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Wirtschaftlichkeit

Musikschule mit PV: Unterrichtszeiten, Schulferien und Eigenverbrauch

BDEW M-24, VdM-Jahrbuch 2024, Musikschulen Eisenach, Märkisch-Oderland und Friedberg, Energiebericht Delmenhorst gelesen, Unterricht und Ferien gegen PVGIS Hannover gerechnet.

⏱️ 8 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 15. September 2026
Inhaltsverzeichnis · 9 Abschnitte
  1. 1.Kurz gesagt: Lohnt Photovoltaik für eine Musikschule?
  2. 2.Welches Lastprofil gilt für eine Musikschule?
  3. 3.Wann eine Musikschule unterrichtet
  4. 4.Das Modell: 2.750 kWh, Kernzeit und Schulferien
  5. 5.Warum die Ferien bei der Musikschule mehr kosten als die Uhrzeit
  6. 6.Mehr Module oder Speicher?
  7. 7.Musikschule im Vergleich mit Tanzschule und Kita
  8. 8.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
  9. 9.Häufige Fragen

Eine Musikschule unterrichtet, wenn die Schule vorbei ist, und macht Pause, wenn die Schule Ferien hat. Beides passt nur halb zur Sonne. Dieser Ratgeber rechnet nach, wie viel Solarstrom eine Musikschule selbst nutzt, warum die Schulferien den Eigenverbrauch stärker drücken als die Uhrzeit und warum das Standardlastprofil G1 zu optimistisch ist. Stand: 15.09.2026.

Kurz gesagt: Im Modell fallen 29,4 % des Solarertrags in Ferien und Feiertage, aber nur 6,6 % des Stroms der Musikschule. Mit 3 kWp nutzt sie 32,1 % ihres Solarstroms selbst. Das Standardprofil G1 hätte bei gleicher Strommenge 44,1 % ergeben.

Kurz gesagt: Lohnt Photovoltaik für eine Musikschule?

Ja, aber klein. Der Strombedarf einer Musikschule ist gering. Die Stadt Delmenhorst weist in ihrem Energiebericht 2022 für ihre Musikschule in der Schulstraße 19 einen Stromverbrauch von 2.750 kWh aus, bei 999 m² Nettogrundfläche. Das sind 3 kWh je Quadratmeter. Für Gas stehen dort 129.415 kWh. Strom macht damit rund 2,1 % des Energieverbrauchs dieses Gebäudes aus.

Um diese 2.750 kWh übers Jahr rechnerisch zu erzeugen, genügen in Hannover 2,59 kWp. Ob die Musikschule den Strom auch dann braucht, wenn er entsteht, ist die eigentliche Frage. Unterricht läuft am Nachmittag und frühen Abend, und in den Schulferien steht das Haus fast leer.

Ein einzelnes Gebäude ist kein Durchschnitt. Eine Musikschule mit Tonstudio, Klimaanlage oder Konzertsaal braucht mehr. Wer eigene Zählerwerte hat, sollte mit diesen rechnen.

Welches Lastprofil gilt für eine Musikschule?

Die BDEW-Liste M-24 zur Zuordnung der VDEW-Lastprofile (Abruf: 15.09.2026) ordnet die Musikschule unter Schlüssel 802 dem Profil G1 zu. G1 steht für „Gewerbe werktags 8-18“. Der Privatlehrer, Schlüssel 804 „Unterricht (Privatlehrer)“, bekommt dagegen G2, das Profil mit Schwerpunkt am Abend.

Beide Profile rechnen die Schulferien nicht ein. G1 legt im Modell 52,1 % des Stroms in die Stunden von 10 bis 16 Uhr und nur 17,0 % nach 16 Uhr. Eine Musikschule mit Kernzeit 13 bis 20 Uhr verbraucht 38,6 % zwischen 10 und 16 Uhr und 51,0 % ab 16 Uhr.

