PV im Winter: Wie viel Ertrag bleibt, und was Schnee wirklich ausmacht
Der Winter liefert nur einen Bruchteil des Sommerertrags – aber nicht wegen Schnee. Die eigene PVGIS-Rechnung, echte Schneetage und der Temperaturkoeffizient, der Kälte zum Vorteil macht.

Der geringe Winterertrag liegt vor allem an kurzen Tagen und tiefem Sonnenstand, Schnee spielt eine kleinere Rolle. · KI-generierte Illustration
Inhaltsverzeichnis · 16 Abschnitte
- 1.PV im Winter: Wie viel Ertrag wirklich bleibt
- 2.Warum der Winter so wenig liefert: kurze Tage, flacher Sonnenstand
- 3.Schnee auf der Anlage: Wie oft er wirklich vorkommt
- 4.Was Schnee den Jahresertrag tatsächlich kostet
- 5.Wie viel Ertrag der Winter wirklich liefert: Modell gegen Messung
- 6.Was Schnee im Winterhalbjahr kostet: die einzige mehrjährige Messreihe
- 7.Kälte schadet den Modulen nicht – im Gegenteil
- 8.Schnee vom Dach entfernen: Warum du das lieber lässt
- 9.Schneelast und Statik: Wann es kein Ertragsthema mehr ist
- 10.Neigungswinkel: Der stille Hebel für mehr Winterertrag
- 11.Ost-West oder Süd: Was im Winter wirklich zählt
- 12.Lohnt sich ein größerer Speicher für den Winter?
- 13.Reinigung im Winter: Was zusätzlich zu Schnee eine Rolle spielt
- 14.Checkliste: So behältst du deine Anlage im Winter im Blick
- 15.Häufige Fragen
- 16.Quellen
Im Dezember liefert eine Photovoltaikanlage in Deutschland nur einen kleinen Bruchteil dessen, was sie im Juni erzeugt – das weiß inzwischen fast jeder Betreiber. Trotzdem halten sich zwei Irrtümer hartnäckig: Schnee sei das eigentliche Winterproblem, und Kälte schade den Modulen. Beides stimmt nicht, und beides lässt sich mit echten Zahlen widerlegen.
Dieser Artikel rechnet mit einer eigenen PVGIS-Berechnung für Berlin vor, wie sich der Jahresertrag über die Monate verteilt, wie viele Tage eine Anlage in Deutschland tatsächlich unter Schnee liegt, und was der Temperaturkoeffizient von Solarmodulen mit kalten, sonnigen Wintertagen macht. Dazu die Sicherheitsfrage beim Schneeräumen, die Schneelast als Statikthema und drei Stellschrauben, die im Winter wirklich etwas bringen. Stand der Zahlen: 05.09.2026.
PV im Winter: Wie viel Ertrag wirklich bleibt
Für eine eigene Vergleichsrechnung habe ich das PVGIS-Tool der EU-Kommission (Joint Research Centre) für den Standort Berlin genutzt: 52,52° Nord, 13,41° Ost, Strahlungsdatenbank PVGIS-SARAH2, Wetterjahre 2005 bis 2020, Systemverluste 14 Prozent, Südausrichtung, 35 Grad Neigung – dieselben Parameter, mit denen unser Ratgeber zur Ost-West-Ausrichtung bereits gerechnet hat, damit die Werte vergleichbar bleiben.
Ergebnis: 1.055,7 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak im Jahr. Davon entfallen auf die drei kältesten Monate Dezember, Januar und Februar zusammen nur 117,6 Kilowattstunden – 11,1 Prozent des Jahresertrags. Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung über alle zwölf Monate.
| Monat | Ertrag in kWh/kWp | Anteil am Jahresertrag |
|---|---|---|
| Januar | 33,2 | 3,1 % |
| Februar | 55,5 | 5,3 % |
| März | 88,2 | 8,4 % |
| April | 124,7 | 11,8 % |
| Mai | 130,3 | 12,3 % |
| Juni | 131,9 | 12,5 % |
| Juli | 129,4 | 12,3 % |
| August | 122,4 | 11,6 % |
| September | 102,6 | 9,7 % |
| Oktober | 69,7 | 6,6 % |
| November | 38,8 | 3,7 % |
| Dezember | 29,0 | 2,7 % |
Eigene Berechnung mit PVGIS (re.jrc.ec.europa.eu), Standort Berlin, PVGIS-SARAH2, Wetterjahre 2005-2020, 1 kWp, Südausrichtung, 35 Grad Neigung, Systemverluste 14 %. Abruf 05.09.2026.
