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Tierarztpraxis mit PV: Lastgang, Station und Notdienst

Sprechstunde, OP, Station, Notdienst: GOT, Klinik-Richtlinie und Röntgen-Datenblatt gelesen, drei Betriebsformen gegen PVGIS Hannover und G1 gerechnet.

⏱️ 9 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 14. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 10 Abschnitte
  1. 1.Wofür eine Tierarztpraxis Strom braucht
  2. 2.Röntgen: 32 kW am Generator, 3,7 kW aus der Steckdose
  3. 3.Welcher Lastgang gilt: M-24 nimmt den Tierarzt aus
  4. 4.Notdienst und Station: was Gebührenordnung und Kammer vorgeben
  5. 5.Nachgerechnet: Praxis, Station und Klinik gegen PVGIS
  6. 6.Gegenprobe: G1 passt zur Praxis, nicht zur Klinik
  7. 7.Batteriespeicher in der Tierarztpraxis: die Station füllt die Nacht
  8. 8.So planst du Solarstrom für eine Tierarztpraxis
  9. 9.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  10. 10.Häufige Fragen zu PV in der Tierarztpraxis

Eine Tierarztpraxis sieht auf den ersten Blick aus wie eine Arztpraxis: Sprechstunde am Vormittag, OP über Mittag, Sprechstunde am Nachmittag. Doch viele Praxen behalten Tiere über Nacht, und Kliniken müssen rund um die Uhr dienstbereit sein. Genau diese Nachtstunden entscheiden, wie viel Solarstrom eine Praxis selbst nutzen kann und ob sich ein Speicher lohnt.

Dieser Ratgeber sammelt, was zum Stromverbrauch belegt ist, zeigt, was Gebührenordnung und Kammer zu Notdienst und Klinik vorgeben, und rechnet drei Betriebsformen gegen die stündliche PVGIS-Ertragsreihe für Hannover.

Kurz gesagt: Eine Tierarztpraxis ohne Station mit 25.000 kWh nutzt im Modell von 20 kWp nach Süden 57,8 % selbst, fast genau so viel wie das Standardprofil G1 mit 57,0 %. Eine Klinik mit Notdienst kommt auf 49,5 %. Dafür arbeitet ein Speicher dort mehr: Mit 10 kWh hebt er die Autarkie der Klinik von 42,0 auf 52,8 %.

Wofür eine Tierarztpraxis Strom braucht

Belastbare Verbrauchszahlen für Tierarztpraxen haben wir nicht gefunden. Für Humanmedizin nennt der Makler-Blog aerzteversichert im April 2026 für eine Fachpraxis mit Geräten auf 150 bis 250 m² ca. 20.000–35.000 kWh im Jahr und gibt als Quelle „Zi-Praxis-Panel, eigene Schätzung“ an. Wir rechnen deshalb mit 25.000 kWh und behandeln das als Größenordnung, nicht als Messwert.

Welche Geräte ins Gewicht fallen, beschreibt der Softwareanbieter medatixx: Thermodesinfektoren und Autoklaven gehören zu den energieintensivsten Geräten, und halb beladene Geräte oder unnötig viele Zyklen treiben den Verbrauch. In der Tiermedizin kommen Wärme für stationäre Patienten, Kühlung für Impfstoffe und Medikamente sowie das Röntgen hinzu.

In Deutschland zählt die Bundestierärztekammer in ihrer Statistik mit Stand 31.12.2024 die Praxen und Kliniken nach Kammerbezirken; in Niedersachsen sind es 1.387 Tierarztpraxen und 22 Kliniken.

Röntgen: 32 kW am Generator, 3,7 kW aus der Steckdose

Das Röntgensystem VET 30 für Kleintierpraxen hat laut Hersteller einen 32 kW Röntgengenerator mit 125 kV – 400 mA. Die Stromversorgung ist aber einphasig mit 230 Volt, und der maximal erforderliche Strom beträgt 16 A. Das sind rechnerisch höchstens 3,68 kW aus dem Netz. Der Generator speichert die Energie für die kurze Aufnahme und lädt danach nach.

Auch das Examion X-R Static Univet braucht laut Produktbeschreibung keinen besonderen Anschluss und kann an die normale Steckdose angeschlossen werden. Für die Solaranlage heißt das: Die Röntgenaufnahme ist keine Lastspitze von 32 kW, sondern ein kurzer Bezug von wenigen Kilowatt.

