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Wirtschaftlichkeit

Käserei mit PV-Anlage: Käsezeit, Reifekeller und Eigenverbrauch der Hofkäserei

Milch kommt jeden Tag, im Sommer am meisten. Verbrauchszahlen aus Molkerei-Messberichten, drei Käsereien mit Solaranlage und eine Hofkäserei mit 30.000 kWh in fünf Verläufen gegen PVGIS gerechnet.

⏱️ 14 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 13. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
  1. 1.Wofür eine Käserei Strom braucht
  2. 2.Vom Liter Milch zum Laib: Die Reifezeit bestimmt die Kühllast
  3. 3.Sommermaximum: Milch und Sonne fallen zusammen
  4. 4.Nachgerechnet: Die Käsezeit entscheidet über den Eigenverbrauch
  5. 5.Nachts erhitzen: warum Zeitschaltuhren der Solaranlage schaden können
  6. 6.Batteriespeicher: nützlich, aber kein Ersatz für die richtige Uhrzeit
  7. 7.Drei Betriebe mit Solaranlage
  8. 8.Erst sparen: Abwärme und Wärmeschaukel
  9. 9.Steuern und Umlagen
  10. 10.So planst du die Solaranlage für die Käserei
  11. 11.Checkliste für Hofkäsereien
  12. 12.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  13. 13.Häufige Fragen zu PV in der Käserei

In einer Hofkäserei kommt die Milch jeden Tag, auch am Sonntag. Sie wird gekühlt, zum Käsen erwärmt, und die Laibe liegen danach Wochen oder Monate im Reifekeller. Für eine Solaranlage ist das eine gute Ausgangslage: Die Kühlung läuft durch, und im Sommer, wenn die Anlage am meisten liefert, kommt auch die meiste Milch. Entscheidend ist aber eine Frage, die in keinem Datenblatt steht: zu welcher Uhrzeit gekäst wird.

Dieser Ratgeber sammelt die wenigen veröffentlichten Verbrauchszahlen aus Molkereien und Käsereien, zeigt drei Betriebe mit Solaranlage und rechnet eine Hofkäserei mit 30.000 kWh Strom im Jahr in fünf Varianten gegen eine PVGIS-Stundenreihe durch.

Kurz gesagt: Rund ein Drittel des Stroms in Molkereien und Käsereien geht in die Kälte. Der Verbrauch hat sein Maximum im Sommer, das passt zur Solaranlage. Viel stärker wirkt die Käsezeit: Bei 30.000 kWh und 20 kWp bleiben in unserem Modell 68,2 % des Solarstroms im Betrieb, wenn zwischen 10 und 15 Uhr gekäst wird, aber nur 18,6 %, wenn die Käsewanne nachts zwischen 1 und 6 Uhr läuft.

Wofür eine Käserei Strom braucht

Die ausführlichste deutschsprachige Aufteilung stammt aus dem Leitfaden Rationelle Stromanwendung in milchverarbeitenden Betrieben der MKL Ingenieurgesellschaft und des Fraunhofer ISI, erstellt um 1999 im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg.

Danach entfallen rund 25 % des Endenergieeinsatzes von Molkereien und Käsereien im Land auf Strom, die übrigen 75 % zu gleichen Teilen auf Öl und Gas. Etwa ein Drittel des Stroms geht in die Kälteerzeugung, die nächstgrößere Gruppe sind Separatoren und Homogenisiermaschinen.

Ein zweiter Messbericht kommt aus Bayern. Das Bayerische Landesamt für Umweltschutz ließ im Dezember 2000 einen milchverarbeitenden Betrieb mit Käserei und Reiferäumen vom TÜV Süddeutschland untersuchen. Die Molkerei verarbeitete 1999 rund 122.900 Tonnen Rohmilch und brauchte 36 kWh Strom je Tonne. Strom machte dort 34,5 % der Endenergie aus, Erdgas 65,5 %.

