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Kartoffellager mit PV-Anlage: Außenluftkühlung, Kühllager und Eigenverbrauch

Außenluftkühlung, Kälteanlage, Lagerdauer: Stromzahlen je Tonne aus britischen Messungen, die Lüftungsregeln aus der Beratung und zwei Lager mit je 1.000 t gegen PVGIS mit Außentemperatur gerechnet.

⏱️ 15 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 14. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 14 Abschnitte
  1. 1.Wie ein Kartoffellager gekühlt wird: Außenluft, Kälte oder beides
  2. 2.Wie viel Strom ein Kartoffellager je Tonne braucht
  3. 3.Luftrate und Lüfterleistung
  4. 4.Welches Lastprofil gilt für ein Kartoffellager?
  5. 5.Nachgerechnet: Außenluftlager mit 1.000 Tonnen
  6. 6.Warum die Außenluftkühlung an der Sonne vorbeiläuft
  7. 7.Lüfter in die Sonnenstunden legen?
  8. 8.Kühllager bis in den Sommer: hier passt die Solaranlage
  9. 9.Praxisbeispiel: Gemüselager mit 404 kWp
  10. 10.Batteriespeicher im Kartoffellager
  11. 11.So planst du die Solaranlage für das Kartoffellager
  12. 12.Checkliste für Kartoffelbauern
  13. 13.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  14. 14.Häufige Fragen zu PV im Kartoffellager

Ein Kartoffellager braucht Strom vor allem für Ventilatoren und, wenn vorhanden, für die Kälteanlage. Wann dieser Strom fließt, hängt vom Lagerverfahren ab. Wer mit Außenluft kühlt, lässt die Lüfter laufen, wenn draußen kalte Luft zur Verfügung steht, und das ist meist nachts im Herbst und Winter. Die Solaranlage liefert dann fast nichts.

Dieser Ratgeber sammelt die veröffentlichten Stromkennzahlen aus britischen Messungen und deutscher Beratungsliteratur, legt die Lüftungsregeln neben eine stündliche Temperatur- und Ertragsreihe und rechnet zwei Lager mit je 1.000 Tonnen durch: ein reines Außenluftlager und ein Kühllager, das bis in den Sommer lagert. Die Ergebnisse liegen weit auseinander.

Kurz gesagt: Ein Außenluftlager mit 1.000 t braucht in unserem Modell 8.925 kWh je Saison, davon 69,4 % zwischen 20 und 7 Uhr. Eine Anlage mit 30 kWp deckt davon nur 4,9 %. Ein Kühllager mit 61,5 kWh je Tonne, das bis Ende Juni lagert, nutzt bei 30 kWp dagegen 47,9 % des Solarstroms selbst. Das Standardprofil L0 würde für das Außenluftlager 12,9 % vorhersagen statt 1,3 %.

Wie ein Kartoffellager gekühlt wird: Außenluft, Kälte oder beides

Nach dem Beitrag „Kartoffeln perfekt einlagern“ in top agrar 9/2009 sollen erntefrische Kartoffeln innerhalb von 24 bis 48 Stunden trocken belüftet werden. Danach folgt die Wundheilung: 7 bis 10 Tage bei reduzierter Belüftung, optimal bei 12 bis 15 °C und nicht unter 10 °C. Anschließend wird der Stapel etwa von Mitte Oktober bis Ende November um 0,3 bis 0,5 °C pro Tag abgekühlt.

Zum Kühlen muss die Außenluft kälter sein als der Stapel, ideal um 2 bis 3 °C, bei kritischen Partien mit Fäulnis um 5 °C. Die notwendige Temperaturdifferenz herrscht laut top agrar meist in der Nacht. Als Hilfe nennt der Beitrag eine Zeitschaltuhr, die die Ventilatoren nur nachts oder am frühen Morgen einschaltet.

