Museum mit PV: Öffnungszeiten, Raumklima und Eigenverbrauch
BDEW M-24, Energiebericht Weinheim mit Monatswerten, NWG-Vergleichswerte, Museen Lüneburg und Altona gelesen, Stadtmuseum gegen PVGIS Weinheim gerechnet.
Inhaltsverzeichnis · 11 Abschnitte
- 1.Kurz gesagt: Lohnt Photovoltaik auf dem Museum?
- 2.Welches Lastprofil gilt für ein Museum?
- 3.Wie viel Strom braucht ein Stadtmuseum?
- 4.Wann ein Museum Strom braucht
- 5.Das Modell: Monatswerte, Öffnungszeiten und Grundlast
- 6.Warum die Grundlast bei kleinen Anlagen hilft
- 7.Mehr Module oder Speicher?
- 8.Was die Praxis zeigt: Lüneburg und Altona
- 9.Museum im Vergleich mit Bibliothek und Theater
- 10.Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
- 11.Häufige Fragen
Ein kleines Stadtmuseum ist nur wenige Stunden in der Woche geöffnet, meist nachmittags und am Wochenende. Trotzdem zeigt der Energiebericht eines solchen Hauses einen Stromverbrauch, der über das Jahr kaum schwankt. Dieser Ratgeber rechnet mit gemessenen Monatswerten eines echten Stadtmuseums nach, wie viel Solarstrom es selbst nutzt, und zeigt, warum der Sommer hier kein Problem, sondern ein Vorteil ist.
Stand: 16.09.2026. Alle verlinkten Seiten und Berichte wurden an diesem Tag direkt beim Herausgeber gelesen.
Kurz gesagt: Lohnt Photovoltaik auf dem Museum?
Ja, wenn die Anlage zum Verbrauch passt. Im Modell für das Museum der Stadt Weinheim mit 15.221 kWh Jahresverbrauch nutzt eine 5-kWp-Anlage 68,2 % ihres Stroms selbst, eine 10-kWp-Anlage 53,5 %. Bei 14 kWp, die rechnerisch den Jahresverbrauch erzeugen, bleiben 46,0 %.
Das Museum ist dabei nur 921 Stunden im Jahr geöffnet. Dass der Eigenverbrauch trotzdem hoch bleibt, liegt am Jahresgang: Von Mai bis August verbraucht das Haus 35,8 % seines Jahresstroms, die Anlage liefert in diesen Monaten 46,6 %. Im Winter von November bis Februar sind es 28,7 % Verbrauch gegen 15,4 % Ertrag.
- Das Museum der Stadt Weinheim verbrauchte 2024 laut Energiebericht 15.221 kWh Strom auf 1.051 m².
- Der höchste Monat war der April mit 1.444 kWh, der niedrigste der Dezember mit 889 kWh.
- Geöffnet ist das Museum 18 Stunden in der Woche, sonntags ab 11 Uhr.
- 10 kWp ohne Speicher: 53,5 % Eigenverbrauch, mit 10 kWh Speicher 75,7 %.
Welches Lastprofil gilt für ein Museum?
Die BDEW-Liste M-24 zur Zuordnung der VDEW-Lastprofile führt das Museum unter Schlüssel 925 mit den Profilen G1 und G3. Anders als bei der wissenschaftlichen Bibliothek nennt die Liste dafür keine Bedingung. G1 steht für Gewerbe werktags von 8 bis 18 Uhr, G3 für einen gleichmäßigen Bezug.
Keines der beiden passt zu einem Haus, das nachmittags und sonntags öffnet. Im Modell liegen sie trotzdem nah an der Rechnung mit echten Öffnungszeiten: Bei 10 kWp ergibt G1 57,2 % Eigenverbrauch, G3 48,9 %, das Modell mit 50 % Grundlast 53,5 %. Das deutet auf eine hohe Grundlast hin, gemessen ist sie nicht.
Wie viel Strom braucht ein Stadtmuseum?
Der Energiebericht 2024 der Stadt Weinheim führt das Museum in der Amtsgasse mit 1.050,87 m² beheizter Nettogrundfläche als Ausstellungsgebäude, mit Jahres- und Monatswerten.
| Museum der Stadt Weinheim | Strom |
|---|---|
| 2019 | 17.700 kWh |
| 2021 | 14.173 kWh |
| 2022 | 16.663 kWh |
| 2023 | 15.882 kWh |
| 2024 | 15.221 kWh |
Quelle: Energiebericht 2024 der Stadt Weinheim, Kapitel Museum. Mit 15.221 kWh auf 1.051 m² liegt das Haus bei rund 14,5 kWh je Quadratmeter. Der Bericht nennt als Vergleichswert 40 kWh, als Zielwert 10 kWh.
