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Obstlager mit PV-Anlage: CA-Lager, Kühlung im Winter und Eigenverbrauch

Äpfel lagern im Winter, die Sonne scheint im Sommer. Verbrauchswerte des BZL, Laufzeiten aus dem Projekt COOL und ein Lager mit 100 Tonnen im Alten Land und am Bodensee gegen PVGIS gerechnet.

⏱️ 10 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 13. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
  1. 1.Wie viel Strom ein Obstlager braucht
  2. 2.Wie viel Obst eingelagert wird
  3. 3.Die Lagersaison liegt im ertragsarmen Halbjahr
  4. 4.Wann die Ventilatoren laufen: Abkühlphase und Lagerphase
  5. 5.Nachgerechnet: 100 Tonnen im Alten Land und am Bodensee
  6. 6.Was im Sommer mit dem Solarstrom passiert
  7. 7.Kälte statt Batterie: das Obst als Speicher
  8. 8.So planst du die Solaranlage für das Obstlager
  9. 9.Checkliste für Obstbaubetriebe
  10. 10.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  11. 11.Häufige Fragen zu PV im Obstlager

Ein Obstlager braucht seinen Strom, wenn die Solaranlage wenig liefert. Die Äpfel kommen im September und Oktober ins Kühllager und bleiben dort oft bis ins Frühjahr. Kälteanlage und Ventilatoren laufen also vor allem im Winter. Im Sommer, wenn die Anlage am meisten erzeugt, steht das Lager oft leer.

Dieser Ratgeber stellt die Verbrauchswerte für CA-Lager zusammen, legt die Lagersaison über PVGIS-Stundenreihen für das Alte Land und den Bodensee und zeigt, wie viel sich gewinnen lässt, wenn Kühlung und Ventilatoren in der Lagerphase tagsüber statt rund um die Uhr laufen.

Kurz gesagt: Ein CA-Lager braucht im Schnitt 70 bis 80 kWh Strom je Tonne und Saison. Auf die Lagersaison vom 15.09. bis 30.04. entfallen im Alten Land nur 46,5 % des Solarertrags. Bei 100 Tonnen und 10 kWp deckt die Anlage dort 25,7 % des Lagerstroms. Laufen Kühlung und Ventilatoren in der Lagerphase zwischen 10 und 17 Uhr, sind es 39,5 %.

Wie viel Strom ein Obstlager braucht

Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nennt auf landwirtschaft.de (Stand: 11.06.2025) für CA-Lager im Schnitt 70 bis 80 kWh Strom je Tonne eingelagertem Erntegut und Saison. Ein Betrieb mit 50 Tonnen kommt damit auf den Jahresstrom eines Vier-Personen-Haushalts im Einfamilienhaus. Etwa 40 % des Stroms gehen in die Umwälzung der Luft durch die Ventilatoren.

CA steht für Controlled Atmosphere. Im gasdichten Raum wird neben Temperatur und Feuchte auch die Luftzusammensetzung geregelt. Der Lagerbauer Plattenhardt + Wirth nennt dafür als typische Werte:

Größetypischer Wert im CA-Lager
Temperatur−1 bis 6 °C, je nach Frucht und Sorte
relative Luftfeuchte90 bis 95 %
Sauerstoffmeist 2 bis 3 %
Kohlendioxid2 bis 5 %, je nach Frucht und Sorte
Lagerdauer Äpfel1 bis 10 Monate

ULO-Lager senken den Sauerstoff noch weiter, DCA-Lager regeln ihn dynamisch nach dem Zustand der Früchte. Den Sauerstoff senkt man erst, wenn die Früchte ihre Endtemperatur erreicht haben. Laut BZL bleiben einzelne Kulturen so bis zu zehn Monate frisch.

Wie viel Obst eingelagert wird

Das Statistische Bundesamt meldete im Dezember 2025 eine Apfelernte von rund 1.138.000 Tonnen. Niedersachsen mit dem Alten Land kam auf 374.000 Tonnen, Hamburg auf 65.400 Tonnen. 75,5 % der Ernte, 859.000 Tonnen, waren für den Verkauf als Tafelobst vorgesehen, das ist der Teil, der gelagert wird. 23,7 % gingen in die Verwertung, etwa zu Saft.

Für 2026 erwartet das Statistische Bundesamt nach der Schätzung vom Juli 2026 rund 934.000 Tonnen, 5,4 % unter dem Zehnjahresschnitt. Baden-Württemberg und Niedersachsen tragen zusammen 66,6 % der Menge. Das Lager arbeitet also in Jahren mit sehr unterschiedlicher Füllung, und sein Stromverbrauch schwankt mit.

