Ost-West-Ausrichtung gegen Süddach: Was die Anlage wirklich bringt
Ost-West bringt rund 22 Prozent weniger Jahresertrag als ein Süddach, oft aber mehr Eigenverbrauch. Wann sich das auszahlt, auch mit Blick auf die geplante 50-Prozent-Einspeisebegrenzung.

Eine Ost-West-Anlage bringt weniger Jahresertrag als ein Süddach, verteilt den Strom aber flacher über den Tag. · KI-generierte Illustration
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
- 1.Ost-West-Ausrichtung gegen Süddach: Der Ertragsunterschied in Zahlen
- 2.Dieselbe Rechnung, vier Ergebnisse: Was an PVGIS die Voreinstellung entscheidet
- 3.Der Standort verschiebt den Ertrag, nicht den Ausrichtungsnachteil
- 4.Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad: zwei Kennzahlen, die häufig verwechselt werden
- 5.Warum ein flacherer Tagesgang den Eigenverbrauch erhöht
- 6.Die Rechnung: Eigenverbrauch bei 7,70 Cent Einspeisevergütung gegen 37 Cent Haushaltsstrom
- 7.Dachneigung und Ausrichtung im Zusammenspiel
- 8.Die 50-Prozent-Einspeisebegrenzung im EEG-2027-Entwurf verändert die Rechnung
- 9.Was die HTW-Simulation über Speicher und Ost-West wirklich zeigt
- 10.Welche Ausrichtung sich für wen lohnt
- 11.Häufige Fragen
Bei der Dachausrichtung hört die Beratung oft nach einem Satz auf: Süden ist am besten. Für den reinen Jahresertrag in Kilowattstunden stimmt das auch. Für die Frage, was am Ende auf der Stromrechnung ankommt, ist der Satz zu kurz gedacht.
Dieser Artikel rechnet beide Seiten durch: den Ertragsverlust einer Ost-West-Ausrichtung gegenüber einem Süddach mit eigener PVGIS-Berechnung, und den Gegenwert durch einen höheren Eigenverbrauchsanteil bei 7,70 Cent Einspeisevergütung gegen 37,0 Cent Haushaltsstrompreis. Dazu die Rolle der Dachneigung und ein Blick auf die geplante 50-Prozent-Einspeisebegrenzung im EEG-2027-Entwurf, die das Rechenspiel zugunsten von Ost-West verschiebt. Stand der Zahlen: 05.09.2026.
Ost-West-Ausrichtung gegen Süddach: Der Ertragsunterschied in Zahlen
Für eine eigene Vergleichsrechnung habe ich das PVGIS-Tool der EU-Kommission (Joint Research Centre) für den Standort Berlin genutzt, 52,52° Nord, 13,41° Ost, Strahlungsdatenbank PVGIS-SARAH2, Wetterjahre 2005 bis 2020, Systemverluste 14 Prozent. Ein Süddach mit 35 Grad Neigung kommt danach auf 1.055,7 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak im Jahr.
Eine Ost-West-Anlage gleicher Gesamtleistung, hälftig auf beide Dachhälften verteilt und ebenfalls mit 35 Grad geneigt, kommt in derselben Berechnung auf 824,5 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak – rund 22 Prozent weniger. Die Einzelwerte: 836,8 kWh/kWp für die reine Ostfläche, 812,2 kWh/kWp für die reine Westfläche.
Vorsicht bei pauschalen Prozentangaben im Netz: Die Fraunhofer-ISE-Kurzstudie „Photovoltaik-Zubau in Zahlen" (2021) nennt für eine nicht-südliche Ausrichtung bei jeweils optimal gewähltem Neigungswinkel „typischerweise zwischen 5 und 10 Prozent" Ertragseinbußen – deutlich weniger als die 22 Prozent oben. Der Unterschied liegt in der Methode: Fraunhofer vergleicht mit für die jeweilige Ausrichtung optimiertem, meist flacherem Winkel, meine Rechnung hält die Neigung bei 35 Grad konstant.
