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Wechselrichter meldet Isolationsfehler: Was dahintersteckt und was du selbst prüfen darfst

Der Wechselrichter meldet „Isolationswiderstand zu gering“ und läuft mittags wieder. Was der Riso ist, warum große Anlagen ihn systematisch reißen und was du ohne Messgerät selbst herausfindest.

⏱️ 12 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 06. September 2026
Schema: PV-Module, DC-Leitungen und Wechselrichter tragen parallel zum Isolationswiderstand gegen Erde bei; gemessen wird er nur vor der Netzaufschaltung gegen die Schwelle von mindestens 500 kΩ, im Betrieb läuft nur die Fehlerstromüberwachung.

Foto: Eigene Grafik

Es ist morgens, die Sonne steht schon eine Weile am Himmel, und der Wechselrichter steht immer noch still. Auf dem Display oder in der App steht „Isolationsfehler", „Isolationswiderstand zu gering" oder eine Ereignisnummer. Am Nachmittag läuft die Anlage dann wieder, als wäre nichts gewesen. Und am nächsten Regentag ist es wieder da.

Das ist eine der häufigsten Störungen an Photovoltaikanlagen – und eine der am schlechtesten erklärten. In Foren steht meistens „Feuchtigkeit, wird schon wieder". Das stimmt oft, erklärt aber nicht, warum ausgerechnet deine Anlage betroffen ist und die des Nachbarn nicht. Dieser Artikel arbeitet mit den Herstellerdokumenten von SMA und Fronius, die wir am 06.09.2026 im Direktabruf gelesen haben, und rechnet nach, welchen Wert deine Anlage überhaupt erreichen kann.

Was der Wechselrichter da eigentlich misst

Jede Photovoltaikanlage steht gegenüber Erde unter Spannung. Damit kein Strom über Erde abfließt, muss alles ausreichend isoliert sein: die Module, die DC-Leitungen, der Wechselrichter selbst. Der Reststrom, der trotzdem fließt, heißt Leckstrom. Rechnet man ihn bei gegebener Systemspannung in einen Widerstand um, ist das der Isolationswiderstand – abgekürzt Riso.

Der entscheidende Punkt steht in der Technischen Information Riso-UDE104521 von SMA (Version 2.1, Abruf 06.09.2026): Bei transformatorlosen Wechselrichtern – und das sind heute fast alle – ist eine kontinuierliche Messung im Betrieb bauartbedingt nicht möglich. Deshalb messen sie den Riso vor jeder einzelnen Netzaufschaltung neu und überwachen danach im laufenden Betrieb nur noch den Fehlerstrom über eine allstromsensitive Einheit (RCMU).

Das erklärt das Symptom: Der Fehler zeigt sich morgens beim Zuschalten. Läuft die Anlage erst einmal, misst sie den Riso gar nicht mehr – und meldet ihn deshalb auch nicht. Nicht die Störung verschwindet mittags, sondern die Messung.

Der Grenzwert stammt aus der DIN VDE 0126-1-1 und lautet laut SMA: Riso größer als 1 kΩ je Volt, mindestens aber 500 kΩ. Für Anlagen mit galvanischer Trennung – also mit Trafo – enthält die Norm überhaupt keine Vorgabe; solche Geräte verweigern die Netzaufschaltung nicht, sondern zeigen nur eine Warnung.

💡 Schau auf dem Display nach der Ereignisnummer, bevor du irgendwen anrufst. SMA nennt in der Serviceanleitung des Sunny Tripower 50-40 ausdrücklich die Nummern 3501, 3601 und 3701 in Verbindung mit einer roten LED als Hinweis auf einen möglichen Erdschluss. Fronius bündelt dieselbe Ursache in einem State Code der SnapINverter-Reihe. Diese Nummer ist die erste Information, die dein Installateur haben will.

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Warum der Fehler fast immer bei Regen kommt

Feuchtigkeit ist der klassische Auslöser, und die Hersteller sagen das selbst. Auf der Fronius-Supportseite zu den State Codes der SnapINverter (Abruf 06.09.2026) steht wörtlich, der Wechselrichter habe „bei seiner automatischen Isolationsmessung einen zu geringen Widerstand der DC-Seite gemessen" – und: „Oft tritt der Fehler nur unter bestimmten Bedingungen auf, wie beispielsweise bei Regen."

