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Rohstoffe in der PV-Anlage: 51 Kilogramm Material und 100 Gramm Silber je 10 Kilowatt peak

Ein Kilowatt peak bringt rund 51 Kilogramm Modulmasse aufs Dach: 34 Kilogramm Glas, 6,5 Kilogramm Aluminium — und rund 10 Gramm Silber, das fast die Haelfte des Materialwerts ausmacht. Dieser Ratgeber rechnet die Massenanteile in Kilogramm um und zeigt, welcher Rohstoff wirklich knapp werden koennte.

⏱️ 12 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht und zuletzt geprüft am 11. September 2026
Zehn waagerechte Balken mit den Massenanteilen der Materialien eines Solarmoduls, von 67,45 Prozent Glas bis 0,04 Prozent Silberpaste.

Foto: Eigene Grafik

Inhaltsverzeichnis · 15 Abschnitte
  1. 1.Was in einem Solarmodul steckt: die Massenanteile
  2. 2.Von Quadratmeter auf Kilowatt peak: die Umrechnung
  3. 3.Glas und Aluminium: vier Fünftel der Masse
  4. 4.Silizium: 2,0 Gramm je Watt — und wo der Rest bleibt
  5. 5.Silber: ein Promille der Masse, fast die Hälfte des Werts
  6. 6.Wie viel Silber in deiner Anlage steckt
  7. 7.Der Silbereinsatz sinkt schneller, als die Branche wächst
  8. 8.Kupfer: der Ersatzstoff, der schon im Modul ist
  9. 9.Frisst die Photovoltaik das Silber der Welt?
  10. 10.Was der EU-Rohstoffakt damit zu tun hat
  11. 11.Recycling: was das Gesetz verlangt und was tatsächlich passiert
  12. 12.Cadmium in Dünnschichtmodulen: der einzige echte Schadstofffall
  13. 13.Was das für deine Kaufentscheidung heißt
  14. 14.Was dieser Ratgeber offen lässt
  15. 15.Häufige Fragen

Zwei Fragen tauchen in Beratungsgesprächen immer wieder auf, und sie klingen wie eine einzige: „Sind da seltene Erden drin?" und „Was ist das Ding am Ende wert?" Die erste Frage geht von einer falschen Annahme aus — in einem kristallinen Siliziummodul sind keine seltenen Erden. Die zweite ist berechtigt, und ihre Antwort steckt in einem Material, das weniger als ein Promille der Modulmasse ausmacht.

Dieser Ratgeber legt offen, welche Rohstoffe in einer Photovoltaikanlage stecken — in Kilogramm je Kilowatt peak, nicht in Prozent irgendeiner Gesamtmenge. Er zeigt, warum Glas und Aluminium vier Fünftel des Gewichts stellen, aber kaum den Wert, und warum ausgerechnet Silber der einzige Rohstoff ist, bei dem die Branche selbst Handlungsbedarf sieht.

Was in einem Solarmodul steckt: die Massenanteile

Das Fraunhofer ISE veröffentlicht im Photovoltaics Report eine Stoffaufstellung für ein kristallines Modul. Bezugsgröße ist eine Modulmasse von 11,6 Kilogramm je Quadratmeter, Datenstand 2021.

Alle Anteile in der folgenden Tabelle beziehen sich auf diese Gesamtmasse.

BauteilMaterialMassenanteil
FrontglasSolarglas (mit Antimon)67,45 %
RahmenAluminium AlMg312,73 %
EinbettungEthylen-Vinylacetat (EVA)6,69 %
RückseitenfoliePVF / Kleber / PET / Kleber / PVF6,04 %
SolarzellenSilizium2,73 %
AnschlussdoseGFK und Polyamid1,59 %
ZellverbinderKupfer1,30 %
AnschlussdoseSilikone1,21 %
ZellrückseiteAluminium0,07 %
ZellverbinderZinn und Blei, je0,09 %
ZellkontakteSilberpaste Ag/PbO und Ag/Al/PbO0,03 % und 0,01 %

Die beiden letzten Zeilen sind der ganze Silberanteil: 0,04 Prozent der Modulmasse, und selbst das ist noch Paste, nicht reines Metall. Alles, was in der öffentlichen Debatte als Rohstoffproblem der Photovoltaik gilt, steckt in diesen vier Hundertstel Prozent. In der Praxis wird dieser Posten gleich zweimal falsch eingeschätzt: einmal als vermeintliches Versorgungsrisiko, einmal als vermeintlicher Schatz im Altmodul.

