Tierarztpraxis mit PV: Lastgang, Station und Notdienst
Sprechstunde, OP, Station, Notdienst: GOT, Klinik-Richtlinie und Röntgen-Datenblatt gelesen, drei Betriebsformen gegen PVGIS Hannover und G1 gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 10 Abschnitte
- 1.Wofür eine Tierarztpraxis Strom braucht
- 2.Röntgen: 32 kW am Generator, 3,7 kW aus der Steckdose
- 3.Welcher Lastgang gilt: M-24 nimmt den Tierarzt aus
- 4.Notdienst und Station: was Gebührenordnung und Kammer vorgeben
- 5.Nachgerechnet: Praxis, Station und Klinik gegen PVGIS
- 6.Gegenprobe: G1 passt zur Praxis, nicht zur Klinik
- 7.Batteriespeicher in der Tierarztpraxis: die Station füllt die Nacht
- 8.So planst du Solarstrom für eine Tierarztpraxis
- 9.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 10.Häufige Fragen zu PV in der Tierarztpraxis
Eine Tierarztpraxis sieht auf den ersten Blick aus wie eine Arztpraxis: Sprechstunde am Vormittag, OP über Mittag, Sprechstunde am Nachmittag. Doch viele Praxen behalten Tiere über Nacht, und Kliniken müssen rund um die Uhr dienstbereit sein. Genau diese Nachtstunden entscheiden, wie viel Solarstrom eine Praxis selbst nutzen kann und ob sich ein Speicher lohnt.
Dieser Ratgeber sammelt, was zum Stromverbrauch belegt ist, zeigt, was Gebührenordnung und Kammer zu Notdienst und Klinik vorgeben, und rechnet drei Betriebsformen gegen die stündliche PVGIS-Ertragsreihe für Hannover.
Wofür eine Tierarztpraxis Strom braucht
Belastbare Verbrauchszahlen für Tierarztpraxen haben wir nicht gefunden. Für Humanmedizin nennt der Makler-Blog aerzteversichert im April 2026 für eine Fachpraxis mit Geräten auf 150 bis 250 m² ca. 20.000–35.000 kWh im Jahr und gibt als Quelle „Zi-Praxis-Panel, eigene Schätzung“ an. Wir rechnen deshalb mit 25.000 kWh und behandeln das als Größenordnung, nicht als Messwert.
Welche Geräte ins Gewicht fallen, beschreibt der Softwareanbieter medatixx: Thermodesinfektoren und Autoklaven gehören zu den energieintensivsten Geräten, und halb beladene Geräte oder unnötig viele Zyklen treiben den Verbrauch. In der Tiermedizin kommen Wärme für stationäre Patienten, Kühlung für Impfstoffe und Medikamente sowie das Röntgen hinzu.
In Deutschland zählt die Bundestierärztekammer in ihrer Statistik mit Stand 31.12.2024 die Praxen und Kliniken nach Kammerbezirken; in Niedersachsen sind es 1.387 Tierarztpraxen und 22 Kliniken.
Röntgen: 32 kW am Generator, 3,7 kW aus der Steckdose
Das Röntgensystem VET 30 für Kleintierpraxen hat laut Hersteller einen 32 kW Röntgengenerator mit 125 kV – 400 mA. Die Stromversorgung ist aber einphasig mit 230 Volt, und der maximal erforderliche Strom beträgt 16 A. Das sind rechnerisch höchstens 3,68 kW aus dem Netz. Der Generator speichert die Energie für die kurze Aufnahme und lädt danach nach.
Auch das Examion X-R Static Univet braucht laut Produktbeschreibung keinen besonderen Anschluss und kann an die normale Steckdose angeschlossen werden. Für die Solaranlage heißt das: Die Röntgenaufnahme ist keine Lastspitze von 32 kW, sondern ein kurzer Bezug von wenigen Kilowatt.
Welcher Lastgang gilt: M-24 nimmt den Tierarzt aus
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet den Arzt dem Profil G1 zu, Gewerbe werktags von 8 bis 18 Uhr, und schreibt ausdrücklich dazu: Arzt (ohne Tierarzt). Einen eigenen Eintrag für die Tierarztpraxis haben wir in der Liste nicht gefunden. Welches Profil ein Netzbetreiber oder Planer ansetzt, ist damit offen. Die Zahnarztpraxis steht dagegen unter G1, siehe PV in der Zahnarztpraxis.
