Bestattungsinstitut mit PV: Kühlzelle, Lastprofil und Eigenverbrauch
BDEW M-24, Landesgesundheitsamt M-V, Brandenburgisches Bestattungsgesetz, Isotech und drei Bestattungshäuser gelesen, Kühlzelle im Haus und in der Garage gegen PVGIS Hannover, G4 und G1 gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 10 Abschnitte
- 1.Kurz gesagt: Was bringt Photovoltaik im Bestattungsinstitut?
- 2.Welches Lastprofil gilt für ein Bestattungsinstitut?
- 3.Wie kalt muss es im Kühlraum sein?
- 4.Wie viel Strom braucht eine Kühlzelle?
- 5.Öffnungszeiten: Büro am Tag, Kühlung rund um die Uhr
- 6.Das Modell: Kühlzelle im Haus oder in der Garage
- 7.Wie viel Solarstrom nutzt das Bestattungsinstitut selbst?
- 8.Lohnt ein Speicher im Bestattungsinstitut?
- 9.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 10.Häufige Fragen
Ein Bestattungsinstitut kühlt rund um die Uhr, auch wenn das Büro geschlossen ist. Wie viel Strom das kostet, hängt weniger an der Zahl der Verstorbenen als an der Frage, wo die Kühlzelle steht: im temperierten Haus oder in der Garage, wo sie im Sommer gegen die Hitze arbeitet. Dieser Ratgeber rechnet nach, was das für eine Solaranlage heißt, welches Lastprofil gilt und wie weit die Temperaturangaben für den Kühlraum auseinanderliegen. Stand: 14.09.2026.
Kurz gesagt: Was bringt Photovoltaik im Bestattungsinstitut?
Die Kühlzelle ist eine Grundlast, die nie abschaltet. Eine kleine Solaranlage wird deshalb fast vollständig im Betrieb verbraucht: Bei 30 % Deckung, im Modell 3,0 kWp, sind es 88,2 % mit der Zelle im Haus und 90,8 % mit der Zelle in der Garage.
Bei halber Deckung mit 5,0 kWp trennen sich die Varianten. Die Garagenzelle nutzt 78,3 % des Solarstroms, weil sie genau dann am meisten arbeitet, wenn die Sonne am stärksten scheint. Die Zelle im Haus kommt auf 71,2 %.
Wer eine größere Anlage mit 10 kWp aufs Dach setzt, deckt im Modell 51,2 % des Bedarfs mit der Garagenzelle und 44,4 % mit der Zelle im Haus. Der Rest des Solarstroms geht dann ins Netz.
Welches Lastprofil gilt für ein Bestattungsinstitut?
Die BDEW-Liste M-24 führt das „Beerdigungs- und Bestattungsinstitut“ unter dem Schlüssel 933 mit dem Profil G4. Das steht in der Zuordnung der VDEW-Lastprofile zum Kundengruppenschlüssel. Das Krematorium verweist dort auf das Bestattungsinstitut, Friedhof und Friedhofsgärtner stehen ebenfalls unter G4. Beim Leichenhaus ist G4 vermerkt, mit dem Zusatz „G1, wenn Öffnungstage Montag - Freitag“.
G4 ist in der VDEW-Profildatei mit „Laden/Friseur“ überschrieben. Für ein Institut mit Kühlzelle im Haus passt es erstaunlich gut: Bei halber Deckung ergibt G4 70,1 % Eigenverbrauch, das Modell 71,2 %. G4 legt 49,0 % des Jahresverbrauchs in das Sommerhalbjahr, fast so viel wie die Zelle im Haus.
Die Zelle in der Garage bildet kein Standardprofil ab. Ein typischer Fehler ist, sie mit G4 zu rechnen: Der Planer unterschätzt dann den Sommerverbrauch und damit den Eigenverbrauch um 8,2 Prozentpunkte.
Wie kalt muss es im Kühlraum sein?
Eine bundesweit einheitliche Zahl gibt es nicht, das Bestattungsrecht ist Landesrecht. Drei Quellen nennen drei unterschiedliche Bereiche:
| Quelle | Aufbewahrung | Weitere Angabe |
|---|---|---|
| Landesgesundheitsamt Mecklenburg-Vorpommern, Arbeitsmaterial vom 07.04.2005 | 2–6 °C in Kühlräumen oder -zellen | Kühleinrichtung Pflicht, wenn 12 °C Raumluft nicht ganzjährig garantiert sind |
| Die Kälte, Fachartikel von 2011 | 2 °C | 11 °C für Aufbahrungsräume, selten −25 °C für Tiefkühlung |
| Bestatterweblog von Peter Wilhelm | 4–8 °C | etwa Kühlschranktemperatur |
Die Streuung ist für die Solaranlage wichtiger, als sie aussieht. Eine Zelle auf 2 °C muss mehr Wärme abführen als eine auf 8 °C. Das Modell rechnet mit 4 °C, der Mitte der mecklenburgischen Spanne.