Was in dieser Aufstellung nicht vorkommt: seltene Erden, Kobalt, Lithium, Indium. Ein kristallines Siliziummodul enthält keinen dieser Stoffe. Sie gehören in die Batterie und in den Elektromotor, nicht aufs Dach.

Fuenf waagerechte Balken mit der Materialmasse je Kilowatt peak: Glas 34,4, Kunststoffe 7,9, Aluminium 6,5, Silizium 1,4 und Kupfer 0,66 Kilogramm.
Je Kilowatt peak liegen rund 51 Kilogramm Modulmasse auf dem Dach — der groesste Teil davon ist Glas. · Foto: Eigene Grafik

Von Quadratmeter auf Kilowatt peak: die Umrechnung

Prozentangaben helfen beim Kauf wenig. Interessant ist, was in deiner Anlage steckt. Die Brücke ist der Wirkungsgrad. Das Fraunhofer ISE gibt den nach Liefermenge gewichteten Mittelwert für kristalline Module mit 22,7 Prozent im vierten Quartal 2024 an, gegenüber 21,6 Prozent ein Jahr zuvor; die Spanne der Einzelprodukte reicht von 18,9 bis 24,8 Prozent.

1 Die Rechnung in drei Schritten (eigene Ableitung):
1. 22,7 Prozent Wirkungsgrad bei 1.000 Watt Einstrahlung je Quadratmeter ergeben 227 Watt je Quadratmeter Modulfläche.
2. 1.000 Watt geteilt durch 227 Watt je Quadratmeter ergeben 4,4 Quadratmeter je Kilowatt peak.
3. 4,4 Quadratmeter mal 11,6 Kilogramm je Quadratmeter ergeben rund 51 Kilogramm Modulmasse je Kilowatt peak.

Damit lässt sich jeder Massenanteil aus der Tabelle in Kilogramm übersetzen. Für eine typische Anlage mit 10 Kilowatt peak — rund 44 Quadratmeter Modulfläche, etwa 510 Kilogramm Module auf dem Dach:

Materialje Kilowatt peakbei 10 kWp
Glas34,4 kg344 kg
Aluminium (Rahmen)6,5 kg65 kg
Kunststoffe (EVA, Folie, Dose)7,9 kg79 kg
Silizium1,4 kg14 kg
Kupfer0,66 kg6,6 kg
Silber (als Paste)rund 20 grund 200 g
Was diese Zahlen nicht enthalten: Sie beziehen sich ausschließlich auf die Module. Wechselrichter, Kabel und Unterkonstruktion sind in der ISE-Aufstellung nicht erfasst — vor allem die Unterkonstruktion bringt noch einmal erhebliche Mengen Aluminium oder Edelstahl aufs Dach. Außerdem beschreiben die Anteile ein Glas-Folie-Modul mit Datenstand 2021. Glas-Glas-Module haben keine Rückseitenfolie und sind schwerer; für sie wurde keine gleichwertige Aufstellung gefunden.

Glas und Aluminium: vier Fünftel der Masse

Glas und Aluminiumrahmen stellen zusammen 80,18 Prozent der Modulmasse. Beide Stoffe sind in jeder Hinsicht unkritisch: Silizium und Aluminium zählen nach Gewicht zu den häufigsten Bestandteilen der Erdkruste, und das Fraunhofer ISE stellt in seiner deutschsprachigen Zusammenstellung „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland" (Stand: 20.08.2026) ausdrücklich fest, dass Silizium-Wafer-Module keine Rohstoffe benötigen, für die eine beschränkte Verfügbarkeit absehbar wäre.

