E-Bike-Akku mit Solarstrom laden: Warum die Uhrzeit mehr zählt als das Modul
Wer den E-Bike-Akku abends einsteckt, lädt fast nur mit Netzstrom. Unsere Rechnung mit einer PVGIS-Stundenreihe zeigt, wie Uhrzeit und Ladegerät den Solaranteil am Stecker-Solargerät verändern – und was das Institut für Schadenverhütung zum sicheren Laden rät.
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
- 1.E-Bike mit Solarstrom laden: das Wichtigste in drei Sätzen
- 2.Wie viel Strom ein E-Bike-Akku braucht
- 3.Drei Ladegeräte, drei Ladeleistungen
- 4.So haben wir gerechnet
- 5.Die Uhrzeit entscheidet: 77,6 statt 23,0 Prozent
- 6.Das kleine Ladegerät passt besser zum Balkonkraftwerk
- 7.Sommer gegen Winter: was im Dezember bleibt
- 8.Sicher laden: was das Institut für Schadenverhütung rät
- 9.Laden beim Arbeitgeber: steuerfrei nach BMF
- 10.Was der Solarstrom beim E-Bike spart
- 11.So lädst du den Akku mit Sonnenstrom
- 12.Was wir nicht belegen konnten
- 13.Häufige Fragen zum E-Bike-Akku mit Solarstrom
Ein E-Bike-Akku ist ein kleiner Verbraucher mit einer großen Frage: Wann hängt er am Ladegerät? Wer abends nach der Fahrt einsteckt, lädt fast ganz mit Netzstrom, auch wenn auf dem Balkon Module hängen. Wir haben mit einer PVGIS-Stundenreihe für Kassel durchgerechnet, welchen Anteil ein Stecker-Solargerät mit 0,8 kWp je nach Uhrzeit und Ladegerät deckt, und die Sicherheitshinweise des Instituts für Schadenverhütung dazugelegt. Stand: 13.09.2026.
E-Bike mit Solarstrom laden: das Wichtigste in drei Sätzen
Eine Ladung von 375 Wh mit dem 4-Ampere-Ladegerät deckte ein Stecker-Solargerät in unserer Rechnung zu 77,6 Prozent, wenn sie um 10 Uhr begann, und zu 23,0 Prozent, wenn sie um 18 Uhr begann. Ein kleineres Ladegerät mit 2 Ampere hob die Ladung am Vormittag auf 87,0 Prozent. In Euro bleibt es wenig: 1.000 Kilometer kosten bei 7,5 Wh je Kilometer und 37,0 ct/kWh rund 2,78 Euro Strom.
Wie viel Strom ein E-Bike-Akku braucht
Gängige Akkus haben heute 500 bis 750 Wh. Für den Bosch PowerTube 750 nennt der Händler eBike24 auf seiner Produktseite Reichweiten „up to 100 kilometres", unter optimalen Bedingungen bis 140 km. Daraus ergeben sich nach unserer Rechnung 7,5 Wh je Kilometer im normalen und rund 5,4 Wh je Kilometer im günstigsten Fall.
Wie weit die Spanne in der Praxis reicht, zeigt eine Presseinformation des IFS aus Kiel vom Juli 2015: Ein Akku hält danach je nach Strecke, Wind, Gewicht und Schaltverhalten zwischen 40 und 140 Kilometer. Die meisten Fahrten sind kürzer. Bei 20 Kilometern am Tag und 7,5 Wh je Kilometer sind es 150 Wh — ein Fünftel eines großen Akkus.
Rechne deinen eigenen Wert nach: Lies nach der Fahrt auf dem Display den Ladestand in Prozent ab. Zehn Prozent eines 750-Wh-Akkus sind 75 Wh. Ladeverluste im Netzteil kommen noch hinzu; einen Wirkungsgrad nennen die gelesenen Händlerseiten nicht.
Drei Ladegeräte, drei Ladeleistungen
Bosch bietet für seine Akkus mit 36 V Ladegeräte mit unterschiedlichem Ladestrom an. Die Leistung haben wir aus Spannung und Strom berechnet:
| Ladegerät | Ausgang laut Händler | Leistung (berechnet) | Ladezeit 500 Wh |
|---|---|---|---|
| Compact Charger 2A | 36 V, 2 A | 72 W | 7,5 Stunden |
| Standard Charger 4A | 36 V, 4 A | 144 W | 4,5 Stunden |
| Fast Charger 6A | 6 A | 216 W | 3 Stunden |
Die Ladezeiten stammen von eBike24 und vom britischen Händler Fully Charged. Für das Schnellladegerät haben wir die 36 V der beiden anderen Geräte übernommen; auf der Seite selbst stand nur der Strom. Den Ladestrom deines eigenen Geräts findest du auf dem Typenschild des Netzteils. Ein Ladegerät arbeitet nicht die ganze Zeit mit voller Leistung, zum Ende der Ladung wird der Strom kleiner. Das haben wir in der Rechnung nicht abgebildet.