Der häufigste Fehler bei der Interpretation dieser Zahlen: Sie werden mit dem Jahresdurchschnitt verglichen statt mit den anderen Wintermonaten. Elf Prozent Winteranteil klingen wenig – sind aber, gemessen an der kurzen Zeitspanne von drei Monaten, keine Ausnahme, sondern die physikalische Normalität in unseren Breiten.

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Warum der Winter so wenig liefert: kurze Tage, flacher Sonnenstand
Die eigene PVGIS-Rechnung zeigt den Unterschied auf Tagesbasis noch deutlicher: Ein Dezembertag erzeugt im Mittel 0,93 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak, ein Julitag 4,18 – der Sommertag liefert also im Schnitt das 4,5-Fache. Zwei Ursachen verstärken sich dabei gegenseitig.
Erstens die Tageslänge: Im Dezember liegt der Zeitraum zwischen Sonnenaufgang und -untergang in Berlin bei rund acht Stunden, im Juni bei rund 16,5 Stunden – doppelt so lang. Zweitens der Sonnenstand: Im Winter erreicht die Sonne nur einen flachen Winkel über dem Horizont, wodurch dieselbe Strahlungsmenge auf eine größere Modulfläche verteilt wird und pro Quadratmeter weniger Energie ankommt.
Wie stark sich das im Vergleich zu einem wirklich guten Tag auswirkt, hat eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme beziffert: Der Stromertrag an einem Dezember- oder Januartag erreicht oft nur ein Achtel bis ein Zehntel des Ertrags eines sonnigen Julitags. Das ist eine andere Vergleichsbasis als der obige Monatsdurchschnitt – ein sonniger Julitag liegt über dem Julimittel –, bestätigt aber dieselbe Größenordnung.
Schnee auf der Anlage: Wie oft er wirklich vorkommt
Der erste Irrtum lässt sich mit Zahlen des Deutschen Wetterdienstes einordnen. Nach einer DWD-Analyse vom Februar 2026 ist die Zahl der Schneedeckentage (Tage mit mindestens einem Zentimeter Schnee), gemittelt über Deutschland, in den vergangenen 70 Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.
Selbst in einem ausgesprochen schneereichen Winter bleibt die Zahl im Flachland überschaubar. Der DWD-Rückblick auf den Winter 2025/26 – nach eigener Einordnung des DWD der schneereichste Winter seit 2010 beziehungsweise 2012 in Teilen Norddeutschlands – zählte in Berlin rund 30 Schneedeckentage, in Hamburg rund 40, in Brandenburg 20 bis 40. Das bei einem Winterquartal von rund 90 Tagen.
In den milderen west- und südwestdeutschen Bundesländern nennt derselbe Bericht für das Flachland gar keine Schneedeckentage – dort blieb der Boden in diesem ungewöhnlich schneereichen Winter weitgehend frei.
Für eine PV-Anlage bedeutet das: Selbst im schneereichsten Winter seit anderthalb Jahrzehnten lag an weniger als der Hälfte der Wintertage überhaupt eine geschlossene Schneedecke – und ein Schneedeckentag heißt nicht automatisch, dass die Module ganztägig komplett bedeckt waren. In einem durchschnittlichen Winter, gemessen am 70-Jahres-Rückgang, ist die Zahl eher niedriger.
Was Schnee den Jahresertrag tatsächlich kostet
Die geringe Zahl an Schneedeckentagen trifft dazu auf ohnehin geringe Winterertragswerte – das verstärkt den Effekt weiter. Nach der Einordnung von Photovoltaik.info entfallen auf die Wintermonate ohnehin nur etwa 10 bis 15 Prozent des Jahresertrags – das deckt sich mit den 11,1 Prozent aus der eigenen PVGIS-Rechnung oben. Der Ertragsausfall durch einige schneebedeckte Tage macht nach derselben Einordnung meist weniger als 1 bis 2 Prozent der gesamten Jahresproduktion aus.