MilcherzeugnisStrom je 1.000 kg Rohstoff
Edamer Käse (40 % Fett i. Tr.)23,6 kWh
Magermilchpulver30,2 kWh
Trinkmilch35,3 kWh
H-Milch48,4 kWh
Butter54,4 kWh
Fruchtjoghurt56,8 kWh

Die Tabelle nennt der MKL-Leitfaden mit Quelle Jobsky 1987. Das sind Werte aus Industriebetrieben, inklusive Vertrieb und Verwaltung. Auf eine Hofkäserei lassen sie sich nicht übertragen: Laut Land schafft Leben brauchen größere Käsereien je Kilogramm verarbeiteter Milch weniger Energie als kleinere.

Die Zahlen zeigen nur die Größenordnung und dass Käse unter den Milchprodukten nicht der stromintensivste ist, weil viel Energie als Wärme in den Kessel geht.

Die Zahl der kleinen Betriebe wächst. Nach Angaben des Verbands für handwerkliche Milchverarbeitung, die top agrar am 13.03.2023 berichtete, kamen seit 2005 im Schnitt 50 bis 60 Betriebsstätten pro Jahr hinzu, meist Hofkäsereien mit Hart- und Schnittkäse. Fast drei Viertel der 900 aktiven Mitgliedsbetriebe wirtschaften ökologisch.

Vom Liter Milch zum Laib: Die Reifezeit bestimmt die Kühllast

Wie viel Milch in einem Kilogramm Käse steckt, hängt vom Käsetyp ab. Land schafft Leben nennt vier bis 13 Liter Milch je Kilogramm, für Hartkäse elf bis 13 Liter, für Frischkäse vier bis sechs. Die Hofkäserei Learner in Deutschnofen in Südtirol rechnet laut einem Bericht von feinschmeckertouren.de vom 26.12.2021 mit 400 Litern Milch für 40 kg Käse, also zehn Litern je Kilogramm.

Für den Strom zählt die Reifezeit. Weichkäse reift zwei bis vier Wochen, Schnittkäse vier bis zehn Wochen, Hartkäse mindestens drei Monate und bis zu zwei Jahre. Je länger der Käse liegt, desto größer muss das Lager sein, das Temperatur und Luftfeuchte hält. Ein Hartkäsebetrieb hat also viel Kühllast rund um die Uhr, ein Frischkäsebetrieb vor allem Verbrauch in der Produktion.

Wie viel ein Reifekeller braucht, zeigt die Bio-Schaukäserei Wiggensbach im Allgäu. Nach der Seite von Allgäuer Klimaschutz reift der Käse dort seit 2017 in einem Ziegelgewölbekeller bei 10,5 bis 12 Grad, der ohne Kühlung auskommt. Der Reifekeller verbraucht derzeit 2.000 kWh Strom im Monat, das wären 24.000 kWh im Jahr (eigene Rechnung). Die Seite nennt kein Datum.

Der unterirdische Reifekeller der Hofkäserei Learner liegt zehn Meter tief bei konstant 8 Grad und bis zu 90 % Luftfeuchte, die Zuluft wird über 100 Meter lange Rohre vortemperiert.

Typischer Fehler: Käserei und Reifekeller zusammen messen. Hängen beide an einem Zähler, lässt sich nicht erkennen, wie viel Strom nachts durchläuft. Ein Zwischenzähler am Reiferaum zeigt, welcher Teil des Verbrauchs zur Mittagssonne passt und welcher nicht.
Balkendiagramm: Monatliche Anteile am Jahr, Solarertrag von 2,6 Prozent im Dezember bis 13,5 Prozent im April, Verbrauch der Käserei von 7,4 Prozent im Februar bis 9,3 Prozent im Juli.
Der Verbrauch steigt im Sommer, aber viel flacher als der Solarertrag. · Foto: Eigene Grafik

Sommermaximum: Milch und Sonne fallen zusammen

Im Unterschied zu Obstlager und Weingut hat die Milchverarbeitung ihren höchsten Verbrauch im Sommer. Der MKL-Leitfaden nennt zwei Gründe: mehr Milch und höhere Außentemperaturen, die mehr Kälte für die Milchkühlung verlangen.

Der bayerische Messbericht beziffert das: Die Molkerei brauchte in den Sommermonaten rund 420.000 kWh Strom im Monat, in den Wintermonaten rund 360.000 kWh, obwohl im Winter Bürocontainer elektrisch geheizt wurden. Im Sommer ging nahezu 40 % des Stroms in die Kälteerzeugung.