So haben wir gerechnet
Das Photovoltaic Geographical Information System (PVGIS) der EU-Kommission liefert die Leistung einer PV-Anlage Stunde für Stunde. Wir haben das Jahr 2023 für Kassel abgerufen: Module 35 Grad nach Süden, 14 Prozent Systemverluste, umgerechnet auf ein Stecker-Solargerät mit 0,8 kWp. Dagegen haben wir an jedem Tag des Jahres eine Ladung gelegt.
- Jede Ladung beginnt zur selben Uhrzeit und läuft mit der vollen Leistung des Ladegeräts, bis die Energiemenge erreicht ist.
- Für jede Stunde zählt, welcher Teil der Ladeleistung aus der gleichzeitigen Modulleistung kommt.
- Außer dem Ladegerät hängt kein anderer Verbraucher am Stecker-Solargerät.
- Gerechnet haben wir 150 Wh (eine kurze Pendelstrecke), 375 Wh (ein halber großer Akku) und 750 Wh (eine volle Ladung).
Die Uhrzeit entscheidet: 77,6 statt 23,0 Prozent
Ergebnis für das Standard-Ladegerät mit 144 W und eine Ladung von 375 Wh, gemittelt über das Jahr 2023:
| Beginn der Ladung | Anteil Solarstrom im Jahr |
|---|---|
| 8 Uhr | 57,5 % |
| 10 Uhr | 77,6 % |
| 12 Uhr | 79,4 % |
| 17 Uhr | 41,6 % |
| 18 Uhr | 23,0 % |
| 20 Uhr | 1,4 % |
Um 8 Uhr liefern die Module noch nicht die 144 W, die das Ladegerät zieht. Zwischen 10 und 12 Uhr passt beides zusammen. Wer um 18 Uhr einsteckt, bekommt nur im Sommer noch einen Teil vom Dach, im Januar und Dezember gar nichts. Um 20 Uhr ist die Solarladung praktisch vorbei.
Die Größe der Ladung spielt am Vormittag kaum eine Rolle: 150 Wh ab 10 Uhr kamen auf 75,5 Prozent, 750 Wh auf 77,0 Prozent. Abends dagegen sehr: 150 Wh ab 18 Uhr kamen noch auf 40,8 Prozent, 750 Wh nur auf 11,5 Prozent, weil die lange Ladung bis in die Nacht reicht.

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Das kleine Ladegerät passt besser zum Balkonkraftwerk
Bei gleicher Ladung von 375 Wh verschieben sich die Werte mit dem Ladegerät deutlich:
| Ladegerät | Beginn 10 Uhr | Beginn 18 Uhr |
|---|---|---|
| 2 A, 72 W | 87,0 % | 16,3 % |
| 4 A, 144 W | 77,6 % | 23,0 % |
| 6 A, 216 W | 69,9 % | 25,0 % |
Am Vormittag gewinnt das langsame Gerät, weil 72 W auch an einem bewölkten Tag häufig vom Modul kommen. Abends dreht sich das Bild um: Das Schnellladegerät holt in der letzten Sonnenstunde mehr heraus, bevor es dunkel wird. Ein typischer Fehler ist, sich für die Solarladung ein Schnellladegerät zu kaufen — es lädt zwar schneller, zieht aber in jeder Stunde mehr, als ein Stecker-Solargerät oft liefert.
Sommer gegen Winter: was im Dezember bleibt
Monatswerte für das 144-W-Ladegerät und 375 Wh:
| Monat | Beginn 10 Uhr | Beginn 18 Uhr |
|---|---|---|
| Januar | 50,0 % | 0,0 % |
| April | 89,2 % | 34,3 % |
| Juni | 95,2 % | 56,6 % |
| September | 95,7 % | 27,0 % |
| Dezember | 40,5 % | 0,0 % |
Im Winter deckt auch die Vormittagsladung nur noch rund die Hälfte. Dazu kommt ein zweiter Grund, im Winter genauer hinzuschauen: Das IFS rät, nach einem Winter in der kalten Garage die ersten Ladevorgänge genauer zu beobachten, weil Lithium-Ionen-Akkus niedrige Temperaturen schlecht vertragen.
Sicher laden: was das Institut für Schadenverhütung rät
Das IFS ist das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer in Kiel. Es untersucht Brände für Versicherer und schreibt auf seiner Seite Brände durch Fahrradakkus: „Die meisten Brände entstehen in der Ladephase." Deshalb empfiehlt es, Lithium-Akkus auf einer nicht brennbaren Unterlage und in einem Raum mit Rauchmelder zu laden.
