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DC-Kabelquerschnitt bei Photovoltaik: 4 oder 6 mm²? Die Rechnung dahinter

Bei der DC-Leitung entscheidet fast nie die Strombelastbarkeit, sondern der Spannungsfall. Grenzlängen für 2,5 bis 10 mm², Derating nach Temperatur und die Steckverbinder-Falle, die kein Ratgeber erwähnt – durchgerechnet mit Datenblattwerten.

⏱️ 12 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 05. September 2026

Die Frage steht in jedem zweiten Angebot als Nebensatz: „DC-Verkabelung 6 mm²". Oder eben 4. Wer wissen will, welche der beiden Zahlen für sein Dach die richtige ist, findet im Netz überwiegend Faustregeln ohne Herkunft – „ab 25 Metern 6 mm²" – und darunter Datenblätter, die sich in genau den Punkten widersprechen, auf die es ankommt.

Dieser Artikel rechnet die Entscheidung durch. Mit den Zahlen aus vier Herstellerdatenblättern, die wir am 05.09.2026 im Direktabruf gelesen haben, und mit offen benannten Annahmen. Das Ergebnis wird die meisten überraschen: Bei einem normalen Einfamilienhaus-Strang ist die Belastbarkeit nie das Problem – und der wirtschaftliche Unterschied zwischen 4 und 6 mm² liegt im Bereich weniger Euro pro Jahr.

Kabelquerschnitt bei DC-Leitungen: warum fast nie die Strombelastbarkeit entscheidet

Ein Solarkabel muss zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllen. Erstens muss es den Strom tragen, ohne zu heiß zu werden. Zweitens darf es unterwegs nicht zu viel Spannung verlieren. In der Praxis ist immer nur eine der beiden Bedingungen bindend – und bei einem einzelnen Modulstrang auf einem Einfamilienhaus ist es praktisch immer die zweite.

Rechne es an deinem eigenen Modul nach. Ein aktuelles Standardmodul liefert bei Kurzschluss rund 13 bis 14 Ampere. Nach der Bemessungsregel für PV-Stromkreise wird dieser Kurzschlussstrom mit dem Faktor 1,25 beaufschlagt, weil Module bei hoher Einstrahlung mehr liefern als unter Standardtestbedingungen. Aus 13,5 Ampere werden so 16,9 Ampere Bemessungsstrom. Diese Regel führt der Praxisleitfaden von elekrechner.com (aktualisiert 07.03.2026) auf die DIN VDE 0100-712 zurück.

Was trägt ein 4-mm²-Solarkabel? Das Datenblatt eines H1Z2Z2-K nach EN 50618 (Stand 5/18) nennt 55 Ampere in Luft, 52 Ampere in Erde und 44 Ampere bei Bündelung von fünf Leitungen. Selbst der ungünstigste dieser Werte liegt beim Zweieinhalbfachen des Bemessungsstroms. Und selbst 2,5 mm² würde mit 41 Ampere in Luft noch reichen.

💡 Der Bemessungsstrom steht auf deinem Moduldatenblatt. Such dort nach „Isc" oder „Kurzschlussstrom (STC)". Multipliziere den Wert mit 1,25. Diese Zahl ist die Untergrenze für die Strombelastbarkeit deiner Strangleitung – nicht der Nennstrom des Wechselrichters, der ist die Summe aller Stränge und gehört an eine andere Stelle der Rechnung.

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Die Bedingung, die tatsächlich bindet: ein Prozent Spannungsfall

Auf der Gleichstromseite gilt als Auslegungsziel ein Spannungsfall von höchstens einem Prozent bis zum Wechselrichter. Das ist keine gesetzliche Pflicht, sondern eine Empfehlung aus der Errichtungsnorm für Kabel- und Leitungsanlagen; die oben genannte Quelle führt sie auf DIN VDE 0100-520 zurück.

Der Spannungsfall folgt einer einfachen Formel: Widerstand mal Strom. Der Widerstand steht im Datenblatt, allerdings pro Kilometer und – das ist der erste Stolperstein – für 20 °C. Und gerechnet wird nicht mit der Kabellänge, sondern mit dem doppelten Weg: Hin- und Rückleiter.

Rechenbeispiel: 20 Meter Kabelweg, ein Strang

Annahmen: 20 m einfache Länge, also 40 m Leiterweg. Strom im Arbeitspunkt (Impp) 11 A, Strangspannung im Arbeitspunkt (Umpp) 380 V. Leiterwiderstände aus dem oben verlinkten Datenblatt, 20 °C.

