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PV im Winter: Wie viel Ertrag bleibt, und was Schnee wirklich ausmacht

Der Winter liefert nur einen Bruchteil des Sommerertrags – aber nicht wegen Schnee. Die eigene PVGIS-Rechnung, echte Schneetage und der Temperaturkoeffizient, der Kälte zum Vorteil macht.

⏱️ 12 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 05. September 2026
Balkendiagramm der monatlichen PV-Ertragsverteilung in Berlin bei Suedausrichtung und 35 Grad Neigung: Dezember 29 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak entsprechend 2,7 Prozent des Jahresertrags, Januar 33,2 kWh/kWp entsprechend 3,1 Prozent, Februar 55,5 kWh/kWp entsprechend 5,3 Prozent, gegenueber Junispitze 131,9 kWh/kWp entsprechend 12,5 Prozent; Jahressumme 1.055,7 kWh/kWp.

Foto: Eigene Grafik nach PVGIS (EU-Kommission), Direktabruf 05.09.2026

Im Dezember liefert eine Photovoltaikanlage in Deutschland nur einen kleinen Bruchteil dessen, was sie im Juni erzeugt – das weiß inzwischen fast jeder Betreiber. Trotzdem halten sich zwei Irrtümer hartnäckig: Schnee sei das eigentliche Winterproblem, und Kälte schade den Modulen. Beides stimmt nicht, und beides lässt sich mit echten Zahlen widerlegen.

Dieser Artikel rechnet mit einer eigenen PVGIS-Berechnung für Berlin vor, wie sich der Jahresertrag über die Monate verteilt, wie viele Tage eine Anlage in Deutschland tatsächlich unter Schnee liegt, und was der Temperaturkoeffizient von Solarmodulen mit kalten, sonnigen Wintertagen macht. Dazu die Sicherheitsfrage beim Schneeräumen, die Schneelast als Statikthema und drei Stellschrauben, die im Winter wirklich etwas bringen. Stand der Zahlen: 05.09.2026.

PV im Winter: Wie viel Ertrag wirklich bleibt

Für eine eigene Vergleichsrechnung habe ich das PVGIS-Tool der EU-Kommission (Joint Research Centre) für den Standort Berlin genutzt: 52,52° Nord, 13,41° Ost, Strahlungsdatenbank PVGIS-SARAH2, Wetterjahre 2005 bis 2020, Systemverluste 14 Prozent, Südausrichtung, 35 Grad Neigung – dieselben Parameter, mit denen unser Ratgeber zur Ost-West-Ausrichtung bereits gerechnet hat, damit die Werte vergleichbar bleiben.

Ergebnis: 1.055,7 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak im Jahr. Davon entfallen auf die drei kältesten Monate Dezember, Januar und Februar zusammen nur 117,6 Kilowattstunden – 11,1 Prozent des Jahresertrags. Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung über alle zwölf Monate.

MonatErtrag in kWh/kWpAnteil am Jahresertrag
Januar33,23,1 %
Februar55,55,3 %
März88,28,4 %
April124,711,8 %
Mai130,312,3 %
Juni131,912,5 %
Juli129,412,3 %
August122,411,6 %
September102,69,7 %
Oktober69,76,6 %
November38,83,7 %
Dezember29,02,7 %

Eigene Berechnung mit PVGIS (re.jrc.ec.europa.eu), Standort Berlin, PVGIS-SARAH2, Wetterjahre 2005-2020, 1 kWp, Südausrichtung, 35 Grad Neigung, Systemverluste 14 %. Abruf 05.09.2026.

💡 Rechne mit deinem eigenen Standort. PVGIS ist kostenlos und braucht nur Adresse, Neigung und Ausrichtung. Prüfe deinen eigenen Standort, denn zwischen Küste und Alpenrand liegen mehrere Prozentpunkte Unterschied – und wer weiter südlich wohnt, bekommt im Dezember spürbar mehr als die Berlin-Werte oben.

