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Photovoltaik für Gewerbe und Handwerk: Eigenverbrauch in 22 Branchen

Vom Laden bis zum Sägewerk: wie viel Solarstrom kleine Betriebe selbst nutzen, warum das Standardprofil im Angebot oft danebenliegt und welcher Hebel in deiner Branche am meisten bringt.

⏱️ 25 Lesezeit📅 Oktober 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 04. Oktober 2026
Solarmodule auf dem Flachdach einer Handwerksbäckerei, dahinter Oberlichter und weitere Hallendächer.

Foto: EnergieAgentur.NRW · CC BY 2.0 · via Wikimedia Commons

Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
  1. 1.Eigenverbrauch in 22 Branchen: die Übersicht
  2. 2.Handel: Laden, Getränkemarkt und Blumenladen
  3. 3.Lebensmittelhandwerk und Gastronomie
  4. 4.Werkstätten und Produktion
  5. 5.Waschen und Reinigen
  6. 6.Praxen und Gesundheit
  7. 7.Dienstleister mit Dauerlast
  8. 8.Was für alle 22 Branchen gilt
  9. 9.So bereitest du die Anfrage für deinen Betrieb vor
  10. 10.Häufige Fragen zu Photovoltaik in Gewerbe und Handwerk
  11. 11.Quellen

Diese Seite hilft dir als Inhaber eines kleinen Betriebs einzuschätzen, wie viel Solarstrom vom eigenen Dach im Betrieb bleibt. Über 22 Branchen hinweg gilt: Am meisten nutzen Betriebe selbst, deren Strom tagsüber oder rund um die Uhr gebraucht wird, etwa Laden, Serverraum oder Sägewerk mit Trockenkammer. Wer abends, am Wochenende oder im Winter verbraucht, nutzt weniger, und das Standardlastprofil im Angebot liegt dann oft daneben.

Eigenverbrauch in 22 Branchen: die Übersicht

Die Tabelle zeigt je Branche, wann der Strom gebraucht wird, wie viel Solarstrom im Betrieb bleibt und worauf es ankommt. Die Prozentwerte sind der selbst genutzte Anteil des Solarstroms, meist aus Modellrechnungen mit PVGIS 5.3. Details und Quellen stehen im jeweiligen Abschnitt.

BrancheStrom gebrauchtEigenverbrauchWorauf es ankommt
Laden, Einzelhandelzu den Öffnungszeiten95,1 % bei 20 kWp je 100.000 kWhGröße am Verbrauch ausrichten
GetränkemarktÖffnungszeit plus Kühlung44,4 % bei 20 kWp (Glastüren)erst offene Regale ersetzen
BlumenladenKühlzelle Tag und Nacht60,8 % bei 10 kWpZellverbrauch messen
Kaffeeröstereiwenige Röststunden77,6 % der Röstenergie solar bei Röstung 10 bis 14 UhrRöstplan auf Mittag
Imbissmittags oder abends57,1 % mittags, 12,9 % abends bei 20 kWpÖffnungszeit
Restaurantabends, Spitze um 18 Uhr97,6 % bei 20 kWp je 100.000 kWhSpeicher erst ab 30 kWp je 100.000 kWh
Hotel garnirund um die Uhr79,5 % bei 30 kWp je 100.000 kWhWäsche mittags: 88,0 %
Kfz-Werkstattwerktags tagsüber62,9 % bei 20 kWp und 28.000 kWhÖffnungszeiten statt G4
TischlereiWerkstattzeit, Absaugung58,5 % bei 20 kWp und 54.060 kWhWochenende kostet Ertrag
SägewerkSäge tagsüber, Trockenkammer immer77,2 % bei 100 kWpTrockenkammer als Grundlast
DruckereiSchichtzeit plus Standby62,6 bis 69,4 % bei 100 kWpStandby senken
AutowaschanlageÖffnungszeit, sonntags oft zu65,2 % bei 20 kWp (Portalanlage)eigener Lastgang statt G4
WaschsalonÖffnungszeit, Trockner meist mit Gas71,0 % bei halber DeckungHeizart, Rabatt mittags
TextilreinigungProduktion, Dampf52,7 % bei 10 kWp je 10.000 kWh (elektrisch)Finishing nicht vor 8 Uhr
Apothekezu den Öffnungszeiten68,6 % bei 10 kWpG4 überschätzt den Abend
ZahnarztpraxisSprechzeiten61,8 % bei 5 kWpMittagspause, Urlaub
Tierarztpraxistagsüber, mit Station auch nachts57,8 % ohne Station, 49,5 % Klinik bei 20 kWpStation und Notdienst
Gemeinschaftspraxiswie ArztpraxisBagatellgrenze 3 % und 24.500 €Steuerfrage vorher klären
Tattoostudiowenig, bis der Autoklav läuft66,0 % bei 0,8 kWp (Autoklav mittags)Uhrzeit der Charge
BestattungsinstitutKühlzelle rund um die Uhr78,3 % (Garage) und 71,2 % (Haus) bei 5 kWpStandort der Zelle
Hundepensionrund um die Uhr, Heizung im Winter70,2 % mit Elektroheizung, 84,8 % ohneHeizart
Serverraumkonstant rund um die Uhr88,4 % bei 10 kWpzuerst die Kühlung
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Handel: Laden, Getränkemarkt und Blumenladen

Im Handel fällt der Strom zu den Öffnungszeiten an und damit weitgehend parallel zur Sonne. Was den Eigenverbrauch verschiebt, ist die Kühlung, die auch nachts läuft.

Laden und Einzelhandel

Ein Laden braucht seinen Strom überwiegend dann, wenn die Anlage liefert. Im Standardprofil G4 für Läden und Friseure fallen 47,7 % des Stroms zwischen 9 und 17 Uhr an, im Profil G3 für Lebensmittelmärkte mit Kühlung 38,7 %. Das ergibt die Auswertung der BDEW-Profildatei für das Jahr 2020.

