Geschirrspüler mit Solarstrom: Warum die Heizphasen am Balkonkraftwerk den Ausschlag geben
Das Eco-Programm läuft über drei Stunden, heizt aber in kurzen Phasen mit bis zu 2.200 W. Unsere Rechnung mit einer PVGIS-Stundenreihe zeigt, wie viel Solarstrom beim Geschirrspüler ankommt und was Startzeit, Zeitvorwahl und Warmwasseranschluss ändern.
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
- 1.Geschirrspüler mit Solarstrom: das Wichtigste in drei Sätzen
- 2.Wie viel Strom ein Spülgang braucht
- 3.Warum die Heizphasen den Solaranteil bestimmen
- 4.So haben wir gerechnet
- 5.Solaranteil nach Startzeit
- 6.Zeitvorwahl: Was die Wartezeit kostet
- 7.Andere Verbraucher teilen sich die Mittagsleistung
- 8.Monate: Winterstart bringt wenig
- 9.Warmwasseranschluss: nur mit dem richtigen Warmwasser
- 10.Checkliste: mehr Solarstrom für den Geschirrspüler
- 11.Häufige Fragen
Ein Geschirrspüler mit Solarstrom: Das Eco-Programm läuft mehr als drei Stunden und scheint wie gemacht für die Mittagssonne. Das Aufheizen des Wassers erledigt die Maschine aber in kurzen Phasen mit bis zu 2.200 W, und die liefert kein Balkonkraftwerk. Wir haben ein Eco-Programm mit 0,84 kWh gegen eine PVGIS-Stundenreihe für Kassel gerechnet, einmal mit gleichmäßiger Leistung und einmal mit Heizphasen. Beim Start um 11 Uhr liegt der Solaranteil am Balkonkraftwerk zwischen 37,4 und 66,7 Prozent. Stand: 13.09.2026.
Geschirrspüler mit Solarstrom: das Wichtigste in drei Sätzen
Wer den Geschirrspüler abends um 19 Uhr startet, deckt mit einem Stecker-Solargerät von 0,8 kWp in unserer Rechnung 3,3 Prozent, um 21 Uhr nichts mehr. Startet das Eco-Programm um 11 Uhr, sind es 37,4 Prozent, wenn die Maschine ihr Wasser in zwei kurzen Phasen mit 2.200 W aufheizt, und 66,7 Prozent, wenn sie gleichmäßig 265 W zieht. Den echten Leistungsverlauf nennt kein Hersteller, deshalb geben wir beide Werte an.
Wie viel Strom ein Spülgang braucht
Für das Eco-Programm nennen die Quellen Werte zwischen 0,5 und 0,93 kWh je Spülgang:
| Quelle | Angabe | Energie je Spülgang | Dauer |
|---|---|---|---|
| bewusst-haushalten.at | Spar/Eco, Orientierungswert | 0,82 bis 0,93 kWh | 3:15 bis 5:00 h |
| Datenblatt Miele G 6365 SCVI XXL | ECO, altes Label, Stand 01/11 | 0,84 kWh | 190 min |
| Datenblatt Bosch ActiveWater Eco A++ | Eco 50, altes Label | 0,92 kWh | 185 min |
| Bosch Schweiz | Eco 50°, je nach Modell | 0,73 kWh | keine Angabe |
| Miele | Eco-Programm allgemein | circa 0,5 bis 0,8 kWh | unter vier Stunden |
| Miele | Eco mit Warmwasseranschluss | 0,29 kWh | keine Angabe |
Andere Programme brauchen mehr. Laut bewusst-haushalten.at liegt das Normalprogramm bei 1,10 bis 1,35 kWh und dauert 1:20 bis 2:00 Stunden, Intensiv bei 1,40 bis 1,60 kWh. Wir rechnen mit den 0,84 kWh und 190 Minuten aus dem Miele-Datenblatt, weil es als einzige Quelle Energie, Dauer und Anschlusswert für dasselbe Gerät nennt.
Das Datenblatt legt dem Jahresverbrauch 280 Spülgänge zugrunde. Das sind 235,2 kWh und bei 37,0 ct/kWh laut BDEW-Strompreisanalyse August 2026 87,02 Euro im Jahr. Seit März 2021 gilt laut HEA das neue Label mit den Klassen A bis G nach Verordnung (EU) 2019/2017. Es nennt den Verbrauch je 100 Zyklen im eco-Programm und dessen Dauer; eine Höchstdauer schreibt die Ökodesign-Verordnung beim Geschirrspüler nicht vor.