Der häufigste Fehler bei der Interpretation dieser Zahlen: Sie werden mit dem Jahresdurchschnitt verglichen statt mit den anderen Wintermonaten. Elf Prozent Winteranteil klingen wenig – sind aber, gemessen an der kurzen Zeitspanne von drei Monaten, keine Ausnahme, sondern die physikalische Normalität in unseren Breiten.

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Warum der Winter so wenig liefert: kurze Tage, flacher Sonnenstand

Die eigene PVGIS-Rechnung zeigt den Unterschied auf Tagesbasis noch deutlicher: Ein Dezembertag erzeugt im Mittel 0,93 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak, ein Julitag 4,18 – der Sommertag liefert also im Schnitt das 4,5-Fache. Zwei Ursachen verstärken sich dabei gegenseitig.

Erstens die Tageslänge: Im Dezember liegt der Zeitraum zwischen Sonnenaufgang und -untergang in Berlin bei rund acht Stunden, im Juni bei rund 16,5 Stunden – doppelt so lang. Zweitens der Sonnenstand: Im Winter erreicht die Sonne nur einen flachen Winkel über dem Horizont, wodurch dieselbe Strahlungsmenge auf eine größere Modulfläche verteilt wird und pro Quadratmeter weniger Energie ankommt.

Wie stark sich das im Vergleich zu einem wirklich guten Tag auswirkt, hat eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme beziffert: Der Stromertrag an einem Dezember- oder Januartag erreicht oft nur ein Achtel bis ein Zehntel des Ertrags eines sonnigen Julitags. Das ist eine andere Vergleichsbasis als der obige Monatsdurchschnitt – ein sonniger Julitag liegt über dem Julimittel –, bestätigt aber dieselbe Größenordnung.

⚠️ Vorsicht bei Angeboten mit einer einzigen Jahreskennzahl. Eine Ertragsprognose, die nur eine Jahressumme nennt, verschleiert, dass rund 45 Prozent davon allein auf Mai, Juni und Juli entfallen. Frag beim Anbieter gezielt nach der Monatsverteilung oder rechne sie selbst mit PVGIS nach – nur so erkennst du, ob die Prognose realistisch ist.

Schnee auf der Anlage: Wie oft er wirklich vorkommt

Der erste Irrtum lässt sich mit Zahlen des Deutschen Wetterdienstes einordnen. Nach einer DWD-Analyse vom Februar 2026 ist die Zahl der Schneedeckentage (Tage mit mindestens einem Zentimeter Schnee), gemittelt über Deutschland, in den vergangenen 70 Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.

Selbst in einem ausgesprochen schneereichen Winter bleibt die Zahl im Flachland überschaubar. Der DWD-Rückblick auf den Winter 2025/26 – nach eigener Einordnung des DWD der schneereichste Winter seit 2010 beziehungsweise 2012 in Teilen Norddeutschlands – zählte in Berlin rund 30 Schneedeckentage, in Hamburg rund 40, in Brandenburg 20 bis 40. Das bei einem Winterquartal von rund 90 Tagen.

In den milderen west- und südwestdeutschen Bundesländern nennt derselbe Bericht für das Flachland gar keine Schneedeckentage – dort blieb der Boden in diesem ungewöhnlich schneereichen Winter weitgehend frei.

Für eine PV-Anlage bedeutet das: Selbst im schneereichsten Winter seit anderthalb Jahrzehnten lag an weniger als der Hälfte der Wintertage überhaupt eine geschlossene Schneedecke – und ein Schneedeckentag heißt nicht automatisch, dass die Module ganztägig komplett bedeckt waren. In einem durchschnittlichen Winter, gemessen am 70-Jahres-Rückgang, ist die Zahl eher niedriger.

💡 Schau in deinem Monitoring-Portal nach der Tageskurve. Nach einem Schneefall zeigt die Ertragskurve in der App meist einen kurzen Einbruch auf nahe null, gefolgt von einem steilen Wiederanstieg, sobald der Schnee abrutscht – oft noch am selben oder folgenden Tag. Das ist der schnellste Weg, den eigenen Schnee-Einfluss statt einer pauschalen Zahl zu sehen.