Typischer Fehler: Ein Angebot rechnet die Musikschule mit G1 und verspricht 44,1 % Eigenverbrauch bei 3 kWp. Mit Nachmittagsunterricht und Ferien sind es im Modell 32,1 %. Frag im Angebot, welches Profil und welche Schließzeiten eingerechnet sind.

Wann eine Musikschule unterrichtet

Die Musikschule „Johann Sebastian Bach“ in Eisenach nennt als Kern-Unterrichtszeit Montag bis Freitag 13 bis 20 Uhr. Die Kreismusikschule Märkisch-Oderland schreibt, Unterricht sei montags bis freitags von 9 bis 21 Uhr möglich, im Kernbereich finde er zwischen 13 und 19 Uhr statt, in der Regel einmal wöchentlich.

Zu den Ferien sind die Regeln eindeutig. In Eisenach gilt die Ferien- und Feiertagsordnung der allgemeinbildenden Schulen. Die Kreismusikschule Märkisch-Oderland erteilt in den Ferien, an schulfreien Tagen und an Feiertagen keinen Unterricht. Die Musikschule Friedberg übernimmt die Ferienordnung der öffentlichen Schulen des Wetteraukreises und hält zusätzlich den Fastnachtsdienstag frei.

Der Grund steht in der Statistik. Laut dem Statistischen Jahrbuch der Musikschulen in Deutschland 2024 des Verbands deutscher Musikschulen (VdM) waren im Kalenderjahr 2023 34,80 % der Schülerinnen und Schüler 6 bis 9 Jahre alt und 22,50 % 10 bis 14 Jahre. 17,31 % waren bis 5 Jahre alt. Erwachsene von 26 bis 60 Jahren stellten 5,30 %.

VdM-Musikschulen, Kalenderjahr 2023Wert
Mitgliedschulen928
Schülerinnen und Schüler1.530.758
Lehrkräfte36.747
Wochenstunden456.752
Beliebtestes FachKlavier, 168.920 Schülerinnen und Schüler

Rechnerisch sind das 492 Wochenstunden je Mitgliedschule. Viele Musikschulen unterrichten aber an mehreren Standorten und in Schulen oder Kitas, sodass im eigenen Haus weniger ankommt.

Balkendiagramm: Ferien, Sonne ohne Unterricht. PV-Ertrag in Ferien und an Feiertagen: 29,4 Prozent. Strom der Musikschule in Ferien und an Feiertagen: 6,6 Prozent. PV-Ertrag allein in den Sommerferien: 15,6 Prozent.
Fast ein Drittel des Solarertrags fällt in unterrichtsfreie Zeit. · Foto: Eigene Grafik

Das Modell: 2.750 kWh, Kernzeit und Schulferien

Gerechnet wurde mit stündlichen Werten aus PVGIS 5.3 für Hannover, Wetterjahr 2020, Süddach mit 35 Grad Neigung. Ein kWp liefert dort 1.060,6 kWh im Jahr. Der Jahresverbrauch folgt dem Delmenhorster Wert von 2.750 kWh.

  • 60 % des Stroms verteilen sich auf die Unterrichtsstunden, etwa für Licht, E-Pianos und Verstärker.
  • 25 % sind Grundlast rund um die Uhr, etwa Kühlschrank, Router und Heizungspumpe.
  • 15 % fallen eine Stunde vor und nach dem Unterricht an.
  • Geschlossen ist an Feiertagen und in den niedersächsischen Schulferien laut KMK-Ferienkalender 2019/20, Sommerferien 16.07. bis 26.08.

Die Aufteilung 60/25/15 ist eine Annahme dieses Ratgebers. Die Ferientermine für Herbst und Weihnachten 2020 wurden aus dem Schuljahr 2019/20 übernommen, weil der Kalender 2020/21 beim Abruf nicht erreichbar war. Das Modell kommt so auf 192 Unterrichtstage.