Wie viel Strom die Fläche braucht, zeigt die EHI-Studie Energiemanagement im Einzelhandel 2024: Lebensmittelfilialen lagen bei 284 kWh je m² Verkaufsfläche, Nonfood-Geschäfte bei 71 kWh. Im Lebensmittelhandel gehen 51 % in die Kühlung und 20 % in die Beleuchtung.

Im Modell (Berlin, Süd, 30°) bleiben je 100.000 kWh Jahresverbrauch von 20 kWp im Profil G4 95,1 % im Laden, die Anlage deckt dann 20,7 % des Bedarfs. Bei 50 kWp sind es 68,1 % Eigenverbrauch und 37,1 % Deckung. Bis etwa 20 kWp je 100.000 kWh wird also fast nichts eingespeist. Das entspricht rund 5,7 kWp je 100 m² Lebensmittelfläche und 1,4 kWp je 100 m² Nonfood. Versprechen von 90 % Eigenverbrauch bei 45 % Deckung erreicht keines der Standardprofile.

Getränkemarkt

Im Getränkemarkt entscheidet die Kühltechnik mehr als die Anlage. Laut der Topten-Auswertung bei ee-news.ch verbraucht ein offenes Impulsregal mit 324 Litern gut 6.700 kWh im Jahr, ein Glastürgerät mit 346 Litern 859 kWh. Für den Liebherr FKDv 4213 sind 547 kWh im Jahr angegeben.

Ein Modellmarkt in Hannover braucht mit sechs Glastürgeräten 18.920 kWh im Jahr, mit offenen Regalen 55.838 kWh. Mit Glastüren nutzt er bei 20 kWp nach Süden 44,4 % des Solarstroms selbst, bei 10 kWp 70,2 %. Offene Regale heben die Quote auf 78,3 %, doch die Anlage deckt dann nur 29,8 % des Bedarfs.

Die Folgerung ist eindeutig: Der Tausch der sechs offenen Regale spart im Modell 36.918 kWh im Jahr, eine 20-kWp-Anlage deckt im selben Markt 16.612 kWh. Also erst Glastüren, dann die Anlage auslegen. Beim Angebot hilft ein Blick auf das Profil: G3 für Märkte mit Kühllast rechnet einen Glastür-Markt mit 35,6 statt 44,4 % zu schlecht.

Blumenladen

Im Blumenladen läuft die Kühlzelle Tag und Nacht und bringt Grundlast in Stunden ohne Sonne. Belegte Branchenwerte für ihren Verbrauch gibt es nicht.

Rechnerisch ergibt ein Aggregat mit 1.580 W Nennaufnahme wie das Viessmann TectoRefrigo WMC2 2800 bei 11 Stunden Laufzeit am Tag nach einem Beispiel von Isotech 6.361 kWh im Jahr. Das sind 44,3 % des Modellverbrauchs von 14.361 kWh.

Im Modell (Hannover, Süd, 35°) nutzt der Laden bei 10 kWp 60,8 % des Solarstroms selbst, bei 5 kWp 89,8 %. Eine Ost-West-Anlage hebt den Wert bei 10 kWp auf 69,5 %. Das Standardprofil G3 rechnet den Laden um 12,0 Prozentpunkte zu schlecht.

Die umsatzstarken Tage helfen wenig: Am Totensonntag 2020 lieferten 10 kWp in Hannover 7,8 kWh, die Zelle brauchte im Modell 15,2 kWh. Nur der Muttertag passt zur Sonne. Es lohnt sich, den Zellverbrauch per Zwischenzähler je eine Woche im Sommer und im Winter zu messen. Ein Speicher arbeitet wegen der Nachtkühlung viel: 5 kWh kommen auf 253 Vollzyklen und heben die Autarkie auf 53,7 %.

Lebensmittelhandwerk und Gastronomie

In der Gastronomie liegt viel Verbrauch am Abend. Wer die Uhrzeit seiner großen Verbraucher selbst bestimmt, wie eine Rösterei, holt am meisten aus dem Dach. Zur Backstube gibt es einen eigenen Ratgeber: Bäckerei mit PV-Anlage. Auch für Fleischereien und Eiscafés gibt es eigene Seiten.

Kaffeerösterei

Eine Rösterei braucht ihren Strom in wenigen Röststunden am Stück, und diese Stunden legt der Röster selbst. Die Angaben je Kilo streuen: Loppokaffee in Kiel nennt 0,175 kWh je kg gerösteten Kaffee, COFFEEHEROS 0,4 bis 0,6 kWh je kg Rohkaffee für Elektroröster und 0,8 bis 1,2 kWh für Gasröster.

Ein Elektroröster wie der Giesen W15E zieht laut Datenblatt im Mittel 4,7 kW je Charge, beim Aufheizen bis zu 32 kW.

Im Modell mit 18 kWp (Landshut, Süd, 35°) und 10 Tonnen Kaffee im Jahr deckt das Dach bei 0,5 kWh je kg 77,6 % der Röstenergie, wenn werktags von 10 bis 14 Uhr geröstet wird. Bei Röstung von 6 bis 10 Uhr sind es nur 40,0 %.

Der Röstplan ist damit der größte Hebel, und er kostet nichts. Vor dem Umstieg auf eine Elektromaschine gehören Anschluss und Absicherung zum Netzbetreiber. Die Spitze von 32 kW kommt teilweise aus dem Netz, denn eine 18-kWp-Anlage liefert im Modell höchstens 16,3 kW.

