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Tabaktrocknung und PV: Gebläse, Erntezeit und Eigenverbrauch im Tabakbetrieb

Erntezeit, Gebläse, Speicher: Kennzahlen von LfL, LEL und IVA zum Tabakanbau und ein Betrieb mit 40.000 kWh Tabakstrom gegen PVGIS und eine LfL-Jahresmessung gerechnet.

⏱️ 9 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 14. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
  1. 1.Tabakanbau in Deutschland: wenige Betriebe, viel Handarbeit
  2. 2.Trockenkammer, Container und Gebläse
  3. 3.Welches Lastprofil gilt für einen Tabakbetrieb?
  4. 4.Nachgerechnet: 40.000 kWh in der Erntezeit
  5. 5.Die Gegenprobe: Jahresmessung 2014
  6. 6.Ost-West oder Süd?
  7. 7.Speicher: nachts laufen die Gebläse weiter
  8. 8.So planst du die Solaranlage für einen Tabakbetrieb
  9. 9.Checkliste für Tabakpflanzer
  10. 10.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  11. 11.Häufige Fragen zu PV und Tabaktrocknung

Ein Tabakbetrieb braucht seinen Strom zum größten Teil in wenigen Wochen: Ab Ende Juli kommen die ersten Blätter vom Feld in die Trockenkammern oder Container, und die Gebläse drücken Tag und Nacht warme Luft hindurch. Die Wärme liefert Gas, den Strom brauchen die Ventilatoren. Für eine Solaranlage heißt das: In der Erntezeit wird jede Kilowattstunde abgenommen, im Rest des Jahres kaum eine.

Dieser Ratgeber sammelt die Kennzahlen zum Tabakanbau in Deutschland, rechnet einen Betrieb mit 40.000 kWh Tabakstrom gegen stündliche Ertragsreihen für Ost-, West- und Süddächer durch und prüft das Modell an einer veröffentlichten Jahresmessung aus Mittelfranken.

Kurz gesagt: Ein fränkischer Tabakbetrieb mit 20 ha braucht laut LfL 47.000 kWh Strom im Jahr, rund 40.000 kWh davon für den Tabak. Seine Anlage mit 50 kWp nach Ost und West nutzte 2014 33,2 % ihres Stroms selbst. Unser Modell kommt je nach Dauer der Trocknungssaison auf 21,9 bis 31,7 %. In der Erntezeit selbst geht fast der gesamte Solarstrom in die Gebläse.

Tabakanbau in Deutschland: wenige Betriebe, viel Handarbeit

In Deutschland wuchs 2020 auf 1.457 ha Tabak, meldet der Infodienst Tabakanbau der LEL Schwäbisch Gmünd (Stand 06/2022) nach Zahlen des Statistischen Bundesamts. Baden-Württemberg hatte 41 % der Fläche, Rheinland-Pfalz 26 %, Bayern 17 % und Niedersachsen 7 %.

2025 waren es laut IVA-Magazin vom 26. März 2026 unter Berufung auf den Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer noch rund 1.300 Hektar mit einer Erntemenge von 3.500 Tonnen. Die Seite der Südlichen Weinstraße beschreibt den Einschnitt: Mit dem Wegfall der EU-Subventionen 2010 mussten in der Südpfalz neun von zehn Tabakbauern aufgeben; heute pflanzen dort 45 Betriebe die Sorte Virginia.

Die Ernte beginnt laut IVA je nach Pflanztermin und Witterung ab Ende Juli und zieht sich bis in den September. Nach den bodennahen Blättern folgen drei bis fünf Pflückdurchgänge von Hand mit jeweils drei bis fünf Blättern.

Trockenkammer, Container und Gebläse

Die LfL-Information „Energieeffizienz und Solarstromnutzung in der Landwirtschaft“ (1. Auflage, August 2016) beschreibt im Kapitel 8 einen Betrieb im Bereich des AELF Uffenheim mit rund 20 Hektar Ackerfläche, ausschließlich Tabak. Die Blätter werden mit warmer Luft im Container getrocknet, die Luft wird mit Erdgas erwärmt. An der Rückwand jedes Containers sitzt ein Radialgebläse mit 2.500 Watt Leistungsaufnahme.

