Hähnchenmast mit PV-Anlage: Lüftung, Lichtprogramm und Eigenverbrauch
Durchgänge, Serviceperiode, Lichtprogramm: Stromzahlen aus Praxis und Referenzstall, die Vorgaben der TierSchNutztV und ein Stall mit 30.000 Tieren gegen L2 und PVGIS mit Außentemperatur gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 12 Abschnitte
- 1.Wie viel Strom die Hähnchenmast braucht
- 2.Durchgänge und Serviceperiode: der Takt des Stalls
- 3.Licht und Lüftung: was die Verordnung vorgibt
- 4.Welches Lastprofil gilt: L2 für die Geflügelmast
- 5.Nachgerechnet: ein Stall mit 30.000 Tieren
- 6.Spielt es eine Rolle, wann die Durchgänge liegen?
- 7.Batteriespeicher: die Nachtlast ist da
- 8.Was sich vor der Solaranlage lohnt
- 9.So planst du die Solaranlage für den Hähnchenstall
- 10.Checkliste für Hähnchenmäster
- 11.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 12.Häufige Fragen zu PV in der Hähnchenmast
Ein Hähnchenmaststall läuft in Durchgängen: Küken einstallen, fünf bis sechs Wochen mästen, ausstallen, reinigen, neu einstallen. Der Strombedarf folgt diesem Takt. In der ersten Woche brennt das Licht rund um die Uhr, in der Endmast an einem heißen Tag ziehen die Ventilatoren ein Vielfaches, und während der Serviceperiode steht der Stall leer.
Dieser Ratgeber sammelt die veröffentlichten Zahlen zum Strom in der Hähnchenmast, erklärt die Vorgaben zu Licht und Lüftung aus der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und rechnet einen Stall mit 30.000 Tieren gegen eine stündliche PVGIS-Reihe mit Außentemperatur durch.
Wie viel Strom die Hähnchenmast braucht
Den größten Teil der Energie im Hähnchenstall braucht die Heizung, meist mit Gas. In einem simulierten Referenzstall mit 1.700 m² im nördlichen Baden-Württemberg, über den top agrar am 5. März 2026 berichtet, lag der gesamte Energieverbrauch bei rund 29.000 kWh je Durchgang. Davon entfielen 22.400 kWh oder 77,3 % auf das Heizen und 4.100 kWh oder 14,1 % auf die Lüftung. Danach folgten Beleuchtung, Ausmisten und Verladen sowie die Futterförderung.
Einen gemessenen Stromwert nennt gefluegelnews am 31. Juli 2023 für den Betrieb von Peter Vollmers bei Stade: vier Ställe für jeweils 30.000 Tiere, 39 Tage Mast mit Vorgreifen am 34. Tag. Im Mittel der letzten acht Durchgänge verbrauchte ein Stall 3.944 kWh Strom, bei 30 Cent je kWh rund 4 Cent je Tier. Geheizt wird mit Gaskanonen und Abwärme aus einem Blockheizkraftwerk.
Die beiden Zahlen passen nicht zusammen: Im Referenzstall braucht allein die Lüftung mehr Strom als der gesamte Praxisstall. Das zeigt, wie stark Stallgröße, Lüftungstechnik und Heizsystem den Stromverbrauch verschieben. Nach dem DLG-Merkblatt 406 (5. Auflage, Stand 6/2024) erhöhen Gaskanonen den Lüftungsbedarf, weil ihre Abgase in den Stall gelangen.
Durchgänge und Serviceperiode: der Takt des Stalls
Das DLG-Merkblatt nennt für die Leichtmast 29 Masttage und 10,1 Durchgänge im Jahr, für die Mittelmast 34 Tage und 8,9 Durchgänge, für die Schwermast 42 Tage und 7,4 Durchgänge, jeweils mit 7 Tagen Serviceperiode. Nach der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Stand 6. Juni 2013) wird mit rund 1.900 g vorgegriffen und mit 2.300 bis 2.700 g ausgestallt.
Nach jeder Räumung ist der Stall laut § 19 TierSchNutztV zu reinigen und zu desinfizieren, die Einstreu wird vollständig entfernt. In unserem Modell mit 39 plus 7 Tagen steht der Stall damit an 54 Tagen im Jahr leer. In diese Tage fallen 15,2 % des Solarertrags, und dieser Strom geht bis auf den Hofverbrauch ins Netz.
Licht und Lüftung: was die Verordnung vorgibt
Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verlangt in § 19 während der Lichtstunden mindestens 20 Lux auf mindestens 80 % der Nutzfläche und einfallendes Tageslicht. Spätestens ab dem 7. Tag nach der Einstallung bis 3 Tage vor der Schlachtung muss ein 24-stündiges Lichtprogramm laufen, das sich am natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus orientiert und mindestens sechs Stunden ununterbrochene Dunkelheit gewährleistet.
