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Kino und PV: Lüftung, Abendvorstellung und Speicher im Filmtheater

Lüftung, Abendvorstellung, Speicher: FFA-Zahlen, Kinoleitfaden und das Cineplex Vilsbiburg gegen die PVGIS-Reihe nachgerechnet, mit offener Abweichung.

⏱️ 8 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 14. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
  1. 1.Kinos in Deutschland: 4.757 Leinwände an 947 Standorten
  2. 2.Wofür ein Kino Strom braucht
  3. 3.Welches Lastprofil gilt für ein Kino?
  4. 4.Praxisbeispiel: Cineplex Vilsbiburg mit 160,6 kWp
  5. 5.Nachgerechnet: Kino mit 150.000 kWh gegen PVGIS
  6. 6.Gegenprobe: 42 Prozent gemeldet, bis zu 70,6 Prozent gerechnet
  7. 7.Ostfassade: weniger Ertrag, andere Uhrzeit
  8. 8.Batteriespeicher im Kino: 162 oder 242 kWh
  9. 9.So planst du Solarstrom für ein Kino
  10. 10.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  11. 11.Häufige Fragen zu PV im Kino

Ein Kino braucht seinen Strom vor allem dann, wenn die Sonne untergeht: Die Abendvorstellungen sind voll, Projektoren, Lüftung und Kasse laufen bis kurz vor Mitternacht. Tagsüber, wenn eine Solaranlage am meisten liefert, sind die Säle leer. Trotzdem deckt ein Kino in Niederbayern nach eigenen Angaben 42 % seines Strombedarfs selbst, mit einer großen Batterie und Wärmepumpen, die tagsüber heizen und kühlen.

Dieser Ratgeber sammelt die Kennzahlen zum Stromverbrauch von Kinos, rechnet das Praxisbeispiel Cineplex Vilsbiburg gegen die stündliche PVGIS-Ertragsreihe nach und zeigt, wo unser Modell von den Angaben des Betreibers abweicht.

Kurz gesagt: Das Cineplex Vilsbiburg hat 160,6 kWp auf Flachdach und Ostfassade und nennt 42 % Autarkie im Jahresdurchschnitt bei 150.000 kWh Strom. Ohne Speicher kommt unser Modell auf 31,7 bis 41,4 %. Mit dem Speicher von 162 kWh rechnet es 63,4 bis 70,6 %, deutlich mehr als gemeldet. Der wahrscheinlichste Grund ist der Winterbetrieb der Wärmepumpen, den ein Standardlastgang nicht kennt.

Kinos in Deutschland: 4.757 Leinwände an 947 Standorten

Zum Dezember 2025 zählte die Filmförderungsanstalt (FFA) 947 Kinostandorte, 1.651 Kinos und 4.757 Leinwände. Verkauft wurden 2025 91,9 Mio. Tickets bei 924 Mio. Euro Umsatz. Das erste Halbjahr war schwach, der August stark, und im Dezember kamen erstmals wieder mehr als 10 Mio. Tickets zusammen.

Für die Solaranlage ist diese Saisonkurve eine schlechte Nachricht: Der Winter mit vielen Besuchern ist die Zeit mit dem geringsten Solarertrag. Kinos mit mehr als 500 m² Nutzfläche müssen außerdem einen Energieausweis sichtbar aushängen, erinnert der Kinoleitfaden.

Wofür ein Kino Strom braucht

Die größten Energie- und Kostenfresser im Kino sind nach dem Kinoleitfaden Heizung und Lüftung, in den Kinosälen und in den Projektionsräumen. Auch in den Klimabilanzen, die das Projekt KinoNatürlich ausgewertet hat, ist das Kinogebäude mit seinem Strom- und Wärmeverbrauch der größte Bereich; die Wärmeerzeugung macht dort 25 bis 68 % der Gesamtemissionen aus.

Die Projektion selbst ist kleiner, als man denkt. Der Energieversorger E.ON hat 2020 in einer Beispielrechnung mit 6.000 Watt je Kinoprojektor rund 0,07 kWh Projektionsstrom je Besucher angesetzt. Das ist eine Rechnung mit Annahmen, keine Messung. Mit der Digitalisierung sind die Energiekosten im Kino nach einem Beitrag von Green Film Shooting (2019) dennoch drastisch gestiegen; Photovoltaik fördert die FFA nicht.