Der Grund dafür ist auch der Selbstreinigungseffekt der Module: Die dunkle Glasoberfläche erwärmt sich bereits bei schwacher Einstrahlung, unter der Schneedecke bildet sich ein Wasserfilm, und bei den in Deutschland üblichen Dachneigungen ab etwa 20 Grad rutscht die Schneeschicht meist von selbst ab, statt liegen zu bleiben. Wie das Gewicht des Schnees dabei mit anderen Lasten zusammenwirkt, behandelt der Abschnitt zur Statik weiter unten.
Wie viel Ertrag der Winter wirklich liefert: Modell gegen Messung
Die 11,1 Prozent aus der PVGIS-Rechnung weiter oben sind ein Modellwert. Dahinter steht ein Langzeitmittel der Einstrahlung, ein einziger Standort und eine unverschattete Fläche in Südausrichtung mit 35 Grad Neigung. Ob dieser Wert die Wirklichkeit trifft, lässt sich gegenprüfen: Die Bundesnetzagentur veröffentlicht auf ihrer Plattform SMARD die realisierte Erzeugung aller deutschen Photovoltaikanlagen als Monatswerte. Der eigene Direktabruf am 6. September 2026 (Filter „Photovoltaik", Marktgebiet Deutschland) ergibt für die drei zuletzt vollständigen Kalenderjahre:
| Jahr | Jahreserzeugung | Dezember + Januar + Februar | Winteranteil |
|---|---|---|---|
| 2023 | 55,54 TWh | 3,89 TWh | 7,0 % |
| 2024 | 63,15 TWh | 4,71 TWh | 7,5 % |
| 2025 | 73,78 TWh | 6,16 TWh | 8,3 % |
Die gemessenen Werte liegen durchgehend unter dem Modellwert. Für 2025 sind es 8,3 gegen 11,1 Prozent – ein Abstand von 2,8 Prozentpunkten, das Modell liegt also rund ein Drittel höher als die Messung. Die 10 bis 15 Prozent, die Photovoltaik.info als Faustzahl nennt, liegen über beidem.
Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Bezugsgröße – und genau daran scheitern die meisten Vergleiche solcher Zahlen. PVGIS rechnet einen Idealfall: eine Fläche, eine Ausrichtung, kein Schnee, keine Verschattung, keine Abregelung, gemittelt über anderthalb Jahrzehnte Wetter. SMARD misst, was tatsächlich ins Netz geflossen ist – aus Ost-West-Dächern, aus flach aufgeständerten Flachdächern, aus Freiflächenanlagen, mit Schnee, mit Bäumen davor und mit abgeregelten Stunden. Der Modellwert ist damit die Obergrenze dessen, was der Winter beitragen kann, der Messwert die realistischere Untergrenze für einen durchschnittlichen Bestand.
Ein zweiter Punkt gehört zur Ehrlichkeit dazu: Der gemessene Anteil steigt über die drei Jahre von 7,0 auf 8,3 Prozent. Das ist kein Wettertrend. Der Anlagenbestand wächst unterjährig weiter, und Kapazität, die im Laufe eines Jahres neu ans Netz geht, verschiebt das Verhältnis zwischen Januar und Dezember desselben Kalenderjahres. Die beiden Effekte laufen gegenläufig und heben sich teilweise auf, aber eben nicht exakt. Wer eine einzelne Dachanlage plant, sollte deshalb keinen der drei Jahreswerte als Prognose verwenden, sondern die Spanne: Zwischen 7 und 11 Prozent des Jahresertrags fallen in Dezember, Januar und Februar – näher an 7 als an 11, wenn das Dach nicht ideal nach Süden zeigt.
Was Schnee im Winterhalbjahr kostet: die einzige mehrjährige Messreihe
Die Entwarnung oben – Schnee kostet meist weniger als 1 bis 2 Prozent der Jahresproduktion – stammt aus einer Einordnung von Photovoltaik.info, hinter der keine benannte Messreihe steht. Eine solche Messreihe gibt es, aber sie steht nicht in Deutschland: Die ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) betreibt seit 2017 gemeinsam mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich die Versuchsanlage Totalp im Skigebiet Davos-Parsenn, auf 2.500 Metern über Meer, mit sechs Segmenten in verschiedenen Neigungswinkeln.