Der Betriebsführer-Dienstleister Smartblue beschreibt dasselbe Muster aus der Fernüberwachung (Abruf 06.09.2026): Ein oder mehrere Wechselrichter starten verspätet, besonders häufig an regnerischen Tagen. Bei Systemspannungen von rund 300 bis 1.000 Volt reicht dafür schon ein Wasserfilm an einer Stelle, an der er nicht hingehört.

Typische Eintrittsstellen: ein nicht vollständig eingerastetes Steckverbinderpaar, eine im Kabelkanal gequetschte Leitung, ein Marderbiss, eine Anschlussdose mit undichtem Verguss, ein Modulrahmen mit Riss im Laminat. Erfahrungsgemäß hat der Fehler eine Adresse – er wandert nicht.

⚠️ „Geht ja wieder weg" ist die falsche Reaktion. Ein Isolationsfehler ist kein Komfortproblem. Die Fachzeitschrift elektrofachkraft.de nennt in ihrem Beitrag zur Prüfung von PV-Anlagen nach DGUV Vorschrift 3 die tägliche Kontrolle des Betriebszustands ausdrücklich mit der Begründung, für den Brandschutz sei „insbesondere auf Isolationsfehler zu achten". SMA warnt in derselben Serviceanleitung vor Lebensgefahr durch Stromschlag: Bei einem Erdschluss können Anlagenteile unter Spannung stehen, auch die Unterkonstruktion.
Balkendiagramm des rechnerischen Isolationswiderstands nach Modulanzahl: 5.000 kΩ bei 10 Modulen bis 500 kΩ bei 100 Modulen, gerechnet mit 50 MΩ je Modul gegen die Untergrenze von 500 kΩ.
Eigene Rechnung mit dem SMA-Richtwert von 50 MΩ je kristallinem Modul: Eine intakte Anlage aus 100 Modulen erreicht rechnerisch genau die 500-kΩ-Untergrenze. Maßstab: 1.000 kΩ entsprechen 60 Bildpunkten. · Foto: Eigene Grafik

Der Denkfehler: Deine Anlage ist nicht schlechter geworden, sie ist größer

Hier liegt der Punkt, den fast alle Ratgeber auslassen. Die Isolationswiderstände aller Module liegen gegen Erde parallel. Parallele Widerstände addieren sich reziprok – der Gesamtwiderstand ist also kleiner als der kleinste Einzelwiderstand. SMA schreibt das in der oben verlinkten Technischen Information unmissverständlich: „Der Gesamtwiderstand der PV-Anlage gegen Erde sinkt mit der Anzahl der angeschlossenen PV-Module."

Für die Module selbst gilt nach DIN EN 61646 und DIN IEC 61215 ein Mindestwert von 40 MΩ je Quadratmeter Modulfläche. Ein Modul mit 1 m² muss also mindestens 40 MΩ haben, eines mit 2 m² nur noch 20 MΩ. Jedes einzelne Modul kann diese Norm perfekt erfüllen – und die Anlage insgesamt trotzdem unter dem Wechselrichter-Grenzwert liegen.

Das ist kein Randfall. SMA rechnet ihn vor: Bei einer Systemspannung von 700 Volt gerät die Modulnorm ab rund 60 m² Modulfläche mit der Wechselrichternorm in Konflikt, weil 40 MΩ geteilt durch 60 ergibt: 667 kΩ – und damit weniger als die 700 kΩ, die 1 kΩ/V bei 700 Volt verlangen.

Und 60 m² sind wenig. Bei 10 Prozent Modulwirkungsgrad entsprechen sie nur 6 kW, bei 5 Prozent sogar nur 3 kW. Moderne Module liegen deutlich über 20 Prozent, die Fläche pro Kilowatt ist also kleiner geworden – der Mechanismus bleibt aber derselbe, sobald das Modulfeld wächst.

Deshalb steht der Isolations-Grenzwert deines Wechselrichters nicht in der Norm

SMA hat diesen Normenkonflikt nicht ignoriert, sondern zusammen mit der Berufsgenossenschaft eine abweichende Regel vereinbart. Der Grenzwert wird nicht mehr an der Spannung festgemacht, sondern an der Leistung des Wechselrichters:

Die Formel, die SMA statt der Norm verwendet

Riso = 2.000 kΩ × kW / PDC,WR

Sie entspricht dem Normwert von 40 MΩ je m² bei einem angenommenen Modulwirkungsgrad von 5 Prozent. Die Untergrenze liegt bei 200 kΩ – darunter geht SMA nicht, weil kleinere Isolationswiderstände nach eigener Angabe gefährliche Fehlerströme hervorrufen können.

