Solarliebhaber.de
Recht & Streitfälle

Transportschaden an der Modullieferung: wer haftet, und was bei der Anlieferung passieren muss

Die Palette steht in der Einfahrt, der Fahrer will die Unterschrift. Wer jetzt falsch quittiert, verliert Ansprueche, die keine Gewaehrleistung zurueckholt — und zwar nach sieben Tagen endgueltig.

⏱️ 14 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 11. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 15 Abschnitte
  1. 1.Wer die Gefahr trägt, solange die Module unterwegs sind
  2. 2.Warum § 447 BGB bei Verbrauchern fast nie greift
  3. 3.Der Solarteur als Käufer: dann gilt das Handelsrecht
  4. 4.Was bei der Anlieferung passieren muss: der Vermerk auf dem Frachtbrief
  5. 5.Die Frist von sieben Tagen für Schäden, die man nicht sieht
  6. 6.Was der Frachtführer haftet — und wo die Grenze liegt
  7. 7.Warum der Empfänger selbst klagen kann
  8. 8.Ein Jahr, dann ist der Anspruch gegen die Spedition verjährt
  9. 9.Der unsichtbare Schaden: Zellrisse, die keiner sieht
  10. 10.Was die Hersteller beim Transport und Lagern verlangen
  11. 11.Wann überhaupt geliefert werden muss
  12. 12.Was du bei der Anlieferung prüfen kannst
  13. 13.Was wir hier nicht belegen können
  14. 14.Häufige Fragen zum Transportschaden an Modulen
  15. 15.Quellen

Der Lkw steht in der Einfahrt, der Fahrer hat es eilig, und auf der Palette ist die Folie an einer Ecke aufgerissen. Du siehst einen Kratzer im Rahmen des obersten Moduls, vielleicht auch nur eine Delle im Karton. Unterschreiben oder nicht? Diese Entscheidung dauert zwei Minuten und entscheidet darüber, wer den Schaden trägt.

Die gute Nachricht zuerst: Als Verbraucher stehst du besser da, als die meisten Lieferbedingungen vermuten lassen. Die schlechte: Wer im Namen eines Betriebs annimmt, hat andere Pflichten, und der Anspruch gegen die Spedition verfällt schneller als jede Gewährleistung. Dieser Artikel trennt die drei Ebenen — Kaufvertrag, Frachtvertrag und die Regeln der Modulhersteller — und nennt zu jeder die Frist und den Betrag.

Wer die Gefahr trägt, solange die Module unterwegs sind

Der Grundsatz steht in § 446 BGB: Mit der Übergabe der verkauften Sache geht die Gefahr des zufälligen Untergangs und der zufälligen Verschlechterung auf den Käufer über. Vorher trägt sie der Verkäufer. Geht die Palette auf der Autobahn zu Bruch, ist das also sein Problem — er muss erneut liefern, und der Kaufpreis ist erst mit der Übergabe verdient.

Davon gibt es eine Ausnahme, die in vielen Lieferbedingungen zitiert wird: § 447 BGB, der Versendungskauf. Versendet der Verkäufer die Sache auf Verlangen des Käufers nach einem anderen Ort als dem Erfüllungsort, geht die Gefahr schon dann über, sobald er die Sache dem Spediteur, dem Frachtführer oder der sonst zur Ausführung der Versendung bestimmten Person ausgeliefert hat. Übersetzt: Ab der Laderampe des Verkäufers trägt der Käufer das Risiko.

Warum § 447 BGB bei Verbrauchern fast nie greift

Genau diese Ausnahme ist für Verbraucher entschärft, und zwar in einer Vorschrift, die selten zitiert wird. § 475 Absatz 2 BGB sagt wörtlich, dass § 447 Absatz 1 nur dann gilt, wenn der Käufer den Spediteur, den Frachtführer oder die sonst zur Ausführung bestimmte Person selbst mit der Ausführung beauftragt hat — und der Unternehmer dem Käufer diese Person nicht zuvor benannt hat.

