Heimserver und NAS am Balkonkraftwerk: Wie viel Solarstrom wirklich ankommt
Ein Heimserver läuft Tag und Nacht. Unsere Rechnung mit einer PVGIS-Stundenreihe zeigt, wie viel davon ein Stecker-Solargerät deckt, warum der Ruhezustand den Anteil hebt, aber kaum mehr Solarstrom bringt, und wann ein Speicher hilft.
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
- 1.Heimserver am Balkonkraftwerk: das Wichtigste in drei Sätzen
- 2.Wie viel Strom ein NAS oder Heimserver braucht
- 3.Datenblatt gegen Messung: 14,69 W oder 18,6 W?
- 4.So haben wir gerechnet
- 5.Rund um die Uhr: Der Solaranteil bleibt unter der Hälfte
- 6.Nachts schlafen lassen: höherer Anteil, kaum mehr Solarstrom
- 7.Was ein Speicher mit 1.000 Wh ändert
- 8.Was der Solarstrom beim Heimserver spart
- 9.Worauf du beim Betrieb achten solltest
- 10.Grenzen unserer Rechnung
- 11.Häufige Fragen
Ein Heimserver oder ein NAS läuft meist Tag und Nacht: Fotos sichern, Medien bereitstellen, Smart-Home-Dienste betreiben. Damit gehört er zu den Geräten, die viele an das Balkonkraftwerk hängen wollen. Wir haben Herstellerangaben und eine Testmessung gelesen und mit einer PVGIS-Stundenreihe für Kassel ausgezählt, wie viel Solarstrom beim Server wirklich ankommt, was der Ruhezustand in der Nacht bewirkt und wann sich ein Speicher lohnt. Stand: 13.09.2026.
Heimserver am Balkonkraftwerk: das Wichtigste in drei Sätzen
Ein NAS mit 18,6 W Dauerleistung braucht im Jahr 162,9 kWh, davon deckte ein Stecker-Solargerät mit 0,8 kWp in unserer Rechnung 43,4 Prozent, eines mit 2,0 kWp nur 45,2 Prozent. Schickt man die Festplatten nachts in den Ruhezustand, steigt der Anteil auf 59,1 Prozent, die Menge an Solarstrom bleibt aber fast gleich, gespart wird am Verbrauch. Erst ein Speicher mit 1.000 Wh brachte den Server auf 98,0 Prozent.
Wie viel Strom ein NAS oder Heimserver braucht
Hersteller nennen zwei Werte: einen für den Betrieb mit Zugriff und einen für den Ruhezustand der Festplatten. Dazu kommt eine Messung aus einem Test und ein Wert aus der Dokumentation des Raspberry Pi, der oft als sparsamer Heimserver dient. Den Jahresverbrauch haben wir als Dauerleistung mal 8.760 Stunden gerechnet.
| Gerät und Quelle | Betriebszustand | Leistung | Jahresverbrauch bei Dauerbetrieb |
|---|---|---|---|
| Synology DS224+, Datenblatt | Zugriff | 14,69 W | 128,7 kWh |
| Synology DS224+, Datenblatt | HDD-Ruhezustand | 4,41 W | 38,6 kWh |
| Synology DS224+, Messung ComputerBase | Leerlauf | 18,6 W | 162,9 kWh |
| Synology DS224+, Messung ComputerBase | Schreibzugriff | 25,3 W | 221,6 kWh |
| Synology DS224+, Messung ComputerBase | erweiterter Ruhezustand | 3,5 W | 30,7 kWh |
| QNAP TS-233, Hersteller | Betrieb, typisch | 10,81 W | 94,7 kWh |
| QNAP TS-233, Hersteller | Disk Standby | 3,43 W | 30,0 kWh |
| Raspberry Pi 4B, Dokumentation | Leerlauf (0,6 A bei 5,1 V) | 3,06 W | 26,8 kWh |
Beim Raspberry Pi nennt die Dokumentation die Stromaufnahme in Ampere, die Umrechnung in Watt stammt von uns. Für den Raspberry Pi 5 enthält die Tabelle keinen Leerlaufwert; die Dokumentation gibt dort nur an, dass er ausgeschaltet standardmäßig rund 1 W bis 1,4 W aufnimmt. Welche Leistung dein Gerät tatsächlich hat, zeigt ein Zwischenstecker mit Messfunktion zuverlässiger als jedes Datenblatt.
