Textilreinigung mit PV-Anlage: Dampf, Finishing-Zeiten und Eigenverbrauch
Finisher, Dampferzeuger, Trockner: Kennzahlen für Textilreinigungen, der Stromverbrauch eines Hemdes und ein rein elektrischer Betrieb mit drei Produktionszeiten gegen G4 und PVGIS gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 12 Abschnitte
- 1.Das energieintensivste Handwerk
- 2.Ein Hemd: 0,516 kWh, davon 0,431 kWh Dampf
- 3.Dampf mit Gas oder mit Strom
- 4.Welches Lastprofil gilt: G4 wie ein Laden
- 5.Nachgerechnet: Finishing früh, mittags oder zur Öffnungszeit
- 6.Batteriespeicher: im Ladenprofil überschätzt
- 7.Lastspitzen und Blindstrom
- 8.Erst sparen: Trockner, Finisher und Standby
- 9.So planst du die Solaranlage für die Textilreinigung
- 10.Checkliste für Textilreinigungen und Wäschereien
- 11.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 12.Häufige Fragen zu PV in der Textilreinigung
In der Textilreinigung steckt die Energie im Dampf. Hemdenfinisher, Bügeltische und Formpuppen brauchen ihn für jedes Kleidungsstück, dazu kommen Waschschleudermaschinen, Trockner und die chemische Reinigungsmaschine. Ob eine Solaranlage dazu passt, entscheidet sich an einer Frage, die im Angebot oft gar nicht gestellt wird: Wird der Dampf mit Gas erzeugt oder mit Strom? Und wann läuft das Finishing?
Dieser Ratgeber sammelt die veröffentlichten Kennzahlen für Textilreinigungen und Wäschereien, zerlegt den Stromverbrauch eines Hemdes und rechnet einen rein elektrischen Betrieb mit drei Produktionszeiten gegen eine PVGIS-Stundenreihe durch.
Das energieintensivste Handwerk
Nach dem Portal Energieeffizienz im Handwerk der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz (letztes Update 2. Dezember 2025) führen Textilreinigungen den Energieverbrauch im Handwerk an. Sie wenden im Durchschnitt 10 bis 15 % ihres Jahresumsatzes für Energie auf und verursachen etwa 9 % der Energiekosten aller deutschen Handwerksbetriebe.
Der Verbrauch teilt sich laut Portal im Durchschnitt so auf: 10 bis 15 % elektrische Antriebsenergie und Beleuchtung, 85 bis 90 % Prozesswärme, vor allem Dampf. Die größten elektrischen Verbraucher sind neben einer elektrischen Wärmeerzeugung Elektromotoren, Klima- und Lüftungsanlagen, Druckluft und Beleuchtung.
Der Branchenleitfaden Textilreinigung des Bayerischen Landesamts für Umwelt (2024) nennt einen Energiebedarf von 0,8 bis 1,3 kWh je kg Wäsche. Kleinere Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitenden verbrauchen danach bis zu 2,5 GWh im Jahr, mittlere mit bis zu 250 Mitarbeitenden bis zu 7,5 GWh. Diese Zahlen umfassen die gesamte Energie, nicht nur Strom.
Ein Hemd: 0,516 kWh, davon 0,431 kWh Dampf
Die Regionale Entwicklungswerkstatt Hamburg hat den Verbrauch für Waschen, Trocknen und Finishen von Hemden gemessen. Das Portal gibt die Werte als Beispiel wieder und betont, dass sie je Betrieb individuell zu betrachten sind:
| Prozessabschnitt | kWh je Hemd |
|---|---|
| Finishen (Dampfenergie) | 0,431 |
| Waschen | 0,061 |
| Trocknen (antrocknen) | 0,010 |
| Finishen (elektrischer Antrieb) | 0,007 |
| Druckluft | 0,007 |
| Summe | 0,516 |
Die Dampfenergie macht 83,5 % des Hemdes aus (eigene Rechnung). Ohne sie bleiben 0,085 kWh je Hemd für Waschen, Trocknen, Antrieb und Druckluft. Genau hier trennt sich die Rechnung für die Solaranlage: Ein Betrieb mit Gasdampf braucht je Hemd nur diesen kleinen Stromanteil, ein Betrieb mit elektrischem Dampf das Sechsfache.
Dampf mit Gas oder mit Strom
Nach dem Portal erzeugen Textilreinigungen ihren Dampf auf zwei Wegen. Größere Betriebe haben meist eine zentrale Dampferzeugung mit Erdgas, Erdöl oder Strom. Kleinere arbeiten oft dezentral elektrisch: Jede Maschine hat ihren eigenen Dampferzeuger oder eine Einzelbeheizung.
Für die Solaranlage ist der dezentral elektrische Betrieb der interessante Fall. Fast der gesamte Energiebedarf ist dann Strom und fällt in die Produktionszeit. Schnelldampferzeuger heizen nach dem Portal schneller auf als Großwasserraumkessel und lassen sich über Nacht und am Wochenende abschalten. Damit folgt der Verbrauch eng dem Arbeitstag.
