Feldberegnung mit PV-Anlage: Elektropumpe, Beregnungszeiten und Eigenverbrauch
Kanone, Kreisregner, Elektropumpe: Strombedarf je Millimeter, Diesel gegen Strom, Beregnungsverbote am Mittag und ein Ackerbaubetrieb mit 30 ha Beregnung gegen L0 und PVGIS gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 12 Abschnitte
- 1.Wie viel Strom die Feldberegnung braucht
- 2.Diesel oder Strom: ein Praxisbeispiel aus Niederösterreich
- 3.Warum die Mittagsberegnung eingeschränkt wird
- 4.Welches Lastprofil gilt: L0 für Beregnungsanlagen
- 5.Nachgerechnet: 30 ha Beregnung mit Elektropumpe
- 6.Was die Beregnung am Eigenverbrauch des Hofes ändert
- 7.Wie viel Leistung eine Pumpe am Mittag braucht
- 8.Verfahren schlägt Uhrzeit: Kreisregner und Düsenwagen
- 9.So planst du die Solaranlage für die Beregnung
- 10.Checkliste für Beregnungsbetriebe
- 11.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 12.Häufige Fragen zu PV und Feldberegnung
Eine elektrische Beregnungspumpe zieht im Sommer über Tage hinweg Dauerleistung, und das in Wochen, in denen es kaum regnet und die Sonne lange scheint. Auf den ersten Blick ist das der ideale Verbraucher für eine Solaranlage. Ob der Solarstrom tatsächlich in der Pumpe landet, entscheidet aber die Uhrzeit, zu der beregnet werden darf und beregnet wird.
Dieser Ratgeber sammelt die veröffentlichten Kennzahlen zum Strombedarf der Feldberegnung aus Niedersachsen, Österreich und vom Thünen-Institut, erklärt, warum Behörden die Mittagsberegnung einschränken, und rechnet einen Ackerbaubetrieb mit 30 ha Beregnungsfläche gegen eine stündliche PVGIS-Reihe durch.
Wie viel Strom die Feldberegnung braucht
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt in einem Beitrag vom 5. Mai 2022 für die Beregnung mit Strom etwa 6 kWh je Millimeter. Bei 0,25 Euro je kWh kostet ein Millimeter dann variabel 2,17 Euro, bei 0,40 Euro je kWh über 3 Euro. Die Kreisberegnungsanlage braucht nur etwa 3 kWh je Millimeter auf den Hektar. Die Energiekosten machen laut Kammer etwa drei Viertel der variablen Beregnungskosten aus.
Der Grund ist der Druck. Mobile Beregnungsmaschinen mit Starkregner, der „Kanone“, brauchen am Eingang 7 bis 9 bar. Im Kapitel „Wirtschaftlichkeit der Feldbewässerung“ von Thomas de Witte (Thünen-Institut für Betriebswirtschaft) führt der hohe Druck zu 0,4 kWh je Kubikmeter verregnetem Wasser. Weil ein Millimeter auf einem Hektar 10 m³ sind, entspricht das 4 kWh je Millimeter und Hektar.
Kreisregner arbeiten mit 4 bar, der Energiebedarf der Wasserzuleitung sinkt um etwa 40 %, der Antrieb der Kreisregner braucht zusätzlich nur 50 kWh je Hektar im Jahr.