Wofür ein Ausstellungsgebäude Strom braucht, zeigt die Bekanntmachung der Vergleichswerte für Nichtwohngebäude vom 15.04.2021. Für Ausstellungsgebäude setzt sie als Teilenergiekennwerte 7,8 kWh je Quadratmeter für Beleuchtung, 6,3 kWh für Lüftung und 1,7 kWh für Kälte an.
Wann ein Museum Strom braucht
Das Museum der Stadt Weinheim öffnet dienstags bis donnerstags und samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Das sind 18 Stunden in der Woche und im Rechenjahr 921 Öffnungsstunden, Feiertage abgezogen. In diese Stunden fallen im Modell nur 28,3 % des Solarertrags.
Die Monatswerte zeigen, dass die Öffnungszeiten den Verbrauch kaum bestimmen. Zwischen April mit 1.444 kWh und November mit 1.264 kWh liegt wenig, erst der Dezember fällt auf 889 kWh. Der Sonntag bringt dem Museum einen Vorteil gegenüber Bibliothek und Bauhof: Auf ihn entfallen 14,0 % des Solarertrags, und er ist ein Öffnungstag.
Für 2026 kündigt das Museum an, im Juli und August nur an Wochenenden zu öffnen. Ob das auch 2024 galt, steht nicht auf der Seite, deshalb rechnet das Modell mit den regulären Zeiten. Juli und August hatten 2024 zusammen 17,7 % des Jahresverbrauchs, etwas mehr als ein durchschnittlicher Monat.
Das Modell: Monatswerte, Öffnungszeiten und Grundlast
Die Rechnung verteilt jeden Monatswert 2024 auf die Stunden des Monats. Ein Teil läuft als Grundlast rund um die Uhr, der Rest fällt in die Öffnungszeiten, mit halber Last in der Stunde davor. Wie groß die Grundlast ist, steht in keinem gelesenen Bericht. Weil der Verbrauch über das Jahr so gleichmäßig ist, rechnet das Modell mit 50 %, 70 % und 90 %.
Den Solarertrag liefert PVGIS für Weinheim, Süd, 35 Grad Neigung, Wetterjahr 2020: 1.105,4 kWh je kWp. Rechnerisch deckt eine Anlage mit 13,8 kWp den Jahresverbrauch.
| Anlage (Abruf PVGIS: 16.09.2026) | Eigenverbrauch 50 % Grundlast | Autarkie 50 % Grundlast | Eigenverbrauch 90 % Grundlast |
|---|---|---|---|
| 3 kWp | 80,6 % | 17,6 % | 95,3 % |
| 5 kWp | 68,2 % | 24,8 % | 79,5 % |
| 10 kWp | 53,5 % | 38,9 % | 50,3 % |
| 14 kWp | 46,0 % | 46,7 % | 39,1 % |
| 10 kWp mit 10 kWh Speicher | 75,7 % | 55,0 % | 70,2 % |
| 14 kWp mit 10 kWh Speicher | 63,6 % | 64,6 % | 55,4 % |
Quelle: eigene Rechnung mit PVGIS und den Monatswerten 2024 aus dem Weinheimer Energiebericht. Grundlast und Vorlaufstunde sind Annahmen.

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Warum die Grundlast bei kleinen Anlagen hilft
Bei einer kleinen Anlage hebt eine hohe Grundlast den Eigenverbrauch: Mit 3 kWp steigt er von 80,6 % bei 50 % Grundlast auf 95,3 % bei 90 % Grundlast. Bei 14 kWp kehrt sich das um, der Eigenverbrauch fällt von 46,0 % auf 39,1 %.
Eine kleine Anlage erzeugt selten mehr, als die Dauerlast abnimmt, also wird auch der Montagsstrom genutzt. Eine große Anlage erzeugt mittags mehr, als die Grundlast braucht. Dann zählt, ob Besucher im Haus sind, und das ist bei geringer Grundlast stärker in den Öffnungsstunden gebündelt. Dasselbe Muster zeigt die Rechnung für die Bibliothek.
Mehr Module oder Speicher?