Beide Zahlen sind richtig, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.
| Ausrichtung und Neigung | Jahresertrag (kWh/kWp) | Differenz zu Süd 35° |
|---|---|---|
| Süd, 35° (Referenz) | 1.055,7 | – |
| Ost-West kombiniert, 35° | 824,5 | –21,9 % |
| Süd, 15° | 984,4 | –6,8 % |
| Süd-Fassade, 90° | 764,6 | –27,6 % |
| Nord, 35° | 535,3 | –49,3 % |
Eigene Berechnung mit PVGIS (re.jrc.ec.europa.eu), Standort Berlin, PVGIS-SARAH2, Wetterjahre 2005–2020, 1 kWp, Systemverluste 14 %. Abruf 05.09.2026.
Dieselbe Rechnung, vier Ergebnisse: Was an PVGIS die Voreinstellung entscheidet
PVGIS liefert nicht eine Zahl, sondern eine Spanne – je nachdem, welche Version und welche Montageart eingestellt sind. Wer den Rechner öffnet und einen anderen Wert als die 1.055,7 kWh/kWp oben sieht, hat sich nicht verrechnet. Ich habe deshalb dasselbe Berliner Dach am 06.09.2026 viermal über die Rechen-Schnittstelle des Joint Research Centre abgerufen, einmal je Kombination.
| PVGIS-Version, Strahlungsdatenbank | Montage | Süd | Ost-West-Mittel | Abstand |
|---|---|---|---|---|
| 5.2, PVGIS-SARAH2, 2005–2020 | freistehend | 1.055,7 | 824,5 | –21,9 % |
| 5.3, PVGIS-SARAH3, 2005–2023 | freistehend | 1.049,4 | 822,5 | –21,6 % |
| 5.2, PVGIS-SARAH2, 2005–2020 | gebäudeintegriert | 1.020,3 | 801,9 | –21,4 % |
| 5.3, PVGIS-SARAH3, 2005–2023 | gebäudeintegriert | 1.014,2 | 799,5 | –21,2 % |
Alle Werte in kWh/kWp im Jahr. Eigene Abrufe der PVGIS-Rechen-API, Berlin 52,52° N / 13,41° O, 1 kWp, 35 Grad Neigung, Systemverluste 14 %. Abruf 06.09.2026. Die Kennung der Strahlungsdatenbank und die Wetterjahre meldet PVGIS in der Antwort selbst.
Der absolute Süd-Ertrag bewegt sich zwischen 1.014,2 und 1.055,7 kWh/kWp. Das sind 41,5 kWh/kWp oder 4,1 Prozent Unterschied – bei identischem Dach, identischer Neigung, identischem Standort. Der Abstand zwischen Ost-West und Süd schwankt dagegen nur zwischen 21,2 und 21,9 Prozent, eine Spanne von 0,7 Prozentpunkten.
Das ist der eigentliche Befund: Die Einzelzahl in einem Angebot ist wackliger, als sie aussieht. Die Aussage über die Ausrichtung ist es nicht.
Der Standort verschiebt den Ertrag, nicht den Ausrichtungsnachteil
Die Faustregel „im Süden lohnt sich Ost-West eher“ hält der Rechnung nicht stand. Drei Standorte, gleiche Einstellungen, gebäudeintegriert:
| Standort | Süd | Ost | West | Ost-West-Mittel | Abstand zu Süd |
|---|---|---|---|---|---|
| Hamburg (53,55° N) | 952,0 | 764,9 | 751,4 | 758,2 | –20,4 % |
| Berlin (52,52° N) | 1.020,3 | 813,5 | 790,3 | 801,9 | –21,4 % |
| München (48,14° N) | 1.076,9 | 853,3 | 851,8 | 852,6 | –20,8 % |
Alle Werte in kWh/kWp im Jahr. Eigene PVGIS-Abrufe (Version 5.2, PVGIS-SARAH2, 2005–2020, gebäudeintegriert, 35 Grad, 14 % Systemverluste), Abruf 06.09.2026.
Ein Süddach in München liefert 1.076,9 gegen 952,0 kWh/kWp in Hamburg – 13,1 Prozent mehr. Der Ost-West-Nachteil unterscheidet sich zwischen denselben drei Städten um genau einen Prozentpunkt, von 20,4 bis 21,4 Prozent. Wer 500 Kilometer weiter südlich baut, gewinnt also spürbar Ertrag, verschiebt aber die Ausrichtungsentscheidung praktisch nicht.
