Imbiss mit PV-Anlage: Mittagsgeschäft, Fritteuse und Eigenverbrauch der Schnellgastronomie
Pommes mittags oder Döner nachts: Kennzahlen aus der proKlima-Broschüre, die BDEW-Profile G2 und G6 und ein Imbiss mit 25.150 kWh als Mittags- und als Abendbetrieb gegen PVGIS gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
- 1.Wofür ein Imbiss Strom braucht
- 2.Energiekennzahl: 285 kWh je Quadratmeter
- 3.Leistung: Was Fritteuse und Grill gleichzeitig ziehen
- 4.Welches Lastprofil gilt: G2 oder G6
- 5.Nachgerechnet: Mittagsimbiss, Abendimbiss und Standardprofile
- 6.Batteriespeicher: im Abendimbiss am stärksten ausgelastet
- 7.Erst sparen: Kochen, Kühltresen und Licht
- 8.Gas oder Strom in der Küche?
- 9.Steuern und Umlagen
- 10.So planst du die Solaranlage für den Imbiss
- 11.Checkliste für Imbissbetriebe
- 12.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 13.Häufige Fragen zu PV im Imbiss
Im Imbiss entscheidet die Uhrzeit über den Umsatz: Pommes, Currywurst und Döner gehen mittags an Handwerker und Büros, abends an Nachtschwärmer. Fritteuse, Grillplatte und Kühltresen folgen diesem Rhythmus. Für eine Solaranlage ist das die wichtigste Frage überhaupt, denn ein Mittagsimbiss und ein Abendimbiss mit demselben Jahresverbrauch unterscheiden sich im Eigenverbrauch um mehr als das Vierfache.
Dieser Ratgeber sammelt die Kennzahlen für die Schnellgastronomie, zeigt, welche Standardlastprofile gelten, und rechnet einen Imbiss mit 25.150 kWh Strom im Jahr in fünf Verläufen gegen eine PVGIS-Stundenreihe durch.
Wofür ein Imbiss Strom braucht
Die Broschüre Informationen für die Schnellgastronomie des Klimaschutzfonds proKlima in Hannover (erstellt Januar 2013, Texte der Energieagentur-Gemeinschaft ASEW) nennt Strom als Ursache von rund 70 % der Kosten in der Schnellgastronomie. Sie teilt den Stromverbrauch ohne elektrische Warmwasserbereitung so auf:
| Stromverbraucher | Anteil am Strom |
|---|---|
| Kochen | 40 % |
| Kälteanlage | 20 % |
| Abwaschen | 17 % |
| Beleuchtung | 10 % |
| Lüftung | 7 % |
| sonstige Verbraucher | 6 % |
Kochen, Abwaschen, Beleuchtung und Lüftung laufen fast nur zu den Öffnungszeiten, zusammen 74 % (eigene Rechnung). Nur die Kälte mit 20 % läuft rund um die Uhr. Der Tagesverlauf des Imbisses bestimmt also drei Viertel des Verbrauchs.
Energiekennzahl: 285 kWh je Quadratmeter
Zur Einordnung nennt proKlima eine Kennzahl je Quadratmeter Betriebsfläche. Der durchschnittliche Verbrauch liegt bei 285 kWh im Jahr, unter 230 kWh sieht die Broschüre geringes, über 340 kWh großes Einsparpotenzial. In einem Infokasten gibt sie die Spanne des Durchschnitts mit 250 bis 320 kWh je Quadratmeter an.
| Kennzahl | gering | Durchschnitt | hoch | Beispielbetrieb |
|---|---|---|---|---|
| Strom je m² Betriebsfläche | unter 230 kWh | 285 kWh | über 340 kWh | 340 kWh |
Das Rechenbeispiel der Broschüre ist ein Betrieb mit 25.150 kWh auf 74 Quadratmetern, also 340 kWh je Quadratmeter und damit genau an der Grenze zum großen Einsparpotenzial. Mit diesem Verbrauch rechnen wir unten weiter.
Leistung: Was Fritteuse und Grill gleichzeitig ziehen
Im Imbiss zählt nicht nur die Jahressumme, sondern die Leistung in der Stoßzeit. Ein Gastro-Händler gibt für eine Elektro-Fritteuse mit 8 Litern 3,25 kW an, für eine Doppelfritteuse mit 8 plus 8 Litern 6,5 kW. Dazu kommen Grillplatte, Dönergrill, Warmhaltebecken und Kaffeemaschine.