Welches Lastprofil gilt für ein Kino?

Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet Kinos, Filmtheater und Lichtspieltheater für die Vorführung dem Profil G2 zu, dem Gewerbe mit Schwerpunkt in den Abendstunden. Das trifft den Vorstellungsbetrieb. Ein Kino mit Wärmepumpen und großer Lüftung hat aber zusätzlich eine Grundlast rund um die Uhr.

Für das Modell haben wir deshalb zwei Lastgänge gerechnet: G2 und einen eigenen. Der eigene setzt die 7 kW Grundlast aus Vilsbiburg rund um die Uhr an und legt den Rest der 150.000 kWh auf die Vorstellungszeit von 14 bis 23 Uhr, im Mittel 33,9 kW. Die Vorstellungszeit ist unsere Annahme.

Grundlast zuerst: 7 kW rund um die Uhr sind 61.488 kWh im Jahr, 41,0 % des Vilsbiburger Stromverbrauchs. Lies nachts nach der letzten Vorstellung und morgens vor dem Einlass den Zähler ab. Die Differenz zeigt, was durchläuft, wenn niemand im Haus ist.

Praxisbeispiel: Cineplex Vilsbiburg mit 160,6 kWp

Das Cineplex Vilsbiburg ist ein 7-Saal-Kino mit 600 Sitzplätzen und 2.400 qm Kinofläche, erbaut 1994. Bei der Modernisierung 2024 wurden Heizung, Kälteerzeugung und Lüftung zusammengeführt; fünf parallel geschaltete Luft/Wasser-Wärmepumpen liefern Warm- und Kaltwasser, zwei Pufferspeicher mit je 1.600 Litern entkoppeln Erzeugung und Verbrauch. Statt der ursprünglich veranschlagten 170 kW Gas-Heizleistung wurden 80 kW Wärmepumpenleistung eingebaut.

Auf Flachdach und Ostfassade sind 160,6 kWp installiert. Der Betreiber nennt 42 % Autarkie im Jahresdurchschnitt und 58 % an einem Sommertag. 2019 kostete das Kino 20.000 m³ Erdgas und 190.000 kWh Strom; 2025 waren es ca. 40.000 Euro für 150.000 kWh Strom und kein Gas mehr, rund 20.000 Euro weniger Energiekosten als 2019. Die Batterie wurde 2026 von 162 kWh auf 242 kWh erweitert, weil sie regelmäßig bereits gegen 21 Uhr abends leer war.

Balkendiagramm: Autarkie Cineplex Vilsbiburg. Betreiberangabe 42 Prozent; Modell ohne Speicher 31,7 und 41,4 Prozent; Modell mit 162 kWh 63,4 und 70,6 Prozent.
Ohne Speicher trifft das Modell die Angabe, mit Speicher liegt es deutlich darüber. · Foto: Eigene Grafik

Nachgerechnet: Kino mit 150.000 kWh gegen PVGIS

Die Solaranlage steht im Modell in Vilsbiburg. Laut PVGIS 5.3 liefert ein kWp nach Süden mit 35 Grad Neigung im Wetterjahr 2020 1200,9 kWh, an einer Ostfassade mit 90 Grad nur 583,8 kWh. Wie sich die 160,6 kWp auf Dach und Fassade verteilen, steht im Bericht nicht; wir rechnen deshalb alles nach Süden und einen Mix aus 120 kWp Dach und 40,6 kWp Fassade.

Autarkie, 150.000 kWhSüd, ohne SpeicherSüd, 162 kWhMix, ohne SpeicherMix, 162 kWh
eigener Lastgang (7 kW + Vorstellungen)33,0 %65,9 %31,7 %63,4 %
Standardprofil G241,4 %70,6 %40,2 %68,3 %

Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3, Speicher ohne Verluste.