Balkendiagramm: Auf die Lagersaison vom 15.09. bis 30.04. entfallen in Jork 46,5 und in Bavendorf 51,8 Prozent des Solarertrags, auf November bis Februar 11,2 und 19,0 Prozent.
Im Norden liefern die Wintermonate besonders wenig. · Foto: Eigene Grafik

Die Lagersaison liegt im ertragsarmen Halbjahr

Für die Rechnung haben wir PVGIS 5.3 für zwei Obstregionen genutzt: Jork im Alten Land und Bavendorf am Bodensee, beide Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020. Jork kam auf 1.022,4 kWh je kWp, Bavendorf auf 1.219,9 kWh. Als Lagersaison setzen wir den 15.09. bis 30.04. an. Das ist eine Annahme; viele Betriebe lagern kürzer, manche länger.

ZeitraumJork, Anteil am SolarertragBavendorf, Anteil am Solarertrag
Lagersaison 15.09. bis 30.04.46,5 %51,8 %
November bis Februar11,2 %19,0 %
leeres Lager, 01.05. bis 14.09.53,5 %48,2 %

Die vier Wintermonate bringen im Alten Land nur 11,2 % des Ertrags, im Dezember 2020 waren es 18,4 kWh je kWp. Am Bodensee lag der Dezember bei 36,4 kWh, doppelt so hoch. Der Norden hat es mit dem Lagerstrom also schwerer. Mehr als die Hälfte des Jahresertrags fällt in die Monate, in denen das Apfellager leer steht.

Typischer Fehler: den Jahresverbrauch mit dem Jahresertrag vergleichen. Wer 7.500 kWh Lagerstrom gegen 7.500 kWh Solarertrag rechnet, glaubt an volle Deckung. In der Praxis liegt mehr als die Hälfte des Ertrags in einer Zeit, in der das Lager nichts verbraucht.

Wann die Ventilatoren laufen: Abkühlphase und Lagerphase

Das Fachmagazin KKA berichtete am 28.04.2020 über das Verbundprojekt COOL, an dem das Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee beteiligt war. Während der Abkühlphase laufen die Ventilatoren durchgehend. In der späteren Lagerphase ist ihr Betrieb auf etwa sechs bis acht Stunden am Tag reduziert, gekoppelt an die Kälteanlage.

Diese sechs bis acht Stunden sind der Ansatzpunkt für die Solaranlage. Wann sie am Tag liegen, bestimmt die Regelung. Wer sie in die Mittagsstunden legt, verbraucht den Strom dann, wenn die Anlage liefert. Ob das mit der Temperaturführung des Lagers vereinbar ist, muss der Kältetechniker für jeden Raum prüfen.

Das Projekt fand auch Einsparpotenzial bei den Ventilatoren. In zwei Jahren CA-Lagerversuchen am KOB brauchten die Ventilatoren mit 50 % Drehzahl in der Lagerphase 40 % weniger Energie als im üblichen Betrieb. In den Kisten erreichte die Luft nur etwa ein Zehntel der Geschwindigkeit in den Spalten dazwischen. Eine Kiste mit 20 statt 7 % Öffnungsfläche verdoppelte die mittlere Luftgeschwindigkeit darin.

Balkendiagramm Jork: Anteil des Lagerstroms aus der Solaranlage bei 100 Tonnen, gleichmäßig gegen 10 bis 17 Uhr: 5 kWp 20,4 zu 25,8, 10 kWp 25,7 zu 39,5, 20 kWp 30,4 zu 50,2 Prozent.
Die Uhrzeit der Kühlung wirkt stärker als die Anlagengröße. · Foto: Eigene Grafik
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Nachgerechnet: 100 Tonnen im Alten Land und am Bodensee

Das Beispiellager fasst 100 Tonnen. Mit 75 kWh je Tonne, der Mitte der BZL-Spanne, braucht es 7.500 kWh je Saison. Ein Viertel davon setzen wir in die Abkühlphase vom 15.09. bis 31.10., gleichmäßig rund um die Uhr. Den Rest verteilen wir auf die Lagerphase bis 30.04., einmal gleichmäßig über 24 Stunden und einmal nur auf die sieben Stunden von 10 bis 17 Uhr. Beides sind Annahmen.