Imbiss und Schnellgastronomie

Beim Imbiss bestimmt der Tagesverlauf rund drei Viertel des Verbrauchs, nur die Kälte läuft rund um die Uhr. Nach der Broschüre Informationen für die Schnellgastronomie von proKlima geht der Strom zu 40 % ins Kochen, zu 20 % in die Kälte und zu 17 % ins Abwaschen. Im Schnitt sind es 285 kWh je m² Betriebsfläche, das Rechenbeispiel liegt bei 25.150 kWh auf 74 m².

Für genau diesen Verbrauch ergibt das Modell (Würzburg, Süd, 35°) bei 20 kWp einen Eigenverbrauch von 57,1 % für den Mittagsimbiss und von 12,9 % für einen Imbiss, der erst abends öffnet. Die Anlage deckt beim Mittagsbetrieb 51,2 % des Bedarfs, beim Abendbetrieb 11,6 %.

Beim Abendimbiss arbeitet ein Speicher viel: Mit 15 kWh an 15 kWp steigt die Autarkie von 10,5 auf 29,0 %. Vorher lohnt das Sparen am Abend. Rollos am Kühltresen sparen nach proKlima 20 bis 40 % der Energie des Kühlmöbels, ein Dämmerungsschalter am Reklameschild bis zu 50 % der Kosten für die Außenbeleuchtung.

Restaurant mit Abendbetrieb

Ein Restaurant braucht seinen Strom vor allem abends. Im Profil G2, das die BDEW-Zuordnung Gaststätten mit Abendschwerpunkt gibt, fallen 43,7 % des Verbrauchs zwischen 17 und 24 Uhr an. Die Spitze liegt an Winterwerktagen um 18 Uhr.

Nach dem Folder Energieeffizienz Gastronomie der WKÖ geht der größte Teil in die Küche (40 %), danach folgen Kälteanlagen mit 20 %.

Trotzdem bleibt bei passender Größe fast alles im Lokal. Im Modell (Berlin, Süd, 30°) nutzt ein Restaurant je 100.000 kWh von 20 kWp 97,6 % selbst, bei 50 kWp noch 61,9 %. Ein Speicher mit 30 kWh gibt an 20 kWp nur 533 kWh im Jahr ab (18 Vollzyklen), an 30 kWp schon 3.954 kWh.

Die Folgerung: bis rund 20 kWp je 100.000 kWh ohne Speicher planen und einen Speicher erst ab etwa 30 kWp je 100.000 kWh rechnen lassen. Wäsche und Kühlraum lassen sich teilweise in die Mittagsstunden legen. Ein Restaurant in Hannover nutzte laut enercity Magazin gut 98 % seines Solarstroms selbst.

Hotel garni

Ein Hotel garni braucht Strom rund um die Uhr, die Anlage liefert fast nur zwischen 10 und 17 Uhr. Im Profil G2 fallen 37,7 % des Verbrauchs in dieses Fenster, aber 78,8 % des Solarertrags (BDEW-Profildatei, PVGIS für Würzburg).

Im Modell je 100.000 kWh nutzt das Haus bei 30 kWp 79,5 % selbst. Die Sommersaison hilft kaum: Von Mai bis September fallen nach Destatis 48,1 % der Übernachtungen in Hotels garnis an, der Eigenverbrauch steigt dadurch bei 30 kWp nur um 1,0 Punkte. Deutlich mehr bringt der Waschplan. Wer Wäsche und Zimmerreinigung auf die Mittagszeit legt, kommt auf 88,0 %.

Ein 20-kWh-Speicher an 30 kWp erreicht 200 volle Zyklen und hebt die Autarkie von 26,9 auf 30,9 %. Deshalb zuerst Waschgänge, Trockner und Mangel zwischen 10 und 15 Uhr bündeln. Eine zu hohe Grundlast verrät der Verbrauch um 4 Uhr morgens: Liegt er über 30 % der durchschnittlichen Tageslast, lohnt die Suche nach Dauerverbrauchern.

Typischer Fehler: die Saison für den Speicher halten. Mehr Gäste im Sommer klingen nach mehr Eigenverbrauch, bewegen ihn im Modell aber nur um einen Punkt. Was zählt, ist die Uhrzeit der großen Verbraucher. Lass das Angebot mit Viertelstundenwerten vom Messstellenbetreiber rechnen, nicht mit G2.

Werkstätten und Produktion

Werkstätten und Produktionsbetriebe arbeiten tagsüber, stehen aber am Wochenende. Genau das bilden Standardprofile schlecht ab, und der Fehler geht je nach Branche in beide Richtungen.

Kfz-Werkstatt

Die Werkstatt braucht Strom zu den Öffnungszeiten. In Kfz-Betrieben mit Waschanlage geht nach dem Portal Energieeffizienz im Handwerk ein Viertel (25 %) in die Beleuchtung. Waschanlage, Heizung, Lüftung, Druckluft und Werkstatteinrichtung folgen mit je 15 %.

Der BDEW ordnet Werkstätten dem Ladenprofil G4 zu, das 27,5 % des Verbrauchs nach 17 Uhr legt. Eine Werkstatt mit Feierabend um 18 Uhr liegt im Modell dort bei 10,7 %. Bei 28.000 kWh und 20 kWp nutzt sie deshalb 62,9 % selbst, nach G4 gerechnet wären es nur 52,1 %. Den Speicher überschätzt G4 dagegen: 20 kWh an 30 kWp kommen im Werkstattmodell auf 137 Zyklen, nach G4 auf 280.

Ein Praxisbeispiel der Deutschen Handwerks Zeitung zeigt die richtige Reihenfolge: Ein Betrieb mit 71 kWp senkte seinen Verbrauch von 50.000 auf 28.000 kWh, nach neuen Fenstern und Toren, Dämmung und rund 130 LED statt Neonröhren. Erst Licht und Gebäude sanieren, dann die Anlage auf den neuen Verbrauch auslegen.

