Thermografie und Drohnenbefliegung der PV-Anlage: Kosten, Nutzen, Grenzen
Was eine Thermografie der PV-Anlage wirklich sichtbar macht, wo neutrale Preisanker liegen, ab welchem Minderertrag sich eine Befliegung traegt und welche Drohnenregeln der Dienstleister einhalten muss.
Foto: Eigene Grafik nach IEA-PVPS, Review on IR and EL Imaging for PV Field Applications (Direktabruf iea-pvps.org, 03.09.2026)
Wer nach dem Preis einer Thermografie für die eigene PV-Anlage sucht, landet auf den Seiten von Dienstleistern, die genau diese Befliegung verkaufen. Eine neutrale Einordnung fehlt. Dieser Artikel liefert sie: was das Verfahren sichtbar macht, welche belegbaren Preisanker es gibt, ab welchem Minderertrag sich die Sache trägt und welche Regeln für die Drohne über deinem Dach gelten. Stand 03.09.2026.
Was die Thermografie an einer PV-Anlage sichtbar macht
Eine Wärmebildkamera misst keine Defekte, sondern Temperaturen. Sichtbar wird deshalb nur, was sich unter Last anders erwärmt als seine Nachbarschaft. Genau das passiert, wenn eine Zelle keinen Strom mehr liefert: Sie wird vom Rest des Strings weiter durchflossen und setzt die Energie in Wärme um statt in Strom. Dieser Hot Spot leuchtet im Wärmebild als heller Fleck.
Dasselbe gilt für ganze Modulflächen, für abgeschattete Zellstränge, für einen durchgebrannten Bypass-Diodenkreis und für schlechte Steckverbindungen in der Anschlussdose. Die IEA-PVPS-Übersicht zu IR- und EL-Bildgebung nennt als Spannweite der erkennbaren Fehler ausdrücklich alles von Hot Spots über Mismatch-Verluste bis zu Installationsfehlern.
Und was nicht sichtbar wird: ein Riss, der noch keinen Leistungsausfall verursacht. Ein Mikroriss in der Zelle, dessen Fingerkontakte weiter tragen, erzeugt keine messbare Übertemperatur. Er ist im Wärmebild schlicht nicht da. Erst wenn der Riss einen Zellbereich elektrisch abtrennt, entsteht die Signatur, die die Kamera findet.
Das mindert den fachlichen Wert des Dokuments nicht, wohl aber das Gewicht, das ein Anbieter dem Verweis gibt. Praktisch folgenreicher ist der Preis: Die Messbedingungen stehen in einem kostenpflichtigen Papier, das du als Auftraggeber normalerweise nicht einsiehst.
Daraus folgt die einzig sinnvolle Konsequenz. Verlange, dass der Prüfbericht die Messbedingungen selbst ausweist: Einstrahlung, Umgebungstemperatur, Windgeschwindigkeit, Betriebspunkt der Anlage und Kameratyp. Ein Bericht ohne diese Angaben ist nicht nachprüfbar – egal, auf welche Nummer er sich beruft.
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Kennlinienmessung, Elektrolumineszenz, Thermografie: drei Verfahren, drei Antworten
Die drei gängigen Messverfahren beantworten unterschiedliche Fragen, und wer das verwechselt, kauft die falsche Leistung ein. Häufigster Fehler bei der Beauftragung: eine Thermografie bestellen, obwohl die eigentliche Frage lautet „Wie viel Leistung fehlt?“.