Wie groß solche Anlagen werden, zeigt ein Praxisbericht des Gaslieferanten PROGAS vom 9. Juni 2022 über den Betrieb Thetard in der Eifel: 15 Trockenkammern mit je zwölf Metern Länge und drei Metern Breite. Die Temperatur fährt stufenweise auf 68 Grad Celsius hoch, die Trocknung dauert mehrere Tage. Das Gas reicht dort für die drei Monate der Erntezeit; Mitte November ist das Tabakjahr vorbei.

Vorsicht bei Angaben aus Anbieterberichten: Der PROGAS-Text ist ein Erfahrungsbericht eines Gaslieferanten. Wir übernehmen daraus nur die Betriebsangaben zu Kammern, Temperatur und Erntezeit, keine Aussagen über den Brennstoff. Prüfe im Angebot für deine Trocknung, welche Leistung die Gebläse wirklich aufnehmen, und lies sie auf dem Typenschild ab.

Welches Lastprofil gilt für einen Tabakbetrieb?

Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 kennt keinen Eintrag für den Tabakanbau. „Tabak“ und „Rauch-, Kau-, Schnupftabak“ stehen dort als Verarbeitung unter G1; für die Landwirtschaft mit gemischtem Pflanzenbau gilt L0. Wir vergleichen mit L0, wissend, dass es eine Saisonlast von zwei Monaten nicht abbilden kann. Ähnlich liegen die Fälle der Hopfentrocknung und der Getreidetrocknung.

Nachgerechnet: 40.000 kWh in der Erntezeit

Die Ertragsreihen stammen aus PVGIS 5.3 für Würzburg, rund 40 km von Uffenheim, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Wie im LfL-Beispiel teilen wir 50 kWp je zur Hälfte auf Ost und West mit 15 Grad Neigung, das ergibt 938,1 kWh je kWp; zum Vergleich Süd mit 35 Grad 1127,9 kWh je kWp. Die echte Anlage lieferte 2014 laut LfL 995,7 kWh je kWp.

Unsere Annahmen: 40.000 kWh Tabakstrom sind bei 2,5 kW je Gebläse 16.000 Gebläsestunden. Die Gebläse laufen in der Erntezeit rund um die Uhr. Bei 58 Tagen vom 25. Juli bis 20. September sind das 28,7 kW, also im Mittel 11,5 Gebläse gleichzeitig. Als kürzere Saison rechnen wir 41 Tage ab 1. August, als längere drei Monate mit 93 Tagen ab 20. Juli. Die übrigen 7.000 kWh des Betriebs verteilen wir nach L0.

Betrieb, 47.000 kWh30 kWp O/W EVDeckung50 kWp O/W EVDeckung100 kWp O/W EVDeckung50 kWp Süd EVDeckung
Trocknung 41 Tage26,1 %15,6 %21,9 %21,8 %17,0 %34,0 %19,8 %23,7 %
Trocknung 58 Tage32,5 %19,5 %28,5 %28,4 %19,8 %39,4 %25,4 %30,4 %
Trocknung 93 Tage39,2 %23,4 %31,7 %31,6 %20,0 %39,9 %26,7 %32,0 %
Standardprofil L0, gleiche Summe59,0 %35,3 %41,4 %41,3 %23,7 %47,3 %34,0 %40,7 %

Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3, Würzburg, Wetterjahr 2020; EV ist der selbst genutzte Anteil des Solarstroms, Deckung der Anteil des Betriebsstroms aus der Anlage.

In den 58 Erntetagen der mittleren Variante erzeugt die Anlage mit 50 kWp 22,1 % ihres Jahresertrags, und davon nutzt der Betrieb 99,8 % selbst. Die Gebläse nehmen also jede Kilowattstunde ab; der Tabakstrom wird in dieser Zeit trotzdem nur zu 25,2 % aus der Sonne gedeckt, weil nachts weitergetrocknet wird.

Balkendiagramm: Selbst genutzter Solarstrom bei 50 kWp Ost/West. Standardprofil L0 41,4 Prozent, Modell mit 93 Tagen Trocknung 31,7 Prozent, LfL-Messung 2014 33,2 Prozent, Modell mit 58 Tagen 28,5 Prozent, Modell mit 41 Tagen 21,9 Prozent.
Die Messung liegt knapp über dem Modell mit drei Monaten Trocknung und deutlich unter L0. · Foto: Eigene Grafik

Die Gegenprobe: Jahresmessung 2014

Die Anlage des LfL-Betriebs ging am 27.03.2013 in Betrieb. Im Kalenderjahr 2014 erzeugte sie 49.785 kWh, davon verbrauchte der Betrieb 16.513 kWh selbst, mehr als 33 %. Die Beratung hatte vorher 30 % Eigenverbrauch prognostiziert.

