Fehlerstrom-Schutzschalter bei der PV-Anlage: Typ B, Typ A oder gar keiner?
„AC-Absicherung inklusive FI-Schalter" steht in fast jedem Angebot — welcher Typ, welcher Bemessungsfehlerstrom und ob ueberhaupt einer noetig ist, steht nirgends. Was die frei zugaenglichen Quellen dazu belegen.
Inhaltsverzeichnis · 18 Abschnitte
- 1.Was DIN VDE 0100-712 zum Fehlerstrom-Schutzschalter wirklich sagt
- 2.Der Weg ohne Fehlerstrom-Schutzschalter: der Leitungsschutzschalter schaltet ab
- 3.Die Zahl, die kein Netzbetreiber garantiert
- 4.Netzform TN-C: hier ist ein Fehlerstrom-Schutzschalter unzulässig
- 5.Der Wechselrichter überwacht den Fehlerstrom längst selbst
- 6.Typ AC, A, F, B und B+: was jeder Typ zusätzlich erkennt
- 7.6 Milliampere: die Grenze, an der Typ A kippt
- 8.Was die Hersteller freigeben — und wie weit sie auseinanderliegen
- 9.Ein Schutzschalter je Wechselrichter — und kein Verbraucher dazwischen
- 10.Wie groß muss der Leitungsschutzschalter sein? Drei Abschläge entscheiden
- 11.Die maximal zulässige Absicherung steht im Datenblatt
- 12.Selektivität: warum der SLS-Schalter nicht mitauslösen darf
- 13.Keine Schraubsicherung als Lasttrenner
- 14.Brandschutz statt Personenschutz: 300 Milliampere in Scheune und Holzhaus
- 15.Was du an deiner eigenen Anlage prüfen kannst
- 16.Was wir hier nicht belegen können
- 17.Häufige Fragen zum Fehlerstrom-Schutzschalter bei der PV-Anlage
- 18.Quellen
Im Angebot steht eine einzige Zeile: „AC-seitige Absicherung inklusive FI-Schalter". Was davon tatsächlich in den Zählerschrank kommt, entscheidet der Monteur am Einbautag — und wenn er den falschen Typ wählt, merkst du es entweder nie oder an einem Schalter, der jeden sonnigen Mittag herausfliegt.
„Typ A oder Typ B?" ist dabei erst die zweite Frage. Die erste lautet: Braucht die Anlage überhaupt einen Fehlerstrom-Schutzschalter? Die Antwort steht in einer Norm, die du nicht kostenlos lesen kannst, hängt an einer Zahl, die dir kein Netzbetreiber garantiert, und wird in manchen Netzgebieten von der Netzform selbst entschieden. Dieser Artikel arbeitet sich durch die frei zugänglichen Quellen: Herstellerdokumente von SMA und KOSTAL, die Typenübersicht von ABB, eine Technikinformation von Hager und die Technischen Anschlussbedingungen für das Niederspannungsnetz.
Was DIN VDE 0100-712 zum Fehlerstrom-Schutzschalter wirklich sagt
Die Forderung, die in fast jeder Diskussion zitiert wird, ist ein Bedingungssatz. SMA gibt sie in der Technischen Information RCD-TI-de-45 so wieder: Wird eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung für den Schutz des PV-Wechselstromkreises verwendet, muss sie vom Typ B sein. Eine Ausnahme besteht, wenn der Hersteller des Wechselrichters die Freigabe für andere Typen erteilt.
Das ist keine Einbaupflicht. Es ist eine Typvorschrift für den Fall, dass eingebaut wird. Dass die Norm genau so gemeint ist, lässt sich an zweiter Stelle nachlesen: In der Normenübersicht des ABB-Anwendungshandbuchs von August 2022 steht DIN VDE 0100-712:2016-10 für Photovoltaik-Anlagen mit dem Zusatz „nach Bedarf" — anders als etwa Möbel und Beleuchtungsanlagen im Freien, wo dieselbe Tabelle 30 Milliampere als gefordert ausweist.
Die praktische Folge: Wer behauptet, eine PV-Anlage brauche „laut Norm" einen Fehlerstrom-Schutzschalter vom Typ B, hat die Hälfte der Regel gelesen. Ob überhaupt einer gebraucht wird, entscheidet ein anderer Normteil — DIN VDE 0100-410, der Schutz durch automatische Abschaltung.
