Skilift und PV: Schlepplift, Beschneiung und Winterlast am Berg
Schlepplift, Beschneiung, Speicher: VDS-Zahlen, die Messwerte des Solarskilifts Tenna und ein Lift am Feldberg gegen PVGIS gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 12 Abschnitte
- 1.Skilifte in Deutschland: 1.240 Schlepplifte und 209 Seilbahnen
- 2.Wofür ein Skigebiet Strom braucht
- 3.Der Solarskilift Tenna: 60 kWp und 7.580 kWh Verbrauch
- 4.Gegenprobe: was PVGIS für Tenna rechnet
- 5.Nachgerechnet: Skilift am Feldberg
- 6.Steil aufgestellt: 70 Grad für die Skisaison
- 7.Beschneiung: 250.000 kWh, fast alle in kalten Nächten
- 8.Batteriespeicher am Skilift: 20 kWh an 20 kWp
- 9.Sommer: der Solarstrom geht ins Netz
- 10.So planst du Solarstrom für den Skilift
- 11.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 12.Häufige Fragen zu PV am Skilift
Ein Skilift braucht Strom genau dann, wenn eine Solaranlage am wenigsten liefert: zwischen Weihnachten und Anfang März, bei tief stehender Sonne und oft mit Schnee auf den Modulen. Trotzdem gibt es Lifte, die übers Jahr ein Vielfaches ihres Verbrauchs erzeugen. Der Grund ist einfach: Ein Schlepplift braucht erstaunlich wenig Strom, und die Solaranlage produziert auch im Sommer, wenn der Lift steht.
Dieser Ratgeber sammelt die Stromkennzahlen von Liftbetreibern und Verbänden, prüft sie an den veröffentlichten Messwerten des Solarskilifts Tenna in Graubünden und rechnet denselben Lift gegen die stündliche PVGIS-Ertragsreihe vom Feldberg im Schwarzwald. Getrennt davon betrachten wir die Beschneiung, die ganz anders tickt.
Skilifte in Deutschland: 1.240 Schlepplifte und 209 Seilbahnen
Laut Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) gibt es 2025 in Deutschland 209 Seilbahnen und 1.240 Schlepplifte. Für den Winterbetrieb der Anlagen und die technische Beschneiung nennt der Verband 42,5 GWh Strom; über 74 % ihres Stroms beziehen die Seilbahnen nach eigener Angabe aus erneuerbaren Energien. Das sind Verbandszahlen ohne veröffentlichte Methode.
Die Mehrzahl der deutschen Anlagen sind also kleine Schlepplifte, oft von Vereinen oder Gemeinden betrieben, im Mittelgebirge oder im Voralpenland. Für sie ist eine Solaranlage auf dem Dach der Talstation, einer Garage oder einer Pistenraupen-Halle die realistische Größe.
Wofür ein Skigebiet Strom braucht
Die Schweizer Seilbahnen brauchen laut Verband Seilbahnen Schweiz rund 183 GWh Strom im Jahr, berichtet energie-experten.ch (19.01.2022): rund 55 % für die Transportanlagen, 32 % für die technische Beschneiung und rund 13 % für weitere Zwecke. Je Gast und Skitag ergibt das nach einem älteren Beitrag desselben Portals durchschnittlich 5,3 kWh Strom.
Aus Österreich kommt eine deutlich höhere Zahl: Seilbahnunternehmer Walchhofer nennt 18 kWh je Skifahrer und Tag bei über 50 Mio. Skifahrertagen. Der Unterschied erklärt sich zum großen Teil aus der Abgrenzung: Die österreichische Zahl enthält neben Seilbahn und Beschneiung auch Pistenpräparierung, Gastronomie und Heizung, also nicht nur Strom. Beide Zahlen stammen von Interessenvertretern.
Der Transport selbst ist der kleinere Teil. Nach energie.ch beansprucht die eigentliche Beförderung über eine Saison je nach Anlage nur 5 bis 30 % des Stromkonsums eines Bergbahnbetriebs. Bergbahnen mit reinem Winterbetrieb kommen auf nur 1.000 Betriebsstunden im Jahr, Industrieanlagen auf 2.000 bis 8.760.
Der Solarskilift Tenna: 60 kWp und 7.580 kWh Verbrauch
Der Schlepplift in Tenna im Safiental ist seit dem 17. Dezember 2011 in Betrieb und gilt als erster Solarskilift. Laut Datenblatt des Betreibers tragen 82 Solarwings mit je drei Panels, 30° angestellt, insgesamt 60 kWp; die Antriebsleistung beträgt 35 kW. Der Lift ist 450 Meter lang und überwindet 135 Höhenmeter. Bei Schnee stellt ein Schneesensor die Solarwings senkrecht.
