Legehennen und PV: Lüftung, Lichtprogramm und Eigenverbrauch im Stall
Lüftung, LED-Licht, Speicher: Kennzahlen von LfL, DLG und KTBL und ein Stall mit 11.500 Hennen gegen PVGIS und eine Lastgangmessung der LfL gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 12 Abschnitte
- 1.Wie viel Strom ein Legehennenstall braucht
- 2.Licht: 16 Stunden, mindestens 8 Stunden Dunkelheit
- 3.Welches Lastprofil passt zum Legehennenstall?
- 4.Nachgerechnet: 11.500 Hennen und 30.000 kWh
- 5.Die Gegenprobe: Lastgangmessung der LfL
- 6.Spielt die Uhrzeit des Lichtprogramms eine Rolle?
- 7.Speicher: die Nachtlast ist da
- 8.Solardächer im Auslauf
- 9.So planst du die Solaranlage für den Legehennenstall
- 10.Checkliste für Legehennenhalter
- 11.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 12.Häufige Fragen zu PV im Legehennenstall
Ein Legehennenstall braucht Strom an jedem Tag der Legeperiode: Ventilatoren tauschen die Stallluft, das Lichtprogramm gibt den Hennen ihren Tag vor, Futterketten und Eiersammelbänder laufen dazwischen. Anders als bei einer Darre oder einem Trockner ist die Last also das ganze Jahr da. Für eine Solaranlage zählt, dass sie im Sommer steigt.
Dieser Ratgeber sammelt die belegten Kennzahlen zu Strom im Legehennenstall, rechnet einen Stall mit 11.500 Hennen gegen eine stündliche Ertrags- und Temperaturreihe durch und prüft das Ergebnis an einer veröffentlichten Lastgangmessung aus der Oberpfalz.
Wie viel Strom ein Legehennenstall braucht
Die LfL-Information „Energieeffizienz und Solarstromnutzung in der Landwirtschaft“ (1. Auflage, August 2016) beschreibt im Kapitel 6 einen neu gebauten Stall mit Freilandhaltung im Landkreis Tirschenreuth: zwei Abteile für je 5.750 Hühner, 13 Monate Nutzungsdauer, 300 Eier je Henne im Jahr. Der Betrieb verbrauchte 2014 genau 30.000 kWh Strom.
Das sind 2,6 kWh je Tierplatz. Die LfL ordnet den Wert in die Spanne von 1,2 bis 2,6 kWh je Tierplatz und Jahr ein, die das KTBL 2014 für den Gesamtenergiebedarf der Legehennenhaltung angibt. Der Stall liegt also am oberen Ende. Die Belüftung nahm 74 % des Verbrauchs ein; die Ventilatoren waren temperatur- und frequenzgesteuert und damit laut LfL auf dem Stand der Technik.
Wirtschaftlich ist der Strom ein kleiner Posten. In der LfL-Betriebszweigauswertung Legehennen (November 2012) machten Energie und Wasser in den Wirtschaftsjahren 2010/11 im Mittel 3,2 % der Kosten aus, 0,31 ct je vermarktungsfähigem Ei. Die LfL-Kalkulationsdaten zählen zu den Energiekosten die Aufwendungen für Licht und Technik im Stall und nennen sie stark abhängig von Stallsystem, Haltungsverfahren und Technisierung.
Licht: 16 Stunden, mindestens 8 Stunden Dunkelheit
Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, § 14 verlangt, dass künstliche Beleuchtung nachts mindestens acht Stunden ununterbrochen zurückgeschaltet wird, mit weniger als 0,5 Lux in der Dunkelphase und einer ausreichenden Dämmerphase. Bis zu 16 Stunden Licht am Tag bleiben damit möglich.
Mit genau 16 Stunden Brenndauer rechnet das DLG-Merkblatt 438 zur Beleuchtung im Geflügelstall (Stand 10/2018) einen Stall mit 31.752 Tieren durch: 108 LED-Leuchten mit je 29 W gegen 108 Leuchtstofflampen, die mit 58 W angegeben sind und tatsächlich 67 W ziehen. Bei 22 ct je kWh setzt das Merkblatt 4.024 € gegen 9.327 € Stromkosten im ersten Jahr an.
Rechnet man das zurück, sind es 18.291 kWh gegen 42.397 kWh, also 56,9 % weniger Strom für das Licht. Die Schweizer UFA-Revue nennt am 25. Januar 2024 unter Berufung auf AgroCleanTech rund 70 Prozent Einsparung durch LED. Laut DLG kann die Beleuchtung bis zu 9 % der Energiekosten landwirtschaftlicher Betriebe ausmachen.
Welches Lastprofil passt zum Legehennenstall?