Wir haben diesen Jahresgang auf das Lastprofil übertragen: Mai bis September mit dem Faktor 420, November bis März mit 360, April und Oktober dazwischen. Dann fallen 45,2 % des Jahresverbrauchs in die Monate Mai bis September. Die Solaranlage liefert in diesen fünf Monaten 55,9 % ihres Jahresertrags.

MonatAnteil SolarertragAnteil Verbrauch mit Jahresgang
Januar3,5 %7,9 %
Februar5,2 %7,4 %
März9,7 %7,8 %
April13,5 %7,9 %
Mai12,8 %9,0 %
Juni10,1 %8,9 %
Juli12,6 %9,3 %
August10,5 %9,2 %
September9,9 %8,8 %
Oktober5,1 %8,2 %
November4,5 %7,7 %
Dezember2,6 %7,9 %
Mai bis September55,9 %45,2 %

Der Effekt ist messbar, aber klein. Bei 20 kWp steigt der selbst genutzte Anteil durch den Jahresgang nur von 48,8 auf 49,7 %. Die Jahreszeit hilft der Käserei also etwas, sie entscheidet aber nicht über die Wirtschaftlichkeit. Das tut die Uhrzeit.

Nachgerechnet: Die Käsezeit entscheidet über den Eigenverbrauch

Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1.127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Den Jahresverbrauch der Hofkäserei setzen wir mit 30.000 kWh an. Das ist eine Annahme, weil wir für Hofkäsereien keine veröffentlichte Verbrauchszahl gefunden haben. Gerechnet haben wir fünf Verläufe, alle mit demselben Jahresverbrauch:

  • A: Standardlastprofil G3. Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet Käsereien, Molkereien und die Milchverarbeitung diesem Profil mit dem Vermerk hoher Kühlanteil zu. Ausgewertet aus der Profildatei des BDEW.
  • B: G3 mit dem Jahresgang aus dem bayerischen Messbericht.
  • C: Ein Drittel Kälte rund um die Uhr, zwei Drittel Käsen täglich von 8 bis 13 Uhr, beides mit Jahresgang.
  • D: Wie C, aber gekäst beziehungsweise erhitzt wird von 1 bis 6 Uhr.
  • E: Wie C, aber gekäst wird von 10 bis 15 Uhr.
Verlauf10 kWp15 kWp20 kWp30 kWp
A: G377,0 %59,7 %48,8 %35,8 %
B: G3 mit Jahresgang78,1 %60,7 %49,7 %36,4 %
C: Käsen 8 bis 13 Uhr70,5 %65,7 %60,2 %47,9 %
D: Käsen 1 bis 6 Uhr33,0 %23,7 %18,6 %12,9 %
E: Käsen 10 bis 15 Uhr79,6 %75,0 %68,2 %52,1 %

Die Tabelle zeigt den selbst genutzten Anteil des Solarstroms. Bei 20 kWp deckt die Anlage im Verlauf E 51,3 % des Strombedarfs, im Verlauf D nur 14,0 %. Der Unterschied zwischen Käsen am Vormittag und Käsen über Mittag beträgt bei 20 kWp acht Prozentpunkte, zwischen Nacht und Mittag fast 50 Punkte.

Bei 10 kWp liegt G3 vor dem Vormittagsbetrieb, weil die Käserei morgens um 8 Uhr schon mit voller Last läuft, wenn die Anlage erst wenig liefert. Die Aufteilung ein Drittel Kälte ist dem MKL-Leitfaden entnommen; mit 40 % Kälte, wie im bayerischen Betrieb im Sommer, ändert sich das Ergebnis bei 20 kWp nur um 0,1 Punkte.