Unser Modell liegt in allen drei Varianten darunter: 21,9 % bei 41 Tagen, 28,5 % bei 58 Tagen und 31,7 % bei drei Monaten Trocknung, der Messung am nächsten. Das Standardprofil L0 liegt mit 41,4 % deutlich darüber. Die gemessenen 33,2 % sprechen für eine Trocknungssaison von mehr als zwei Monaten oder für Verbraucher außerhalb der Ernte, die tagsüber laufen.

In Kilowattstunden: Das Modell mit 58 Tagen nutzt 13.365 kWh selbst, mit 93 Tagen 14.869 kWh, gemessen wurden 16.513 kWh.

Saison aus den Zählerständen ablesen: Notiere an jedem Montag der Erntezeit den Zählerstand, und zusätzlich einmal im Monat außerhalb. Die Differenz zeigt, wie viele Wochen die Gebläse wirklich laufen. Genau diese Zahl entscheidet im Modell über mehrere Prozentpunkte Eigenverbrauch.
Balkendiagramm: Betrieb mit 47.000 kWh und 50 kWp. Süd Deckung 30,4 Prozent, Ost/West Eigenverbrauch 28,5 Prozent, Ost/West Deckung 28,4 Prozent, Süd Eigenverbrauch 25,4 Prozent.
Ost-West nutzt etwas mehr selbst, Süd deckt mehr. · Foto: Eigene Grafik
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Ost-West oder Süd?

Die Anlage des LfL-Betriebs liegt je zur Hälfte nach Ost und West. Bei 50 kWp nutzt der Betrieb im Modell mit 58 Tagen von der Ost-West-Anlage 28,5 % selbst, von einer Süd-Anlage 25,4 %. Die Süd-Anlage deckt aber mehr des Bedarfs, 30,4 statt 28,4 %, weil sie im Jahr mehr erzeugt. Weil die Gebläse rund um die Uhr laufen, spielt die Tageszeit der Erzeugung kaum eine Rolle, die Menge in den Erntewochen umso mehr.

In der Praxis entscheidet oft das Hallendach. Eine Ost-West-Belegung mit flacher Neigung passt auf Maschinenhallen, deren First nach Nord-Süd verläuft.

Speicher: nachts laufen die Gebläse weiter

Weil die Gebläse in der Erntezeit auch nachts ziehen, findet ein Speicher dann jeden Abend einen Abnehmer. Außerhalb der Ernte bleibt ihm nur der Reststrom des Betriebs.

Trocknung 58 TageEVDeckungSelbst genutzt, kWh
50 kWp Ost/West ohne Speicher28,5 %28,4 %13.365
50 kWp Ost/West mit 20 kWh34,7 %34,7 %16.300
100 kWp Ost/West ohne Speicher19,8 %39,4 %18.534

Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3, Würzburg, Wetterjahr 2020, ohne Lade- und Entladeverluste. Ein Batteriespeicher mit 20 kWh Kapazität gibt im Modell 2.935 kWh im Jahr ab, rund 147 volle Ladezyklen. Ob der vorhandene Wechselrichter dafür reicht, klärt der Installateur. Der LfL-Betrieb fand 2016 noch keine wirtschaftlich rentable Speicherlösung. Wie du die Größe aus dem eigenen Lastgang ableitest, zeigt der Ratgeber zur Speichergröße.

Balkendiagramm: Deckung des Betriebsstroms. 50 kWp ohne Speicher 28,4 Prozent, mit 20 kWh 34,7 Prozent, 100 kWp ohne Speicher 39,4 Prozent.
Der Speicher bedient die Gebläse in der Nacht. · Foto: Eigene Grafik
Typischer Fehler: die Anlage nach dem Jahresverbrauch auslegen. 47.000 kWh im Jahr klingen nach einer Anlage von 50 kWp und mehr. Doch rund 40.000 kWh davon fallen in zwei bis drei Monaten an. Wer eine große Anlage plant, speist den Rest des Jahres fast alles ein; rechne deshalb mit dem Einspeisetarif und prüfe den Vergleich Eigenverbrauch gegen Volleinspeisung.
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So planst du die Solaranlage für einen Tabakbetrieb

