Eiscafé mit PV-Anlage: Sommersaison, Eistheke und Eigenverbrauch der Eisdiele
Eis verkauft sich bei Sonne, aber oft erst am Abend. Kennzahlen aus den ASEW-Broschüren, eine Eistheke mit 12,1 kWh am Tag und ein Eiscafé mit 29.800 kWh ganzjährig und mit Winterpause gegen PVGIS gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
- 1.Wofür ein Eiscafé Strom braucht
- 2.Energiekennzahl: 310 kWh je Quadratmeter und 3,5 kWh je Liter Eis
- 3.Das Lastprofil G2: Hauptlast von 10 bis 22 Uhr
- 4.Winterpause: Die Saison bekommt 81,7 % des Solarertrags
- 5.Nachgerechnet: 29.800 kWh ganzjährig und mit Winterpause
- 6.Batteriespeicher: Die Winterpause kostet Ladezyklen
- 7.Was im Winter mit dem Solarstrom passiert
- 8.Erst sparen: Kühlung, Licht und Lüftung mit Zahlen
- 9.Steuern und Umlagen
- 10.So planst du die Solaranlage für das Eiscafé
- 11.Checkliste für Eiscafés
- 12.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 13.Häufige Fragen zu PV im Eiscafé
Ein Eiscafé verdient sein Geld, wenn die Sonne scheint. Die Eistheke läuft an warmen Tagen unter Volllast, die Gäste sitzen draußen, und viele Betriebe schließen im Winter ganz. Das klingt nach dem idealen Betrieb für eine Solaranlage. Die Rechnung zeigt ein gemischteres Bild: Die Saison passt, die Tageszeit weniger, denn ein großer Teil des Umsatzes und des Stroms fällt in den Abend.
Dieser Ratgeber sammelt die veröffentlichten Kennzahlen für Cafés und Eiscafés und rechnet ein Eiscafé mit 29.800 kWh Strom im Jahr ganzjährig und mit Winterpause gegen eine PVGIS-Stundenreihe durch.
Wofür ein Eiscafé Strom braucht
Die Broschüre Informationen für Cafés und Eiscafés des Klimaschutzfonds proKlima in Hannover (Stand 02/2013, Texte der Energieagentur-Gemeinschaft ASEW) teilt den Stromverbrauch so auf: 48 % Kälteanlage, 26 % Beleuchtung, 11 % Lüftung, 9 % Klimatisierung und 6 % sonstige Verbraucher. Strom verursacht danach bis zu 35 % der Energiekosten in Cafés und Eiscafés.
| Stromverbraucher | Anteil am Strom |
|---|---|
| Kälteanlage | 48 % |
| Beleuchtung | 26 % |
| Lüftung | 11 % |
| Klimatisierung | 9 % |
| sonstige Verbraucher | 6 % |
Die Eismaschine selbst taucht in der Aufteilung nicht gesondert auf. Die Broschüre erklärt, warum: Bei einer einfachen Eismaschine mit Kühlakku entsteht der Energiebedarf vor allem beim Frieren des Akkus in der Tiefkühltruhe, die ohnehin läuft. Eine Eismaschine mit eigenem Kompressor braucht nach der Fassung der Stadtwerke Aschaffenburg von Februar 2022 wesentlich mehr Strom.
Wie viel eine einzelne Eistheke braucht, zeigt ein Datenblatt aus dem Gastro-Verleih: Eine Eistheke mit statischer Kühlung für minus 16 bis minus 18 Grad mit 303 Litern Volumen und 720 Watt ist mit 12,1 kWh je 24 Stunden angegeben. Über eine Saison von 229 Tagen wären das 2.771 kWh, ganzjährig 4.429 kWh (eigene Rechnung).
Energiekennzahl: 310 kWh je Quadratmeter und 3,5 kWh je Liter Eis
Die proKlima-Broschüre nennt zwei Kennzahlen, mit denen sich ein Betrieb einordnen lässt. Bezogen auf die Fläche liegt der durchschnittliche Stromverbrauch bei 310 kWh je Quadratmeter im Jahr. Unter 250 kWh sieht die Broschüre geringes, über 370 kWh großes Einsparpotenzial.