Für das Modell bilden wir drei Betriebsformen nach. Die Praxis ohne Station hat Sprechstunden werktags von 8 bis 12 und 15 bis 19 Uhr, OP-Zeit von 12 bis 15 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr; 20 % des Stroms fallen rund um die Uhr an. Die Praxis mit Station hat 40 % Grundlast für Wärme, Licht und Lüftung der Boxen. Die Klinik hat 45 % Grundlast und zusätzlich 15 % für den Notdienst nachts und am Wochenende. Zeiten und Anteile sind unsere Annahmen.
| Anteil am Jahresverbrauch | 9 bis 16 Uhr | 16 bis 20 Uhr | 20 bis 8 Uhr | Wochenende und Feiertag |
|---|---|---|---|---|
| Praxis ohne Station | 58,0 % | 24,2 % | 10,0 % | 10,5 % |
| Praxis mit Station | 50,8 % | 22,3 % | 20,0 % | 15,7 % |
| Klinik mit Notdienst | 40,8 % | 19,8 % | 33,7 % | 22,8 % |
| Standardprofil G1 | 62,6 % | 13,0 % | 14,9 % | 7,4 % |
| Standardprofil G0 | 43,8 % | 19,4 % | 31,2 % | 23,0 % |
Quelle: eigene Rechnung mit den BDEW-Profilen, Kalenderjahr 2020. Die Grundlast beträgt bei 25.000 kWh in der Praxis 0,57 kW, mit Station 1,14 kW und in der Klinik 1,28 kW.
Notdienst und Station: was Gebührenordnung und Kammer vorgeben
Die Gebührenordnung für Tierärzte kennt zwei Fälle außerhalb der Sprechzeit. Nach § 3 Abs. 3 GOT erhöhen sich die einfachen Sätze für Leistungen, die auf Verlangen bei Nacht, am Wochenende oder an einem Feiertag erbracht werden, um 100 Prozent, bei landwirtschaftlichen Nutztieren um 75 Prozent.
Im tierärztlichen Notdienst steigen sie nach § 4 GOT auf das Zweifache bis Vierfache, und daneben fällt eine Notdienstgebühr in Höhe von 50 Euro an.
Für Kliniken gelten strengere Regeln. Nach den Richtlinien der Tierärztekammer Niedersachsen dient eine Klinik der ambulanten und stationären Behandlung und muss ständig dienstbereit sein. Nachts und am Wochenende kann sie sich auf Antrag von einer anderen Klinik vertreten lassen. Für den Stromverbrauch heißt das: Licht, Wärme und Geräte laufen auch dann, wenn die Solaranlage nichts liefert.
Nachgerechnet: Praxis, Station und Klinik gegen PVGIS
Die Solaranlage steht im Modell in Hannover. Laut PVGIS 5.3 liefert ein kWp dort nach Süden mit 35 Grad im Wetterjahr 2020 1060,5 kWh, Ost-West mit 10 Grad 872,2 kWh.
| 25.000 kWh im Jahr | Eigenverbrauch Süd 10 kWp | Süd 20 kWp | Süd 30 kWp | Ost-West 20 kWp | Autarkie Süd 20 kWp |
|---|---|---|---|---|---|
| Praxis ohne Station | 77,6 % | 57,8 % | 44,0 % | 64,2 % | 49,0 % |
| Praxis mit Station | 79,6 % | 55,1 % | 41,3 % | 62,9 % | 46,8 % |
| Klinik mit Notdienst | 77,0 % | 49,5 % | 36,5 % | 58,3 % | 42,0 % |
| Standardprofil G1 | 75,5 % | 57,0 % | 43,4 % | 62,0 % | 48,3 % |
| Standardprofil G0 | 79,0 % | 51,0 % | 37,6 % | 59,5 % | 43,3 % |
| Standardprofil G2 | 69,5 % | 43,5 % | 31,9 % | 51,4 % | 36,9 % |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3 Hannover, ohne Speicher. Bei 10 kWp liegen alle Betriebsformen nahe beieinander, weil die kleine Anlage fast jede Stunde vollständig verbraucht wird. Erst mit 20 und 30 kWp trennen sich Praxis und Klinik.