In unserem Modell des Mittagsimbisses liegt die höchste Stundenlast bei 13,81 kW, im Standardprofil G2 bei 6,27 kW. Die Stoßzeit ist also kurz und hoch. Ob die Anlage sie deckt, hängt davon ab, ob die Sonne genau dann scheint. Das Aufheizen der Fritteuse vor Öffnung ist ein Verbrauch, der sich zeitlich steuern lässt.
Welches Lastprofil gilt: G2 oder G6
Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet den Schnellimbiss zwei Profilen zu: G2 bei Schwerpunkt in den Abendstunden, G6 bei ausgeprägtem Wochenendbetrieb. Kantinen stehen dort unter G4. Wir haben die Profile aus der Profildatei des BDEW über das Kalenderjahr 2020 ausgewertet.
| Profil | 9 bis 17 Uhr | 17 bis 24 Uhr | 0 bis 6 Uhr | Sonntage |
|---|---|---|---|---|
| G2 Abendbetrieb | 41,6 % | 43,7 % | 7,8 % | 14,2 % |
| G6 Wochenendbetrieb | 42,7 % | 41,2 % | 9,9 % | 20,3 % |
| G4 (Kantine) | 47,5 % | 27,5 % | 13,5 % | 9,8 % |
Die Standardprofile sind Durchschnitte über viele Betriebe. Ein echter Imbiss ist spitzer: Er hat entweder ein ausgeprägtes Mittagsgeschäft oder einen Abendbetrieb, oft beides mit einer Pause dazwischen. Deshalb haben wir zusätzlich zwei eigene Verläufe gebaut.
Nachgerechnet: Mittagsimbiss, Abendimbiss und Standardprofile
Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1.127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Alle Verläufe haben 25.150 kWh im Jahr. Die beiden eigenen Verläufe sind Annahmen:
- Mittagsimbiss: 20 % Kälte rund um die Uhr, 80 % montags bis samstags von 10 bis 15 Uhr, sonntags geschlossen.
- Abendimbiss: 20 % Kälte rund um die Uhr, 80 % täglich von 17 bis 23 Uhr.
| Verlauf | 5 kWp | 10 kWp | 15 kWp | 20 kWp |
|---|---|---|---|---|
| Mittagsimbiss | 71,5 % | 63,6 % | 60,4 % | 57,1 % |
| G4 (Kantine) | 94,6 % | 75,5 % | 58,9 % | 48,3 % |
| G6 Wochenendbetrieb | 97,5 % | 71,0 % | 54,0 % | 43,7 % |
| G2 Abendbetrieb | 96,4 % | 68,3 % | 52,2 % | 42,4 % |
| Abendimbiss | 33,9 % | 20,7 % | 15,6 % | 12,9 % |
Die Tabelle zeigt den selbst genutzten Anteil des Solarstroms. Bei 20 kWp deckt die Anlage im Mittagsimbiss 51,2 % des Strombedarfs, im G2-Profil 38,1 % und im Abendimbiss 11,6 %.
Auffällig ist die kleine Anlage: Bei 5 kWp liegt der Mittagsimbiss mit 71,5 % unter den Standardprofilen. Er ist sonntags zu und hat außerhalb der Öffnungszeit nur die Kälte als Grundlast, also bleibt an freien Tagen und frühen Morgen Solarstrom übrig. Ab 15 kWp dreht sich das, weil die Mittagsspitze große Mengen aufnimmt. Wie ein Restaurant mit Abendbetrieb abschneidet, zeigt der Ratgeber zur Gastronomie mit Abendlast.

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Batteriespeicher: im Abendimbiss am stärksten ausgelastet
Ein Speicher verschiebt Solarstrom in den Abend. Wir haben ohne Lade- und Entladeverluste gerechnet.
| Verlauf und Anlage | selbst genutzt | Autarkie | aus dem Speicher | volle Ladezyklen |
|---|---|---|---|---|
| Mittagsimbiss, 15 kWp ohne Speicher | 60,4 % | 40,7 % | 0 kWh | 0 |
| Mittagsimbiss, 15 kWp, 15 kWh | 83,9 % | 56,4 % | 3.964 kWh | 264 |
| G2, 15 kWp, 15 kWh | 73,0 % | 49,1 % | 3.510 kWh | 234 |
| Abendimbiss, 15 kWp ohne Speicher | 15,6 % | 10,5 % | 0 kWh | 0 |
| Abendimbiss, 15 kWp, 15 kWh | 43,0 % | 29,0 % | 4.643 kWh | 310 |
Im Abendimbiss wird der Speicher jeden Tag voll geladen und abends geleert, 310 Zyklen im Jahr. Er verdreifacht dort fast die Autarkie, von 10,5 auf 29,0 %. Trotzdem bleibt der Abendimbiss mit Speicher unter dem Mittagsimbiss ohne Speicher. Wie du die Speichergröße bestimmst, steht im Ratgeber Speichergröße berechnen.