Ein Nebenbefund, der in keiner Faustregel steht: In München liegen Ost und West mit 853,3 gegen 851,8 kWh/kWp nur 1,5 kWh/kWp auseinander, in Hamburg sind es 13,5 kWh/kWp. Selbst der kleine Vorsprung der Ostfläche ist standortabhängig – zu klein für eine Planungsaussage, aber ein Grund, dem eigenen Abruf mehr zu trauen als einer Zahl aus einem Ratgeber, meiner eingeschlossen.
Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad: zwei Kennzahlen, die häufig verwechselt werden
Bevor die Rechnung weitergeht, lohnt sich eine saubere Trennung. In Artikeln zu diesem Thema werden beide Begriffe erfahrungsgemäß gern vertauscht, und die Verwechslung verfälscht jede Prozentangabe, die darauf aufbaut.
Der Eigenverbrauchsanteil beschreibt laut der Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin den Anteil des produzierten Solarstroms, der im Haus verbraucht oder in den Speicher geladen wird – bezogen auf die PV-Erzeugung. Der Autarkiegrad dagegen gibt den Anteil des gesamten Stromverbrauchs an, der durch PV-Direktverbrauch und Speicherentladung gedeckt wird – bezogen auf den Verbrauch.
Für den Vergleich zwischen Ausrichtungen ist vor allem der Eigenverbrauchsanteil interessant, weil er direkt beschreibt, wie viel vom erzeugten Strom nicht ins Netz muss. Genau hier setzt das Argument für Ost-West an.
Warum ein flacherer Tagesgang den Eigenverbrauch erhöht
Ein Süddach liefert seine Erzeugung konzentriert um die Mittagsstunden: eine hohe, schmale Spitze. Trifft diese Spitze auf einen Haushalt, der vormittags und abends mehr Strom braucht als mittags – der häufigste Fall bei Berufstätigen ohne Homeoffice –, wird ein großer Teil davon ins Netz eingespeist, weil er im Moment der Erzeugung schlicht nicht gebraucht wird.
Eine Ost-West-Anlage verteilt dieselbe Gesamtleistung auf zwei flachere Spitzen am Vormittag und späten Nachmittag. Nach der HTW-Stromspeicher-Inspektion 2021 sinkt der Autarkiegrad einer reinen Ost- oder Westausrichtung gegenüber Süd bei einer 10-kWp-Anlage mit 7,5 kWh Speicher zwar um 3,6 beziehungsweise 3,1 Prozentpunkte. Bei 20 kWp Anlagenleistung schrumpft der Unterschied zwischen Ost und West aber auf maximal 1,1 Prozentpunkte.
Die Ausrichtung verliert mit wachsender Anlagengröße also an Gewicht – ein Effekt, den kleine Dachanlagen so nicht zeigen.
In der Praxis zählt für den Eigenverbrauch ohne Speicher vor allem eines: Je öfter die Erzeugungskurve unterhalb der Verbrauchskurve bleibt, desto mehr Strom wird direkt genutzt statt eingespeist. Eine breitere, flachere Kurve trifft die Verbrauchskurve öfter, auch wenn sie in der Spitze niedriger ausfällt.
Die Rechnung: Eigenverbrauch bei 7,70 Cent Einspeisevergütung gegen 37 Cent Haushaltsstrom
Für eine Inbetriebnahme zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Dezember 2026 zahlt der Netzbetreiber laut Bundesnetzagentur für Dachanlagen bis 10 Kilowatt 7,70 Cent je Kilowattstunde Überschusseinspeisung. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt laut BDEW-Strompreisanalyse 2026 bisher bei 37,0 Cent je Kilowattstunde. In der Differenz zwischen diesen beiden Werten liegt der eigentliche Hebel.
Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ist damit rund 4,8-mal so viel wert wie eine eingespeiste. Das ist der Grund, warum ein geringerer Jahresertrag mit höherem Eigenverbrauchsanteil unterm Strich mehr Geld bringen kann als ein höherer Jahresertrag mit viel Einspeisung.
| Größe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Einspeisevergütung, Überschuss, bis 10 kW | 7,70 ct/kWh | Bundesnetzagentur, Inbetriebnahme 01.08.2026–31.12.2026 |
| Einspeisevergütung, Volleinspeisung, bis 10 kW | 12,22 ct/kWh | Bundesnetzagentur, dieselbe Periode |
| Haushaltsstrompreis, Durchschnitt 2026 | 37,0 ct/kWh | BDEW-Strompreisanalyse |
| Wertfaktor Eigenverbrauch vs. Einspeisung | rund 4,8 | eigene Rechnung: 37,0 ÷ 7,70 |
Wie belastbar sind die 37,0 Cent? Zwei Quellen, zwei Zahlen
Die ganze Rechnung hängt an einem einzigen Strompreis – und für den nennen zwei benannte Quellen unterschiedliche Werte. Die BDEW-Strompreisanalyse schreibt: „Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte ist 2026 im Vergleich zum Vorjahr gesunken und beträgt bisher durchschnittlich 37,0 ct/kWh.“ Das Statistische Bundesamt meldete am 31. März 2026 für das zweite Halbjahr 2025 dagegen 40,55 Cent je Kilowattstunde – 3,55 Cent mehr.
Der Unterschied ist kein Widerspruch, sondern eine andere Definition, und destatis benennt sie auf derselben Seite: In den Durchschnitt fallen dort „sämtliche Tarife beziehungsweise Strompreise des verkaufenden Unternehmens“, ausdrücklich auch Wärmepumpenstrom, Strom für E-Mobilität, Nachttarife sowie Neu- und Altverträge. Es ist ein mengengewichteter Gesamtpreis, kein Musterhaushalt. Dazu kommt der Zeitversatz: destatis beschreibt das zweite Halbjahr 2025, der BDEW den bisherigen Verlauf 2026.
Wichtiger als die Frage, welcher Wert „richtig“ ist, ist die Probe, ob das Ergebnis daran hängt:
| Strompreisquelle | Ersparnis durch 500 kWh Eigenverbrauch | entgangene Vergütung | Netto-Vorteil im Jahr | Wertfaktor |
|---|---|---|---|---|
| BDEW 2026: 37,0 ct/kWh | 185,00 € | 38,50 € | 146,50 € | 4,8 |
| destatis 2. Hj. 2025: 40,55 ct/kWh | 202,75 € | 38,50 € | 164,25 € | 5,3 |
Eigene Rechnung mit 7,70 ct/kWh Überschusseinspeisung (Bundesnetzagentur, Inbetriebnahme 01.08.2026–31.12.2026). Quellenwerte per Direktabruf am 06.09.2026 gelesen.
Das Vorzeichen bleibt, die Größenordnung auch: Der Netto-Vorteil liegt je nach Quelle zwischen 146,50 und 164,25 Euro im Jahr, der Wertfaktor zwischen 4,8 und 5,3. Wer anderswo 40 statt 37 Cent liest, kommt zum selben Schluss – nur zu einem etwas größeren Vorteil. Die eine Zahl, die diese Rechnung tatsächlich kippen würde, ist nicht der Strompreis, sondern der Eigenverbrauchs-Zuwachs von 500 Kilowattstunden. Der ist eine Modellannahme, kein gemessener Durchschnitt – dazu gleich mehr.

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Dachneigung und Ausrichtung im Zusammenspiel
Neigung und Ausrichtung wirken zusammen, nicht getrennt. Ein Süddach mit 15 Grad Neigung erreicht in meiner PVGIS-Rechnung 984,4 kWh/kWp – nur 6,8 Prozent weniger als die 35-Grad-Referenz. Die Neigung allein kostet bei Südausrichtung also deutlich weniger Ertrag als eine falsche Himmelsrichtung.
Umgekehrt gilt: Je flacher eine Ost-West-Anlage montiert wird, desto kleiner der Abstand zu Süd. Das deckt sich mit der Fraunhofer-ISE-Beobachtung, dass Bauherren zunehmend flachere Neigungswinkel wählen, um genau diese Einbußen zu begrenzen – nach der Kurzstudie ist der Anteil der Dach- und Freiflächenanlagen mit unter 20 Grad Neigung zwischen 2010 und 2019 auf durchschnittlich 19 Prozent gestiegen.
