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Wirtschaftlichkeit

Imbiss mit PV-Anlage: Mittagsgeschäft, Fritteuse und Eigenverbrauch der Schnellgastronomie

Pommes mittags oder Döner nachts: Kennzahlen aus der proKlima-Broschüre, die BDEW-Profile G2 und G6 und ein Imbiss mit 25.150 kWh als Mittags- und als Abendbetrieb gegen PVGIS gerechnet.

⏱️ 9 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 13. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
  1. 1.Wofür ein Imbiss Strom braucht
  2. 2.Energiekennzahl: 285 kWh je Quadratmeter
  3. 3.Leistung: Was Fritteuse und Grill gleichzeitig ziehen
  4. 4.Welches Lastprofil gilt: G2 oder G6
  5. 5.Nachgerechnet: Mittagsimbiss, Abendimbiss und Standardprofile
  6. 6.Batteriespeicher: im Abendimbiss am stärksten ausgelastet
  7. 7.Erst sparen: Kochen, Kühltresen und Licht
  8. 8.Gas oder Strom in der Küche?
  9. 9.Steuern und Umlagen
  10. 10.So planst du die Solaranlage für den Imbiss
  11. 11.Checkliste für Imbissbetriebe
  12. 12.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  13. 13.Häufige Fragen zu PV im Imbiss

Im Imbiss entscheidet die Uhrzeit über den Umsatz: Pommes, Currywurst und Döner gehen mittags an Handwerker und Büros, abends an Nachtschwärmer. Fritteuse, Grillplatte und Kühltresen folgen diesem Rhythmus. Für eine Solaranlage ist das die wichtigste Frage überhaupt, denn ein Mittagsimbiss und ein Abendimbiss mit demselben Jahresverbrauch unterscheiden sich im Eigenverbrauch um mehr als das Vierfache.

Dieser Ratgeber sammelt die Kennzahlen für die Schnellgastronomie, zeigt, welche Standardlastprofile gelten, und rechnet einen Imbiss mit 25.150 kWh Strom im Jahr in fünf Verläufen gegen eine PVGIS-Stundenreihe durch.

Kurz gesagt: In der Schnellgastronomie geht rund 40 % des Stroms ins Kochen und 20 % in die Kälte. Bei 25.150 kWh und 20 kWp bleiben in unserem Modell 57,1 % des Solarstroms im Betrieb, wenn der Imbiss von 10 bis 15 Uhr brummt, aber nur 12,9 %, wenn das Geschäft zwischen 17 und 23 Uhr läuft. Das Standardprofil G2 liegt mit 42,4 % dazwischen.

Wofür ein Imbiss Strom braucht

Die Broschüre Informationen für die Schnellgastronomie des Klimaschutzfonds proKlima in Hannover (erstellt Januar 2013, Texte der Energieagentur-Gemeinschaft ASEW) nennt Strom als Ursache von rund 70 % der Kosten in der Schnellgastronomie. Sie teilt den Stromverbrauch ohne elektrische Warmwasserbereitung so auf:

StromverbraucherAnteil am Strom
Kochen40 %
Kälteanlage20 %
Abwaschen17 %
Beleuchtung10 %
Lüftung7 %
sonstige Verbraucher6 %

Kochen, Abwaschen, Beleuchtung und Lüftung laufen fast nur zu den Öffnungszeiten, zusammen 74 % (eigene Rechnung). Nur die Kälte mit 20 % läuft rund um die Uhr. Der Tagesverlauf des Imbisses bestimmt also drei Viertel des Verbrauchs.

Balkendiagramm: In der Schnellgastronomie entfallen 40 Prozent des Stroms auf Kochen, 20 auf die Kälteanlage, 17 auf Abwaschen, 10 auf Beleuchtung, 7 auf Lüftung und 6 auf sonstige Verbraucher.
Drei Viertel des Stroms laufen nur zur Öffnungszeit. · Foto: Eigene Grafik

Energiekennzahl: 285 kWh je Quadratmeter

Zur Einordnung nennt proKlima eine Kennzahl je Quadratmeter Betriebsfläche. Der durchschnittliche Verbrauch liegt bei 285 kWh im Jahr, unter 230 kWh sieht die Broschüre geringes, über 340 kWh großes Einsparpotenzial. In einem Infokasten gibt sie die Spanne des Durchschnitts mit 250 bis 320 kWh je Quadratmeter an.

KennzahlgeringDurchschnitthochBeispielbetrieb
Strom je m² Betriebsflächeunter 230 kWh285 kWhüber 340 kWh340 kWh

Das Rechenbeispiel der Broschüre ist ein Betrieb mit 25.150 kWh auf 74 Quadratmetern, also 340 kWh je Quadratmeter und damit genau an der Grenze zum großen Einsparpotenzial. Mit diesem Verbrauch rechnen wir unten weiter.