Vorsicht bei Generatorleistungen: Die kW-Zahl im Prospekt eines Röntgengeräts ist die Leistung der Röhre während der Aufnahme, nicht der Anschlusswert. Wer den Speicher oder den Hausanschluss nach 32 kW auslegt, plant zu groß. Schau im Datenblatt nach dem maximal erforderlichen Strom.

Welcher Lastgang gilt: M-24 nimmt den Tierarzt aus

Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet den Arzt dem Profil G1 zu, Gewerbe werktags von 8 bis 18 Uhr, und schreibt ausdrücklich dazu: Arzt (ohne Tierarzt). Einen eigenen Eintrag für die Tierarztpraxis haben wir in der Liste nicht gefunden. Welches Profil ein Netzbetreiber oder Planer ansetzt, ist damit offen. Die Zahnarztpraxis steht dagegen unter G1, siehe PV in der Zahnarztpraxis.

Für das Modell bilden wir drei Betriebsformen nach. Die Praxis ohne Station hat Sprechstunden werktags von 8 bis 12 und 15 bis 19 Uhr, OP-Zeit von 12 bis 15 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr; 20 % des Stroms fallen rund um die Uhr an. Die Praxis mit Station hat 40 % Grundlast für Wärme, Licht und Lüftung der Boxen. Die Klinik hat 45 % Grundlast und zusätzlich 15 % für den Notdienst nachts und am Wochenende. Zeiten und Anteile sind unsere Annahmen.

Anteil am Jahresverbrauch9 bis 16 Uhr16 bis 20 Uhr20 bis 8 UhrWochenende und Feiertag
Praxis ohne Station58,0 %24,2 %10,0 %10,5 %
Praxis mit Station50,8 %22,3 %20,0 %15,7 %
Klinik mit Notdienst40,8 %19,8 %33,7 %22,8 %
Standardprofil G162,6 %13,0 %14,9 %7,4 %
Standardprofil G043,8 %19,4 %31,2 %23,0 %

Quelle: eigene Rechnung mit den BDEW-Profilen, Kalenderjahr 2020. Die Grundlast beträgt bei 25.000 kWh in der Praxis 0,57 kW, mit Station 1,14 kW und in der Klinik 1,28 kW.

Balkendiagramm: Eigenverbrauch 20 kWp in der Tierarztpraxis. Praxis ohne Station: 57,8 Prozent. Standardprofil G1: 57,0 Prozent. Praxis mit Station: 55,1 Prozent. Standardprofil G0: 51,0 Prozent. Klinik mit Notdienst: 49,5 Prozent. Standardprofil G2: 43,5 Prozent.
G1 trifft die Praxis ohne Station, nicht die Klinik. · Foto: Eigene Grafik

Notdienst und Station: was Gebührenordnung und Kammer vorgeben

Die Gebührenordnung für Tierärzte kennt zwei Fälle außerhalb der Sprechzeit. Nach § 3 Abs. 3 GOT erhöhen sich die einfachen Sätze für Leistungen, die auf Verlangen bei Nacht, am Wochenende oder an einem Feiertag erbracht werden, um 100 Prozent, bei landwirtschaftlichen Nutztieren um 75 Prozent.

Im tierärztlichen Notdienst steigen sie nach § 4 GOT auf das Zweifache bis Vierfache, und daneben fällt eine Notdienstgebühr in Höhe von 50 Euro an.

Für Kliniken gelten strengere Regeln. Nach den Richtlinien der Tierärztekammer Niedersachsen dient eine Klinik der ambulanten und stationären Behandlung und muss ständig dienstbereit sein. Nachts und am Wochenende kann sie sich auf Antrag von einer anderen Klinik vertreten lassen. Für den Stromverbrauch heißt das: Licht, Wärme und Geräte laufen auch dann, wenn die Solaranlage nichts liefert.

Nachgerechnet: Praxis, Station und Klinik gegen PVGIS

Die Solaranlage steht im Modell in Hannover. Laut PVGIS 5.3 liefert ein kWp dort nach Süden mit 35 Grad im Wetterjahr 2020 1060,5 kWh, Ost-West mit 10 Grad 872,2 kWh.