| Verfahren | Beantwortet | Beantwortet nicht | Bedingung |
|---|---|---|---|
| Kennlinienmessung (I-U-Kennlinie) | Wie viel Leistung fehlt, beziffert in Watt und Prozent | Welches Bauteil die Ursache ist | Ausreichende Einstrahlung, Zugang zum String |
| Thermografie (Infrarot) | Wo im Feld sich etwas auffällig erwärmt | Wie groß der Ertragsverlust in Kilowattstunden ist | Anlage unter Last, also Sonne |
| Elektrolumineszenz (EL) | Ob und wo die Zelle selbst gerissen ist | Ob der Riss Ertrag kostet | Dunkelheit, Fremdeinspeisung ins Modul |
Die Elektrolumineszenz dreht die Solarzelle um: Statt aus Licht Strom zu machen, erzeugt sie aus eingespeistem Strom Licht. Die IEA-PVPS-Übersicht beschreibt genau dieses Prinzip und hält fest, dass EL den Blick auf Mikrorisse und andere Defekte im Zellmaterial öffnet. Der Preis dafür ist die Nachtarbeit im Feld.
Zur Größenordnung des Zeitaufwands nennt dieselbe Quelle eine Zahl, die sich gut übertragen lässt: Für eine 4-MWp-Anlage veranschlagt sie etwa 5 bis 10 Stunden Infrarot-Inspektion unter sonst idealen Bedingungen. Ein Einfamilienhausdach mit 10 kWp ist davon der vierhundertste Teil der Fläche – der überwiegende Teil einer Rechnung entfällt hier also nicht auf die Messung selbst, sondern auf Anfahrt, Aufbau und Bericht.
Was eine Thermografie kostet: die belegbaren Anker
Für Sachverständigenleistungen an Photovoltaikanlagen existiert keine Gebührenordnung wie bei Architekten. Ein belastbarer Anker steht trotzdem im Gesetz. Anlage 1 zum JVEG weist unter Sachgebiet 24.1 „Photovoltaikanlagen“ einen Stundensatz von 120 Euro aus (Direktabruf 03.09.2026). Zum Vergleich aus derselben Tabelle: Windkraftanlagen 131 Euro, Solarthermieanlagen 120 Euro, Elektrotechnische Anlagen und Geräte 125 Euro.
Dieser Satz gilt für Sachverständige, die ein Gericht beauftragt. Er ist kein Marktpreis. Er sagt dir aber, in welcher Größenordnung der Staat qualifizierte Arbeit an genau dieser Anlagenart bewertet – und das ist mehr, als jede Anbieterseite hergibt.
Wie sich Honorare für PV-Gutachten insgesamt zusammensetzen, welche Nebenkosten dazukommen und welche Perzentile aus der Marktanalyse zum JVEG vorliegen, steht ausführlich in unserem Ratgeber zu den Kosten eines PV-Gutachters bei Minderertrag. Dieser Artikel hier beschränkt sich auf die Messdienstleistung selbst.
Ab welchem Minderertrag sich eine Befliegung trägt
Rechnen wir es durch. Angenommene Anlage: 9,8 kWp, rund 950 Kilowattstunden Ertrag je Kilowatt und Jahr, also etwa 9.300 Kilowattstunden im Jahr. Die Erlösseite steht fest: Für eine Inbetriebnahme zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027 bis 10 kW nennt die Bundesnetzagentur 7,70 ct/kWh in der Überschusseinspeisung (Abruf 03.09.2026).
Eine im Eigenverbrauch genutzte Kilowattstunde ist deutlich mehr wert, weil sie eine zugekaufte ersetzt. Die BDEW-Strompreisanalyse weist für Haushalte 2026 bisher durchschnittlich 37,0 ct/kWh aus. Das ist fast das Fünffache des Einspeisesatzes.
