§ 14a EnWG: Der Netzentgelt-Anspruch, den kaum ein Netzbetreiber erfüllt
Seit April 2025 hast du einen gesetzlichen Anspruch auf zeitvariable Netzentgelte nach § 14a EnWG – nur 14 von 169 Netzbetreibern erfüllen ihn. So prüfst du deinen Anspruch und was du tust, wenn er fehlt.

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Inhaltsverzeichnis · 10 Abschnitte
- 1.Was § 14a EnWG regelt – und warum deine PV-Anlage nicht gemeint ist
- 2.Die drei Module: Pauschale, Prozent-Rabatt oder Zeittarif
- 3.Modul 3 im Detail: So funktionieren zeitvariable Netzentgelte
- 4.Die Realität 2026: Nur 14 von 169 Netzbetreibern liefern
- 5.Die Bundesnetzagentur macht ernst: Zwangsgeld gegen Syna und Thüringer Energienetze
- 6.Was die Dimm-Pflicht seit 2024 für dich bedeutet
- 7.So prüfst du, ob dein Netzbetreiber Modul 3 anbietet
- 8.Was tun, wenn dein Netzbetreiber (noch) nicht liefert?
- 9.Für wen lohnt sich der Umstieg überhaupt?
- 10.Häufige Fragen
Was § 14a EnWG regelt – und warum deine PV-Anlage nicht gemeint ist
In mehr als 15 Jahren als Solarteur höre ich denselben Satz immer wieder: "Mein Netzbetreiber darf doch jetzt meine Solaranlage abregeln, oder?" Die Verwechslung ist verständlich, aber sie kostet Kunden regelmäßig unnötige Sorgen vor einem Beratungstermin. § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) regelt ausschließlich den Strombezug aus dem Netz – nicht die Einspeisung. Deine Photovoltaikanlage ist eine Erzeugungsanlage. Sie fällt damit nicht unter § 14a.
Relevant wird § 14a für dich als PV-Besitzer deshalb nur mittelbar: nämlich dann, wenn an deinem Hausanschluss zusätzlich eine Wärmepumpe, eine Wallbox oder ein Batteriespeicher hängt. Genau diese Kombination ist heute der Normalfall, nicht die Ausnahme – und genau deshalb lohnt sich der Blick auf das, was der Gesetzgeber dir im Gegenzug für die Steuerbarkeit verspricht: ein reduziertes Netzentgelt.
Der Gesetzestext selbst zählt die betroffenen Anlagen in § 14a Abs. 3 EnWG auf: Wärmepumpen, nicht öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektroautos, Anlagen zur Erzeugung von Kälte oder zur Speicherung elektrischer Energie sowie Nachtstromspeicherheizungen. Alles Weitere – die konkreten Module, Beträge und Fristen – hat die Bundesnetzagentur nicht im Gesetz selbst geregelt, sondern in einer eigenen Festlegung (Stand 2026).
Mehr Hintergrund zum Zusammenspiel von Wärmepumpe und Steuerbarkeit findest du in unserem Ratgeber PV mit Wärmepumpe kombinieren, Details zur Wallbox als steuerbare Verbrauchseinrichtung im Glossar-Eintrag Wallbox.
Die drei Module: Pauschale, Prozent-Rabatt oder Zeittarif
Als Gegenleistung für die netzorientierte Steuerung bietet dir dein Netzbetreiber ein reduziertes Netzentgelt an. Alle Beträge und Bedingungen in der folgenden Tabelle stehen so auf der Verbraucherseite der Bundesnetzagentur zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (Festlegung BK8-22/010-A, Stand 2026). Dabei stehen drei Module zur Wahl, die sich in Berechnung und Voraussetzungen deutlich unterscheiden.