Leistung des WechselrichtersGrenzwert nach SMA-FormelZum Vergleich: 1 kΩ/V bei 700 V
3 kW667 kΩ700 kΩ
5 kW400 kΩ700 kΩ
8 kW250 kΩ700 kΩ
10 kW200 kΩ700 kΩ
15 kW200 kΩ (Untergrenze greift)700 kΩ

Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Bei einer 10-kW-Anlage liegt die Auslöseschwelle nach dieser Regel bei 200 kΩ statt bei 700 kΩ – Faktor 3,5. Zweitens: Der Grenzwert ist eine Herstellerentscheidung im Rahmen eines Schutzziels, keine feste Zahl aus dem Gesetz. Wer im Forum liest, „unter 1 MΩ ist Alarm", hat deshalb weder recht noch unrecht – es kommt auf das Gerät an.

💡 Alte Geräte können den Fehler allein durch eine Firmware verlieren. SMA liefert die Sunny Mini Central 9000TL/10000TL/11000TL laut derselben Technischen Information seit dem 01.12.2010 mit angepassten Grenzwerten aus; davor war die Auslieferungsschwelle 900 kΩ gegen einen Normwert von 700 kΩ. Für ältere Geräte bot SMA das Update kostenlos an. Wenn deine Anlage aus dieser Zeit stammt und sprunghaft Isolationsfehler meldet, ist der Firmwarestand eine Frage wert, bevor jemand aufs Dach steigt.

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Balkendiagramm der Isolations-Grenzwerte nach SMA-Formel für 3 bis 15 kW Wechselrichterleistung (667 bis 200 kΩ) im Vergleich zum Normwert von 700 kΩ bei 700 Volt.
Nach der mit der Berufsgenossenschaft abgestimmten SMA-Formel sinkt der Grenzwert mit der Wechselrichterleistung – bei 200 kΩ ist Schluss. Maßstab: 100 kΩ entsprechen 40 Bildpunkten. Quelle: SMA Riso-UDE104521, Abruf 06.09.2026. · Foto: Eigene Grafik

So überschlägst du den Sollwert deiner Anlage in zwei Minuten

Jetzt wird es praktisch. SMA nennt in der Serviceanleitung „PV-Anlage auf Erdschluss prüfen" Richtwerte für den Isolationswiderstand eines einzelnen Moduls: ca. 50 MΩ bei mono- und polykristallinen Modulen, ca. 40 MΩ bei Dünnschicht. Mit der Parallelschaltungsregel kannst du daraus den theoretischen Sollwert deiner Anlage selbst ausrechnen: Modulwiderstand geteilt durch Modulanzahl.

Eigene Rechnung, Annahme offen benannt

Grundlage ist der SMA-Richtwert von 50 MΩ je kristallinem Modul. Das ist ein Durchschnittswert, kein Messwert deiner Module – den genauen Wert nennt das Datenblatt deines Modulherstellers.

20 Module: 50 MΩ / 20 = 2,5 MΩ = 2.500 kΩ
40 Module: 50 MΩ / 40 = 1,25 MΩ = 1.250 kΩ
100 Module: 50 MΩ / 100 = 0,5 MΩ = 500 kΩ

Anzahl ModuleRechnerischer Riso (50 MΩ je Modul)Abstand zur 500-kΩ-Untergrenze
105.000 kΩFaktor 10
202.500 kΩFaktor 5
301.670 kΩFaktor 3,3
401.250 kΩFaktor 2,5
60830 kΩFaktor 1,7
100500 kΩkein Abstand mehr

Das Ergebnis ist der eigentliche Erkenntnisgewinn dieses Artikels: Eine völlig intakte Anlage aus 100 kristallinen Modulen landet mit den Richtwerten des Herstellers rechnerisch genau auf der 500-kΩ-Untergrenze der Norm. Bei Dünnschicht mit 40 MΩ je Modul ist dieser Punkt schon bei 80 Modulen erreicht.

Für ein Einfamilienhaus mit 20 bis 30 Modulen ist der Abstand dagegen komfortabel – Faktor 3 bis 5. Wenn dort ein Isolationsfehler auftritt, liegt fast sicher ein echter Defekt vor und nicht die Anlagengröße. Genau umgekehrt ist es bei großen Dächern: Dort lohnt die Frage, ob überhaupt etwas kaputt ist.