Wer mit Gas dampft, hat nur 10 bis 15 % Strom und damit einen viel kleineren Eigenverbrauch. Ob sich eine Umstellung von Gas auf elektrischen Dampf mit Solarstrom lohnt, hängt von Gaspreis, Strompreis und Dachfläche ab. Eine belastbare Vergleichsrechnung für Textilreinigungen haben wir nicht gefunden.
Welches Lastprofil gilt: G4 wie ein Laden
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 führt Wäscherei, chemische Reinigung, Bügelei, Heißmangelei und Wäschemangelei unter dem Profil G4, dem Profil für Läden. Wir haben G4 aus der Profildatei des BDEW über das Kalenderjahr 2020 ausgewertet: 58,9 % des Verbrauchs fallen zwischen 8 und 18 Uhr an, 27,5 % zwischen 17 und 24 Uhr.
Ein rein elektrischer Betrieb, der zur Öffnungszeit produziert, liegt in unserem Modell bei 98,2 % zwischen 8 und 18 Uhr und 9,9 % ab 17 Uhr. Das Profil unterstellt also einen Abendverbrauch, den die Reinigung nicht hat. Denselben Profilfehler zeigen die Ratgeber zur Kfz-Werkstatt und zur Apotheke.
Nachgerechnet: Finishing früh, mittags oder zur Öffnungszeit
Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1.127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Weil es keinen belegten typischen Jahresverbrauch gibt, rechnen wir je 10.000 kWh; die Werte gelten für jeden Betrieb, dessen Anlage im selben Verhältnis zum Verbrauch steht.
Unsere Annahmen für einen rein elektrischen Betrieb: 20 % des Stroms für Laden, Licht und Lüftung zur Öffnungszeit (montags bis freitags 8 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 13 Uhr), 77 % für die Produktion, 3 % rund um die Uhr. Die Produktion läuft je nach Variante von 8 bis 18 Uhr, von 6 bis 12 Uhr oder von 10 bis 16 Uhr, samstags jeweils von 9 bis 13 Uhr.
| Verlauf (je 10.000 kWh) | 3 kWp | 5 kWp | 10 kWp | 15 kWp |
|---|---|---|---|---|
| Produktion 8 bis 18 Uhr | 74,7 % | 73,1 % | 52,7 % | 39,9 % |
| Finishing mittags 10 bis 16 Uhr | 70,5 % | 66,2 % | 53,8 % | 40,8 % |
| Finishing früh 6 bis 12 Uhr | 59,4 % | 51,8 % | 41,0 % | 32,0 % |
| Standardprofil G4 | 86,2 % | 66,1 % | 40,7 % | 29,6 % |
Die Tabelle zeigt den selbst genutzten Anteil des Solarstroms. Der frühe Produktionsbeginn kostet am meisten: Werktags zwischen 6 und 12 Uhr erzeugt die Anlage nur 28,9 % ihres Jahresertrags, zwischen 10 und 16 Uhr 49,8 % (eigene Rechnung). Bei 10 kWp liegt der Frühbetrieb 11,7 Punkte unter dem Betrieb zur Öffnungszeit.
Die Verschiebung in die Mittagsstunden bringt gegenüber einer Produktion über den ganzen Tag dagegen wenig, bei 10 kWp 1,1 Punkte. Bei kleinen Anlagen schadet sie sogar, weil die Anlage morgens und nachmittags dann Strom erzeugt, den niemand abnimmt. In der Praxis zählt also vor allem, nicht vor der Sonne anzufangen.

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Batteriespeicher: im Ladenprofil überschätzt
Ein Speicher verschiebt Solarstrom in Stunden ohne Sonne. Wir haben ohne Lade- und Entladeverluste gerechnet.
| Verlauf, 10 kWp je 10.000 kWh | selbst genutzt | Autarkie | aus dem Speicher | volle Ladezyklen |
|---|---|---|---|---|
| Produktion 8 bis 18 Uhr, ohne Speicher | 52,7 % | 59,5 % | 0 kWh | 0 |
| Produktion 8 bis 18 Uhr, 5 kWh | 60,5 % | 68,2 % | 870 kWh | 174 |
| Finishing mittags, 5 kWh | 60,7 % | 68,4 % | 770 kWh | 154 |
| Finishing früh, 5 kWh | 51,9 % | 58,5 % | 1.225 kWh | 245 |
| Standardprofil G4, 5 kWh | 53,5 % | 60,4 % | 1.443 kWh | 289 |
Im Ladenprofil G4 kommt der 5-kWh-Speicher auf 289 volle Zyklen, im Betrieb mit Produktion zur Öffnungszeit auf 174. Nur beim frühen Finishing arbeitet der Speicher viel, weil er den Strom vom Nachmittag in den nächsten Morgen trägt. Selbst dann erreicht der Frühbetrieb mit Speicher weniger Autarkie als der Betrieb zur Öffnungszeit ohne Speicher, 58,5 gegen 59,5 %. Die Produktionszeit zu verlegen, schlägt hier den Speicher. Wie du die Speichergröße bestimmst, steht im Ratgeber Speichergröße berechnen.
