Tabaktrocknung und PV: Gebläse, Erntezeit und Eigenverbrauch im Tabakbetrieb
Erntezeit, Gebläse, Speicher: Kennzahlen von LfL, LEL und IVA zum Tabakanbau und ein Betrieb mit 40.000 kWh Tabakstrom gegen PVGIS und eine LfL-Jahresmessung gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
- 1.Tabakanbau in Deutschland: wenige Betriebe, viel Handarbeit
- 2.Trockenkammer, Container und Gebläse
- 3.Welches Lastprofil gilt für einen Tabakbetrieb?
- 4.Nachgerechnet: 40.000 kWh in der Erntezeit
- 5.Die Gegenprobe: Jahresmessung 2014
- 6.Ost-West oder Süd?
- 7.Speicher: nachts laufen die Gebläse weiter
- 8.So planst du die Solaranlage für einen Tabakbetrieb
- 9.Checkliste für Tabakpflanzer
- 10.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 11.Häufige Fragen zu PV und Tabaktrocknung
Ein Tabakbetrieb braucht seinen Strom zum größten Teil in wenigen Wochen: Ab Ende Juli kommen die ersten Blätter vom Feld in die Trockenkammern oder Container, und die Gebläse drücken Tag und Nacht warme Luft hindurch. Die Wärme liefert Gas, den Strom brauchen die Ventilatoren. Für eine Solaranlage heißt das: In der Erntezeit wird jede Kilowattstunde abgenommen, im Rest des Jahres kaum eine.
Dieser Ratgeber sammelt die Kennzahlen zum Tabakanbau in Deutschland, rechnet einen Betrieb mit 40.000 kWh Tabakstrom gegen stündliche Ertragsreihen für Ost-, West- und Süddächer durch und prüft das Modell an einer veröffentlichten Jahresmessung aus Mittelfranken.
Tabakanbau in Deutschland: wenige Betriebe, viel Handarbeit
In Deutschland wuchs 2020 auf 1.457 ha Tabak, meldet der Infodienst Tabakanbau der LEL Schwäbisch Gmünd (Stand 06/2022) nach Zahlen des Statistischen Bundesamts. Baden-Württemberg hatte 41 % der Fläche, Rheinland-Pfalz 26 %, Bayern 17 % und Niedersachsen 7 %.
2025 waren es laut IVA-Magazin vom 26. März 2026 unter Berufung auf den Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer noch rund 1.300 Hektar mit einer Erntemenge von 3.500 Tonnen. Die Seite der Südlichen Weinstraße beschreibt den Einschnitt: Mit dem Wegfall der EU-Subventionen 2010 mussten in der Südpfalz neun von zehn Tabakbauern aufgeben; heute pflanzen dort 45 Betriebe die Sorte Virginia.
Die Ernte beginnt laut IVA je nach Pflanztermin und Witterung ab Ende Juli und zieht sich bis in den September. Nach den bodennahen Blättern folgen drei bis fünf Pflückdurchgänge von Hand mit jeweils drei bis fünf Blättern.
Trockenkammer, Container und Gebläse
Die LfL-Information „Energieeffizienz und Solarstromnutzung in der Landwirtschaft“ (1. Auflage, August 2016) beschreibt im Kapitel 8 einen Betrieb im Bereich des AELF Uffenheim mit rund 20 Hektar Ackerfläche, ausschließlich Tabak. Die Blätter werden mit warmer Luft im Container getrocknet, die Luft wird mit Erdgas erwärmt. An der Rückwand jedes Containers sitzt ein Radialgebläse mit 2.500 Watt Leistungsaufnahme.
Wie groß solche Anlagen werden, zeigt ein Praxisbericht des Gaslieferanten PROGAS vom 9. Juni 2022 über den Betrieb Thetard in der Eifel: 15 Trockenkammern mit je zwölf Metern Länge und drei Metern Breite. Die Temperatur fährt stufenweise auf 68 Grad Celsius hoch, die Trocknung dauert mehrere Tage. Das Gas reicht dort für die drei Monate der Erntezeit; Mitte November ist das Tabakjahr vorbei.