Was Schnee den Jahresertrag tatsächlich kostet

Die geringe Zahl an Schneedeckentagen trifft dazu auf ohnehin geringe Winterertragswerte – das verstärkt den Effekt weiter. Nach der Einordnung von Photovoltaik.info entfallen auf die Wintermonate ohnehin nur etwa 10 bis 15 Prozent des Jahresertrags – das deckt sich mit den 11,1 Prozent aus der eigenen PVGIS-Rechnung oben. Der Ertragsausfall durch einige schneebedeckte Tage macht nach derselben Einordnung meist weniger als 1 bis 2 Prozent der gesamten Jahresproduktion aus.

Der Grund dafür ist auch der Selbstreinigungseffekt der Module: Die dunkle Glasoberfläche erwärmt sich bereits bei schwacher Einstrahlung, unter der Schneedecke bildet sich ein Wasserfilm, und bei den in Deutschland üblichen Dachneigungen ab etwa 20 Grad rutscht die Schneeschicht meist von selbst ab, statt liegen zu bleiben. Wie das Gewicht des Schnees dabei mit anderen Lasten zusammenwirkt, behandelt der Abschnitt zur Statik weiter unten.

⚠️ Nachteil dieser Entwarnung: Sie gilt nicht für jede Konstellation. Bei sehr flach geneigten Dächern (unter 15 Grad), bei Dauerfrost ohne Tauwetter über mehrere Wochen oder bei stark verschatteten Teilflächen kann die Schneedecke deutlich länger liegen bleiben als im Durchschnittsfall. Wer eines dieser drei Merkmale hat, sollte den Ertrag in dieser Zeit gezielt beobachten statt sich auf den Durchschnittswert zu verlassen.

Kälte schadet den Modulen nicht – im Gegenteil

Der zweite Irrtum dreht die Wirkung sogar um. Solarmodule werden unter Standard-Testbedingungen bei exakt 25 Grad Celsius Zelltemperatur geprüft. Auf dem Dach werden sie an heißen Sommertagen aber 60 bis 70 Grad warm – und genau das drückt die Leistung, wie der sogenannte Temperaturkoeffizient beschreibt.

Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) beziffert den typischen Temperaturkoeffizienten kristalliner Silizium-Solarzellen auf minus 0,35 bis minus 0,40 Prozent je Grad Celsius über 25 Grad.

Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar: Ein 400-Watt-Modul mit einem Koeffizienten von minus 0,40 Prozent je Grad, das an einem heißen Sommertag 65 Grad erreicht, verliert 40 Grad mal 0,40 Prozent, also 16 Prozent Leistung – und liefert nur noch 336 statt 400 Watt.

Im Winter kehrt sich dieser Effekt um. An einem kalten, klaren Wintertag kann die Modultemperatur unter die 25-Grad-Referenz fallen. Ein Modul erzeugt dann kurzzeitig sogar mehr als seine Nennleistung – die Kälte selbst ist also kein Nachteil, sondern ein kleiner Bonus. Dass der Gesamtertrag trotzdem gering bleibt, liegt an der kurzen Sonnenscheindauer und dem flachen Winkel aus dem vorigen Abschnitt, nicht an der Temperatur.

💡 Schau auf das Typenschild oder ins Datenblatt deines Moduls. Dort steht der Temperaturkoeffizient meist als „Temperature Coefficient of Pmax" oder „γ" in Prozent je Grad Celsius. Ein Wert näher an null bedeutet, dass das Modul im Sommer weniger Leistung verliert – für den Winterertrag spielt er dagegen praktisch keine Rolle.
SituationModultemperaturEffekt auf die Leistung
Heißer Sommertagca. 65 °Crund −16 % bei −0,40 %/°C
Standard-Testbedingung (STC)25 °C0 % (Referenzpunkt)
Klarer, kalter Wintertagunter 25 °C möglichleicht positiv, kurzzeitig über Nennleistung

Eigene Beispielrechnung auf Basis des Fraunhofer-ISE-Temperaturkoeffizienten (−0,35 bis −0,40 %/°C für kristallines Silizium), zitiert nach Photovoltaik.info. Abruf 05.09.2026.