Das bedeutet nicht, dass beide Stoffe billig zu haben sind. Aluminium ist energieintensiv in der Herstellung, und die EU führt die Aluminium-Wertschöpfungskette in ihrem Rohstoffgesetz ausdrücklich als eigenen Fall — dazu weiter unten mehr. Die Antwort der Hersteller ist nicht der Verzicht auf Aluminium, sondern der Verzicht auf den Rahmen: Das ISE nennt rahmenlose Module sowie Rahmen aus Stahl oder Kunststoff als Wege, den Aluminiumbedarf zu senken.

Beim Glas ist der Hebel ein anderer. Dünneres Glas spart Masse, und Wiederverwendung statt Downcycling erhält den Wert. Antimon im hochtransparenten Solarglas lässt sich vermeiden — einige europäische Anbieter tun das laut ISE bereits.

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Silizium: 2,0 Gramm je Watt — und wo der Rest bleibt

Der Siliziumverbrauch ist die eindrucksvollste Zahl in der ganzen Materialbilanz. Das Fraunhofer ISE dokumentiert den Rückgang von rund 16 Gramm je Watt peak im Jahr 2004 auf etwa 2,0 Gramm je Watt peak im Jahr 2024 — ein Achtel in zwanzig Jahren. Drei Ursachen nennt der Bericht: dünnere Wafer (heute 140 Mikrometer), geringerer Sägeverlust durch Diamantdrahtsägen und größere Ingots, dazu die Rückgewinnung des Siliziums aus dem Sägeschlamm, die seit 2017 in der Reihe berücksichtigt ist.

Zwei waagerechte Balken zum Siliziumverbrauch je Watt peak: 16 Gramm im Jahr 2004 und 2,0 Gramm im Jahr 2024.
Der Siliziumverbrauch der Zellfertigung ist von rund 16 auf etwa 2,0 Gramm je Watt peak gefallen. · Foto: Eigene Grafik

Hier lohnt ein genauer Blick, weil zwei Zahlen dieses Ratgebers auseinanderzugehen scheinen.

2,0 Gramm je Watt peak sind der Verbrauch in der Zellfertigung, also 2,0 Kilogramm je Kilowatt peak. Im fertigen Modul stecken nach den Massenanteilen aber nur rund 1,4 Kilogramm je Kilowatt peak. Die Differenz von etwa 0,6 Kilogramm ist Säge- und Prozessverlust — Material, das die Fabrik durchläuft, ohne im Modul zu landen.

Vorsicht bei dieser Differenz: Die beiden Werte haben unterschiedliche Datenstände (2024 gegenüber 2021) und unterschiedliche Bezugsgrößen. Die Rechnung zeigt eine Größenordnung, keinen exakten Verlustwert. Sie ist eine eigene Ableitung aus zwei Angaben desselben Instituts, keine Zahl aus der Quelle.

Silber: ein Promille der Masse, fast die Hälfte des Werts

Silber leitet Strom besser als jedes andere Metall, und genau dafür wird es gebraucht: als Paste, die auf die Zelle gedruckt wird und den erzeugten Strom einsammelt. Das Fraunhofer ISE formuliert die Rolle des Silbers in einem Satz, der die gesamte Recyclingdebatte erklärt: Silber liege gewichtsmäßig unter einem Promille, mache aber fast die Hälfte des Materialwerts aus.

Damit ist Silber zugleich der kleinste und der wichtigste Posten. Es ist der einzige Rohstoff, bei dem das ISE in seiner Rohstofffrage Handlungsbedarf sieht — wörtlich: „Am kritischsten ist der Silberverbrauch für die Produktion der Solarzellen zu sehen."

Wie viel Silber in deiner Anlage steckt

Die International Technology Roadmap for Photovoltaic (ITRPV) des VDMA erhebt den Silbereinsatz je Watt für jede Zelltechnologie. Nach der 17. Ausgabe, zusammengefasst bei TaiyangNews, liegt der heute dominierende Zelltyp bei rund 10 Milligramm je Watt.

