Gastronomie mit PV-Anlage: Lastprofil G2, Eigenverbrauch im Restaurant und Speicher
Restaurants brauchen Strom am Abend, die Sonne liefert mittags. Das BDEW-Profil G2 gegen eine PVGIS-Stundenreihe gerechnet: Anlagengröße, Eigenverbrauch und Speicher je 100.000 kWh.
Inhaltsverzeichnis · 10 Abschnitte
- 1.Welches Lastprofil hat ein Restaurant?
- 2.Warum das Profil für Biergarten und Ausflugslokal nicht passt
- 3.Nachgerechnet: So viel Solarstrom bleibt im Lokal
- 4.Wofür ein Restaurant Strom braucht
- 5.Speicher: erst ab 30 kWp je 100.000 kWh
- 6.Ein Beispiel aus Hannover: 98 Prozent selbst genutzt
- 7.Stromsteuer, Pacht und Klimaanlage
- 8.Checkliste für Gastronomen
- 9.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 10.Häufige Fragen zu PV in der Gastronomie
Ein Restaurant braucht seinen Strom dann, wenn Gäste kommen: ein wenig zum Mittagstisch, am meisten am Abend. Die Kühlung läuft rund um die Uhr, Küche, Spülmaschine und Lüftung folgen den Öffnungszeiten. Die Sonne liefert mittags. Wie viel davon im Lokal bleibt, lässt sich ohne Lastgang schätzen, aber auch nachrechnen.
Dieser Ratgeber legt das Standardlastprofil G2 des BDEW, das Netzbetreiber für Gaststätten verwenden, gegen eine PVGIS-Stundenreihe. Dazu kommen Verbrauchsanteile aus Energieleitfäden für das Gastgewerbe und ein Restaurant aus Hannover, das seine Erfahrung veröffentlicht hat.
Welches Lastprofil hat ein Restaurant?
Kleinere Gewerbekunden ohne Leistungsmessung rechnet der Netzbetreiber mit Standardlastprofilen ab. Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet Restaurant, Speisewirtschaft, Schankwirtschaft, Café und Hotel mit Restauration zwei Profilen zu: G2 bei Schwerpunkt in den Abendstunden, G6 bei ausgeprägtem Wochenendbetrieb wie in Ausflugslokalen. Kantinen bekommen dagegen G4 wie ein Laden.
Die Profildatei des BDEW enthält für jedes Profil 96 Viertelstundenwerte je Profiltag, normiert auf rund 1.000 kWh im Jahr. Wir haben sie zu Stundenmitteln zusammengefasst und auf 100.000 kWh hochgerechnet.
| Uhrzeit | G2 je 1.000 kWh | auf 100.000 kWh |
|---|---|---|
| 03 bis 04 Uhr, Winter-Werktag | 32 W | 3,2 kW |
| 11 bis 12 Uhr, Winter-Werktag | 169 W | 16,7 kW |
| 18 bis 19 Uhr, Winter-Werktag | 250 W | 24,8 kW |
| 22 bis 23 Uhr, Winter-Werktag | 158 W | 15,6 kW |
| 12 bis 13 Uhr, Sommer-Werktag | 133 W | 13,2 kW |
| 19 bis 20 Uhr, Sommer-Werktag | 181 W | 17,9 kW |
Über das Kalenderjahr 2020 verteilt sich der Verbrauch so:
| Profil | 9 bis 17 Uhr | 17 bis 24 Uhr | 0 bis 6 Uhr | Samstag | Sonntag |
|---|---|---|---|---|---|
| G2 Abendbetrieb | 41,5 % | 43,7 % | 7,8 % | 13,9 % | 11,9 % |
| G6 Wochenendbetrieb | 42,5 % | 41,3 % | 9,9 % | 16,7 % | 17,2 % |
Nachts ist ein Lokal ruhig, nur 7,8 Prozent des Stroms fallen vor sechs Uhr an. Der Nachteil liegt am Abend: Die Spitze um 18 Uhr kommt, wenn die Anlage im Winter nichts mehr und im Sommer nur noch wenig liefert. Auffällig ist auch die Jahreszeit. Auf den Winterzeitraum vom 01.11. bis 20.03. entfallen im Profil 43,5 Prozent, auf den Sommerzeitraum nur 29,1 Prozent.