Bis Ende November lassen sich laut agrarheute vom 16. November 2017 die Dauerlagertemperaturen mit Außenluft erreichen; die Atmungsaktivität der Knollen hat ihr Minimum bei 4 bis 5 °C. Eine Erfrischungsbelüftung ist mindestens einmal am Tag nötig.

Land & Forst schrieb am 25. August 2019, dass in der Praxis zunehmend maschinell gekühlt wird: meist als unterstützende Kühlung, also Außenluft plus Kälteanlage, teils auch mit reinen Kälteanlagen, bei denen Außenluft nur noch zur Erfrischung und zum Abführen von CO₂ dient.

Wie viel Strom ein Kartoffellager je Tonne braucht

Die umfangreichsten frei zugänglichen Messungen stammen aus Großbritannien. Der Abschlussbericht R439 des AHDB von 2013 (Autoren Swain, Coe, Cunnington und Saunders) wertet Stromzähler an Lagern über mehrere Saisons aus. Er trennt Lager für Frischmarkt-Ware („pre-pack“, Zieltemperatur 2,5 bis 3 °C) und für Verarbeitungsware („processing“, 8 bis 12 °C):

Lagerart laut AHDB R439ZieltemperaturStrom je Saison, kWh je TonneMedianWerte
Frischmarkt (pre-pack), Stores 1 bis 52,5 bis 3 °C25,9 bis 134,661,512 Saisonwerte
Verarbeitung (processing), Stores 6 bis 98 bis 12 °C16,5 bis 88,124,111 Saisonwerte

Quelle: AHDB R439, Tabellen 3.4.1 und 3.4.2, Saisons 2007 bis 2012; Median eigene Auswertung der Tabellenwerte.

Die Lagerdauer lag bei den Frischmarkt-Lagern zwischen 92 und 272 Tagen, bei der Verarbeitungsware zwischen 177 und 280 Tagen. Der Potato Store Managers’ Guide des AHDB (dritte Auflage, PDF von 2018) nennt für die Langzeitlagerung bis zu 100 kWh je Tonne und zwischen Lagern desselben Typs Unterschiede von bis zu 300 Prozent, von 0,09 bis 0,27 kWh je Tonne und Tag.

Ein Grund für die Streuung sind Undichtigkeiten. Nach R439 können sie bis zu 37 % des Stromverbrauchs eines Frischmarkt-Lagers und 55 % eines Verarbeitungslagers ausmachen. Die gemessene Leistungszahl der Kälteanlagen reichte von 1,6 bis 4. Für ein Verarbeitungslager mit 1.000 t nennt der Bericht 22,6 kW elektrische Leistung bei einer Leistungszahl von 1,6 und 11 kW nach einem Austausch auf 3,3.

Vorsicht bei der Zahl 70 bis 80 kWh je Tonne: Sie taucht in Suchergebnissen als Wert für Kartoffellager auf, beschreibt aber gekühlte Lager mit kontrollierter Atmosphäre für Obst. Für die CA-Lagerung von Äpfeln nennt Kälte Klima Aktuell am 28. April 2020 80 bis 100 kWh je Tonne und Saison, etwa ein Drittel davon für Ventilatoren. Wie ein solches Lager zur Solaranlage passt, beschreibt der Ratgeber zum Obstlager.

Luftrate und Lüfterleistung

Für Schüttlager nennt der AHDB-Leitfaden traditionell 0,02 m³ Luft je Sekunde und Tonne, mit dem Trend zu bis zu 0,04 m³/s/t, weil mehr Luft schneller trocknet und weniger Gewichtsverlust verursacht. Kistenlager werden typischerweise ebenfalls auf 0,02 m³/s/t ausgelegt. Frequenzumrichter erlauben es, die Drehzahl nach dem Trocknen und Abkühlen zu senken: Ein Ventilator mit 80 Prozent Drehzahl braucht rund 50 Prozent weniger Energie.