4 mm²: 40 m × 5,09 Ω/km = 0,204 Ω → 11 A × 0,204 Ω = 2,24 V Spannungsfall = 0,59 %.
6 mm²: 40 m × 3,39 Ω/km = 0,136 Ω → 11 A × 0,136 Ω = 1,49 V = 0,39 %.

Beide bleiben unter einem Prozent. Bei 20 Metern ist 4 mm² normgerecht.

Hier lohnt ein Zwischenschritt, den viele Erklärtexte auslassen: Der prozentuale Spannungsfall ist zugleich der prozentuale Leistungsverlust. Das ist keine Näherung, sondern folgt direkt aus der Rechnung – die im Kabel verlorene Leistung ist Strom mal Spannungsfall, die im Strang erzeugte ist Strom mal Strangspannung. Wer also 0,59 % Spannungsfall ausrechnet, hat damit auch schon 0,59 % Ertragsverlust ausgerechnet. Man braucht dafür keine zweite Formel.

Der Fehler, der die Rechnung um ein Fünftel verschiebt

Die Widerstandswerte in allen Kabeldatenblättern gelten bei 20 °C. Das Kabel liegt aber auf einem Dach, teils unter den Modulen, teils in einem Leerrohr, und es führt selbst Strom. Genau in den Stunden, in denen der Ertrag am höchsten ist, ist es am heißesten.

Kupfer hat einen linearen Widerstands-Temperaturkoeffizienten von rund 3,9 · 10⁻³ pro Kelvin (Tabellenwert nach CRC Handbook, Abruf 05.09.2026). Von 20 °C auf 70 °C Leitertemperatur steigt der Widerstand damit um rund 20 Prozent. Wer mit dem Datenblattwert rechnet, unterschätzt den Spannungsfall im ungünstigsten Betriebsfall also um etwa ein Fünftel.

Für das Beispiel oben heißt das: aus 0,59 % werden bei 4 mm² 0,70 %, aus 0,39 % bei 6 mm² 0,47 %. Beide immer noch normgerecht – aber der Abstand zur Ein-Prozent-Marke schrumpft spürbar. Das ist der Grund, warum die verbreiteten Grenzlängen aus Foren zu großzügig ausfallen: Sie rechnen mit kaltem Kupfer.

Grenzlängen: ab wann der Kabelquerschnitt 4 mm² nicht mehr reicht

Aus derselben Rechnung lässt sich für jeden Querschnitt die maximale Kabellänge bestimmen, bei der die Ein-Prozent-Marke gerade noch gehalten wird. Die folgende Tabelle rechnet mit den Annahmen des Beispiels: 11 A Arbeitspunktstrom, 380 V Strangspannung, ein Prozent entspricht 3,8 V. Die Werte sind eigene Berechnungen auf Basis der Datenblattwiderstände – kein Datenblattauszug.

QuerschnittWiderstand bei 20 °CMax. Kabellänge (einfach) bei 20 °CMax. Kabellänge (einfach) bei 70 °C
2,5 mm²8,21 Ω/km21,0 m17,6 m
4 mm²5,09 Ω/km33,9 m28,4 m
6 mm²3,39 Ω/km50,9 m42,6 m
10 mm²1,95 Ω/km88,6 m74,1 m

Die verbreitete Faustregel „ab 25 Metern 6 mm²" ist damit nicht falsch, aber sie ist konservativ. Der belegte Umschlagpunkt liegt unter den hier gesetzten Annahmen bei rund 28 Metern warm gerechnet. Wichtiger als die Zahl selbst ist, dass sie von deinem Strangstrom und deiner Strangspannung abhängt: Ein Strang mit nur sechs Modulen hat die halbe Spannung und damit die halbe zulässige Spannungsfall-Reserve in Volt – die Grenzlänge halbiert sich mit.

💡 Rechne mit deiner Strangspannung, nicht mit unserer. Die Grenzlängen in der Tabelle skalieren direkt mit der Arbeitspunktspannung deines Strangs: Ein Prozent von 380 V sind 3,8 V, ein Prozent von 190 V nur 1,9 V. Zähle die Module in deinem Strang und multipliziere ihre Arbeitspunktspannung aus dem Datenblatt – bei zehn Modulen mit je 38 V kommst du auf 380 V und kannst die Tabelle direkt übernehmen. Bei weniger Modulen halbiere oder drittele die Werte entsprechend.
⚠️ Der häufigste Fehler in dieser Rechnung. Der Spannungsfall wird nur mit der einfachen Kabellänge gerechnet statt mit dem doppelten Leiterweg. Das Ergebnis sieht dann doppelt so gut aus, wie es ist. Prüfe in jeder Rechnung, die dir jemand vorlegt, ob der Faktor 2 drinsteckt: Bei 20 m Kabelweg müssen 40 m in die Formel.