25.000 kWh im JahrEigenverbrauch Süd 10 kWpSüd 20 kWpSüd 30 kWpOst-West 20 kWpAutarkie Süd 20 kWp
Praxis ohne Station77,6 %57,8 %44,0 %64,2 %49,0 %
Praxis mit Station79,6 %55,1 %41,3 %62,9 %46,8 %
Klinik mit Notdienst77,0 %49,5 %36,5 %58,3 %42,0 %
Standardprofil G175,5 %57,0 %43,4 %62,0 %48,3 %
Standardprofil G079,0 %51,0 %37,6 %59,5 %43,3 %
Standardprofil G269,5 %43,5 %31,9 %51,4 %36,9 %

Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3 Hannover, ohne Speicher. Bei 10 kWp liegen alle Betriebsformen nahe beieinander, weil die kleine Anlage fast jede Stunde vollständig verbraucht wird. Erst mit 20 und 30 kWp trennen sich Praxis und Klinik.

Gegenprobe: G1 passt zur Praxis, nicht zur Klinik

Obwohl M-24 den Tierarzt aus G1 herausnimmt, trifft das Profil die Praxis ohne Station im Modell gut: 57,0 gegen 57,8 % Eigenverbrauch mit 20 kWp. Für die Klinik überschätzt G1 den Eigenverbrauch um 7,5 Prozentpunkte, weil G1 nur 7,4 % des Stroms ans Wochenende legt, die Klinik aber 22,8 %. Das allgemeine Gewerbeprofil G0 liegt mit 51,0 % näher an der Klinik. G2, das Abendprofil, unterschätzt alle drei Betriebsformen.

Typischer Fehler: Das Angebot rechnet für eine Tierklinik mit G1, weil es für Arztpraxen üblich ist. In der Praxis liegen dann Eigenverbrauch und Ersparnis zu hoch. Prüfe, ob der Planer Station und Notdienst berücksichtigt hat, oder gib ihm die Viertelstundenwerte deines Zählers.
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Balkendiagramm: Stromanteil zwischen 20 und 8 Uhr. Praxis ohne Station: 10,0 Prozent. Standardprofil G1: 14,9 Prozent. Praxis mit Station: 20,0 Prozent. Standardprofil G0: 31,2 Prozent. Klinik mit Notdienst: 33,7 Prozent.
Station und Notdienst verschieben Verbrauch in die Nacht. · Foto: Eigene Grafik

Batteriespeicher in der Tierarztpraxis: die Station füllt die Nacht

Ein Speicher lohnt sich dort, wo er jede Nacht leer wird. Das ist in der Klinik öfter der Fall als in der Praxis, die abends schließt. Mit 20 kWp nach Süden und 25.000 kWh:

20 kWp SüdAutarkie ohne Speichermit 10 kWhVollzyklen 10 kWhmit 20 kWhVollzyklen 20 kWh
Praxis ohne Station49,0 %58,7 %24162,8 %172
Praxis mit Station46,8 %57,3 %26263,4 %208
Klinik mit Notdienst42,0 %52,8 %26961,1 %238
Standardprofil G148,3 %56,6 %20659,1 %134

Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3 Hannover, Speicher ohne Verluste. Mit 20 kWh kommt der Speicher in der Klinik auf 238 volle Zyklen, in der Praxis ohne Station auf 172. Ein Nachteil des Standardprofils: G1 zählt mit 20 kWh nur 134 Zyklen und lässt den Speicher damit unwirtschaftlicher aussehen, als er in einer Praxis mit Station ist. Wie du die Größe bestimmst, steht unter Speichergröße berechnen.

Nachtstrom der Station messen: Notiere eine Woche lang abends bei Praxisschluss und morgens vor der Sprechstunde den Zählerstand, einmal mit belegter und einmal mit leerer Station. Die Differenz zeigt, wie viel ein Speicher nachts überhaupt abgeben kann.
Balkendiagramm: Autarkie nach Speichergröße. Praxis ohne Station, ohne Speicher: 49,0 Prozent. Praxis ohne Station, 10 kWh: 58,7 Prozent. Praxis ohne Station, 20 kWh: 62,8 Prozent. Klinik mit Notdienst, ohne Speicher: 42,0 Prozent. Klinik mit Notdienst, 10 kWh: 52,8 Prozent. Klinik mit Notdienst, 20 kWh: 61,1 Prozent.
In der Klinik wirkt der Speicher stärker als in der Praxis. · Foto: Eigene Grafik
Autoklav und Thermodesinfektor in die Mittagszeit legen: Beide Geräte laufen nach Programm. Wer sie voll beladen in der OP-Pause startet statt am Abend, verschiebt Strom in die Stunden mit dem höchsten Solarertrag.
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So planst du Solarstrom für eine Tierarztpraxis

