie viel Strom braucht eine Milchkuh? +
Die LfL rechnet mit etwa 400 kWh je Kuh und Jahr. Mit Melkstand waren es in Bayern im Mittel 333 kWh, mit Roboter 366 kWh.
Wie viel Solarstrom kann ein Milchviehbetrieb selbst nutzen? +
Je 100.000 kWh im Profil L1 von 20 kWp 87,6 Prozent, von 50 kWp 53,1 Prozent.
Lohnt sich ein Batteriespeicher im Stall? +
Er ist dort gut ausgelastet. 30 kWh an 30 kWp kommen nach unserer Rechnung auf 184 volle Ladezyklen im Jahr.
Passt ein Melkroboter besser zur Solaranlage? +
Ja, weil er über den Tag verteilt melkt. Der Roboter selbst hat laut LfL-Auswertung nur 12 Prozent am Stromverbrauch.
Kann die Milchkühlung Solarstrom speichern? +
Mit Eiswasserkühlung ja. In Grub stieg die Solardeckung der Kühlung von 42,2 auf 57,1 Prozent.
Was verbraucht beim Melken am meisten Strom? +
Mit Melkstand die Kühlung des Milchtanks mit 42 Prozent und die Vakuumpumpe mit 40 Prozent.
Ist der selbst genutzte Strom stromsteuerfrei? +
Ja, aus Anlagen bis 2 MW nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG.

Quelle: BDEW, Repräsentative VDEW-Lastprofile (Profile.zip) und M-24/2000; LfL Bayern, Energieeinsparung in der Milchviehhaltung und Energieeinsparung und Eigenstromnutzung in der Milchviehhaltung; top agrar vom 06.04.2021; Landwirtschaftskammer NRW; Landwirtschaftskammer Niedersachsen vom 10.09.2020; Landwirtschaftskammer Steiermark; § 9 StromStG (gesetze-im-internet.de); PVGIS 5.3, eigene Stundenreihe Berlin 2020. Stand: 13.09.2026, Abruf aller Quellen am 13.09.2026.