Variante (Abruf PVGIS: 14.09.2026)Eigenverbrauch 3 kWpAutarkie 3 kWpAutarkie 5 kWp
Kernzeit 13 bis 20 Uhr32,1 %37,2 %44,9 %
Kernzeit 13 bis 19 Uhr33,5 %38,8 %48,0 %
13 bis 20 Uhr plus Vormittag 9 bis 12 Uhr halb belegt38,0 %44,0 %51,3 %
13 bis 20 Uhr, ohne Ferien gerechnet36,5 %42,2 %49,8 %
Standardprofil G144,1 %51,1 %58,8 %
Standardprofil G236,1 %41,8 %46,4 %
Vorsicht bei kleinen Zahlen: Der Nachteil eines so niedrigen Verbrauchs ist, dass wenige Geräte das Ergebnis kippen. Ein Kühlschrank mehr oder ein Serverschrank verschiebt die Grundlast deutlich. Prüfe deine Zählerwerte, bevor du die Prozentwerte übernimmst.
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Warum die Ferien bei der Musikschule mehr kosten als die Uhrzeit

Zwischen 13 und 20 Uhr erzeugt die Anlage 53,1 % ihres Jahresertrags, nach 16 Uhr noch 17,0 %. Die Nachmittagszeit trifft also gut die Hälfte der Sonne. Ob der Unterricht um 19 oder um 20 Uhr endet, ändert den Eigenverbrauch bei 3 kWp nur von 32,1 auf 33,5 %.

Die Ferien wiegen schwerer. In Ferien und an Feiertagen fallen 29,4 % des Solarertrags an, allein in den Sommerferien 15,6 %. Die Musikschule verbraucht in dieser Zeit nur 6,6 % ihres Stroms. Rechnet man die Ferien heraus, als würde durchgehend unterrichtet, steigt der Eigenverbrauch von 32,1 auf 36,5 %.

In der Praxis läuft in manchen Häusern auch in den Ferien etwas. Die Musikschule Leipzig nennt in ihrer Entgeltordnung Ferienangebote und Workshops. Wie viel Strom solche Angebote brauchen, ist nicht belegt. Wer Ferienkurse oder Proben im Sommer hat, liegt im Modell näher an der Variante ohne Ferien.

Balkendiagramm: Eigenverbrauch mit 3 kWp. Kernzeit 13 bis 20 Uhr: 32,1 Prozent. Kernzeit 13 bis 19 Uhr: 33,5 Prozent. Mit Vormittagsunterricht: 38,0 Prozent. Ohne Ferien gerechnet: 36,5 Prozent. Standardprofil G1: 44,1 Prozent.
Die Ferien kosten mehr Eigenverbrauch als die Uhrzeit. · Foto: Eigene Grafik

Mehr Module oder Speicher?

Mehr Module helfen der Autarkie, nicht dem Eigenverbrauch. Mit 5 kWp statt 3 kWp steigt die Autarkie bei Kernzeit 13 bis 20 Uhr von 37,2 auf 44,9 %, der Eigenverbrauch sinkt von 32,1 auf 23,3 %.

Ein Speicher mit 1 kWh je kWp wirkt hier stark, weil er die Nachmittagssonne in den Abend trägt. Mit 3 kWp und 3 kWh steigt der Eigenverbrauch von 32,1 auf 49,6 % und die Autarkie von 37,2 auf 57,3 %. In den Sommerferien bleibt der Speicher trotzdem voll und ungenutzt. Wie du eine passende Kapazität einschätzt, steht unter Speichergröße berechnen.