Der Weg ohne Fehlerstrom-Schutzschalter: der Leitungsschutzschalter schaltet ab
Nach DIN VDE 0100-410 muss die Stromversorgung im Fehlerfall innerhalb vorgeschriebener Zeiten abgeschaltet werden: bei 230 Volt Wechselspannung in 0,4 Sekunden im TN-Netz und in 0,2 Sekunden im TT-Netz. Erreichen kann das ein Leitungsschutzschalter — oder ein Fehlerstrom-Schutzschalter. Beides zusammen ist nur nötig, wenn das erste nicht ausreicht.
Ausreichend ist der Leitungsschutzschalter dann, wenn im Fehlerfall genug Strom fließt, um seinen magnetischen Auslöser zu erreichen. Der Auslösestrom hängt allein an der Charakteristik: Bei B-Charakteristik ist es der 5-fache Nennstrom, bei C-Charakteristik der 10-fache. Ein B16 löst also bei 80 Ampere sicher aus, ein C32 erst bei 320 Ampere.
SMA rechnet das in derselben Technischen Information an zwei Beispielen vor. Erster Fall: Sunny Boy SB2.5-1VL-40 im TN-Netz, abgesichert mit B16, gemessene Schleifenimpedanz 1,5 Ohm. Über die Fehlerschleife können 153 Ampere fließen, gebraucht werden 80 — der Leitungsschutzschalter genügt als Fehlerschutz, ein Fehlerstrom-Schutzschalter ist dafür nicht erforderlich. Zweiter Fall: Sunny Tripower STP 15000TL-30 im TT-Netz mit C32, Schleifenimpedanz 0,2 Ohm und Erderwiderstand 1,1 Ohm, zusammen 1,3 Ohm. Hier fließen nur 177 Ampere, nötig wären 320. Der C32 schaltet nicht rechtzeitig ab.
Die beiden Auswege im Dokument sind lehrreich, weil sie zeigen, wie stark das Ergebnis an einer einzigen Entscheidung hängt: Ein B32 an derselben Stelle löst bei 160 Ampere aus und liegt damit unter den 177, die fließen — er genügt. Oder es kommt ein Fehlerstrom-Schutzschalter dazu, im Beispiel ein Typ A mit 500 Milliampere Bemessungsdifferenzstrom.
Die Zahl, die kein Netzbetreiber garantiert
Damit steht und fällt das Schutzkonzept mit der Schleifenimpedanz — und genau diese Zahl ist die unsicherste im ganzen Vorgang. Die Technischen Anschlussbedingungen sagen das ungewöhnlich offen. Im Bundesmusterwortlaut der TAB 2019, hier in der Fassung der EWR Netz GmbH, heißt es in Kapitel 11: Der zum Errichtungszeitpunkt gemessene Wert kann sich zum Beispiel durch Änderungen im Netzaufbau verändern; die Schleifenimpedanz kann vom Netzbetreiber „weder angegeben" noch der gemessene Wert dauerhaft garantiert werden.
Das ist kein Kleingedrucktes, sondern eine Zuständigkeitsverschiebung. Der Netzbetreiber erteilt lediglich Auskunft über das vorhandene Netzsystem — die Anwendung der Schutzmaßnahme „Schutz durch automatische Ausschaltung mit Überstrom-Schutzeinrichtungen" erfolgt, so die Ergänzung derselben TAB, „immer in Eigenverantwortung des Anlagenerrichters". Wer also auf den Fehlerstrom-Schutzschalter verzichtet, verlässt sich auf einen Messwert vom Tag der Inbetriebsetzung und trägt die Verantwortung dafür allein.
Und die TAB sind keine Empfehlung: Sie gelten gemäß § 19 EnWG als technische Mindestanforderungen des Netzbetreibers und sind Bestandteil des Netzanschlussvertrags. Was dort steht, ist für deine Anlage verbindlich, auch wenn du das Dokument nie gelesen hast.
