Fischzucht und PV: Teichbelüftung mit Solarstrom und Strombedarf der Kreislaufanlage
Belüfter, Speicher, Kreislaufanlage: der LfL-Belüftungsversuch, Destatis-Zahlen und die Studie von Klatt und Kollegen, gegen die PVGIS-Reihe von Höchstadt gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 12 Abschnitte
- 1.Fischzucht in Deutschland: 16.600 Tonnen aus Teichen, Rinnen und Hallen
- 2.Welches Lastprofil gilt für die Fischzucht?
- 3.Karpfenteich ohne Stromanschluss: der LfL-Versuch von 2015
- 4.Teichbelüftung direkt am Solarmodul: so haben wir gerechnet
- 5.Kleiner Speicher statt Nachtbetrieb
- 6.Kreislaufanlage: 0,77 bis 29,40 kWh Strom je Kilogramm Fisch
- 7.Nachgerechnet: Kreislaufanlage mit 10 Tonnen im Jahr
- 8.Stromausfall: das eigentliche Risiko in der Fischzucht
- 9.Floating-PV auf Fischteichen: Ergebnis steht noch aus
- 10.So planst du Solarstrom für die Fischzucht
- 11.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 12.Häufige Fragen zu PV in der Fischzucht
Ein Karpfenteich braucht Sauerstoff vor allem in warmen Sommernächten, und genau dann liefert eine Solaranlage nichts. Trotzdem ist Solarstrom für die Teichbelüftung eine ernsthafte Option: Ein Versuch der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat gezeigt, dass Belüften am Tag besser wirkt als Belüften in der Nacht. Anders liegt der Fall bei Kreislaufanlagen, in denen Pumpen und Filter rund um die Uhr laufen.
Dieser Ratgeber sammelt die Kennzahlen zur Fischzucht in Deutschland, rechnet einen Belüfter direkt am Solarmodul gegen die stündliche PVGIS-Ertragsreihe von Höchstadt an der Aisch durch und prüft, wie viel Solarstrom eine Kreislaufanlage mit 10 Tonnen Jahresproduktion selbst nutzen kann.
Fischzucht in Deutschland: 16.600 Tonnen aus Teichen, Rinnen und Hallen
Die Aquakulturbetriebe in Deutschland haben 2025 rund 16.600 Tonnen Fisch erzeugt, meldet das Statistische Bundesamt in seiner Pressemitteilung vom 05.06.2026. Forellen, Saiblinge und verwandte Arten machten 9.800 Tonnen aus, das sind 59,5 %. Wichtigste Art war die Regenbogenforelle mit 5.200 Tonnen.
Karpfen, Schleie und andere karpfenartige Fische kamen auf 4.600 Tonnen oder 27,6 %.
Hinter diesen Zahlen stehen drei Haltungsformen mit ganz unterschiedlichem Strombedarf. Forellen wachsen meist in Durchflussanlagen, durch die Quell- oder Bachwasser läuft. Karpfen wachsen in Erdteichen, oft weit weg vom nächsten Hausanschluss. Kreislaufanlagen stehen in Hallen und bereiten ihr Wasser technisch auf.
Für die Durchflussanlagen gibt es keine belastbare Verbrauchszahl. Die Perspektivstudie Aquakultur der BLE (Stand September 2017) schreibt ausdrücklich: „Genaue Zahlen zum Energieverbrauch liegen nicht vor.“ Energie verbrauchen dort Sauerstoffeintrag, Messtechnik, Fischpumpen, Belüfter und Fütterung.
Welches Lastprofil gilt für die Fischzucht?
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet „Fischerei und Fischzucht“ und „Teichwirtschaft“ dem Profil G3 zu, dem Gewerbe mit durchlaufendem Betrieb. Für eine Kreislaufanlage passt das: Im Modell mit 67.988 kWh schwankt die G3-Last nur zwischen 5,5 und 10,4 kW.
Für einen Karpfenteich mit Belüfter passt G3 nicht. Der Belüfter läuft nur in den warmen Monaten und nur einige Stunden am Tag, im Winter braucht der Teich gar keinen Strom. Wer eine Teichwirtschaft mit G3 rechnet, bekommt eine Grundlast, die es nicht gibt. In der Praxis ist deshalb die Frage, zu welchen Stunden der Belüfter laufen soll, wichtiger als der Jahresverbrauch.