ZelltechnologieSilber 2025Prognose 2036
TOPCon (heute marktbeherrschend)rund 10 mg/W6,3 mg/W
SHJ (Heterojunction)12,0 mg/W4,3 mg/W
1 Umgerechnet auf deine Anlage (eigene Rechnung):
10 Milligramm je Watt sind 10 Gramm je Kilowatt peak.
Eine 10-kWp-Anlage enthält damit rund 100 Gramm Silber — etwa so viel wie drei Esslöffel Zucker wiegen.
Gegenprobe: Die ITRPV beziffert die 2025 ausgelieferten 706 Gigawatt auf rund 7.244 Tonnen Silber. 7.244 Tonnen geteilt durch 706 Gigawatt ergeben 10,3 Gramm je Kilowatt peak — der TOPCon-Wert bestätigt sich.

Bei einem Silberpreis in der Größenordnung der vergangenen Jahre bewegt sich der reine Metallwert einer 10-kWp-Anlage damit im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Eurobereich. Das ist zu wenig, um ein Modul allein wegen des Silbers zu demontieren — und genau das ist das Recyclingproblem, auf das dieser Ratgeber weiter unten zurückkommt.

Der Silbereinsatz sinkt schneller, als die Branche wächst

Die Richtung ist eindeutig. Das französische Institut National de l'Énergie Solaire berichtet, dass die CEA-Forschung durch kombinierte Neuerungen in Metallisierung und Verschaltung auf 14 Milligramm je Watt peak gekommen ist, ohne Leistung oder Zuverlässigkeit einzubüßen, und dass einzelne Vorreiterfirmen durch Fortschritte im Siebdruck bereits unter 10 Milligramm je Watt liegen.

Vier waagerechte Balken zum Silbereinsatz je Watt: TOPCon 10 und 6,3 Milligramm, SHJ 12,0 und 4,3 Milligramm.
Beide dominierenden Zelltechnologien sollen ihren Silbereinsatz bis 2036 etwa halbieren. · Foto: Eigene Grafik

Typischer Fehler in der Diskussion: Der Silbereinsatz wird als feste Materialeigenschaft behandelt, obwohl er seit Jahren die am schnellsten fallende Kennzahl der ganzen Zellfertigung ist. Die ITRPV nennt für die kommenden Jahre drei Wege: feinere Metallisierung, LECO-gestützte Kontaktbildung und der Wechsel zu kupferbasierten Verfahren. Das Fraunhofer ISE führt in seiner Maßnahmenliste dieselbe Richtung: Multi-Busbar mit präziserem Silberpastenauftrag, busbarlose Zellen, Ersatz von Silber durch Kupfer oder Aluminium.

Kupfer: der Ersatzstoff, der schon im Modul ist

Kupfer sitzt bereits in jedem Modul — als Zellverbinder, mit 1,30 Prozent der Masse oder rund 660 Gramm je Kilowatt peak. Das ist das Fünfundsechzigfache der Silbermenge, und es ist das Metall, auf das die Branche beim Zellkontakt umsteigt. Das Fraunhofer ISE hält fest: Das Silber der Zellmetallisierung lässt sich technisch weitgehend durch Kupfer substituieren, manche Hersteller nutzen diese Technologie bereits.

Die ITRPV nennt drei Zwischenstufen auf diesem Weg: silberbeschichtetes Kupfer, kupferhaltige Mischmetallisierung und reines Kupfer. Für dich als Käufer bedeutet das vor allem eines: Wer heute ein Modul kauft, kauft ein Produkt, dessen kritischster Rohstoff bereits planmäßig ersetzt wird — nicht eines, das auf einen Engpass zuläuft.

Frisst die Photovoltaik das Silber der Welt?

Die Mengen sind real. Das Fraunhofer ISE beziffert den Verbrauch der PV-Industrie für 2023 auf rund 5.500 Tonnen Silber, etwa 16 Prozent der gesamten Nachfrage. Die ITRPV kommt für 2025 auf rund 7.244 Tonnen, etwa 21,4 Prozent des weltweiten Silberangebots. Das INES nennt für 2022 knapp 12 Prozent. Drei Erhebungen, drei Jahre, ein klarer Trend nach oben.

Dem steht das Angebot gegenüber. Das Silver Institute weist für 2024 eine Minenproduktion von 819,7 Millionen Unzen aus, ein Plus von 0,9 Prozent, dazu ein Recyclingaufkommen von 193,9 Millionen Unzen — ein Zwölfjahreshoch. Die Gesamtnachfrage lag bei 1,16 Milliarden Unzen, drei Prozent unter dem Vorjahr.

