Sägewerk und PV: Trockenkammer, Sägelinie und Eigenverbrauch im Holzbetrieb
Trockenkammer, Sägelinie, Speicher: RAVEL-Messungen, Kennzahlen aus Oberösterreich und energie.ch, gegen die PVGIS-Reihe von Freudenstadt gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
- 1.Sägeindustrie in Deutschland: rund 28 Millionen Festmeter Einschnitt
- 2.Wofür ein Sägewerk Strom braucht: 6 bis 21 kWh je Festmeter
- 3.Die Trockenkammer: 8.000 Stunden Ventilatorbetrieb im Jahr
- 4.Welches Lastprofil gilt für ein Sägewerk?
- 5.Nachgerechnet: Sägewerk mit 270.000 kWh
- 6.Das Wochenende: die Trockenkammer nimmt den Solarstrom ab
- 7.Trocknungslastig oder sägelastig: drei Betriebe im Vergleich
- 8.Speicher im Sägewerk: 100 kWh an 100 kWp
- 9.So planst du die Solaranlage für das Sägewerk
- 10.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 11.Häufige Fragen zu PV im Sägewerk
Ein Sägewerk hat zwei Stromverbraucher, die sich kaum ähnlicher sein könnten: die Sägelinie, die werktags in einer Schicht läuft und hohe Spitzen zieht, und die Trockenkammer, deren Ventilatoren Tag und Nacht, werktags wie sonntags, Luft durch die Holzstapel drücken. Für eine Solaranlage auf der Hallendachfläche ist die Trockenkammer der interessantere Abnehmer, weil sie auch den Solarstrom vom Samstag und Sonntag aufnimmt.
Dieser Ratgeber sammelt die veröffentlichten Stromkennzahlen für Sägereien und Trockenkammern aus der Schweiz und Österreich, rechnet einen gemessenen Betrieb mit 270.000 kWh gegen die stündliche PVGIS-Ertragsreihe von Freudenstadt durch und vergleicht drei Betriebe mit unterschiedlich viel Trocknung.
Sägeindustrie in Deutschland: rund 28 Millionen Festmeter Einschnitt
Die deutschen Nadelholzsägewerke mit mehr als 50.000 fm Jahreseinschnitt haben 2025 rund 28 Mio. fm Rundholz eingeschnitten, 2024 waren es rund 29,9 Mio. fm. Das ergab die jährliche Erhebung des Holzkurier (05.03.2026) aus Unternehmensangaben und Schätzungen. Bei 32 % der Unternehmen, die Zahlen gemeldet haben, lag der Einschnitt 2025 unter dem Vorjahr.
Ein Festmeter ist ein Kubikmeter Rundholz. Die Einheit ist für die Stromrechnung wichtig, weil die Kennzahlen der Branche fast immer in kWh je Festmeter angegeben werden. Kleine und mittlere Betriebe unter 50.000 fm tauchen in dieser Erhebung nicht auf; für sie sind die Messungen aus der Schweiz und Oberösterreich die bessere Vergleichsbasis.
Wofür ein Sägewerk Strom braucht: 6 bis 21 kWh je Festmeter
Die gründlichste frei zugängliche Messung stammt aus dem Schweizer Impulsprogramm RAVEL: „Energiesparmöglichkeiten in Sägereien“ von Rolf Gloor, 1996. Die Sägereien der Schweiz brauchten damals für rund 2 Millionen Festmeter etwa 60 Millionen kWh Strom im Jahr. Im Bereich Sägerei lag der spezifische Verbrauch der untersuchten Betriebe bei 6 bis 21 kWh/fm, also um den Faktor 4 auseinander.
Die Studie des Oberösterreichischen Energiesparverbands und der Wirtschaftskammer OÖ (Preise noch in Schilling) kommt auf 12 bis 19 kWh/fm im Bereich Sägerei, der Mittelwert liegt bei 16 kWh/fm. Einen Zusammenhang mit der Produktionsmenge fanden die Autoren nicht.
Wohin der Strom geht, fasst energie.ch aus 14 Betriebsanalysen zusammen: Etwa die Hälfte entfällt auf die Ventilatoren der Holztrocknung und die Heizung, nur etwa 10 % auf die eigentliche Holzbearbeitung, weitere 10 % auf Maschinenverluste und rund 20 % auf die Entsorgung von Sägemehl und Resten. Inklusive Trocknung nennt energie.ch einen Durchschnitt von 25 kWh/fm und einen Zielwert von 12 kWh/fm.
Die Trockenkammer: 8.000 Stunden Ventilatorbetrieb im Jahr
In einer Trockenkammer wird das Holz bei 50 bis 70 °C getrocknet. Nach energie.ch laufen Trockenkammern oft 8.000 Stunden im Jahr; die Wärme liefert in der Regel eine Holzheizung mit den eigenen Holzabfällen. Den Strom brauchen die Umluftventilatoren. Als Kennwerte nennt energie.ch eine Ventilatorleistung von 150 W/m³ Kammervolumen im Durchschnitt und 100 W/m³ als Ziel sowie 30 kWh/m³ Fichtenholz im Durchschnitt und 15 kWh/m³ als Ziel.