Beide Bedingungen müssen zusammentreffen. Im Normalfall trifft keine zu: Du bestellst Module beim Solarteur oder im Onlineshop, dort wird der Spediteur ausgewählt, du erfährst höchstens den Namen. Damit bleibt die Gefahr beim Verkäufer, bis die Palette bei dir abgeliefert ist. Kommt sie beschädigt an, ist sie schlicht nicht vertragsgemäß geliefert — du hast Anspruch auf Lieferung unbeschädigter Module, nicht auf eine Erstattung, die du dir bei der Spedition holen musst.

Prüfe im Angebot, wer die Spedition beauftragt. Steht dort „Lieferung frei Baustelle" oder „inklusive Anlieferung", hat der Verkäufer den Transport organisiert — dann bleibt die Gefahr bis zur Ablieferung bei ihm. Nur wenn du selbst eine Spedition beauftragst und dir der Verkäufer vorher keine benannt hat, kippt das Risiko zu dir. Beides steht in der Auftragsbestätigung, nicht in den AGB.
Zwei Wege vom Lager des Verkaeufers zur Baustelle: beim Verbraucherkauf geht die Gefahr erst mit der Ablieferung ueber (§ 446, § 475 Absatz 2 BGB), beim Kauf zwischen Unternehmen schon mit der Auslieferung an den Frachtfuehrer (§ 447 Absatz 1 BGB).
Der Unterschied zwischen Verbraucher- und Unternehmerkauf entscheidet, wer den Transportschaden traegt. · Foto: Eigene Grafik

Der Solarteur als Käufer: dann gilt das Handelsrecht

Anders sieht es aus, wenn der Betrieb die Module kauft und du nur die fertige Anlage bezahlst. Zwischen Kaufleuten gilt § 447 BGB ohne die Verbraucher-Bremse, und zusätzlich greift die Untersuchungs- und Rügepflicht des Handelsrechts. Was das im Einzelnen bedeutet, steht im Ratgeber zur Rügefrist nach § 377 HGB — für dich als Auftraggeber ist vor allem eine Folge wichtig: Streitet dein Solarteur mit seinem Lieferanten über eine beschädigte Palette, ist das nicht dein Vertrag. Dein Anspruch richtet sich auf die mängelfreie Anlage.

In der Praxis läuft das oft anders herum: Die Palette wird direkt auf deine Baustelle geliefert, und du bist derjenige, der unterschreibt. Dann handelst du für den Betrieb als Empfänger im Sinne des Frachtrechts — mit allen Pflichten, die dort an die Ablieferung geknüpft sind.

Was bei der Anlieferung passieren muss: der Vermerk auf dem Frachtbrief

Hier wird es scharf. § 438 Absatz 1 HGB stellt eine Vermutung auf: Ist ein Verlust oder eine Beschädigung äußerlich erkennbar und wird sie dem Frachtführer nicht spätestens bei Ablieferung angezeigt, wird vermutet, dass das Gut vollständig und unbeschädigt abgeliefert worden ist. Die Anzeige muss den Schaden hinreichend deutlich kennzeichnen — „Ware unter Vorbehalt" genügt dafür nicht.

Die Modulhersteller sagen dasselbe, nur konkreter. SOLARWATT verlangt in der Betriebsanleitung, die Ware und deren Verpackung bei Anlieferung auf Transportschäden zu kontrollieren; wird etwas gefunden, muss der Schaden auf dem Lieferschein vermerkt, detailliert je Palette beschrieben und durch Fotografien dokumentiert werden — und die Vermerke sind vom Fahrer gegenzeichnen zu lassen. WINAICO formuliert es kürzer: Sendung sofort bei der Anlieferung auf Vollständigkeit und Unversehrtheit prüfen, Schäden auf dem Frachtbrief des Fahrers vermerken, den Hersteller sofort schriftlich informieren.