Eigene Kennzahl bilden: Nimm den Jahresverbrauch von der Stromrechnung und teile ihn durch die Quadratmeter von Küche und Gastraum. Vergleiche das Ergebnis mit 285 kWh.

Leistung: Was Fritteuse und Grill gleichzeitig ziehen

Im Imbiss zählt nicht nur die Jahressumme, sondern die Leistung in der Stoßzeit. Ein Gastro-Händler gibt für eine Elektro-Fritteuse mit 8 Litern 3,25 kW an, für eine Doppelfritteuse mit 8 plus 8 Litern 6,5 kW. Dazu kommen Grillplatte, Dönergrill, Warmhaltebecken und Kaffeemaschine.

In unserem Modell des Mittagsimbisses liegt die höchste Stundenlast bei 13,81 kW, im Standardprofil G2 bei 6,27 kW. Die Stoßzeit ist also kurz und hoch. Ob die Anlage sie deckt, hängt davon ab, ob die Sonne genau dann scheint. Das Aufheizen der Fritteuse vor Öffnung ist ein Verbrauch, der sich zeitlich steuern lässt.

Anschlusswerte prüfen: Schau auf das Typenschild jedes Kochgeräts und schreib die Leistung in kW auf. Die Summe zeigt, was in der Mittagsspitze gleichzeitig laufen kann.

Welches Lastprofil gilt: G2 oder G6

Die BDEW-Zuordnung M-24/2000 ordnet den Schnellimbiss zwei Profilen zu: G2 bei Schwerpunkt in den Abendstunden, G6 bei ausgeprägtem Wochenendbetrieb. Kantinen stehen dort unter G4. Wir haben die Profile aus der Profildatei des BDEW über das Kalenderjahr 2020 ausgewertet.

Profil9 bis 17 Uhr17 bis 24 Uhr0 bis 6 UhrSonntage
G2 Abendbetrieb41,6 %43,7 %7,8 %14,2 %
G6 Wochenendbetrieb42,7 %41,2 %9,9 %20,3 %
G4 (Kantine)47,5 %27,5 %13,5 %9,8 %

Die Standardprofile sind Durchschnitte über viele Betriebe. Ein echter Imbiss ist spitzer: Er hat entweder ein ausgeprägtes Mittagsgeschäft oder einen Abendbetrieb, oft beides mit einer Pause dazwischen. Deshalb haben wir zusätzlich zwei eigene Verläufe gebaut.

Typischer Fehler: mit dem Standardprofil planen. Ein Angebot, das nur mit G2 rechnet, liegt beim Mittagsimbiss zu niedrig und beim Abendimbiss weit zu hoch. Die Öffnungszeiten gehören in jede Anfrage.

Nachgerechnet: Mittagsimbiss, Abendimbiss und Standardprofile

Die Ertragsreihe stammt aus PVGIS 5.3 für Würzburg, Süd, 35 Grad, 14 Prozent Verluste, Wetterjahr 2020, 1.127,9 kWh je kWp, umgerechnet auf mitteleuropäische Zeit. Alle Verläufe haben 25.150 kWh im Jahr. Die beiden eigenen Verläufe sind Annahmen:

  • Mittagsimbiss: 20 % Kälte rund um die Uhr, 80 % montags bis samstags von 10 bis 15 Uhr, sonntags geschlossen.
  • Abendimbiss: 20 % Kälte rund um die Uhr, 80 % täglich von 17 bis 23 Uhr.
Verlauf5 kWp10 kWp15 kWp20 kWp
Mittagsimbiss71,5 %63,6 %60,4 %57,1 %
G4 (Kantine)94,6 %75,5 %58,9 %48,3 %
G6 Wochenendbetrieb97,5 %71,0 %54,0 %43,7 %
G2 Abendbetrieb96,4 %68,3 %52,2 %42,4 %
Abendimbiss33,9 %20,7 %15,6 %12,9 %

Die Tabelle zeigt den selbst genutzten Anteil des Solarstroms. Bei 20 kWp deckt die Anlage im Mittagsimbiss 51,2 % des Strombedarfs, im G2-Profil 38,1 % und im Abendimbiss 11,6 %.

Auffällig ist die kleine Anlage: Bei 5 kWp liegt der Mittagsimbiss mit 71,5 % unter den Standardprofilen. Er ist sonntags zu und hat außerhalb der Öffnungszeit nur die Kälte als Grundlast, also bleibt an freien Tagen und frühen Morgen Solarstrom übrig. Ab 15 kWp dreht sich das, weil die Mittagsspitze große Mengen aufnimmt. Wie ein Restaurant mit Abendbetrieb abschneidet, zeigt der Ratgeber zur Gastronomie mit Abendlast.