| Quelle | Verfahren | Strombedarf |
|---|---|---|
| LWK Niedersachsen, 2022 | Beregnung mit Strom (Kanone) | etwa 6 kWh je mm |
| LWK Niedersachsen, 2022 | Kreisberegnung | etwa 3 kWh je mm und ha |
| Thünen-Institut | mobile Maschine, 9 bar am Brunnen | 0,4 kWh je m³, also 4 kWh je mm und ha |
| Thünen-Institut | Antrieb Kreisregner | 50 kWh je ha und Jahr |
| LK Niederösterreich | Elektropumpe 70 m³/h | etwa 28 kW, also 4 kWh je mm und ha |
Diesel oder Strom: ein Praxisbeispiel aus Niederösterreich
Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich rechnet einen Betrieb mit rund 30 ha Beregnungsfläche und einem Brunnen mit 70 m³ je Stunde durch. Die Traktorpumpe mit 60 kW verbraucht etwa 7,9 Liter Diesel je Betriebsstunde; die variablen Kosten liegen bei etwa 3,15 Euro je Millimeter. Eine Elektropumpe mit gleicher Förderleistung nimmt etwa 28 kW auf und kostet bei 0,20 Euro je kWh netto 5,60 Euro Strom je Stunde. Mit Instandhaltung ergeben sich rund 1,57 Euro je Millimeter.
Dafür kostet die Elektrifizierung mehr: Brunnen, Elektrifizierung und E-Pumpenaggregat schlagen mit 47.000 Euro zu Buche, mit 40 % Förderung bleiben 29.200 Euro. Bei 100 mm im Jahr auf 30 ha kommt die Kammer auf 4,44 Euro je Millimeter mit Diesel, 3,74 Euro elektrisch ohne und 3,39 Euro mit Förderung. Mit Förderung gleichen sich die Kosten im Beispiel schon ab etwa 20 mm je Hektar im Jahr an.
Warum die Mittagsberegnung eingeschränkt wird
Nach der Erläuterung des Deutschen Wetterdienstes steigen die Verluste mit Wind und hoher Einstrahlung, und sie sind nachts sehr viel geringer als am Tag. Der DWD hat alle Stationen an Tagen mit mehr als 5 mm Verdunstung in den Jahren 2018 bis 2022 ausgewertet: Das Maximum liegt um 14 Uhr Sommerzeit mit knapp über 10 % der Tagesverdunstung. An Strahlungstagen kann die potenzielle Verdunstung über Gras 7 mm am Tag erreichen.
Mehrere untere Wasserbehörden schränken die Überkopfberegnung deshalb in den Mittags- und Nachmittagsstunden ein, teils von 12 bis 18 Uhr, unabhängig von Temperatur, Wind und Jahreszeit. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hält solche pauschalen Verbote in ihrem Grundsatzbeitrag vom 2. März 2022 für fachlich nicht gerechtfertigt: Der wichtigste Parameter sei der Wind, ein Grenzwert für die Windgeschwindigkeit hätte ausgereicht.
Ein Versuch von Kammer und DWD, über den die Bauernzeitung am 13. Mai 2026 berichtet, stützt das. Bei 24 bis 29 °C lagen die Verluste durch Verdunstung und feine Verwehung zwischen 4,2 und 21,0 %, im Mittel bei 11,3 %, ohne erkennbaren Zusammenhang mit der Temperatur. Über 7 m/s Wind wurde die Verteilung dagegen sehr ungleichmäßig; im Extremfall landeten 30 % des Wassers außerhalb der Beregnungsgasse.
Welches Lastprofil gilt: L0 für Beregnungsanlagen
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 führt die Beregnungsanlage unter L0, dem allgemeinen Landwirtschaftsprofil. Das Profil verteilt den Verbrauch über das ganze Jahr; eine Pumpe, die nur an wenigen Wochen im Sommer läuft, bildet es nicht ab. Für den Hof ohne Beregnung verwenden wir L0 aus der Profildatei des BDEW.
Die Menge stammt aus dem Fachartikel von Neser, Neiber und Bonkoss (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, 2012): Spezialisierte Ackerbaubetriebe verbrauchten nach den Stromrechnungen von 3.229 Betrieben im Schnitt 10.929 kWh im Jahr. Ein solcher Hof nutzt von einer 30-kWp-Anlage in unserer Rechnung nur 15,5 % selbst, von 10 kWp 38,1 %.
Nachgerechnet: 30 ha Beregnung mit Elektropumpe
Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit.