Für 2019 meldet der Betreiber 91.894 kWh Solarstrom bei 7.580 kWh Verbrauch, im Datenblatt steht ein Jahresverbrauch von ca. 6.500 kWh. Der Lift läuft laut Öffnungszeiten täglich von 09.30 bis 12.00 und von 13.00 bis 16.00 Uhr, in der Saison 2025/26 vom 20. Dezember bis zum 8. März. Den Überschuss nutzte in einer früheren Saison vor allem das Hotel im Ort, berichtete energie-experten.ch.
Gegenprobe: was PVGIS für Tenna rechnet
Für Tenna liefert PVGIS 5.3 bei fester Aufstellung mit 30 Grad nach Süden für 2019 1176,6 kWh je kWp, für 60 kWp also 70.598 kWh. Gemessen hat der Betreiber 1531,6 kWh je kWp. Die Messung liegt damit rund 30,2 % über der festen Aufstellung, plausibel für Solarwings, die alle zehn Minuten der Sonne nachgeführt werden.
Wir haben die 7.580 kWh auf die Betriebsstunden verteilt, das sind 434,5 Stunden und im Mittel 17,4 kW, rund die Hälfte der Antriebsleistung. Zur selben Stunde könnte die feste 60-kWp-Anlage in Tenna 77,6 % dieses Liftstroms decken. Ihr Eigenverbrauchsanteil liegt bei 8,3 %, das gemessene Verhältnis von Verbrauch zu Ertrag bei 8,2 %. Mehr als ein Zehntel kann ein solcher Lift selbst im besten Fall nicht selbst nutzen.
Nachgerechnet: Skilift am Feldberg
Denselben Lift mit 7.580 kWh haben wir an den Feldberg im Schwarzwald versetzt (PVGIS-Standort auf 1.366 m, Süd). Gerechnet sind die Wetterjahre 2020 bis 2023, mit 35 Grad und mit 70 Grad Neigung. Die Deckung gibt an, welcher Anteil des Liftstroms zur selben Stunde aus der Solaranlage kommt.
| Wetterjahr | 20 kWp, 35° | 20 kWp, 70° | 60 kWp, 35° | 20 kWp, 35°, mit 20 kWh | Eigenverbrauch 20 kWp, 35° |
|---|---|---|---|---|---|
| 2020 | 30,7 % | 34,1 % | 60,2 % | 40,5 % | 10,3 % |
| 2021 | 34,7 % | 37,4 % | 61,5 % | 46,2 % | 12,1 % |
| 2022 | 36,4 % | 39,7 % | 65,7 % | 46,8 % | 11,4 % |
| 2023 | 27,6 % | 29,3 % | 52,7 % | 37,1 % | 10,1 % |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS 5.3 und dem Tenna-Verbrauch von 2019. Das Wetter macht den größten Unterschied: 20 kWp mit 35 Grad decken je nach Jahr 27,6 bis 36,4 %. Selbst 60 kWp kommen nur auf 52,7 bis 65,7 %, weil der Lift an trüben Tagen und am frühen Vormittag läuft. Der Eigenverbrauch bleibt bei 20 kWp mit 10,1 bis 12,1 % klein.
Steil aufgestellt: 70 Grad für die Skisaison
Eine steilere Aufstellung verschiebt den Ertrag in den Winter. Am Feldberg liefert ein kWp mit 35 Grad Neigung 2020 1135,5 kWh im Jahr, mit 70 Grad nur 1011,3 kWh. In den Monaten Dezember bis März dreht sich das um: 260,7 kWh mit 35 Grad gegen 275,0 kWh mit 70 Grad.
Für den Lift heißt das: 20 kWp mit 70 Grad decken 29,3 bis 39,7 % statt 27,6 bis 36,4 %, der Eigenverbrauch steigt auf 12,4 bis 14,5 %. Der Nachteil ist der geringere Jahresertrag, der bei einem Lift fast vollständig ins Netz geht. Ob sich die steile Aufstellung lohnt, hängt deshalb daran, wie viel dir die eingespeiste Kilowattstunde bringt.

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Beschneiung: 250.000 kWh, fast alle in kalten Nächten
Eine mittlere Beschneiungsanlage für 20 Hektar braucht laut VDS im Jahr durchschnittlich 250.000 kWh, das ist mehr als das Dreißigfache des Tenna-Lifts. Walchhofer nennt für die Beschneiung von Zauchensee/Flachauwinkl ca. 735.000 kWh je Winter. Beschneit wird, wenn es kalt genug ist, und das ist vor allem nachts und am frühen Morgen.