In der Medienmitteilung vom 8. Oktober 2024 fasst die ZHAW sechs Jahre Messung zusammen: Bei bifazialen Modulen mit mindestens 60 Grad Neigung lagen die durchschnittlichen Ertragsverluste durch Schneebedeckung im Winterhalbjahr bei weniger als 3 Prozent des theoretischen Ertrags. Bei senkrecht stehenden Modulen mit 90 Grad Neigung lagen sie stets unter 1 Prozent. Bezugszeitraum ist der 1. April 2018 bis 31. März 2024, Bezugsgröße der theoretische DC-Saisonertrag ohne Schneeverlust.
Diese 3 Prozent und die 1 bis 2 Prozent von Photovoltaik.info messen nicht dasselbe. Die ZHAW-Zahl bezieht sich auf das Winterhalbjahr, die Faustzahl auf das ganze Jahr. Eine grobe eigene Umrechnung zeigt, dass der Abstand dabei kleiner wird, nicht größer: Nach denselben SMARD-Werten entfielen 2025 auf die sechs Monate Oktober bis März 18,92 von 73,78 TWh, also 25,6 Prozent der Jahreserzeugung.
Verliert man in diesem Zeitraum 3 Prozent, sind das rund 0,8 Prozent des Jahresertrags – die alpine Messung liegt damit sogar unter der deutschen Faustzahl. Diese Umrechnung überträgt allerdings eine schweizerische Hochgebirgsmessung auf die deutsche Jahresverteilung; sie ist ein Größenordnungsvergleich, keine Messung.
Und hier endet, was sich belegen lässt: Eine mehrjährige Messreihe zu Schneeverlusten auf deutschen Dachanlagen war in dieser Recherche nicht auffindbar. Was kursiert, sind Faustzahlen ohne Messgrundlage. Wer eine belastbare Zahl für das eigene Dach will, bekommt sie am ehesten aus dem eigenen Monitoring über zwei bis drei Winter – der Abschnitt zum Neigungswinkel weiter unten zeigt, welcher Hebel dabei überhaupt zur Verfügung steht.
Kälte schadet den Modulen nicht – im Gegenteil
Der zweite Irrtum dreht die Wirkung sogar um. Solarmodule werden unter Standard-Testbedingungen bei exakt 25 Grad Celsius Zelltemperatur geprüft. Auf dem Dach werden sie an heißen Sommertagen aber 60 bis 70 Grad warm – und genau das drückt die Leistung, wie der sogenannte Temperaturkoeffizient beschreibt.
Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) beziffert den typischen Temperaturkoeffizienten kristalliner Silizium-Solarzellen auf minus 0,35 bis minus 0,40 Prozent je Grad Celsius über 25 Grad.
Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar: Ein 400-Watt-Modul mit einem Koeffizienten von minus 0,40 Prozent je Grad, das an einem heißen Sommertag 65 Grad erreicht, verliert 40 Grad mal 0,40 Prozent, also 16 Prozent Leistung – und liefert nur noch 336 statt 400 Watt.
Im Winter kehrt sich dieser Effekt um. An einem kalten, klaren Wintertag kann die Modultemperatur unter die 25-Grad-Referenz fallen. Ein Modul erzeugt dann kurzzeitig sogar mehr als seine Nennleistung – die Kälte selbst ist also kein Nachteil, sondern ein kleiner Bonus. Dass der Gesamtertrag trotzdem gering bleibt, liegt an der kurzen Sonnenscheindauer und dem flachen Winkel aus dem vorigen Abschnitt, nicht an der Temperatur.
| Situation | Modultemperatur | Effekt auf die Leistung |
|---|---|---|
| Heißer Sommertag | ca. 65 °C | rund −16 % bei −0,40 %/°C |
| Standard-Testbedingung (STC) | 25 °C | 0 % (Referenzpunkt) |
| Klarer, kalter Wintertag | unter 25 °C möglich | leicht positiv, kurzzeitig über Nennleistung |
Eigene Beispielrechnung auf Basis des Fraunhofer-ISE-Temperaturkoeffizienten (−0,35 bis −0,40 %/°C für kristallines Silizium), zitiert nach Photovoltaik.info. Abruf 05.09.2026.