⚠️ Vorsicht bei der Umkehrung dieser Rechnung. Sie taugt zur Einordnung, nicht als Freispruch. Ein einzelnes wasserführendes Steckverbinderpaar kann den Gesamtwiderstand um Größenordnungen drücken, unabhängig davon, wie viele Module daneben hängen. Die Rechnung sagt dir, ob dein Sollwert knapp an der Schwelle liegt – sie ersetzt keine Messung.

Was du selbst prüfen darfst – und wo Schluss ist

Die ehrliche Antwort: Messen darfst du nicht, beobachten sehr wohl. Und in der Praxis entscheidet die Beobachtung schon einen großen Teil der Suche – sie sagt dem Installateur, wo er anfangen soll.

Das kannst du ohne Werkzeug dokumentieren
  • Die Ereignisnummer oder den State Code vom Display abfotografieren, mit Datum und Uhrzeit.
  • Notiere über zwei Wochen, an welchen Tagen der Fehler kommt. Nur bei Regen? Auch nach Nebel? Auch bei trockener Hitze?
  • Vergleiche die Startzeit des Wechselrichters in der App mit einem Tag ohne Störung. Ein um Stunden verspäteter Start ist dasselbe Phänomen in mild.
  • Bei mehreren Wechselrichtern: Betrifft es alle oder nur einen? Das grenzt den Bereich sofort ein.
  • Sieh dir aus sicherem Stand an, ob am Dachrand Kabel durchhängen, scheuern oder sichtbar beschädigt sind. Nicht aufs Dach steigen.

Wo Schluss ist, sagt SMA deutlich: Die Isolationswiderstandsmessung ist als Fachkraft-Handlung gekennzeichnet, verlangt ein Messgerät mit einem DC-Eingangsspannungsbereich von mindestens 1.000 Volt und eine geeignete Vorrichtung zum sicheren Trennen und Kurzschließen der Module. Fehlt diese Vorrichtung, darf die Messung nach Herstellervorgabe gar nicht durchgeführt werden.

So grenzt die Fachkraft den Isolationsfehler ein

Das Vorgehen in der SMA-Serviceanleitung „PV-Anlage auf Erdschluss prüfen" (Abruf 06.09.2026) ist zweistufig – und die erste Stufe braucht nur ein Spannungsmessgerät. Das ist auch für dich interessant, weil du daran erkennst, ob dein Installateur sauber arbeitet oder direkt Module tauschen will.

1 Schritt 1: Spannungsmessung je String

Nach Freischalten des Wechselrichters werden drei Spannungen gemessen: Pluspol gegen Erde (PE), Minuspol gegen PE und Plus gegen Minus. Ein Erdschluss liegt vor, wenn alle Werte stabil sind und die Summe der beiden Messungen gegen PE annähernd der Spannung zwischen Plus und Minus entspricht.

2 Schritt 2: Den Ort aus dem Verhältnis ableiten

Aus dem Verhältnis der beiden Spannungen gegen Erde lässt sich eingrenzen, an welcher Stelle im String der Fehler sitzt. SMA illustriert das mit einem Beispiel, bei dem der Erdschluss zwischen dem zweiten und dritten Modul liegt. Damit muss nicht der ganze String zerlegt werden.

3 Schritt 3: Isolationswiderstandsmessung, wenn Schritt 1 unklar bleibt

Erwarteten Widerstand je String berechnen, Kurzschluss-Vorrichtung installieren, Prüfspannung nahe der maximalen Systemspannung der Module einstellen – aber niemals darüber – und String für String messen. Weicht ein String deutlich vom berechneten Wert ab, sitzt der Fehler dort.

Bleibt der Fehler auch danach, nennt SMA eine Möglichkeit, die in Foren praktisch nie auftaucht: „Unter Umständen sind die PV-Module in der vorhandenen Anzahl nicht für den Wechselrichter geeignet." Das ist dann ein Planungsfehler, kein Defekt – und ein Fall für die Gewährleistung.

Wenn die Anlage jung ist: Wer die Fehlersuche zahlt

Ein Isolationsfehler an einer neu errichteten Anlage ist ein Mangel des Werks. Nach § 634 BGB kannst du zuerst Nacherfüllung verlangen, also die Beseitigung durch den Betrieb, der gebaut hat. Erst danach kommen Selbstvornahme, Minderung oder Rücktritt in Betracht.