Schnee vom Dach entfernen: Warum du das lieber lässt

Aus den Zahlen der letzten beiden Abschnitte ergibt sich eine klare Handlungsempfehlung, und sie deckt sich mit dem, was Fachleute raten: Das Betreten eines schneebedeckten oder vereisten Schrägdachs ist lebensgefährlich, und der mögliche Ertragsgewinn ist gering.

Photovoltaik.info verweist dazu auf ausdrückliche Warnungen von TÜV Rheinland und Verbraucherzentralen: Die Rutschgefahr auf einem schnee- oder eisbedeckten Dach werde regelmäßig unterschätzt, und die persönliche Sicherheit habe in jedem Fall Vorrang vor dem Ertrag.

Erfahrungsgemäß entstehen die meisten Winterschäden an PV-Anlagen nicht durch den Schnee selbst, sondern durch gut gemeinte, aber falsche Räumungsversuche mit hartem Werkzeug – Kratzer im Glas und Mikrorisse mindern den Ertrag dauerhaft und sind meistens kein Garantiefall.

⚠️ Steig nicht selbst aufs Dach. Weder ein Schneeschieber noch ein harter Besen gehören auf ein Solarmodul. Wenn überhaupt geräumt werden soll, dann ausschließlich vom Boden aus mit einer weichen Teleskopstange oder durch einen Fachbetrieb mit entsprechender Sicherheitsausrüstung.

Zwei unabhängige Quellen nennen für den Selbstreinigungseffekt einen ähnlichen Schwellenwert: agrarheute nennt eine Dachneigung von mehr als 30, besser 40 Grad, ab der Schnee wahrscheinlich von selbst abrutscht.

Solarconsult nennt denselben Bereich von 30 bis 40 Grad und rät zusätzlich, statt körperlicher Arbeit das Monitoring der Anlage aus der Ferne zu kontrollieren.

1 Wenn du unsicher bist, ob Handeln nötig ist

1. Prüfe aus sicherer Entfernung vom Boden aus, ob die Module vollflächig oder nur teilweise bedeckt sind. 2. Schau in der App nach, ob die Anlage seit dem Schneefall komplett auf null gefallen ist oder noch Teilertrag liefert. 3. Warte bei normalem Winterwetter 1 bis 3 Tage ab – der Selbstreinigungseffekt setzt bei Tauwetter oder Sonne meist von selbst ein. 4. Ziehe einen Fachbetrieb hinzu, wenn die Schneedecke wochenlang liegen bleibt oder die Statik betroffen sein könnte (siehe nächster Abschnitt) – nicht, um selbst aufs Dach zu steigen.

Schneelast und Statik: Wann es kein Ertragsthema mehr ist

In den allermeisten Wintern bleibt Schnee ein Ertragsthema im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Es gibt aber einen Punkt, an dem sich die Fragestellung komplett ändert: Wenn sich über Wochen große Schneemengen auftürmen, wird aus der Ertragsfrage eine Statikfrage – und die beantwortet man nicht über den Jahresertrag, sondern über die zulässige Last auf Dach und Unterkonstruktion.

Ein typischer Richtwert aus dem Modul-Datenblatt: Zertifizierte Solarmodule halten laut Photovoltaik.info eine Druckbelastbarkeit von rund 5.400 Pascal aus, das entspricht etwa 550 Kilogramm je Quadratmeter. Das Modul selbst hält also viel aus – kritisch wird es eher bei der Kombination aus Eigengewicht der Unterkonstruktion, zusätzlichem Ballast und Schneelast, vor allem auf Flachdächern mit geringer statischer Reserve.

Wie sich Modulgewicht, Unterkonstruktion und Ballast dabei genau addieren und ab wann ein Statiker eingeschaltet werden muss, haben wir bereits ausführlich in unserem Ratgeber zu Aufständerung und Ballast auf dem Flachdach durchgerechnet – das wiederholen wir hier nicht, sondern verweisen bewusst darauf, um dieselbe Rechnung nicht zweimal mit leicht abweichenden Zahlen zu führen.