Netzform TN-C: hier ist ein Fehlerstrom-Schutzschalter unzulässig
Es gibt einen Fall, in dem die Typfrage sich gar nicht stellt, weil das Gerät dort nicht eingebaut werden darf. SMA formuliert es mit Ausrufezeichen: In TN-C-Netzen ist der Einsatz einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung nicht zulässig. Der Grund liegt in der Netzform selbst — im TN-C-System sind Schutz- und Neutralleiter zu einem PEN-Leiter zusammengefasst, und ein Fehlerstrom-Schutzschalter kann keinen Fehlerstrom erkennen, der über den Leiter zurückläuft, den er selbst mitmisst.
Wie unterschiedlich das in der Praxis aussieht, zeigt ein einziges Dokument. In derselben TAB-Veröffentlichung stehen die Ergänzungen zweier Netzbetreiber direkt hintereinander: Bei der EWR Netz GmbH gilt „für das gesamte Netzgebiet die Netzform: TN". Das Netz der Mainzer Netze GmbH „entspricht grundsätzlich der Netzform TN-C". Zwei Versorger, ein Dokument, zwei Antworten auf die Frage, ob in deinem Zählerschrank überhaupt ein Fehlerstrom-Schutzschalter sitzen darf.
In der Praxis wird im Wohnhaus meist ab dem Zählerschrank auf TN-S getrennt, sodass im Endstromkreis wieder ein Schutzschalter möglich ist. Aber welche Netzform draußen ankommt, musst du erfragen — und die Auskunft darüber schuldet dir der Netzbetreiber. Dieselbe TAB schiebt noch eine Regel nach, die zur Erdung und zum Potentialausgleich am Modulgestell gehört: Der PEN- beziehungsweise Neutralleiter des Verteilnetzes darf nicht als Erdungsleiter für Schutz- und Funktionszwecke von Erzeugungsanlagen verwendet werden.

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Der Wechselrichter überwacht den Fehlerstrom längst selbst
Ein Argument fehlt in den meisten Diskussionen: Der Wechselrichter bringt seine eigene Fehlerstromüberwachung mit. SMA beschreibt sie in der Betriebsanleitung des Sunny Boy Storage als allstromsensitive Fehlerstrom-Überwachungseinheit nach IEC/EN 62109-2 und VDE 0126-1-1. Sie überwacht AC- und DC-Fehlerströme und trennt das Gerät bei Fehlerstromsprüngen über 30 Milliampere redundant vom öffentlichen Stromnetz; arbeitet die Einheit selbst fehlerhaft, trennt der Wechselrichter sofort allpolig.
Daraus folgt der Satz, der in derselben Anleitung steht und den viele Angebote nicht kennen: Wird der Schutz durch automatische Abschaltung nach DIN VDE 0100-410 durch eine entsprechende Überstrom-Schutzeinrichtung erfüllt, benötigt der Wechselrichter für den sicheren Betrieb keinen externen Fehlerstrom-Schutzschalter.
Warum die Norm dennoch auf Typ B zielt, erklärt KOSTAL in einer Herstellererklärung zu RCD und RCM: Die Produktnorm EN 62109-1 empfiehlt bei galvanisch nicht entkoppelten, also transformatorlosen Wechselrichtern in der Regel den Typ B. Transformatorlose Geräte sind heute der Normalfall, und sie können bauartbedingt im Betrieb einen Gleichstrom im Schutzleiter verursachen. Genau dieser Gleichstrom ist der Grund für die ganze Typendiskussion.
Typ AC, A, F, B und B+: was jeder Typ zusätzlich erkennt
Die Typen sind keine Qualitätsstufen, sondern eine Leiter von Fehlerstromformen. ABB beschreibt sie im Anwendungshandbuch als Kette, in der jeder Typ alles kann, was der vorige konnte, plus eine weitere Stromform. Typ AC erkennt nur Wechselstrom und ist in Deutschland nach VDE 0100-530 Abschnitt 531.3.3 nicht zugelassen.