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 kennt keinen eigenen Eintrag für Legehennen oder Eiererzeugung. Am nächsten liegt „Geflügelzucht, -Mästerei“ mit L1 oder L2, wobei L1 für Milchvieh und L2 für andere Tiere gilt. Wir vergleichen deshalb mit L2. Die Lüftung, die im echten Stall drei Viertel des Stroms zieht, kennt dieses Profil nicht.
Wie derselbe Vergleich für die Mast ausgeht, zeigen die Ratgeber zur Hähnchenmast und zum Schweinestall.
Nachgerechnet: 11.500 Hennen und 30.000 kWh
Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Dieselbe Reihe liefert die stündliche Lufttemperatur, die 2020 bis 32,7 °C erreichte.
Unsere Annahmen: 30.000 kWh im Jahr wie im LfL-Beispiel. Die Lüftung bekommt 74 %, also 22.200 kWh; sie läuft entweder gleichmäßig oder steigt mit der Außentemperatur zwischen 5 und 26 °C von 10 auf 100 % ihrer Leistung. Das Licht rechnen wir mit den LED-Werten der DLG, umgelegt auf 11.500 Hennen: 1,1 kW von 4 bis 20 Uhr, 6.643 kWh. Die restlichen 1.157 kWh für Fütterung und Eiersammlung laufen von 8 bis 16 Uhr.
| Stall, 30.000 kWh | 10 kWp EV | Deckung | 20 kWp EV | Deckung | 30 kWp EV | Deckung | 50 kWp EV | Deckung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lüftung nach Außentemperatur | 85,6 % | 32,2 % | 58,0 % | 43,6 % | 43,0 % | 48,5 % | 28,3 % | 53,1 % |
| Lüftung gleichmäßig | 78,4 % | 29,5 % | 49,8 % | 37,4 % | 36,6 % | 41,3 % | 24,3 % | 45,7 % |
| Lüftung stark temperaturabhängig (quadratisch) | 82,2 % | 30,9 % | 61,1 % | 45,9 % | 46,1 % | 52,0 % | 30,5 % | 57,4 % |
| Standardprofil L2 | 76,9 % | 28,9 % | 49,3 % | 37,1 % | 36,4 % | 41,1 % | 24,3 % | 45,6 % |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3, Würzburg, Wetterjahr 2020; EV ist der selbst genutzte Anteil des Solarstroms, Deckung der Anteil des Stallstroms aus der Anlage.
Mit temperaturgeführter Lüftung braucht der Stall von Juni bis August 40,0 % seines Jahresstroms, im Juli 4.087 kWh gegen 1.306 kWh im Januar. Die Solaranlage erzeugt in diesen drei Monaten 33,2 % ihres Ertrags. Das Standardprofil L2 legt nur 23,1 % in den Sommer und kommt bei 20 kWp auf 49,3 % Eigenverbrauch statt 58,0 %.
Die Gegenprobe: Lastgangmessung der LfL
Für den Betrieb in Tirschenreuth hat das AELF Neumarkt den Lastgang in zwei Wochen gemessen, vom 14. bis 20. März und vom 4. bis 10. Juni 2015. Eine Anlage mit 20 kWp nach Süden erzeugt dort laut LfL rund 19.387 kWh, also etwa 969 kWh je kWp. Davon hätte der Betrieb 60 % direkt verbraucht, 11.689 kWh. Die Juni-Woche allein auf das Jahr hochgerechnet ergab 68 %, passte aber nicht mehr zum Jahresverbrauch.
In Würzburg erzeugen 17,2 kWp dieselben 19.387 kWh. Mit dieser Anlagengröße kommt unser Modell mit temperaturgeführter Lüftung auf 64,2 %, mit gleichmäßiger Lüftung auf 55,5 % und mit L2 auf 54,9 %. Die Messung liegt zwischen den beiden Lüftungsvarianten. Das Modell überschätzt den Temperatureffekt also etwas, das Standardprofil unterschätzt ihn.
Im August 2015 hat der Landwirt die Anlage mit 20 kWp bauen lassen. Die LfL rechnete mit 1.459 € Einsparung im Jahr bei 22,5 ct Bezugspreis, 10,5 ct Gestehungskosten und 12 ct Einspeisevergütung.
Spielt die Uhrzeit des Lichtprogramms eine Rolle?
Kaum. Verschieben wir das Licht von 4 bis 20 Uhr auf 6 bis 22 Uhr, ändert sich im Modell weder der Eigenverbrauch noch die Deckung, bei 20 kWp bleibt es bei 58,0 %. Die beiden Randstunden am Morgen und am Abend liefern im Wetterjahr 2020 in Würzburg keinen Solarstrom. Zwischen 10 und 17 Uhr liegen 39,0 % des Stallstroms.