Schnee vom Dach entfernen: Warum du das lieber lässt
Aus den Zahlen der letzten beiden Abschnitte ergibt sich eine klare Handlungsempfehlung, und sie deckt sich mit dem, was Fachleute raten: Das Betreten eines schneebedeckten oder vereisten Schrägdachs ist lebensgefährlich, und der mögliche Ertragsgewinn ist gering.
Photovoltaik.info verweist dazu auf ausdrückliche Warnungen von TÜV Rheinland und Verbraucherzentralen: Die Rutschgefahr auf einem schnee- oder eisbedeckten Dach werde regelmäßig unterschätzt, und die persönliche Sicherheit habe in jedem Fall Vorrang vor dem Ertrag.
Erfahrungsgemäß entstehen die meisten Winterschäden an PV-Anlagen nicht durch den Schnee selbst, sondern durch gut gemeinte, aber falsche Räumungsversuche mit hartem Werkzeug – Kratzer im Glas und Mikrorisse mindern den Ertrag dauerhaft und sind meistens kein Garantiefall.
Zwei unabhängige Quellen nennen für den Selbstreinigungseffekt einen ähnlichen Schwellenwert: agrarheute nennt eine Dachneigung von mehr als 30, besser 40 Grad, ab der Schnee wahrscheinlich von selbst abrutscht.
Solarconsult nennt denselben Bereich von 30 bis 40 Grad und rät zusätzlich, statt körperlicher Arbeit das Monitoring der Anlage aus der Ferne zu kontrollieren.
1. Prüfe aus sicherer Entfernung vom Boden aus, ob die Module vollflächig oder nur teilweise bedeckt sind. 2. Schau in der App nach, ob die Anlage seit dem Schneefall komplett auf null gefallen ist oder noch Teilertrag liefert. 3. Warte bei normalem Winterwetter 1 bis 3 Tage ab – der Selbstreinigungseffekt setzt bei Tauwetter oder Sonne meist von selbst ein. 4. Ziehe einen Fachbetrieb hinzu, wenn die Schneedecke wochenlang liegen bleibt oder die Statik betroffen sein könnte (siehe nächster Abschnitt) – nicht, um selbst aufs Dach zu steigen.

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Schneelast und Statik: Wann es kein Ertragsthema mehr ist
In den allermeisten Wintern bleibt Schnee ein Ertragsthema im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Es gibt aber einen Punkt, an dem sich die Fragestellung komplett ändert: Wenn sich über Wochen große Schneemengen auftürmen, wird aus der Ertragsfrage eine Statikfrage – und die beantwortet man nicht über den Jahresertrag, sondern über die zulässige Last auf Dach und Unterkonstruktion.
Ein typischer Richtwert aus dem Modul-Datenblatt: Zertifizierte Solarmodule halten laut Photovoltaik.info eine Druckbelastbarkeit von rund 5.400 Pascal aus, das entspricht etwa 550 Kilogramm je Quadratmeter. Das Modul selbst hält also viel aus – kritisch wird es eher bei der Kombination aus Eigengewicht der Unterkonstruktion, zusätzlichem Ballast und Schneelast, vor allem auf Flachdächern mit geringer statischer Reserve.
Wie sich Modulgewicht, Unterkonstruktion und Ballast dabei genau addieren und ab wann ein Statiker eingeschaltet werden muss, haben wir bereits ausführlich in unserem Ratgeber zu Aufständerung und Ballast auf dem Flachdach durchgerechnet – das wiederholen wir hier nicht, sondern verweisen bewusst darauf, um dieselbe Rechnung nicht zweimal mit leicht abweichenden Zahlen zu führen.
Neigungswinkel: Der stille Hebel für mehr Winterertrag
Wer die Anlage neu plant, kann den Winteranteil aktiv beeinflussen – über die Dachneigung. Eine eigene PVGIS-Rechnung für dieselbe Südausrichtung, aber mit 60 statt 35 Grad Neigung, zeigt den Effekt: Der Dezemberertrag steigt von 29,0 auf 34,9 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak, ein Plus von rund 20,6 Prozent, der Januarertrag von 33,2 auf 38,9 Kilowattstunden, ein Plus von rund 17,2 Prozent.