Typ A erkennt zusätzlich pulsierenden Gleichstrom mit einem Gleichstromanteil von höchstens 6 Milliampere. Typ F kommt auf höchstens 10 Milliampere Gleichanteil und Mischfrequenzen bis 1 Kilohertz. Typ B erkennt glatte Gleichströme und hochfrequente Ströme bis 2 Kilohertz, Typ B+ bis 20 Kilohertz.
| Typ | Erkennt zusätzlich | Grenzwert laut ABB-Handbuch |
|---|---|---|
| AC | nur Wechselfehlerströme | in Deutschland nicht zugelassen |
| A | pulsierenden Gleichstrom | Gleichstromanteil max. 6 mA |
| F | Mischfrequenzen, kurzzeitverzögert | Gleichanteil max. 10 mA, bis 1 kHz |
| B | glatte Gleichfehlerströme | hochfrequent bis 2 kHz |
| B+ | Brandschutz, höhere Frequenzen | bis 20 kHz, Auslösung bei max. 420 mA |
Interessant ist, wie unscharf die Auslösung bei Gleichstrom wird. Ein Wechselfehlerstrom löst den Schalter laut derselben Tabelle zwischen 0,5 und 1 mal seinem Bemessungsdifferenzstrom aus. Ein glatter Gleichfehlerstrom dagegen erst zwischen 0,5 und 2 mal — ein Typ B mit 30 Milliampere darf also bis 60 Milliampere warten. Die Abschaltzeiten sind beim Standardtyp mit höchstens 0,3 Sekunden beim einfachen und 0,04 Sekunden beim fünffachen Bemessungsdifferenzstrom angegeben; selektive Ausführungen dürfen 0,13 bis 0,5 Sekunden brauchen.
6 Milliampere: die Grenze, an der Typ A kippt
Die Zahl, um die es geht, ist klein. KOSTAL schreibt in der Herstellererklärung: Wenn der Gleichstrom den Wert von 6 Milliampere überschreiten kann, ist auf der Wechselstromseite zum Netz hin nur ein Typ B zulässig. Der physikalische Grund steht daneben: Ein Gleichstromanteil über 6 Milliampere kann zu einer Vormagnetisierung von Geräten mit elektromagnetischen Spulen führen — und weil diese Geräte den Fehlerstrom elektromagnetisch erfassen, ist dann nicht mehr sicher, dass sie überhaupt noch auslösen.
Ein Typ A verliert an dieser Stelle also nicht Empfindlichkeit, sondern möglicherweise seine Funktion. Deshalb steht in derselben Erklärung, dass KOSTAL grundsätzlich den Typ B empfiehlt, und deshalb nennt ABB in einer Fußnote die Bedingung, unter der Typ A trotzdem genügt: bei Geräten bis 4 Kilovoltampere, die über eine Steckverbindung angeschlossen werden und deren Schutzleiterstrom eine Gleichstromüberlagerung bis 6 Milliampere aufweisen darf.
Was die Hersteller freigeben — und wie weit sie auseinanderliegen
Genau hier zeigt der Vergleich zweier Hersteller, warum „Typ B, 30 Milliampere" als Standardangabe im Angebot nichts wert ist. Bei SMA hängt der Mindestwert an der Leistungsklasse: Für die Sunny Boy Storage von SBSE3.6-50 bis SBSE6.0-50 muss der Bemessungsfehlerstrom 30 Milliampere oder höher sein, für SBSE8.0-50 und SBSE9.9-50 dagegen 100 Milliampere oder höher.
Beim Sunny Tripower X sind Typ A und Typ B ab Firmware-Version 3.00.05.R mit mindestens 30 Milliampere freigegeben. KOSTAL nennt für den Plenticore BI G2 auf der AC-Seite einen Typ A ab 300 Milliampere, wobei die Typ-A-Kompatibilität im Webserver des Geräts eingestellt wird — Werkseinstellung ist die Kompatibilität zu Typ A.
| Gerät | Freigegebener Typ | Bemessungsfehlerstrom |
|---|---|---|
| SMA Sunny Boy Storage SBSE3.6-50 bis SBSE6.0-50 | Typ A oder Typ B | mindestens 30 mA |
| SMA Sunny Boy Storage SBSE8.0-50 / SBSE9.9-50 | Typ A oder Typ B | mindestens 100 mA |
| SMA Sunny Tripower X (ab Firmware 3.00.05.R) | Typ A oder Typ B | mindestens 30 mA |
| KOSTAL Plenticore BI G2 | Typ A (im Webserver umstellbar) | mindestens 300 mA |
| KOSTAL PIKO (Herstellererklärung) | Typ B empfohlen | keine Zahl genannt |
Zwischen 30 und 300 Milliampere liegt der Faktor 10 — und beide Angaben stehen in Herstellerdokumenten aus demselben Jahrzehnt, für Geräte derselben Gebäudeklasse. Wer pauschal 30 Milliampere einbaut, riskiert bei einem Gerät, das 100 verlangt, genau das, was SMA als Gefahr benennt: Fehlauslösungen. Wer pauschal Typ A einbaut, weil „der Hersteller das freigibt", muss belegen können, welcher Hersteller das für welches Modell tut.