Wichtig für die Praxis: Modul 3 lässt sich ausschließlich zusätzlich zu Modul 1 wählen, niemals allein und niemals kombiniert mit Modul 2.
| Modul | Was du bekommst | Voraussetzung | Kombinierbar mit |
|---|---|---|---|
| Modul 1 | Pauschale Netzentgeltreduzierung von 110 bis 190 € pro Jahr, je nach Netzgebiet (Stand 2023) | Keine – gilt automatisch als Grundmodul, wenn nichts anderes gewählt wird | Modul 3 |
| Modul 2 | Netzentgelt-Arbeitspreis in der Niederspannung sinkt auf 40 Prozent, kein Grundpreis auf dem separaten Zähler | Separater Zähler für die steuerbare Verbrauchseinrichtung nötig | Nicht mit Modul 3 |
| Modul 3 | Zeitvariables Netzentgelt: drei Preisstufen (HT/NT/ST), kalenderjährlich festgelegt, netzgebietsweit | Intelligentes Messsystem (Smart Meter) und Modul 1 | Nur mit Modul 1 |
| Kein Modul gewählt | Netzbetreiber rechnet automatisch mit Modul 1 ab | Keine Anmeldung erforderlich | Wechsel später möglich |
Modul 1 ist der bequeme Standardfall: Meldest du deine Wärmepumpe oder Wallbox als steuerbare Verbrauchseinrichtung an, ohne aktiv ein anderes Modul zu wählen, rechnet dein Netzbetreiber automatisch mit der Pauschale ab. Bei einem E-Auto mit rund 2.500 kWh Jahresverbrauch kann die Reduzierung nach Angaben der Bundesnetzagentur 50 bis 95 Prozent des zusätzlichen Netzentgelts ausmachen – die genaue Höhe hängt vom Netzgebiet ab. Ein Wechsel zwischen Modul 1 und 2 ist möglich, aber nicht rückwirkend.
Modul 3 im Detail: So funktionieren zeitvariable Netzentgelte
Modul 3 ist seit dem 1. April 2025 das eigentliche Pflichtangebot: Die Bundesnetzagentur verlangt von jedem Netzbetreiber, seinen Kundinnen und Kunden diesen Wechsel zu ermöglichen. Das Prinzip dahinter ist einfach. Der Netzbetreiber legt für sein gesamtes Netzgebiet mehrere Zeitfenster mit drei Preisstufen fest – Hochtarif (HT), Normaltarif (NT) und Schwachlasttarif (ST). In Zeiten, in denen das Netz kaum ausgelastet ist, zahlst du weniger Netzentgelt. In Zeiten mit hoher Auslastung – meist frühmorgens und abends – zahlst du mehr.
Wer besonders profitiert: Haushalte, die ihren Verbrauch verschieben können – vor allem beim nächtlichen Laden des E-Autos oder beim Takten der Wärmepumpe. Eine Auswertung des Berliner 1000-GW-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass Haushalte mit Elektroauto und Wärmepumpe durch zeitvariable Netzentgelte mehr als 600 € pro Jahr sparen könnten (ZFK, 29.05.2026) – vorausgesetzt, ihr Netzbetreiber setzt Modul 3 tatsächlich um. Genau daran hapert es, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Ehrlich gesagt: Modul 3 lohnt sich nicht für jeden. Wer seinen Verbrauch kaum verschieben kann – etwa weil das E-Auto tagsüber unterwegs ist und nur abends in der Hochtarifzeit lädt – zahlt unterm Strich womöglich sogar etwas mehr als mit der reinen Pauschale aus Modul 1. Vorsicht bei pauschalen Sparversprechen: Ohne ein Energiemanagementsystem, das Ladezeiten automatisch in die günstigen Fenster legt, bleibt das Sparpotenzial oft graue Theorie.
Wie du deinen Eigenverbrauch und deine Lastverschiebung überhaupt in den Griff bekommst, erklären wir ausführlich im Ratgeber Eigenverbrauch optimieren.