Warum 70 Ampere nicht 70 Ampere bleiben

Zurück zur Strombedingung – sie wird dann bindend, wenn mehrere Stränge auf eine gemeinsame Leitung geführt werden oder wenn es an der Verbindungsstelle heiß wird. Der Steckverbinderhersteller Stäubli veröffentlicht in seinem Description Report zu MC4 und MC4-Evo 2 (Ausgabe C 01.2024) eine Derating-Tabelle, die zeigt, wie stark die zulässigen Ströme mit der Umgebungstemperatur fallen.

Umgebungstemperatur2,5 mm²4 mm²6 mm²
30 °C42 A55 A70 A
40 °C39 A51 A65 A
50 °C36 A47 A60 A
60 °C32 A43 A54 A
70 °C28 A38 A48 A
80 °C24 A32 A40 A
90 °C19 A25 A31 A

Zwischen 30 °C und 80 °C Umgebung verliert ein 6-mm²-Kabel mit Steckverbinder rund 43 Prozent seiner zulässigen Strombelastbarkeit. Für einen Einzelstrang mit 16,9 A Bemessungsstrom ist selbst der schlechteste Wert der Tabelle noch komfortabel.

Kritisch wird es bei Sammelleitungen: Drei parallelgeschaltete Stränge ergeben 50,6 A Bemessungsstrom – das trägt 4 mm² bei 30 °C gerade noch (55 A), bei 50 °C (47 A) nicht mehr. Wie viele Stränge an deinem Gerät überhaupt zusammenlaufen, hängt an dessen Auslegung – dazu haben wir einen eigenen Text über die Dimensionierung des Wechselrichters.

Stäubli weist in derselben Quelle ausdrücklich darauf hin, dass die Werte für 2,5, 4 und 6 mm² berechnet sind, auf Basis der IEC 60364-5-52:2009; nur die Werte für 10 mm² wurden gemessen. Erfahrungsgemäß wird dieser Fußnotenhinweis in Ratgebertexten weggelassen, obwohl er den Charakter der Zahl verändert.

Einspeisevergütung: 7,70 ct/kWh nur noch bei Inbetriebnahme bis 31. Januar 2027 · danach sinkt der Satz erneut

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Der Steckverbinder passt zum Außendurchmesser, nicht zum Querschnitt

Das ist der Punkt, an dem in der Praxis am häufigsten etwas schiefgeht, und er steht in kaum einem Ratgeber. Ein MC4-Steckverbinder wird nicht nach dem Leiterquerschnitt ausgewählt, sondern nach dem Außendurchmesser der Leitung – denn die Dichtung muss auf den Mantel passen. Stäubli führt dafür drei Varianten:

Deine Checkliste für: Der Steckverbinder passt zum Außendurchmesser, nicht zum Querschnitt

Jetzt der Abgleich mit den Kabeldatenblättern: Ein 4-mm²-Solarkabel misst außen 5,4 mm, ein 6-mm²-Kabel 6,2 mm – beide Werte stehen im elmat-Datenblatt vom 25.10.2022 und decken sich mit den 5,40 bzw. 6,20 mm der kabeck-Tabelle. Das 6-mm²-Kabel liegt damit außerhalb des Bereichs 5,0–6,0 mm. Wer den Stecker nach der Zahl „6" aussucht statt nach dem gemessenen Durchmesser, bekommt eine Dichtung, die nicht schließt.

⚠️ Vorsicht bei gemischten Steckverbindern. Stäubli hält in derselben Quelle fest, dass die TÜV-Rheinland-Zertifizierung nach IEC 62852 nur gilt, wenn die entsprechenden zertifizierten PV-Leitungen montiert sind. Wer Stecker eines Herstellers an ein Kabel eines anderen crimpt, für das die Kombination nicht freigegeben ist, verlässt den Geltungsbereich der Zertifizierung – auch wenn die Teile mechanisch zusammenpassen. Dazu kommt: Unverzinnte Kupferlitzen sind laut Stäubli außer bei 10 mm² gar nicht zulässig, weil sonst die Crimpverbindung nicht langzeitstabil ist.