Über das ganze Winterquartal gerechnet steigt der Anteil am Jahresertrag von 11,1 auf 13,4 Prozent. Der Grund: Bei flachem Sonnenstand trifft ein steil aufgestelltes Modul die Sonnenstrahlen direkter, während ein flach liegendes Modul im Sommer bei hohem Sonnenstand im Vorteil ist.
In der Praxis lässt sich der Winkel bei einem bestehenden Schrägdach kaum noch ändern. Relevant wird die Überlegung vor allem bei Aufständerungen auf Flachdächern oder Garagen, wo die Neigung frei gewählt werden kann – dort lohnt sich ein bewusster Blick auf die eigene Prioritätensetzung zwischen Jahresertrag und Winterertrag.
Ost-West oder Süd: Was im Winter wirklich zählt
Unser Ratgeber zur Ost-West-Ausrichtung rechnet vor, dass eine Ost-West-Anlage übers Jahr rund 22 Prozent weniger Ertrag bringt als ein Süddach gleicher Neigung. Für den Winteranteil speziell zeigt dieselbe PVGIS-Rechnung ein noch deutlicheres Bild: Die Ost-West-Anlage kommt im Winterquartal nur auf 60,7 von 824,9 Kilowattstunden, also 7,4 Prozent ihres Jahresertrags – gegenüber 11,1 Prozent beim Süddach.
Der Grund liegt im kurzen Wintertag: Ost- und Westflächen profitieren vor allem von der Sonne am frühen Morgen und späten Abend, doch genau diese Tagesrandzeiten fehlen im Winter fast komplett, wenn die Sonne erst spät auf- und früh untergeht. Eine Ost-West-Anlage verliert im Winter also relativ mehr als im Jahresdurchschnitt, nicht weniger.
| Konfiguration | Jahresertrag kWh/kWp | Winterertrag (Dez-Feb) kWh/kWp | Winteranteil |
|---|---|---|---|
| Süd, 35° | 1.055,7 | 117,6 | 11,1 % |
| Süd, 60° (steil) | 1.011,2 | 135,3 | 13,4 % |
| Ost-West, 35° (kombiniert) | 824,9 | 60,7 | 7,4 % |
Eigene Berechnung mit PVGIS, Standort Berlin, PVGIS-SARAH2, Wetterjahre 2005-2020, 1 kWp, Systemverluste 14 %. Abruf 05.09.2026.
Lohnt sich ein größerer Speicher für den Winter?
Die naheliegende Idee: ein größerer Speicher soll die schwachen Wintermonate abfedern. Die eigene Rechnung zeigt, warum das meist nicht funktioniert. Bei 0,93 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak an einem durchschnittlichen Dezembertag erzeugt selbst eine 8-kWp-Anlage im Mittel nur rund 7,4 Kilowattstunden – an vielen trüben Tagen deutlich weniger. Das reicht kaum, um den laufenden Haushaltsverbrauch tagsüber zu decken, geschweige denn, einen großen Speicher zu füllen.
Unser Ratgeber zur Speichergröße bringt den Punkt auf den Kern: Ein Speicher gleicht Tag-Nacht-Schwankungen aus, nicht Winter-Sommer-Schwankungen. Ein überdimensionierter Speicher wird im Winterhalbjahr praktisch nie voll geladen, weil dafür schlicht der Solarüberschuss fehlt – die zusätzliche Kapazität bleibt ungenutzt im Keller stehen, während sie im Sommer möglicherweise sogar zu klein bemessen war.
Ehrlich bleibt der Kritikpunkt an der Gegenrichtung: Ein zu kleiner Speicher hilft im Winter zwar nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein großer – der begrenzende Faktor ist die PV-Erzeugung, nicht die Speicherkapazität. Wer im Winter überhaupt spürbar mehr Eigenstrom nutzen will, kommt an mehr Modulfläche oder einer anderen Ausrichtung nicht vorbei, nicht an mehr Speicher.