Die Realität 2026: Nur 14 von 169 Netzbetreibern liefern
Das 1000-GW-Institut in Berlin hat nachgezählt, wie weit der Ratgebertext von der Praxis entfernt ist. Mehr als ein Jahr nach dem gesetzlichen Stichtag im April 2025 hat Daniel Fürstenwerth vom Berliner 1000-GW-Institut ausgewertet, welche Erfahrungen zwei Anbieter dynamischer Stromtarife bis April 2026 mit Verteilnetzbetreibern gemacht haben.
Ergebnis: Nur bei 14 der 169 analysierten Verteilnetzbetreiber können Kunden heute in Modul 3 wechseln (pv magazine, 29.05.2026).
Nicht, weil die Kunden nicht wollen, sondern weil ihr Netzbetreiber eine gesetzliche Vorgabe nicht erfüllt, die seit anderthalb Jahren gilt.
Wie es bei den übrigen aussieht, gibt das Papier selbst wieder: Bei 155 der bewerteten Verteilnetzbetreiber war zum Zeitpunkt der Umfrage kein Wechsel möglich; davon lehnten drei die Umsetzung ausdrücklich ab, 111 reagierten gar nicht auf die Anfrage, bei 37 gab es eine Rückmeldung, aber keinen Wechsel. Diese drei Zahlen ergeben zusammen 151 und nicht 155. Die zitierte Passage löst die Differenz nicht auf, und die Auswertung selbst ist nicht öffentlich abrufbar. Ich gebe sie deshalb so wieder, wie sie zitiert ist, statt sie glattzurechnen.
| Aussage zur Umsetzung | Belegt durch | Wie belastbar ist das? |
|---|---|---|
| 14 von 169 Verteilnetzbetreibern ermöglichen den Wechsel in Modul 3 | pv magazine und ZFK, beide 29.05.2026, unter Berufung auf das 1000-GW-Institut | Zwei unabhängige Fachmedien, gleiche Zahl, gleiche Ursprungsquelle |
| Aufteilung der übrigen 155: 3 Absagen, 111 ohne Reaktion, 37 ohne Wechselmöglichkeit | Wörtlich zitierte Passage aus dem Papier bei pv magazine, 29.05.2026 | Zitat, aber rechnerisch nicht schlüssig – die Summe ergibt 151 |
| Namentliche Listen von Vorreitern und Nachzüglern unter den Netzbetreibern | Keine frei zugängliche Quelle | Nicht nachprüfbar: Die Auswertung ist nicht öffentlich, die ausführliche Berichterstattung steht hinter einer Bezahlschranke. Deshalb steht hier kein Name. |
| Über 600 € Ersparnis im Jahr bei Elektroauto plus Wärmepumpe | ZFK, 29.05.2026, Angabe des 1000-GW-Instituts | Rechenbeispiel des Instituts, keine gemessene Abrechnung |
Der Umkehrschluss des Instituts ist der eigentliche Punkt: Wenn 14 Netzbetreiber Modul 3 anbieten können, ist die Umsetzung grundsätzlich möglich – die übrigen scheitern also nicht an einer technischen Unmöglichkeit. Bis sich das flächendeckend ändert, bleibt vielen Haushalten nur die Selbstauskunft ihres eigenen Netzbetreibers und die Bereitschaft, hartnäckig nachzufragen.

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Die Bundesnetzagentur macht ernst: Zwangsgeld gegen Syna und Thüringer Energienetze
Am 28. Mai 2026 hat die Bundesnetzagentur zwei Netzbetreibern Zwangsgelder angedroht, weil sie die Vorgaben der Festlegung zu Netzentgelten für steuerbare Anschlüsse und Verbrauchseinrichtungen (NSAVER) "nicht oder nur unzureichend" umsetzen (Pressemitteilung der Bundesnetzagentur vom 28.05.2026).
In der Mitteilung selbst stehen keine Firmennamen. Benannt werden die beiden Unternehmen einen Tag später vom Fachmagazin pv magazine unter Berufung auf die Behörde: die Syna GmbH und die TEN Thüringer Energienetze GmbH & Co. KG (pv magazine, 29.05.2026). Es geht dabei um die Umsetzung von Modul 3, nicht um ein Fehlverhalten gegenüber einzelnen Kunden.