Wo die Herstellerangaben auseinanderlaufen

Wir haben drei Datenblätter für dieselbe Typenbezeichnung H1Z2Z2-K gelesen. Sie stimmen in den Nennspannungen und Temperaturgrenzen überein – und weichen in drei Punkten voneinander ab, die für die Montage praktisch relevant sind.

Merkmalkabeck (Stand 5/18)HIKRA SOL 1500V (08.06.2018)elmat (25.10.2022)
Mindestbiegeradius, fest verlegt5 × Leitungsdurchmesser4 × Leitungsdurchmesser5 × Leitungsdurchmesser
WasserbeständigkeitsklasseAD7nicht klassifiziert angegebenAD8
LeiterausführungKupferleiter blankCu-Litze verzinntKupferleiter verzinnt
CPR-BrandklasseDcaB2caDca

Die letzte Zeile ist die folgenreichste: Zwischen Dca und B2ca liegen zwei Stufen der europäischen Brandklassifizierung. Wenn eine Bauaufsicht oder ein Versicherer für einen Leitungsweg durch das Gebäude eine bestimmte Klasse verlangt, entscheidet nicht „H1Z2Z2-K", sondern die Klasse auf dem konkreten Datenblatt. Die Typenbezeichnung allein trägt diese Aussage nicht.

Auch beim Leiter lohnt der Blick: Verzinnte Litze ist für die Crimpverbindung im Steckverbinder die sichere Wahl – der Steckverbinderhersteller lässt blanke Kupferlitze nur bei 10 mm² und nur mit einem bestimmten Typ zu. Ein Kabel mit blankem Leiter ist deshalb kein Mangel, aber es schränkt die zulässigen Steckverbinder ein.

💡 Verlange das Datenblatt zur gelieferten Charge, nicht zur Typenbezeichnung. Frag im Angebot oder bei der Abnahme nach dem Datenblatt genau der Leitung, die verbaut wurde – mit Hersteller und Ausgabestand. „H1Z2Z2-K, 6 mm²" ist keine ausreichende Angabe, wie die Tabelle oben zeigt. Auf dem Kabelmantel selbst steht die Typenkennung mit Metermarkierung aufgedruckt; du kannst sie im Wechselrichterraum ablesen und mit dem Datenblatt vergleichen.

Was der größere Kabelquerschnitt wirtschaftlich wirklich bringt

Jetzt die Frage, um die es beim Angebotsvergleich eigentlich geht: Lohnt der Aufpreis auf 6 mm²? Rechnen wir den Ertragsunterschied für das 20-Meter-Beispiel aus, warm gerechnet.

Verlustdifferenz, 40 m Leiterweg, 11 A, 70 °C Leitertemperatur

4 mm²: Widerstand 0,243 Ω → Verlustleistung 11² × 0,243 = 29,4 W
6 mm²: Widerstand 0,162 Ω → Verlustleistung 11² × 0,162 = 19,6 W
Differenz: 9,8 W bei Volllast.

Obergrenze über ein Jahr, gerechnet mit 1.000 Volllaststunden-Äquivalent: rund 9,8 kWh. Die tatsächliche Zahl liegt darunter, weil die Verluste mit dem Quadrat des Stroms fallen und die Anlage die meiste Zeit in Teillast läuft.

Bewertet mit der Einspeisevergütung von 7,70 ct/kWh für Anlagen bis 10 kW mit Inbetriebnahme zwischen dem 01.08.2026 und dem 31.01.2027 (Fördersätze der Bundesnetzagentur, Abruf 05.09.2026) sind das höchstens 75 Cent im Jahr. Über zwanzig Jahre höchstens rund 15 Euro. Fließt der Strom in den Eigenverbrauch, ist der Wert je Kilowattstunde ein Vielfaches davon – aber auch dann bleibt die Größenordnung zweistellig über die gesamte Laufzeit.

Das ist die unbequeme Antwort: Bei einem kurzen Kabelweg ist die Querschnittsfrage wirtschaftlich fast bedeutungslos. Sie wird erst dann wichtig, wenn die Leitung lang ist – weil dann nicht mehr die Wirtschaftlichkeit entscheidet, sondern die Ein-Prozent-Grenze überschritten wird. Ein Angebot, das 6 mm² als Qualitätsmerkmal verkauft und dafür einen nennenswerten Aufpreis nimmt, verkauft dir bei 20 Metern Kabelweg keinen messbaren Vorteil.

Was du selbst prüfen kannst

Du brauchst dafür kein Messgerät, nur das Angebot, das Moduldatenblatt und einen Blick in den Wechselrichterraum.