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Ein Schutzschalter je Wechselrichter — und kein Verbraucher dazwischen
Zwei Sätze aus den SMA-Anleitungen werden regelmäßig übersehen, sobald mehr als ein Gerät im Haus hängt — und spätestens beim Nachrüsten eines Speichers hängt mehr als eines im Haus. Erstens: Jeder Wechselrichter der Anlage muss über einen eigenen Fehlerstrom-Schutzschalter an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden. Zweitens: Bei Anlagen mit mehreren Wechselrichtern muss jeder Wechselrichter mit einem eigenen Leitungsschutzschalter abgesichert werden, und die maximal zulässige Absicherung des jeweiligen Geräts ist einzuhalten.
Dazu kommt eine Einschränkung, die in der Praxis oft verletzt wird: Verbraucher, die zwischen Wechselrichter und Leitungsschutzschalter installiert werden, müssen separat abgesichert werden. Die bequeme Lösung, den Wechselrichter einfach auf einen freien Stromkreis mit Steckdosen im Technikraum zu legen, ist damit keine.
- Lass dir im Angebot Typ, Bemessungsfehlerstrom und Größe des Leitungsschutzschalters einzeln ausweisen — nicht als Pauschalposten „AC-Absicherung".
- Lade die Betriebsanleitung deines Wechselrichtermodells herunter und prüfe, welche Typen dort freigegeben sind und welchen Mindestwert sie nennen.
- Frage beim Netzbetreiber die Netzform deines Anschlusses ab; die Auskunft über das vorhandene Netzsystem schuldet er dir nach den Technischen Anschlussbedingungen.
- Lass die gemessene Schleifenimpedanz ins Prüfprotokoll schreiben, wenn auf einen Fehlerstrom-Schutzschalter verzichtet wird.
- Bestehe auf dem Inbetriebsetzungsprotokoll nach Vordruck E.8 der VDE-AR-N 4105 — die TAB verlangt, dass die Prüfungen vor Aufnahme des Netzparallelbetriebs dokumentiert werden.
Wie groß muss der Leitungsschutzschalter sein? Drei Abschläge entscheiden
Ein Leitungsschutzschalter trägt seinen Nennstrom nicht unter allen Umständen. SMA nennt in der Technischen Information LSS-TI-de-46 drei Faktoren, die in Photovoltaikanlagen stärker wirken als in gewöhnlichen Installationen, und rechnet sie an einer Anlage mit neun Wechselrichtern Sunny Mini Central 7000HV vor — maximaler Ausgangsstrom je Gerät 31 Ampere, maximal zulässige Absicherung 50 Ampere.
Der erste Abschlag ist die Dauerlast: Weil in der Photovoltaik Lasten über mehr als eine Stunde möglich sind, rechnet SMA mit dem Faktor 0,9. Der zweite ist die gegenseitige Erwärmung: Neun ohne Abstand aneinandergereihte Schalter ergeben den Faktor 0,77 — bei einem einzelnen Schalter wäre es 1. Der dritte Faktor geht in die andere Richtung: Bei 40 Grad Celsius im Verteiler steigt der zulässige Strom um den Faktor 1,07, weil die Schalter auf 50 Grad Celsius ausgelegt sind.
Für einen 40-Ampere-Schalter ergibt das einen Nennbelastungsstrom von 40 Ampere mal 0,9 mal 0,77 mal 1,07, also 29,7 Ampere. Das ist weniger als die 31 Ampere, die der Wechselrichter im Normalbetrieb liefert: Der Schalter löst im Nennbetrieb aus.
Ein 50-Ampere-Schalter käme auf 37,1 Ampere und würde halten — dann ist allerdings die im Beispiel gewählte Leitung mit 6 Quadratmillimetern und 32,2 Ampere Tragfähigkeit zu klein. Die zweite Lösung ist billiger und wird selten gewählt: 8 Millimeter Abstand zwischen den Schaltern heben den Minderungsfaktor von 0,77 auf 0,98, und der 40-Ampere-Schalter kommt auf 37,7 Ampere.