Welches Lastprofil gilt für einen Tabakbetrieb?
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 kennt keinen Eintrag für den Tabakanbau. „Tabak“ und „Rauch-, Kau-, Schnupftabak“ stehen dort als Verarbeitung unter G1; für die Landwirtschaft mit gemischtem Pflanzenbau gilt L0. Wir vergleichen mit L0, wissend, dass es eine Saisonlast von zwei Monaten nicht abbilden kann. Ähnlich liegen die Fälle der Hopfentrocknung und der Getreidetrocknung.
Nachgerechnet: 40.000 kWh in der Erntezeit
Die Ertragsreihen stammen aus PVGIS 5.3 für Würzburg, rund 40 km von Uffenheim, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Wie im LfL-Beispiel teilen wir 50 kWp je zur Hälfte auf Ost und West mit 15 Grad Neigung, das ergibt 938,1 kWh je kWp; zum Vergleich Süd mit 35 Grad 1127,9 kWh je kWp. Die echte Anlage lieferte 2014 laut LfL 995,7 kWh je kWp.
Unsere Annahmen: 40.000 kWh Tabakstrom sind bei 2,5 kW je Gebläse 16.000 Gebläsestunden. Die Gebläse laufen in der Erntezeit rund um die Uhr. Bei 58 Tagen vom 25. Juli bis 20. September sind das 28,7 kW, also im Mittel 11,5 Gebläse gleichzeitig. Als kürzere Saison rechnen wir 41 Tage ab 1. August, als längere drei Monate mit 93 Tagen ab 20. Juli. Die übrigen 7.000 kWh des Betriebs verteilen wir nach L0.
| Betrieb, 47.000 kWh | 30 kWp O/W EV | Deckung | 50 kWp O/W EV | Deckung | 100 kWp O/W EV | Deckung | 50 kWp Süd EV | Deckung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Trocknung 41 Tage | 26,1 % | 15,6 % | 21,9 % | 21,8 % | 17,0 % | 34,0 % | 19,8 % | 23,7 % |
| Trocknung 58 Tage | 32,5 % | 19,5 % | 28,5 % | 28,4 % | 19,8 % | 39,4 % | 25,4 % | 30,4 % |
| Trocknung 93 Tage | 39,2 % | 23,4 % | 31,7 % | 31,6 % | 20,0 % | 39,9 % | 26,7 % | 32,0 % |
| Standardprofil L0, gleiche Summe | 59,0 % | 35,3 % | 41,4 % | 41,3 % | 23,7 % | 47,3 % | 34,0 % | 40,7 % |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3, Würzburg, Wetterjahr 2020; EV ist der selbst genutzte Anteil des Solarstroms, Deckung der Anteil des Betriebsstroms aus der Anlage.
In den 58 Erntetagen der mittleren Variante erzeugt die Anlage mit 50 kWp 22,1 % ihres Jahresertrags, und davon nutzt der Betrieb 99,8 % selbst. Die Gebläse nehmen also jede Kilowattstunde ab; der Tabakstrom wird in dieser Zeit trotzdem nur zu 25,2 % aus der Sonne gedeckt, weil nachts weitergetrocknet wird.
Die Gegenprobe: Jahresmessung 2014
Die Anlage des LfL-Betriebs ging am 27.03.2013 in Betrieb. Im Kalenderjahr 2014 erzeugte sie 49.785 kWh, davon verbrauchte der Betrieb 16.513 kWh selbst, mehr als 33 %. Die Beratung hatte vorher 30 % Eigenverbrauch prognostiziert.
Unser Modell liegt in allen drei Varianten darunter: 21,9 % bei 41 Tagen, 28,5 % bei 58 Tagen und 31,7 % bei drei Monaten Trocknung, der Messung am nächsten. Das Standardprofil L0 liegt mit 41,4 % deutlich darüber. Die gemessenen 33,2 % sprechen für eine Trocknungssaison von mehr als zwei Monaten oder für Verbraucher außerhalb der Ernte, die tagsüber laufen.
In Kilowattstunden: Das Modell mit 58 Tagen nutzt 13.365 kWh selbst, mit 93 Tagen 14.869 kWh, gemessen wurden 16.513 kWh.