Bemerkenswert ist der Nebensatz des Berichts zur Photovoltaik: Dort habe es „a sharp reduction in silver loadings" gegeben, also einen deutlichen Rückgang des Silbereinsatzes je Modul.

Die beiden Kurven laufen gegeneinander: Der Zubau wächst, der Einsatz je Watt fällt. Ob der Silberverbrauch der Branche insgesamt steigt oder sinkt, entscheidet sich daran, welche der beiden Bewegungen schneller ist — und diese Frage ist offen. Keine der gelesenen Quellen legt sich darauf fest.

Was der EU-Rohstoffakt damit zu tun hat

Seit 2024 gilt die Verordnung (EU) 2024/1252, der Critical Raw Materials Act. Artikel 5 Absatz 1 Buchstabe a setzt für strategische Rohstoffe drei Richtwerte bis 2030: Die Gewinnungskapazität der Union soll mindestens 10 Prozent, die Verarbeitungskapazität mindestens 40 Prozent und die Recyclingkapazität mindestens 25 Prozent des jährlichen Unionsverbrauchs abdecken. Erwägungsgrund 12 nennt eine vierte Marke: nicht mehr als 65 Prozent der Versorgung mit einem strategischen Rohstoff sollen bis dahin aus einem einzigen Drittland stammen.

Für die Photovoltaik ist vor allem Aluminium einschlägig. Erwägungsgrund 8 der Verordnung stellt die Aluminium-Wertschöpfungskette ausdrücklich klar und nennt neben Aluminium auch Bauxit als wichtigstes Erz und Aluminiumoxid als Zwischenform — Aluminium gehört damit zu den strategischen Rohstoffen der Union.

Hier hört unser Beleg auf: Anhang I der Verordnung, der die vollständige Liste der strategischen Rohstoffe enthält, war im abgerufenen Text nicht enthalten. Ob Kupfer und Silizium-Metall dort stehen, sagen wir deshalb nicht — das Wort „Kupfer" kommt im gelesenen Verordnungstext kein einziges Mal vor. Silber ist in der öffentlichen Debatte kein EU-Engpassthema, sondern ein Kostenthema der Hersteller.

Recycling: was das Gesetz verlangt und was tatsächlich passiert

PV-Module fallen in Deutschland unter das Elektro- und Elektronikgerätegesetz. § 22 ElektroG schreibt für die einschlägige Gerätekategorie vor, dass der Anteil der Verwertung mindestens 85 Prozent und der Anteil der Vorbereitung zur Wiederverwendung und des Recyclings mindestens 80 Prozent beträgt. Berechnet wird das nach Masse der getrennt erfassten Altgeräte. Die europäische WEEE-Richtlinie, seit dem 13.08.2012 in Kraft, verlangt dasselbe auf Unionsebene; das ElektroG setzt sie seit Oktober 2015 um.

Die Quote ist nach Masse leicht zu erreichen — Glas und Aluminiumrahmen allein bringen über 80 Prozent. Genau darin liegt das Problem. Das Fraunhofer ISE beschreibt die Praxis nüchtern: Aus wirtschaftlichen Gründen werden heute nur Glas, Rahmen und Anschlussdose verwertet. Die Glasfraktion geht in Behälterglas oder Glaswolle, also ins Downcycling.

Kupfer wird aus den lotummantelten Verbindern in der Schmelze zurückgewonnen, die Siliziumfraktion dient als metallurgischer Rohstoff, die Kunststofffraktion wird oft thermisch verwertet.

Das Silber, fast die Hälfte des Materialwerts, fällt bei diesem Vorgehen durch. Verfahren zur sortenreinen Rückgewinnung existieren, aber ob sie eingesetzt werden, hängt laut ISE stark vom aktuellen Silberpreis ab. Der Satz, auf den alles hinausläuft, steht ebenfalls dort: Das Recycling von PV-Modulen ist technisch möglich, aber unter aktuellen Marktbedingungen nicht durch die erzielbaren Erlöse finanzierbar.