Eine konkrete Leistungsangabe je Tonne findet sich in einer älteren Quelle. Hegner, Maltry, Bittner, Knobbe und Schopp beschreiben in agrartechnik, Heft 11 vom November 1981 die Lüftung von Pflanzkartoffel-Behälterlagern in der DDR. Für die sogenannte Wurflüftung geben sie rund 15 kW je 1.000 t bei einer Luftrate von rund 40 m³ je Tonne und Stunde an.

Wenn in einer großen Anlage alle Lüfter liefen, lag die Leistungsaufnahme weit über 100 kW. In der Lagerperiode 1979/80 sparte die Kombination mit freier Lüftung mindestens die Hälfte der Lüfterlaufzeit.

Lüfter vor der Solaranlage prüfen: Bei 0,02 m³/s/t braucht ein Lager mit 1.000 t rund 72.000 m³ Luft je Stunde. Schau auf dem Typenschild der Ventilatoren nach der Leistung in kW und frage beim Hersteller der Lüftung nach, ob sie drehzahlgeregelt sind. Die Einsparung von rund 50 Prozent bei 80 Prozent Drehzahl wirkt in jeder Nachtstunde, in der keine Solaranlage Strom liefert.

Welches Lastprofil gilt für ein Kartoffellager?

Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 führt „Gemüseanbau“ unter L0 oder L2, „Landwirtschaft (Pflanzenbau und Tierhaltung) gemischt“ unter L0. Ein „Kühlhaus“ und ein „Lagerhaus (auch mit Kühlhaus)“ stehen dagegen unter G3, dem Profil für durchlaufenden Gewerbebetrieb. Die Vorbemerkung der Zuordnung stellt klar, dass tarifliche Einstufung und Lastprofil voneinander unabhängig sind und Sonderfälle separat betrachtet werden sollen.

Ein Kartoffellager mit Außenluftkühlung ist ein solcher Sonderfall. Beide Profile aus der Profildatei des BDEW verteilen den Verbrauch über das ganze Jahr. Das Lager braucht von Mai bis September aber keinen Strom, und in der Saison fällt der größte Teil nachts an.

Nachgerechnet: Außenluftlager mit 1.000 Tonnen

Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Dieselbe Reihe liefert die stündliche Lufttemperatur. Oktober bis Dezember und Januar bis April stammen dabei aus demselben Kalenderjahr.

Unser Lager hat 1.000 t und 15 kW Lüfterleistung, den Wert aus agrartechnik 1981. Unsere Annahmen nach top agrar und agrarheute: Einlagerung am 1. Oktober, zwei Tage Dauerlüftung, dann zehn Tage Wundheilung mit vier Lüfterstunden über den Tag verteilt. Ab dem 13. Tag sinkt der Sollwert von 13 °C um 0,3 °C pro Tag, bis am 11. November die Dauerlagertemperatur von 4,5 °C erreicht ist.

Die Lüfter laufen nur in Stunden, in denen die Außenluft mindestens 2 °C kälter ist als der Sollwert, beim Abkühlen höchstens 10 und im Dauerlager 3 Stunden am Tag. Gibt es keine solche Stunde, läuft eine Stunde Umluft. Die Saison endet am 30. April.

So kommen 595 Lüfterstunden und 8.925 kWh zusammen, 8,9 kWh je Tonne. Das liegt unter allen Messwerten des AHDB, auch unter dem niedrigsten Verarbeitungslager mit 16,5 kWh je Tonne. Britische Lager haben höhere Luftraten, Undichtigkeiten und teils Kälteanlagen; unser Modell ist eher eine Untergrenze.