Balkendiagramm: Selbst genutzter Solarstrom bei 30.000 kWh und 20 kWp: G3 48,8 Prozent, G3 mit Jahresgang 49,7, Käsen 8 bis 13 Uhr 60,2, Käsen 1 bis 6 Uhr 18,6, Käsen 10 bis 15 Uhr 68,2 Prozent.
Die Uhrzeit des Käsens wirkt stärker als jede andere Stellschraube. · Foto: Eigene Grafik
Typischer Fehler: nur den Jahresverbrauch ins Angebot geben. Zwei Käsereien mit 30.000 kWh können bei derselben Anlage 18,6 oder 68,2 % Eigenverbrauch haben. Wer im Angebot nur die Jahressumme nennt, bekommt eine Anlage, die zum Durchschnitt passt, nicht zum eigenen Tagesablauf.
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Nachts erhitzen: warum Zeitschaltuhren der Solaranlage schaden können

Viele Käsereien verlegen Arbeit in die Nacht, damit morgens alles bereit ist. Der Randenhof in der Schweiz beschreibt das auf seiner Seite zum Energiekonzept: Die Käsewanne lässt sich per Zeitschaltuhr starten, nachts wird die Milch auf 80 °C erhitzt und wieder heruntergekühlt, sodass sie zu Arbeitsbeginn die richtige Temperatur hat.

Der Hof mit 20 Milchkühen nutzt dafür eine Hybrid-Solaranlage für Strom und Warmwasser, ein Erdregister und eine Wärmepumpe. Zahlen zu Verbrauch oder Eigenverbrauch nennt die Seite nicht.

Für ein System mit Wärmespeicher im Boden kann das sinnvoll sein. Wer dagegen eine reine Photovoltaikanlage plant und elektrisch erhitzt, verliert mit einer Nachtschaltung den größten Teil des möglichen Eigenverbrauchs. In unserem Modell sinkt der selbst genutzte Anteil bei 15 kWp von 75,0 % auf 23,7 %, wenn das Erhitzen von der Mittagszeit in die Nacht wandert. Oft reicht es, die Zeitschaltuhr um einige Stunden zu verschieben oder den Start an den Solarüberschuss zu koppeln.

Schaltzeiten prüfen: Schreib auf, welche Geräte per Uhr starten: Käsewanne, Warmwasserbereiter, Reinigung, Eiswasseranlage. Jede Stunde, die in die Zeit zwischen 10 und 15 Uhr rückt, erhöht den Eigenverbrauch.

Batteriespeicher: nützlich, aber kein Ersatz für die richtige Uhrzeit

Ein Speicher verschiebt Solarstrom in den Abend und die Nacht. Wir haben ohne Lade- und Entladeverluste gerechnet.

Verlauf und Anlageselbst genutztAutarkieaus dem Speichervolle Ladezyklen
C, 20 kWp ohne Speicher60,2 %45,3 %0 kWh0
C, 20 kWp, 20 kWh83,0 %62,4 %5.145 kWh257
D, 20 kWp ohne Speicher18,6 %14,0 %0 kWh0
D, 20 kWp, 20 kWh45,1 %33,9 %5.992 kWh300

Mit Nachtbetrieb wird der Speicher sogar stärker ausgelastet, 300 Zyklen im Jahr. Trotzdem deckt die Anlage dann nur ein Drittel des Bedarfs, weil 20 kWh nicht reichen, um die Nachtlast der Käsewanne zu tragen. Der Betrieb, der mittags käst, kommt ohne Speicher auf 51,3 % Autarkie und damit weiter als der Nachtbetrieb mit Speicher. Wie du die Speichergröße bestimmst, steht im Ratgeber Speichergröße berechnen.

Balkendiagramm: Autarkie bei 20 kWp, Käsen am Vormittag ohne Speicher 45,3 Prozent und mit 20 kWh 62,4 Prozent, Käsen in der Nacht ohne Speicher 14,0 Prozent und mit 20 kWh 33,9 Prozent.
Auch mit Speicher bleibt der Nachtbetrieb hinter dem Vormittagsbetrieb ohne Speicher. · Foto: Eigene Grafik
Vorsicht bei Speicherzahlen ohne Verluste: Unsere Rechnung setzt einen verlustfreien Speicher an. Prüfe im Datenblatt den Systemwirkungsgrad von Speicher und Wechselrichter und rechne die Werte damit nach.

Drei Betriebe mit Solaranlage

Zur Einordnung helfen die wenigen Betriebe, die Zahlen veröffentlichen.