In einem Fallbericht beschreibt das IFS einen Brand im Werkstattraum eines Einfamilienhauses. Der Akku des E-Bikes wurde zum Schadenzeitpunkt geladen; Ursache war ein technischer Defekt im Akku, einige Zellen waren thermisch durchgegangen. Nach derselben Quelle wurden allein 2021 in Deutschland zwei Millionen E-Bikes gekauft.
Aus der Presseinformation von 2015 stammen weitere Hinweise: das Ladegerät nicht auf, neben oder unter brennbaren Materialien betreiben, Steinböden seien gut geeignet, den Akku nicht über Nacht in Wohnräumen laden und nur das mitgelieferte oder vom Hersteller empfohlene Ladegerät verwenden.
Wo du den Akku lädst, hängt auch vom Raum ab. Was für Keller und Garage beim Heimspeicher gilt, steht im Ratgeber Speicher im Keller oder in der Garage.
Laden beim Arbeitgeber: steuerfrei nach BMF
Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, kann den Akku auch dort laden. Das Bundesministerium der Finanzen regelt im BMF-Schreiben vom 11. November 2025 in Randnummer 11: Vorteile für das Aufladen von Elektrofahrrädern, die verkehrsrechtlich kein Kraftfahrzeug sind, gehören „aus Billigkeitsgründen" nicht zum Arbeitslohn. Das gilt für das Laden im Betrieb des Arbeitgebers oder eines verbundenen Unternehmens und ist zeitlich nicht befristet.
Für schnelle E-Bikes, deren Motor über 25 km/h unterstützt, gilt nach Randnummer 10 die Steuerbefreiung des § 3 Nr. 46 EStG, weil sie als Kraftfahrzeug zählen. Für die Solarrechnung zu Hause heißt das: Wer tagsüber im Betrieb lädt, braucht am Abend zu Hause oft gar keine Ladung mehr. Wie das Überschussladen beim E-Auto funktioniert, erklärt der Ratgeber Wallbox mit PV-Überschuss laden.
Was der Solarstrom beim E-Bike spart
Bei 37,0 ct/kWh laut BDEW-Strompreisanalyse August 2026 kosten 1.000 km mit 7,5 Wh je Kilometer rund 2,78 Euro, mit 5,4 Wh je Kilometer rund 2,00 Euro, jeweils ohne Ladeverluste. Lädst du ab 10 Uhr und kommen 77,6 Prozent vom eigenen Modul, sparst du je 1.000 km rund 2,15 Euro. Ab 18 Uhr sind es rund 0,64 Euro.
Der Nachteil ist offensichtlich: Das E-Bike ist kein Grund, eine PV-Anlage zu kaufen. Es ist ein Verbraucher, der sich leicht verschieben lässt und damit den Eigenverbrauch einer vorhandenen Anlage erhöht, statt Strom für die Einspeisung zu verschenken. Weitere Stellschrauben stehen im Ratgeber Eigenverbrauch optimieren, einen ähnlichen Fall mit festen Fahrzeiten beschreibt Mähroboter mit Solarstrom laden.
So lädst du den Akku mit Sonnenstrom
- Nimm den Akku nach der Fahrt ab und lass ihn bis zum nächsten Vormittag bei Zimmertemperatur liegen.
- Schau in der App deines Stecker-Solargeräts nach, ab wann der Ertrag über der Leistung deines Ladegeräts liegt.
- Stell das Ladegerät auf einen Steinboden oder eine nicht brennbare Unterlage in einem Raum mit Rauchmelder.
- Stecke um diese Uhrzeit ein und bleib in der Nähe.
- Prüfe an einem trüben Tag, ob das kleinere Ladegerät mehr Solarstrom nutzt.
- Zieh das Ladegerät nach der Ladung aus der Steckdose.
- Akkukapazität in Wh
- Ladestrom des Ladegeräts in A
- Typische Tagesstrecke in Kilometern
- Leistung des Stecker-Solargeräts in kWp
- Andere Verbraucher am Vormittag
- Raum mit Rauchmelder und nicht brennbarem Untergrund

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Was wir nicht belegen konnten
Den Wirkungsgrad der Ladegeräte und den Verlauf der Ladeleistung zum Ende der Ladung nennen die gelesenen Händlerseiten nicht; eine Bedienungsanleitung von Bosch mit diesen Angaben haben wir nicht gelesen. Die Ausgangsspannung des Schnellladegeräts haben wir von den anderen Geräten übernommen. Einen Verbrauchswert je 100 km von einer unabhängigen Stelle haben wir nicht direkt gelesen; unsere Wh je Kilometer sind aus der Reichweitenangabe des Händlers berechnet.
Die Brandhinweise des IFS stammen zum Teil aus dem Jahr 2015. Ob eine Hausratversicherung bei einem Brand beim Laden über Nacht leistet, haben wir nicht geprüft. Unsere Deckungswerte gelten für Kassel 2023 und ein nach Süden ausgerichtetes Modul.