Wer also einen Wechselrichter neben den bestehenden Sicherungen in eine dicht gepackte Reihe klemmt und sich über sporadisches Auslösen an Hochsommertagen wundert, hat kein Gerätedefizit, sondern ein Wärmeproblem. Für die Gleichstromseite gilt eine andere Logik; dort entscheidet fast immer nicht die Strombelastbarkeit, sondern der Spannungsfall über die DC-Leitung.
Die maximal zulässige Absicherung steht im Datenblatt
Nach oben ist die Wahl nicht frei. Jeder Wechselrichter hat eine maximal zulässige Absicherung, und sie unterscheidet sich um eine Größenordnung: 16 Ampere bei den kleinen Sunny Boy von SB1.5-1VL-40 bis SB2.5-1VL-40, 32 Ampere bei SB3.0-1AV-41 bis SB6.0-1AV-41, 50 Ampere bei den dreiphasigen STP 15000TL-30 bis STP 25000TL-30, 100 Ampere beim STP 50-40 und 160 Ampere beim SHP 75-10.
Die Grenze ist keine Empfehlung, sondern eine Bedingung des Geräts. Gleichzeitig begrenzt die Leitung: Für den Sunny Tripower X gibt SMA einen Leiterquerschnitt von 1,5 bis 6 Quadratmillimetern für das AC-Kabel an, und welcher Wert davon zulässig ist, hängt von Verlegeart, Häufung und Umgebungstemperatur ab. Reicht der vorhandene Platz im Schrank für die nötigen Abstände nicht, ist das ein Thema für den Umbau des Zählerschranks — und keines, das man mit einem größeren Schalter löst.
Selektivität: warum der SLS-Schalter nicht mitauslösen darf
Über dem Zählerschrank sitzt in der Regel ein selektiver Hauptleitungsschutzschalter, in den Anschlussbedingungen SH-Schalter genannt. Die TAB definiert ihn mit Verweis auf DIN VDE 0641-21 als strombegrenzendes Schaltgerät, das Überströme bis zu bestimmten Grenzen führt, ohne abzuschalten, wenn diese im nachgeschalteten Einzelstromkreis auftreten — die Abschaltung übernimmt dort die nachgeschaltete Schutzeinrichtung. Genau das ist Selektivität: Ein Fehler im PV-Stromkreis soll den Wechselrichter vom Netz nehmen, nicht das ganze Haus.
Hager gibt die Auslösebänder in der Technikinformation zu den SLS-Schaltern an. Die E-Charakteristik löst thermisch zwischen dem 1,05- und 1,2-fachen und magnetisch zwischen dem 5- und 6,25-fachen Nennstrom aus; die Cs-Charakteristik thermisch zwischen 1,13- und 1,45-fach, magnetisch zwischen 6,5- und 10-fach. Bemessungsströme reichen von 16 bis 100 Ampere, das Bemessungsschaltvermögen liegt bei 25 Kiloampere.
Zu nachgeschalteten Leitungsschutzschaltern besteht laut demselben Dokument Kurzschlussselektivität bis mindestens 6 beziehungsweise 10 Kiloampere, unabhängig vom Bemessungsstrom des SLS.
In der dreistufigen Kaskade sieht das so aus: Unter einer NH00gL-Sicherung mit 63 Ampere und einem SLS mit E-Charakteristik von 35 bis 63 Ampere bleibt ein nachgeschalteter Leitungsschutzschalter B16 oder B25 selektiv — die Selektivitätsgrenze gibt Hager in allen aufgeführten Kombinationen mit mehr als 6 Kiloampere an. Das ist der Grund, warum der Leitungsschutzschalter des Wechselrichters nicht beliebig groß gewählt werden darf: Je näher sein Nennstrom an den des SLS rückt, desto eher lösen beide gemeinsam aus.