Wie schnell gekühlt werden muss, regeln die Länder ebenfalls. Das Brandenburgische Bestattungsgesetz verlangt in § 18 Absatz 1, jede Leiche innerhalb von 24 Stunden nach Eintritt des Todes in eine Leichenhalle zu überführen. Bestattet werden darf nach § 22 Absatz 1 frühestens, wenn seit dem Tod 48 Stunden verstrichen sind. Dazwischen liegt die Zeit in der Kühlung.
Wie viele Menschen das betrifft, zeigt das Statistische Bundesamt: Im Jahr 2025 sind in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen gut 1,0 Millionen Menschen gestorben, etwa so viele wie im Vorjahr. Das meldet die Pressemitteilung Nr. 015 vom 14. Januar 2026. Wie viele davon ein privates Bestattungsinstitut kühlt und wie viele in Krankenhaus oder Friedhofshalle bleiben, nennt keine gelesene Quelle.
Wie viel Strom braucht eine Kühlzelle?
Der Kältetechnik-Anbieter Isotech rechnet für Kühlzellen mit einer einfachen Formel: elektrische Leistungsaufnahme mal Laufzeit. Im Beispiel läuft ein Aggregat mit 1,8 kW zehn Stunden am Tag und braucht 18 kWh täglich, das sind 6.570 kWh im Jahr. Für die Vorplanung nennt Isotech 8 bis 16 Stunden Laufzeit.
Mit demselben Aggregat ergeben 8 Stunden 5.256 kWh und 16 Stunden 10.512 kWh im Jahr. Isotech nennt ausdrücklich die Umgebung als Einflussgröße: Eine Zelle auf +2 °C in +30 °C Umgebung hat einen höheren Wärmeeintrag als eine auf +8 °C in einem konstant temperierten Innenbereich.
Die Zahlen beziehen sich auf gewerbliche Kühlzellen allgemein, nicht auf Leichenkühlzellen. Die Kälte beschreibt die Technik 2011 als „nicht weiter anspruchsvoll“, der Unterschied liege vor allem in der Größe: Krematorien haben Kühlräume für 40 bis 60 Särge, ein kleines Bestattungsunternehmen kommt mit wenigen Plätzen aus.
Öffnungszeiten: Büro am Tag, Kühlung rund um die Uhr
Das Bestattungsinstitut hat zwei Lastgänge übereinander. Drei Beispiele (Abruf: 14.09.2026):
| Institut | Kühlung | Zeiten |
|---|---|---|
| Bestattungshaus Zimmermann | eigener Kühlraum | Mo–Do 9–17 Uhr, Fr 9–15 Uhr, außerhalb und am Wochenende nach telefonischer Absprache |
| Bestattungshaus Jörg Müller, Künzell | keine Angabe | Abschiedsräume unabhängig von Öffnungszeiten per Schlüssel jederzeit zugänglich |
| Bestattungshaus Märtin | keine Angabe | 24 Stunden geöffnet |
In der Praxis bestimmt das Büro den Tagesgang: Beratung, Licht, Computer und Heizung des Abschiedsraums laufen zu Geschäftszeiten. Die Kühlzelle und die Erreichbarkeit rund um die Uhr sorgen für die Grundlast in der Nacht und am Wochenende.
Das Modell: Kühlzelle im Haus oder in der Garage
Das Modell rechnet mit dem Isotech-Beispiel von 6.570 kWh für die Kühlzelle und 4.000 kWh für Büro und Abschiedsräume. Die 4.000 kWh sind eine Annahme, keine gelesene Quelle nennt den Verbrauch eines Bestattungsbüros. Das Büro ist wie bei Zimmermann Montag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr und Freitag 9 bis 15 Uhr geöffnet, dazu kommt eine Grundlast.
Zwei Standorte für die Zelle: Im Haus arbeitet sie gegen eine gleichbleibende Raumtemperatur und läuft übers Jahr gleichmäßig. In Garage oder Anbau folgt die Umgebung der Außenluft, und die Last wächst mit dem Abstand zu 4 °C. In beiden Fällen steigt die Last zu Geschäftszeiten um 30 % für Türöffnungen, ebenfalls eine Annahme. Der Solarertrag stammt aus PVGIS 5.3 für Hannover, Wetterjahr 2020, Südanlage mit 35 Grad Neigung, 1.060,6 kWh je kWp.
| Monat | Kühlzelle in der Garage | Solarertrag |
|---|---|---|
| Januar | 2,0 % | 3,3 % |
| Februar | 2,4 % | 4,0 % |
| März | 2,9 % | 9,6 % |
| April | 7,2 % | 14,7 % |
| Mai | 9,4 % | 12,8 % |
| Juni | 15,0 % | 11,8 % |
| Juli | 15,1 % | 10,4 % |
| August | 18,8 % | 11,2 % |
| September | 12,6 % | 10,5 % |
| Oktober | 8,4 % | 4,8 % |
| November | 4,7 % | 4,3 % |
| Dezember | 1,5 % | 2,5 % |
Die Garagenzelle verbraucht im August 18,8 % ihres Jahresstroms, im Dezember 1,5 %. Zusammen mit dem Büro fallen 67,3 % des Stroms auf April bis September, der Solarertrag liegt in diesem Halbjahr bei 71,5 %. In 1.338 Stunden des Jahres lag die Außenluft bei 4 °C oder darunter, dann braucht die Garagenzelle im Modell keinen Kühlstrom.