Außenluftlager, 8.925 kWh10 kWp30 kWp50 kWp100 kWp
Lüfter in den kältesten Stunden1,4 %1,3 %1,1 %0,8 %
Lüfter in den sonnigsten zulässigen Stunden5,2 %4,8 %3,9 %2,7 %
Standardprofil L0, gleiche Jahressumme32,6 %12,9 %8,1 %4,2 %

Die Tabelle zeigt den selbst genutzten Anteil des Solarstroms. Schon eine Anlage mit 10 kWp nutzt nur 1,4 % ihres Ertrags im Lager. Die Autarkie, also der Anteil des Lagerstroms aus der eigenen Anlage, liegt bei 30 kWp bei 4,9 % und selbst bei 100 kWp nur bei 10,3 %. Das Standardprofil L0 würde für 30 kWp 12,9 % Eigenverbrauch vorhersagen, rund zehnmal so viel.

Typischer Fehler: das Lager mit dem Standardprofil rechnen. Rechnet ein Angebot für ein Außenluftlager mit einem Standardprofil wie L0, überschätzt es den Eigenverbrauch in unserem Modell um den Faktor zehn. Lass dir zeigen, mit welchem Lastgang das Angebot rechnet, und bestehe auf den Viertelstundenwerten deines Zählers.
Balkendiagramm: Strom je Tonne und Saison. AHDB-Leitfaden Langzeitlager bis 100 kWh, R439 Frischmarkt Median 61,5 kWh, Verarbeitung Median 24,1 kWh, eigenes Außenluftmodell 8,9 kWh.
Gekühlte Frischmarkt-Lager brauchen ein Mehrfaches der Außenluftlager. · Foto: Eigene Grafik

Warum die Außenluftkühlung an der Sonne vorbeiläuft

Nur 4,5 % der Lüfterstunden liegen im Modell zwischen 10 und 17 Uhr, in dem Zeitfenster, in dem die Anlage 78,8 % ihres Jahresertrags erzeugt. Dazu kommt die Jahreszeit: Die Monate Oktober bis April bringen zusammen 44,1 % des Solarertrags, Mai bis September den Rest.

MonatLüfterstunden AußenluftlagerAnteil am Strom AußenluftlagerAnteil am Strom KühllagerAnteil am PV-Ertrag
Oktober18631,3 %11,6 %5,1 %
November8514,3 %9,5 %4,5 %
Dezember7813,1 %6,5 %2,6 %
Januar7712,9 %6,9 %3,5 %
Februar579,6 %7,7 %5,2 %
März6611,1 %8,8 %9,7 %
April467,7 %13,7 %13,5 %
Mai00,0 %15,5 %12,8 %
Juni00,0 %19,7 %10,1 %

Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3, Würzburg, Wetterjahr 2020; Lastverläufe nach den genannten Annahmen.

Im Oktober und November fallen 45,6 % des Lagerstroms an, aber nur 9,6 % des Solarertrags. Der Oktober ist mit 186 Lüfterstunden der stärkste Monat, weil Trocknung, Wundheilung und der Beginn des Abkühlens zusammenfallen.

Balkendiagramm: Anteil zwischen 10 und 17 Uhr. Solarertrag 78,8 Prozent, Kühllager mit verschobener Kälte 57,8, Kühllager 30,9, Außenluftlager in sonnigen Stunden 28,4, in den kältesten Stunden 4,5 Prozent.
Die Außenluftkühlung läuft fast ganz außerhalb der Sonnenstunden. · Foto: Eigene Grafik
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Lüfter in die Sonnenstunden legen?

Die Steuerung könnte unter den zulässigen Stunden die sonnigsten wählen statt der kältesten. Im Modell steigt der Tagesanteil des Lagerstroms dann von 4,5 auf 28,4 %, der Eigenverbrauch bei 30 kWp von 1,3 auf 4,8 %, die Autarkie von 4,9 auf 18,1 %. Mehr geht nicht, weil es an vielen Herbsttagen mittags schlicht zu warm ist.

Nachteil der Mittagslüftung: Die Außenluft ist mittags wärmer als nachts, auch wenn sie die 2-°C-Regel noch erfüllt. Der Stapel kühlt je Lüfterstunde weniger ab, die Lüfter laufen länger oder der Zielwert wird später erreicht. Unser Modell bildet das nicht ab; es zählt nur Stunden. Stelle die Regelung nicht ohne Rücksprache mit dem Lagerberater um.