Für das Modell haben wir die 250.000 kWh auf alle Stunden von November bis Februar verteilt, in denen PVGIS am Feldberg eine Lufttemperatur von minus 3 Grad oder kälter ausweist. Diese Schwelle ist unsere Annahme, nicht die Angabe eines Herstellers.
| Wetterjahr | Stunden bis minus 3 Grad | davon 9 bis 16 Uhr | Eigenverbrauch 100 kWp |
|---|---|---|---|
| 2020 | 240 | 9,6 % | 0,3 % |
| 2021 | 580 | 17,4 % | 2,4 % |
| 2022 | 364 | 14,3 % | 1,3 % |
| 2023 | 395 | 17,5 % | 0,9 % |
Nur 9,6 bis 17,5 % der Beschneiungsstunden fallen in die Zeit von 9 bis 16 Uhr. Eine Anlage mit 100 kWp könnte davon im Modell nur 0,3 bis 2,4 % ihres Stroms selbst nutzen.
Batteriespeicher am Skilift: 20 kWh an 20 kWp
Ein Batteriespeicher mit 20 kWh Kapazität hebt die Deckung des Lifts bei 20 kWp mit 35 Grad von 27,6 bis 36,4 % auf 37,1 bis 46,8 %. Mit 60 kWp und 20 kWh sind es 64,5 bis 75,7 %. Gerechnet ist ohne Lade- und Entladeverluste.
Im Winter lädt der Speicher an Sonntagen oder Mittagen mit Überschuss und hilft am nächsten Vormittag. Im Sommer steht der Lift, der Speicher erreicht dann nur Ladezyklen, wenn es am Standort andere Verbraucher gibt. Ob ein eigener Wechselrichter nötig ist und wie viele Ladezyklen der Hersteller garantiert, gehört ins Angebot. Die Grundlagen stehen im Ratgeber Speichergröße berechnen.
Sommer: der Solarstrom geht ins Netz
In der Liftsaison vom 26. Dezember bis 10. März zwischen 9 und 16 Uhr fallen am Feldberg nur 12,3 bis 14,8 % des Jahresertrags einer 35-Grad-Anlage an. Der Rest entsteht, wenn niemand Ski fährt. In der Praxis entscheidet deshalb die Einspeisung über die Wirtschaftlichkeit, nicht der Eigenverbrauch; das Vorgehen dazu beschreibt der Ratgeber Eigenverbrauch oder Volleinspeisung. Häufig unterschätzt wird, dass Mittagsstrom im Sommer bei negativen Strompreisen wenig oder nichts bringt.
Wer im Ort einen Abnehmer hat, etwa ein Hotel, eine Hütte mit Gastronomie oder eine Eishalle, nutzt den Überschuss besser. Tenna macht es so.

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So planst du Solarstrom für den Skilift
- Verbrauch messen: Zählerstand der Talstation zu Saisonbeginn und -ende ablesen, getrennt von Beschneiung und Gastronomie.
- Betriebsstunden notieren: Öffnungszeiten, Saisondauer und schneearme Winter.
- Dachflächen und Schneelast prüfen: Neigung, Ausrichtung und Statik der Gebäude, siehe Schneelast und Dachstatik.
- Neigung wählen: steil für den Winter, flacher für den Jahresertrag.
- Abnehmer im Sommer suchen: Gastronomie, Hotel, Vereinsheim oder Einspeisung.
- Im Datenblatt nachsehen: Temperaturbereich von Wechselrichter und Speicher für den Winter auf dem Berg.
Wo die Talstation keinen Netzanschluss hat, beschreibt der Ratgeber zur Inselanlage ohne Netzanschluss die Grenzen. Ein Lift ohne Netz braucht einen Speicher, der auch einen trüben Samstag im Januar trägt.
- Wie viel Strom braucht der Lift in einer Saison laut Zähler?
- Wie viele Betriebstage hatte die Anlage in den letzten Wintern?
- Hängen Beschneiung oder Gastronomie am selben Zähler?
- Welche Dachflächen gibt es, und wie steil sind sie?
- Wer nimmt den Solarstrom im Sommer ab?
- Rechnet das Angebot den Winterertrag mit oder ohne Schnee auf den Modulen?
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Gemessene Verbrauchswerte deutscher Schlepplifte haben wir nicht gefunden; das Modell nutzt deshalb den Tenna-Lift mit 450 Metern und 135 Höhenmetern als Maßstab. Längere oder stärker ausgelastete Lifte brauchen mehr. Für die Beschneiung fehlt ein veröffentlichter Stundenlastgang, die Temperaturschwelle ist unsere Annahme. PVGIS kennt keine Schneebedeckung und keinen Albedo-Effekt einer Schneefläche. Die Verbandszahlen von VDS, Seilbahnen Schweiz und Walchhofer haben wir nicht an Rohdaten prüfen können. Stand: 14.09.2026.
Häufige Fragen zu PV am Skilift
Wie viel Strom braucht ein Schlepplift? +
Kann ein Skilift nur mit Solarstrom laufen? +
Welche Neigung ist für einen Skilift sinnvoll? +
Lohnt sich PV für die Beschneiung? +
Wie viel Strom braucht eine Beschneiungsanlage? +
Bringt ein Batteriespeicher am Lift etwas? +
Was passiert mit dem Solarstrom im Sommer? +
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