Zwei Nebenbefunde aus derselben TAB gehören dazu. Der SH-Schalter ist zugleich die Trennvorrichtung für die Anschlussnutzeranlage, also der Schalter, mit dem du die gesamte Installation vom Netz nimmst — was bei einer PV-Anlage nur die Wechselstromseite trifft; der Gleichstromteil steht danach weiter unter Spannung. Und die Zählerplatzverdrahtung muss nach DIN VDE 0603-2-1 mindestens 10 Quadratmillimeter betragen. Wie die Trennung im Fehlerfall auf der Netzseite organisiert ist, steht im Ratgeber zum NA-Schutz und Kuppelschalter.
Keine Schraubsicherung als Lasttrenner
Ein typischer Fehler in Bestandsanlagen: Der Wechselrichter hängt hinter einem Schraubsicherungselement nach D-System (Diazed) oder D0-System (Neozed). SMA ist dazu eindeutig — Schraubsicherungen sind keine Lasttrennschalter und dürfen nicht als Lasttrenneinrichtung verwendet werden. Als Leitungsschutz sind sie zulässig, aber wer sie unter Last herausdreht, kann das Element zerstören oder seine Funktion durch Kontaktbrand beeinträchtigen.
Das ist kein theoretisches Problem, weil die Last bei einer PV-Anlage nicht abschaltbar ist: Solange die Sonne scheint, speist das Gerät. Für die Freischaltung braucht es einen Lasttrennschalter oder einen Leitungsschutzschalter, dessen Lasttrenneigenschaften man dafür nutzen darf. Wer wissen will, welche Trennstellen die Feuerwehr im Ernstfall erwartet, findet das im Ratgeber zum Brandschutz und Feuerwehreinsatz; auf der Gleichstromseite sind Sicherungen ein eigenes Thema, siehe Strangsicherung und Lichtbogenschutz.
Brandschutz statt Personenschutz: 300 Milliampere in Scheune und Holzhaus
Ein zweites Schutzziel wird regelmäßig mit dem ersten verwechselt. Der Fehlerstrom-Schutzschalter, über den dieser Artikel bisher spricht, dient dem Schutz gegen indirektes Berühren, also dem Personenschutz.
Daneben gibt es den Brandschutz — und der greift genau dort, wo viele Aufdachanlagen sitzen: Wird die Installation in einer Scheune oder in einem Holzhaus ausgeführt, ist nach DIN VDE 0100-482 aus Brandschutzgründen ein Fehlerstrom-Schutzschalter mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 300 Milliampere erforderlich. SMA rechnet das im ersten Beispiel mit: Der B16 genügt dort als Fehlerschutz, der 300-Milliampere-Schalter kommt aus Brandschutzgründen zusätzlich dazu.
ABB empfiehlt zum Schutz vor elektrisch gezündeten Bränden ebenfalls höchstens 300 Milliampere, alternativ einen Typ B+, der bei maximal 420 Milliampere auslöst. Aufgeräumt gehört dagegen ein verbreitetes Missverständnis zum Außenbereich: Nach DIN VDE 0100-410 ist ein Fehlerstrom-Schutzschalter dort nur für Endstromkreise mit Steckdosen oder fest angeschlossenen ortsveränderlichen Betriebsmitteln bis 32 Ampere gefordert. Ein fest angeschlossener Wechselrichter fällt nicht darunter.
Was du an deiner eigenen Anlage prüfen kannst
Ohne Messgerät und ohne Eingriff in den Zählerschrank bleibt einiges sichtbar. Die folgenden sechs Punkte lassen sich von außen oder aus Unterlagen klären — den Rest macht der eingetragene Elektrobetrieb.
- Steht im Angebot oder in der Rechnung ein Fehlerstrom-Schutzschalter mit Typ und Bemessungsfehlerstrom, oder nur „FI inklusive"?
- Trägt das Gerät im Zählerschrank ein Typkennzeichen — die Typen A, F, B und B+ sind auf dem Gehäuse angegeben?
- Hat der Wechselrichter einen eigenen Leitungsschutzschalter, oder teilt er sich einen Stromkreis mit Steckdosen?
- Sitzen die Leitungsschutzschalter dicht an dicht in einer Reihe, in der auch der des Wechselrichters steckt?
- Steht im Inbetriebsetzungsprotokoll ein Messwert für die Schleifenimpedanz, oder nur ein Häkchen?
- Hängt der Wechselrichter hinter einem Schraubsicherungselement statt hinter einem Leitungsschutz- oder Lasttrennschalter?