Unsere Annahmen folgen dem österreichischen Beispiel: 30 ha, Pumpe mit 28 kW und 70 m³ je Stunde, 100 mm im Jahr in vier Gängen zu je 25 mm. Ein Gang braucht damit 107,1 Pumpenstunden, das Jahr 12.000 kWh. Als Trockenphasen setzen wir in jedem Monat von Mai bis August den sonnigsten Zehn-Tage-Block des Wetterjahrs; die Gänge beginnen am 25. Mai, 22. Juni, 21. Juli und 3. August jeweils um 6 Uhr.
Die Pumpe hängt in der Rechnung am selben Netzanschluss wie die Solaranlage und der Hof.
| Beregnungszeiten | aus 10 kWp gedeckt | aus 30 kWp gedeckt | aus 60 kWp gedeckt | Beregnungstage im Jahr |
|---|---|---|---|---|
| rund um die Uhr | 5,8 % | 22,3 % | 38,8 % | 20 |
| Verbot von 12 bis 18 Uhr | 2,7 % | 11,3 % | 21,1 % | 28 |
| nur nachts, 20 bis 8 Uhr | 0,1 % | 1,2 % | 3,0 % | 40 |
| nur tagsüber, 8 bis 20 Uhr | 10,2 % | 38,7 % | 67,7 % | 36 |
„Gedeckt“ heißt: Anteil des Pumpenstroms aus der Anlage, nachdem der Hof versorgt ist. Das Verbot von 12 bis 18 Uhr halbiert den Solaranteil bei 30 kWp fast, weil von Mai bis August 53,9 % des Solarertrags genau in diesen sechs Stunden anfallen. Zwischen 20 und 8 Uhr sind es nur 4,2 %. Wer mit Verbot beregnet, braucht außerdem länger: 28 statt 20 Beregnungstage.

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Was die Beregnung am Eigenverbrauch des Hofes ändert
Die Pumpe hebt den selbst genutzten Anteil des Solarstroms, weil sie im Sommer zusätzliche Last bringt. Wie stark, hängt wieder an der Uhrzeit:
| Hof 10.929 kWh plus Beregnung | selbst genutzt, 30 kWp | Autarkie, 30 kWp | selbst genutzt, 60 kWp | Autarkie, 60 kWp |
|---|---|---|---|---|
| nur Hof (L0) | 15,5 % | 48,0 % | 8,2 % | 51,1 % |
| Beregnung rund um die Uhr | 23,4 % | 34,5 % | 15,1 % | 44,7 % |
| Beregnung mit Verbot 12 bis 18 Uhr | 19,5 % | 28,8 % | 12,0 % | 35,4 % |
| Beregnung nur nachts | 15,9 % | 23,5 % | 8,8 % | 25,9 % |
| Beregnung nur tagsüber | 29,2 % | 43,1 % | 20,3 % | 59,8 % |
Bei 30 kWp steigt der selbst genutzte Anteil von 15,5 % auf 23,4 % mit Beregnung rund um die Uhr und auf 29,2 % mit Beregnung nur am Tag. Mit Nachtberegnung bleibt er fast unverändert bei 15,9 %. Die Autarkie, der Anteil des gesamten Stromverbrauchs aus der eigenen Anlage, sinkt mit jeder Nachtstunde, weil die Pumpe dann aus dem Netz läuft.
Wie viel Leistung eine Pumpe am Mittag braucht
Am 21. Juli lieferte die PVGIS-Reihe zwischen 11 und 15 Uhr so viel, dass eine Pumpe mit 28 kW ab rund 38,9 kWp allein aus der Anlage laufen könnte, zusätzlich zum Hof. Morgens, abends und bei Wolken reicht das nicht; dann kommt der Rest aus dem Netz.
Ein Batteriespeicher hilft bei dieser Last wenig: Zehn Nachtstunden mit 28 kW sind 280 kWh in einer einzigen Nacht, und die Pumpe läuft nur an 20 bis 40 Tagen im Jahr. In der Praxis zählt deshalb vor allem, ob die Pumpe überhaupt am Hofanschluss hängt. Brunnen liegen oft am Feld, mit eigenem Anschluss; dort kann eine Solaranlage auf dem Hofdach die Pumpe nicht direkt versorgen.