Tischlerei und Schreinerei

In der Tischlerei ist die Späneabsaugung der größte Verbraucher. Nach dem Portal Energieeffizienz im Handwerk entfallen 38 % des Stroms auf Staub- und Späneabsaugung und 27 % auf Maschinen und Werkzeuge.

Üblich sind nach einer Pilotstudie aus Oberösterreich 2 bis 5 MWh Strom je Mitarbeiter und Jahr, der Modellbetrieb kommt auf 54.060 kWh.

Der Haken ist das Wochenende. Im Kalender 2020 fallen 31,4 % des Solarertrags auf Samstage, Sonntage und Feiertage, an denen die Werkstatt steht. Im Modell (Würzburg, Süd, 35°) nutzt der Betrieb deshalb bei 20 kWp nur 58,5 % selbst, während das Standardprofil G1 75,7 % verspricht. Mit Montagetagen, an denen in der Werkstatt weniger läuft, sinkt der Wert auf 45,5 %.

Ein Speicher ist hier gut ausgelastet: 20 kWh an 30 kWp kommen auf 277 Zyklen und heben die Autarkie von 35,3 auf 45,6 %, nach G1 gerechnet wären es nur 171 Zyklen. Das Wochenende überbrückt er nicht. Absaugung und Druckluft gehören vor der Auslegung optimiert, gerechnet wird mit fünf Werkstatttagen und den Montagetagen.

Sägewerk mit Holztrocknung

Im Sägewerk läuft die Sägelinie werktags meist in einer Schicht, die Trockenkammer mit ihren Ventilatoren dagegen rund um die Uhr. Nach energie.ch laufen Trockenkammern oft 8.000 Stunden im Jahr.

Für die Sägerei nennt die RAVEL-Studie von 1996 6 bis 21 kWh je Festmeter, inklusive Trocknung kommt energie.ch im Schnitt auf 25 kWh je Festmeter.

Die Trockenkammer macht das Sägewerk zum guten Abnehmer. Im Modell mit 270.000 kWh (Freudenstadt, Süd, 35°) nutzt eine Anlage mit 100 kWp 77,2 % ihres Stroms selbst, ohne Trockenkammer wären es 63,9 %. Am Wochenende, wenn die Säge steht, nimmt die Kammer den Solarstrom ab. Der Eigenverbrauch an diesen Tagen steigt dadurch von 12,7 auf 39,1 %.

Die Anlage gehört deshalb nach Grundlast und Wochenendbedarf ausgelegt, nicht nach der Sägelinie. Die Trockenkammer sollte separat erfasst werden, am besten mit eigenem Zähler. Die Wärme für die Trocknung ersetzt die Anlage nicht, sie liefert Strom für Ventilatoren, Pumpen und Maschinen.

Druckerei

Eine Druckerei braucht Strom in der Schichtzeit, dazu kommt ein Standby, der nachts und am Wochenende weiterläuft. Nach energie.ch macht der Standby im Schnitt 20 % des Stroms aus, das Ziel liegt bei 4 %. Eine Offsetmaschine vom Typ MAN Roland Octoman zog in einer Studie für EnergieSchweiz rund 83 kW im Druck und 18 bis 20 kW im Standby.

Im Modell mit 240.000 kWh und 100 kWp (Würzburg, Süd, 35°) nutzt der Betrieb in der Frühschicht 62,6 % selbst, im Zweischichtbetrieb 69,4 %. Senkt er den Standby, fällt die Quote in der Frühschicht auf 55,7 %, der Netzbezug sinkt aber um 30.538 kWh.

Entscheidend ist also der Netzbezug, nicht die Quote. Druckluft, Trocknerabluft und Luftschränke in Leerschichten abschalten und erst danach mit dem neuen Lastgang auslegen. Ein Speicher lohnt am ehesten bei Frühschicht: 50 kWh an 100 kWp kommen auf 250 Zyklen, nach G1 nur auf 137.

Wochenende zuerst messen: In Tischlerei, Druckerei und Sägewerk fällt rund ein Drittel des Solarertrags auf Tage ohne Produktion. Was dann noch läuft, Standby oder Trockenkammer, entscheidet über den Eigenverbrauch. Ein Blick auf den Zähler an einem Sonntag zeigt die Grundlast.
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Waschen und Reinigen

Beim Waschen und Reinigen steckt viel Energie in Wärme und Dampf. Ob die Solaranlage davon profitiert, hängt an der Heizart und an der Uhrzeit.

Autowaschanlage

Eine Waschanlage braucht Strom, wenn Kundschaft da ist: werktags ab dem Vormittag, samstags bis in den Nachmittag, sonntags oft gar nicht. Eine Wäsche braucht nach einem Betreiber, zitiert von energie-experten.org, bis zu drei Kilowattstunden.

Betreiber nennen hohe Quoten: ein Waschpark in Kelkheim mit 78 kW ca. 75 % Eigenverbrauch (ESWE-Referenzblatt), eine Anlage in Karlsruhe mit 136 kWp Ost-West ca. 80 % (meinsolarstrom). Messreihen sind nicht veröffentlicht.

Im Modell einer Portalanlage mit 28.800 kWh im Jahr nutzt eine 20-kWp-Anlage 65,2 % selbst, das Ladenprofil G4 ergibt 52,7 %, das Profil G6 47,7 %.

Beim Speicher kehrt sich das um: 100 kWh an 100 kWp kommen im eigenen Lastgang auf 113 Ladezyklen, nach G4 gerechnet auf 200. Verlange deshalb ein Angebot mit den eigenen Zählerwerten eines ganzen Jahres. Der Ruhetag kostet Eigenverbrauch, denn auf Sonn- und Feiertage fallen 16,6 % des Jahresertrags. Brauchwassertank oder Druckluftspeicher lassen sich auf den Sonntagmittag legen.