Gegenprobe: G1 passt zur Praxis, nicht zur Klinik
Obwohl M-24 den Tierarzt aus G1 herausnimmt, trifft das Profil die Praxis ohne Station im Modell gut: 57,0 gegen 57,8 % Eigenverbrauch mit 20 kWp. Für die Klinik überschätzt G1 den Eigenverbrauch um 7,5 Prozentpunkte, weil G1 nur 7,4 % des Stroms ans Wochenende legt, die Klinik aber 22,8 %. Das allgemeine Gewerbeprofil G0 liegt mit 51,0 % näher an der Klinik. G2, das Abendprofil, unterschätzt alle drei Betriebsformen.

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Batteriespeicher in der Tierarztpraxis: die Station füllt die Nacht
Ein Speicher lohnt sich dort, wo er jede Nacht leer wird. Das ist in der Klinik öfter der Fall als in der Praxis, die abends schließt. Mit 20 kWp nach Süden und 25.000 kWh:
| 20 kWp Süd | Autarkie ohne Speicher | mit 10 kWh | Vollzyklen 10 kWh | mit 20 kWh | Vollzyklen 20 kWh |
|---|---|---|---|---|---|
| Praxis ohne Station | 49,0 % | 58,7 % | 241 | 62,8 % | 172 |
| Praxis mit Station | 46,8 % | 57,3 % | 262 | 63,4 % | 208 |
| Klinik mit Notdienst | 42,0 % | 52,8 % | 269 | 61,1 % | 238 |
| Standardprofil G1 | 48,3 % | 56,6 % | 206 | 59,1 % | 134 |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3 Hannover, Speicher ohne Verluste. Mit 20 kWh kommt der Speicher in der Klinik auf 238 volle Zyklen, in der Praxis ohne Station auf 172. Ein Nachteil des Standardprofils: G1 zählt mit 20 kWh nur 134 Zyklen und lässt den Speicher damit unwirtschaftlicher aussehen, als er in einer Praxis mit Station ist. Wie du die Größe bestimmst, steht unter Speichergröße berechnen.

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So planst du Solarstrom für eine Tierarztpraxis
- Jahresverbrauch notieren: Schau auf der Stromrechnung der letzten 12 Monate nach.
- Lastgang anfragen: Viertelstundenwerte beim Messstellenbetreiber anfordern, falls vorhanden.
- Nachtstrom messen: Zählerstand bei Praxisschluss und vor Sprechstundenbeginn, mit und ohne stationäre Patienten.
- Großverbraucher erfassen: Autoklav, Thermodesinfektor, Wärmeboxen, Kühlung, Röntgen mit Anschlusswert.
- Notdienst einplanen: An wie vielen Nächten und Wochenenden ist die Praxis im Dienst?
- Profil im Angebot prüfen: G1, G0 oder deine Zählerwerte?
Wie sich der Eigenverbrauch über Geräte und Zeiten steuern lässt, steht unter Eigenverbrauch optimieren; Ost-West-Dächer verteilen den Ertrag über den Tag, siehe Ost-West-Ausrichtung.
Nachts kann ein dynamischer Stromtarif günstiger sein als ein größerer Speicher. Praxis-IT und Server laufen durch, mehr dazu unter Serverraum und Kühlung; einen Betrieb mit Notdienst beschreibt auch PV in der Apotheke.
- Wie hoch ist der Jahresverbrauch laut Rechnung?
- Bleiben Tiere über Nacht, und wie oft?
- Wie viele Notdienste im Jahr fallen an?
- Welchen maximal erforderlichen Strom nennt das Röntgengerät?
- Wann laufen Autoklav und Thermodesinfektor?
- Rechnet das Angebot mit G1 oder mit Zählerwerten?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Einen gemessenen Stromverbrauch oder Lastgang einer Tierarztpraxis haben wir nicht gefunden; die 25.000 kWh stützen sich auf eine Schätzung für humanmedizinische Fachpraxen. Sprechzeiten, OP-Zeit, Grundlastanteile und Notdienstanteil im Modell sind Annahmen. Ob M-24 an anderer Stelle doch einen Tierarzt-Eintrag führt, haben wir in der gelesenen Fassung nicht gefunden. Die Klinik-Richtlinie stammt aus Niedersachsen; andere Kammern regeln die Dienstbereitschaft teils anders. Quelle und Abruf aller Angaben: 14.09.2026.