Kühllager bis in den Sommer: hier passt die Solaranlage

Anders sieht es aus, wenn eine Kälteanlage das Lager bis in den Frühsommer hält. Unser zweites Modell lagert vom 1. Oktober bis zum 30. Juni. Die Lüfter kühlen mit Außenluft, solange es geht; die übrige Energie übernimmt der Verdichter.

Die Jahressumme setzen wir auf 61,5 kWh je Tonne, den Median der Frischmarkt-Lager im AHDB-Bericht, also 61.500 kWh. Davon verteilen wir 30 % gleichmäßig über die Lagerzeit und 70 % nach dem Wärmeeintrag, der mit der Außentemperatur über 2,5 °C steigt.

Kühllager, 61.500 kWh10 kWp30 kWp50 kWp100 kWp
Kälteanlage nach Wärmeeintrag62,3 %47,9 %35,4 %21,2 %
Hälfte der Kälte in 10 bis 17 Uhr verschoben64,0 %54,4 %45,0 %28,8 %
Standardprofil G3, gleiche Jahressumme99,2 %60,7 %42,0 %24,2 %
Standardprofil L0, gleiche Jahressumme98,2 %59,4 %41,6 %24,2 %

Bei 30 kWp nutzt das Kühllager 47,9 % des Solarstroms selbst. Von April bis Juni fallen 48,9 % seines Stroms an, in denselben Monaten 36,4 % des Solarertrags. Legt die Steuerung die Hälfte der täglichen Kälteleistung zwischen 10 und 17 Uhr, steigt der Wert auf 54,4 %. Der Anteil des Lagerstroms zwischen 10 und 17 Uhr wächst dabei von 30,9 auf 57,8 %. Das setzt voraus, dass der Stapel die Kälte einige Stunden hält und die Anlage dafür ausgelegt ist; das haben wir nicht belegt, sondern angenommen.

Das Standardprofil G3, das M-24 für Kühlhäuser vorsieht, liefert bei 30 kWp 60,7 %, L0 59,4 %. Beide liegen über unserem Modell, weil sie auch im Juli, August und September Strom ansetzen, aber nicht um ein Vielfaches wie beim Außenluftlager.

Balkendiagramm: Selbst genutzter Solarstrom bei 30 kWp. Kühllager mit verschobener Kälte 54,4 Prozent, Kühllager 47,9, Standardprofil L0 12,9, Außenluftlager in sonnigen Stunden 4,8, in den kältesten Stunden 1,3 Prozent.
Das Kühllager nutzt ein Vielfaches des Solarstroms selbst. · Foto: Eigene Grafik

Praxisbeispiel: Gemüselager mit 404 kWp

Einen Betrieb mit Kartoffel- und Zwiebellager beschreibt agrarheute am 3. Juni 2024. Familie Kröger in Hammel baute 2021 eine neue Lagerhalle mit sieben Abteilen, im selben Jahr eine Eigenverbrauchsanlage mit 404 kWp und einen Speicher mit 200 kWh, der Ende Januar 2024 auf 400 kWh erweitert wurde.

Der Betrieb brauchte im Vorjahr mehr als 600.000 kWh; einen Großteil davon verbraucht laut Artikel die Kühlanlage für das Gemüse in den Sommermonaten.

Die neue Anlage erzeugte fast 400.000 kWh, davon wurden etwas mehr als 300.000 kWh selbst verbraucht, rechnerisch rund drei Viertel. Die Kartoffeln werden auf rund 6 °C gekühlt. Nach der Einlagerung laufen die Ventilatoren eine Woche lang durchgehend, danach alle 4 Stunden für 30 Minuten. Das Beispiel stützt die Richtung unseres Kühllager-Modells, taugt aber nicht als Gegenprobe: Zum Betrieb gehören auch eine Biogasanlage, ein Elektroauto und drei ältere Anlagen mit Volleinspeisung.