Das ist fast doppelt so hoch wie in der Dekade davor.
Nach Norden ausgerichtete Flächen bleiben die Ausnahme: laut Fraunhofer ISE lag ihr Anteil an den 2019 gebauten Anlagen bei nur 2,1 Prozent, mit Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent gegenüber Süd. Meine eigene Rechnung für Nord, 35 Grad, kommt mit 535,3 kWh/kWp auf fast exakt die Hälfte des Süd-Ertrags – ein Nord-Süd-Vergleich, kein Argument gegen Ost-West.
Die 50-Prozent-Einspeisebegrenzung im EEG-2027-Entwurf verändert die Rechnung
Ein Aspekt, den ältere Ratgeber zur Ausrichtung noch nicht kennen können: Der Kabinettsentwurf zur EEG-Novelle vom 29. Juli 2026 sieht in § 9 Absatz 2b eine neue Pflicht vor. Betreiber von Dach-Solaranlagen unter 100 Kilowatt sollen die Einspeiseleistung am Verknüpfungspunkt dauerhaft auf maximal 50 Prozent der installierten Leistung begrenzen – unabhängig vom Messsystem und unabhängig davon, ob die Anlage direkt vermarktet wird.
Ich habe den Entwurfstext direkt beim Bundeswirtschaftsministerium gelesen, die Formulierung ist wortgleich mit der Fassung, die auch im Artikel zur EEG-Reform 2027 zitiert wird.
Für die Ausrichtungsfrage ist die Konsequenz einfach: Eine scharfe Mittagsspitze eines Süddachs wird an der 50-Prozent-Grenze öfter gekappt, weil sie punktuell weit über die Hälfte der installierten Leistung hinausschießt. Eine Ost-West-Anlage mit ihrem flacheren Verlauf reißt diese Grenze seltener, weil ihre Erzeugungsspitzen ohnehin niedriger liegen. Gekappte Leistung ist wirtschaftlich verlorene Leistung, sofern sie nicht gleichzeitig verbraucht oder gespeichert wird – die 50-Prozent-Regel wertet die Ost-West-Ausrichtung damit relativ auf, ohne ihren absoluten Ertragsnachteil zu verändern.
Was die HTW-Simulation über Speicher und Ost-West wirklich zeigt
Ein Nachteil der Ost-West-Ausrichtung wird in Marketingtexten gern verschwiegen: Sobald ein ausreichend dimensionierter Batteriespeicher im System ist, schrumpft ihr Eigenverbrauchsvorteil erheblich – manchmal bis auf null.
Die HTW-Stromspeicher-Inspektion 2021 hat genau das simuliert, für Anlagen mit 10 und 20 Kilowatt-Peak und 7,5 Kilowattstunden nutzbarer Speicherkapazität, Standort Lindenberg in Brandenburg. Ergebnis der Forschungsgruppe wörtlich: „Ein Vorteil der Ost-West-Belegung gegenüber der Süd-Belegung ergibt sich für keine der beiden betrachteten PV-Anlagengrößen." Die gleichmäßig verteilte Ost-West-Belegung brachte gegenüber einer reinen Ost- oder Westausrichtung nur einen Anstieg des Autarkiegrads um maximal 0,5 Prozentpunkte – und blieb damit weiter unter dem Süd-Wert.
Der Grund: Ein ausreichend großer Speicher puffert die Mittagsspitze eines Süddachs bereits so gut ab, dass der zeitliche Vorteil von Ost-West kaum noch etwas beiträgt. Kritikpunkt an vielen vereinfachten Online-Rechnungen: Sie vergleichen Ost-West-Vorteile meist ohne Speicher und übertragen das Ergebnis unverändert auf Haushalte mit Speicher, wo die Rechnung anders ausfällt.