BetriebStrombedarfSolaranlageAngabe zum Eigenverbrauch
Käserei Bräägg, Bazenheid (CH)ca. 150.000 kWh im Jahr240 kWp, ca. 250.000 kWh, Speicher 260 kWhkeine Quote genannt
Hofkäserei Learnernicht genanntnicht genanntdeckt 75 % des Strombedarfs
Schaukäserei WiggensbachReifekeller 2.000 kWh im Monat75 kWpkeine Quote genannt

Die Käserei Bräägg ist der größte der drei Fälle. Laut Referenzseite des Speicherherstellers ecocoach vom 23.07.2021 erzeugt die Anlage mit 240 kWp rund 250.000 kWh, also deutlich mehr, als der Betrieb mit etwa 150.000 kWh verbraucht. Dazu kommen vier Batteriesysteme mit je 65 kWh, zusammen 260 kWh, und Notstromfunktion.

Wir haben dieses Verhältnis mit unserer Würzburger Ertragsreihe nachgebildet. Im Profil G3 ergäbe sich ohne Speicher eine Autarkie von 43,7 %, mit 260 kWh Speicher von 82,9 %. Käst der Betrieb zwischen 10 und 15 Uhr, wären es 64,7 % ohne und 88,0 % mit Speicher. Das ist eine Modellrechnung für einen deutschen Standort, keine Aussage über den Schweizer Betrieb.

Eigene Quote nachrechnen: Lies am Wechselrichter oder in der App den erzeugten und den eingespeisten Solarstrom eines Jahres ab. Die Differenz ist der selbst genutzte Strom. Teile ihn durch die Erzeugung und vergleiche das Ergebnis mit der Tabelle oben.

Die 75 % der Hofkäserei Learner stammen aus einem Reisebericht und sind nicht nachprüfbar. Ob sie Autarkie oder rechnerische Jahresdeckung meinen, geht aus dem Text nicht hervor. Eine Jahresdeckung von 75 % ist leicht zu erreichen, wenn die Anlage groß genug ist; eine Autarkie von 75 % verlangt nach unserer Rechnung einen großen Speicher.

Erst sparen: Abwärme und Wärmeschaukel

In der Käserei wird Milch erst gekühlt, dann erwärmt, und die Molke muss wieder herunter. Diese Gegenläufigkeit lässt sich nutzen. Die Schaukäserei Wiggensbach betreibt eine eigene Eiswasseranlage für Kühlräume und Molke. Mit der Abwärme erwärmt sie nach Angaben von Allgäuer Klimaschutz täglich 5.000 bis 6.000 Liter Wasser für die Produktion und deckt damit ein Viertel ihres Wärmebedarfs.

Land schafft Leben beschreibt dasselbe Prinzip als Wärmeschaukel: Die Wärme aus dem Herunterkühlen der Molke erhitzt an anderer Stelle Milch.

Für die Solaranlage heißt das: Jede Kilowattstunde Wärme, die aus der Kälteanlage kommt, muss nicht elektrisch oder mit Gas erzeugt werden. Wer die Wärmerückgewinnung vor der Solaranlage plant, rechnet mit dem kleineren Verbrauch und wählt die Anlage passender. Der MKL-Leitfaden nennt für Molkereien außerdem die Teilhomogenisierung, mit der sich rund 60 % des Stroms einer Vollhomogenisierung sparen lassen; in einer Hofkäserei ohne Homogenisator spielt das keine Rolle.

Steuern und Umlagen

Selbst verbrauchter Solarstrom trägt keine Umlagen nach dem Energiefinanzierungsgesetz, weil diese an der Netzentnahme ansetzen; Einzelheiten stehen im Ratgeber zu Umlagen und Eigenverbrauch. Ob für den Solarstrom Stromsteuer anfällt, klärt der Ratgeber Stromsteuer und Zoll. Für Höfe mit Milchvieh und Käserei lohnt auch der Blick in den Ratgeber zum Milchviehbetrieb, weil Melken und Milchkühlung ein eigenes Lastprofil haben.

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So planst du die Solaranlage für die Käserei

1 Schritt für Schritt
  1. Verbrauch trennen: Reifekeller, Kälteanlage und Käserei getrennt messen, mindestens eine Woche im Sommer und eine im Winter.
  2. Käsezeit notieren: Wann läuft die Käsewanne, wann die Reinigung, wann das Warmwasser?
  3. Schaltzeiten verschieben: Was per Uhr startet, möglichst zwischen 10 und 15 Uhr legen.
  4. Abwärme nutzen: Wärmerückgewinnung aus Kälteanlage und Molke vor der Solaranlage planen.
  5. Größe wählen: Mit dem gemessenen Verlauf rechnen, nicht mit dem Jahresverbrauch allein.
  6. Speicher gegenrechnen: Systemwirkungsgrad und Preis aus dem Angebot einsetzen.