Einheit prüfen: Der Artikel schreibt, die Kühlung verbrauche „mindestens 40 kWh“, nach der Einlagerung bis zu 100 kWh. Gemeint ist nach dem Zusammenhang eine Leistung in kW, denn die Angabe steht bei den Spitzenlasten. Eine Zeiteinheit nennt der Text nicht. Übernimm die Zahl deshalb nicht in eine eigene Rechnung.

Batteriespeicher im Kartoffellager

Weil die Lüfter im Außenluftlager nachts laufen, kann ein Speicher den Tagesstrom in die Nacht tragen. Wir haben ohne Lade- und Entladeverluste gerechnet. Prüfe im Datenblatt den Systemwirkungsgrad von Speicher und Wechselrichter und ziehe die Verluste von den Werten ab.

Lager, AnlageSpeicherselbst genutztAutarkievolle Ladezyklen
Außenluftlager, 30 kWpohne1,3 %4,9 %0
Außenluftlager, 30 kWp20 kWh10,7 %40,5 %159
Außenluftlager, 30 kWp40 kWh15,1 %57,3 %117
Kühllager, 30 kWp20 kWh56,7 %31,2 %150
Kühllager, 50 kWp50 kWh51,0 %46,8 %176

Im Außenluftlager hebt ein Speicher mit 20 kWh die Autarkie von 4,9 auf 40,5 %. Er kommt dabei nur auf 159 volle Zyklen, weil das Lager von Mai bis September gar nichts abnimmt. Der Eigenverbrauch der Anlage bleibt mit 10,7 % niedrig. Wie du die Speichergröße aus dem eigenen Lastgang ableitest, zeigt der Ratgeber zur Speichergröße.

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So planst du die Solaranlage für das Kartoffellager

1 Schritt für Schritt
  1. Lagerverfahren festhalten: reine Außenluft, Außenluft plus Kälte oder reine Kälte, und bis zu welchem Monat gelagert wird.
  2. Lastgang anfordern: Viertelstundenwerte der letzten zwölf Monate beim Messstellenbetreiber, mit einem ganzen Lagerzyklus darin.
  3. Lager getrennt messen: Der AHDB-Leitfaden empfiehlt einen eigenen Zähler je Lager, weil die Werte um bis zu 300 Prozent streuen. Notiere den Zählerstand am Tag der Einlagerung und am Tag der Auslagerung und teile die Differenz durch die Tonnen.
  4. Undichtigkeiten und Lüfter prüfen: Türen, Lamellen und Drehzahlregelung vor der Auslegung ansehen.
  5. Andere Verbraucher dazunehmen: Sortierung, Waschanlage, Förderbänder, Hofladen oder Stall gehören mit in die Rechnung, wenn sie am selben Zähler hängen.
  6. Dach und Steuer klären: Tragfähigkeit der Halle und die Umsatzsteuer des Landwirts gesondert prüfen.

Ob der Solarstrom unter die Durchschnittssatzbesteuerung fällt, klärt der Ratgeber zur Umsatzsteuer für Landwirte; ob sich Eigenverbrauch oder Volleinspeisung mehr lohnt, der Vergleich Eigenverbrauch gegen Volleinspeisung. Weitere Lastgänge aus der Landwirtschaft zeigen die Ratgeber zur Heutrocknung und zur Feldberegnung. Anlaufspitzen großer Lüfter und Verdichter behandelt der Ratgeber zur Lastspitzenkappung.

Erst die Halle, dann das Lager: Liegt die Hofstelle mit Sortierung, Werkstatt und Wohnhaus am selben Zähler, rechne die Anlage auf diesen gemeinsamen Lastgang. Das Außenluftlager allein trägt bei unserem Modell von 30 kWp nur 440 kWh im Jahr ab.