Gegenprobe: 42 Prozent gemeldet, bis zu 70,6 Prozent gerechnet

Ohne Speicher trifft das Modell die Angabe des Betreibers gut: 31,7 bis 41,4 % gegen gemeldete 42 %. Mit dem Speicher von 162 kWh liegt es bei 63,4 bis 70,6 %, also rund 20 bis 30 Prozentpunkte darüber. Auch die leere Batterie um 21 Uhr passt nicht: Im Modell ist sie von April bis September nur an 23 bis 31 von 183 Tagen um 21 Uhr leer, der Betreiber spricht von „regelmäßig“.

Die wahrscheinlichste Erklärung liegt im Lastgang. Seit 2024 heizt das Kino mit Wärmepumpen, und deren Strom fällt vor allem im Winter an, wenn die Solaranlage wenig liefert. Unser Lastgang verteilt die 150.000 kWh gleichmäßig über das Jahr. Belegen können wir das nicht; der Bericht nennt weder den Zeitraum der 42 % noch einen Monatsverbrauch.

Vorsicht bei Speicherrechnungen mit Standardprofil: Ein Speicher wirkt im Modell am stärksten, wenn die Last gleichmäßig verteilt ist. Liegt ein großer Teil des Verbrauchs im Winter, bleibt der Speicher in dieser Zeit leer. Prüfe im Angebot, ob die Autarkie mit Monatswerten deines Zählers oder mit einem Standardlastgang gerechnet wurde.
Balkendiagramm: ohne Speicher. Süd Eigenverbrauch 25,7 Prozent, Mix mit Ostfassade 28,3 Prozent; Autarkie Süd 33,0 Prozent, Mix 31,7 Prozent.
Die Ostfassade erhöht den Eigenverbrauch, kostet aber Ertrag. · Foto: Eigene Grafik
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Ostfassade: weniger Ertrag, andere Uhrzeit

Eine Ostfassade liefert im Modell weniger als die Hälfte des Süddachs, dafür vormittags. Ohne Speicher nutzt der Mix aus Dach und Fassade im eigenen Lastgang 28,3 % seines Stroms selbst, die reine Süd-Anlage 25,7 %. Die Autarkie sinkt dabei nur leicht von 33,0 auf 31,7 %. Der Nachteil ist der geringere Jahresertrag.

Fassaden und Carports: Wenn das Dach voll ist, bleiben Fassaden und Parkplätze. Vilsbiburg hat die Ostfassade belegt und holt nach eigenen Angaben Angebote für Solar-Carports ein. Prüfe, ob Fassade oder Carport nach Westen möglich ist; Abendsonne passt besser zur ersten Vorstellung.

Batteriespeicher im Kino: 162 oder 242 kWh

Ein Batteriespeicher verschiebt den Mittagsstrom in die Abendvorstellung. Im eigenen Lastgang mit 160,6 kWp nach Süden zeigt das Modell:

Süd 160,6 kWp, eigener LastgangAutarkieEigenverbrauchAutarkie im JuliTage um 21 Uhr leer (Apr–Sep)
ohne Speicher33,0 %25,7 %45,3 %-
162 kWh Kapazität65,9 %51,2 %83,9 %27/183
242 kWh Kapazität77,1 %59,9 %96,7 %23/183

Die Werte sind wegen des gleichmäßigen Lastgangs eher zu hoch, siehe Gegenprobe. Ein Speicher dieser Größe braucht einen Wechselrichter, der die Abendlast der Säle tragen kann, und sammelt bei täglicher Nutzung viele Ladezyklen; beides gehört ins Angebot. Die Grundlagen stehen im Ratgeber Speichergröße berechnen.

Typischer Fehler: Die Solaranlage wird nach dem Jahresverbrauch ausgelegt, obwohl eine neue Wärmepumpe den Verbrauch in den Winter verschiebt. In der Praxis sinkt dadurch die Autarkie, und der Speicher bleibt in den Wintermonaten ungenutzt. Wie Wärmepumpe und Solaranlage zusammenspielen, beschreibt der Ratgeber PV mit Wärmepumpe kombinieren.
Balkendiagramm: Autarkie im Modell. Ohne Speicher 33,0 Prozent, 162 kWh 65,9 Prozent, 242 kWh 77,1 Prozent.
Mit gleichmäßiger Last wirkt der Speicher im Modell stärker als in der Praxis. · Foto: Eigene Grafik
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So planst du Solarstrom für ein Kino