1 Die fünf Minuten an der Palette
  1. Geh um die Palette herum, bevor du etwas unterschreibst, und fotografiere sie von allen vier Seiten samt Kennzeichnung und Umreifung.
  2. Notiere jeden Befund einzeln auf dem Lieferschein oder Frachtbrief: welche Palette, welche Stelle, welcher Schaden. Ein pauschaler Vorbehalt trägt nicht.
  3. Lass den Fahrer den Vermerk gegenzeichnen und fotografiere das gegengezeichnete Papier — ohne Gegenzeichnung steht später deine Behauptung gegen seine.
  4. Sind mehr als ein Drittel der Module einer Palette beschädigt, verweigere die Annahme dieser Palette; SOLARWATT nennt genau diese Schwelle.
  5. Informiere Verkäufer und Hersteller am selben Tag schriftlich, mit den Fotos im Anhang.
„Ware unter Vorbehalt" ist kein Vermerk. § 438 Absatz 1 HGB verlangt, dass die Anzeige den Verlust oder die Beschädigung hinreichend deutlich kennzeichnet. Eine Formel wie „unter Vorbehalt der Prüfung" kennzeichnet nichts — sie nennt weder die Palette noch die Stelle noch die Art des Schadens. Wer sie hinschreibt, hat den Eindruck gewahrt und die Vermutung nicht ausgeräumt. Vorsicht bei vorgedruckten Formeln auf dem Handscanner des Fahrers: Dort steht meist nichts, was du selbst formuliert hast.

Die Frist von sieben Tagen für Schäden, die man nicht sieht

Der gefährlichere Fall ist der zweite. Nach § 438 Absatz 2 HGB gilt die gleiche Vermutung auch dann, wenn der Schaden äußerlich nicht erkennbar war — es sei denn, er wird innerhalb von sieben Tagen nach Ablieferung angezeigt. Sieben Tage, gerechnet ab Ablieferung, nicht ab Entdeckung. Wer eine Palette annimmt und sie drei Wochen später erst auspackt, hat gegenüber der Spedition nichts mehr in der Hand.

Die Form ist niedrigschwellig: Nach § 438 Absatz 4 HGB ist die Anzeige nach Ablieferung in Textform zu erstatten, und zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung. Eine E-Mail am siebten Tag reicht also. Für Ansprüche wegen Überschreitung der Lieferfrist gilt eine eigene, längere Frist: Sie erlöschen, wenn die Überschreitung nicht innerhalb von einundzwanzig Tagen nach Ablieferung angezeigt wird.

Diese Fristen laufen unabhängig von der Gewährleistung. Die zwei Jahre Mängelhaftung gegen den Verkäufer und die sieben Tage Schadensanzeige gegen den Frachtführer sind zwei getrennte Uhren. Wer die sieben Tage verpasst, verliert nicht seine Rechte gegen den Verkäufer — aber der Verkäufer verliert seinen Rückgriff gegen die Spedition, und genau daraus entsteht der Streit, in dem du am Ende den Gutachter bezahlst. Was gegen den Verkäufer gilt, steht im Ratgeber zu Garantie und Gewährleistung.
Zeitstrahl mit vier Stationen ab der Ablieferung: Anzeige sofort bei erkennbarem Schaden, sieben Tage bei verdecktem Schaden, einundzwanzig Tage bei Lieferfristueberschreitung, ein Jahr bis zur Verjaehrung der Frachtansprueche.
Vier Uhren starten mit der Ablieferung — die kuerzeste laeuft gegen die Spedition, nicht gegen den Verkaeufer. · Foto: Eigene Grafik
Lass dir eine Kopie des gegengezeichneten Frachtbriefs geben — oder fotografiere ihn. Der Fahrer nimmt das Original mit, und der Durchschlag landet beim Absender, nicht bei dir. Ohne eigene Kopie stehst du später mit einer Behauptung da, während die Spedition den Beleg hat. Ein Foto vom unterschriebenen Papier, zusammen mit den Bildern der Palette und dem Zeitstempel der Kamera, ist die vollständige Dokumentation.

Was der Frachtführer haftet — und wo die Grenze liegt

Die Haftung selbst ist streng und dann plötzlich begrenzt. Nach § 425 Absatz 1 HGB haftet der Frachtführer für Schäden durch Verlust, Beschädigung oder Überschreitung der Lieferfrist in der Zeit von der Übernahme zur Beförderung bis zur Ablieferung. Ein Verschulden musst du nicht nachweisen. Hat aber ein Verhalten von Absender oder Empfänger oder ein besonderer Mangel des Gutes mitgewirkt, wird der Schaden nach Absatz 2 geteilt — schlecht gesicherte Paletten sind hier der Klassiker.