Balkendiagramm: Selbst genutzter Solarstrom bei 25.150 kWh und 20 kWp: Mittagsimbiss 57,1 Prozent, G4 48,3, G6 43,7, G2 42,4, Abendimbiss 12,9 Prozent.
Die Öffnungszeit entscheidet über den Eigenverbrauch. · Foto: Eigene Grafik
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Batteriespeicher: im Abendimbiss am stärksten ausgelastet

Ein Speicher verschiebt Solarstrom in den Abend. Wir haben ohne Lade- und Entladeverluste gerechnet.

Verlauf und Anlageselbst genutztAutarkieaus dem Speichervolle Ladezyklen
Mittagsimbiss, 15 kWp ohne Speicher60,4 %40,7 %0 kWh0
Mittagsimbiss, 15 kWp, 15 kWh83,9 %56,4 %3.964 kWh264
G2, 15 kWp, 15 kWh73,0 %49,1 %3.510 kWh234
Abendimbiss, 15 kWp ohne Speicher15,6 %10,5 %0 kWh0
Abendimbiss, 15 kWp, 15 kWh43,0 %29,0 %4.643 kWh310

Im Abendimbiss wird der Speicher jeden Tag voll geladen und abends geleert, 310 Zyklen im Jahr. Er verdreifacht dort fast die Autarkie, von 10,5 auf 29,0 %. Trotzdem bleibt der Abendimbiss mit Speicher unter dem Mittagsimbiss ohne Speicher. Wie du die Speichergröße bestimmst, steht im Ratgeber Speichergröße berechnen.

Balkendiagramm: Autarkie bei 15 kWp, Mittagsimbiss ohne Speicher 40,7 und mit 15 kWh 56,4 Prozent, Abendimbiss ohne Speicher 10,5 und mit 15 kWh 29,0 Prozent.
Auch mit Speicher bleibt der Abendimbiss hinter dem Mittagsimbiss ohne Speicher. · Foto: Eigene Grafik
Vorsicht bei Speicherzahlen ohne Verluste: Unsere Rechnung setzt einen verlustfreien Speicher an. Prüfe im Datenblatt den Systemwirkungsgrad von Speicher und Wechselrichter und rechne die Werte damit nach.

Erst sparen: Kochen, Kühltresen und Licht

Die proKlima-Broschüre nennt Maßnahmen, die vor jeder Solaranlage wirken, weil sie auch abends sparen:

  • Kochen: Induktion braucht weniger Strom als ein konventioneller Elektroherd. Pizzaöfen bei längerem Stillstand auf 200 °C herunterregeln, Bratplatten mit Anti-Abstrahl-Beschichtung wählen.
  • Kühltresen: Rollos an Kühltresen und Regalen sparen 20 bis 40 % Energie.
  • Beleuchtung: Der Tausch von Glühlampen senkt die Kosten der Akzentbeleuchtung um rund 80 %, ein Dämmerungsschalter am Reklameschild die Kosten der Außenbeleuchtung um bis zu 50 %.
  • Lüftung: 20 % weniger Luftzufuhr halbiert den Stromverbrauch des Ventilators.

Für den Abendimbiss sind Licht und Reklameschild besonders wichtig, weil sie genau in den Stunden laufen, in denen die Solaranlage nichts liefert. Jede eingesparte Kilowattstunde am Abend ist dort mehr wert als ein weiteres Modul auf dem Dach.

Typischer Fehler: das Reklameschild vergessen. Leuchtwerbung läuft oft vom Nachmittag bis nach Ladenschluss, also fast ganz außerhalb der Solarstunden. Ein Dämmerungsschalter senkt ihren Verbrauch nach proKlima um bis zu 50 %, bevor ein einziges Modul geplant ist.

Gas oder Strom in der Küche?

Die Broschüre schrieb 2013, Strom sei als Energieträger zum Kochen am teuersten, Gas günstiger. Mit einer eigenen Solaranlage verschiebt sich die Rechnung für den Mittagsbetrieb: Kochen macht 40 % des Stroms aus und fällt beim Mittagsimbiss genau in die Sonnenstunden. Für den Abendimbiss gilt die alte Rechnung weiter, weil dort kaum Solarstrom zum Kochen zur Verfügung steht.

Eine belastbare Vergleichsrechnung Gas gegen Solarstrom für Imbissküchen haben wir nicht gefunden. Wer eine neue Fritteuse oder Grillplatte kauft, sollte beide Varianten mit den eigenen Preisen und den eigenen Öffnungszeiten rechnen lassen.

