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Mosterei und Kelterei mit PV: Pasteur, Saison und Lastgang

BDEW M-24, fünf Lohnmostereien, Pasteur- und Bandpressen-Daten gelesen, Presssaison mit elektrischem und Gas-Pasteur gegen PVGIS Hannover, Speicher und G1 gerechnet.

⏱️ 9 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 14. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 9 Abschnitte
  1. 1.Kurz gesagt: Was bringt Photovoltaik in der Mosterei?
  2. 2.Welches Lastprofil gilt für eine Mosterei?
  3. 3.Wann Mostereien pressen
  4. 4.Pasteur: Womit der Saft erhitzt wird
  5. 5.Das Modell: 26 Presstage mit elektrischem oder Gas-Pasteur
  6. 6.Mehr Presstage, früherer Start
  7. 7.Lohnt ein Speicher in der Mosterei?
  8. 8.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  9. 9.Häufige Fragen

Eine Lohnmosterei arbeitet, wenn die Äpfel reif sind, und das ist nicht die Zeit, in der eine Solaranlage viel liefert. Gepresst wird im September und Oktober, pasteurisiert wird mit Heizleistung, und den Rest des Jahres steht die Anlage fast still. Dieser Ratgeber rechnet nach, wie wenig Solarstrom eine Mosterei selbst nutzen kann, warum die Heizart des Pasteurs alles entscheidet und wann sich eine Anlage trotzdem lohnt. Stand: 14.09.2026.

Kurz gesagt: Mit elektrischem Pasteur fallen im Modell 85,3 % des Jahresstroms auf September und Oktober, aber nur 15,4 % des Solarertrags. Eine Anlage mit 10 kWp nutzt die Mosterei zu 12,0 % selbst. Das Standardprofil G1 würde 38,3 % ansetzen und liegt damit mehr als dreimal zu hoch.

Kurz gesagt: Was bringt Photovoltaik in der Mosterei?

Für den Pressbetrieb allein wenig. Im Modell braucht eine Lohnmosterei mit elektrischem Pasteur 7.472 kWh im Jahr, fast alles an 26 Presstagen. Eine Anlage mit 10 kWp deckt davon 17,1 %, der Rest des Solarstroms geht ins Netz.

Heizt der Pasteur mit Gas, sinkt der Strombedarf auf 2.012 kWh. Dann deckt dieselbe Anlage 49,5 % des Stroms, nutzt aber nur 9,4 % ihres Ertrags selbst. Die Mosterei ist damit eher ein Fall für eine kleine Anlage oder für Volleinspeisung als für eine Eigenverbrauchsanlage.

Wer mehr aus dem Dach machen will, braucht eine zweite Last, die das ganze Jahr läuft: Hofladen, Kühlraum, Wohnhaus oder ein Warmwasserspeicher. Wie Einspeisen und Selbstnutzen sich rechnen, erklärt Eigenverbrauch oder Volleinspeisung.

Welches Lastprofil gilt für eine Mosterei?

Die BDEW-Liste M-24 führt Kelterei, Mosterei und Süßmosterei unter dem Kundengruppenschlüssel 159 mit dem Profil G1. Das steht in der Zuordnung der VDEW-Lastprofile zum Kundengruppenschlüssel. G1 steht für Gewerbe, das werktags von 8 bis 18 Uhr arbeitet, und zwar das ganze Jahr.

Genau das tut die Lohnmosterei nicht. G1 legt 16,0 % des Jahresverbrauchs auf September und Oktober, die Mosterei mit elektrischem Pasteur 85,3 % und mit Gas-Pasteur 45,4 %. Ein typischer Fehler ist, das Angebot mit G1 zu rechnen: Bei 10 kWp ergibt G1 38,3 % Eigenverbrauch, das Modell 12,0 %.

Wer seinen Saft das ganze Jahr in einem Hofladen verkauft und kühlt, liegt näher an G1. Die reine Lohnmosterei mit Saisonbetrieb bildet kein Standardprofil ab.