"Wir stellen fest, dass Unternehmen insbesondere das zeitvariable Netzentgelt nicht oder nur unzureichend umsetzen. Dies ist nicht mehr akzeptabel", sagte BNetzA-Präsident Klaus Müller. Die betroffenen Netzbetreiber erhalten bis zum 30. September 2026 Zeit, die Defizite zu beseitigen; andernfalls setzt die Behörde das Zwangsgeld fest.
Wie hoch es ausfallen kann, steht nicht in der Pressemitteilung, sondern im Gesetz: Nach § 94 EnWG beträgt ein Zwangsgeld der Regulierungsbehörde mindestens 1.000 Euro und höchstens zehn Millionen Euro. Die konkrete Höhe im Fall Syna und TEN ist öffentlich nicht bekannt – wir nennen deshalb den gesetzlichen Rahmen und keine Schätzung. Weitere Verfahren sollen laut derselben Mitteilung "sukzessive nach erfolgter Sachverhaltsaufklärung" folgen und werden bei der zuständigen Beschlusskammer veröffentlicht.
Am 24. Juni 2026 wurde BNetzA-Vizepräsidentin Barbie Haller im Gespräch mit der Fachzeitschrift ZFK noch deutlicher: "Wir sind sehr unzufrieden mit dem Status quo. Deshalb haben wir nun auch gegen zwei Verteilnetzbetreiber Verfahren eröffnet." Das solle auch für andere säumige Verteilnetzbetreiber eine Warnung sein: "Weitere Verfahren sind daher nicht ausgeschlossen. Modul 3 steht jetzt im Fokus." (ZFK, 24.06.2026)
Woran es in der Praxis hängt, lässt sich an der Sache selbst ablesen, ohne jemandem etwas zu unterstellen: Der Wechsel in Modul 3 ist kein Schalter am Zähler, sondern eine Kette von Nachrichten zwischen Lieferant und Netzbetreiber.
Der BDEW pflegt dafür eine eigene Anwendungshilfe zur Umsetzung von Modul 3, zuletzt in Version 1.2 vom 17. Juli 2026, und die Bundesnetzagentur empfiehlt inzwischen ausdrücklich, Modul 3 beim Lieferanten zu bestellen statt beim Netzbetreiber, weil die Marktkommunikation diesen Weg zügiger durchläuft. An deinem Anspruch ändert das nichts – er besteht unabhängig davon, wie nachvollziehbar die Verzögerung ist.
Was die Dimm-Pflicht seit 2024 für dich bedeutet
Neben der Netzentgeltreduzierung gehört zu § 14a noch eine zweite Seite der Medaille: Im Gegenzug darf dein Netzbetreiber deine steuerbare Verbrauchseinrichtung in einem echten Engpassfall drosseln. Seit dem 1. Januar 2024 gilt dafür eine Mindestleistung von 4.200 Watt (4,2 kW), die immer zur Verfügung stehen muss (Bundesnetzagentur, Verbraucherportal) – Wärmepumpen laufen weiter, E-Autos laden weiter, nur eben langsamer. Der reguläre Haushaltsstrom für Licht, Kühlschrank und Co. ist von der Steuerung gar nicht betroffen.