1 Schritt für Schritt
  1. Monatswerte sammeln: Stromverbrauch der letzten zwei Jahre je Monat, besonders nach einem Umstieg auf Wärmepumpen.
  2. Grundlast messen: Zählerstand nach der letzten und vor der ersten Vorstellung ablesen.
  3. Vorstellungszeiten notieren: erste und letzte Vorstellung, Wochenenden, Ferien.
  4. Flächen prüfen: Flachdach, Fassaden, Parkplatz; Ausrichtung und Statik.
  5. Speicher nach Abendlast auslegen: Leistung und Kapazität für die Stunden nach Sonnenuntergang.
  6. Im Datenblatt nachsehen: Dauerleistung des Speicher-Wechselrichters gegen die Last der Säle.

Häufig unterschätzt wird die Steuerung: Wärmepumpen, die tagsüber mit Solarstrom Pufferspeicher laden, verschieben Last in die Sonnenstunden. Wie das mit SG Ready funktioniert, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe mit SG Ready; weitere Hebel stehen unter Eigenverbrauch optimieren. Vergleichbare Betriebe mit Abend- und Winterlast sind Hotel garni und Eishalle.

Vor der Anfrage klären
  • Wie verteilt sich der Stromverbrauch auf die zwölf Monate?
  • Wie hoch ist die Grundlast nachts?
  • Heizt und kühlt das Kino elektrisch?
  • Wann beginnt die erste, wann endet die letzte Vorstellung?
  • Welche Dächer, Fassaden und Parkplätze stehen zur Verfügung?
  • Rechnet das Angebot mit Standardprofil oder mit eigenen Zählerwerten?

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Einen gemessenen Stunden- oder Monatslastgang eines Kinos haben wir nicht gefunden; beide Lastgänge im Modell sind Annahmen. Der Bericht über Vilsbiburg nennt weder den Zeitraum der 42 % Autarkie noch die Aufteilung der 160,6 kWp auf Dach und Fassade. Die Monatsverteilung der Kinobesuche aus dem FFA-Jahresbericht konnten wir nicht abrufen. Die Projektionsstromzahl von E.ON ist eine Beispielrechnung. Stand: 14.09.2026.

Häufige Fragen zu PV im Kino

Wie viel Strom braucht ein Kino? +
Das Cineplex Vilsbiburg mit 7 Sälen und 600 Plätzen brauchte 2025 laut Betreiber 150.000 kWh, einschließlich Wärmepumpen für Heizung und Kühlung. 2019 waren es 190.000 kWh Strom plus Erdgas.
Was verbraucht im Kino am meisten Energie? +
Laut Kinoleitfaden Heizung und Lüftung in Sälen und Projektionsräumen. Die Projektion selbst setzt E.ON in einer Beispielrechnung mit rund 0,07 kWh je Besucher an.
Passt eine Solaranlage zu einem Kino mit Abendbetrieb? +
Ohne Speicher nur teilweise: Im Modell deckt sie 31,7 bis 41,4 % des Bedarfs. Wärmepumpen und Lüftung, die tagsüber laufen, verbessern das.
Welches Lastprofil gilt für ein Kino? +
Laut BDEW-Zuordnung G2 für den Vorführbetrieb, also Gewerbe mit Schwerpunkt am Abend.
Wie groß sollte der Batteriespeicher sein? +
Vilsbiburg hat von 162 auf 242 kWh erweitert, weil die Batterie abends leer war. Die richtige Größe ergibt sich aus der Abendlast nach Sonnenuntergang und aus Monatswerten, nicht aus dem Jahresverbrauch.
Bringt eine Ostfassade etwas? +
Weniger Ertrag, aber früher am Tag. Im Modell liefert ein kWp an der Ostfassade 583,8 kWh im Jahr, auf dem Süddach 1200,9 kWh.
Fördert die FFA Solaranlagen für Kinos? +
Nein, laut Green Film Shooting (2019) fördert die FFA Photovoltaik nicht.