Balkendiagramm: Anteil September und Oktober am Jahr. Elektrischer Pasteur: 85,3 Prozent. Pasteur mit Gas: 45,4 Prozent. Standardprofil G1: 16,0 Prozent. Solarertrag Süd 35 Grad: 15,4 Prozent.
Die Mosterei braucht ihren Strom, wenn die Sonne wenig liefert. · Foto: Eigene Grafik

Wann Mostereien pressen

Die Saison hängt an der Reife und ist kurz. Fünf Beispiele (Abruf: 14.09.2026):

BetriebSaisonAnnahme oder Presstermine
Satower Mostereiab 31.08.2026Annahme in Satow Mo, Mi und Fr 8–18 Uhr
Obsthof Gestorferster Presstermin 01.09.2026Termin nach Vereinbarung, ab 70 kg
Lohnmosterei AnhausenMitte September bis Ende OktoberTermin, ca. 50 kg Obst
Kelterei OeseSeptember bis OktoberSa 9–11 Uhr, in der Ernte zusätzlich Di 16–18 Uhr
LÖFFLER FruchtsäfteSeptember, Oktober und bis in den NovemberAbgabe an Depots

Die Ausbeute liegt bei rund 60 bis 70 %: LÖFFLER gibt für 10 kg Äpfel 6 Liter Saft aus, die Lohnmosterei Anhausen nennt ca. 70 Prozent Saft. Die Kelterei Oese nimmt Obst nur von September bis Oktober an, von November bis August gibt sie samstags nur noch Saft aus.

In der Praxis bedeutet das: Satow nimmt an drei Tagen in der Woche an, und die Saison dauert je nach Betrieb sechs bis neun Wochen. Im September liefert die Solaranlage noch 10,5 % ihres Jahresertrags, im Oktober nur 4,8 %.

Pasteur: Womit der Saft erhitzt wird

Der Saft wird nach dem Pressen erhitzt, damit er haltbar ist. Die kleine Mosterei erhitzt ihn im Pasteur auf 78–82 °C, der Obst- und Gartenbauverein Eysölden in einem Durchlauferhitzer mit 40 Platten auf über 82 °C, die mobile Satower Mosterei auf 80 °C.

Wie viel Energie das kostet, rechnet obstpresse.de vor: Mit 2 kW elektrischer Heizleistung sind stündlich 20 Liter Saft möglich, Rohsaft von 15 auf 80 °C. Mit 9,2 kW Gas lassen sich in einem gedämmten System 100 Liter je Stunde von 15 auf 75 °C erhitzen. Das sind rund 92 bis 100 Wh je Liter, ohne Wärmerückgewinnung.

AnlagenteilLeistung oder DurchsatzQuelle
Mobile Obstpresse, BandpresseAntrieb 0,75 kW, Waschanlage 0,12 kW, 700 kg/hecodesign-beispiele.at
Waschen und Mahlenbis 2500 kg/hDie kleine Mosterei
Pressen und Filternbis 500 l/hDie kleine Mosterei
Pasteur und Verpackungbis 700 l/hDie kleine Mosterei
Heizung Saft 15 auf 80 °C2 kW für 20 l/hobstpresse.de

Die Mechanik ist klein, die Wärme ist groß. Die Bandpresse braucht mit Waschanlage 0,87 kW. Ein Pasteur für 200 Liter je Stunde braucht elektrisch rund 20 kW, wenn keine Wärme zurückgewonnen wird.

Vorsicht beim Anschluss: Die mobile Satower Mosterei kommt mit einem normalen 230-V-Anschluss aus. An einer 16-A-Sicherung sind das höchstens 3,7 kW, nach der Rechnung von obstpresse.de genug für knapp 40 Liter Saft je Stunde. Prüfe im Datenblatt deines Pasteurs, womit er heizt, bevor du eine Solaranlage auf ihn auslegst.

Das Modell: 26 Presstage mit elektrischem oder Gas-Pasteur

Das Modell presst wie die Satower Mosterei montags, mittwochs und freitags von 8 bis 18 Uhr, vom 1. September bis 31. Oktober. Das sind ohne Feiertage 26 Presstage. Danach wird wie beim OGV Eysölden zwei Stunden gereinigt. Die Bandpresse läuft mit 0,87 kW, Pumpen, Mühle und Licht mit 1,5 kW, das Lager das ganze Jahr mit 0,15 kW. Die 1,5 und die 0,15 kW sind Annahmen.