Für Eiscafés gibt es eine zweite Kennzahl je Liter verkauftem Eis: Durchschnitt 3,5 kWh je Liter, unter 2,8 kWh geringes, über 4,2 kWh großes Einsparpotenzial. Das Rechenbeispiel der Broschüre ist ein Betrieb mit 29.800 kWh, 93 Quadratmetern und 8.055 Litern Eis, also 320 kWh je Quadratmeter und 3,7 kWh je Liter.
| Kennzahl | gering | Durchschnitt | hoch | Beispielbetrieb |
|---|---|---|---|---|
| Strom je m² Betriebsfläche | unter 250 kWh | 310 kWh | über 370 kWh | 320 kWh |
| Strom je Liter Eis | unter 2,8 kWh | 3,5 kWh | über 4,2 kWh | 3,7 kWh |
Das Lastprofil G2: Hauptlast von 10 bis 22 Uhr
Die Stadtwerke-Broschüren der ASEW, etwa die Einspar-Beratung der STAWAG in Aachen, zeigen für Cafés und Eiscafés das VDEW-Lastprofil G2 mit dem Hinweis, dass täglich der meiste Strom zwischen 10 und 22 Uhr verbraucht wird. G2 ist das Standardprofil für Gewerbe mit starkem Abendverbrauch. Wir haben es aus der Profildatei des BDEW über das Kalenderjahr 2020 ausgewertet.
Zwischen 9 und 17 Uhr fallen 41,6 % des Verbrauchs an, zwischen 17 und 24 Uhr 43,7 %, zwischen 0 und 6 Uhr nur 7,8 %. Die Nacht ist also kein Problem, der Abend schon: Fast die Hälfte des Stroms fließt, wenn die Solaranlage wenig oder nichts mehr liefert.
Winterpause: Die Saison bekommt 81,7 % des Solarertrags
Viele Eiscafés schließen im Winter. Wikipedia schreibt, zahlreiche italienische Eisdielen schlössen in den Wintermonaten oder würden anders genutzt, weil die Inhaber diese umsatzschwache Zeit in Italien verbringen.
Die Zeit beschrieb am 01.04.2004, wie die italienischen Eisdielen im Frühjahr wieder öffnen und ihre Besitzer fast alle im Val di Zoldo in den Dolomiten überwintert haben; von damals etwa 4.000 Eisdielen in Deutschland standen 3.000 unter italienischer Leitung. Eine Statistik, wie viele Betriebe eine Winterpause machen und wie lang sie ist, haben wir nicht gefunden. Wir rechnen deshalb mit einer Saison vom 1. März bis 15. Oktober, das sind 229 Tage.
In diese 229 Tage fallen 81,7 % des Jahresertrags einer Solaranlage. Verschiebt man die Saison auf den 15. März bis 31. Oktober, ändert sich das kaum. Der Verbrauch dagegen konzentriert sich ganz auf die Saison. Die Tabelle zeigt die Monatsanteile für den ganzjährigen Betrieb und den Saisonbetrieb, jeweils mit 29.800 kWh im Jahr.
| Monat | Anteil Solarertrag | Verbrauch ganzjährig | Verbrauch mit Winterpause |
|---|---|---|---|
| Januar | 3,5 % | 9,6 % | 0,0 % |
| Februar | 5,2 % | 9,0 % | 0,0 % |
| März | 9,7 % | 9,1 % | 15,7 % |
| April | 13,5 % | 8,0 % | 13,7 % |
| Mai | 12,8 % | 7,7 % | 13,2 % |
| Juni | 10,1 % | 7,1 % | 12,1 % |
| Juli | 12,6 % | 7,4 % | 12,7 % |
| August | 10,5 % | 7,3 % | 12,6 % |
| September | 9,9 % | 7,7 % | 13,2 % |
| Oktober | 5,1 % | 8,3 % | 6,9 % |
| November | 4,5 % | 9,3 % | 0,0 % |
| Dezember | 2,6 % | 9,5 % | 0,0 % |
Im ganzjährigen Betrieb liegt der höchste Verbrauch im Januar mit 9,6 % und der niedrigste im Juni mit 7,1 %, weil das G2-Profil im Winter mehr Licht und längere Abende abbildet. Mit Winterpause fällt der Verbrauch dagegen in die hellen Monate. Das hilft der Solaranlage, aber weniger als erwartet.