Wichtiger ist die Frist. § 634a Absatz 1 BGB (Abruf 06.09.2026 bei gesetze-im-internet.de) unterscheidet: zwei Jahre bei einem Werk, dessen Erfolg in der Herstellung, Wartung oder Veränderung einer Sache besteht – aber fünf Jahre bei einem Bauwerk. Nach Absatz 2 beginnt die Frist mit der Abnahme.

Eine fest auf dem Dach montierte Aufdachanlage wird regelmäßig als Arbeit an einem Bauwerk eingeordnet. Der Unterschied zwischen zwei und fünf Jahren entscheidet darüber, ob deine Ansprüche noch leben – gerade bei einem Fehler, der jahrelang nur bei Regen auftritt und erst spät ernst genommen wird. Zur Abgrenzung im Streitfall haben wir die Fristen und Schritte in unserem Beitrag zu Pfusch und Nachbesserungsfrist ausführlich aufgeschrieben.

💡 Lass dir das Prüfprotokoll der Inbetriebnahme geben, wenn du es nicht hast. Darin steht der bei Abnahme gemessene Isolationswiderstand. Er ist der einzige belastbare Vergleichswert, den du besitzt: Lag er damals knapp über der Schwelle, spricht das für die Anlagengröße. Lag er weit darüber und liegt heute darunter, ist etwas kaputtgegangen – und das lässt sich datieren.

Wie oft eine PV-Anlage überhaupt geprüft werden muss

Hier wird im Netz viel durcheinandergeworfen, deshalb die Einordnung vorweg: Die DGUV Vorschrift 3 ist eine Unfallverhütungsvorschrift der Berufsgenossenschaften. Sie bindet Unternehmer, nicht den privaten Hauseigentümer mit einer Anlage auf dem eigenen Dach. Als fachlicher Maßstab ist das Prüfschema trotzdem brauchbar – und für gewerbliche Anlagen ist es verbindlich.

Der Beitrag „Prüfung von PV-Anlagen nach DGUV Vorschrift 3" auf elektrofachkraft.de (Abruf 06.09.2026) legt die Intervalle so aus:

IntervallWas geprüft wirdDurch wen
täglichBetriebsanzeige und Betriebszustand per Fernüberwachung, mit besonderem Blick auf IsolationsfehlerBetreiber oder Elektrofachkraft
monatlichErtragskontrolle und Sichtprüfung der Generatorfläche auf offensichtliche MängelBetreiber
alle 4 JahreGesamtanlage nach DIN VDE 0105-100, DIN VDE 0100-600 bzw. DIN EN 62446-1Elektrofachkraft

Zusätzlich nennt der Beitrag einen empfohlenen Abstand zwischen den Prüfungen von nicht mehr als 12 Monaten unter Verweis auf die Durchführungsanweisung zu § 5 DGUV Vorschrift 3 in Verbindung mit DIN VDE 0100-712. Zu den Pflichtmessungen gehört ausdrücklich das „Messen der Isolationswiderstände des PV-Generators".

Der Nachteil dieser Systematik für Private: Sie schreibt dir nichts vor, und niemand erinnert dich. Wer die Fernüberwachung nicht eingerichtet hat, merkt einen wiederkehrenden Isolationsfehler oft erst über die Jahresabrechnung. Wie du das ohne Vertrag selbst in den Griff bekommst, steht in unserem Beitrag zum Monitoring des Ertrags; die Kostenseite behandeln wir unter Reinigung und Wartung.

Was wir nicht belegen konnten

Drei Lücken bleiben offen, und wir füllen sie nicht mit Schätzungen.

Die Normtexte selbst. DIN VDE 0126-1-1, DIN EN 62446-1 und die VDE-AR-N 4105 sind kostenpflichtig; wir haben sie nicht im Volltext gelesen. Alle Normwerte in diesem Artikel stehen mit ihrer Sekundärquelle – überwiegend SMA – im Text, damit du siehst, worauf sie beruhen.

Die Abschaltschwellen der einzelnen Geräte. Fronius nennt auf der Supportseite zum Isolationsfehler keinen Zahlenwert, und für Kostal und Huawei fanden wir am 06.09.2026 kein öffentlich abrufbares Dokument mit einer belastbaren Schwelle. Eine gerätescharfe Tabelle wäre erfunden. Die im Netz kursierenden Werte zwischen 200 kΩ und 1.000 kΩ stammen überwiegend aus Foren – und die SMA-Formel zeigt, warum sie so weit auseinanderliegen.