In der Praxis entscheidet das Lichtprogramm ohnehin die Legeleistung und nicht die Stromrechnung. Die Lüftung ist der Hebel: Je stärker sie der Temperatur folgt, desto höher der Eigenverbrauch. Mit quadratischer Kennlinie steigen die Spitzenlast im Modell von 8,0 auf 12,8 kW und der Eigenverbrauch bei 20 kWp auf 61,1 %.

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Speicher: die Nachtlast ist da
Weil Lüftung und Licht auch morgens und abends laufen, findet ein Speicher jeden Tag Abnehmer.
| Lüftung nach Außentemperatur | EV ohne Speicher | Deckung ohne Speicher | EV mit 20 kWh | Deckung mit 20 kWh | Entladung, kWh im Jahr |
|---|---|---|---|---|---|
| 20 kWp | 58,0 % | 43,6 % | 79,0 % | 59,4 % | 4.726 |
| 30 kWp | 43,0 % | 48,5 % | 59,9 % | 67,5 % | 5.721 |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3, Würzburg, Wetterjahr 2020, ohne Lade- und Entladeverluste. Wie du die Speichergröße aus dem gemessenen Lastgang ableitest, zeigt der Ratgeber zur Speichergröße.
Solardächer im Auslauf
Einen anderen Weg beschreibt top agrar am 28. Juni 2026: Anton und Barbara Neudecker aus dem Landkreis Erding halten 3.000 Biolegehennen. Weil ihr Betrieb mit Biogasanlage rund 400.000 kWh im Jahr verbraucht, bauten sie 2023 sieben offene Schutzhütten mit Solardächern nach Osten und Westen in den Auslauf, je 30 kW, zusammen 210 kW. Die Erzeugungskosten liegen laut Anton Neudecker unter 4 ct je kWh.
Nach Angaben des Betriebs waren die Hütten nach der Bayerischen Bauordnung genehmigungsfrei, weil ihre Grundfläche höchstens 100 m² und ihre Dachfläche höchstens 140 m² beträgt. Die Hennen nutzen die Flächen darunter als Staubbad. Dazu kam eine Agri-PV-Anlage mit 999 kW auf einem weiteren Hektar Auslauf, knapp unter der Grenze für die Ausschreibungspflicht. Auf den Netzanschluss warteten sie von September 2024 bis März 2026; sie erhalten den Basistarif von 6,3 ct je kWh.
Ob solche Dächer in anderen Bundesländern ebenfalls verfahrensfrei sind, muss das Bauamt beantworten. Was Agri-PV im Auslauf für die Flächenprämie bedeutet, beschreibt der Ratgeber zu Agri-PV und Direktzahlungen.

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So planst du die Solaranlage für den Legehennenstall
- Jahresverbrauch prüfen: Stromrechnung durch die Zahl der Tierplätze teilen und mit der KTBL-Spanne von 1,2 bis 2,6 kWh vergleichen.
- Lüftung erfassen: Anzahl und Leistung der Ventilatoren auf dem Typenschild ablesen, Steuerung notieren.
- Licht prüfen: Leuchtenart, Leistung und Brenndauer; bei Leuchtstofflampen zuerst über LED nachdenken.
- Lastgang messen: je eine Woche im Frühjahr und im Sommer, dazu monatliche Zählerstände.
- Anlage auslegen: mit dem gemessenen Lastgang, nicht mit L2.
- Speicher rechnen: erst nach der Anlagengröße, mit demselben Lastgang.
Checkliste für Legehennenhalter
- Wie viele Tierplätze hat der Stall, und wie viel Strom steht auf der Jahresrechnung?
- Wie viele Ventilatoren laufen, und sind sie frequenzgesteuert?
- Welche Leuchten hängen im Stall, und wie lange brennen sie?
- Gibt es Kotbandbelüftung, Eierpackstelle oder Kühlraum am selben Zähler?
- Wie lange steht der Stall zwischen Ausstallen und Einstallen leer?
- Rechnet das Angebot mit L2 oder mit gemessenen Werten?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Wie sich der Strom im Stall auf Lüftung, Licht und Technik verteilt, hat die LfL nur für die Lüftung beziffert. Das Licht haben wir aus dem DLG-Beispiel übertragen, den Rest angenommen, ebenso die Kennlinie der Ventilatoren. Für Kotbandbelüftung, Eierpackstelle und Kühlraum haben wir keine frei lesbare Verbrauchszahl gefunden; sie fehlen im Modell.
Die Schwäche des Modells: Es kennt keinen Leerstand. Zwischen Ausstallen und Einstallen wird der Stall nach § 14 TierSchNutztV gereinigt; in dieser Zeit fällt fast nur Reinigungsstrom an. Die Ertragsreihe gilt für Würzburg, der gemessene Betrieb liegt in der Oberpfalz. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 14.09.2026.