Warum die Heizphasen den Solaranteil bestimmen
Ein Geschirrspüler braucht die meiste Energie, um Wasser aufzuheizen. Das Eco-Programm des Siemens SN53ES02AE läuft laut Gebrauchsanleitung in fünf Schritten: Vorspülen, Reinigen mit 50 °C, Zwischenspülen, Klarspülen mit 48 °C und Trocknen. Der Anschlusswert liegt dort bei 2.000 bis 2.400 W, beim Miele G 6365 bei 2.200 W. Miele schreibt, das Eco-Programm ersetze das energieintensive Aufheizen durch mehr Zeit.
Ein Stecker-Solargerät darf nach § 8 Abs. 5a EEG höchstens 800 VA einspeisen. Mit 0,8 kWp lieferte es in der PVGIS-Stundenreihe für Kassel 2023 zwischen 12 und 13 Uhr im Juni im Mittel 474 W. Während der Heizphasen kommt der größte Teil also aus dem Netz, auch mittags im Sommer.
Wie lange die Heizphasen dauern und wie viel Energie in ihnen steckt, steht in keinem der Dokumente. Einen Anhaltspunkt gibt Miele: Mit Warmwasseranschluss braucht das Eco-Programm eines Miele-Geräts nur 0,29 kWh. Wir haben daraus abgeleitet, dass rund 0,55 kWh aufs Aufheizen entfallen. Das ist eine Annahme, gewonnen aus zwei verschiedenen Geräten desselben Herstellers.

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So haben wir gerechnet
Grundlage ist die Stundenreihe von PVGIS für Kassel 2023 mit 35 Grad Neigung, Südausrichtung und 14 Prozent Systemverlusten, umgerechnet in Ortszeit mit Sommerzeit.
- Jeden Tag startet ein Eco-Programm mit 0,84 kWh und 190 Minuten zur vollen Stunde.
- Variante gleichmäßig: Die Maschine zieht die ganze Zeit 265 W.
- Variante Heizphasen: 0,55 kWh mit 2.200 W in zwei gleich langen Phasen ab Minute 10 und ab Minute 120, zusammen 15 Minuten. Die übrigen 0,29 kWh verteilen sich gleichmäßig.
- Die Solarleistung ist innerhalb einer Stunde konstant, beim Stecker-Solargerät höchstens 800 W.
- Im Grundfall läuft nichts anderes. Zur Kontrolle haben wir 150 W Grundlast zuerst versorgt.
Die Lage der Heizphasen ist nicht belegt, sie folgt nur der Reihenfolge Reinigen und Klarspülen aus der Siemens-Anleitung. Die Rechnung zeigt die Spanne, in der der echte Wert liegen dürfte, keine Messung.
Solaranteil nach Startzeit
| Start | 0,8 kWp, Heizphasen | 0,8 kWp, gleichmäßig | 2 kWp, Heizphasen | Dach 8 kWp, Heizphasen |
|---|---|---|---|---|
| 7 Uhr | 17,5 % | 26,7 % | 25,5 % | 43,2 % |
| 9 Uhr | 33,2 % | 59,3 % | 44,2 % | 74,5 % |
| 11 Uhr | 37,4 % | 66,7 % | 48,2 % | 80,6 % |
| 15 Uhr | 28,3 % | 51,5 % | 37,5 % | 64,1 % |
| 19 Uhr | 3,3 % | 3,3 % | 6,3 % | 11,4 % |
| 21 Uhr | 0,0 % | 0,0 % | 0,0 % | 0,1 % |
Auf 280 Spülgänge im Jahr gerechnet, spart das Balkonkraftwerk mit 0,8 kWp beim Start um 11 Uhr 88,0 kWh und 32,55 Euro, wenn die Maschine in Heizphasen arbeitet. Beim Start um 19 Uhr sind es 7,8 kWh und 2,87 Euro. Die Dachanlage mit 8 kWp kommt mittags auf 70,14 Euro.
Zwischen 11 und 12 Uhr unterscheiden sich die Werte kaum, 37,4 und 37,5 Prozent. Die drei Stunden Laufzeit decken beide Male die Mittagsstunden ab.