AnlageJork, Autarkie gleichmäßigJork, Autarkie 10 bis 17 UhrBavendorf, Autarkie gleichmäßigBavendorf, Autarkie 10 bis 17 Uhr
5 kWp20,4 %25,8 %25,3 %34,6 %
10 kWp25,7 %39,5 %30,8 %52,1 %
20 kWp30,4 %50,2 %35,1 %63,1 %

Mit gleichmäßigem Lauf deckt selbst eine 20-kWp-Anlage nur 30,4 % des Lagerstroms im Alten Land. Die Verschiebung in die Mittagsstunden hebt denselben Wert auf 50,2 %, am Bodensee von 35,1 auf 63,1 %. Die Anlagengröße wirkt dagegen schwach: Von 10 auf 20 kWp gewinnt das gleichmäßig betriebene Lager im Alten Land 4,7 Prozentpunkte.

Die Eigenverbrauchsquote bleibt niedrig, weil der Sommerertrag ins Netz geht. Bei 10 kWp nutzt das Lager in Jork 18,8 % des Solarstroms selbst, mit Verschiebung 29,0 %. Bei 300 Tonnen und 20 kWp steigt die Autarkie mit Verschiebung von 22,7 auf 32,1 %. Die Abkühlphase im Herbst ändert wenig: Ohne sie lag der Eigenverbrauch bei 10 kWp in Jork bei 18,7 statt 18,8 %.

Balkendiagramm Bavendorf: Anteil des Lagerstroms aus der Solaranlage bei 100 Tonnen, gleichmäßig gegen 10 bis 17 Uhr: 5 kWp 25,3 zu 34,6, 10 kWp 30,8 zu 52,1, 20 kWp 35,1 zu 63,1 Prozent.
Am Bodensee deckt die verschobene Kühlung mit 10 kWp gut die Hälfte. · Foto: Eigene Grafik
Laufzeiten ablesen: Lies im Display der Lagersteuerung ab, zu welchen Uhrzeiten Kälteanlage und Ventilatoren im Januar laufen. Liegen die Laufzeiten nachts, prüfe mit dem Kältetechniker, ob sie sich in die Mittagsstunden verlegen lassen.

Was im Sommer mit dem Solarstrom passiert

Zwischen Mai und Mitte September erzeugt die Anlage im Alten Land 53,5 % ihres Jahresertrags. Ohne Abnehmer auf dem Hof geht dieser Strom ins Netz. Mögliche Abnehmer sind Sortierung und Verpackung, ein Hofladen mit Kühltheke, Bewässerungspumpen oder die Vorkühlung von Kirschen und Beeren. Welche davon ein Betrieb hat, entscheidet über die sinnvolle Anlagengröße mehr als das Lager selbst.

Ein Nachteil der großen Dachfläche eines Lagerhauses: Sie verführt dazu, sie ganz zu belegen. Das kann sich über die Einspeisung rechnen, aber nicht über den Eigenverbrauch. Wie ein Kühlbetrieb mit ganzjähriger Last aussieht, zeigt der Ratgeber zur Fleischerei mit PV. Ähnlich wie das Obstlager hat das Weingut seine Kühllast im ertragsarmen Herbst.

Vorsicht bei Batteriespeichern im Obstlager: Ein Speicher lädt im Winter kaum voll, weil die Anlage wenig überschüssigen Strom liefert, und im Sommer gibt es keinen Verbrauch, in den er entladen könnte. Prüfe vor dem Kauf die Ladezyklen für beide Jahreshälften getrennt. Die Methode steht im Ratgeber Speichergröße berechnen.
Sommerverbrauch zuerst zählen: Notiere den Zählerstand am 1. Mai und am 15. September. Was in dieser Zeit verbraucht wird, bestimmt, wie viel Solarstrom der Hof im Sommer selbst nutzen kann.

Kälte statt Batterie: das Obst als Speicher

In der Brauerei in Zwiesel kühlt die Anlage bei Solarüberschuss die Lagerkeller tiefer und nutzt das Bier als Kältespeicher. Beim Obst ist der Spielraum klein, weil Temperatur, Sauerstoff und Kohlendioxid eng geführt werden und Schwankungen die Lagerfähigkeit kosten können. Veröffentlichte Versuche zur solargeführten Kühlung von CA-Lagern haben wir nicht gefunden. Die Verschiebung der Laufzeiten innerhalb des Tages ist deshalb der realistischere Hebel.