Die Schwankungen sind groß. In den drei RAVEL-Betrieben kostete das Trocknen je Kubikmeter 26, 54 und 90 kWh Strom. Der größte Hebel ist die Drehzahl: Unter 25 % Holzfeuchte lassen sich die Ventilatoren drosseln, und eine halbe Drehzahl senkt die Ventilatorleistung laut energie.ch um den Faktor 8.
Das Infoblatt Holztrocknung von WIN Steiermark (2006) hält fest, dass der Energiebedarf der Trocknung im Sommer bis zu 20 % niedriger ist als im Winter. Das betrifft vor allem die Wärme, nicht zwingend den Ventilatorstrom. Für die Solaranlage heißt das: Die Kammer nimmt im Sommer nicht weniger Strom ab, nur weil die Heizung weniger arbeitet.
Welches Lastprofil gilt für ein Sägewerk?
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet „Sägewerk“ und „Holzbearbeitung“ dem Profil G1 zu, dem Gewerbe mit Betrieb werktags von 8 bis 18 Uhr. Das trifft die Sägelinie, aber nicht die Trockenkammer, die rund um die Uhr läuft. Wir haben deshalb einen eigenen Lastgang aus den RAVEL-Messungen gebaut und ihn mit G1 verglichen.
Grundlage ist RAVEL-Betrieb 1 mit 6.600 fm Einschnitt und 270.000 kWh Jahresverbrauch. Die Trocknungsanlage lief dort 7.800 Stunden mit 12 kW und brauchte 93.600 kWh. Die Heizung kam auf 14.700 kWh, „Diverse“ auf 22.327 kWh. Den Rest von 139.373 kWh für Säge, Entsorgung und Nachbearbeitung legen wir auf die Werktage von 7 bis 16 Uhr, das sind 2268 Stunden im Jahr und im Mittel 61,5 kW.
Die Solaranlage steht im Modell in Freudenstadt nach Süden mit 35 Grad Neigung; ein kWp liefert laut PVGIS 5.3 im Wetterjahr 2020 1175,3 kWh. Die Trockenkammer verteilen wir gleichmäßig auf alle Stunden. Eine Variante mit 41 Tagen Stillstand im Winter und 12 kW im Rest des Jahres ändert den Eigenverbrauch bei 100 kWp nur von 77,2 auf 77,8 %.
Nachgerechnet: Sägewerk mit 270.000 kWh
| Lastgang | 50 kWp EV | Deckung | 100 kWp EV | Deckung | 150 kWp EV | Deckung | 200 kWp EV | Deckung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Modell mit Trockenkammer, 270.000 kWh | 87,7 % | 19,1 % | 77,2 % | 33,6 % | 64,6 % | 42,1 % | 53,7 % | 46,8 % |
| Standardprofil G1, 270.000 kWh | 81,7 % | 17,8 % | 75,3 % | 32,8 % | 66,2 % | 43,2 % | 57,0 % | 49,6 % |
| ohne Trockenkammer, 176.400 kWh | 70,9 % | 23,6 % | 63,9 % | 42,6 % | 51,6 % | 51,6 % | 42,7 % | 56,9 % |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3 und den RAVEL-Messwerten von Betrieb 1.
G1 liegt beim Eigenverbrauch nah an unserem Modell: bei 100 kWp 75,3 gegen 77,2 %. Für einen Betrieb dieser Größe ist ein Angebot auf G1-Basis also kein grober Fehler. Größer wird der Abstand erst bei 200 kWp, wo G1 57,0 % und das Modell 53,7 % zeigt.
Deutlich ist dagegen der Unterschied zum Betrieb ohne Trockenkammer. Derselbe Betrieb ohne Kammer braucht 176.400 kWh und nutzt von 100 kWp nur 63,9 % selbst. Die Trockenkammer allein nimmt bei 100 kWp 16,7 % ihres Jahresstroms aus der Solaranlage, bei 200 kWp 27,7 %.
Das Wochenende: die Trockenkammer nimmt den Solarstrom ab
Auf Samstage, Sonntage und Feiertage entfielen im Wetterjahr 2020 31,5 % des Solarertrags in Freudenstadt. In einem Betrieb, der nur werktags sägt, geht dieser Strom fast vollständig ins Netz. Mit Trockenkammer nutzt Betrieb 1 bei 100 kWp am Wochenende 39,1 % selbst, ohne Kammer 12,7 %.
In der Praxis ist das der Punkt, an dem sich ein Angebot für ein Sägewerk von einem für eine Schreinerei unterscheiden sollte: Die Kammer ist eine Grundlast, wie sie sonst ein Serverraum hat. Häufig unterschätzt wird genau dieser Wochenendbedarf: Wer die Anlage nur nach der Sägelinie bemisst, verschenkt diesen Abnehmer.