Die Höhe richtet sich nach § 429 HGB: Bei Beschädigung ist der Wertunterschied am Ort und zur Zeit der Übernahme zu ersetzen, und es wird vermutet, dass die Kosten der Schadensbehebung diesem Unterschied entsprechen. Praktisch hilfreich ist Absatz 3: Ist das Gut unmittelbar vor der Übernahme verkauft worden, wird vermutet, dass der in der Rechnung ausgewiesene Kaufpreis abzüglich der Beförderungskosten der Marktpreis ist. Deine Rechnung ist damit der Wertnachweis.

Und dann kommt § 431 HGB. Die Entschädigung wegen Verlust oder Beschädigung ist auf 8,33 Rechnungseinheiten für jedes Kilogramm des Rohgewichts begrenzt. Rechnungseinheit ist nach Absatz 4 das Sonderziehungsrecht des Internationalen Währungsfonds, umgerechnet zum Wert am Tag der Übernahme des Gutes. Die Haftung wegen Lieferfristüberschreitung ist zusätzlich auf den dreifachen Betrag der Fracht begrenzt.

Was das in Euro bedeutet, muss man selbst ausrechnen. Der IWF weist für den 10. September 2026 einen Wert von 1,373470 US-Dollar je Sonderziehungsrecht aus, bei einem Euro-Kurs von 1,16280 US-Dollar. Das ergibt — eigene Umrechnung, kein amtlicher Wert — rund 1,1810 Euro je Sonderziehungsrecht und damit etwa 9,84 Euro je Kilogramm Rohgewicht. Ein Standardmodul wiegt rund 21 Kilogramm; die Haftungsgrenze liegt damit in der Größenordnung von 207 Euro je Modul. Für ein günstiges Modul ist das mehr als genug, für ein Glas-Glas-Modul der oberen Klasse kann es knapp werden.

VorschriftWas sie regeltZahl
§ 438 Abs. 1 HGBäußerlich erkennbarer SchadenAnzeige spätestens bei Ablieferung
§ 438 Abs. 2 HGBäußerlich nicht erkennbarer Schaden7 Tage nach Ablieferung
§ 438 Abs. 3 HGBÜberschreitung der Lieferfrist21 Tage, sonst erlischt der Anspruch
§ 439 Abs. 1 HGBVerjährung der Frachtansprüche1 Jahr, bei Vorsatz 3 Jahre
§ 431 Abs. 1 HGBHaftungshöchstbetrag8,33 Rechnungseinheiten je Kilogramm
§ 431 Abs. 3 HGBHaftung bei Verspätungdreifacher Betrag der Fracht
§ 475 Abs. 1 BGBLieferzeit ohne Vereinbarung30 Tage nach Vertragsschluss
Rechenkette zur Haftungsgrenze: 8,33 Rechnungseinheiten je Kilogramm mal 1,1810 Euro je Sonderziehungsrecht ergibt 9,84 Euro je Kilogramm, bei 21 Kilogramm Modulgewicht rund 207 Euro je Modul.
Die Haftung des Frachtfuehrers endet bei 8,33 Rechnungseinheiten je Kilogramm — umgerechnet rund 207 Euro je Modul. · Foto: Eigene Grafik

Warum der Empfänger selbst klagen kann

Ein Detail, das viel Ärger erspart: Nach § 421 Absatz 1 HGB kann der Empfänger die Ansprüche aus dem Frachtvertrag im eigenen Namen gegen den Frachtführer geltend machen, wenn das Gut beschädigt, verspätet oder verloren abgeliefert wurde — obwohl er den Frachtvertrag nicht geschlossen hat. Der Absender bleibt daneben befugt; es macht keinen Unterschied, ob einer von beiden im eigenen oder fremden Interesse handelt.

Du bist also nicht darauf angewiesen, dass der Verkäufer den Schaden für dich verfolgt. Der Preis dafür steht in Absatz 2: Wer das Recht geltend macht, hat die noch geschuldete Fracht bis zu dem Betrag zu zahlen, der aus dem Frachtbrief hervorgeht.

Ein Jahr, dann ist der Anspruch gegen die Spedition verjährt

Frachtansprüche verjähren nach § 439 Absatz 1 HGB in einem Jahr, bei Vorsatz oder gleichstehendem Verschulden in drei Jahren. Die Frist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem das Gut abgeliefert wurde. Verglichen mit den zwei Jahren Mängelhaftung im Kaufrecht ist das kurz — und es ist der Grund, warum ein Transportschaden, der erst nach Monaten auffällt, praktisch nur noch gegenüber dem Verkäufer durchsetzbar ist.