Ob und wie stark dich diese Regel überhaupt betrifft, hängt vom Alter deiner Anlage ab. Die folgende Tabelle fasst die Bestandsschutzregeln zusammen, wie sie die Bundesnetzagentur selbst erläutert:
| Anlagentyp | Inbetriebnahme | Bedingung | Unterliegt der Dimm-Pflicht? |
|---|---|---|---|
| Bestandsanlage | Vor dem 1.1.2024 | Mit bereits vereinbarter Steuerung | Ja, nach den alten Bedingungen bis zu einem freiwilligen Wechsel |
| Bestandsanlage | Vor dem 1.1.2024 | Ohne vereinbarte Steuerung | Nein – dauerhaft ausgenommen, freiwilliger Wechsel möglich |
| Neuanlage | Ab dem 1.1.2024 | Netzanschlussleistung über 4,2 kW | Ja, seit Inbetriebnahme |
| Neuanlage (klein) | Ab dem 1.1.2024 | Netzanschlussleistung unter 4,2 kW | Nein, grundsätzlich nicht erfasst |
| Nachtspeicherheizung | Unabhängig vom Datum | Bestehende Regelung gilt weiter | Erst ab dem 1.1.2029 verpflichtend, freiwilliger Wechsel vorher möglich |
Bei mehreren steuerbaren Verbrauchseinrichtungen hinter demselben Netzanschluss zählt die Art der Ansteuerung: Bei Direktansteuerung gilt die Mindestleistung von 4,2 kW (4.200 Watt) grundsätzlich pro Gerät. Nutzt du dagegen ein Energiemanagementsystem (EMS), ermittelt der Netzbetreiber die Mindestleistung gesamthaft über einen vorgegebenen Gleichzeitigkeitsfaktor – und du kannst selbst entscheiden, wie du die verfügbare Leistung auf deine Geräte verteilst.
Selbst erzeugter PV-Strom wird dabei nicht auf die Leistungsgrenze angerechnet, was ein EMS gerade in Kombination mit einer Solaranlage attraktiv macht. Mehr zur technischen Voraussetzung – dem intelligenten Messsystem – findest du in unserem Ratgeber Smart-Meter-Pflicht bei Photovoltaik (Stand 2026).
Eine Übergangsregel betrifft Netzbetreiber, deren Netz für die geplante, ereignisgesteuerte Drosselung noch nicht ausgelegt ist: Kommt der Netzbetreiber anhand seiner Netzplanungsdaten zu dem Ergebnis, dass eine Überlastung droht, darf er längstens 24 Monate ab der erstmaligen präventiven Steuerung bis zu zwei Stunden täglich auf die Mindestleistung von 4,2 kW reduzieren – auch das steht so bei der Bundesnetzagentur (Stand 2026).
Auch das betrifft ausschließlich den Netzbezug – deine PV-Einspeisung bleibt in jedem Fall unangetastet.
Ein Nachteil, den ich in Beratungsgesprächen öfter unterschätzt sehe: Tauschst du eine Bestandsanlage – etwa deine alte Wärmepumpe – gegen ein neues Modell, entfällt der Bestandsschutz automatisch, selbst wenn es dasselbe Modell ist. Mit der neuen Wärmepumpe fällst du dann in den vollen Anwendungsbereich der § 14a-Festlegung. Wer plant, in den kommenden 2 Jahren ohnehin zu modernisieren, sollte das bei der Entscheidung für oder gegen eine freiwillige Steuerungsvereinbarung mitdenken.
So prüfst du, ob dein Netzbetreiber Modul 3 anbietet
Verlass dich nicht auf eine allgemeine Aussage im Kundenportal deines Netzbetreibers – frag konkret nach dem Preisblatt. So gehst du in der Praxis vor:
Schritt 2: Preisblatt Modul 3 suchen. Such auf der Website deines Netzbetreibers gezielt nach "Preisblatt Netzentgelte" oder "zeitvariables Netzentgelt". Ein seriöses Angebot nennt konkrete Uhrzeiten für Hoch-, Normal- und Schwachlasttarif – nicht nur den Satz "Modul 3 ist möglich".
Schritt 3: Beim Lieferanten nachfragen. Die Bestellung von Modul 3 kann sowohl über den Netzbetreiber als auch über deinen Stromlieferanten laufen. In der Praxis läuft der Prozess über den Lieferanten oft schneller, weil dort bereits ein Vertragsverhältnis besteht. Probier es über beide Wege, wenn der erste ins Leere läuft.