Für dich heißt das: Rechne beim Rückbau deiner Anlage nicht mit einem Erlös. Wertstoffhöfe nehmen alte Module in kleinen Stückzahlen kostenlos an, die Hersteller sind zur kostenlosen Rücknahme verpflichtet — mehr ist der Materialwert unter heutigen Bedingungen nicht wert. Deutlich mehr bringt ein funktionsfähiges Modul als Gebrauchtware: Wie sich das rechnet, steht im Ratgeber zum Kauf und Verkauf gebrauchter Module.

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Cadmium in Dünnschichtmodulen: der einzige echte Schadstofffall

Alles bisher Gesagte gilt für kristalline Siliziummodule, und das sind laut ISE rund 95 Prozent des Weltmarkts. Für den Rest gilt eine Einschränkung. CdTe-Dünnschichtmodule mit etwa 5 Prozent Marktanteil enthalten Cadmium in Salzform, und dort ist es nicht substituierbar. Metallisches Cadmium und Cadmiumoxid gelten als sehr giftig, Cadmiumtellurid als gesundheitsschädlich. Alternative Dünnschichttechnologien auf Basis von amorphem Silizium oder Kupfer-Indium-Selenid enthalten kein oder sehr wenig Cadmium.

Wer eine bestehende Anlage auf neue Module umrüstet, findet die Abwägung im Ratgeber zum Repowering und Modultausch. Für ein Einfamilienhausdach spielt die Dünnschichtfrage praktisch keine Rolle — dort werden fast ausschließlich kristalline Module verbaut. Wer die Technologie eines Angebots prüfen will, findet sie im Datenblatt des Moduls: Achte auf die Zeile zur Zelltechnologie — steht dort „mono-Si", „TOPCon" oder „HJT", ist es ein kristallines Modul ohne Cadmium.

Was das für deine Kaufentscheidung heißt

Die Rohstofffrage ist bei Photovoltaik kein Ausschlusskriterium, aber sie liefert drei brauchbare Prüfpunkte.

Ihre Checkliste für: Was das für deine Kaufentscheidung heißt

Zwei Minuten am eigenen Angebot: Such im Angebot die Modulanzahl und die Wattleistung je Modul, multipliziere beides und teile durch 1.000 — das sind deine Kilowatt peak. Vergleiche das Ergebnis mit der Flächenangabe im Angebot: Weicht sie stark von 4,4 Quadratmetern je Kilowatt peak ab, arbeitet das Angebot mit einem anderen Wirkungsgrad, als hier gerechnet. Rechne nach, bevor du zwei Angebote gegeneinanderstellst.

Wer die Materialmenge seiner geplanten Anlage überschlagen will, braucht nur die Kilowatt peak: Die Werte aus der zweiten Tabelle sind linear. Wie du auf die passende Anlagengröße kommst, steht im Ratgeber zur Berechnung der Anlagengröße.

Was dieser Ratgeber offen lässt

Drei Lücken bleiben, und sie werden hier benannt statt gefüllt.

Erstens: Wie viel Silber in Deutschland tatsächlich zurückgewonnen wird, sagt keine der gelesenen Quellen. Das Fraunhofer ISE nennt nur, dass Verfahren existieren und dass ihr Einsatz vom Silberpreis abhängt — eine Mengenangabe fehlt.

Zweitens: Für Glas-Glas-Module gibt es keine mit der ISE-Aufstellung vergleichbare Stoffbilanz. Die Massenanteile in diesem Ratgeber beschreiben ein Glas-Folie-Modul mit Datenstand 2021; bei einem Glas-Glas-Modul entfällt die Rückseitenfolie und der Glasanteil steigt.

Drittens: Wechselrichter, Unterkonstruktion und Verkabelung fehlen in allen Kilogramm-Angaben. Gerade die Unterkonstruktion bringt bei Aufdachanlagen noch einmal Aluminium oder Edelstahl in nennenswerter Menge. Eine belastbare Aufstellung dafür wurde nicht gefunden.

Häufige Fragen

Sind seltene Erden in Solarmodulen? +
Nein. In einem kristallinen Siliziummodul kommen nach der Stoffaufstellung des Fraunhofer ISE keine seltenen Erden vor. Die Materialien sind Glas, Aluminium, Kunststoffe, Silizium, Kupfer und geringe Mengen Silber, Zinn und Blei. Seltene Erden stecken in Permanentmagneten, also in Windkraftanlagen und Elektromotoren, nicht in Solarmodulen.
Wie viel Silber ist in einer 10-kWp-Anlage? +
Rund 100 Gramm. Die Rechnung: Die ITRPV gibt für TOPCon-Zellen rund 10 Milligramm Silber je Watt für 2025 an, das sind 10 Gramm je Kilowatt peak. Die Gegenprobe über die Gesamtmenge — 7.244 Tonnen Silber in 706 Gigawatt ausgelieferter Module — ergibt 10,3 Gramm je Kilowatt peak.
Wie schwer sind die Module einer 10-kWp-Anlage? +
Rund 510 Kilogramm. Bei 22,7 Prozent Modulwirkungsgrad braucht ein Kilowatt peak etwa 4,4 Quadratmeter Modulfläche, und ein Quadratmeter Modul wiegt nach ISE-Angabe 11,6 Kilogramm. Das sind rund 51 Kilogramm je Kilowatt peak. Die Unterkonstruktion kommt hinzu und ist in dieser Zahl nicht enthalten.
Wird Silber in Solarzellen knapp? +
Die Mengen sind erheblich: Die PV-Industrie verbrauchte 2023 laut Fraunhofer ISE rund 5.500 Tonnen Silber, etwa 16 Prozent der Weltnachfrage; für 2025 nennt die ITRPV rund 7.244 Tonnen oder 21,4 Prozent des Angebots. Gleichzeitig sinkt der Einsatz je Watt deutlich, und Silber lässt sich laut ISE technisch weitgehend durch Kupfer ersetzen. Welche der beiden Entwicklungen überwiegt, legt keine der gelesenen Quellen fest.
Wie viel Silizium steckt in einem Kilowatt peak? +
In der Zellfertigung werden nach Angabe des Fraunhofer ISE rund 2,0 Gramm je Watt peak verbraucht, also etwa 2,0 Kilogramm je Kilowatt peak. Im fertigen Modul steckt weniger — nach den Massenanteilen rund 1,4 Kilogramm. Die Differenz ist Säge- und Prozessverlust. Im Jahr 2004 lag der Verbrauch noch bei rund 16 Gramm je Watt peak.
Was ist ein altes Solarmodul als Material noch wert? +
Zu wenig, um das Recycling zu tragen. Das Fraunhofer ISE hält fest, dass das Recycling von PV-Modulen technisch möglich, unter aktuellen Marktbedingungen aber nicht durch die erzielbaren Erlöse finanzierbar ist. Silber macht fast die Hälfte des Materialwerts aus, liegt gewichtsmäßig aber unter einem Promille — der Aufwand, es sortenrein zurückzugewinnen, lohnt sich nur bei entsprechendem Silberpreis.
Welche Recyclingquote schreibt das Gesetz vor? +
Nach § 22 ElektroG müssen für die einschlägige Gerätekategorie mindestens 85 Prozent verwertet und mindestens 80 Prozent zur Wiederverwendung vorbereitet oder recycelt werden, jeweils bezogen auf die Masse der getrennt erfassten Altgeräte. Da Glas und Aluminiumrahmen zusammen über 80 Prozent der Modulmasse stellen, ist die Quote nach Gewicht erreichbar, ohne dass die wertvollen Bestandteile zurückgewonnen werden.
Enthalten Solarmodule Giftstoffe? +
Kristalline Module enthalten geringe Mengen Blei — 0,09 Prozent der Masse im Zellverbinder-Lot, dazu Bleioxid in der Silberpaste — sowie Antimon im Solarglas. Bleifreie Lote und antimonfreies Glas sind laut Fraunhofer ISE verfügbar. Der einzige Fall mit echter Substanz sind CdTe-Dünnschichtmodule mit etwa 5 Prozent Marktanteil: Dort ist Cadmium in Salzform enthalten und nicht substituierbar.