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Ost-West oder Süd?
Die Anlage des LfL-Betriebs liegt je zur Hälfte nach Ost und West. Bei 50 kWp nutzt der Betrieb im Modell mit 58 Tagen von der Ost-West-Anlage 28,5 % selbst, von einer Süd-Anlage 25,4 %. Die Süd-Anlage deckt aber mehr des Bedarfs, 30,4 statt 28,4 %, weil sie im Jahr mehr erzeugt. Weil die Gebläse rund um die Uhr laufen, spielt die Tageszeit der Erzeugung kaum eine Rolle, die Menge in den Erntewochen umso mehr.
In der Praxis entscheidet oft das Hallendach. Eine Ost-West-Belegung mit flacher Neigung passt auf Maschinenhallen, deren First nach Nord-Süd verläuft.
Speicher: nachts laufen die Gebläse weiter
Weil die Gebläse in der Erntezeit auch nachts ziehen, findet ein Speicher dann jeden Abend einen Abnehmer. Außerhalb der Ernte bleibt ihm nur der Reststrom des Betriebs.
| Trocknung 58 Tage | EV | Deckung | Selbst genutzt, kWh |
|---|---|---|---|
| 50 kWp Ost/West ohne Speicher | 28,5 % | 28,4 % | 13.365 |
| 50 kWp Ost/West mit 20 kWh | 34,7 % | 34,7 % | 16.300 |
| 100 kWp Ost/West ohne Speicher | 19,8 % | 39,4 % | 18.534 |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3, Würzburg, Wetterjahr 2020, ohne Lade- und Entladeverluste. Ein Batteriespeicher mit 20 kWh Kapazität gibt im Modell 2.935 kWh im Jahr ab, rund 147 volle Ladezyklen. Ob der vorhandene Wechselrichter dafür reicht, klärt der Installateur. Der LfL-Betrieb fand 2016 noch keine wirtschaftlich rentable Speicherlösung. Wie du die Größe aus dem eigenen Lastgang ableitest, zeigt der Ratgeber zur Speichergröße.

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So planst du die Solaranlage für einen Tabakbetrieb
- Gebläse zählen: Anzahl der Container oder Kammern und die Leistung jedes Gebläses laut Typenschild.
- Saison messen: wöchentliche Zählerstände in der Erntezeit, monatliche außerhalb.
- Reststrom bestimmen: Haushalt, Werkstatt, Anzucht und Kühlung außerhalb der Ernte.
- Dachflächen prüfen: Ost-West auf flachen Hallen, Süd wo vorhanden.
- Anlage auslegen: nach dem Strom in der Erntezeit und dem Reststrom, nicht nach dem Jahreswert.
- Speicher erst danach rechnen: mit gemessenen Werten aus einer Ernte.
Checkliste für Tabakpflanzer
- Wie viele Container oder Kammern trocknen gleichzeitig?
- Welche Leistung nimmt jedes Gebläse auf?
- Wie viele Wochen im Jahr laufen die Gebläse?
- Wie viel Strom braucht der Betrieb außerhalb der Ernte?
- Welche Dachflächen gibt es, und wohin zeigen sie?
- Rechnet das Angebot mit L0 oder mit gemessenen Werten?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Wie lange die Gebläse im LfL-Betrieb liefen und wie viele Container gleichzeitig trockneten, nennt die LfL nicht. Den Dauerbetrieb in der Erntezeit und die drei Saisonlängen haben wir angenommen, ebenso die Verteilung des Reststroms nach L0. Einen frei lesbaren Wert für den Strombedarf je Hektar oder je Tonne Tabak haben wir nicht gefunden.
Die Schwäche des Modells: Es kennt nur eine gleichmäßige Last in der Erntezeit, keine Pausen zwischen den Pflückdurchgängen und keine Befüllung. Die Seite der Südlichen Weinstraße trägt kein Datum; der Praxisbericht zur Eifel stammt von einem Gaslieferanten. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 14.09.2026.
Häufige Fragen zu PV und Tabaktrocknung
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