Bis etwa 5 kWp braucht ein Museum dieser Größe keinen Speicher, der Eigenverbrauch liegt im Modell zwischen 68,2 % und 79,5 %. Darüber lohnt der Blick auf einen Batteriespeicher: Mit 10 kWp und 10 kWh Kapazität steigt der Eigenverbrauch von 53,5 % auf 75,7 %, die Autarkie von 38,9 % auf 55,0 %.
Der Speicher bringt den Mittagsstrom in den Abend und die Nacht, in denen die Grundlast weiterläuft. Den Sommer muss er nicht in den Winter retten, weil das Museum im Sommer ohnehin mehr verbraucht. Wie Kapazität und Ladezyklen zusammenhängen, zeigt Speichergröße berechnen.
Beim Geld hilft der Weinheimer Bericht mit einer Kostenzeile: 4.283 Euro netto für Strom im Jahr 2024, bei 15.221 kWh rund 28,1 Cent je kWh. Die Zeile umfasst alle Tarifgrößen, nicht nur den Arbeitspreis. Als grobe Obergrenze spart eine 5-kWp-Anlage mit 3.769 kWh Eigenverbrauch rund 1.061 Euro im Jahr, eine 10-kWp-Anlage mit 5.914 kWh rund 1.664 Euro. Ob sich der Rest einspeisen lässt, beschreibt Eigenverbrauch oder Volleinspeisung.
Was die Praxis zeigt: Lüneburg und Altona
In der Praxis richtet Lüneburg den Solarstrom am Museum auf die Klimatechnik aus. Die Hansestadt installiert laut Pressemitteilung vom 11.08.2026 auf dem Museum Lüneburg eine Anlage mit etwa 70 kWp in drei Teilgeneratoren. Erwartet werden rund 65.000 kWh im Jahr, der Strom soll vor allem die Klimaanlage versorgen, die das Raumklima für Lagerung und Ausstellung der Exponate hält. Die Stadt investiert 110.000 Euro.
Auf dem Altonaer Museum in Hamburg entstand im März 2023 eine Anlage auf 215 m² eines denkmalgeschützten Gebäudes. Ein Solarunternehmen pachtet das Dach und betreibt die Anlage, laut Stadt verbraucht das Museum den Großteil des Stroms selbst. Einen Prozentwert nennt die Seite nicht. Wie Denkmalschutz und Photovoltaik zusammengehen, steht unter Photovoltaik und Denkmalschutz, das Pachtmodell unter Dach verpachten.
- Hol dir die Monatswerte des Stromzählers aus dem kommunalen Energiebericht oder vom Gebäudemanagement.
- Vergleiche Sommer und Winter: Liegt der Sommer gleichauf oder höher, laufen vermutlich Lüftung oder Kühlung als Grundlast mit.
- Rechne im Angebot mindestens zwei Anlagengrößen und prüfe, ab welcher Größe der Eigenverbrauch unter 50 % fällt.
Museum im Vergleich mit Bibliothek und Theater
Die Bibliothek hat lange Öffnungszeiten, aber einen Winterverbrauch, der der Sonne entgegenläuft. Das Museum hat kurze Öffnungszeiten, aber einen Verbrauch, der im Sommer eher steigt. Am Jahresausgleich landen beide im Modell mit 50 % Grundlast bei 46,0 % Eigenverbrauch. Das Theater spielt dagegen abends und pausiert im Sommer, beides arbeitet gegen die Solaranlage.
Was dieser Ratgeber nicht belegen konnte
Drei Lücken bleiben offen. Erstens liegt kein gemessener Stundenlastgang eines Museums vor, die Grundlast ist ein Szenario. Zweitens nennt die Stadtseite sonntags 10 Uhr als Öffnungsbeginn, die Museumsseite 11 Uhr, das Modell folgt der Museumsseite. Drittens erklärt der Bericht nicht, warum der Dezember 2024 so niedrig lag.
Sonderausstellungen, Veranstaltungen am Abend und Schließwochen fehlen im Modell. Die Zahlen hier ersetzen keine Rechnung mit den eigenen Zählerdaten.
Häufige Fragen
Welches Standardlastprofil gilt für ein Museum? +
Wie viel Strom verbraucht ein Stadtmuseum? +
Wie viel Solarstrom nutzt ein Museum selbst? +
Lohnt sich ein Batteriespeicher für ein Museum? +
Warum braucht ein Museum im Sommer so viel Strom wie im Winter? +
Darf ein Museum im Denkmal eine PV-Anlage bekommen? +

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