Der Eigenverbrauchsvorteil von Ost-West ist damit vor allem dort real, wo kein oder nur ein kleiner Speicher geplant ist, oder wo – wie bei der 50-Prozent-Regel – die Einspeiseleistung ohnehin gedeckelt wird. Mit großzügig dimensioniertem Speicher verschiebt sich das Argument zurück in Richtung Süd, weil dort schlicht mehr Kilowattstunden im Jahr anfallen, die der Speicher dann selbst zeitlich verschieben kann.
Welche Ausrichtung sich für wen lohnt
Nach allen Zahlen oben lässt sich eine klare Empfehlung geben, keine Ausweichantwort:
Wer tagsüber zu Hause ist – Homeoffice, Rente, Elternzeit – hat schon ohne Speicher einen breiteren Verbrauch über den Tag. Rechne nach, wie viele Kilowattstunden dein Haushalt typischerweise zwischen 8 und 16 Uhr verbraucht, etwa anhand des Lastprofils auf deiner Stromrechnung.
Ist ein Speicher von mehr als 1 kWh je 1.000 kWh Jahresverbrauch vorgesehen, sinkt laut der HTW-Simulation oben der Ost-West-Vorteil auf nahe null. Details zur Speicherauslegung stehen im Ratgeber zur Speichergröße.
Ein Süddach mit Gauben, Kaminen oder Dachfenstern verliert oft mehr nutzbare Fläche als zwei einfache Ost- und Westflächen. Miss die verschattungsfreie Fläche je Ausrichtung, bevor du eine Ausrichtung wegen der reinen Ertragszahl verwirfst.
✅ Ihre Checkliste für: Welche Ausrichtung sich für wen lohnt
Erfahrungsgemäß ist der häufigste Fehler bei dieser Entscheidung, sich ausschließlich an der reinen Ertragszahl aus dem Angebot zu orientieren und den Eigenverbrauch komplett auszublenden. Wer eine Solaranlage nur nach Kilowattstunden pro Jahr vergleicht, wie es im Ratgeber zur Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik ausführlicher beschrieben ist, übersieht genau den Hebel, um den es in diesem Artikel geht.

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Für die Feinabstimmung des Eigenverbrauchs unabhängig von der Dachausrichtung – etwa durch Lastverschiebung oder ein Energiemanagementsystem – lohnt sich ein Blick in den Ratgeber zum Eigenverbrauch optimieren.
Wer sich zwischen Überschusseinspeisung und kompletter Volleinspeisung entscheiden muss, findet die Gegenüberstellung im Artikel Eigenverbrauch oder Volleinspeisung. Einen Überblick über Aufdach-, Indach- und weitere Anlagentypen liefert der Ratgeber zu den Photovoltaik-Anlagentypen.
Häufige Fragen
Wie viel Ertrag kostet eine Ost-West-Ausrichtung im Vergleich zu Süd?
Nach einer eigenen PVGIS-Berechnung für Berlin, 35 Grad Neigung, PVGIS-SARAH2-Daten 2005 bis 2020: rund 22 Prozent weniger Jahresertrag als eine Süd-Anlage gleicher Neigung. Bei jeweils optimal gewähltem, meist flacherem Neigungswinkel nennt die Fraunhofer-ISE-Kurzstudie 2021 dagegen nur 5 bis 10 Prozent Einbußen. Beide Werte sind korrekt, sie unterscheiden sich durch die Annahme zur Neigung.
Was ist der Unterschied zwischen Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad?
Der Eigenverbrauchsanteil ist der Anteil des erzeugten Solarstroms, der im Haus verbraucht oder gespeichert wird – bezogen auf die PV-Erzeugung. Der Autarkiegrad ist der Anteil des gesamten Stromverbrauchs, der durch PV-Direktverbrauch und Speicherentladung gedeckt wird – bezogen auf den Verbrauch. Die beiden Kennzahlen beziehen sich auf unterschiedliche Nenner und lassen sich nicht ineinander umrechnen, ohne PV-Erzeugung und Gesamtverbrauch zu kennen.
Lohnt sich Ost-West auch mit einem großen Batteriespeicher?
Laut HTW-Stromspeicher-Inspektion 2021 kaum: Bei 10 und 20 Kilowatt-Peak mit 7,5 Kilowattstunden Speicher ergab sich in der Simulation kein Autarkievorteil gegenüber Süd. Der Speicher übernimmt bereits einen Großteil der zeitlichen Verschiebung, die Ost-West sonst liefert.