Karpfenteich ohne Stromanschluss: der LfL-Versuch von 2015
Die LfL hat im heißen Sommer 2015 von Anfang Juli bis Mitte September verschiedene Belüftungsstrategien geprüft (LfL, Institut für Fischerei). Sechs Teiche waren mit je 1.500 K2/ha besetzt: zwei Teiche mit je 1.000 m² und einem Schaufelradbelüfter Aquawheel mit 0,55 kW, vier Teiche mit je 200 m² und einem Tauchmotor-Belüfter Aquahobby mit 0,15 kW.
Drei Teiche wurden von 10 bis 17 Uhr belüftet, drei von 22 bis 5 Uhr. Die Wetterdaten kamen von einer Station in Höchstadt.
Den Ausgangspunkt beschreibt die LfL nüchtern: Zur Notbelüftung steht Teichwirten in der Regel kein Stromanschluss zur Verfügung, die Erschließung ist oft zu teuer. Deshalb sei die solare Belüftung in der Diskussion; die Speicherung von Energie sei jedoch aufwändig.
Die Messungen zeigen den Mechanismus. Bei starker Sonne ist das Oberflächenwasser mit Sauerstoff übersättigt, in 1 m Tiefe fehlt er teils völlig. Ein Belüfter am Tag mischt beide Schichten und hebt den Gehalt in der Tiefe rasch an, was bis in die Nacht nachwirkt.
Nachts dagegen konnte die Belüftung den Abfall nur dämpfen; die Sauerstoffzehrung dauerte bis gegen 9 bis 10 Uhr an. Das Fazit der LfL: Belüften tagsüber bei Sonne ist einer ausschließlichen Belüftung während der Nacht vorzuziehen.
Teichbelüftung direkt am Solarmodul: so haben wir gerechnet
Für die Rechnung haben wir die stündliche Ertragsreihe aus PVGIS 5.3 für Höchstadt an der Aisch geladen: Südausrichtung, 35 Grad Neigung, 14 % Systemverluste, Wetterjahre 2020 bis 2023. Ein Kilowatt Modulleistung liefert dort im Mittel 1096,3 kWh im Jahr; auf die 77 Tage vom 1. Juli bis 15. September entfallen 2020 29,9 % davon.
Die Regel im Modell ist streng: Der Belüfter läuft in einer Stunde nur, wenn die mittlere Solarleistung dieser Stunde seine Nennleistung erreicht. Teillast gibt es nicht. Gezählt werden die Stunden im LfL-Fenster von 10 bis 17 Uhr, das sind 539 Stunden in der Saison.
| Belüfter und Modulleistung, Wetterjahr 2020 | Laufstunden 10–17 Uhr | Anteil | Tage mit mindestens 5 Laufstunden |
|---|---|---|---|
| 0,55 kW an 0,6 kWp | 0 von 539 | 0,0 % | 0 von 77 |
| 0,55 kW an 0,8 kWp | 84 von 539 | 15,6 % | 0 von 77 |
| 0,55 kW an 1,0 kWp | 222 von 539 | 41,2 % | 24 von 77 |
| 0,55 kW an 1,5 kWp | 367 von 539 | 68,1 % | 51 von 77 |
| 0,15 kW an 0,2 kWp | 15 von 539 | 2,8 % | 0 von 77 |
| 0,15 kW an 0,3 kWp | 260 von 539 | 48,2 % | 32 von 77 |
| 0,15 kW an 0,4 kWp | 359 von 539 | 66,6 % | 50 von 77 |
Das auffälligste Ergebnis steht in der ersten Zeile: 0,6 kWp bringen den 0,55-kW-Belüfter in keiner einzigen Stunde auf Nennleistung, weil ein Modulfeld nach Verlusten und bei Sommerhitze deutlich unter seiner Nennleistung bleibt. Erst bei knapp dem Doppelten der Motorleistung läuft der Belüfter an einem großen Teil der Sonnenstunden. Mit 1,0 kWp sind es je nach Wetterjahr 33,2 bis 45,5 % der Stunden, mit 1,5 kWp 58,6 bis 69,8 %.