Waschsalon

Ein Waschsalon braucht viel Energie, aber nicht unbedingt viel Strom, denn Trockner und Warmwasser laufen meist mit Gas. Laut der PROSA-Kurzstudie Waschsalons des Öko-Instituts braucht ein gewerblicher Ablufttrockner unter 15 kg 9.936 kWh im Jahr, davon nur 795 kWh Strom.

Die Anlagengröße hängt deshalb fast nur an der Heizart. Ein Modellsalon mit 14 Waschmaschinen und 7 Trocknern braucht mit Gastrocknern und Gas-Warmwasser 13.138 kWh im Jahr, vollelektrisch 100.559 kWh. Für die Hälfte des Bedarfs reichen im ersten Fall 6,2 kWp, im zweiten braucht es 47,4 kWp. Der Eigenverbrauch liegt bei halber Deckung in beiden Fällen nah beieinander, bei 71,0 und 71,6 %.

Den Unterschied macht die Uhrzeit der Rabatte. Eine tägliche Happy Hour von 6 bis 10 Uhr senkt den Eigenverbrauch des Gas-Salons im Modell von 71,0 auf 56,1 %, eine Solar-Happy-Hour von 11 bis 15 Uhr hebt ihn auf 73,2 %. Wer Gastrockner gegen elektrische tauscht, vervielfacht den Strombedarf und muss den Netzanschluss mitrechnen.

Textilreinigung und Wäscherei

In der Textilreinigung steckt die Energie im Dampf. Für ein Hemd nennt das Portal Energieeffizienz im Handwerk nach Hamburger Messungen 0,516 kWh für Waschen, Trocknen und Finishen, davon 0,431 kWh Dampfenergie. Rund 85 bis 90 % der Energie sind Prozesswärme, nur 10 bis 15 % entfallen auf elektrische Antriebe und Licht.

Mit Gasdampf nutzt die Solaranlage also nur den kleinen Stromanteil. Groß wird der Eigenverbrauch erst bei elektrischem Dampf. Für einen rein elektrischen Betrieb ergibt das Modell (Würzburg, Süd, 35°) je 10.000 kWh bei 10 kWp 52,7 % Eigenverbrauch, wenn zur Öffnungszeit von 8 bis 18 Uhr produziert wird. Startet das Finishing schon um 6 Uhr, sind es 41,0 %.

Der Zeitplan schlägt hier den Speicher. Ein 5-kWh-Speicher im Betrieb mit frühem Finishing erreicht 58,5 % Autarkie und bleibt damit unter dem Betrieb zur Öffnungszeit ohne Speicher (59,5 %). Also erst klären, wie der Dampf entsteht, dann den Frühstart von 6 auf 8 Uhr prüfen und erst danach über einen Speicher entscheiden.

Praxen und Gesundheit

Praxen arbeiten zu Sprechzeiten, also tagsüber. Mittagspause, freie Nachmittage und Notdienst verschieben das Bild, und bei Gemeinschaftspraxen kommt eine Steuerfrage dazu.

Apotheke

In der Apotheke laufen Licht, Kassen und Klimaanlage fast nur zu den Öffnungszeiten. Nach der Broschüre Informationen für Apotheken von proKlima geht der Strom zu 59 % in die Beleuchtung und zu 18 % in Klimageräte. Im Schnitt sind es 135 kWh je m² Betriebsfläche, der Beispielbetrieb kommt auf 16.375 kWh.

Der BDEW ordnet Apotheken dem Profil G4 zu, das 27,5 % des Verbrauchs nach 17 Uhr legt. Die Apotheke im Modell hat dort nur 15,0 %. Bei 10 kWp nutzt sie deshalb 68,6 % selbst statt 58,0 % nach G4. Klimaanlage und Notdienst verschieben das Ergebnis jeweils um weniger als einen Prozentpunkt, auch bei 26 Notdiensten im Jahr, wie sie das ABDA-Faktenblatt für das Berchtesgadener Land nennt.

Ein Speicher bringt weniger, als G4 verspricht: 5 kWh an 10 kWp kommen auf 200 Zyklen statt 256. Die Reihenfolge lautet: erst das Licht umrüsten, dann ein Jahr Verbrauch messen, dann auslegen. Läufe des Kommissionierers gehören möglichst in den Tag.

Zahnarztpraxis

In der Zahnarztpraxis laufen die großen Verbraucher nur bei Behandlungen. Nach der Broschüre Informationen für Zahnarztpraxen von proKlima entfallen 38 % des Stroms auf Druckluft und 29 % auf die Sterilisation. Im Schnitt sind es 4 kWh je Patientenkontakt, die Beispielpraxis braucht 10.150 kWh auf 130 m².

Mittagspause, freie Nachmittage und Praxisurlaub drücken den Eigenverbrauch unter das Standardprofil G1. Bei 5 kWp nutzt die Praxis im Modell (Würzburg, Süd, 35°) 61,8 % selbst, G1 verspricht 70,3 %. Drei Wochen Sommerurlaub enthalten 8,9 % des Jahresertrags und senken den Wert auf 58,2 %.

Gerade wegen dieser Lücken arbeitet ein kleiner Speicher gut: 5 kWh an 10 kWp kommen auf 276 Vollzyklen und heben die Autarkie von 50,5 auf 64,1 %. Den Sterilisator voll beladen in die Mittagspause legen und das Druckluftnetz auf Leckagen prüfen. Sprechzeiten, freie Nachmittage und Urlaub gehören in jede Anfrage.

Tierarztpraxis und Tierklinik

Bei Tierärzten entscheiden die Nachtstunden. Stationäre Tiere und Notdienst bringen Grundlast, wenn kein Solarstrom kommt. Belastbare Verbrauchszahlen für Tierarztpraxen fehlen. Für humanmedizinische Fachpraxen nennt aerzteversichert geschätzt etwa 20.000 bis 35.000 kWh im Jahr, das Modell rechnet mit 25.000 kWh.