Warum das Profil für Biergarten und Ausflugslokal nicht passt
G2 bildet eine durchschnittliche Gaststätte von 1999 ab, die im Winter mehr Strom braucht als im Sommer. Ein Biergarten oder ein Ausflugslokal mit Terrasse verhält sich umgekehrt. G6 verschiebt zwar Last auf das Wochenende, am Winter-Sonntag etwa auf 255 W zur Mittagszeit, bleibt aber ebenfalls winterlastig mit 41,1 Prozent.
Der BDEW hat 2025 neue Standardlastprofile veröffentlicht. Nach seinen Hinweisen vom 17.03.2025 sind das H25, G25, L25, P25 und S25; ein eigenes Gastronomieprofil ist nicht darunter, und die Profile von 1999 bleiben zulässig. Für Saisonbetriebe hilft nur der eigene Lastgang.
Nachgerechnet: So viel Solarstrom bleibt im Lokal
Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3: Berlin, Süd, 30 Grad Neigung, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1.089,9 kWh je kWp. Last und Ertrag sind Stunde für Stunde gegeneinander gelegt, bei 100.000 kWh Jahresverbrauch. Zum Vergleich steht G1, ein Betrieb werktags von 8 bis 18 Uhr.
| Anlage | G2 selbst genutzt | G2 Autarkie | G6 selbst genutzt | G1 selbst genutzt |
|---|---|---|---|---|
| 10 kWp | 100,0 % | 10,9 % | 100,0 % | 89,9 % |
| 20 kWp | 97,6 % | 21,3 % | 98,2 % | 82,5 % |
| 30 kWp | 83,9 % | 27,4 % | 86,0 % | 78,8 % |
| 50 kWp | 61,9 % | 33,7 % | 63,9 % | 68,7 % |
| 80 kWp | 44,4 % | 38,7 % | 45,6 % | 54,0 % |
Bis 30 kWp passt eine Gaststätte besser zur Solaranlage als ein Bürobetrieb, weil sie auch samstags, sonntags und mittags Strom braucht. Bei 50 kWp dreht sich das Bild: Dann gehen im Lokal 38,1 Prozent ins Netz, beim Tagbetrieb nur 31,3 Prozent, weil der Abendverbrauch den Mittagsüberschuss nicht aufnimmt.
Die Tabelle lässt sich linear übertragen, weil die Profile normiert sind. Ein Lokal mit 50.000 kWh erreicht mit 10 kWp dieselbe Quote wie die Musterrechnung mit 20 kWp. Rechne nach diesem Verhältnis nach, bevor du die Anlage nach der Dachfläche auslegst.

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Wofür ein Restaurant Strom braucht
Die meisten Leitfäden nennen die Küche als größten Stromverbraucher. Nach dem Folder „Energieeffizienz Gastronomie“ des WIFI Unternehmerservice der WKÖ, erschienen 2002, verbraucht die Küche in einem Restaurant 40 Prozent des Stroms, Kälteanlagen weitere 20 Prozent.
Die Energiekampagne Gastgewerbe des DEHOGA nennt für Kühlschrank, Gefrierschrank und Co. rund 20 Prozent der Energie.
Eine genauere Aufteilung zeigt energie.ch für ein Restaurant mit 80 Sitzplätzen, nach einer Schätzung von 2007. Die Spalte Zielwert zeigt, was ein effizienter Betrieb erreichen soll, bezogen auf den Durchschnitt von 100 Prozent.
| Verbraucher | Durchschnitt | Zielwert | passt zur Mittagssonne? |
|---|---|---|---|
| Kochen | 30 % | 18 % | teilweise, Mittagstisch und Vorbereitung |
| Kälteanlagen | 20 % | 12 % | ja, läuft ganztags |
| Beleuchtung | 20 % | 12 % | kaum, vor allem abends |
| Lüftung | 15 % | 9 % | teilweise |
| Diverse, Büro | 10 % | 6 % | teilweise |
| Wäsche | 5 % | 3 % | ja, verschiebbar |
Die letzte Spalte ist unsere Einschätzung. Die Kühlung ist der verlässlichste Abnehmer für Solarstrom, weil sie auch am Nachmittag läuft, wenn die Küche Pause macht. Wäsche und Spülmaschinen-Vorlauf lassen sich in die Mittagsstunden legen. Erfahrungsgemäß bringt das mehr als ein größerer Speicher.
Als Größenordnung nennt energie.ch Schweizer Kennzahlen des ewz: im Durchschnitt 5 kWh Strom je Mahlzeit, 600 kWh je m² beheizter Fläche und 20 MWh je Mitarbeiter im Jahr. Nach dem letzten Wert entspräche die Musterrechnung mit 100.000 kWh einem Betrieb mit 5 Vollzeitkräften. Die Werte sind älter und nicht deutsch, sie ersetzen keine eigene Messung.
Speicher: erst ab 30 kWp je 100.000 kWh
Ein Batteriespeicher lädt nur aus Überschuss. Bei 20 kWp je 100.000 kWh verbraucht das Lokal den Strom fast vollständig selbst, ein Speicher mit 30 kWh gibt dann nach unserer Rechnung nur 533 kWh im Jahr ab, das sind 18 Vollzyklen. Das rechnet sich nicht.
| Anlage mit 30 kWh Speicher | selbst genutzt | Autarkie | aus dem Speicher | Vollzyklen |
|---|---|---|---|---|
| G2, 20 kWp | 100,0 % | 21,8 % | 533 kWh | 18 |
| G2, 30 kWp | 96,0 % | 31,4 % | 3.954 kWh | 132 |
| G2, 50 kWp | 74,9 % | 40,8 % | 7.107 kWh | 237 |
| G2, 80 kWp | 54,4 % | 47,4 % | 8.762 kWh | 292 |
| G6, 30 kWp | – | – | 3.447 kWh | 115 |
| G1, 30 kWp | 86,4 % | 28,2 % | 2.471 kWh | 82 |
Ab 30 kWp ändert sich das. Dann entsteht mittags Überschuss, und die Abendspitze zwischen 17 und 21 Uhr leert den Speicher zuverlässig. Bei 50 kWp kommt er auf 237 volle Ladezyklen. Ein Bürobetrieb mit derselben Anlage schafft nur 82, weil abends niemand mehr da ist. Gerechnet ist ohne Lade- und Entladeverluste und mit voller Entladetiefe, echte Werte liegen etwas darunter.
Wie ein Speicher zusätzlich den Leistungspreis senkt, wenn Kombidämpfer und Spülmaschine gleichzeitig anlaufen, erklärt der Ratgeber zur Lastspitzenkappung im Gewerbe.
Ein Beispiel aus Hannover: 98 Prozent selbst genutzt
Das Restaurant „Spandau Projekt“ in der Hannoverschen Nordstadt hat Module auf dem Dach und im Hof installieren lassen. Nach dem enercity Magazin decken sie seit Ende Februar tagsüber den größten Teil des Bedarfs von Küche, Kühlschränken und Klimaanlage, gut 98 Prozent des Stroms nutzt das Lokal selbst. Von Ende Februar bis Ende Juni erzeugten die Module 3.500 kWh.
Eine Leistung in kWp und den Jahresverbrauch nennt der Beitrag nicht, ebenso kein Datum. Die 98 Prozent passen zu unserer Rechnung: Eine Anlage, die klein im Verhältnis zum Verbrauch ist, landet im G2-Profil bei nahezu 100 Prozent Eigenverbrauch. Die Amortisation nach sieben Jahren ist eine Aussage des Betreibers.

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Stromsteuer, Pacht und Klimaanlage
Selbst verbrauchter Strom aus einer PV-Anlage bis 2 MW ist nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG von der Stromsteuer befreit. Einzelheiten zur Anmeldung stehen im Ratgeber Stromsteuer und Zoll.
Viele Gastronomen sind Mieter. Dann entscheidet der Eigentümer über das Dach, und Pacht oder Contracting kommen in Frage, siehe Contracting und Anlagenpacht im Gewerbe. Wie gut Klimageräte zum Sommerertrag passen, zeigt der Ratgeber Klimaanlage mit Solarstrom. Das Gegenstück mit Nachtlast ist die Bäckerei mit PV.
- Profil und Verbrauch klären: G2 oder G6 auf der Rechnung, Strom der letzten 12 Monate.
- Öffnungszeiten prüfen: Mittagstisch, Ruhetage, Saisonbetrieb.
- Größe ableiten: Je 100.000 kWh bis rund 20 kWp ohne nennenswerte Einspeisung.
- Speicher nur mit Überschuss: ab etwa 30 kWp je 100.000 kWh rechnen lassen.
- Dach klären: Eigentum, Statik und Pacht vor dem Angebot.
Checkliste für Gastronomen
- Prüfe die Netzrechnung auf das Lastprofil G2 oder G6.
- Wie viel Strom hat das Lokal in den letzten 12 Monaten verbraucht?
- Öffnet die Küche mittags, oder erst am Abend?
- Braucht das Lokal im Sommer mehr Strom als im Winter, etwa durch Terrasse oder Klimaanlage?
- Kocht die Küche mit Gas oder mit Strom?
- Welche Geräte lassen sich in die Mittagsstunden legen?
- Gehört das Dach dem Betrieb oder einem Vermieter?
- Fotografiere Dach und Zählerschrank, bevor der Planer kommt.
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
G2 und G6 stammen aus Messungen von 1999 und zeigen eine durchschnittliche Gaststätte. Biergärten, Eisdielen und reine Abendlokale weichen stark davon ab. Feiertage haben wir wie normale Wochentage gerechnet, die Speicherrechnung ist verlustfrei.
Einen veröffentlichten, gemessenen Jahreslastgang eines deutschen Restaurants haben wir nicht gefunden. Die Verbrauchsanteile stammen aus Österreich (2002) und der Schweiz (2007), die Fallzahlen aus Hannover aus einem Kundenmagazin ohne Anlagenleistung. Aussagen zu Einspeisevergütung und Amortisation enthält dieser Ratgeber bewusst nicht.
Häufige Fragen zu PV in der Gastronomie
Welches Lastprofil hat ein Restaurant? +
Passt eine PV-Anlage zu einem Restaurant? +
Wie viel Strom fällt in der Gastronomie abends an? +
Lohnt sich ein Speicher im Restaurant? +
Was verbraucht im Restaurant am meisten Strom? +
Wie viel Strom braucht ein Restaurant je Mahlzeit? +
Muss ich Stromsteuer auf den eigenen Solarstrom zahlen? +
Gilt die Rechnung auch für einen Biergarten? +
Quelle: BDEW, Repräsentative VDEW-Lastprofile (Profile.zip) und M-24/2000; BDEW, Hinweise zu den aktualisierten Standardlastprofilen Strom vom 17.03.2025; WIFI Unternehmerservice der WKÖ, Energieeffizienz Gastronomie, 2002; energie.ch, Energieeffizienz in der Gastronomie; Energiekampagne Gastgewerbe (DEHOGA); enercity Magazin, Vorreiter: Photovoltaik in der Gastronomie; § 9 StromStG (gesetze-im-internet.de); PVGIS 5.3, eigene Stundenreihe Berlin 2020. Stand: 13.09.2026, Abruf aller Quellen am 13.09.2026.