Der elektrische Pasteur leistet 20 kW für rund 200 Liter je Stunde, in der ersten Stunde die Hälfte mehr zum Aufheizen. Auch das ist eine Annahme, abgeleitet aus der Relation von obstpresse.de. Der Solarertrag stammt aus PVGIS 5.3 für Hannover, Wetterjahr 2020, Südanlage mit 35 Grad Neigung, 1.060,6 kWh je kWp.

AnlageElektrischer Pasteur: EigenverbrauchElektrischer Pasteur: AutarkieGas-Pasteur: EigenverbrauchGas-Pasteur: Autarkie
5 kWp16,8 %11,9 %16,2 %42,7 %
10 kWp12,0 %17,1 %9,4 %49,5 %
20 kWp9,4 %26,8 %5,1 %54,2 %
30 kWp8,5 %36,4 %3,6 %56,5 %

An den Presstagen lieferte die Anlage zwischen 10 und 16 Uhr im September im Mittel 487 W je kWp, im Oktober 217 W je kWp. Um den 20-kW-Pasteur mittags voll zu versorgen, wären im September 41 kWp nötig und im Oktober 92 kWp. Diese Leistung fehlt dann den Rest des Jahres jeder Abnehmer.

Balkendiagramm: Eigenverbrauch mit 10 kWp. Elektrischer Pasteur, Mo/Mi/Fr: 12,0 Prozent. Pasteur mit Gas, Mo/Mi/Fr: 9,4 Prozent. Elektrischer Pasteur, Mo–Sa: 17,9 Prozent. Standardprofil G1: 38,3 Prozent.
G1 überschätzt den Eigenverbrauch der Lohnmosterei um mehr als das Dreifache. · Foto: Eigene Grafik

Mehr Presstage, früherer Start

Wer von Montag bis Samstag presst, verdoppelt fast den Stromverbrauch auf 13.389 kWh. Der Eigenverbrauch einer 10-kWp-Anlage steigt auf 17,9 %, die Autarkie sinkt auf 14,1 %, weil die Last stärker wächst als der nutzbare Ertrag.

Der Saisonstart zählt mehr als gedacht. Beginnt die Saison erst Mitte September, fällt der Eigenverbrauch mit 10 kWp auf 9,7 %. Ein Start am 31. August wie in Satow hebt ihn auf 12,3 %. Jede Pressstunde im frühen September bringt mehr Solarstrom als eine Stunde Ende Oktober.

Frühe Sorten zuerst: Notiere, welche Kunden Frühäpfel oder Birnen bringen, und lege diese Termine in die ersten Septemberwochen. Die Mittagssonne liefert dann mehr als doppelt so viel wie im Oktober.
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Lohnt ein Speicher in der Mosterei?

Für den Pasteur kaum. Ein Batteriespeicher mit 1 kWh Kapazität je kWp hebt die Autarkie bei 20 kWp mit elektrischem Pasteur von 26,8 auf 41,4 %, der Eigenverbrauch steigt aber nur von 9,4 auf 14,6 %. Den Speicher braucht die Anlage nur an 26 Tagen, die übrigen Tage lädt er für eine Grundlast von 0,15 kW.

Balkendiagramm: Autarkie mit 20 kWp. Elektrischer Pasteur, ohne Speicher: 26,8 Prozent. Elektrischer Pasteur, 1 kWh je kWp: 41,4 Prozent. Pasteur mit Gas, ohne Speicher: 54,2 Prozent. Pasteur mit Gas, 1 kWh je kWp: 99,2 Prozent.
Mit Gas-Pasteur deckt der Speicher fast die ganze kleine Grundlast. · Foto: Eigene Grafik

Mit Gas-Pasteur deckt dieselbe Kombination im Modell 99,2 % des Stroms, weil die kleine Grundlast fast immer aus dem Speicher kommt. Das klingt gut, ist aber teuer erkauft: 20 kWh Speicher für 2.012 kWh Jahresverbrauch. Wie groß ein Speicher sinnvoll ist, zeigt Speichergröße berechnen. Das Modell rechnet mit 95 % Wirkungsgrad je Lade- und Entladerichtung, eine Annahme.

