Ölmühle mit PV: Schneckenpresse, Pressplan und Eigenverbrauch
BDEW M-24, TFZ Bayern, Kern Kraft, BRANDER, oelwerk und LW heute gelesen, 20 t Saat in vier Pressplänen gegen PVGIS Hannover, Speicher und G1 gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 9 Abschnitte
- 1.Kurz gesagt: Was bringt Photovoltaik in der Ölmühle?
- 2.Welches Lastprofil gilt für eine Ölmühle?
- 3.Was eine Schneckenpresse leistet und verbraucht
- 4.Wie viele Ölmühlen gibt es?
- 5.Das Modell: eine Schneckenpresse, 20 Tonnen Saat, vier Pressvarianten
- 6.PV-geführt pressen: Saatlager statt Batterie
- 7.Lohnt ein Speicher in der Ölmühle?
- 8.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 9.Häufige Fragen
Eine Ölmühle hat einen Vorteil, den kaum ein anderer Betrieb hat: Die Saat liegt im Lager und wartet. Anders als Äpfel in der Mosterei muss Raps nicht an einem bestimmten Tag gepresst werden. Wann die Schneckenpresse läuft, entscheidet der Betreiber. Dieser Ratgeber rechnet nach, wie viel Solarstrom eine kleine Ölmühle selbst nutzt, wenn sie rund um die Uhr, an Werktagen oder gezielt in der Mittagssonne presst. Stand: 14.09.2026.
Kurz gesagt: Was bringt Photovoltaik in der Ölmühle?
Viel, wenn der Pressplan zur Sonne passt. Eine Hofölmühle mit einer Presse von 20 kg Saat je Stunde braucht im Modell rund 3.578 kWh Strom im Jahr. Eine Anlage mit 5 kWp deckt davon 46,1 %, wenn jeder zweite Werktag von 8 bis 16 Uhr gepresst wird, und 53,6 % bei einem Mittagsfenster von 10 bis 15 Uhr an vier von fünf Werktagen.
Wer die Presse PV-geführt einschaltet, also nur in den ertragsstärksten Stunden, kommt auf 76,2 % Autarkie. Wer dagegen in Blöcken von vier Tagen rund um die Uhr presst, erreicht nur 27,2 %, weil drei Viertel des Stroms außerhalb von 10 bis 16 Uhr anfallen.
Die Mühle ist damit das Gegenstück zur Mosterei: Dort diktiert die Apfelernte die Presstage, hier das Lager nicht.
Welches Lastprofil gilt für eine Ölmühle?
Die BDEW-Liste M-24 führt die Ölmühle unter dem Kundengruppenschlüssel 154 mit dem Profil G1, ebenso die Herstellung von pflanzlichem Öl. Das steht in der Zuordnung der VDEW-Lastprofile zum Kundengruppenschlüssel. In der VDEW-Profildatei ist G1 mit „Gewerbe werktags 8-18“ überschrieben.
G1 passt nur zur Mühle, die tagsüber presst. Mit 5 kWp ergibt G1 37,1 % Eigenverbrauch, die Werktagsvariante im Modell 31,1 % und das Mittagsfenster 36,2 %. Den Dauerbetrieb überschätzt G1 um das Doppelte, die PV-geführte Presse unterschätzt es.
Ein typischer Fehler ist, den Pressplan als gegeben zu nehmen und die Anlage nach G1 zu rechnen. Bei einer Ölmühle ist der Lastgang eine Entscheidung, und ein Planer sollte mehrere Pressvarianten gegeneinander rechnen.
Was eine Schneckenpresse leistet und verbraucht
Kleine Ölmühlen arbeiten mit Schneckenpressen. Der Händler oelwerk.com teilt sie nach Durchsatz ein: Einstieg 5–30 kg/h, Profibetrieb 50–200 kg/h, Industrie ab 200 kg/h. Schneckenpressen arbeiten kontinuierlich und eignen sich laut Händler für Dauerbetrieb. Drei Beispiele (Abruf: 14.09.2026):
| Presse | Durchsatz | Motor | Quelle |
|---|---|---|---|
| Kern Kraft KK20 F Universal | bis 20 kg Saat je Stunde | 2,2 kW, 230 V oder 400 V | Hersteller |
| Kern Kraft KK20 F Special | bis 20 kg Saat je Stunde | 3 kW, für harte Saaten | Hersteller |
| BRANDER Schneckenpresse | bis 6 Liter Öl je Stunde | 1,5 kW | Händler |
Wie viel Öl aus der Saat kommt, nennt das Technologie- und Förderzentrum Bayern: ca. 330 kg Öl je Tonne Rapssaat, bei einem Abpressgrad von durchschnittlich 80 %. Im Presskuchen bleiben im Mittel 14 % Restöl.