Steuern und Umlagen

Selbst verbrauchter Solarstrom trägt keine Umlagen nach dem Energiefinanzierungsgesetz, weil diese an der Netzentnahme ansetzen; Einzelheiten stehen im Ratgeber zu Umlagen und Eigenverbrauch. Ob für den Solarstrom Stromsteuer anfällt, klärt der Ratgeber Stromsteuer und Zoll. Wie ein Speicher Leistungsspitzen im Gewerbe senkt, beschreibt der Ratgeber zur Lastspitzenkappung.

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So planst du die Solaranlage für den Imbiss

1 Schritt für Schritt
  1. Kennzahl bilden: Jahresverbrauch je Quadratmeter mit 285 kWh vergleichen.
  2. Öffnungszeiten aufschreiben: Wann ist Hauptgeschäft, wann ist geschlossen?
  3. Zählerstand notieren: an einem normalen Tag vor Öffnung, nach dem Mittagsgeschäft und bei Ladenschluss.
  4. Sparen: Rollos am Kühltresen, Licht, Reklameschild, Lüftung.
  5. Größe wählen: Mit dem eigenen Tagesverlauf rechnen, nicht mit dem Standardprofil.
  6. Speicher gegenrechnen: vor allem beim Abendbetrieb, mit Systemwirkungsgrad und Preis aus dem Angebot.

Checkliste für Imbissbetriebe

Vor der Anfrage klären
  • Wie viele kWh Strom stehen auf den Rechnungen der letzten zwölf Monate?
  • Wie groß sind Küche und Gastraum in Quadratmetern?
  • Zu welchen Uhrzeiten und an welchen Tagen ist geöffnet?
  • Welche Kochgeräte laufen elektrisch, welche mit Gas?
  • Wie viele Kühltresen und Tiefkühlgeräte gibt es?
  • Gehört das Dach dem Betrieb oder dem Vermieter?

Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Eine veröffentlichte Lastgangmessung eines Imbisses haben wir nicht gefunden. Die beiden Verläufe Mittagsimbiss und Abendimbiss sind Annahmen, die den Unterschied der Öffnungszeiten zeigen sollen, keine Messung. Die Standardprofile G2, G4 und G6 beruhen auf Messungen von 1999.

Die Aufteilung des Stroms und die Kennzahl stammen aus einer Broschüre von 2013 ohne Angabe der Erhebungsgrundlage. Die Leistungen der Fritteusen sind Händlerangaben. Der Kostenvergleich Gas gegen Strom von 2013 beruht auf den damaligen Preisen. Alle verlinkten Quellen: Abruf am 13.09.2026.

Häufige Fragen zu PV im Imbiss

Wie viel Strom braucht ein Imbiss? +
Nach proKlima im Durchschnitt 285 kWh je Quadratmeter Betriebsfläche im Jahr. Das Rechenbeispiel der Broschüre liegt bei 25.150 kWh auf 74 Quadratmetern.
Wofür braucht die Schnellgastronomie den meisten Strom? +
Fürs Kochen mit 40 %, danach folgen Kälte mit 20 % und Abwaschen mit 17 %.
Welches Lastprofil hat ein Imbiss? +
Nach der BDEW-Zuordnung G2 bei Schwerpunkt am Abend oder G6 bei starkem Wochenendbetrieb. Kantinen haben G4.
Lohnt sich eine Solaranlage für einen Mittagsimbiss? +
Er passt besonders gut. Bei 25.150 kWh und 20 kWp bleiben in unserem Modell 57,1 % des Solarstroms im Betrieb, die Anlage deckt 51,2 % des Bedarfs.
Und für einen Imbiss, der erst abends öffnet? +
Ohne Speicher kaum: Bei 20 kWp werden nur 12,9 % des Solarstroms selbst genutzt. Mit 15 kWh Speicher an 15 kWp steigt die Autarkie von 10,5 auf 29,0 %.
Wie viel Leistung hat eine Gastro-Fritteuse? +
Ein Händler gibt 3,25 kW für ein Becken mit 8 Litern und 6,5 kW für eine Doppelfritteuse mit 8 plus 8 Litern an.
Was spart ein Rollo am Kühltresen? +
Nach proKlima 20 bis 40 % der Energie des Kühlmöbels.
Ist Kochen mit Gas günstiger als mit Solarstrom? +
2013 galt Gas als günstiger. Mit eigener Solaranlage und Mittagsbetrieb kann sich das ändern. Eine belastbare Vergleichsrechnung für Imbissküchen haben wir nicht gefunden.