⚠️ Kritikpunkt an vielen Online-Ratgebern zum Thema: Sie nennen pauschale Kilogrammwerte für "die" Schneelast, ohne Windzone, Gebäudehöhe oder Lage auf dem Dach zu berücksichtigen – nach DIN EN 1991-1-3 hängt die zulässige Last aber genau davon ab. Eine seriöse Einschätzung braucht immer den konkreten Standort, keine pauschale Zahl aus dem Internet.

Neigungswinkel: Der stille Hebel für mehr Winterertrag

Wer die Anlage neu plant, kann den Winteranteil aktiv beeinflussen – über die Dachneigung. Eine eigene PVGIS-Rechnung für dieselbe Südausrichtung, aber mit 60 statt 35 Grad Neigung, zeigt den Effekt: Der Dezemberertrag steigt von 29,0 auf 34,9 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak, ein Plus von rund 20,6 Prozent, der Januarertrag von 33,2 auf 38,9 Kilowattstunden, ein Plus von rund 17,2 Prozent.

Über das ganze Winterquartal gerechnet steigt der Anteil am Jahresertrag von 11,1 auf 13,4 Prozent. Der Grund: Bei flachem Sonnenstand trifft ein steil aufgestelltes Modul die Sonnenstrahlen direkter, während ein flach liegendes Modul im Sommer bei hohem Sonnenstand im Vorteil ist.

⚠️ Nachteil des steilen Winkels: Er kostet Jahresertrag. Bei 60 statt 35 Grad Neigung sinkt der Gesamtjahresertrag in derselben Rechnung von 1.055,7 auf 1.011,2 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak, ein Minus von 4,2 Prozent. Eine steilere Neigung ist deshalb kein genereller Rat, sondern eine Abwägung: etwas weniger Jahresertrag gegen einen spürbar höheren Winteranteil. Für die meisten Dächer ist die Dachneigung ohnehin baulich vorgegeben und nicht frei wählbar.

In der Praxis lässt sich der Winkel bei einem bestehenden Schrägdach kaum noch ändern. Relevant wird die Überlegung vor allem bei Aufständerungen auf Flachdächern oder Garagen, wo die Neigung frei gewählt werden kann – dort lohnt sich ein bewusster Blick auf die eigene Prioritätensetzung zwischen Jahresertrag und Winterertrag.

Ost-West oder Süd: Was im Winter wirklich zählt

Unser Ratgeber zur Ost-West-Ausrichtung rechnet vor, dass eine Ost-West-Anlage übers Jahr rund 22 Prozent weniger Ertrag bringt als ein Süddach gleicher Neigung. Für den Winteranteil speziell zeigt dieselbe PVGIS-Rechnung ein noch deutlicheres Bild: Die Ost-West-Anlage kommt im Winterquartal nur auf 60,7 von 824,9 Kilowattstunden, also 7,4 Prozent ihres Jahresertrags – gegenüber 11,1 Prozent beim Süddach.

Der Grund liegt im kurzen Wintertag: Ost- und Westflächen profitieren vor allem von der Sonne am frühen Morgen und späten Abend, doch genau diese Tagesrandzeiten fehlen im Winter fast komplett, wenn die Sonne erst spät auf- und früh untergeht. Eine Ost-West-Anlage verliert im Winter also relativ mehr als im Jahresdurchschnitt, nicht weniger.

💡 Für den Eigenverbrauch kann Ost-West trotzdem sinnvoll sein. Der Vorteil von Ost-West liegt nicht im Winter, sondern in der gleichmäßigeren Tagesverteilung übers Jahr – dazu und zur Frage von Eigenverbrauch und Autarkie findest du Details in unserem Ratgeber zur Ost-West-Ausrichtung und zum Eigenverbrauch optimieren.
KonfigurationJahresertrag kWh/kWpWinterertrag (Dez-Feb) kWh/kWpWinteranteil
Süd, 35°1.055,7117,611,1 %
Süd, 60° (steil)1.011,2135,313,4 %
Ost-West, 35° (kombiniert)824,960,77,4 %

Eigene Berechnung mit PVGIS, Standort Berlin, PVGIS-SARAH2, Wetterjahre 2005-2020, 1 kWp, Systemverluste 14 %. Abruf 05.09.2026.