Für die Lüftung schreibt § 18 TierSchNutztV vor, dass Hitzestress vermieden wird, die Luft höchstens 20 cm³ Ammoniak und 3.000 cm³ Kohlendioxid je m³ enthält und die Stalltemperatur bei über 30 °C im Schatten höchstens 3 °C über der Außentemperatur liegt.
Das Merkblatt des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums zur Vermeidung von Hitzestress (Stand 21. Juni 2019) nennt als Sommer-Mindestluftrate für geschlossene, zwangsbelüftete Ställe 4,5 m³ je kg Lebendgewicht und Stunde, bei 1,5 kg schweren Tieren also 6,75 m³ je Tier. Kritisch wird es ab einer Enthalpie der Außenluft von 67 kJ je kg, etwa schon bei 25 °C und 80 % Luftfeuchte.
Welches Lastprofil gilt: L2 für die Geflügelmast
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 führt „Geflügelzucht, -Mästerei“ unter L1 oder L2 mit dem Hinweis, L1 gelte bei Milchvieh und L2 bei anderer Tierhaltung. Für einen Hähnchenmaststall gilt also L2. Das Profil kennt Winter, Sommer und Übergangszeit, aber keine Durchgänge und keine Serviceperiode.
Wir haben L2 aus der Profildatei des BDEW auf dieselbe Jahresmenge skaliert. Zwischen 20 und 6 Uhr fallen dort 30,2 % des Verbrauchs an, in unserem Stallmodell 35,1 %, weil Lüftung und Licht auch nachts laufen.
Nachgerechnet: ein Stall mit 30.000 Tieren
Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Dieselbe Reihe liefert die stündliche Lufttemperatur.
Unsere Annahmen: 3.944 kWh je Durchgang, 39 Masttage, 7 Tage Serviceperiode, also 8,0 Durchgänge und 31.381 kWh im Jahr. Die Aufteilung des Stroms ist nicht veröffentlicht; wir setzen 60 % Lüftung, 15 % Licht, 10 % Fütterung, 10 % Hilfsstrom der Heizung und 5 % Sonstiges an.
Die Lüftung folgt dem Lebendgewicht, das bis zum Endgewicht von 2,5 kg steigt, und der Außentemperatur: 10 % der Sommerluftrate bei 5 °C und darunter, 100 % bei 25 °C und darüber. Das Licht läuft in der ersten Woche und in den letzten drei Tagen durchgehend, sonst mit Dunkelheit von 23 bis 5 Uhr. Die Heizhilfsenergie ist in den ersten beiden Wochen höher.
In der Endmast bei 25 °C und mehr zieht der Stall so im Mittel 17,2 kW, in der ersten Woche bei unter 5 °C 3,1 kW, im Jahresmittel 3,6 kW. Die Last schwankt also um mehr als das 5,5-Fache.
| Stall, 31.381 kWh | 20 kWp | 40 kWp | 60 kWp |
|---|---|---|---|
| Standardprofil L2 | 50,9 % | 30,1 % | 21,6 % |
| Stallmodell, Lüftung nach Gewicht und Temperatur | 47,7 % | 29,6 % | 21,3 % |
| Stallmodell, Lüftung ohne Temperatur | 43,5 % | 26,1 % | 18,7 % |
Die Tabelle zeigt den selbst genutzten Anteil des Solarstroms. Anders als im Schweinestall liegt das Standardprofil L2 hier nah am Stallmodell: bei 40 kWp 30,1 gegen 29,6 %. Die Temperatur hebt den Eigenverbrauch gegenüber einer gleichmäßigen Lüftung um 3,5 Punkte, die Leerstandstage und die Nachtlast drücken ihn wieder.

Ihr persönlicher Solar-Berater –
kostenlos & unverbindlich
Schätzpreis im ~20-Min-Anruf · 3 verbindliche Angebote per Mail
- Kostenloses PV-Quiz (2 Min.)
- Bis zu 3 Festpreisangebote lokaler Fachbetriebe
- Kostenlos & unverbindlich
100 % kostenlos & unverbindlich · Nur geprüfte Partnerbetriebe
Spielt es eine Rolle, wann die Durchgänge liegen?
Man könnte erwarten, dass ein Betrieb mehr Solarstrom nutzt, wenn die Endmast in den Hochsommer fällt und die Serviceperiode in den Winter. Wir haben dafür alle 46 möglichen Lagen des Durchgangstakts im Jahr durchgerechnet.
| 40 kWp, alle 46 Lagen des Takts | selbst genutzt |
|---|---|
| ungünstigste Lage | 28,9 % |
| Mittel | 29,4 % |
| günstigste Lage | 29,8 % |
Die Spanne beträgt weniger als einen Prozentpunkt. Weil sich acht Durchgänge über das Jahr verteilen, trifft jede Lage mal eine Endmast im Juli und mal eine Serviceperiode im Juni. In der Praxis bestimmt ohnehin der Schlachthof den Termin, nicht die Solaranlage.