Erst sparen: Kochen, Kühltresen und Licht
Die proKlima-Broschüre nennt Maßnahmen, die vor jeder Solaranlage wirken, weil sie auch abends sparen:
- Kochen: Induktion braucht weniger Strom als ein konventioneller Elektroherd. Pizzaöfen bei längerem Stillstand auf 200 °C herunterregeln, Bratplatten mit Anti-Abstrahl-Beschichtung wählen.
- Kühltresen: Rollos an Kühltresen und Regalen sparen 20 bis 40 % Energie.
- Beleuchtung: Der Tausch von Glühlampen senkt die Kosten der Akzentbeleuchtung um rund 80 %, ein Dämmerungsschalter am Reklameschild die Kosten der Außenbeleuchtung um bis zu 50 %.
- Lüftung: 20 % weniger Luftzufuhr halbiert den Stromverbrauch des Ventilators.
Für den Abendimbiss sind Licht und Reklameschild besonders wichtig, weil sie genau in den Stunden laufen, in denen die Solaranlage nichts liefert. Jede eingesparte Kilowattstunde am Abend ist dort mehr wert als ein weiteres Modul auf dem Dach.
Gas oder Strom in der Küche?
Die Broschüre schrieb 2013, Strom sei als Energieträger zum Kochen am teuersten, Gas günstiger. Mit einer eigenen Solaranlage verschiebt sich die Rechnung für den Mittagsbetrieb: Kochen macht 40 % des Stroms aus und fällt beim Mittagsimbiss genau in die Sonnenstunden. Für den Abendimbiss gilt die alte Rechnung weiter, weil dort kaum Solarstrom zum Kochen zur Verfügung steht.
Eine belastbare Vergleichsrechnung Gas gegen Solarstrom für Imbissküchen haben wir nicht gefunden. Wer eine neue Fritteuse oder Grillplatte kauft, sollte beide Varianten mit den eigenen Preisen und den eigenen Öffnungszeiten rechnen lassen.
Steuern und Umlagen
Selbst verbrauchter Solarstrom trägt keine Umlagen nach dem Energiefinanzierungsgesetz, weil diese an der Netzentnahme ansetzen; Einzelheiten stehen im Ratgeber zu Umlagen und Eigenverbrauch. Ob für den Solarstrom Stromsteuer anfällt, klärt der Ratgeber Stromsteuer und Zoll. Wie ein Speicher Leistungsspitzen im Gewerbe senkt, beschreibt der Ratgeber zur Lastspitzenkappung.

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So planst du die Solaranlage für den Imbiss
- Kennzahl bilden: Jahresverbrauch je Quadratmeter mit 285 kWh vergleichen.
- Öffnungszeiten aufschreiben: Wann ist Hauptgeschäft, wann ist geschlossen?
- Zählerstand notieren: an einem normalen Tag vor Öffnung, nach dem Mittagsgeschäft und bei Ladenschluss.
- Sparen: Rollos am Kühltresen, Licht, Reklameschild, Lüftung.
- Größe wählen: Mit dem eigenen Tagesverlauf rechnen, nicht mit dem Standardprofil.
- Speicher gegenrechnen: vor allem beim Abendbetrieb, mit Systemwirkungsgrad und Preis aus dem Angebot.
Checkliste für Imbissbetriebe
- Wie viele kWh Strom stehen auf den Rechnungen der letzten zwölf Monate?
- Wie groß sind Küche und Gastraum in Quadratmetern?
- Zu welchen Uhrzeiten und an welchen Tagen ist geöffnet?
- Welche Kochgeräte laufen elektrisch, welche mit Gas?
- Wie viele Kühltresen und Tiefkühlgeräte gibt es?
- Gehört das Dach dem Betrieb oder dem Vermieter?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Eine veröffentlichte Lastgangmessung eines Imbisses haben wir nicht gefunden. Die beiden Verläufe Mittagsimbiss und Abendimbiss sind Annahmen, die den Unterschied der Öffnungszeiten zeigen sollen, keine Messung. Die Standardprofile G2, G4 und G6 beruhen auf Messungen von 1999.
Die Aufteilung des Stroms und die Kennzahl stammen aus einer Broschüre von 2013 ohne Angabe der Erhebungsgrundlage. Die Leistungen der Fritteusen sind Händlerangaben. Der Kostenvergleich Gas gegen Strom von 2013 beruht auf den damaligen Preisen. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 13.09.2026.