Wenn dabei etwas auffällt, ist der Weg nicht die Selbsthilfe: Arbeiten im Zählerschrank darf nur ein im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragener Betrieb ausführen. Wenn der Wechselrichter dagegen sporadisch mit Isolationsfehlermeldungen abschaltet, lohnt zuerst der Blick auf die Ursachen von Isolationsfehlern, bevor der Schutzschalter verdächtigt wird.
Was wir hier nicht belegen können
Vier Lücken bleiben, und sie sind größer als die üblichen. Erstens: Der Wortlaut von DIN VDE 0100-410, -482, -530 und -712 sowie der Anwendungsregeln VDE-AR-N 4100 und 4105 ist kostenpflichtig. Alle Normaussagen in diesem Artikel stammen aus Dokumenten, die sie wiedergeben — aus Herstellerinformationen, einem Anwendungshandbuch und den Technischen Anschlussbedingungen. Das ist belastbar, aber es ist nicht der Normtext.
Zweitens: Preise nennen wir nicht. Für die Differenz zwischen einem Typ A und einem Typ B derselben Baureihe haben wir keine frei zugängliche, datierte Preisquelle gefunden, und eine geschätzte Zahl wäre hier wertlos. Drittens: Zwei Wechselrichterhersteller sind keine Marktübersicht. Die Spanne von 30 bis 300 Milliampere zeigt, dass es eine Spanne gibt — nicht, wo die Mitte liegt. Viertens: Die beiden Netzformen stammen aus den Ergänzungen zweier Netzbetreiber zur TAB 2019. Sie belegen, dass sich die Netzform je Versorger unterscheidet, und ersetzen keine Auskunft über deinen eigenen Anschluss.
Nicht belegen können wir außerdem, wie häufig Fehlauslösungen an PV-Anlagen tatsächlich auf einen zu kleinen Bemessungsfehlerstrom zurückgehen. Die Hersteller benennen die Gefahr, eine Statistik dazu existiert nicht öffentlich.
Häufige Fragen zum Fehlerstrom-Schutzschalter bei der PV-Anlage
Braucht jede PV-Anlage einen Fehlerstrom-Schutzschalter? +
Typ A oder Typ B — was ist bei Photovoltaik richtig? +
Warum löst mein FI-Schalter jeden Mittag aus? +
Kann die PV-Anlage auf den bestehenden Haus-FI gelegt werden? +
Was ist ein SLS-Schalter, und habe ich einen? +
Wie groß muss der Leitungsschutzschalter für meinen Wechselrichter sein? +
Was bedeutet TN-C, und wie finde ich meine Netzform heraus? +
Darf ich den Fehlerstrom-Schutzschalter selbst tauschen? +
Quellen
- SMA Solar Technology: Technische Information „Kriterien für die Auswahl einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung" (RCD-TI-de-45, Version 4.5) (PDF, Abruf am 11.09.2026)
- SMA Solar Technology: Technische Information „Leitungsschutzschalter" (LSS-TI-de-46, Version 4.6) (PDF, Abruf am 11.09.2026)
- SMA: Sunny Boy Storage, Abschnitt „Fehlerstrom-Überwachungseinheit (RCMU)" (Abruf am 11.09.2026)
- SMA: Sunny Tripower X, „Voraussetzungen für den AC-Anschluss" (Abruf am 11.09.2026)
- ABB: Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs), Anwendungshandbuch 2022 (2CDC420027B0101 Rev. E) (PDF, Stand: August 2022, Abruf am 11.09.2026)
- Hager: Technikinformation „Selektive Hauptleitungsschutzschalter (SLS-Schalter)" (PDF, Abruf am 11.09.2026)
- KOSTAL Solar Electric: Betriebsanleitung PLENTICORE BI G2, „Elektrischer Anschluss" (Abruf am 11.09.2026)
- KOSTAL Solar Electric: Herstellererklärung zu RCD und RCM für PIKO-Wechselrichter (PIKO_BA_1042) (PDF, Abruf am 11.09.2026)
- EWR Netz GmbH und Mainzer Netze GmbH: TAB 2019 — Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an das Niederspannungsnetz (Bundesmusterwortlaut mit Ergänzungen) (PDF, Stand 2019, Abruf am 11.09.2026)
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