Daraus lässt sich der Strom je Liter abschätzen. Die KK20 presst aus 20 kg Saat 6,6 kg Öl, mit 0,92 kg je Liter gerechnet sind das rund 7,2 Liter je Stunde. Bei voller Motorleistung von 2,2 kW ergibt das 0,31 kWh je Liter, bei der BRANDER-Presse 0,25 kWh je Liter. Das sind Obergrenzen, weil ein Motor selten dauerhaft mit Nennleistung läuft.
Wie viele Ölmühlen gibt es?
Eine aktuelle amtliche Zahl hat dieser Ratgeber nicht gefunden. Das Wochenblatt LW heute nannte rund 600 dezentrale mittelständische Ölmühlen mit etwa 1,4 Millionen Tonnen Verarbeitungskapazität und rund 10.000 Arbeitsplätzen. Die jüngste Zahl im Artikel stammt vom November 2008, damals allein 251 Ölmühlen in Bayern.
Die dezentralen Mühlen gewannen laut Artikel aus Raps ein Drittel Pflanzenölkraftstoff und zwei Drittel Presskuchen. Die Rapsölpresse eines vorgestellten Betriebs leistet 100 kg je Stunde, seine Kunden fahren mit dem Öl vor allem Schlepper und Erntemaschinen. Wie viele dieser Mühlen heute noch arbeiten, bleibt offen.
Das Modell: eine Schneckenpresse, 20 Tonnen Saat, vier Pressvarianten
Das Modell presst 20 t Saat im Jahr mit einer KK20, das sind 1.000 Pressstunden und rund 7.174 Liter Öl. Während der Pressung laufen 2,2 kW Presse und 0,5 kW für Filter, Pumpe und Abfüllung, dazu das ganze Jahr 0,1 kW Grundlast. Die Jahresmenge und die beiden kleinen Lasten sind Annahmen. Zusammen sind das 0,376 kWh je Liter.
Vier Varianten verteilen dieselbe Menge unterschiedlich. Der Dauerbetrieb presst in zehn Blöcken von je vier Tagen rund um die Uhr, das sind 960 Stunden. Die Werktagsvariante presst jeden zweiten Werktag von 8 bis 16 Uhr, das Mittagsfenster vier von fünf Werktagen von 10 bis 15 Uhr. Die PV-geführte Presse läuft in den 1.000 ertragsstärksten Werktagsstunden zwischen 7 und 19 Uhr. Der Solarertrag stammt aus PVGIS 5.3 für Hannover, Wetterjahr 2020, Südanlage mit 35 Grad Neigung, 1.060,6 kWh je kWp.
| Pressplan | 3 kWp | 5 kWp | 10 kWp |
|---|---|---|---|
| Dauerbetrieb in 4-Tage-Blöcken (3.468 kWh) | 23,0 % | 17,8 % | 10,7 % |
| Jeder 2. Werktag 8–16 Uhr | 36,8 % | 31,1 % | 19,9 % |
| 4 von 5 Werktagen 10–15 Uhr | 42,8 % | 36,2 % | 22,2 % |
| PV-geführt | 59,5 % | 51,4 % | 29,2 % |
| Standardprofil G1 | 52,3 % | 37,1 % | 21,7 % |
Die Tabelle zeigt den Eigenverbrauch. Mit 10 kWp deckt die PV-geführte Presse 86,6 % ihres Stroms, das Mittagsfenster 65,8 %, die Werktagsvariante 58,9 % und der Dauerbetrieb 32,6 %.