Setzen wir zur Veranschaulichung eine Untersuchung mit drei Stunden zum JVEG-Satz an, also 360 Euro. Das ist ein konstruierter Rechenwert aus dem Gesetz, kein erhobener Marktpreis. Er zeigt aber, welche Verlustgrößen überhaupt in Frage kommen.
| Verwertung der fehlenden kWh | Wert je kWh | Jahresverlust, der 360 € in 1 Jahr trägt | … in 5 Jahren |
|---|---|---|---|
| Einspeisung (7,70 ct) | 0,077 € | rund 4.675 kWh (etwa 50 % des Jahresertrags) | rund 935 kWh (etwa 10 %) |
| Eigenverbrauch (37,0 ct) | 0,370 € | rund 973 kWh (etwa 10 %) | rund 195 kWh (etwa 2 %) |
Daraus folgt eine unbequeme Erkenntnis. Wer den Strom überwiegend einspeist, holt eine Messung aus dem entgangenen Ertrag allein praktisch nie herein – ein Verlust von der Hälfte des Jahresertrags fällt im Monitoring längst vorher auf. Bei hohem Eigenverbrauch dreht sich das Bild: Dort trägt sich die Untersuchung schon ab etwa zwei Prozent dauerhaftem Minderertrag über fünf Jahre.
Diese Rechnung ist eine reine Amortisation der Messkosten – sie sagt nichts darüber, ob die Anlage insgesamt trägt. Wie sich Investition, Rendite und Betriebskosten über die Laufzeit verhalten, steht im Ratgeber zur Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage. Wer eine Finanzierung bedient, sollte den Messtermin ohnehin vor Ablauf der Gewährleistung legen: Danach zahlt jeden Modultausch das eigene Budget.
Wenn dein Verdacht auf einem Ertragsknick beruht, prüfe zuerst die einfachen Ursachen: Bevor du eine Befliegung beauftragst, lohnt der Blick auf Abschaltungen wegen zu hoher Netzspannung und auf die Abrechnung des Netzbetreibers. Beides erklärt fehlende Kilowattstunden häufiger als ein defektes Modul.
Drohne über dem eigenen Dach: welche Regeln der Dienstleister einhalten muss
Die Befliegung fällt unter europäisches Recht. Nach Artikel 4 der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 gilt der Betrieb nur dann als „offen“, wenn das Fluggerät unter 25 kg Startmasse bleibt, der Fernpilot ständig direkten Sichtkontakt hält und das Gerät höchstens 120 m über dem nächstgelegenen Punkt der Erdoberfläche fliegt. Für ein Wohnhausdach ist das unkritisch.
Registrierungspflichtig ist der Betreiber nach Artikel 14 Absatz 5 der Verordnung unter anderem dann, wenn das Gerät einen Sensor trägt, der personenbezogene Daten erfassen kann. Eine Wärmebildkamera erfüllt das. Die Registrierung kostet nach dem Gebührenverzeichnis zur LuftKostV einmalig 20 Euro für natürliche und 50 Euro für juristische Personen.
Der Fernpilot braucht einen Kompetenznachweis. Das Luftfahrt-Bundesamt stellt den EU-Kompetenznachweis A1/A3 nach einem Online-Training und einer Online-Theorieprüfung aus: 40 Multiple-Choice-Fragen aus neun Fachgebieten, bestanden ab 75 Prozent richtigen Antworten. Die Prüfungsabnahme und Ausstellung kostet nach dem Gebührenverzeichnis 25 Euro, das weitergehende Fernpiloten-Zeugnis A2 dreißig Euro.
Welches Zertifikat nötig ist, hängt an der Geräteklasse. Die Übersicht des Luftfahrt-Bundesamts ordnet C0 und C1 der Unterkategorie A1 zu, C2 der A2 und C3/C4 der A3. Die Nachweise sind bei jedem Flug mitzuführen, elektronisch oder ausgedruckt.
Versichert sein muss die Drohne ebenfalls. § 43 Absatz 2 des Luftverkehrsgesetzes verpflichtet den Halter eines Luftfahrzeugs, zur Deckung seiner Haftung eine Haftpflichtversicherung in gesetzlich bestimmter Höhe zu unterhalten. Eine private Haustierhaftpflicht oder Privathaftpflicht deckt gewerbliche Drohnenflüge nicht ab. Wie sich das zur Absicherung deiner eigenen Anlage verhält, steht im Ratgeber zur Photovoltaik-Versicherung.