Datenblatt gegen Messung: 14,69 W oder 18,6 W?
Für dieselbe Synology DS224+ liegen die Zahlen weit auseinander. Das Datenblatt nennt 14,69 W im Zugriff. ComputerBase maß im Test vom 09.08.2023 schon im Leerlauf 18,6 W und beim Schreiben 25,3 W, also mehr als der Hersteller für den Zugriff angibt. Im Test steckten Festplatten vom Typ Seagate IronWolf Pro mit 20 TB. Unter welchen Bedingungen Synology misst, verweist das Datenblatt auf einen eigenen Artikel, den wir nicht gelesen haben.
Beim Ruhezustand ist es umgekehrt: Das Datenblatt nennt 4,41 W, ComputerBase maß im erweiterten Ruhezustand 3,5 W. Schaltete die Redaktion den erweiterten Ruhezustand aus, lag das Gerät bei 7,0 W. Für die Rechnung am Balkonkraftwerk ist das wichtig. Wer mit dem Datenblatt rechnet, unterschätzt den Verbrauch im Dauerbetrieb um rund ein Fünftel, wenn die eigenen Festplatten so viel ziehen wie die im Test. Wir rechnen deshalb mit der Messung von 18,6 W.
So haben wir gerechnet
Das Photovoltaic Geographical Information System (PVGIS) der EU-Kommission liefert die Leistung einer PV-Anlage Stunde für Stunde. Wir haben das Jahr 2023 für Kassel verwendet: Module 35 Grad nach Süden, 14 Prozent Systemverluste, umgerechnet auf 0,8 kWp und 2,0 kWp. Die Zeitstempel haben wir von UTC auf deutsche Ortszeit mit Sommerzeit umgestellt, damit „nachts“ auch wirklich nachts ist.
- Der Server zieht in jeder Stunde gleichmäßig seine Leistung, Lastspitzen beim Schreiben sind nicht abgebildet.
- Außer dem Server hängt kein anderer Verbraucher an der Anlage.
- Der Speicher lädt mit 90 Prozent Wirkungsgrad aus dem Überschuss, gibt verlustfrei ab und startet leer.
Rund um die Uhr: Der Solaranteil bleibt unter der Hälfte
| Betrieb | Verbrauch im Jahr | Anlage | Anteil Solarstrom | Solarstrom im Jahr |
|---|---|---|---|---|
| 18,6 W rund um die Uhr | 162,9 kWh | 0,8 kWp | 43,4 % | 70,7 kWh |
| 18,6 W rund um die Uhr | 162,9 kWh | 2,0 kWp | 45,2 % | 73,7 kWh |
| 14,69 W rund um die Uhr (Datenblatt) | 128,7 kWh | 0,8 kWp | 44,1 % | 56,7 kWh |
| 3,06 W rund um die Uhr (Raspberry Pi 4B) | 26,8 kWh | 0,8 kWp | 46,1 % | 12,3 kWh |
Ob großes NAS oder kleiner Einplatinenrechner: Ohne Speicher landen alle Varianten zwischen 43 und 47 Prozent. Ein typischer Fehler ist, für den Server zusätzliche Module zu kaufen: Das Zweieinhalbfache an Modulleistung hob den Anteil beim NAS nur von 43,4 auf 45,2 Prozent. Tagsüber reichen schon wenige Watt Ertrag für die 18,6 W, in den Nachtstunden hilft keine Modulgröße. Dasselbe Muster zeigt eine andere Dauerlast, die wir im Ratgeber Gefriertruhe am Balkonkraftwerk durchgerechnet haben.