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Trocknungslastig oder sägelastig: drei Betriebe im Vergleich
Die drei RAVEL-Betriebe unterscheiden sich stark. Betrieb 2 brauchte 65 % seines Stroms für das Trocknen, Betrieb 3 dagegen 70 % für die Sägerei mit einer Gattersäge. Wir haben alle drei mit demselben Verfahren und derselben Anlage mit 100 kWp gerechnet.
| RAVEL-Betrieb | Verbrauch | Trocknen | Sägerei | 100 kWp EV | Deckung | EV am Wochenende |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Betrieb 1, Blockband | 270.000 kWh | 93.600 kWh Anlage, 108.300 kWh gesamt | 46 % | 77,2 % | 33,6 % | 39,1 % |
| Betrieb 2, Gatter | 138.796 kWh | 90.464 kWh (65 %) | 26 % | 51,4 % | 43,5 % | 30,6 % |
| Betrieb 3, Gatter | 125.000 kWh | 25.600 kWh (20 %) | 70 % | 54,1 % | 50,9 % | 10,9 % |
Der Jahreswert beim Eigenverbrauch liegt für Betrieb 2 und 3 fast gleich, 51,4 gegen 54,1 %. Der Unterschied zeigt sich am Wochenende: 30,6 % im trocknungslastigen Betrieb, 10,9 % im sägelastigen. Betrieb 3 nimmt dafür unter der Woche mehr ab und erreicht mit 50,9 % die höhere Deckung, weil sein Verbrauch mit 125.000 kWh kleiner ist.
Speicher im Sägewerk: 100 kWh an 100 kWp
Ein Batteriespeicher mit 100 kWh Kapazität hebt den Eigenverbrauch in Betrieb 1 bei 100 kWp von 77,2 auf 88,1 % und die Deckung von 33,6 auf 38,3 %. Mehr Module bringen hier mehr: 150 kWp ohne Speicher decken 42,1 %, 150 kWp mit 100 kWh 50,3 %. Die Rechnung ist ohne Lade- und Entladeverluste gemacht. Wie viele Ladezyklen der Speicher im Jahr erreicht und ob er einen eigenen Wechselrichter braucht, gehört ins Angebot.
Ein zweiter Grund für einen Speicher ist die Spitzenlast. Betrieb 1 hatte laut RAVEL eine Spitze von 160 kW, und in der oberösterreichischen Studie lag der Anteil der Leistungskosten an den Stromkosten im Mittel bei 50 %. Wie viel ein Speicher davon abschneiden kann, hängt am gemessenen Lastgang und am Tarif; das haben wir nicht gerechnet. Die Grundlagen stehen im Ratgeber Speichergröße berechnen.

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So planst du die Solaranlage für das Sägewerk
- Lastgang besorgen: Viertelstundenwerte beim Netzbetreiber anfragen, bei Leistungsmessung liegen sie meist vor.
- Trockenkammer trennen: Laufzeit und Ventilatorleistung jeder Kammer laut Datenblatt notieren, am besten mit eigenem Zähler.
- Sägelinie einordnen: Schichtzeiten, Leerlauf und die Spitze beim Anlauf erfassen.
- Dachflächen prüfen: Hallendächer, Statik und Staubbelastung durch Sägemehl.
- Anlage nach Grundlast auslegen: Trockenkammer plus Wochenendbedarf bestimmen, wie viel am Samstag und Sonntag abgenommen wird.
- Im Angebot nachsehen: Rechnet es mit G1, mit dem Jahreswert oder mit deinem Lastgang?
Weitere Hebel für den Eigenverbrauch beschreibt der Ratgeber Eigenverbrauch optimieren. Ob sich bei sehr großen Dachflächen eine Teil- oder Volleinspeisung lohnt, klärt Eigenverbrauch oder Volleinspeisung. Eine vergleichbare Saisonlast mit Gebläsen zeigt der Ratgeber zur Tabaktrocknung, einen Handwerksbetrieb mit Tageslast die Kfz-Werkstatt.
- Wie viele Festmeter schneidet der Betrieb im Jahr ein?
- Wie viele Trockenkammern gibt es, und wie viele Stunden laufen sie?
- Werden die Kammerventilatoren in der zweiten Trocknungsphase gedrosselt?
- Wie hoch ist die Spitzenlast, und wie wird sie abgerechnet?
- Wird am Wochenende getrocknet, gesägt oder gar nicht gearbeitet?
- Welche Hallendächer tragen Module?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Aktuelle, frei zugängliche Stromkennzahlen für deutsche Sägewerke haben wir nicht gefunden; die zitierten Messungen stammen aus der Schweiz und Oberösterreich und sind Jahrzehnte alt. Einen gemessenen Stundenlastgang einer Trockenkammer gibt es in keiner der Quellen, unser Modell verteilt den Jahresstrom gleichmäßig. Zur Leistungspreisersparnis durch einen Speicher und zu aktuellen Strompreisen für Sägewerke haben wir nichts gerechnet. Stand: 14.09.2026.
Häufige Fragen zu PV im Sägewerk
Wie viel Strom braucht ein Sägewerk je Festmeter? +
Wie viel Strom braucht eine Trockenkammer? +
Lohnt sich PV im Sägewerk mit Trockenkammer mehr als ohne? +
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Ersetzt die Solaranlage die Wärme für die Holztrocknung? +
Lohnt sich ein Speicher im Sägewerk? +
Was bringt die Trockenkammer am Wochenende? +
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