Wie viel Solarstrom nutzt das Bestattungsinstitut selbst?
Bei halber Deckung liegt die Garagenzelle 7,1 Prozentpunkte vor der Zelle im Haus. Die Standardprofile G4 und G1 liegen mit 70,1 und 69,4 % knapp unter der Zelle im Haus.
| Variante (10.570 kWh) | 30 % Deckung (3,0 kWp) | 50 % Deckung (5,0 kWp) | 10 kWp |
|---|---|---|---|
| Kühlzelle im Haus | 88,2 % | 71,2 % | 44,2 % |
| Kühlzelle in Garage oder Anbau | 90,8 % | 78,3 % | 51,0 % |
| Standardprofil G4 | 87,6 % | 70,1 % | 44,2 % |
| Standardprofil G1 | 78,4 % | 69,4 % | 48,5 % |
Die Laufzeit der Zelle ändert die Anlagengröße, kaum den Eigenverbrauch. Bei 8 Stunden Laufzeit reichen für die halbe Deckung 4,4 kWp, bei 16 Stunden sind es 6,8 kWp. Der Eigenverbrauch bleibt dabei zwischen 69,4 und 71,9 % mit der Zelle im Haus und zwischen 77,4 und 78,6 % in der Garage.

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Lohnt ein Speicher im Bestattungsinstitut?
Ein Speicher mit 1 kWh je kWp hebt die Autarkie bei halber Deckung mit der Zelle im Haus von 35,6 auf 43,1 % und mit der Garagenzelle von 39,2 auf 44,9 %. Die Zelle im Haus gewinnt mehr, weil sie nachts gleichmäßig weiterläuft und den gespeicherten Mittagsstrom abnimmt.
Bei 5,0 kWp ist das ein Batteriespeicher mit fünf Kilowattstunden Kapazität. Der Eigenverbrauch steigt damit auf 86,2 % im Haus und 89,7 % in der Garage. Das Modell rechnet mit 95 % Wirkungsgrad je Lade- und Entladerichtung, das ist eine Annahme. Wer nachrüstet, sollte im Datenblatt des Wechselrichters nachsehen, ob er einen Speicher anbinden kann. Wie groß ein Speicher sein sollte, zeigt der Ratgeber Speichergröße berechnen. Ob sich Einspeisen oder Selbstnutzen mehr lohnt, erklärt Eigenverbrauch oder Volleinspeisung.
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Drei Größen stehen in keiner gelesenen Quelle. Erstens der Jahresstrom einer Leichenkühlzelle: Die Isotech-Werte gelten für gewerbliche Kühlzellen allgemein. Zweitens der Verbrauch von Büro, Abschiedsraum und Trauerhalle. Drittens, wie viele Institute ihre Zelle im Haus und wie viele in einem Nebengebäude betreiben.
Offen bleibt auch der Winter in der Garage. Das Modell setzt den Kühlstrom unter 4 °C auf null. Eine Zelle in einer ungeheizten Garage kann bei Frost aber eine Heizung brauchen, damit die Temperatur nicht unter den Sollwert fällt. Diesen Strom rechnet das Modell nicht.
- Jahresverbrauch notieren: Stromrechnungen der letzten zwölf Monate, dazu die Monatswerte, wenn der Netzbetreiber sie ausweist.
- Kühlzelle erfassen: Leistungsaufnahme auf dem Typenschild, Standort und Solltemperatur.
- Sommer und Winter vergleichen: Den Zähler eine Woche im Januar und eine im Juli ablesen.
- Geschäftszeiten festhalten: Büro, Abschiedsraum, Trauerfeiern.
- Angebot anfordern: Der Planer soll mit deinem Monatsverbrauch rechnen, nicht nur mit G4.
- Wie viel Strom verbraucht das Institut im Jahr, und wie viel im Juli?
- Wo steht die Kühlzelle, und auf welche Temperatur ist sie eingestellt?
- Gibt es eine eigene Trauerhalle oder einen Abschiedsraum mit Heizung?
- Wann ist das Büro geöffnet, und läuft die Rufbereitschaft vom Haus aus?
- Welche Dachflächen gibt es auf Haus, Garage und Anbau?
Verwandte Rechnungen mit Kühlung: Blumenladen, Getränkemarkt und Klimaanlage mit Solarstrom. Zum Profil G4 im Handel: Lastprofil im Einzelhandel.
Häufige Fragen
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Warum spielt der Standort der Kühlzelle eine Rolle? +
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