1 Schritt für Schritt
  1. Jahresverbrauch notieren: Schau auf der Stromrechnung der letzten 12 Monate nach.
  2. Lastgang anfragen: Viertelstundenwerte beim Messstellenbetreiber anfordern, falls vorhanden.
  3. Nachtstrom messen: Zählerstand bei Praxisschluss und vor Sprechstundenbeginn, mit und ohne stationäre Patienten.
  4. Großverbraucher erfassen: Autoklav, Thermodesinfektor, Wärmeboxen, Kühlung, Röntgen mit Anschlusswert.
  5. Notdienst einplanen: An wie vielen Nächten und Wochenenden ist die Praxis im Dienst?
  6. Profil im Angebot prüfen: G1, G0 oder deine Zählerwerte?

Wie sich der Eigenverbrauch über Geräte und Zeiten steuern lässt, steht unter Eigenverbrauch optimieren; Ost-West-Dächer verteilen den Ertrag über den Tag, siehe Ost-West-Ausrichtung.

Nachts kann ein dynamischer Stromtarif günstiger sein als ein größerer Speicher. Praxis-IT und Server laufen durch, mehr dazu unter Serverraum und Kühlung; einen Betrieb mit Notdienst beschreibt auch PV in der Apotheke.

Vor der Anfrage klären
  • Wie hoch ist der Jahresverbrauch laut Rechnung?
  • Bleiben Tiere über Nacht, und wie oft?
  • Wie viele Notdienste im Jahr fallen an?
  • Welchen maximal erforderlichen Strom nennt das Röntgengerät?
  • Wann laufen Autoklav und Thermodesinfektor?
  • Rechnet das Angebot mit G1 oder mit Zählerwerten?

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Einen gemessenen Stromverbrauch oder Lastgang einer Tierarztpraxis haben wir nicht gefunden; die 25.000 kWh stützen sich auf eine Schätzung für humanmedizinische Fachpraxen. Sprechzeiten, OP-Zeit, Grundlastanteile und Notdienstanteil im Modell sind Annahmen. Ob M-24 an anderer Stelle doch einen Tierarzt-Eintrag führt, haben wir in der gelesenen Fassung nicht gefunden. Die Klinik-Richtlinie stammt aus Niedersachsen; andere Kammern regeln die Dienstbereitschaft teils anders. Quelle und Abruf aller Angaben: 14.09.2026.

Häufige Fragen zu PV in der Tierarztpraxis

Wie viel Strom braucht eine Tierarztpraxis? +
Belastbare Zahlen für Tierarztpraxen fehlen. Für humanmedizinische Fachpraxen mit Geräten werden ca. 20.000 bis 35.000 kWh im Jahr geschätzt; wir rechnen mit 25.000 kWh.
Wie viel Solarstrom kann eine Tierarztpraxis selbst nutzen? +
Im Modell mit 20 kWp nach Süden 57,8 % ohne Station, 55,1 % mit Station und 49,5 % als Klinik mit Notdienst.
Welches Lastprofil gilt für eine Tierarztpraxis? +
M-24 nennt G1 für den Arzt ohne Tierarzt. Im Modell passt G1 zur Praxis ohne Station, G0 eher zur Klinik.
Braucht das Röntgengerät einen Starkstromanschluss? +
Nicht zwingend. Das VET 30 hat einen 32-kW-Generator, braucht aber höchstens 16 A bei 230 V, rechnerisch 3,68 kW.
Lohnt sich ein Speicher in der Tierklinik? +
Er arbeitet dort mehr als in der Praxis: Mit 10 kWh steigt die Autarkie im Modell von 42,0 auf 52,8 % bei 269 Vollzyklen.
Was kostet der Notdienst beim Tierarzt? +
Nach § 4 GOT steigen die Sätze im Notdienst auf das Zweifache bis Vierfache, dazu kommt eine Notdienstgebühr von 50 Euro.
Muss eine Tierklinik rund um die Uhr geöffnet sein? +
Nach den Richtlinien der Tierärztekammer Niedersachsen muss sie ständig dienstbereit sein, kann sich nachts und am Wochenende aber auf Antrag vertreten lassen.