Was eine Fehlersuche kostet. Wir haben keine neutrale, datierte Preiserhebung für eine Isolationsmessung durch einen Fachbetrieb gefunden. Deshalb steht hier keine Zahl. Was ein Gutachten kostet, wenn es zum Streit kommt, haben wir dagegen belegt aufgeschrieben – siehe Gutachterkosten bei Minderertrag.

Häufige Fragen

Kann ich mit einem Isolationsfehler weiter einspeisen? +
Nein, und das ist so gewollt. Ein transformatorloser Wechselrichter darf sich laut SMA bei zu geringem Isolationswiderstand gar nicht erst auf das Netz aufschalten – die Einspeisung bleibt so lange gesperrt. Die Abschaltung ist die Schutzfunktion, nicht der Defekt. Geräte mit Transformator zeigen stattdessen nur eine Warnmeldung, weil für sie andere Vorschriften gelten.
Warum läuft die Anlage mittags wieder, obwohl sich nichts geändert hat? +
Weil der Isolationswiderstand nur vor der Netzaufschaltung gemessen wird. Trocknet die feuchte Stelle ab, steigt der Wert über die Schwelle und der Wechselrichter schaltet zu. Im laufenden Betrieb misst er den Wert nicht mehr, sondern nur noch den Fehlerstrom. Die Störung ist also nicht weg, sie wird nur nicht mehr geprüft.
Ab welchem Wert ist es kritisch? +
Das hängt vom Gerät ab. Die DIN VDE 0126-1-1 verlangt laut SMA mindestens 500 kΩ beziehungsweise 1 kΩ je Volt. SMA selbst rechnet nach der Formel 2.000 kΩ × kW geteilt durch die Wechselrichterleistung und geht dabei nie unter 200 kΩ. Bei einem 10-kW-Gerät sind das 200 kΩ statt 700 kΩ – deshalb sind pauschale Forenwerte hier wenig wert.
Hilft es, den Wechselrichter einfach neu zu starten? +
Nur scheinbar. Ein Neustart wiederholt die Messung; ist die Ursache Feuchtigkeit und inzwischen abgetrocknet, läuft die Anlage wieder. Am Fehler ändert das nichts. Wenn du neu startest, notiere vorher Datum, Uhrzeit und Ereignisnummer – sonst verlierst du die Information, die für die Eingrenzung gebraucht wird.
Kann ein Marderbiss die Ursache sein? +
Ja, das ist eine der klassischen Ursachen: Eine beschädigte Leitungsisolierung führt zu genau diesem Fehlerbild, häufig verstärkt bei Nässe. SMA nennt Modulbruch und Marderbiss ausdrücklich als die Fälle, die auch nach der angepassten Grenzwertregel zuverlässig als Störung gemeldet werden sollen. Ob deine Versicherung das trägt, klärt der Beitrag zur PV-Versicherung.
Ist mein Dach gefährlich, solange der Fehler besteht? +
Bei einem Erdschluss können Anlagenteile unter Spannung stehen – laut SMA auch Teile der Unterkonstruktion und des Generatorgestells. Deshalb gilt: nicht aufs Dach, keine Kabel anfassen außer an der Isolierung, keine Strings umstecken. Die Prüfung gehört in die Hände einer Elektrofachkraft mit passendem Messgerät.
Muss ich meine Anlage regelmäßig prüfen lassen? +
Als privater Betreiber schreibt dir die DGUV Vorschrift 3 nichts vor, sie richtet sich an Unternehmer. Als fachlicher Maßstab nennt elektrofachkraft.de eine Prüfung der Gesamtanlage alle vier Jahre und einen empfohlenen Abstand von nicht mehr als 12 Monaten. Für gewerblich betriebene Anlagen ist das verbindlich.
Der Installateur sagt, die Anlage sei einfach zu groß für den Wechselrichter. Kann das stimmen? +
Das ist tatsächlich möglich, und SMA nennt es als letzte Erklärung, wenn nach beseitigtem Erdschluss weiterhin ein Isolationsfehler ansteht. Dann sind die Module in der vorhandenen Anzahl nicht für das Gerät geeignet. Das ist allerdings ein Planungsfehler des Errichters – und damit ein Gewährleistungsfall nach § 634 BGB, kein Verschleiß.

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