Reinigung im Winter: Was zusätzlich zu Schnee eine Rolle spielt
Neben Schnee sammelt sich im Winter auch anderer Schmutz an, etwa durch Streusalz-Gischt an stark befahrenen Straßen oder durch nasses Laub, das an milden Tagen liegen bleibt. Wie stark Verschmutzung den Jahresertrag insgesamt beeinflusst und wann sich eine professionelle Reinigung überhaupt lohnt, haben wir in unserem Ratgeber zu PV-Reinigung und Wartung eingeordnet – dort auch mit dem Hinweis, dass viele beworbene Ertragsverluste von Reinigungsdienstleistern selbst stammen und entsprechend optimistisch klingen.
Für die reine Winterfrage bleibt der wichtigste Praxishinweis: Kontrolliere regelmäßig dein Monitoring, aber greife nicht bei jedem Ertragseinbruch sofort zu Eimer und Bürste. Ein häufigster Fehler im Winter ist, jede Ertragsdelle auf Verschmutzung zurückzuführen, obwohl in den meisten Fällen schlicht die Tageslänge oder eine geschlossene Wolkendecke die Ursache ist.
Wie klein das Lichtangebot im Winter ist, lässt sich beziffern — und zwar an einem überdurchschnittlich sonnigen Winter. Im Winter 2025/2026 schien die Sonne in Deutschland rund 180 Stunden in drei Monaten. Das lag 18 Prozent über dem Soll der Referenzperiode 1961–1990 (153 Stunden) und noch 6 Prozent über dem Mittel 1991–2020 (170 Stunden), getragen vom zweitsonnigsten Dezember seit 1951.
Das ist die Größenordnung, gegen die dein Winterertrag anläuft: Selbst ein Winter, der in der Statistik als ausgesprochen sonnig geführt wird, liefert in drei Monaten nur diese 180 Stunden. Eine Ertragsdelle im Dezember gegen Verschmutzung zu verrechnen, heißt deshalb fast immer, die falsche Ursache zu bearbeiten.
Regional geht das weit auseinander — im selben Winter meldete der DWD an den Alpen stellenweise über 300 Stunden, in Bremen 140 Stunden. Wenn du deinen Winterertrag einordnen willst, ist der Vergleichswert also der deines Bundeslands, nicht der Bundesschnitt. Beleg: DWD-Pressemitteilung „Deutschlandwetter im Winter 2025/2026“, Offenbach, 27.02.2026, abgerufen am 5. September 2026.

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Checkliste: So behältst du deine Anlage im Winter im Blick
Die folgenden Punkte fassen zusammen, was du im Winter selbst prüfen kannst, ohne aufs Dach zu steigen.
✅ Ihre Checkliste für: Checkliste: So behältst du deine Anlage im Winter im Blick
Häufige Fragen
Wie viel Prozent des Jahresertrags liefert eine PV-Anlage im Winter? +
Wie viele Tage im Jahr liegt in Deutschland wirklich Schnee auf einer PV-Anlage? +
Wie stark senkt Schnee den Jahresertrag tatsächlich? +
Stimmt es, dass Kälte die Leistung von Solarmodulen verbessert? +
Sollte ich Schnee selbst von meiner PV-Anlage entfernen? +
Ab wann wird Schnee auf der PV-Anlage zu einem Statikproblem? +
Lohnt sich ein größerer Speicher, um den Winter besser zu überbrücken? +
Quellen
Alle Angaben stammen aus dem Direktabruf der folgenden Quellen sowie aus einer eigenen Berechnung mit dem PVGIS-Tool der EU-Kommission, Stand 2026, Abruf 05.09.2026: PVGIS der EU-Kommission (Joint Research Centre); Deutscher Wetterdienst, Thema des Tages vom 24.02.2026 und DWD-Pressemitteilung „Deutschlandwetter im Winter 2025/2026" vom 27.02.2026; Photovoltaik.info zur Schneeräumung und Photovoltaik.info zum Temperaturkoeffizienten (beide zitieren Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme); agrarheute zur Schneeräumung; Solarconsult zu Schnee auf der Solaranlage; SMARD der Bundesnetzagentur (realisierte Erzeugung Photovoltaik, Monatswerte, Direktabruf 06.09.2026) und die ZHAW-Medienmitteilung vom 08.10.2024 zur Versuchsanlage Davos-Totalp. Dieser Artikel ersetzt keine technische Beratung durch einen Fachbetrieb vor Ort.