Eine Besonderheit lohnt sich zu kennen: Nach Absatz 3 hemmt eine Erklärung in Textform, mit der du Ersatzansprüche erhebst, die Verjährung bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Frachtführer die Erfüllung ablehnt. Eine zweite Erklärung zum selben Anspruch hemmt nicht erneut. Wer also eine Schadensmeldung schreibt und monatelang keine klare Ablehnung erhält, verliert in dieser Zeit keine Frist. Wie Hemmung allgemein funktioniert, steht im Ratgeber zum Hemmen von Verjährungsfristen.

Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Dach

Ihr persönlicher Solar-Berater –
kostenlos & unverbindlich

Schätzpreis im ~20-Min-Anruf · 3 verbindliche Angebote per Mail

  • Kostenloses PV-Quiz (2 Min.)
  • Bis zu 3 Festpreisangebote lokaler Fachbetriebe
  • Kostenlos & unverbindlich
Kostenlos & unverbindlich · Geprüfte Fachpartner

100 % kostenlos & unverbindlich · Nur geprüfte Partnerbetriebe

Der unsichtbare Schaden: Zellrisse, die keiner sieht

Der eigentliche Grund, warum die Sieben-Tage-Frist bei Modulen so weh tut, ist physikalisch. Stöße im Transport können Risse in den Zellen erzeugen, die durch das Glas hindurch nicht sichtbar sind und die Leistung erst nach Monaten oder Jahren messbar mindern. Deshalb verlangen die Hersteller Sorgfalt schon beim Handling, und deshalb steht in der WINAICO-Anleitung ausdrücklich, Kollisionen und Stöße während des Transports zu vermeiden und die Module nicht grob auf harten Boden oder auf die Modulecken abzusetzen.

Nachweisen lässt sich ein solcher Riss nur mit Messtechnik. Wie Elektrolumineszenz- und Thermografieaufnahmen dabei helfen und was sie kosten, steht in den Ratgebern zur Thermografie per Drohne und zum Hagelschaden mit Gutachten — das dortige Vorgehen ist dasselbe, nur der Anlass unterscheidet sich. Der Nachteil ist offensichtlich: Eine Messung nach dem Auspacken kostet Geld, das niemand für eine intakte Lieferung ausgeben will. Genau deshalb ist die Dokumentation an der Palette die billigere Versicherung.

Was die Hersteller beim Transport und Lagern verlangen

Die Vorgaben aus den Installationsanleitungen sind keine Empfehlungen, sondern Bedingungen: Wer sie verletzt, riskiert seine Garantieansprüche. Zwei Hersteller im Vergleich zeigen, dass die Regeln sich ähneln und im Detail streuen.

VorgabeWINAICO (GEMINI-Serie)SOLARWATT (Panels)
Prüfung bei Anlieferungsofort auf Vollständigkeit und UnversehrtheitWare und Verpackung auf Transportschäden
DokumentationVermerk auf dem Frachtbrief des FahrersLieferschein, je Palette beschreiben, Fotos, Fahrer gegenzeichnen
Annahmeverweigerungkeine Schwelle genanntbei mehr als einem Drittel beschädigter Module je Palette
Stapelnnicht mehr als 2 Paletten hochkeine Zahl genannt
Lagerungkühl und trocken, Verpackung ist nicht wetterfesttrocken und vor Witterung geschützt, in der Verpackung lassen
Auspackenzwei Personen, keine horizontale Bewegung beim Anhebenkeine Angabe im Abschnitt
Wenn die Palette länger stehen bleibt, gehört sie nicht in den Garten. Beide Hersteller schreiben, dass die Module bis zur Montage in der Verpackung bleiben und trocken lagern sollen — WINAICO stellt ausdrücklich klar, dass die Verpackung nicht wetterfest ist. Verschiebt sich der Montagetermin, ist das ein Grund, die Lieferung zu verschieben, und keiner, die Palette zwei Wochen unter eine Plane zu legen.