Wer im Obstbau zusätzlich über Agri-PV über den Anlagen nachdenkt, sollte die Folgen für die Förderung der Fläche kennen; sie stehen im Ratgeber zu Agri-PV und Direktzahlungen. Für Betriebe, die die Umsatzsteuer nach Durchschnittssätzen versteuern, gilt der Ratgeber zum pauschalierenden Landwirt.

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So planst du die Solaranlage für das Obstlager

1 Schritt für Schritt
  1. Verbrauch je Tonne bilden: Lagerstrom der letzten Saison durch die eingelagerten Tonnen teilen und mit 70 bis 80 kWh vergleichen.
  2. Monate trennen: Zählerstände am 15. September, 1. November und 30. April notieren.
  3. Ventilatoren prüfen: Drehzahl in der Lagerphase und Laufzeiten mit dem Kältetechniker durchgehen.
  4. Sommerabnehmer zählen: Sortierung, Hofladen, Pumpen, Vorkühlung.
  5. Größe wählen: Nach Lagerstrom plus Sommerverbrauch, nicht nach der Dachfläche.

Checkliste für Obstbaubetriebe

Vor der Anfrage klären
  • Wie viele Tonnen lagert der Betrieb im Jahr ein, und wie lange?
  • CA, ULO oder DCA, und wie viele Räume?
  • Wie viel Strom steht auf der Rechnung für die Monate September bis April?
  • Zu welchen Uhrzeiten laufen Kälteanlage und Ventilatoren in der Lagerphase?
  • Welche Stromverbraucher gibt es von Mai bis September?
  • Trägt das Dach des Lagerhauses die Module?

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Einen gemessenen Lastgang eines Obstlagers über eine ganze Saison haben wir nicht gefunden. Die Aufteilung in 25 % Abkühlphase und 75 % Lagerphase ist eine Annahme, ebenso die Lagersaison vom 15.09. bis 30.04. Die sieben Stunden von 10 bis 17 Uhr sind ein Rechenbeispiel innerhalb der sechs bis acht Stunden, die das Projekt COOL nennt; ob ein Lager so geregelt werden kann, hängt von der Kälteleistung ab. Ein Standardlastprofil für Obstlager gibt es nicht. Eine Quelle, die 80 bis 100 kWh je Tonne nennt, konnten wir im Volltext nicht bestätigen und haben sie nicht verwendet. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 13.09.2026.

Häufige Fragen zu PV im Obstlager

Wie viel Strom braucht ein CA-Lager je Tonne? +
Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft im Schnitt 70 bis 80 kWh je Tonne und Saison. Etwa 40 % davon entfallen auf die Ventilatoren.
Passt eine Solaranlage zum Obstlager? +
Nur zum Teil. Die Lagersaison vom 15.09. bis 30.04. bekommt im Alten Land 46,5 % und am Bodensee 51,8 % des Solarertrags. Mehr als die Hälfte fällt in die Zeit mit leerem Lager.
Wie viel Lagerstrom deckt eine 10-kWp-Anlage? +
Bei 100 Tonnen in unserer Rechnung 25,7 % im Alten Land und 30,8 % am Bodensee, wenn Kühlung und Ventilatoren gleichmäßig laufen. Mit Laufzeiten von 10 bis 17 Uhr in der Lagerphase sind es 39,5 und 52,1 %.
Wie lange laufen die Ventilatoren im Kühllager? +
In der Abkühlphase durchgehend, in der späteren Lagerphase etwa sechs bis acht Stunden am Tag, gekoppelt an die Kälteanlage.
Was bringt eine geringere Ventilatordrehzahl? +
In zwei Jahren Versuchen am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee brauchten die Ventilatoren mit 50 % Drehzahl in der Lagerphase 40 % weniger Energie als im üblichen Betrieb.
Lohnt sich ein Batteriespeicher im Obstlager? +
Selten. Im Winter fehlt der Überschuss zum Laden, im Sommer der Verbrauch zum Entladen. Die Verschiebung der Laufzeiten bringt in unserer Rechnung mehr.
Welche Temperatur und welcher Sauerstoffgehalt gelten im CA-Lager? +
Typisch sind −1 bis 6 °C, 90 bis 95 % Luftfeuchte, meist 2 bis 3 % Sauerstoff und 2 bis 5 % Kohlendioxid, je nach Frucht und Sorte.
Wie viele Äpfel werden in Deutschland geerntet? +
2025 rund 1.138.000 Tonnen, davon 859.000 Tonnen Tafelobst. Für 2026 erwartet das Statistische Bundesamt rund 934.000 Tonnen.