Zeitvorwahl: Was die Wartezeit kostet
Beide Anleitungen beschreiben eine Zeitvorwahl, der Siemens SN53ES02AE zusätzlich die Steuerung per Home Connect App. Laut HEA darf ein Geschirrspüler mit gewählter Zeitvorwahl höchstens 4 W aufnehmen, für höchstens 24 Stunden; die Miele-Anleitung nennt ebenfalls maximal 4,00 W.
Wer um 21 Uhr einräumt und die Maschine um 11 Uhr starten lässt, wartet 14 Stunden. Das sind höchstens 56 Wh. Dem stehen beim Balkonkraftwerk rechnerisch 314 Wh Solarstrom je Spülgang gegenüber, 37,4 Prozent von 840 Wh. Der Nachteil liegt woanders: Das Geschirr steht über Nacht in der Maschine. Die Siemens-Anleitung nennt für Eco 50° leicht angetrocknete Speisereste, stark angetrocknete und eingebrannte Reste gehören dort ins Intensivprogramm.
Andere Verbraucher teilen sich die Mittagsleistung
Laufen gleichzeitig Geräte mit zusammen 150 W, fiel der Anteil beim Start um 11 Uhr am Balkonkraftwerk von 37,4 auf 23,9 Prozent, in der gleichmäßigen Variante von 66,7 auf 46,7 Prozent. Die Dachanlage verlor nur 3,9 Punkte, von 80,6 auf 76,7 Prozent.
Monate: Winterstart bringt wenig
Beim Start um 11 Uhr deckte das Balkonkraftwerk in der Variante mit Heizphasen im Januar 23,8 Prozent, im Juni 47,6 Prozent und im Dezember 19,7 Prozent. Gleichmäßig verteilt waren es 33,0, 91,6 und 28,5 Prozent. Die Dachanlage kam mit Heizphasen im Dezember auf 57,3 Prozent, im Juni auf 94,6 Prozent.
Die Schwäche der Rechnung ist der unbekannte Leistungsverlauf. Im Juni liegen die beiden Varianten um 44 Punkte auseinander. Eine Messung am eigenen Gerät mit einem Zwischenstecker, der die Leistung sekündlich aufzeichnet, würde die Spanne schließen.
Warmwasseranschluss: nur mit dem richtigen Warmwasser
Miele bietet bei Warmwasseranschluss das Programm SolarSpar an. Laut Miele-Gebrauchsanweisung wird dabei das Spülwasser nicht aufgeheizt. Das Datenblatt des G 6365 nennt einen Warmwasseranschluss bis 60 °C. Mit Warmwasser braucht das Eco-Programm laut Miele nur noch 0,29 kWh.
Ob das Solarstrom spart, hängt davon ab, womit das Warmwasser erzeugt wird. Kommt es aus einem Heizstab, der PV-Überschuss nutzt, verschiebt sich das Aufheizen in den Warmwasserspeicher. Wie das funktioniert, beschreibt der Ratgeber Heizstab mit PV-Überschuss. Kommt das Warmwasser aus einem Gaskessel, verlagert der Anschluss nur Energie vom Strom aufs Gas.

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Checkliste: mehr Solarstrom für den Geschirrspüler
- Schau im Datenblatt nach Energie und Programmdauer des Eco-Programms.
- Lies den Anschlusswert auf dem Typenschild ab. Er zeigt, wie hoch die Heizleistung ungefähr ist.
- Stelle abends die Zeitvorwahl so ein, dass die Maschine zwischen 9 und 12 Uhr startet.
- Starte Waschmaschine und Trockner an denselben Tagen zu anderen Stunden.
- Miss mit einem Zwischenstecker einen Spülgang, wenn du wissen willst, wann die Heizphasen kommen.
- Vergleiche nach einem Monat den Netzbezug mit einem Monat ohne Zeitvorwahl.
- Energie und Dauer des Eco-Programms laut Datenblatt
- Anschlusswert laut Typenschild
- Zeitvorwahl als Start- oder Endzeit
- Warmwasseranschluss vorhanden und womit das Warmwasser erzeugt wird
- Leistung des Stecker-Solargeräts oder der Dachanlage in kWp
- Andere Verbraucher am Vormittag