Was ändert die geplante 50-Prozent-Einspeisebegrenzung an der Empfehlung?
Der EEG-2027-Entwurf sieht in § 9 Absatz 2b eine dauerhafte Begrenzung der Einspeiseleistung neuer Dachanlagen unter 100 Kilowatt auf 50 Prozent der installierten Leistung vor. Da ein Süddach seine Erzeugungsspitze konzentrierter und damit öfter über dieser Grenze hat, wertet die Regel Ost-West-Anlagen relativ auf. Der Entwurf ist Stand 05.09.2026 noch nicht beschlossen.
Welche Rolle spielt die Dachneigung neben der Ausrichtung?
Bei Südausrichtung ist die Neigung vergleichsweise unkritisch: 15 statt 35 Grad kosten in der eigenen PVGIS-Rechnung nur 6,8 Prozent Ertrag. Bei Ost-West-Anlagen wird häufig eine flachere Neigung gewählt, um die Ertragseinbußen der Ausrichtung zu begrenzen – ein Effekt, den auch die Fraunhofer-ISE-Kurzstudie 2021 dokumentiert.
Warum zeigt mir PVGIS einen anderen Wert als dieser Artikel?
Weil das Ergebnis von zwei Voreinstellungen abhängt. Version 5.2 rechnet mit der Strahlungsdatenbank PVGIS-SARAH2 und den Wetterjahren 2005 bis 2020, Version 5.3 mit PVGIS-SARAH3 und 2005 bis 2023; dazu kommt die Wahl zwischen freistehender und gebäudeintegrierter Montage. Für dasselbe Berliner Süddach ergeben sich daraus vier Werte zwischen 1.014,2 und 1.055,7 kWh/kWp – 4,1 Prozent Spanne. Der Abstand zwischen Ost-West und Süd bleibt dabei mit 21,2 bis 21,9 Prozent nahezu konstant.
Lohnt sich Ost-West im Süden Deutschlands eher als im Norden?
Nein. Nach eigenen PVGIS-Abrufen vom 06.09.2026 liegt der Ost-West-Nachteil in Hamburg bei 20,4 Prozent, in Berlin bei 21,4 und in München bei 20,8 Prozent – eine Spanne von einem Prozentpunkt. Der Standort entscheidet über die absolute Höhe des Ertrags (München liegt 13,1 Prozent über Hamburg), praktisch nicht über die Ausrichtungsfrage.
Muss ich mit 37 oder mit 40 Cent Haushaltsstrompreis rechnen?
Beides ist belegbar. Der BDEW nennt für 2026 bisher 37,0 ct/kWh, das Statistische Bundesamt für das zweite Halbjahr 2025 40,55 ct/kWh – die destatis-Zahl ist ein mengengewichteter Gesamtpreis über alle Tarife inklusive Wärmepumpen-, Nacht- und E-Mobilitätsstrom, kein Musterhaushaltspreis. Für die Entscheidung spielt es kaum eine Rolle: Der Netto-Vorteil im 500-kWh-Beispiel liegt bei 146,50 gegen 164,25 Euro im Jahr. Am belastbarsten ist ohnehin dein eigener Arbeitspreis aus der letzten Jahresabrechnung.
Kann ich meine eigene Dachfläche selbst mit PVGIS durchrechnen?
Ja. Das PVGIS-Tool der EU-Kommission ist kostenlos nutzbar, braucht nur Standort, Neigung und Ausrichtung und liefert Jahresertragswerte auf Basis langjähriger Satellitendaten. Für den Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad bietet die HTW Berlin einen eigenen Unabhängigkeitsrechner an.
Was ist der häufigste Fehler bei der Entscheidung für eine Ausrichtung?
Erfahrungsgemäß die reine Fixierung auf die Jahresertragszahl aus dem Angebot. Wer nur die Kilowattstunden pro Jahr vergleicht, übersieht den Wertunterschied zwischen eingespeister und selbst verbrauchter Kilowattstunde – bei aktuell 7,70 gegen 37,0 Cent ein Faktor von rund 4,8.
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