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Drei Größen stehen in keiner gelesenen Quelle. Erstens, wie viele Mostereien elektrisch und wie viele mit Gas pasteurisieren. Zweitens der tatsächliche Stromverbrauch einer Presssaison. Drittens, wie viel Wärme moderne Plattenerhitzer mit Wärmerückgewinnung wieder in den kalten Saft bringen.

Die Energiewerte von obstpresse.de stammen aus Versuchen mit kleinen Anlagen. Ein Plattenerhitzer wie beim OGV Eysölden kann einen Teil der Wärme zurückgewinnen, dann sinkt der Strom je Liter. Die Grundaussage ändert das nicht: Die Mosterei braucht ihren Strom in acht Wochen, die Solaranlage liefert ihn über das ganze Jahr.

Vorsicht bei Umrüstung auf Strom: Wer den Gasbrenner gegen einen Elektro-Pasteur tauscht, um Solarstrom zu nutzen, vervierfacht im Modell fast den Strombedarf und nutzt mit 10 kWp trotzdem nur 12,0 % des Ertrags selbst. Prüfe im Angebot die Anschlussleistung und den Netzanschluss.
Wärme vorher sammeln: Ein Warmwasserspeicher, der im Sommer und frühen Herbst über einen Heizstab mit Überschussstrom vorgeheizt wird, kann einen Teil der Pasteurwärme übernehmen. Wie das technisch geht, zeigt Heizstab mit PV-Überschuss. Durchgerechnet ist das hier nicht.
1 Schritt für Schritt
  1. Presstage zählen: Wie viele Tage und Stunden lief die Presse in der letzten Saison?
  2. Heizart klären: Pasteur mit Strom, Gas oder Holz, und mit welcher Leistung?
  3. Zähler ablesen: Lies den Zählerstand vor und nach einem Presstag ab.
  4. Ganzjährige Lasten sammeln: Hofladen, Kühlraum, Wohnhaus, Werkstatt.
  5. Angebot anfordern: Den Planer Eigenverbrauch und Volleinspeisung getrennt rechnen lassen.
Vor der Anfrage klären
  • Wie viel Strom verbraucht die Mosterei im Jahr, und wie viel davon im September und Oktober?
  • Womit heizt der Pasteur, und wie viele Liter schafft er je Stunde?
  • Gibt es Hofladen, Kühlung oder Wohnhaus am selben Zähler?
  • Wann beginnt die Saison, und an welchen Wochentagen wird gepresst?
  • Bist du pauschalierender Landwirt, und was bedeutet das für den Stromverkauf?

Verwandte Rechnungen: Weingut mit Gärkühlung und Lesezeit und für Landwirte Durchschnittssatz und Umsatzsteuer bei PV.

Häufige Fragen

Welches Standardlastprofil gilt für eine Mosterei? +
Die BDEW-Liste M-24 ordnet Kelterei, Mosterei und Süßmosterei dem Profil G1 zu. Für eine reine Lohnmosterei mit Saisonbetrieb passt es nicht.
Wann ist Mostsaison? +
Meist von Anfang oder Mitte September bis Ende Oktober. Satow startet am 31.08.2026, Gestorf presst ab 01.09.2026, LÖFFLER nimmt bis in den November an.
Wie viel Energie braucht das Pasteurisieren? +
Nach obstpresse.de rund 92 bis 100 Wh je Liter Saft, wenn keine Wärme zurückgewonnen wird. Mit 2 kW sind 20 Liter je Stunde möglich.
Wie viel Solarstrom nutzt eine Mosterei selbst? +
Mit 10 kWp im Modell 12,0 % bei elektrischem Pasteur und 9,4 % bei Gas-Pasteur. G1 würde 38,3 % ansetzen.
Wie viel Strom braucht eine Bandpresse? +
Die mobile Obstpresse im Ecodesign-Beispiel hat 0,75 kW Antrieb und 0,12 kW Waschanlage bei 700 kg/h Pressleistung.
Lohnt ein Speicher in der Mosterei? +
Kaum für den Pasteur. Bei 20 kWp hebt ein Speicher mit 1 kWh je kWp den Eigenverbrauch nur von 9,4 auf 14,6 %.
Wann lohnt Photovoltaik trotzdem? +
Wenn am selben Zähler ganzjährige Verbraucher hängen oder die Anlage als Volleinspeisung geplant wird.
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