Wann überhaupt geliefert werden muss

Eine Zahl, die selten im Vertrag steht und trotzdem gilt: Ist eine Leistungszeit weder bestimmt noch aus den Umständen zu entnehmen, muss der Unternehmer die Ware nach § 475 Absatz 1 BGB spätestens 30 Tage nach Vertragsschluss übergeben. Das ist eine Untergrenze an Verbindlichkeit, keine Ausrede für 30 Tage Wartezeit — dieselbe Vorschrift sagt, dass der Gläubiger die Leistung unverzüglich verlangen kann. Was bei Verzug gilt, steht im Ratgeber zu Liefertermin, Verzug und Rücktritt.

Ein typischer Fehler bei Direktbestellungen: Wer Module selbst im Ausland kauft, holt sich damit auch das Transportrisiko und die Reklamationswege ins Haus. Was dabei zusätzlich zu bedenken ist, steht im Ratgeber zum Direktimport von Modulen.

Darstellung eines Lieferscheins mit fuenf Pflichtangaben fuer den Schadensvermerk (Palette, Stelle, Art des Schadens, Fotos, Gegenzeichnung des Fahrers), daneben die untaugliche Formel „Ware unter Vorbehalt
Fuenf Angaben machen aus einem Vorbehalt einen Vermerk, der spaeter traegt. · Foto: Eigene Grafik

Was du bei der Anlieferung prüfen kannst

Nichts davon braucht Messtechnik oder juristische Vorbildung. Es braucht nur, dass jemand vor der Unterschrift hinschaut.

  • Ist die Umreifung der Palette intakt, oder hängt die Folie lose — ein Zeichen dafür, dass umgeladen wurde?
  • Stehen die Paletten gerade, oder ist eine Ecke gestaucht und die Kante der obersten Module sichtbar verschoben?
  • Stimmt die Zahl der Paletten mit dem Lieferschein überein, und steht auf jeder die erwartete Typenbezeichnung?
  • Fotografiere jede Palette von allen vier Seiten, bevor der Fahrer wegfährt — auch wenn nichts auffällt.
  • Steht dein Befund im Wortlaut auf dem Lieferschein, und hat der Fahrer gegengezeichnet?
  • Prüfe auf der Rechnung, ob Beförderungskosten separat ausgewiesen sind; § 429 Absatz 3 HGB rechnet sie beim Wertnachweis heraus.
Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Dach

Ihr persönlicher Solar-Berater –
kostenlos & unverbindlich

Schätzpreis im ~20-Min-Anruf · 3 verbindliche Angebote per Mail

  • Kostenloses PV-Quiz (2 Min.)
  • Bis zu 3 Festpreisangebote lokaler Fachbetriebe
  • Kostenlos & unverbindlich
Kostenlos & unverbindlich · Geprüfte Fachpartner

100 % kostenlos & unverbindlich · Nur geprüfte Partnerbetriebe

Was wir hier nicht belegen können

Drei Lücken bleiben. Erstens: Wie häufig Transportschäden an Modullieferungen tatsächlich auftreten, ist öffentlich nicht belegt. Es gibt Erfahrungsberichte und Herstellerhinweise, aber keine zitierfähige Statistik, und wir schreiben hier keine Zahl hin, die wir nicht lesen konnten.

Zweitens: Der Euro-Betrag hinter den 8,33 Rechnungseinheiten ist eine eigene Umrechnung mit dem Kurs vom 10. September 2026. § 431 Absatz 4 HGB stellt auf den Kurs am Tag der Übernahme des Gutes ab; im Streitfall gilt also ein anderer Wert. Auch das Modulgewicht von rund 21 Kilogramm ist ein Rechenbeispiel und keine Herstellerangabe.

Drittens: Für internationale Transporte per Lkw gilt neben dem HGB die CMR mit eigenen Fristen und einer eigenen Haftungsgrenze. Wir haben den CMR-Text hier nicht im Volltext gelesen und lassen ihn deshalb außen vor — wer aus dem Ausland direkt bezieht, sollte ihn separat prüfen. Vorsicht bei Pauschalaussagen in Foren, die HGB und CMR in einen Topf werfen.