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Nachts schlafen lassen: höherer Anteil, kaum mehr Solarstrom
Anders als eine Gefriertruhe lässt sich ein Server steuern. Das Datenblatt der DS224+ führt „Geplantes Ein-/Ausschalten“ und „Aufwachen bei LAN-/WAN-Verbindung“ als Funktionen auf. Wir haben zwei Zeitpläne gerechnet: von 7 bis 23 Uhr Leerlauf mit 18,6 W, nachts entweder erweiterter Ruhezustand mit 3,5 W oder ganz aus.
| Zeitplan | Verbrauch im Jahr | Anteil Solarstrom (0,8 kWp) | Solarstrom im Jahr | Stromkosten ohne PV |
|---|---|---|---|---|
| rund um die Uhr 18,6 W | 162,9 kWh | 43,4 % | 70,7 kWh | 60,29 Euro |
| nachts Ruhezustand 3,5 W | 118,8 kWh | 59,1 % | 70,2 kWh | 43,97 Euro |
| nachts aus | 108,6 kWh | 64,5 % | 70,1 kWh | 40,19 Euro |
Hier liegt eine Falle beim Lesen von Prozentwerten. Der Solaranteil steigt von 43,4 auf 64,5 Prozent, die Menge an Solarstrom sinkt aber sogar leicht von 70,7 auf 70,1 kWh. Der Anteil wächst nur, weil der Server nachts weniger verbraucht. Die eigentliche Ersparnis ist der Nachtverbrauch selbst: 54,3 kWh weniger im Jahr, das sind bei 37,0 ct/kWh laut BDEW-Strompreisanalyse August 2026 20,09 Euro. Das spart ein Zeitplan auch ganz ohne Balkonkraftwerk.
Ein Nachteil: Dienste, die nachts laufen sollen, etwa Datensicherungen oder Fernzugriff, brauchen dann ein anderes Zeitfenster. Leg Sicherungen deshalb in den Mittag, wenn die Module liefern und der Server ohnehin wach ist.
Was ein Speicher mit 1.000 Wh ändert
Das NAS braucht in zwölf Nachtstunden bei 18,6 W rund 223 Wh. Ein Speicher mit 1.000 Wh fasst das an vielen Tagen mehrfach. Monatswerte für den Dauerbetrieb am Stecker-Solargerät mit 0,8 kWp:
| Monat | ohne Speicher | mit 1.000 Wh |
|---|---|---|
| Januar | 27,4 % | 92,5 % |
| April | 51,0 % | 100,0 % |
| Juni | 59,7 % | 100,0 % |
| Oktober | 37,2 % | 100,0 % |
| Dezember | 24,7 % | 84,1 % |
Übers Jahr kam der Server so auf 98,0 Prozent und 159,7 kWh Solarstrom, ein Speicher mit 2.000 Wh brachte ihn auf 99,5 Prozent. Die zusätzlichen 1.000 Wh bringen dem Server allein also kaum noch etwas. Ein Speicher lohnt sich ohnehin nicht wegen eines einzelnen Geräts, sondern für die gesamte Grundlast der Wohnung. Welche Größe passt, erklärt der Ratgeber Balkonkraftwerk mit Speicher, die Verluste beim Laden und Entladen stehen im Ratgeber Wirkungsgrad und Verluste von Speichern.
Was der Solarstrom beim Heimserver spart
Gerechnet ist jede selbst genutzte Kilowattstunde mit 37,0 ct/kWh, eine Einspeisevergütung ist nicht abgezogen.
- NAS mit 18,6 W rund um die Uhr: Stromkosten 60,29 Euro im Jahr, Solarstrom ohne Speicher 26,16 Euro wert, mit 1.000 Wh 59,07 Euro.