Nachgerechnet: 29.800 kWh ganzjährig und mit Winterpause
Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1.127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Den Verbrauch setzen wir mit den 29.800 kWh aus dem Beispiel der Broschüre an. Gerechnet haben wir drei Verläufe:
- A: Lastprofil G2, ganzjährig geöffnet.
- B: Lastprofil G2, nur vom 1. März bis 15. Oktober, im Winter kein Verbrauch.
- C: Wie B, aber 48 % des Stroms laufen als Kälte gleichmäßig rund um die Uhr, der Rest nach G2.
| Verlauf | 10 kWp | 15 kWp | 20 kWp | 30 kWp |
|---|---|---|---|---|
| A: G2 ganzjährig | 75,7 % | 58,6 % | 48,0 % | 35,5 % |
| B: G2 mit Winterpause | 78,5 % | 64,0 % | 53,2 % | 39,7 % |
| C: Winterpause, Kälte rund um die Uhr | 76,8 % | 61,7 % | 51,1 % | 38,0 % |
Die Tabelle zeigt den selbst genutzten Anteil des Solarstroms. Bei 20 kWp deckt die Anlage im ganzjährigen Betrieb 36,4 % des Strombedarfs, mit Winterpause 40,2 %. Die Winterpause bringt also gut 5 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauch, obwohl sie fast den gesamten Solarertrag in die Öffnungszeit legt.
Der Grund ist der Tagesverlauf. Im Sommer liefert die Anlage mittags mehr, als das Café braucht, und abends fehlt der Strom. Läuft die Kälte gleichmäßig durch, wird es nicht besser, sondern etwas schlechter, weil dann mehr Verbrauch in die Nacht rutscht. Wie stark sich ein Abendbetrieb auswirkt, zeigt auch der Ratgeber zur Gastronomie mit Abendlast.

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Batteriespeicher: Die Winterpause kostet Ladezyklen
Weil der Abendverbrauch groß ist, lohnt der Blick auf einen Speicher. Wir haben ohne Lade- und Entladeverluste gerechnet.
| Verlauf und Anlage | selbst genutzt | Autarkie | aus dem Speicher | volle Ladezyklen |
|---|---|---|---|---|
| A ganzjährig, 15 kWp, 15 kWh | 78,1 % | 44,3 % | 3.295 kWh | 220 |
| A ganzjährig, 20 kWp, 20 kWh | 69,6 % | 52,6 % | 4.853 kWh | 243 |
| B Winterpause, 15 kWp, 15 kWh | 75,9 % | 43,1 % | 2.015 kWh | 134 |
| B Winterpause, 20 kWp, 20 kWh | 67,8 % | 51,4 % | 3.314 kWh | 166 |
Hier dreht sich das Ergebnis um. Mit Speicher kommt der ganzjährige Betrieb auf eine höhere Autarkie als der Saisonbetrieb, und der Speicher leistet 243 statt 166 Zyklen. Im Winter liefert die Anlage wenig, aber das reicht, um den Speicher für den Abend teilweise zu füllen. Steht das Café zu, bleibt der Speicher ungenutzt. Wie du die Größe bestimmst, steht im Ratgeber Speichergröße berechnen.
Was im Winter mit dem Solarstrom passiert
Von November bis Februar erzeugt die Anlage in Würzburg 15,8 % ihres Jahresertrags (eigene Rechnung aus den Monatswerten). In einem geschlossenen Eiscafé wird dieser Strom fast vollständig eingespeist. Ob sich das rechnet, hängt von der Vergütung ab; die Abwägung steht im Ratgeber Eigenverbrauch oder Volleinspeisung.