Checkliste für Kartoffelbauern

Vor der Anfrage klären
  • Wie viele Tonnen lagerst du ein, und bis wann wird ausgelagert?
  • Kühlst du nur mit Außenluft, oder hat das Lager eine Kälteanlage?
  • Welche Leistung haben Ventilatoren und Verdichter laut Typenschild?
  • Sind die Lüfter drehzahlgeregelt?
  • Wie viele kWh stehen auf den Rechnungen der letzten zwölf Monate, und welcher Anteil entfällt auf das Lager?
  • Welche anderen Verbraucher hängen am selben Zähler?

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Eine deutsche Messreihe zum Stromverbrauch je Tonne Kartoffeln haben wir nicht gefunden; die Kennzahlen stammen aus britischen Lagern der Saisons 2007 bis 2012 mit anderem Klima und anderer Technik. Die Lüfterleistung von 15 kW je 1.000 t stammt aus einem DDR-Fachartikel von 1981 und dürfte heute mit drehzahlgeregelten Ventilatoren anders ausfallen. Die Schwäche unseres Modells: Es kennt keine Stapeltemperatur, nur einen Sollwert, und keine Luftfeuchte.

Beim Kühllager sind die Aufteilung auf gleichmäßigen und temperaturabhängigen Verbrauch sowie die Verschiebung in die Mittagszeit gesetzt. In R439 lassen sich die Tabellenspalten zur Ausstattung der einzelnen Lager mit Außenluft und Kälte aus dem PDF nicht zuverlässig lesen; wir haben sie deshalb nicht verwendet. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 14.09.2026.

Häufige Fragen zu PV im Kartoffellager

Wie viel Strom braucht ein Kartoffellager je Tonne? +
In britischen Messungen des AHDB 16,5 bis 88,1 kWh je Tonne und Saison für Verarbeitungsware (Median 24,1) und 25,9 bis 134,6 kWh für gekühlte Frischmarkt-Ware (Median 61,5).
Wann laufen die Lüfter im Außenluftlager? +
Wenn die Außenluft 2 bis 3 °C kälter ist als der Stapel, laut top agrar meist nachts. Im Modell liegen nur 4,5 % der Lüfterstunden zwischen 10 und 17 Uhr.
Wie viel Solarstrom nutzt ein Außenluftlager selbst? +
Im Modell mit 1.000 t und 30 kWp 1,3 %, mit Lüftern in den sonnigsten zulässigen Stunden 4,8 %.
Lohnt sich PV für ein Kühllager? +
Eher, wenn bis in den Sommer gelagert wird. Unser Kühllager mit 61.500 kWh bis Ende Juni nutzt bei 30 kWp 47,9 % des Solarstroms selbst.
Welches Lastprofil hat ein Kartoffellager? +
M-24 ordnet Gemüseanbau L0 oder L2 zu, Kühl- und Lagerhäuser G3. Für ein reines Außenluftlager passt keines, weil es im Sommer keinen Strom braucht.
Bringt ein Batteriespeicher im Außenluftlager etwas? +
Er verschiebt Tagesstrom in die Nacht: Mit 20 kWh an 30 kWp steigt die Autarkie im Modell von 4,9 auf 40,5 %, bei nur 159 vollen Zyklen im Jahr.
Wie viel Luft braucht ein Kartoffellager? +
Der AHDB-Leitfaden nennt für Schütt- und Kistenlager 0,02 m³ je Sekunde und Tonne, bei neueren Schüttlagern bis 0,04 m³/s/t.
Stimmt die Zahl von 70 bis 80 kWh je Tonne für Kartoffeln? +
Nach unserer Prüfung nicht: Sie gehört zu CA-Lagern für Obst. Kälte Klima Aktuell nennt für die CA-Lagerung von Äpfeln 80 bis 100 kWh je Tonne und Saison.