Bei 20 kWp nach Süden (Hannover) nutzt die Praxis ohne Station 57,8 % selbst, fast so viel wie das Standardprofil G1 mit 57,0 %. Mit Station sind es 55,1 %, die Klinik mit Notdienst kommt auf 49,5 %. Bei 10 kWp liegen alle Betriebsformen zwischen 75,5 und 79,6 %.

Dafür arbeitet ein Speicher in der Klinik mehr: Mit 10 kWh steigt ihre Autarkie von 42,0 auf 52,8 % bei 269 Vollzyklen. Prüfe, ob der Planer Station und Notdienst berücksichtigt hat, oder gib die Viertelstundenwerte des Zählers mit. Autoklav und Thermodesinfektor laufen am besten voll beladen in der OP-Pause.

Gemeinschaftspraxis: die Steuerfrage

Bei Ärzten in einer Gemeinschaftspraxis ist nicht der Lastgang die größte Hürde, sondern das Steuerrecht. Eine Photovoltaikanlage kann eine freiberufliche Personengesellschaft insgesamt gewerblich machen (§ 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG). Das nennt man Abfärbung.

Keine Abfärbung gibt es nach dem BFH-Urteil VIII R 16/11, wenn die gewerblichen Nettoumsätze höchstens 3 % der Gesamtnettoumsätze und zugleich höchstens 24.500 € im Jahr betragen.

Im Fall IV R 42/19 lag der PV-Umsatz bei 8.472 € von 113.484 €, rechnerisch 7,47 %, und die Abfärbung griff.

Ein zweiter Ausweg ist die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 72 EStG für Anlagen bis 30 kWp je Einheit. Ob sie bei selbst verbrauchtem Praxisstrom trägt, ist ungeklärt.

Der dritte Weg ist eine eigene PV-GbR, die nach außen erkennbar ist, mit eigenem Konto, eigenen Rechnungen und eigener Buchführung. Das alles gehört vor der Bestellung zur Steuerberatung. Bei der Vorbereitung hilft der Ratgeber zur PV-GbR und ihrer Steuererklärung.

Erst die Rechtsform, dann die Bestellung. Ob eine Anlage auf dem Praxisdach die ganze Gemeinschaftspraxis gewerbesteuerpflichtig macht, entscheidet sich an Bagatellgrenze, Steuerbefreiung und Betreiber. Nachträglich lässt sich das kaum reparieren. Kläre die drei Punkte mit der Steuerberatung, bevor du unterschreibst.

Dienstleister mit Dauerlast

Manche Betriebe brauchen Strom rund um die Uhr. Das klingt nach idealem Eigenverbrauch, doch entscheidend ist, wie die Last schwankt: mit der Uhrzeit, mit der Jahreszeit oder gar nicht.

Tattoostudio

Ein Tattoostudio braucht wenig Strom, bis der Autoklav läuft. Der MELAG Vacuklav 24 B+ hat laut Benutzerhandbuch 2100 W elektrische Leistung und braucht für das Universal-Programm rund 30 Minuten plus etwa 20 Minuten Trocknung.

Ein Studio mit 80 m² kommt nach den Vergleichswerten für Nichtwohngebäude rechnerisch auf 1.936 bis 2.672 kWh im Jahr.

Die Uhrzeit der Charge entscheidet mehr als die Anlagengröße. Mit 0,8 kWp (Hannover, Süd, 35°) deckt das Dach mittags 28,9 % des Autoklav-Stroms, abends nach Feierabend nur 9,4 %. Der Eigenverbrauch steigt dadurch von 58,9 auf 66,0 %. Größte Schwäche sind die Ruhetage: Bei einem Studio mit Öffnung von Dienstag bis Samstag fallen 29,8 % des Ertrags auf geschlossene Tage.

Die Charge gehört deshalb vor die Mittagspause oder an den Vormittag, nicht hinter den letzten Kunden. Nachts sollte der Autoklav nicht laufen, unbeaufsichtigter Betrieb erfolgt laut MELAG auf eigenes Risiko. Bei so kleinen Leistungen lohnt auch ein Blick auf die 800-Watt-Regel für Steckersolargeräte.

Bestattungsinstitut

Im Bestattungsinstitut ist die Kühlzelle Grundlast rund um die Uhr. Nach einem Rechenbeispiel von Isotech braucht ein Aggregat mit 1,8 kW bei 10 Stunden Laufzeit am Tag 6.570 kWh im Jahr. Mit angenommenen 4.000 kWh für Büro und Abschiedsräume kommt das Modell auf 10.570 kWh.

Entscheidend ist der Standort der Zelle. In Garage oder Anbau folgt ihre Last der Außentemperatur und ist im Sommer mittags am höchsten, wenn die Anlage am meisten liefert. Bei 5 kWp (Hannover, Süd, 35°) nutzt das Institut deshalb 78,3 % des Solarstroms selbst, mit der Zelle im beheizten Haus 71,2 %. Wer mit dem Profil G4 plant, unterschätzt die Garagenzelle um 8,2 Prozentpunkte.

Ein Speicher mit 1 kWh je kWp hebt die Autarkie bei halber Deckung um 5,7 bis 7,5 Prozentpunkte. Kläre den Standort der Zelle deshalb vor der Anlage und lass den Planer mit dem Monatsverbrauch rechnen. Eine Trauerhalle mit Heizung und Lüftung gehört getrennt gerechnet.

Hundepension

Eine Hundepension braucht Strom rund um die Uhr für Lüftung, Kühlschrank, Waschmaschine und Licht, oft auch für die Heizung. Heizt sie elektrisch, läuft ihr Verbrauch der Sonne entgegen: Im Modell fallen 73,0 % des Jahresverbrauchs in die Monate Oktober bis März, aber nur 28,5 % des Solarertrags.