1 Schritt für Schritt
  1. Gebläse zählen: Anzahl der Container oder Kammern und die Leistung jedes Gebläses laut Typenschild.
  2. Saison messen: wöchentliche Zählerstände in der Erntezeit, monatliche außerhalb.
  3. Reststrom bestimmen: Haushalt, Werkstatt, Anzucht und Kühlung außerhalb der Ernte.
  4. Dachflächen prüfen: Ost-West auf flachen Hallen, Süd wo vorhanden.
  5. Anlage auslegen: nach dem Strom in der Erntezeit und dem Reststrom, nicht nach dem Jahreswert.
  6. Speicher erst danach rechnen: mit gemessenen Werten aus einer Ernte.
Wärme nicht vergessen: Die Gebläse brauchen Strom, die Trocknung selbst aber Gas. Wer die Wärme künftig anders erzeugen will, etwa aus der Abwärme einer Biogasanlage, ändert den Strombedarf kaum, wohl aber die Energiekosten der Trocknung. Plane beides zusammen mit dem Berater. Zur Umsatzsteuer beim Solarstrom im Agrarbetrieb gibt es einen eigenen Ratgeber zur Durchschnittssatzbesteuerung.

Checkliste für Tabakpflanzer

Vor der Anfrage klären
  • Wie viele Container oder Kammern trocknen gleichzeitig?
  • Welche Leistung nimmt jedes Gebläse auf?
  • Wie viele Wochen im Jahr laufen die Gebläse?
  • Wie viel Strom braucht der Betrieb außerhalb der Ernte?
  • Welche Dachflächen gibt es, und wohin zeigen sie?
  • Rechnet das Angebot mit L0 oder mit gemessenen Werten?

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Wie lange die Gebläse im LfL-Betrieb liefen und wie viele Container gleichzeitig trockneten, nennt die LfL nicht. Den Dauerbetrieb in der Erntezeit und die drei Saisonlängen haben wir angenommen, ebenso die Verteilung des Reststroms nach L0. Einen frei lesbaren Wert für den Strombedarf je Hektar oder je Tonne Tabak haben wir nicht gefunden.

Die Schwäche des Modells: Es kennt nur eine gleichmäßige Last in der Erntezeit, keine Pausen zwischen den Pflückdurchgängen und keine Befüllung. Die Seite der Südlichen Weinstraße trägt kein Datum; der Praxisbericht zur Eifel stammt von einem Gaslieferanten. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 14.09.2026.

Häufige Fragen zu PV und Tabaktrocknung

Wie viel Strom braucht die Tabaktrocknung? +
Im LfL-Beispiel mit 20 ha rund 40.000 kWh im Jahr, bei einem Gesamtbedarf des Betriebs von 47.000 kWh.
Wofür braucht die Tabaktrocknung Strom? +
Für die Gebläse, die warme Luft durch Container oder Kammern drücken, im LfL-Beispiel 2.500 W je Container. Die Wärme selbst kommt dort aus Erdgas.
Wie viel Solarstrom nutzt ein Tabakbetrieb selbst? +
Gemessen hat die LfL 2014 bei 50 kWp Ost/West 33,2 %. Unser Modell ergibt je nach Saisonlänge 21,9 bis 31,7 %.
Wann wird Tabak geerntet? +
Laut IVA je nach Pflanztermin ab Ende Juli bis in den September, in drei bis fünf Pflückdurchgängen nach den ersten bodennahen Blättern.
Wie viel Tabak wird in Deutschland angebaut? +
2020 waren es laut LEL 1.457 ha, 2025 laut IVA rund 1.300 Hektar mit 3.500 Tonnen Ernte.
Lohnt sich ein Speicher für die Tabaktrocknung? +
In der Ernte ja, weil die Gebläse nachts laufen; außerhalb kaum. Mit 20 kWh an 50 kWp steigt die Deckung im Modell von 28,4 auf 34,7 %.
Ist Ost-West für den Tabakbetrieb besser als Süd? +
Der Eigenverbrauchsanteil ist im Modell etwas höher, die Deckung nach Süden höher. Weil die Gebläse rund um die Uhr laufen, zählt vor allem die Menge in den Erntewochen.