Kleiner Speicher statt Nachtbetrieb
Ein Belüfter mit 0,55 kW braucht bei sieben Stunden Tagesbetrieb über die 77 Tage der Saison 296,5 kWh. Ohne Speicher fällt er bei jeder Wolke aus. Mit einem kleinen Speicher, der morgens vor 10 Uhr und bei Überschuss mittags lädt, schließt sich die Lücke weitgehend.
| 0,55 kW, 10–17 Uhr, Wetterjahr 2020 | Deckung des Tagesbetriebs | Tage mit allen 7 Stunden |
|---|---|---|
| 1,0 kWp mit 1 kWh Speicher | 89,9 % | 54 von 77 |
| 1,0 kWp mit 2 kWh Speicher | 93,0 % | 61 von 77 |
| 1,5 kWp mit 2 kWh Speicher | 97,3 % | 68 von 77 |
Die Speicherwerte sind ohne Lade- und Entladeverluste gerechnet und damit eher zu hoch. Trotzdem ist der Unterschied zur Nachtbelüftung deutlich: Wer denselben Belüfter von 22 bis 5 Uhr betreiben will, braucht je Nacht 3,9 kWh nutzbare Kapazität, ganz ohne Solarstrom in dieser Zeit. Der Tagesbetrieb kommt mit einem Viertel davon aus.
Wie du einen Speicher allgemein bemisst, steht im Ratgeber Speichergröße berechnen; ein komplettes System ohne Netz beschreibt der Ratgeber zur Inselanlage ohne Netzanschluss.

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Kreislaufanlage: 0,77 bis 29,40 kWh Strom je Kilogramm Fisch
Kreislaufanlagen sparen Wasser und kosten Strom. Laut der Landwirtschaftskammer Österreich (1. Auflage Mai 2015) braucht die klassische Forellenzucht rund 30.000 Liter Frischwasser je Kilogramm Fisch; als Nachteil von Kreislaufanlagen nennt die Kammer den hohen Energieverbrauch im Vergleich zu Durchflussanlagen oder Teichen. Auch die BLE-Studie spricht bei Kreislaufanlagen von einem beachtlichen Energiebedarf.
Die bisher breiteste Auswertung stammt von Laura Klatt und Kollegen von der University of Melbourne und der North Carolina State University (Aquaculture, 2026). Das Team hat 25 Datensätze aus 20 Studien der Jahre 2010 bis 2024 ausgewertet.
Nach dem Bericht von mispeces.com vom 16.03.2026 liegt der Strombedarf zwischen 0,77 und 29,40 kWh je Kilogramm Fisch. Kommerzielle Anlagen kamen auf rund 6,8 kWh/kg, Forschungsanlagen auf 18,6 kWh/kg; Süßwasseranlagen lagen meist unter Meerwasseranlagen. Die Definition, kWh je Kilogramm Biomasse ab Hof, nennt landbasedaq.com.
Nachgerechnet: Kreislaufanlage mit 10 Tonnen im Jahr
Für das Modell nehmen wir eine Kreislaufanlage mit 10 Tonnen Jahresproduktion und dem kommerziellen Wert von 6,8 kWh/kg. Das ergibt 67.988 kWh im Jahr oder eine mittlere Last von 7,7 kW. Gerechnet haben wir zwei Lastgänge: flach, weil Pumpen und Filter durchlaufen, und nach dem Standardprofil G3. Die Solaranlage steht in Höchstadt nach Süden, Wetterjahr 2020.
| Lastgang, 67.988 kWh | 30 kWp EV | Deckung | 50 kWp EV | Deckung | 100 kWp EV | Deckung | 150 kWp EV | Deckung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| flach (Dauerbetrieb) | 59,9 % | 29,2 % | 41,5 % | 33,8 % | 24,1 % | 39,1 % | 17,0 % | 41,6 % |
| Standardprofil G3 | 65,3 % | 31,9 % | 45,6 % | 37,1 % | 26,6 % | 43,3 % | 18,9 % | 46,2 % |
Eine Kreislaufanlage verhält sich damit wie jeder Betrieb mit hoher Grundlast: Kleine Anlagen werden fast vollständig selbst genutzt, große Anlagen decken kaum mehr. Von 50 auf 150 kWp verdreifacht sich der Ertrag, die Deckung im flachen Lastgang steigt aber nur von 33,8 auf 41,6 %. G3 liegt etwas günstiger als der flache Lastgang, weil das Profil tagsüber mehr Last ansetzt.
Ein Speicher hilft hier mehr als bei den meisten Gewerbebetrieben, weil die Nachtlast so hoch ist wie die Taglast. Mit 100 kWp und 50 kWh Speicher steigt die Deckung im flachen Lastgang auf 61,8 %, bei 38,0 % Eigenverbrauch. Ähnlich gleichmäßige Lasten haben wir für den Serverraum und die Kläranlage gerechnet.