Schritt 4: Was tun, wenn es fehlt? Bekommst du weder vom Netzbetreiber noch vom Lieferanten eine konkrete Auskunft, dokumentiere Datum und Inhalt deiner Anfrage schriftlich. Deine schriftliche Beanstandung ist dabei mehr als eine Notiz: Nach § 111a EnWG muss dir der Netzbetreiber innerhalb von vier Wochen ab Zugang antworten. Hilft er der Beschwerde nicht ab, muss er die Gründe in Textform darlegen und dich auf das Schlichtungsverfahren nach § 111b hinweisen – an dem er selbst teilnehmen muss. Nach diesen vier Wochen hast du also entweder eine begründete Antwort oder einen dokumentierten Pflichtverstoß, und die Bundesnetzagentur hat im Mai 2026 gezeigt, dass sie bei nachweisbarer Untätigkeit reagiert.
Was tun, wenn dein Netzbetreiber (noch) nicht liefert?
Die ernüchternde Antwort zuerst: Einen individuell einklagbaren Sofort-Anspruch mit fixem Umsetzungstermin gibt es für dich als einzelne Kundin oder einzelnen Kunden aktuell nicht – durchsetzen kann die Pflicht in erster Linie die Bundesnetzagentur selbst, über Aufsichtsverfahren wie gegen Syna und Thüringer Energienetze. Das heißt aber nicht, dass dir die Hände gebunden sind.
Modul 1 bekommst du in jedem Fall – es wird automatisch abgerechnet, sobald du deine Wärmepumpe, Wallbox oder deinen Speicher als steuerbare Verbrauchseinrichtung anmeldest, unabhängig davon, ob dein Netzbetreiber Modul 3 schon anbietet. Das ist der pragmatische erste Schritt, den fast jeder Haushalt ohne Hürden gehen kann. Zusätzlich lohnt sich der Blick auf Modul 2, sofern du bereit bist, einen separaten Zähler für deine Wärmepumpe zu installieren – hier bist du nicht auf Modul 3 angewiesen.
Was dieser zweite Zähler kostet, ist gedeckelt und wird in den meisten Ratgebern gar nicht genannt. Nach § 30 Absatz 1 Nummer 3 MsbG darf der Messstellenbetrieb an einem Zählpunkt mit § 14a-Vereinbarung insgesamt höchstens 130 Euro brutto im Jahr kosten – davon höchstens 50 Euro bei dir als Anschlussnutzer, die übrigen 80 Euro trägt der Anschlussnetzbetreiber.
Kommt eine Steuerungseinrichtung am Netzanschlusspunkt dazu, sind es nach Absatz 2 höchstens 50 Euro brutto im Jahr obendrauf. Diese 50 Euro sind die Zahl, die du gegen den Rabatt aus Modul 2 rechnen musst.
Wenn dein Netzbetreiber Modul 3 gar nicht anbietet, bleibt dir außerdem die Beschwerde beim Verbraucherservice der Bundesnetzagentur – nutzlos ist das nicht: Genau solche dokumentierten Fälle waren die Grundlage für die Verfahren gegen Syna und Thüringer Energienetze. Und falls dein Netzbetreiber Modul 3 zwar anbietet, aber die Preisstufen für dein Verbrauchsprofil unattraktiv sind, ist das kein Grund zur Sorge: Du bist zu keinem Wechsel verpflichtet. Modul 1 bleibt in jedem Fall bestehen, wenn du nichts weiter tust.

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Für wen lohnt sich der Umstieg überhaupt?
Nicht jeder Haushalt profitiert gleich stark von Modul 3 – selbst wenn der eigene Netzbetreiber es anbietet. Aus der Beratungspraxis heraus unterscheide ich drei typische Fälle:
Haushalt mit E-Auto und Wärmepumpe: Hier ist das Sparpotenzial laut der Auswertung des 1000-GW-Instituts am größten – über 600 € pro Jahr, wenn beide Verbraucher konsequent in die günstigen Zeitfenster verschoben werden. Voraussetzung ist eine Steuerung, die das auch automatisch erledigt, sonst bleibt die Zahl Theorie.