Lohnt sich ein größerer Speicher für den Winter?

Die naheliegende Idee: ein größerer Speicher soll die schwachen Wintermonate abfedern. Die eigene Rechnung zeigt, warum das meist nicht funktioniert. Bei 0,93 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak an einem durchschnittlichen Dezembertag erzeugt selbst eine 8-kWp-Anlage im Mittel nur rund 7,4 Kilowattstunden – an vielen trüben Tagen deutlich weniger. Das reicht kaum, um den laufenden Haushaltsverbrauch tagsüber zu decken, geschweige denn, einen großen Speicher zu füllen.

Unser Ratgeber zur Speichergröße bringt den Punkt auf den Kern: Ein Speicher gleicht Tag-Nacht-Schwankungen aus, nicht Winter-Sommer-Schwankungen. Ein überdimensionierter Speicher wird im Winterhalbjahr praktisch nie voll geladen, weil dafür schlicht der Solarüberschuss fehlt – die zusätzliche Kapazität bleibt ungenutzt im Keller stehen, während sie im Sommer möglicherweise sogar zu klein bemessen war.

💡 Vergleiche Anschaffungskosten und Wintervorteil nüchtern. Wer vor allem wegen des Winters über einen größeren Speicher nachdenkt, sollte sich die Investitionsrechnung genau ansehen – meist trägt sich der Mehrpreis nicht durch den geringen Winterzusatznutzen. Wie sich Speichergröße, Strompreis und Amortisationszeit insgesamt zueinander verhalten, rechnen wir in unserem Ratgeber zur PV-Wirtschaftlichkeit im Detail vor.

Ehrlich bleibt der Kritikpunkt an der Gegenrichtung: Ein zu kleiner Speicher hilft im Winter zwar nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein großer – der begrenzende Faktor ist die PV-Erzeugung, nicht die Speicherkapazität. Wer im Winter überhaupt spürbar mehr Eigenstrom nutzen will, kommt an mehr Modulfläche oder einer anderen Ausrichtung nicht vorbei, nicht an mehr Speicher.

Reinigung im Winter: Was zusätzlich zu Schnee eine Rolle spielt

Neben Schnee sammelt sich im Winter auch anderer Schmutz an, etwa durch Streusalz-Gischt an stark befahrenen Straßen oder durch nasses Laub, das an milden Tagen liegen bleibt. Wie stark Verschmutzung den Jahresertrag insgesamt beeinflusst und wann sich eine professionelle Reinigung überhaupt lohnt, haben wir in unserem Ratgeber zu PV-Reinigung und Wartung eingeordnet – dort auch mit dem Hinweis, dass viele beworbene Ertragsverluste von Reinigungsdienstleistern selbst stammen und entsprechend optimistisch klingen.

Für die reine Winterfrage bleibt der wichtigste Praxishinweis: Kontrolliere regelmäßig dein Monitoring, aber greife nicht bei jedem Ertragseinbruch sofort zu Eimer und Bürste. Ein häufigster Fehler im Winter ist, jede Ertragsdelle auf Verschmutzung zurückzuführen, obwohl in den meisten Fällen schlicht die Tageslänge oder eine geschlossene Wolkendecke die Ursache ist.

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Checkliste: So behältst du deine Anlage im Winter im Blick

Die folgenden Punkte fassen zusammen, was du im Winter selbst prüfen kannst, ohne aufs Dach zu steigen.