- NAS mit Ruhezustand in der Nacht: Stromkosten 43,97 Euro, Solarstrom ohne Speicher 25,99 Euro wert.
- Raspberry Pi 4B im Leerlauf: Stromkosten 9,92 Euro, Solarstrom ohne Speicher 4,57 Euro wert.
Die Zahlen zeigen, wie klein der Posten ist. Beim Raspberry Pi geht es um weniger als 5 Euro im Jahr. Beim NAS bringt der Zeitplan für die Nacht mit 16,32 Euro Ersparnis gegenüber dem Dauerbetrieb fast so viel wie der gesamte Solarstrom ohne Speicher. Wer gerade ein neues Gerät auswählt, spart mit einem sparsamen Modell dauerhaft, egal woher der Strom kommt: Zwischen den 18,6 W der gemessenen DS224+ und den 10,81 W, die QNAP für die TS-233 angibt, liegen 68,2 kWh im Jahr, wenn beide Werte zutreffen.

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Worauf du beim Betrieb achten solltest
Ein NAS stellt keine hohen Anforderungen an die Anlage. Synology gibt für die DS224+ ein Netzteil mit 60 W an, QNAP für die TS-233 mindestens 48 W, und Raspberry Pi empfiehlt für den Pi 5 ein Netzteil mit 27 W. Selbst die Nennleistung des Netzteils ist also nur ein kleiner Teil dessen, was ein Stecker-Solargerät nach der 800-Watt-Regel einspeisen darf.
- Stromausfall: Das Datenblatt der DS224+ nennt eine Funktion zur Wiederherstellung nach Stromausfall. Ob dein Speicher bei einem Netzausfall weiterversorgt, hängt vom Gerät ab; mehr dazu im Ratgeber Notstromfunktion beim Speicher.
- Aufstellort: Synology nennt für die DS224+ eine Betriebstemperatur von 0 °C bis 40 °C. Ein unbeheizter Raum neben dem Speicher in der Garage kann im Winter darunter liegen.
- Messen statt schätzen: In der Praxis zeigt ein Zwischenstecker mit Messfunktion nach einer Woche, wie viel dein Server im Mittel wirklich zieht.
- Miss die Leistung deines Servers eine Woche lang mit einem Zwischenstecker.
- Rechne den Jahresverbrauch aus: mittlere Leistung mal 8.760 Stunden.
- Stelle den Ruhezustand der Festplatten ein oder lege einen Zeitplan für die Nacht fest.
- Verschiebe Datensicherungen und große Kopieraufträge in die Mittagsstunden.
- Rechne den Nachtbedarf aus: Leistung mal Nachtstunden.
- Entscheide erst dann, ob ein Speicher für die ganze Grundlast sinnvoll ist.
- Leistung im Zugriff und im Ruhezustand laut Datenblatt
- Unabhängige Messwerte mit ähnlichen Festplatten
- Funktionen für Zeitplan und Aufwachen per Netzwerk
- Betriebstemperatur am geplanten Aufstellort
- Leistung des Stecker-Solargeräts in kWp
- Andere Verbraucher in der Nacht
Grenzen unserer Rechnung
Die Werte gelten für Kassel und das Wetterjahr 2023. Der Server ist als gleichmäßige Last angesetzt; ein Gerät, das tagsüber viel schreibt und nachts ruht, liegt näher an der Variante mit Ruhezustand. Die Messung von ComputerBase galt für Festplatten mit 20 TB, mit kleineren Laufwerken oder SSD kann die Leistung niedriger liegen, das haben wir nicht nachgemessen. Für den Raspberry Pi 5 haben wir keinen belegten Leerlaufwert gefunden und ihn deshalb nicht gerechnet. Mehr zum Steuern von Verbrauchern nach dem Ertrag steht im Ratgeber Eigenverbrauch optimieren.