Mosterei und Kelterei mit PV: Pasteur, Saison und Lastgang
BDEW M-24, fünf Lohnmostereien, Pasteur- und Bandpressen-Daten gelesen, Presssaison mit elektrischem und Gas-Pasteur gegen PVGIS Hannover, Speicher und G1 gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 9 Abschnitte
- 1.Kurz gesagt: Was bringt Photovoltaik in der Mosterei?
- 2.Welches Lastprofil gilt für eine Mosterei?
- 3.Wann Mostereien pressen
- 4.Pasteur: Womit der Saft erhitzt wird
- 5.Das Modell: 26 Presstage mit elektrischem oder Gas-Pasteur
- 6.Mehr Presstage, früherer Start
- 7.Lohnt ein Speicher in der Mosterei?
- 8.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 9.Häufige Fragen
Eine Lohnmosterei arbeitet, wenn die Äpfel reif sind, und das ist nicht die Zeit, in der eine Solaranlage viel liefert. Gepresst wird im September und Oktober, pasteurisiert wird mit Heizleistung, und den Rest des Jahres steht die Anlage fast still. Dieser Ratgeber rechnet nach, wie wenig Solarstrom eine Mosterei selbst nutzen kann, warum die Heizart des Pasteurs alles entscheidet und wann sich eine Anlage trotzdem lohnt. Stand: 14.09.2026.
Kurz gesagt: Was bringt Photovoltaik in der Mosterei?
Für den Pressbetrieb allein wenig. Im Modell braucht eine Lohnmosterei mit elektrischem Pasteur 7.472 kWh im Jahr, fast alles an 26 Presstagen. Eine Anlage mit 10 kWp deckt davon 17,1 %, der Rest des Solarstroms geht ins Netz.
Heizt der Pasteur mit Gas, sinkt der Strombedarf auf 2.012 kWh. Dann deckt dieselbe Anlage 49,5 % des Stroms, nutzt aber nur 9,4 % ihres Ertrags selbst. Die Mosterei ist damit eher ein Fall für eine kleine Anlage oder für Volleinspeisung als für eine Eigenverbrauchsanlage.
Wer mehr aus dem Dach machen will, braucht eine zweite Last, die das ganze Jahr läuft: Hofladen, Kühlraum, Wohnhaus oder ein Warmwasserspeicher. Wie Einspeisen und Selbstnutzen sich rechnen, erklärt Eigenverbrauch oder Volleinspeisung.
Welches Lastprofil gilt für eine Mosterei?
Die BDEW-Liste M-24 führt Kelterei, Mosterei und Süßmosterei unter dem Kundengruppenschlüssel 159 mit dem Profil G1. Das steht in der Zuordnung der VDEW-Lastprofile zum Kundengruppenschlüssel. G1 steht für Gewerbe, das werktags von 8 bis 18 Uhr arbeitet, und zwar das ganze Jahr.
Genau das tut die Lohnmosterei nicht. G1 legt 16,0 % des Jahresverbrauchs auf September und Oktober, die Mosterei mit elektrischem Pasteur 85,3 % und mit Gas-Pasteur 45,4 %. Ein typischer Fehler ist, das Angebot mit G1 zu rechnen: Bei 10 kWp ergibt G1 38,3 % Eigenverbrauch, das Modell 12,0 %.
Wer seinen Saft das ganze Jahr in einem Hofladen verkauft und kühlt, liegt näher an G1. Die reine Lohnmosterei mit Saisonbetrieb bildet kein Standardprofil ab.