1 Schritt 1: Die drei Zahlen zusammentragen

Aus dem Moduldatenblatt: Kurzschlussstrom Isc und Arbeitspunktstrom Impp. Aus dem Angebot oder der Stringplanung: Anzahl Module je Strang und Arbeitspunktspannung je Modul. Aus dem Angebot: die geplante Kabellänge vom Strangende bis zum Wechselrichter.

2 Schritt 2: Strombedingung prüfen

Isc × 1,25 ausrechnen und mit dem Belastbarkeitswert des angebotenen Querschnitts vergleichen. Bei einem Strang wird diese Bedingung fast immer mit großem Abstand erfüllt. Bei mehreren Strängen auf einer gemeinsamen Leitung addierst du die Bemessungsströme und rechnest mit der 50-°C-Zeile der Derating-Tabelle, nicht mit der 30-°C-Zeile.

3 Schritt 3: Spannungsfall prüfen

Kabellänge verdoppeln, mit dem Widerstandsbelag aus der Tabelle oben multiplizieren, das Ergebnis mit Impp multiplizieren. Das Resultat durch die Strangspannung teilen. Über einem Prozent ist der Querschnitt zu klein – rechne zur Sicherheit mit dem 70-°C-Wert, also 20 Prozent Aufschlag auf den Widerstand.

4 Schritt 4: Steckverbinder prüfen

Miss den Außendurchmesser des gelieferten Kabels mit einem Messschieber oder lies ihn im Datenblatt ab. Vergleiche ihn mit dem Durchmesserbereich, den der Steckverbinder zulässt. Notiere Hersteller und Typenkennung beider Teile – sie müssen zueinander freigegeben sein.

Wenn dein Wechselrichter ein Monitoring mitbringt, kannst du den Effekt sogar sehen: Zwei baugleiche Stränge mit unterschiedlich langen Kabelwegen zeigen bei gleicher Einstrahlung leicht unterschiedliche Eingangsspannungen. Wie du solche Abweichungen einordnest, steht in unserem Ratgeber zur Ertragsüberwachung.

Was wir nicht belegen konnten

Drei Dinge stehen in diesem Artikel bewusst nicht, weil wir sie nicht mit einer lesbaren Quelle unterlegen konnten. Diese Lücken zu benennen ist ehrlicher, als sie mit plausiblen Zahlen zu füllen.

  • Der Normtext selbst. Wir haben weder die DIN VDE 0100-712 noch die EN 50618 im Volltext gelesen – beide sind kostenpflichtig. Der Faktor 1,25 und die Ein-Prozent-Empfehlung stehen hier mit einer Sekundärquelle, die Belastbarkeitswerte stammen aus Herstellerdatenblättern, die auf die Normtabelle A-3 verweisen.
  • Die Umrechnungsfaktoren für Häufung und Umgebungstemperatur nach DIN VDE 0298-4. Auch dieses Dokument ist kostenpflichtig. Die Derating-Werte in diesem Artikel stammen deshalb aus der Stäubli-Tabelle, die ihrerseits auf IEC 60364-5-52 zurückrechnet.
  • Marktpreise je Meter Solarkabel. Eine neutrale Preiserhebung dafür haben wir nicht gefunden. Die Aussage, dass der Aufpreis von 4 auf 6 mm² den Ertragsgewinn bei kurzen Wegen nicht rechtfertigt, gilt deshalb qualitativ – wir beziffern den Aufpreis bewusst nicht.

Ein weiterer Vorbehalt betrifft unsere eigene Rechnung: Die Grenzlängentabelle setzt 11 A und 380 V. Beides sind plausible, aber gesetzte Werte. Mit deinen eigenen Modul- und Strangdaten kommen andere Grenzlängen heraus – der Rechenweg in Schritt 3 ist der Punkt, an dem du das für dein Dach nachvollziehst.

Wenn bei dir bereits Spannungsprobleme auftreten, liegt die Ursache übrigens meist nicht auf der Gleichstromseite. Warum ein Wechselrichter wegen zu hoher Netzspannung abregelt und was der Netzbetreiber damit zu tun hat, steht in unserem Ratgeber zu zu hoher Netzspannung.

Und wer die DC-Verkabelung selbst legen möchte, sollte vorher die Abgrenzung zwischen erlaubter Eigenleistung und Elektrofachkraft-Arbeit kennen – dazu haben wir einen eigenen Text über Eigenleistung bei der PV-Montage.