Checkliste für Hofkäsereien

Vor der Anfrage klären
  • Wie viele kWh Strom stehen auf den Rechnungen der letzten zwölf Monate, getrennt nach Sommer und Winter?
  • Wie viele Liter Milch werden am Tag verarbeitet, im Juni und im Dezember?
  • Welche Käsetypen und welche Reifezeiten gibt es?
  • Wird elektrisch oder mit Gas, Öl oder Holz erhitzt?
  • Welche Geräte starten per Zeitschaltuhr?
  • Gibt es eine Wärmerückgewinnung aus der Kälteanlage?

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Eine veröffentlichte Lastgangmessung einer Hofkäserei über ein ganzes Jahr haben wir nicht gefunden, ebenso keinen Richtwert für den Stromverbrauch je Liter verarbeiteter Milch in kleinen Betrieben. Der Jahresverbrauch von 30.000 kWh und die Aufteilung auf Kälte und Käsen sind deshalb Annahmen.

Die belastbaren Verbrauchszahlen stammen aus Industriemolkereien und sind über 20 Jahre alt: Messbericht 2000, Leitfaden um 1999, Tabelle von 1987. Der Leitfaden „Energieeffizienz in Käsereien“ des Schweizer Bundesamts für Energie war beim Abruf nicht erreichbar. Die Angaben zu Learner, Randenhof und Bräägg sind Selbstauskünfte oder Berichte, keine Messungen. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 13.09.2026.

Häufige Fragen zu PV in der Käserei

Wie viel Strom braucht die Kühlung in einer Käserei? +
Nach dem MKL-Leitfaden rund ein Drittel des Stroms in Molkereien und Käsereien. Im bayerischen Messbericht waren es im Sommer nahezu 40 %.
Welches Lastprofil hat eine Käserei? +
Nach der BDEW-Zuordnung G3, mit dem Vermerk hoher Kühlanteil. Das gilt auch für Molkereien und Schmelzkäsehersteller.
Passt eine Solaranlage zur Käserei? +
Ja, besser als zu Obstlager oder Weingut, weil der Verbrauch im Sommer am höchsten ist. In unserem Modell fallen 45,2 % des Verbrauchs in die Monate Mai bis September, die Solaranlage liefert dort 55,9 % ihres Ertrags.
Welche Käsezeit ist für den Eigenverbrauch am besten? +
Die Zeit um die Mittagssonne. Bei 30.000 kWh und 20 kWp bleiben mit Käsen von 10 bis 15 Uhr 68,2 % des Solarstroms im Betrieb, von 8 bis 13 Uhr 60,2 %, von 1 bis 6 Uhr nur 18,6 %.
Lohnt sich ein Batteriespeicher in der Hofkäserei? +
Er wird gut ausgelastet, mit 257 bis 300 vollen Ladezyklen im Jahr in unserer Rechnung. Er gleicht eine ungünstige Käsezeit aber nicht aus. Ob er sich bezahlt macht, hängt vom Preis und vom Systemwirkungsgrad ab.
Wie viel Strom braucht ein Reifekeller? +
Veröffentlichte Werte sind selten. Der Gewölbekeller der Schaukäserei Wiggensbach kommt nach eigenen Angaben mit 2.000 kWh im Monat aus, bei 10,5 bis 12 Grad ohne aktive Kühlung.
Wie viel Milch braucht ein Kilogramm Käse? +
Vier bis 13 Liter je nach Käsetyp, nach Land schafft Leben. Hartkäse braucht elf bis 13 Liter, Frischkäse vier bis sechs.
Deckt die Solaranlage auch das Erhitzen der Milch? +
Nur wenn elektrisch erhitzt wird. In Molkereien stammt der größere Teil der Energie aus Gas und Öl; im MKL-Leitfaden sind es 75 % der Endenergie.