Die Heizart entscheidet deshalb mehr als die Anlagengröße. Bei einer Deckung von 30,6 % (Hannover, Süd, 35°) nutzt die Pension mit Elektroheizung 70,2 % selbst, mit Wärmepumpe 79,8 %, ohne Heizung 84,8 %. Die Prognose für das Tierheim Bremen mit 64,17 kWp nennt sogar 90,9 % Eigenverbrauch, ist aber eine Planungsrechnung und keine Messung.

Eine Heizpflicht gibt es nicht: Die Tierschutz-Hundeverordnung erlaubt nicht beheizbare Räume mit Schutzhütte oder geschütztem Liegeplatz. Wer elektrisch heizt, gewinnt mit einer Wärmepumpe mehr als mit einem Speicher. Verlange ein Angebot mit dem eigenen Monatsverbrauch, Dezember gegen Juni, statt mit dem Landwirtschaftsprofil L0.

Serverraum im Betrieb

Ein Serverraum zieht rund um die Uhr Strom, deshalb findet jede mittags erzeugte Kilowattstunde einen Abnehmer. Im Modell mit 3 kW IT-Last und Split-Klima (PUE 1,7) braucht der Raum 44.798 kWh im Jahr. Bei 10 kWp (Würzburg, Süd, 35°) nutzt er 88,4 % des Solarstroms selbst, bis 5 kWp sogar alles.

Der größere Hebel ist die Kühlung. Mit freier Kühlung (PUE 1,3) sinkt der Jahresverbrauch auf 34.258 kWh. Das spart 10.540 kWh und damit mehr, als dieselbe 10-kWp-Anlage liefert. Die PUE-Werte stammen aus einer Simulation im Steckbrief des Umweltministeriums Baden-Württemberg.

Wer erst ab 27 °C Zuluft kühlt, senkt den Kühlaufwand laut EnergieSchweiz um bis zu 60 %. Maßgeblich bleiben die Vorgaben der Gerätehersteller.

Daher zuerst Klimagerät und IT getrennt messen, den Sollwert prüfen und freie Kühlung anfragen, erst danach die Anlage auslegen. Ein Solarspeicher ersetzt keine USV, die ohne Unterbrechung überbrückt.

Dauerlast ist nicht gleich Dauerlast: Serverraum und Garagenkühlzelle passen zur Sonne, eine elektrisch beheizte Hundepension läuft ihr entgegen. Frag dich, ob dein Verbrauch im Sommer oder im Winter höher ist. Der Monatsverbrauch von Dezember und Juni auf der Rechnung reicht dafür.

Was für alle 22 Branchen gilt

Drei Muster ziehen sich durch alle Fälle. Das erste betrifft das Standardlastprofil, mit dem viele Angebote rechnen. Die BDEW-Zuordnung M-24 ordnet jeder Branche ein Profil zu. Das Ladenprofil G4 etwa beruht auf Messungen von 1999. Wie weit es vom echten Betrieb abweicht, zeigt die Tabelle.

ProfilZugeordnet zum BeispielAbweichung im Modell
G1Arzt- und Zahnarztpraxis, Tischlerei, Sägewerk, DruckereiTischlerei 58,5 statt 75,7 % bei 20 kWp
G2Restaurant, Imbiss, HotelMittagsimbiss 57,1 statt 42,4 % bei 20 kWp
G3Lebensmittel- und Getränkemarkt mit KühllastGlastür-Getränkemarkt 44,4 statt 35,6 %
G4Laden, Apotheke, Kfz-Werkstatt, Waschsalon, Textilreinigung, BestattungsinstitutKfz-Werkstatt 62,9 statt 52,1 % bei 20 kWp
L0Hundepension, TierheimHeizart entscheidet: 70,2 bis 84,8 %

Das zweite Muster betrifft den Speicher, und hier irrt das Standardprofil in beide Richtungen. Bei Kfz-Werkstatt (137 statt 280 Zyklen), Autowaschanlage (113 statt 200) und Apotheke (200 statt 256) verspricht es zu viel. Bei Zahnarztpraxis (276 statt 217) und Tischlerei (277 statt 171) arbeitet der Speicher mehr, weil Mittagspause und Feierabend Lücken lassen, die er füllt. Wie du die Größe selbst abschätzt, erklärt der Ratgeber zur Speichergröße.

Das dritte Muster: Sparen und Verschieben schlagen oft die größere Anlage. Glastüren im Getränkemarkt sparen 36.918 kWh, freie Kühlung im Serverraum 10.540 kWh, weniger Standby in der Druckerei 30.538 kWh Netzbezug. Die Uhrzeit wirkt ebenso stark: Rösten am Mittag statt am Morgen hebt den Solaranteil von 40,0 auf 77,6 %, Wäsche am Mittag im Hotel den Eigenverbrauch von 79,5 auf 88,0 %. Mehr Ideen dazu stehen im Ratgeber Eigenverbrauch optimieren.

Typischer Fehler: das Standardprofil ungeprüft übernehmen. Rechnet ein Angebot mit G1, G2, G3 oder G4, kann der Eigenverbrauch um zehn Punkte und mehr danebenliegen und der Speicher doppelt so nützlich oder halb so nützlich aussehen, wie er ist. Frag nach, welches Profil angesetzt wurde, und gib Arbeitszeiten, Ruhetage und Urlaub an.

So bereitest du die Anfrage für deinen Betrieb vor

Für ein belastbares Angebot braucht der Fachbetrieb weniger Technik als Daten über deinen Alltag. Die folgenden Schritte fassen zusammen, was in den 22 Branchen den Unterschied gemacht hat.