PV-geführt pressen: Saatlager statt Batterie
Die PV-geführte Presse verschiebt die Arbeit in den Sommer. Von April bis September fallen 68,8 % ihres Stroms an, beim Dauerbetrieb 50,0 %. Im April presst sie im Modell 143 Stunden, im Dezember nur 21 Stunden. Die schwächste noch gewählte Stunde liefert 317 W je kWp.
| Monat | Pressstunden PV-geführt |
|---|---|
| Januar | 28 |
| Februar | 31 |
| März | 93 |
| April | 143 |
| Mai | 120 |
| Juni | 127 |
| Juli | 115 |
| August | 119 |
| September | 125 |
| Oktober | 38 |
| November | 40 |
| Dezember | 21 |
In der Praxis braucht das ein Saatlager, das die Ernte bis zum Sommer hält, und genug Öl- und Presskuchenabsatz im Winter aus dem Vorrat. Öl lässt sich lagern, Solarstrom ohne Batterie nicht. Das Lager übernimmt damit die Rolle des Speichers.
Im Winter weist das TFZ auf einen Punkt hin: Kalte Saat aus dem Lager sollte sich vor dem Pressen an die Temperatur im Pressenraum anpassen, zum Beispiel über eine moderate Saatanwärmung oder einen Saat-Tagesvorratsbehälter. Im Modell lag die Außentemperatur an Werktagen zwischen 10 und 15 Uhr in 162 Stunden unter 5 °C. Die Saatanwärmung rechnet das Modell nicht.

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Lohnt ein Speicher in der Ölmühle?
Für den Dauerbetrieb am ehesten. Ein Batteriespeicher mit 1 kWh Kapazität je kWp hebt die Autarkie mit 5 kWp von 27,2 auf 41,9 % und den Eigenverbrauch von 17,8 auf 27,4 %. Beim Mittagsfenster steigt die Autarkie von 53,6 auf 74,0 %, beim Werktagsbetrieb von 46,1 auf 67,4 %.
Die PV-geführte Presse kommt mit Speicher auf 98,4 % Autarkie, aber sie braucht ihn kaum: Schon ohne Speicher liegt sie bei 76,2 %. Ein verschobener Pressplan kostet nichts, ein Speicher mit 5 kWh schon. Wie groß ein Speicher sinnvoll ist, zeigt Speichergröße berechnen. Das Modell rechnet mit 95 % Wirkungsgrad je Lade- und Entladerichtung, das ist eine Annahme.
Wie man Verbraucher nach dem Überschuss schaltet, erklärt der Ratgeber SG-Ready und Überschusssteuerung am Beispiel der Wärmepumpe. Ob sich Einspeisen oder Selbstnutzen mehr lohnt, zeigt Eigenverbrauch oder Volleinspeisung.
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Drei Größen stehen in keiner gelesenen Quelle. Erstens der gemessene Stromverbrauch je Liter Öl, die Werte oben sind aus Motorleistung und Ausbeute abgeleitet. Zweitens der Strom für Filter, Abfüllung und Saatanwärmung. Drittens, wie viele kleine Ölmühlen es heute gibt und wie sie ihre Presstage planen.
Die Ausbeute von 330 kg Öl je Tonne gilt für Raps. Lein, Sonnenblume oder Hanf liefern andere Mengen, und harte Saaten brauchen wie bei der KK20 F Special mehr Motorleistung. Die Richtung der Ergebnisse hängt daran nicht: Je mehr Pressstunden in der Mittagssonne liegen, desto mehr Solarstrom nutzt die Mühle selbst.
- Pressstunden zählen: Wie viele Stunden lief die Presse im letzten Jahr, und in welchen Monaten?
- Motorleistung notieren: Leistung von Presse, Filter und Pumpe aus den Typenschildern.
- Zähler ablesen: Lies den Zählerstand vor und nach einem Presstag ab.
- Lager prüfen: Reicht das Saatlager, um im Sommer mehr zu pressen?
- Angebot anfordern: Den Planer Dauerbetrieb, Mittagsfenster und PV-geführte Pressung vergleichen lassen.
- Wie viel Saat presst die Mühle im Jahr, und mit welchem Durchsatz?
- Läuft die Presse heute rund um die Uhr oder nur tagsüber?
- Wie lange lässt sich Saat lagern, und wo?
- Gibt es Hofladen oder Kühlung am selben Zähler?
- Bist du pauschalierender Landwirt, und was bedeutet das für den Strom?
Häufige Fragen
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Wie viel Strom braucht eine Ölpresse? +
Wie viel Öl bekommt man aus einer Tonne Raps? +
Wie viel Strom braucht ein Liter Rapsöl? +
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Wie viele Ölmühlen gibt es in Deutschland? +

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