Stromausfall: das eigentliche Risiko in der Fischzucht
Für einen Fischzüchter zählt nicht nur die Kilowattstunde, sondern auch die Frage, was bei einem Stromausfall passiert. Die LfL nennt als Nachteile von Warmwasser-Kreislaufanlagen neben Kapitalbedarf und Personal ein höheres Betriebsrisiko (LfL, Warmwasser-Kreislaufanlagen).
Für Forellenanlagen weist die LfL auf stromlos betriebene Sauerstoffeintragsgeräte hin, die kaum laufende Kosten verursachen und bei Stromausfall keine Gefahr von Fischverlusten bergen (LfL, Technik in der Forellenproduktion).
Eine netzgekoppelte Solaranlage schaltet bei Netzausfall ab. Sie ersetzt also keine Notstromversorgung. Wer Fische in einer Halle mit hoher Besatzdichte hält, braucht eine Ersatzstromlösung, die unabhängig vom Wetter läuft; ein Speicher mit Notstromfunktion kann das für wenige Stunden übernehmen. Die Abwärme aus anderen Prozessen ist ein zweiter Hebel: Laut LfL nutzen Betriebe Abwärme aus Biogasanlagen oder Kraftwerken für Wassertemperaturen über 27 °C.
Floating-PV auf Fischteichen: Ergebnis steht noch aus
Ob Solarmodule auf dem Teich selbst dem Fischertrag schaden, untersucht die LfL in Höchstadt an 30 Versuchsparzellen mit je 25 m² (LfL, Floating-PV auf Teichen). Das Projekt läuft vom 1. Januar 2025 bis zum 31. Dezember 2026. Belastbare Ergebnisse gibt es damit frühestens 2027. Bis dahin ist eine schwimmende Anlage auf einem Karpfenteich ein Versuch mit offenem Ausgang, gerade weil Beschattung die Sauerstoffproduktion der Algen am Tag senken könnte, auf die der LfL-Versuch setzt.

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So planst du Solarstrom für die Fischzucht
- Haltungsform klären: Teich, Durchflussanlage oder Kreislaufanlage haben völlig verschiedene Lastgänge.
- Motorleistung notieren: Lies auf dem Typenschild jedes Belüfters, jeder Pumpe und jedes Kompressors die Leistung ab.
- Laufzeiten festlegen: Belüfter am Teich nach LfL tagsüber, Pumpen der Kreislaufanlage durchgehend.
- Modulfeld auslegen: für Direktbetrieb rund das Doppelte der Motorleistung.
- Speicher rechnen: für den Teich klein, für die Halle nach Nachtlast und Notstrombedarf.
- Angebot prüfen: Rechnet es mit G3 oder mit deinen Laufzeiten?
Für kleine Teiche gibt es fertige Solar-Belüftungssysteme. Ein Anbieter nennt für einen Linear-Membrankompressor mit 125 W bei zehn Sonnenstunden eine Umwälzung von 875 bis 1.000 m³ Teichwasser am Tag (Herstellerangabe SolarTeichBelüftung).
In einem Vortrag von 2018 nannte er Systempreise ab rund 1.400 Euro für Teiche mit 0,1 bis 0,5 ha und 2.100 Euro für 0,5 bis 1,0 ha. Das sind Anbieterzahlen, keine unabhängig geprüften Werte. Wie sich eine Pumpe im Garten mit Dauerbetrieb rechnet, zeigt der Ratgeber zur Teichpumpe mit Solarstrom.
- Wie viele Belüfter, Pumpen und Kompressoren gibt es, mit welcher Leistung?
- Zu welchen Stunden und in welchen Monaten laufen sie?
- Gibt es einen Stromanschluss am Teich, und was kostet die Erschließung?
- Wie lange überleben die Fische ohne Belüftung bei Sommerhitze?
- Braucht der Betrieb eine Ersatzstromversorgung?
- Welche Dachflächen gibt es an Halle oder Bruthaus?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Für Forellen-Durchflussanlagen fehlt eine veröffentlichte Verbrauchszahl je Kilogramm Fisch; die BLE sagt das selbst. Die Zahlen zu Kreislaufanlagen stammen aus einer internationalen Übersicht, deren Volltext wir nicht lesen konnten, und sie streuen um den Faktor 40. Für den LfL-Belüftungsversuch liegen Sauerstoffkurven vor, aber keine Messung, wie viel Solarstrom ein Belüfter tatsächlich aufgenommen hat. Unser Modell kennt keine Teillast, keine Speicherverluste und kein Anlaufverhalten der Motoren. Zu den Kosten eines Stromanschlusses am Teich haben wir keine belastbare Quelle gefunden. Stand: 14.09.2026.