1 Schritt für Schritt
  1. Verbrauch erfassen: den Jahresverbrauch der letzten zwölf Monate von der Rechnung nehmen, dazu den Monatsverbrauch im Dezember und im Juni.
  2. Lastgang anfordern: bei Netz- oder Messstellenbetreiber die Viertelstundenwerte erfragen, sofern ein solcher Zähler verbaut ist.
  3. Große Verbraucher messen: Kühlzelle, Kompressor, Klimagerät oder Trockenkammer per Zwischenzähler je eine Woche im Sommer und im Winter erfassen.
  4. Erst sparen: Licht, Druckluft, Standby und Kühlung optimieren und danach neu messen.
  5. Uhrzeiten verschieben: Sterilisator, Autoklav, Wäsche, Röstung oder Rabattaktionen in die Mittagsstunden legen.
  6. Angebot prüfen: Eigenverbrauch und Deckung getrennt ausweisen lassen und nachfragen, welches Lastprofil zugrunde liegt.
Vor der Anfrage klären
  • Wann ist geöffnet, auch samstags, sonntags und in der Mittagspause?
  • Gibt es Ruhetage, Betriebsurlaub oder Montagetage außer Haus?
  • Laufen Wärme, Dampf oder Trockner mit Gas oder mit Strom?
  • Was läuft nachts und am Wochenende weiter?
  • Gehört das Dach dir, oder bist du Mieter?
  • Soll später eine Wärmepumpe oder Ladestation dazukommen?

Gehört das Dach jemand anderem, wie bei vielen Läden, kommen eine Vereinbarung mit dem Vermieter, eine Pacht oder ein Contracting in Frage. Nach Lebensmittelpraxis sind 84 % der Handelsimmobilien von den Händlern nur gemietet. Wer auf dem Firmendach dann Betreiber ist und was daraus folgt, erklärt der Ratgeber zu PV-Contracting und Anlagenpacht im Gewerbe.

Eigenverbrauch aus Anlagen bis 2 MW ist nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG von der Stromsteuer befreit. Was beim Hauptzollamt trotzdem zu melden ist, steht im Ratgeber zur Stromsteuer und Zoll-Anmeldung, die Umlagen auf selbst verbrauchten Strom im Ratgeber zu Umlagen und EnFG.

Lastspitzen senkt eine Solaranlage nicht zuverlässig, weil sie bei Wolken ausfällt. Wie ein Speicher mit Lastmanagement den Leistungspreis drückt, zeigt der Ratgeber zur Lastspitzenkappung im Gewerbe.

Ein Wert für jedes Angebot: Lass dir neben der Eigenverbrauchsquote immer auch den Netzbezug in kWh ausweisen. Die Druckerei zeigt, warum: Weniger Standby senkt die Quote, aber auch die Stromrechnung.

Häufige Fragen zu Photovoltaik in Gewerbe und Handwerk

Welche Betriebe nutzen am meisten Solarstrom selbst? +
Betriebe mit Tageslast oder gleichmäßiger Dauerlast. Im Modell nutzt ein Serverraum bei 10 kWp 88,4 % selbst, ein Laden je 100.000 kWh bei 20 kWp 95,1 % und ein Sägewerk mit Trockenkammer bei 100 kWp 77,2 %. Wenig bleibt beim Abendimbiss, der bei 20 kWp nur 12,9 % nutzt.
Welches Standardlastprofil gilt für meinen Betrieb? +
Nach der BDEW-Zuordnung M-24 gilt G1 etwa für Arztpraxen, Tischlereien und Druckereien, G2 für Restaurants und Hotels, G3 für Märkte mit ausgeprägter Kühllast, G4 für Läden, Apotheken und Kfz-Werkstätten und L0 für Hundepensionen.
Warum liegt das Standardprofil im Angebot oft daneben? +
Weil es die Arbeitszeiten nicht kennt. Das Ladenprofil G4 legt 27,5 % des Verbrauchs nach 17 Uhr, eine Werkstatt mit Feierabend um 18 Uhr nur 10,7 %. Bei der Tischlerei verspricht G1 75,7 % Eigenverbrauch, wegen der Wochenenden sind es im Modell 58,5 %.
Lohnt sich ein Batteriespeicher im Betrieb? +
Das hängt an den Lücken im Tagesverlauf. In Zahnarztpraxis und Tischlerei kommt ein Speicher auf 276 und 277 Zyklen, beim Restaurant mit 20 kWp je 100.000 kWh nur auf 18. Im Restaurant lohnt er erst ab etwa 30 kWp je 100.000 kWh.
Was bringt mehr: Strom sparen oder eine größere Anlage? +
Oft das Sparen. Glastüren statt offener Kühlregale sparen im Getränkemarkt 36.918 kWh im Jahr, eine 20-kWp-Anlage deckt 16.612 kWh. Freie Kühlung spart im Serverraum 10.540 kWh, mehr als 10 kWp dort liefern.
Macht eine Solaranlage meine Gemeinschaftspraxis gewerblich? +
Das kann sie nach § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG. Keine Abfärbung gibt es, wenn die gewerblichen Umsätze höchstens 3 % und zugleich höchstens 24.500 € im Jahr betragen. Weitere Wege sind die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 72 EStG oder eine eigene PV-GbR.
Muss ich auf selbst verbrauchten Solarstrom Stromsteuer zahlen? +
Nein. Eigenverbrauch aus Anlagen bis 2 MW ist nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG befreit.
Ich bin Mieter. Kann ich trotzdem Solarstrom nutzen? +
Ja, über eine Vereinbarung mit dem Vermieter, eine Pacht oder ein Contracting. Im Handel ist das der Normalfall, denn 84 % der Handelsimmobilien sind gemietet.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Die Modellrechnungen beruhen auf PVGIS 5.3 mit dem Wetterjahr 2020 und den BDEW-Standardprofilen. Die wichtigsten Grundlagen: