Rathaus mit PV: Bürozeit, Wochenende und Eigenverbrauch
Energiebericht Weinheim mit Rathaus und sechs Verwaltungsstellen gelesen, Rathäuser in Bramsche und Ilmenau eingeordnet, Bürozeit gegen PVGIS Weinheim gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 12 Abschnitte
- 1.Kurz gesagt: Lohnt Photovoltaik auf dem Rathaus?
- 2.Wie viel Strom braucht ein Rathaus?
- 3.Welches Lastprofil gilt für Rathaus und Verwaltung?
- 4.Wann im Rathaus Strom gebraucht wird
- 5.Das Modell: Monatswerte, Bürozeit und Grundlast
- 6.Wie groß die Anlage auf dem Rathausdach sein sollte
- 7.Zwei Rathäuser in der Praxis: Bramsche und Ilmenau
- 8.Kleine Verwaltungsstellen in den Ortsteilen
- 9.Was spart das Rathaus im Jahr?
- 10.Rathaus im Vergleich mit Bibliothek, Bauhof und Feuerwehrhaus
- 11.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 12.Häufige Fragen
Ein Rathaus braucht seinen Strom zu Bürozeiten, also dann, wenn auch die Sonne scheint. Trotzdem bleibt ein großer Teil des Solarstroms ungenutzt, denn Abende, Wochenenden und Feiertage machen den größeren Teil des Jahres aus. Dieser Ratgeber rechnet mit den gemessenen Monatswerten eines Rathauses und sechs kleiner Verwaltungsstellen nach, wie viel Solarstrom eine Verwaltung selbst nutzt und ab welcher Anlagengröße der Überschuss wächst.
Stand: 16.09.2026. Alle verlinkten Seiten und Berichte wurden an diesem Tag direkt beim Herausgeber gelesen.
Kurz gesagt: Lohnt Photovoltaik auf dem Rathaus?
Ja, wenn die Anlage nicht nach dem Jahresverbrauch ausgelegt wird. Im Modell für das Rathaus Weinheim mit 154.296 kWh Stromverbrauch im Jahr 2024 nutzt eine Anlage mit 30 kWp 85,6 % ihres Stroms selbst, eine mit 60 kWp 72,7 %. Eine Anlage mit 140 kWp, die rechnerisch den ganzen Jahresverbrauch erzeugt, kommt nur auf 43,3 %.
Der Grund ist die Uhr, nicht die Jahreszeit. Das Rathaus verbraucht im Winter nur wenig mehr als im Sommer, der Januar lag 2024 beim 1,36-Fachen des Junis. Aber 42,5 % des Solarstroms entstehen im Modell außerhalb der angenommenen Bürozeit.
- Das Rathaus Weinheim verbrauchte 2024 laut Energiebericht 154.296 kWh Strom, 16,0 % weniger als 2015.
- Die BDEW-Liste M-24 ordnet Rathaus, Gemeindebehörde und öffentliche Verwaltung dem Profil G1 zu.
- Am Wochenende und an Feiertagen entstehen im Modell 31,3 % des Solarertrags.
- 60 kWp mit 30 kWh Speicher: 81,1 % Eigenverbrauch.
Wie viel Strom braucht ein Rathaus?
Der Energiebericht 2024 der Stadt Weinheim führt das Rathaus in der Obertorstraße 9 als Verwaltungsgebäude mit 3.880,40 m² beheizter Nettogrundfläche. Der Stromverbrauch sank von 183.670 kWh im Jahr 2015 auf 154.296 kWh im Jahr 2024. Den tiefsten Wert zeigt 2023 mit 150.446 kWh.
Je Quadratmeter sind das 39,8 kWh. Der Bericht stellt daneben einen Vergleichswert von 30 kWh und einen Zielwert von 10 kWh je Quadratmeter. Das Rathaus liegt also rund ein Drittel über dem Vergleichswert. Welche Geräte den Strom verbrauchen, schlüsselt der Bericht nicht auf.
| Rathaus Weinheim, Strom 2024 | Verbrauch |
|---|---|
| Januar (höchster Monat) | 15.119 kWh |
| Juni (niedrigster Monat) | 11.097 kWh |
| November bis Februar | 36,4 % des Jahres |
| Mai bis August | 29,6 % des Jahres |
| Jahr | 154.296 kWh |
Quelle: Energiebericht 2024 der Stadt Weinheim, Kapitel Rathaus, Monatswerte Strom. Die Anteile sind aus den Monatswerten gerechnet.
Einen Anhaltspunkt für einen Teil des Verbrauchs liefert die Bekanntmachung der Vergleichswerte für Nichtwohngebäude vom 15.04.2021. Sie setzt für die eingebaute Beleuchtung eines Verwaltungsgebäudes 10,7 kWh je Quadratmeter an, für Ministerien, Ämter und Behörden 10,8 kWh und für Bürogebäude 12,9 kWh. Beim Weinheimer Rathaus entspräche die Beleuchtung damit gut einem Viertel des gemessenen Stroms. Das ist eine grobe Einordnung, kein Messwert.
Welches Lastprofil gilt für Rathaus und Verwaltung?
Die BDEW-Liste M-24 zur Zuordnung der VDEW-Lastprofile führt Rathaus, Gemeindebehörde, Behörde und öffentliche Verwaltung jeweils unter dem Schlüssel 751 und ordnet alle dem Profil G1 zu, demselben Profil wie Bauamt, Finanzamt oder Geldinstitut. Eine Ausnahme für große Verwaltungen nennt die Liste nicht. Sie stammt vom 14.08.2000 und hat nach eigener Aussage ausschließlich Vorschlagscharakter.
Für das Weinheimer Rathaus passt das Profil gut. Im Modell nutzt eine Anlage mit 60 kWp nach G1 72,1 % ihres Stroms selbst, mit den Monatswerten und 50 % Grundlast 72,7 %. Der Unterschied liegt unter einem Prozentpunkt. Erst bei hoher Grundlast weicht das Bild ab, dazu mehr im Modell.
Wann im Rathaus Strom gebraucht wird
Die Stadt Weinheim schreibt im Seitenfuß ihrer Website, die Verwaltung habe gleitende Arbeitszeit. Telefonisch erreichbar ist sie montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, montags bis mittwochs von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Wann die Beschäftigten tatsächlich im Haus sind, steht dort nicht.
Das Modell nimmt deshalb eine Bürozeit von Montag bis Donnerstag 7 bis 17 Uhr und freitags 7 bis 14 Uhr an, ohne die Feiertage in Baden-Württemberg. Das sind 2.383 Stunden im Jahr. In diese Stunden fallen 57,5 % des Solarertrags. Die übrigen 42,5 % entstehen am frühen Morgen, am späten Nachmittag, am Wochenende und an Feiertagen. Allein Samstag und Sonntag bringen 28,6 %.
Das Modell: Monatswerte, Bürozeit und Grundlast
Die Rechnung verteilt jeden Monatswert 2024 auf die Stunden des Monats. Ein Teil läuft als Grundlast rund um die Uhr, etwa Server, Lüftung und Notbeleuchtung. Der Rest fällt in die Bürozeit. Wie groß die Grundlast ist, weiß niemand ohne Messung, das Modell rechnet deshalb mit 30 %, 50 % und 70 % und zum Vergleich mit dem Standardprofil G1.
Den Solarertrag liefert PVGIS für Weinheim, Süd, 35 Grad Neigung, Wetterjahr 2020: 1.105,4 kWh je kWp. Rechnerisch deckt eine Anlage mit 139,6 kWp den Jahresverbrauch des Rathauses.
| Eigenverbrauch (Abruf PVGIS: 16.09.2026) | 30 % Grundlast | 50 % Grundlast | 70 % Grundlast | Profil G1 |
|---|---|---|---|---|
| 30 kWp | 77,4 % | 85,6 % | 91,6 % | 81,3 % |
| 60 kWp | 69,1 % | 72,7 % | 71,7 % | 72,1 % |
| 100 kWp | 56,1 % | 54,7 % | 51,5 % | 57,6 % |
| 140 kWp | 45,3 % | 43,3 % | 40,3 % | 46,9 % |
| 100 kWp mit 50 kWh Speicher | 66,6 % | 65,4 % | 62,3 % | 66,8 % |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS und den Monatswerten 2024 aus dem Weinheimer Energiebericht. Bürozeit und Grundlast sind Annahmen.
Die Grundlast wirkt in zwei Richtungen. Bei 30 kWp hebt eine hohe Grundlast den Eigenverbrauch von 77,4 % auf 91,6 %, weil die Anlage dann auch am Wochenende Abnehmer findet. Bei 140 kWp senkt sie ihn von 45,3 % auf 40,3 %, weil zur Bürozeit weniger Last übrig bleibt, die den Mittagsüberschuss aufnimmt.

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Wie groß die Anlage auf dem Rathausdach sein sollte
Bis etwa 45 kWp nutzt das Rathaus im Modell mit 50 % Grundlast den gesamten Strom, der zur Bürozeit entsteht, und insgesamt 78,9 %. Darüber beginnt der Überschuss auch werktags. Bei 80 kWp werden von dem Strom, der zur Bürozeit entsteht, nur noch 84,9 % direkt genutzt, insgesamt 62,8 %.
Ein Speicher verschiebt den Wochenend- und Nachmittagsüberschuss in die nächsten Bürostunden. Mit 60 kWp und 30 kWh steigt der Eigenverbrauch von 72,7 % auf 81,1 %, die Autarkie von 31,2 % auf 34,9 %. Bei 100 kWp hebt ein Speicher mit 50 kWh den Eigenverbrauch von 54,7 % auf 65,4 %. Wie Kapazität und Ladezyklen zusammenpassen, zeigt Speichergröße berechnen.
- Hol dir die Monatswerte des Zählers aus dem Energiebericht oder von der Rechnung und frag beim Netzbetreiber, ob Viertelstundenwerte vorliegen.
- Notiere die Kernarbeitszeit, die Sitzungsabende und ob Server oder Lüftung am Wochenende laufen. Daraus ergibt sich, ob die Grundlast eher bei 30 % oder bei 70 % liegt.
- Vergleiche im Angebot den Eigenverbrauch mit den Werten aus der Tabelle oben. Liegt er bei einer Anlage für den ganzen Jahresverbrauch deutlich über der Hälfte, rechne nach.
Zwei Rathäuser in der Praxis: Bramsche und Ilmenau
Die Stadt Bramsche hat im Dezember 2023 das ganze Dach des Rathaus-Neubaus belegt: 259 Module auf etwa 475 m² mit 98,37 kWp. Geplant sind etwa 85.000 kWh im Jahr, rund drei Viertel davon will die Verwaltung selbst nutzen. Rechnerisch sind das etwa 63.750 kWh. Den Verbrauch des Rathauses nennt die Stadt nicht, der Eigenverbrauch lässt sich deshalb nicht nachprüfen.
Im Weinheimer Modell kommt eine Anlage mit 100 kWp mit 50 % Grundlast auf 54,7 %. Die drei Viertel aus Bramsche sind damit nur erreichbar, wenn das Rathaus deutlich mehr Strom braucht als in Weinheim, wenn die Grundlast hoch ist oder wenn die Planung zu optimistisch war. Welcher Fall zutrifft, lässt sich aus der Meldung nicht ablesen.
Die Stadt Ilmenau hat auf ihrem Rathaus 43 Module mit 16,1 kW Spitzenleistung verbaut, 26 nach Westen und 17 nach Süden. Weil das Rathaus unter Denkmalschutz steht, wurde es eine Indach-Anlage zum Innenhof. Nach dem Testbetrieb meldet die Stadt zu den Sprechzeiten einen Eigenverbrauch zwischen 85 und 100 %. In Februar und März sparte sie im Vergleich der Jahre 2025 und 2026 rund 1.800 Euro.
Das passt zum Modell: Eine Anlage mit 16 kWp würde in Weinheim 96,3 % ihres Stroms selbst nutzen und den Strom, der zur Bürozeit entsteht, zu 100,0 %. Eine kleine Anlage auf einem großen Verwaltungsgebäude hat kaum Überschuss. Was beim Denkmal zu klären ist, steht unter Photovoltaik und Denkmalschutz.
Kleine Verwaltungsstellen in den Ortsteilen
Neben dem Rathaus führt der Weinheimer Bericht sechs Verwaltungsstellen in den Ortsteilen. Sie verbrauchen nur einen Bruchteil, aber ihr Winteranteil ist höher.
| Verwaltungsstelle | Nettogrundfläche | Strom 2024 | je m² |
|---|---|---|---|
| Sulzbach | 133,70 m² | 4.449 kWh | 33,3 kWh |
| Lützelsachsen | 133,41 m² | 2.627 kWh | 19,7 kWh |
| Oberflockenbach | 126,45 m² | 2.432 kWh | 19,2 kWh |
| Hohensachsen | 139,31 m² | 2.248 kWh | 16,1 kWh |
| Rippenweier | 107,10 m² | 1.973 kWh | 18,4 kWh |
| Ritschweier | 101,00 m² | 1.400 kWh | 13,9 kWh |
Quelle: Energiebericht 2024 der Stadt Weinheim, Kapitel der Verwaltungsstellen. Die Werte je Quadratmeter sind gerechnet.
In Sulzbach fielen 42,8 % des Stroms von November bis Februar an, der Januar lag beim 2,21-Fachen des Junis. In Hohensachsen waren es 40,4 %. Die Solaranlage liefert in diesen vier Monaten nur 15,4 % ihres Jahresertrags, im Mai bis August dagegen 46,6 %.
Die Öffnungszeiten der Verwaltungsstellen hat dieser Ratgeber nicht belegt. Rechnet man sie trotzdem mit der Bürozeit des Rathauses und 50 % Grundlast, nutzt Sulzbach mit 2 kWp 64,1 % selbst, mit 3 kWp 50,2 % und mit 5 kWp 35,0 %. Mit 5 kWp und 5 kWh Speicher steigt der Eigenverbrauch auf 51,6 %, die Autarkie auf 64,2 %.
Was spart das Rathaus im Jahr?
Für den Strom des Rathauses nennt der Weinheimer Bericht 39.811 Euro netto im Jahr 2024, rund 25,8 Cent je kWh. Die Zeile umfasst alle Tarifgrößen, nicht nur den Arbeitspreis. 2023 waren es 68.500 Euro, rund 45,5 Cent je kWh.
Als grobe Obergrenze mit dem Preis von 2024: Eine Anlage mit 60 kWp und 48.218 kWh Eigenverbrauch spart rund 12.441 Euro im Jahr, eine mit 100 kWp und 60.465 kWh rund 15.600 Euro. Die zusätzlichen 40 kWp bringen also nur rund 3.160 Euro mehr, weil der Großteil ihres Stroms ins Netz geht. Einspeisevergütung, Grundpreise und Leistungspreise sind nicht eingerechnet.
Rathaus im Vergleich mit Bibliothek, Bauhof und Feuerwehrhaus
Das Rathaus hat unter den kommunalen Gebäuden eines der günstigsten Lastprofile für Solarstrom. Die Bibliothek braucht im Winter deutlich mehr als im Sommer, der Bauhof hat Winterdienst in der Nacht, das Feuerwehrhaus den Übungsabend. Die Schule steht dagegen in den Sommerferien leer, genau dann, wenn die Anlage am meisten liefert.
Für die Vergabe gelten die Schwellenwerte im Vergaberecht. Wer Bürgerinnen und Bürger am Ertrag beteiligen will, findet die Regeln unter Kommunale Beteiligung nach § 6 EEG.
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Drei Lücken bleiben offen. Erstens liegt kein gemessener Stundenlastgang eines Rathauses vor, Bürozeit und Grundlast sind Annahmen. Zweitens nennt der Weinheimer Bericht weder Öffnungszeiten der Verwaltungsstellen noch den Grund, warum Lützelsachsen 2015 noch 8.682 kWh verbrauchte und 2024 nur 2.627 kWh. Drittens fehlt für Bramsche und Ilmenau der Verbrauch der Rathäuser, beide Angaben zum Eigenverbrauch lassen sich deshalb nicht nachrechnen.
Sitzungen am Abend, Serverräume, Klimageräte im Sommer und Ladepunkte für Dienstwagen fehlen im Modell. Die Zahlen hier ersetzen keine Rechnung mit den eigenen Zählerdaten.
Häufige Fragen
Wie viel Strom verbraucht ein Rathaus? +
Welches Standardlastprofil gilt für ein Rathaus? +
Wie viel Solarstrom nutzt ein Rathaus selbst? +
Wie groß sollte die Solaranlage auf dem Rathaus sein? +
Lohnt sich ein Batteriespeicher im Rathaus? +
Wie viel Solarstrom geht am Wochenende verloren? +
Geht Photovoltaik auf einem denkmalgeschützten Rathaus? +

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