Wann Mostereien pressen
Die Saison hängt an der Reife und ist kurz. Fünf Beispiele (Abruf: 14.09.2026):
| Betrieb | Saison | Annahme oder Presstermine |
|---|---|---|
| Satower Mosterei | ab 31.08.2026 | Annahme in Satow Mo, Mi und Fr 8–18 Uhr |
| Obsthof Gestorf | erster Presstermin 01.09.2026 | Termin nach Vereinbarung, ab 70 kg |
| Lohnmosterei Anhausen | Mitte September bis Ende Oktober | Termin, ca. 50 kg Obst |
| Kelterei Oese | September bis Oktober | Sa 9–11 Uhr, in der Ernte zusätzlich Di 16–18 Uhr |
| LÖFFLER Fruchtsäfte | September, Oktober und bis in den November | Abgabe an Depots |
Die Ausbeute liegt bei rund 60 bis 70 %: LÖFFLER gibt für 10 kg Äpfel 6 Liter Saft aus, die Lohnmosterei Anhausen nennt ca. 70 Prozent Saft. Die Kelterei Oese nimmt Obst nur von September bis Oktober an, von November bis August gibt sie samstags nur noch Saft aus.
In der Praxis bedeutet das: Satow nimmt an drei Tagen in der Woche an, und die Saison dauert je nach Betrieb sechs bis neun Wochen. Im September liefert die Solaranlage noch 10,5 % ihres Jahresertrags, im Oktober nur 4,8 %.
Pasteur: Womit der Saft erhitzt wird
Der Saft wird nach dem Pressen erhitzt, damit er haltbar ist. Die kleine Mosterei erhitzt ihn im Pasteur auf 78–82 °C, der Obst- und Gartenbauverein Eysölden in einem Durchlauferhitzer mit 40 Platten auf über 82 °C, die mobile Satower Mosterei auf 80 °C.
Wie viel Energie das kostet, rechnet obstpresse.de vor: Mit 2 kW elektrischer Heizleistung sind stündlich 20 Liter Saft möglich, Rohsaft von 15 auf 80 °C. Mit 9,2 kW Gas lassen sich in einem gedämmten System 100 Liter je Stunde von 15 auf 75 °C erhitzen. Das sind rund 92 bis 100 Wh je Liter, ohne Wärmerückgewinnung.
| Anlagenteil | Leistung oder Durchsatz | Quelle |
|---|---|---|
| Mobile Obstpresse, Bandpresse | Antrieb 0,75 kW, Waschanlage 0,12 kW, 700 kg/h | ecodesign-beispiele.at |
| Waschen und Mahlen | bis 2500 kg/h | Die kleine Mosterei |
| Pressen und Filtern | bis 500 l/h | Die kleine Mosterei |
| Pasteur und Verpackung | bis 700 l/h | Die kleine Mosterei |
| Heizung Saft 15 auf 80 °C | 2 kW für 20 l/h | obstpresse.de |
Die Mechanik ist klein, die Wärme ist groß. Die Bandpresse braucht mit Waschanlage 0,87 kW. Ein Pasteur für 200 Liter je Stunde braucht elektrisch rund 20 kW, wenn keine Wärme zurückgewonnen wird.
Das Modell: 26 Presstage mit elektrischem oder Gas-Pasteur
Das Modell presst wie die Satower Mosterei montags, mittwochs und freitags von 8 bis 18 Uhr, vom 1. September bis 31. Oktober. Das sind ohne Feiertage 26 Presstage. Danach wird wie beim OGV Eysölden zwei Stunden gereinigt. Die Bandpresse läuft mit 0,87 kW, Pumpen, Mühle und Licht mit 1,5 kW, das Lager das ganze Jahr mit 0,15 kW. Die 1,5 und die 0,15 kW sind Annahmen.
Der elektrische Pasteur leistet 20 kW für rund 200 Liter je Stunde, in der ersten Stunde die Hälfte mehr zum Aufheizen. Auch das ist eine Annahme, abgeleitet aus der Relation von obstpresse.de. Der Solarertrag stammt aus PVGIS 5.3 für Hannover, Wetterjahr 2020, Südanlage mit 35 Grad Neigung, 1.060,6 kWh je kWp.