Nachbarschaft und fremde Grundstücke: der Teil, den Anbieterseiten auslassen
Über Wohngrundstücke darf nicht einfach geflogen werden. § 21h Absatz 3 Nummer 7 der Luftverkehrs-Ordnung lässt den Betrieb dort nur zu, wenn der betroffene Eigentümer oder Nutzungsberechtigte dem Überflug ausdrücklich zugestimmt hat – oder wenn die Startmasse bis 0,25 Kilogramm beträgt und das Gerät weder optisch noch akustisch aufzeichnen kann.
Die zweite Ausnahme scheidet bei einer Thermografie aus, denn das Aufzeichnen ist der Zweck der Übung. Bleibt der Weg über eine Flughöhe von mindestens 100 Metern, an den die Vorschrift eine Reihe weiterer Bedingungen knüpft – unter anderem, dass öffentliche Flächen für den Überflug nicht genutzt werden können. Für ein Reihenhausdach ist das keine praktikable Option.
Dazu kommt das Strafrecht. § 201a Absatz 1 StGB stellt Bildaufnahmen von Personen, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befinden, unter Strafe, wenn dadurch der höchstpersönliche Lebensbereich verletzt wird – Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Ein umzäunter Garten kann ein solcher Raum sein.
Praktisch heißt das: Der Dienstleister soll die Kamera auf die Dachfläche richten und den Flugweg so legen, dass Terrassen und Fenster der Nachbarn nicht im Bild landen. Wärmebilder sind zwar grob aufgelöst, viele Drohnen zeichnen aber parallel im sichtbaren Licht auf.
Ablauf am Messtag und was im Bericht stehen muss
Die Anlage muss unter Last laufen, sonst entsteht kein Temperaturunterschied. Klarer Himmel mittags, wenig Wind. Bewölkung, die während der Aufnahme wechselt, macht die Bilder unbrauchbar.
Wechselrichter-Daten des Messtags, Strangzuordnung, Modultyp und Stückzahl. Ohne die Zuordnung von Bild zu String lässt sich ein Befund später niemandem zuordnen.
Bei einem Einfamilienhausdach eine Sache von Minuten in der Luft. Der Zeitaufwand steckt in Anfahrt, Aufbau und Auswertung – zur Einordnung: Die IEA-PVPS-Übersicht veranschlagt für 4 MWp rund 5 bis 10 Stunden reine Inspektionszeit.
Jedes auffällige Modul mit Position, Wärmebild, Temperaturdifferenz und einer Einordnung, was der Befund bedeutet. Ein Bilderordner ohne Bewertung ist kein Bericht.
Ein Befund allein ist noch kein Anspruch. Ob ein Hot Spot ein Garantiefall ist, entscheidet sich an der Garantiezusage des Herstellers – die Unterschiede zwischen Produkt-, Leistungs- und Gewährleistungsansprüchen erklärt der Ratgeber zur Photovoltaik-Garantie. Geht es um einen Sturm- oder Hagelschaden, gelten wieder andere Nachweisregeln; die stehen im Artikel zum Hagelschaden an der PV-Anlage.
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Wenn du parallel Zweifel an der Montage hast, prüfe die mechanische Seite gleich mit: Welche Fehler du an der Unterkonstruktion selbst erkennst, zeigt der Ratgeber zu falsch montierten Dachhaken.
Häufige Fragen
Brauche ich für eine Thermografie überhaupt eine Drohne? +
Was kostet eine Drohnenthermografie für ein Einfamilienhaus? +
Findet die Thermografie Mikrorisse? +
Wann im Jahr sollte gemessen werden? +
Zahlt die Versicherung die Untersuchung? +
Darf der Dienstleister über das Grundstück meines Nachbarn fliegen? +
Rechnet sich das bei einer 10-kWp-Anlage überhaupt? +
Was unterscheidet die Thermografie von einer Kennlinienmessung? +
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