Häufige Fragen

Reichen 4 mm² für eine normale Einfamilienhaus-Anlage? +
In den allermeisten Fällen ja. Nach unserer Rechnung mit 11 A Arbeitspunktstrom und 380 V Strangspannung hält 4 mm² die Ein-Prozent-Grenze bis rund 28 m einfacher Kabellänge, warm gerechnet. Typische Kabelwege auf einem Einfamilienhaus liegen darunter. Die Strombelastbarkeit ist dabei nie der begrenzende Faktor: 4 mm² trägt laut Datenblatt 55 A in Luft, der Bemessungsstrom eines Strangs liegt bei rund 17 A.
Warum wird trotzdem fast überall 6 mm² verbaut? +
Weil es die sichere Wahl für den Installateur ist. Ein Querschnitt, der auch bei ungeplanter Streckenverlängerung, hoher Kabeltemperatur oder späterer Erweiterung noch passt, erspart Diskussionen bei der Abnahme. Der Mehrpreis fällt gegenüber der Gesamtinvestition kaum ins Gewicht. Ein Qualitätsmerkmal, das einen nennenswerten Aufpreis rechtfertigt, ist es bei kurzen Wegen nicht.
Muss ich den Spannungsfall mit der einfachen oder der doppelten Länge rechnen? +
Mit der doppelten. Der Strom fließt hin und zurück, beide Leiter haben Widerstand. Bei 20 m Kabelweg gehen 40 m in die Formel. Das ist der häufigste Fehler in Rechnungen, die im Netz kursieren – er lässt das Ergebnis doppelt so gut aussehen.
Kann ich einen Steckverbinder eines anderen Herstellers an mein Kabel crimpen? +
Mechanisch passen viele MC4-kompatible Systeme zusammen. Stäubli hält in seinem Description Report aber fest, dass die TÜV-Rheinland-Zertifizierung nach IEC 62852 nur gilt, wenn die dafür freigegebenen PV-Leitungen montiert sind. Prüfe deshalb, ob die konkrete Kombination aus Kabel und Steckverbinder freigegeben ist. Die Steckverbinder sind zudem für 100 Steckzyklen ausgelegt – häufiges Trennen und Wiederverbinden ist keine vorgesehene Betriebsart.
Was bedeutet „AD7" oder „AD8" auf dem Datenblatt? +
Das ist die Klassifizierung der Wasserbeständigkeit. Sie unterscheidet sich zwischen Herstellern desselben Kabeltyps: In den von uns gelesenen Datenblättern nennt eines AD7, ein anderes AD8. Wenn die Leitung dauerhaft in Wasser stehen kann – etwa in einem Leerrohr im Erdreich, das sich füllt – ist das ein Punkt, den du im konkreten Datenblatt nachschlagen solltest, statt ihn aus der Typenbezeichnung abzuleiten.
Wie heiß wird ein Solarkabel auf dem Dach wirklich? +
Eine belastbare Messreihe dazu haben wir nicht gefunden und nennen deshalb keine Zahl als Tatsache. Die Datenblätter geben als zulässige Umgebungstemperatur -40 bis +90 °C an, als maximale Leitertemperatur +120 °C. Unsere Rechnungen setzen 70 °C Leitertemperatur als ungünstigen, aber nicht extremen Fall an – das ist eine Annahme, keine Messung.
Spielt der Querschnitt auch auf der Wechselstromseite eine Rolle? +
Ja, dort gelten aber andere Regeln und andere Leitungstypen. Die Bemessung folgt dem Nennstrom des Wechselrichters und der Absicherung, nicht dem Kurzschlussstrom der Module. Dieser Artikel behandelt ausschließlich die Gleichstromseite zwischen Modulen und Wechselrichter.
Wie lange hält ein Solarkabel? +
Die Lebensdauer nach EN 50618 wird im kabeck-Datenblatt mit 25 Jahren angegeben, geprüft nach EN 60216-1 und -2. Das liegt über der zwanzigjährigen Vergütungsdauer, aber unter der erwarteten Nutzungsdauer vieler Anlagen. Ein typischer Fehler ist, beim Weiterbetrieb nach zwanzig Jahren nur an Module und Wechselrichter zu denken und die Verkabelung samt Steckverbindern gar nicht zu prüfen. Dasselbe gilt beim Aufstocken: Wer Module ergänzt, sollte die vorhandene Strangleitung gegen den neuen Strom nachrechnen – siehe unseren Ratgeber zum Erweitern einer bestehenden Anlage.

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