| Anlage | Elektrischer Pasteur: Eigenverbrauch | Elektrischer Pasteur: Autarkie | Gas-Pasteur: Eigenverbrauch | Gas-Pasteur: Autarkie |
|---|---|---|---|---|
| 5 kWp | 16,8 % | 11,9 % | 16,2 % | 42,7 % |
| 10 kWp | 12,0 % | 17,1 % | 9,4 % | 49,5 % |
| 20 kWp | 9,4 % | 26,8 % | 5,1 % | 54,2 % |
| 30 kWp | 8,5 % | 36,4 % | 3,6 % | 56,5 % |
An den Presstagen lieferte die Anlage zwischen 10 und 16 Uhr im September im Mittel 487 W je kWp, im Oktober 217 W je kWp. Um den 20-kW-Pasteur mittags voll zu versorgen, wären im September 41 kWp nötig und im Oktober 92 kWp. Diese Leistung fehlt dann den Rest des Jahres jeder Abnehmer.
Mehr Presstage, früherer Start
Wer von Montag bis Samstag presst, verdoppelt fast den Stromverbrauch auf 13.389 kWh. Der Eigenverbrauch einer 10-kWp-Anlage steigt auf 17,9 %, die Autarkie sinkt auf 14,1 %, weil die Last stärker wächst als der nutzbare Ertrag.
Der Saisonstart zählt mehr als gedacht. Beginnt die Saison erst Mitte September, fällt der Eigenverbrauch mit 10 kWp auf 9,7 %. Ein Start am 31. August wie in Satow hebt ihn auf 12,3 %. Jede Pressstunde im frühen September bringt mehr Solarstrom als eine Stunde Ende Oktober.

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Lohnt ein Speicher in der Mosterei?
Für den Pasteur kaum. Ein Batteriespeicher mit 1 kWh Kapazität je kWp hebt die Autarkie bei 20 kWp mit elektrischem Pasteur von 26,8 auf 41,4 %, der Eigenverbrauch steigt aber nur von 9,4 auf 14,6 %. Den Speicher braucht die Anlage nur an 26 Tagen, die übrigen Tage lädt er für eine Grundlast von 0,15 kW.
Mit Gas-Pasteur deckt dieselbe Kombination im Modell 99,2 % des Stroms, weil die kleine Grundlast fast immer aus dem Speicher kommt. Das klingt gut, ist aber teuer erkauft: 20 kWh Speicher für 2.012 kWh Jahresverbrauch. Wie groß ein Speicher sinnvoll ist, zeigt Speichergröße berechnen. Das Modell rechnet mit 95 % Wirkungsgrad je Lade- und Entladerichtung, eine Annahme.
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Drei Größen stehen in keiner gelesenen Quelle. Erstens, wie viele Mostereien elektrisch und wie viele mit Gas pasteurisieren. Zweitens der tatsächliche Stromverbrauch einer Presssaison. Drittens, wie viel Wärme moderne Plattenerhitzer mit Wärmerückgewinnung wieder in den kalten Saft bringen.
Die Energiewerte von obstpresse.de stammen aus Versuchen mit kleinen Anlagen. Ein Plattenerhitzer wie beim OGV Eysölden kann einen Teil der Wärme zurückgewinnen, dann sinkt der Strom je Liter. Die Grundaussage ändert das nicht: Die Mosterei braucht ihren Strom in acht Wochen, die Solaranlage liefert ihn über das ganze Jahr.
- Presstage zählen: Wie viele Tage und Stunden lief die Presse in der letzten Saison?
- Heizart klären: Pasteur mit Strom, Gas oder Holz, und mit welcher Leistung?
- Zähler ablesen: Lies den Zählerstand vor und nach einem Presstag ab.
- Ganzjährige Lasten sammeln: Hofladen, Kühlraum, Wohnhaus, Werkstatt.
- Angebot anfordern: Den Planer Eigenverbrauch und Volleinspeisung getrennt rechnen lassen.
- Wie viel Strom verbraucht die Mosterei im Jahr, und wie viel davon im September und Oktober?
- Womit heizt der Pasteur, und wie viele Liter schafft er je Stunde?
- Gibt es Hofladen, Kühlung oder Wohnhaus am selben Zähler?
- Wann beginnt die Saison, und an welchen Wochentagen wird gepresst?
- Bist du pauschalierender Landwirt, und was bedeutet das für den Stromverkauf?
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