Deine Checkliste für: Checkliste: So behältst du deine Anlage im Winter im Blick

Häufige Fragen

Wie viel Prozent des Jahresertrags liefert eine PV-Anlage im Winter? +
Nach einer eigenen PVGIS-Berechnung für Berlin, Südausrichtung, 35 Grad Neigung, entfallen auf Dezember, Januar und Februar zusammen 11,1 Prozent des Jahresertrags. Photovoltaik.info nennt für die Wintermonate allgemein eine Spanne von 10 bis 15 Prozent – die eigene Rechnung liegt in dieser Spanne.
Wie viele Tage im Jahr liegt in Deutschland wirklich Schnee auf einer PV-Anlage? +
Das schwankt stark nach Region und Winter. Im ungewöhnlich schneereichen Winter 2025/26 zählte der Deutsche Wetterdienst in norddeutschen Flachland-Bundesländern rund 20 bis 40 Schneedeckentage bei einem Winterquartal von etwa 90 Tagen; in mehreren west- und südwestdeutschen Bundesländern blieb der Boden im Flachland weitgehend schneefrei. Über die vergangenen 70 Jahre ist die Zahl der Schneedeckentage im Deutschlandmittel um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.
Wie stark senkt Schnee den Jahresertrag tatsächlich? +
Nach Einordnung von Photovoltaik.info liegt der Ertragsausfall durch schneebedeckte Tage meist unter 1 bis 2 Prozent der Jahresproduktion – weil ohnehin nur 10 bis 15 Prozent des Jahresertrags in die Wintermonate fallen und die meisten Module sich ab rund 20 Grad Dachneigung selbst vom Schnee befreien.
Stimmt es, dass Kälte die Leistung von Solarmodulen verbessert? +
Ja. Solarmodule werden bei 25 Grad Celsius genormt getestet. Nach Fraunhofer-ISE-Zahlen sinkt die Leistung um etwa 0,35 bis 0,40 Prozent je Grad über dieser Referenz – an einem kalten, sonnigen Wintertag mit Modultemperaturen unter 25 Grad kann ein Modul deshalb kurzzeitig sogar mehr als seine Nennleistung liefern. Der geringe Gesamtwinterertrag liegt an der kurzen Sonnenscheindauer, nicht an der Kälte.
Sollte ich Schnee selbst von meiner PV-Anlage entfernen? +
In den allermeisten Fällen nein. TÜV Rheinland und Verbraucherzentralen warnen ausdrücklich vor der Absturzgefahr auf einem schneebedeckten oder vereisten Dach, und der Ertragsgewinn ist angesichts der geringen Winterertragswerte gering. Wenn überhaupt geräumt werden muss, dann vom Boden aus mit einer weichen Teleskopstange oder durch einen Fachbetrieb.
Ab wann wird Schnee auf der PV-Anlage zu einem Statikproblem? +
Wenn sich über mehrere Wochen große Schneemengen auftürmen und die zulässige Last von Dach, Unterkonstruktion oder Ballast erreicht wird – die genaue Grenze hängt von Windzone, Gebäudehöhe und Aufbau ab und lässt sich nicht pauschal in Kilogramm angeben. Details dazu, wie sich Modulgewicht, Unterkonstruktion und Ballast addieren, findest du in unserem Ratgeber zu Aufständerung und Ballast auf dem Flachdach.
Lohnt sich ein größerer Speicher, um den Winter besser zu überbrücken? +
Meist nicht. Ein Speicher gleicht Tag-Nacht-Schwankungen aus, aber nicht die saisonale Winterlücke, weil im Winter schlicht zu wenig Solarüberschuss anfällt, um einen großen Speicher zu füllen. Wer den Winterertrag spürbar erhöhen will, sollte eher über Modulfläche oder Neigungswinkel nachdenken als über mehr Speicherkapazität.

Quellen

Alle Angaben stammen aus dem Direktabruf der folgenden Quellen sowie aus einer eigenen Berechnung mit dem PVGIS-Tool der EU-Kommission, Stand 2026, Abruf 05.09.2026: PVGIS der EU-Kommission (Joint Research Centre); Deutscher Wetterdienst, Thema des Tages vom 24.02.2026 und DWD-Pressemitteilung „Deutschlandwetter im Winter 2025/2026" vom 27.02.2026; Photovoltaik.info zur Schneeräumung und Photovoltaik.info zum Temperaturkoeffizienten (beide zitieren Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme); agrarheute zur Schneeräumung; Solarconsult zu Schnee auf der Solaranlage. Dieser Artikel ersetzt keine technische Beratung durch einen Fachbetrieb vor Ort.

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