Ab wann Modul 2 die Pauschale aus Modul 1 schlägt, lässt sich aus drei benannten Zahlen selbst ausrechnen – diese Rechnung steht so in keinem Wettbewerbsartikel. Die BDEW-Strompreisanalyse beziffert die Netzentgelte 2026 auf 9,2 Cent je Kilowattstunde (Stand: 5. September 2026). Modul 2 lässt davon 40 Prozent stehen, spart also rund 5,5 Cent je Kilowattstunde am separaten Zähler.
Dagegen steht Modul 1 mit der Mitte der Bundesnetzagentur-Spanne, 150 Euro im Jahr, zuzüglich der bis zu 50 Euro brutto, die der zweite Zählpunkt dich nach § 30 MsbG kostet. Unsere Rechnung: 150 Euro plus 50 Euro, geteilt durch 5,5 Cent, ergibt eine Schwelle von rund 3.600 Kilowattstunden im Jahr an diesem Zähler. Darunter gewinnt die Pauschale, darüber der Arbeitspreis-Rabatt.
Das ist eine eigene Herleitung und keine Angabe eines Netzbetreibers. Ihr Nachteil sind drei Unschärfen, die wir lieber hinschreiben, als sie zu verschweigen: Die 9,2 Cent sind der Bundesdurchschnitt aller Netzentgeltbestandteile, nicht der Arbeitspreis-Anteil in deinem Netzgebiet. Die Modul-1-Spanne der Bundesnetzagentur trägt den Vermerk "Stand 2023". Und der Netzentgelt-Grundpreis, den Modul 2 am separaten Zähler erspart, ist nicht gegengerechnet – die echte Schwelle liegt also eher etwas niedriger. Wer es genau wissen will, nimmt das Preisblatt des eigenen Netzbetreibers.
Zur Einordnung: Die Bundesnetzagentur rechnet für ein E-Auto selbst mit rund 2.500 Kilowattstunden im Jahr – das liegt unter der Schwelle. Eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus liegt typischerweise darüber.
Haushalt mit Wärmepumpe, aber ohne E-Auto: Hier lohnt sich zusätzlich der Vergleich mit Modul 2, weil ein separater Wärmepumpenzähler ohnehin oft schon vorhanden ist. Modul 3 kann hier ergänzend interessant sein, wenn deine Wärmepumpe ohnehin in stromgünstigen Nachtstunden taktet.
Haushalt ohne steuerbare Verbrauchseinrichtung: Für reinen Haushaltsstrom – Licht, Kühlschrank, Herd – ändert sich durch § 14a nichts. Dieser Verbrauch wird nie gesteuert und profitiert auch nicht von den reduzierten Netzentgelten. Wer nur eine PV-Anlage ohne Wärmepumpe, Wallbox oder Speicher betreibt, hat mit dem gesamten Thema § 14a schlicht nichts zu tun.
In meinen Jahren als PV-Planer rate ich Kundinnen und Kunden inzwischen dazu, die Rechnung nüchtern zu machen: Ein EMS, das E-Auto und Wärmepumpe automatisch in Sonnenstunden UND günstige Netzentgelt-Fenster legt, bringt in der Regel mehr als die reine Modulwahl. Wie du deinen Eigenverbrauch technisch steuerst, erfährst du im Detail im Ratgeber Eigenverbrauch optimieren.
✅ Ihre Checkliste für: Für wen lohnt sich der Umstieg überhaupt?
Häufige Fragen
Betrifft § 14a EnWG auch meine Photovoltaikanlage? +
Was ist Modul 3 nach § 14a EnWG? +
Warum bieten so wenige Netzbetreiber Modul 3 tatsächlich an? +
Was passiert, wenn mein Netzbetreiber Modul 3 nicht anbietet? +
Muss ich befürchten, dass mein E-Auto nicht mehr laden kann? +
Gilt die Dimm-Pflicht auch für meine bestehende Wärmepumpe? +
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