Batteriespeicher: die Nachtlast ist da
Weil Lüftung und Hilfsstrom auch nachts laufen, findet ein Speicher im Maststall fast jede Nacht Abnehmer, außer in der Serviceperiode. Wir haben ohne Lade- und Entladeverluste gerechnet.
| 40 kWp | Speicher | selbst genutzt | Autarkie | volle Ladezyklen |
|---|---|---|---|---|
| Stallmodell | ohne | 29,6 % | 42,5 % | 0 |
| Stallmodell | 20 kWh | 41,6 % | 59,8 % | 271 |
| Standardprofil L2 | 20 kWh | 43,6 % | 62,6 % | 303 |
Mit 20 kWh steigt die Autarkie im Stallmodell von 42,5 auf 59,8 % bei 271 vollen Zyklen. L2 verspricht 303 Zyklen, weil das Profil keine leeren Wochen kennt. Wie du die Größe aus dem eigenen Lastgang ableitest, zeigt der Ratgeber zur Speichergröße.
Was sich vor der Solaranlage lohnt
Im Referenzstall von top agrar schnitt ein Frequenzumrichter für die Drehzahlregelung aller Ventilatoren wirtschaftlich am besten ab, mit 0,38 Euro je eingespartem Kilogramm CO₂-Äquivalent. Danach folgten eine Photovoltaikanlage mit 40 kWp und Eigenstrom, die Optimierung des Abluftkamins und eine Gefriertruhe statt eines Kühlcontainers.
Die größte Verbesserung der CO₂-Bilanz brachte dort Wärme aus einer Biogasanlage mit knapp 9 %. Das deckt sich mit dem Betrieb Vollmers, der seine Ställe nach der ersten Mastwoche mit Abwärme eines Blockheizkraftwerks heizt. In der Praxis spart die Wärme mehr Geld als der Strom: 7 Cent Wärme- stehen dort 4 Cent Stromkosten je Tier gegenüber.

Ihr persönlicher Solar-Berater –
kostenlos & unverbindlich
Schätzpreis im ~20-Min-Anruf · 3 verbindliche Angebote per Mail
- Kostenloses PV-Quiz (2 Min.)
- Bis zu 3 Festpreisangebote lokaler Fachbetriebe
- Kostenlos & unverbindlich
100 % kostenlos & unverbindlich · Nur geprüfte Partnerbetriebe
So planst du die Solaranlage für den Hähnchenstall
- Verbrauch je Durchgang erfassen: Zählerstand bei Einstallung und Ausstallung, über mindestens einen Sommer.
- Lastgang anfordern: Viertelstundenwerte beim Messstellenbetreiber, mit Endmast an heißen Tagen.
- Lüftung prüfen: Regelung, Kamine und Zusatzlüfter, bevor die Anlagengröße feststeht.
- Leerstand einrechnen: Serviceperiode und Tage ohne Last in die Rechnung.
- Größe wählen: mit dem eigenen Lastgang, nicht mit L2 allein.
- Dach und Steuer klären: Module für Stalldächer und die Umsatzsteuer gesondert prüfen.
Welche Module Ammoniak im Stall aushalten, beschreibt der Ratgeber zu Ammoniak und Salznebel. Wie die Lüftung eines Schweinestalls zur Solaranlage passt, zeigt der Ratgeber zum Schweinestall.
Ob der Solarstrom unter die Durchschnittssatzbesteuerung fällt, klärt der Ratgeber zur Umsatzsteuer für Landwirte; ob Eigenverbrauch oder Volleinspeisung mehr bringt, der Vergleich Eigenverbrauch gegen Volleinspeisung.
Checkliste für Hähnchenmäster
- Wie viele kWh Strom braucht ein Durchgang, im Sommer und im Winter?
- Wie viele Masttage und wie viele Tage Serviceperiode hat der Takt?
- Wie wird geheizt: Gaskanonen, Warmwasser, Abwärme?
- Laufen die Ventilatoren mit Frequenzumrichter oder EC-Motor?
- Gibt es Zusatzlüfter für Hitzeperioden?
- Hängen mehrere Ställe und das Wohnhaus am selben Netzanschluss?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Eine veröffentlichte Aufteilung des Stroms in der Hähnchenmast nach Verbrauchern und einen Stunden-Lastgang haben wir nicht gefunden; top agrar nennt nur die Lüftung, und der Artikel ist in weiten Teilen nur mit Abonnement lesbar. Die Anteile von Lüftung, Licht und Heizhilfsstrom, der Gewichtsverlauf und die Temperaturgrenzen der Lüftung in unserem Modell sind Annahmen. Das Vorgreifen am 34. Tag haben wir nicht abgebildet.
Der Stromwert von 3.944 kWh stammt von einem einzelnen Betrieb, der Referenzstall ist eine Simulation. Beide liegen weit auseinander. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 14.09.2026.