Klein anfangen: Bei 2.750 kWh Jahresverbrauch reicht eine Anlage in Größe eines Einfamilienhauses. Größere Dächer lohnen sich über die Einspeisung, siehe Eigenverbrauch oder Volleinspeisung.
1 Schritt für Schritt
  1. Zähler ablesen: Lies den Stromzähler am letzten Schultag vor und am ersten Tag nach den Sommerferien ab.
  2. Grundlast notieren: Die Differenz geteilt durch die Ferientage ist deine Grundlast je Tag.
  3. Unterrichtsplan zählen: Wie viele Stunden laufen im Haus vor 16 Uhr, wie viele danach?
  4. Geräte prüfen: Prüfe im Datenblatt von E-Pianos, Verstärkern und Klimageräten die Leistungsaufnahme.
  5. Angebot vergleichen: Lass im Angebot Eigenverbrauch mit Ferien und mit G1 getrennt ausweisen.
Vor der Anfrage klären
  • Hat die Musikschule einen eigenen Stromzähler, oder teilt sie ihn mit einer Schule?
  • Wem gehört das Dach: Kommune, Verein oder Vermieter?
  • Gibt es Ferienkurse, Proben oder Vermietungen im Sommer?
  • Laufen Tonstudio, Server oder Klimaanlage auch nachts?
  • Wird an weiteren Standorten unterrichtet, die nicht am Zähler hängen?

Musikschule im Vergleich mit Tanzschule und Kita

Die Tanzschule hat ein ähnliches Muster mit noch späteren Kursen, dort ist das Standardprofil G2 zu optimistisch. Die Musikschule unterrichtet früher, verliert aber mehr durch Schulferien. Für Kitas und Kindergärten mit Vormittagsbetrieb gelten andere Fragen, siehe PV für Kita-Träger. Eine Jugendherberge dagegen ist gerade dann voll, wenn Schulen unterwegs sind.

Dach teilen: Liegt die Musikschule im selben Gebäude wie eine Volkshochschule oder Bibliothek mit Sommerbetrieb, lohnt die Frage nach einem gemeinsamen Zähler. Die Sommersonne hätte dann einen Abnehmer.
Balkendiagramm: Autarkie der Musikschule. 3 kWp: 37,2 Prozent. 5 kWp: 44,9 Prozent. 3 kWp mit 3 kWh Speicher: 57,3 Prozent. Standardprofil G1, 3 kWp: 51,1 Prozent.
Ein kleiner Speicher trägt die Nachmittagssonne in den Abend. · Foto: Eigene Grafik
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Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte

Der Verbrauch stammt aus einem einzigen Gebäude. Einen bundesweiten Kennwert für den Stromverbrauch von Musikschulen hat dieser Ratgeber nicht gelesen. Die Aufteilung auf Unterricht, Grundlast und Vor- und Nachlauf ist eine Annahme. Wie viele Musikschulen ein eigenes Gebäude mit eigenem Zähler haben, statt in Schulen zu unterrichten, steht nicht in der VdM-Statistik. Offen bleibt auch der Stromverbrauch von Ferienangeboten.

Häufige Fragen

Welches Standardlastprofil gilt für eine Musikschule? +
Die BDEW-Liste M-24 ordnet die Musikschule dem Profil G1 zu, den Privatlehrer dem Profil G2.
Wie viel Strom braucht eine Musikschule? +
Die Musikschule Delmenhorst verbrauchte 2022 laut Energiebericht 2.750 kWh Strom auf 999 m², also 3 kWh je Quadratmeter. Das ist ein Einzelwert.
Wann findet Musikschulunterricht statt? +
Meist nachmittags. Eisenach nennt 13 bis 20 Uhr als Kernzeit, die Kreismusikschule Märkisch-Oderland 13 bis 19 Uhr.
Gibt es Unterricht in den Ferien? +
In der Regel nicht. Die gelesenen Musikschulen übernehmen die Ferienordnung der allgemeinbildenden Schulen.
Wie viel Solarstrom nutzt eine Musikschule selbst? +
Im Modell mit 3 kWp 32,1 % bei Kernzeit 13 bis 20 Uhr, mit 3 kWh Speicher 49,6 %.
Wie groß sollte die Anlage sein? +
Für 2.750 kWh genügen rechnerisch 2,59 kWp. Mit 5 kWp steigt die Autarkie im Modell auf 44,9 %, der Eigenverbrauch sinkt auf 23,3 %.
Warum ist G1 zu optimistisch? +
G1 legt den Strom auf Werktage von 8 bis 18 Uhr und kennt keine Schulferien. Im Modell ergibt G1 44,1 % statt 32,1 % Eigenverbrauch.
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