Drei Spalten im Vergleich: Kaufvertrag gegen den Verkaeufer mit § 446 und § 475 Absatz 2 BGB und 30 Tagen Lieferpflicht, Frachtvertrag gegen den Frachtfuehrer mit § 425 HGB, sieben Tagen Anzeigefrist, einem Jahr Verjaehrung und 8,33 Einheiten je Kilogramm, Herstellerbedingungen mit den Vorgaben der Installationsanleitung.
Drei Vertraege, drei Gegner, drei Fristen — und nur eine davon laeuft schon nach sieben Tagen ab. · Foto: Eigene Grafik

Häufige Fragen zum Transportschaden an Modulen

Muss ich eine beschädigte Palette annehmen? +
Nein. Du kannst die Annahme verweigern, und SOLARWATT empfiehlt das ausdrücklich, wenn mehr als ein Drittel der Module einer Palette beschädigt ist. Bei einzelnen Schäden ist die Annahme mit dokumentiertem Vermerk meist der praktischere Weg, weil sonst der gesamte Montagetermin kippt. Entscheidend ist in beiden Fällen, dass der Befund schriftlich auf dem Lieferschein oder Frachtbrief steht.
Ich habe unterschrieben, ohne zu prüfen — ist alles verloren? +
Gegenüber dem Frachtführer wird nach § 438 Absatz 1 HGB vermutet, dass unbeschädigt abgeliefert wurde. Diese Vermutung ist widerlegbar, aber schwer. Gegenüber dem Verkäufer bleiben deine Mängelrechte: Als Verbraucher trägt er nach § 475 Absatz 2 BGB in der Regel die Gefahr bis zur Ablieferung, und er muss beweisen, dass die Ware bei Übergabe in Ordnung war, solange die gesetzliche Beweislastumkehr läuft.
Wie lange habe ich bei einem Schaden, den man nicht sehen konnte? +
Sieben Tage nach Ablieferung, § 438 Absatz 2 HGB. Die Frist läuft ab Ablieferung, nicht ab Entdeckung. Die Anzeige ist in Textform zu erstatten, und die rechtzeitige Absendung genügt — eine E-Mail am siebten Tag wahrt die Frist.
Wer zahlt, wenn Module beim Abladen vom Stapler fallen? +
Das ist kein Transportschaden mehr, sondern ein Fall der Ablieferung beziehungsweise der Montage. Ist noch nicht abgeliefert, haftet nach § 425 Absatz 1 HGB der Frachtführer bis zur Ablieferung; passiert es beim Abladen durch den Betrieb, ist es dessen Sache. Wie die Gefahrtragung während der Bauphase versichert ist, steht im Ratgeber zur Bauleistungsversicherung.
Was heißt „8,33 Rechnungseinheiten je Kilogramm" in Euro? +
Die Rechnungseinheit ist das Sonderziehungsrecht des Internationalen Währungsfonds. Aus dem IWF-Kurs vom 10. September 2026 ergibt sich eigenrechnerisch rund 1,1810 Euro je Sonderziehungsrecht, also etwa 9,84 Euro je Kilogramm Rohgewicht. Bei einem Modulgewicht von rund 21 Kilogramm liegt die Grenze in der Größenordnung von 207 Euro je Modul. Maßgeblich ist nach § 431 Absatz 4 HGB der Kurs am Tag der Übernahme des Gutes.
Kann ich die Spedition direkt in Anspruch nehmen? +
Ja. § 421 Absatz 1 HGB erlaubt dem Empfänger, die Ansprüche aus dem Frachtvertrag im eigenen Namen geltend zu machen, obwohl er den Vertrag nicht geschlossen hat. Nach Absatz 2 musst du dann allerdings die noch offene Fracht bis zur Höhe aus dem Frachtbrief zahlen.
Gilt die Zwei-Jahres-Frist des Kaufrechts nicht auch hier? +
Sie gilt, aber gegen den Verkäufer, nicht gegen den Frachtführer. Frachtansprüche verjähren nach § 439 Absatz 1 HGB in einem Jahr ab Ablieferung. Die beiden Fristen laufen parallel und schließen sich nicht aus; nur der Anspruchsgegner ist ein anderer.
Wie lange darf die Lieferung dauern, wenn kein Termin im Vertrag steht? +
Nach § 475 Absatz 1 BGB höchstens 30 Tage nach Vertragsschluss, und der Gläubiger kann die Leistung unverzüglich verlangen. Im Ratgeber zu Liefertermin und Verzug steht, welche Schritte danach folgen und welche Fristen du selbst setzen musst.

Quellen