Lastspitzen und Blindstrom
Dampferzeuger, Trockner und Waschschleudermaschinen haben hohe Nennleistungen. Das Portal rät größeren, vor allem rein elektrischen Textilreinigungen, ein Lastmanagement zu prüfen, und bei mehr als 100.000 kWh im Jahr ein Lastprofil beim Energieversorger anzufordern. Maschinen mit hoher Leistung sollten nicht gleichzeitig eingeschaltet werden, denn bei leistungsbezogener Abrechnung wird jedes kW der Jahreshöchstlast für das ganze Jahr bezahlt.
Viele Elektromotoren erzeugen außerdem induktive Blindleistung. Eine Anlage der Stadtwerke München zu den Technischen Anschlussbedingungen (Stand 01.02.2017) empfiehlt, Blindleistung möglichst nah am Ort der Entstehung zu kompensieren; eine Einzelkompensation eignet sich danach für größere induktive Verbraucher mit längerer Betriebsdauer. Ob ein Speicher Leistungsspitzen wirtschaftlich kappt, zeigt der Ratgeber zur Lastspitzenkappung im Gewerbe.
Erst sparen: Trockner, Finisher und Standby
Die gelesenen Quellen nennen vor allem diese Hebel:
- Wäschetrockner: Eine Wärmepumpe spart nach dem Portal bis zu 40 % der elektrischen Energie gegenüber Kondensationstrocknern. Wie Trockner und Solarstrom zusammenpassen, beschreibt der Ratgeber zum Trockner mit Solarstrom.
- Finisher: Die Dämpfdauer auf die qualitativ nötige Mindestdauer begrenzen (LfU), Absaugung mit Wärmerückgewinnung (Portal).
- Dampferzeuger: Schnelldampferzeuger über Nacht und am Wochenende abschalten, Wärmerückgewinnung aus dem Abgas.
- Standby: Nach dem LfU kostet jedes unnötige Watt Standby-Leistung im Dauerbetrieb etwa 2,70 Euro im Jahr (Stand August 2023).
Warmes Wasser für die Waschschleudermaschine lässt sich in sonnigen Stunden auch mit einem Heizstab aus Solarüberschuss vorbereiten; wie das technisch geht, steht im Ratgeber zum Heizstab mit PV-Überschuss. Selbst verbrauchter Solarstrom trägt keine Umlagen nach dem Energiefinanzierungsgesetz, Einzelheiten stehen im Ratgeber zu Umlagen und Eigenverbrauch.

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So planst du die Solaranlage für die Textilreinigung
- Dampferzeugung klären: Gas, Öl oder Strom, zentral oder an jeder Maschine?
- Verbrauch überschlagen: Hemden pro Tag mal 0,516 kWh bei elektrischem Dampf, sonst mal 0,085 kWh, und mit der Rechnung vergleichen.
- Produktionszeiten aufschreiben: Wann starten Dampferzeuger und Finisher, wann ist Ladenschluss?
- Frühstart prüfen: Lässt sich das Finishing von 6 auf 8 Uhr verschieben, ohne Abholzeiten zu gefährden?
- Größe wählen: mit dem eigenen Tagesverlauf rechnen, nicht mit dem Ladenprofil G4.
- Speicher erst nach der Zeitplanung: mit Systemwirkungsgrad und Preis aus dem Angebot.
Checkliste für Textilreinigungen und Wäschereien
- Wie viele kWh Strom und wie viel Gas stehen auf den Rechnungen der letzten zwölf Monate?
- Wie viele Hemden und Kilogramm Wäsche gehen täglich durch den Betrieb?
- Wird Dampf elektrisch oder mit Gas erzeugt?
- Wann beginnt die Produktion, wann ist Ladenschluss, ist samstags geöffnet?
- Gibt es Wärmepumpentrockner, Kondensationstrockner oder gasbeheizte Trockner?
- Wird die Leistung abgerechnet, und wird Blindarbeit berechnet?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Eine veröffentlichte Lastgangmessung einer Textilreinigung mit Stundenwerten haben wir nicht gefunden. Unsere Verläufe sind Annahmen für einen rein elektrischen Betrieb, keine Messung; die Aufteilung 20 zu 77 zu 3 % ist geschätzt. Das Standardprofil G4 beruht auf Messungen von 1999.
Einen typischen Jahresverbrauch nennen die Quellen nicht; deshalb rechnen wir je 10.000 kWh. Die Hemdwerte sind Einzelmessungen eines Hamburger Projekts. Die Betriebszahl der Branche, die das Portal mit einer KI-Recherche begründet, haben wir nicht übernommen. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 13.09.2026.