Unser Saisonmodell setzt den Winterverbrauch auf null. In der Praxis laufen oft eine Tiefkühltruhe, eine Alarmanlage oder eine Frostschutzheizung weiter. Dieser Grundverbrauch nimmt einen kleinen Teil des Winterstroms auf. Wer das Lokal im Winter anders nutzt, etwa als Café mit Kuchen, hat einen Verlauf zwischen A und B.
Erst sparen: Kühlung, Licht und Lüftung mit Zahlen
Die proKlima-Broschüre nennt Handgriffe, die vor jeder Solaranlage wirken, weil sie auch abends sparen:
- Kühltemperatur: Je 1 Grad zu tief eingestellter Kühltemperatur braucht das Gerät etwa 4 bis 6 % mehr Strom.
- Umgebung der Kühlgeräte: Je Grad niedrigerer Raumtemperatur um die Kühlgeräte sparen sie 3 bis 4 % Strom. Die Abwärme muss ungehindert abziehen können.
- Beleuchtung: Moderne Lichttechnik senkt den Stromverbrauch der Beleuchtung um bis zu 80 %, ein Dämmerungsschalter an der Außenwerbung den Verbrauch dort um bis zu 50 %.
- Lüftung: 20 % weniger Luftzufuhr halbiert den Stromverbrauch des Ventilators.
Weil die Beleuchtung mit 26 % der zweitgrößte Verbraucher ist und vor allem abends läuft, spart eine Umrüstung genau den Strom, den die Solaranlage nicht liefern kann. Eine Klimaanlage, die tagsüber läuft, passt dagegen gut zur Anlage; mehr dazu im Ratgeber Klimaanlage mit Solarstrom.
Steuern und Umlagen
Selbst verbrauchter Solarstrom trägt keine Umlagen nach dem Energiefinanzierungsgesetz, weil diese an der Netzentnahme ansetzen; Einzelheiten stehen im Ratgeber zu Umlagen und Eigenverbrauch. Ob für den Solarstrom Stromsteuer anfällt, klärt der Ratgeber Stromsteuer und Zoll. Bei gepachteten Räumen gehört die Frage, wem die Anlage auf dem Dach gehört, vor die Planung.

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So planst du die Solaranlage für das Eiscafé
- Kennzahl bilden: Verbrauch je Quadratmeter und je Liter Eis mit 310 kWh und 3,5 kWh vergleichen.
- Abendlast klären: Zählerstand um 17 Uhr und bei Ladenschluss an einem Sommertag notieren.
- Winter klären: Grundverbrauch in der Pause messen oder abschätzen.
- Sparen: Kühltemperaturen, Beleuchtung, Lüftung.
- Größe wählen: Mit dem Tagesverlauf rechnen, nicht mit dem heißesten Tag.
- Speicher gegenrechnen: Zyklen im Saisonbetrieb beachten, Systemwirkungsgrad aus dem Angebot einsetzen.
Checkliste für Eiscafés
- Wie viele kWh Strom stehen auf den Rechnungen der letzten zwölf Monate?
- Von wann bis wann dauert die Saison, und was läuft in der Pause weiter?
- Wie viele Liter Eis werden im Jahr verkauft?
- Wie viele Eistheken und Tiefkühlgeräte gibt es, und wie alt sind sie?
- Arbeitet die Eismaschine mit Kühlakku oder eigenem Kompressor?
- Gehört das Dach dem Betrieb oder dem Verpächter?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Eine veröffentlichte Lastgangmessung eines Eiscafés haben wir nicht gefunden. Die ASEW-Broschüren nennen G2 als typisches Profil, zeigen aber keine Messwerte. G2 beruht auf Messungen von 1999 und bildet keinen Wettereinfluss ab: An heißen Tagen dürfte die Kälte mehr, an kühlen weniger brauchen.
Die Aufteilung von 48 % Kälte stammt aus einer Broschüre von 2013 und nennt keine Erhebungsgrundlage. Für die Dauer der Winterpause gibt es keine Statistik, die Saison vom 1. März bis 15. Oktober ist eine Annahme. Der Verbrauch der Eistheke ist ein Herstellerwert aus einem Verleihangebot, keine Messung. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 13.09.2026.