Verfahren schlägt Uhrzeit: Kreisregner und Düsenwagen
Der größte Hebel liegt nicht in der Solaranlage, sondern im Verfahren. Kreisberegnung braucht laut Kammer mit etwa 3 kWh je Millimeter und Hektar nur halb so viel Strom wie die Kanone mit 6 kWh. Das Thünen-Institut kommt für einen 72-ha-Schlag auf Vollkosten von 3,17 Euro je Millimeter mit Kreisregnern gegenüber 4 Euro mit mobilen Maschinen und 18 Euro mit Tropfbewässerung; mit Kreisregnern werden allerdings nur 85 % der Fläche beregnet.
Die Kanone nennt die Kammer zugleich die potenziell verlustreichste Technik, und sie ist die Regel: Weit über 90 % der Beregnungsfläche Niedersachsens wird mit Großregnern beregnet. Beim Düsenwagen lagen die Verdunstungs- und Abdriftverluste im Versuch auf deutlich niedrigerem Niveau.

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So planst du die Solaranlage für die Beregnung
- Anschluss klären: Hängt die Pumpe am Hofanschluss oder am Feld?
- Pumpenstrom messen: kWh je Beregnungsgang und je Kubikmeter erfassen.
- Beregnungszeiten prüfen: Allgemeinverfügung des Landkreises und Wasserrecht lesen.
- Wassermenge ansetzen: genehmigte Menge je Jahr, laut Kammer häufig 60 bis 80 mm.
- Größe wählen: mit Hofverbrauch und Pumpenstunden rechnen, nicht mit L0.
- Verfahren vergleichen: Kreisregner und Düsenwagen gegen Kanone, vor der Modulzahl.
Wie Solarstrom eine kleine Pumpe im Hausgarten versorgt, zeigt der Ratgeber zur Gartenbewässerung. Für Solarmodule über dem Acker gilt der Ratgeber zu Agri-PV und Direktzahlungen.
Einen anderen Sommerverbraucher mit kurzer Saison beschreibt der Ratgeber zur Heutrocknung; ob Eigenverbrauch oder Volleinspeisung mehr bringt, der Vergleich Eigenverbrauch gegen Volleinspeisung. Hohe Anlaufspitzen großer Pumpen behandelt der Ratgeber zur Lastspitzenkappung.
Checkliste für Beregnungsbetriebe
- Wo ist der Brunnen angeschlossen, und wie hoch ist die Anschlussleistung?
- Welche Leistung hat die Pumpe, und wie viele Kubikmeter fördert sie je Stunde?
- Wie viele Millimeter sind wasserrechtlich je Jahr erlaubt?
- Gibt es eine Allgemeinverfügung mit Beregnungszeiten?
- Kanone, Düsenwagen, Kreis- oder Linearregner?
- Wie viel Strom braucht der Hof ohne Beregnung im Jahr?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Einen veröffentlichten Stunden-Lastgang einer Beregnungspumpe haben wir nicht gefunden. Unser Modell setzt die Trockenphasen auf die sonnigsten Zehn-Tage-Blöcke des Wetterjahrs, eine Pumpe mit fester Leistung und vier gleiche Gänge; in der Praxis bestimmen Bodenfeuchte, Kultur und Wetter den Takt. Die Kammer nennt 6 kWh je Millimeter, wir rechnen mit 4 kWh nach dem österreichischen Beispiel; mit 6 kWh wären es 18.000 statt 12.000 kWh im Jahr.
Wie viele Landkreise Beregnungszeiten vorschreiben und in welchem Umfang, haben wir nicht erhoben. Das Erscheinungsjahr des Thünen-Kapitels ist im abgerufenen Auszug nicht genannt. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 14.09.2026.